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Full text of "Verzeichnis der Gemäldesammlung im Kgl. Museum der bildenden Künste zu Stuttgart"

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Z Verbindungsgang und 
Treppenhaus: Kartons. 

Grundriss der Königl. Staatsgemäldegalerie In Stuttgart. 
Museum der bildenden Künste, Neckarstr. 32, 1. Stockwerk. 



Zur Orientierung 

(vgl. den nebenstehenden Grundriss). 

Man wendet sich vom Vestibül aus links, steigt die Treppe 
hinauf und betritt die nördliche Hälfte der Galerie mit dem Saale H. 
Von hier wendet man sich zunächst links, um nach Durchschreiten 
der Kabinette G— B den Saal der Altdeutschen A zu erreichen, 
die auch im Katalog den Anfang bilden. Von da verfolgt man 
die Räume in der Reihenfolge des Alphabets. Jeder Saal ist durch 
einen grossen, jede Wand durch einen kleinen lateinischen Buch- 
staben bezeichnet. Diese Buchstaben sind jedem Gemälde im 
Katalog zum Zweck der bequemeren Auffindung hinzugefügt. „Ulm" 
bedeutet: Ulmer, »Tübingen": Tübinger Filialgalerie, .Minist.": 
Ministerium, „Mag." : Magazin. Nach Besichtigung der nördlichen 
Hälfte der Galerie geht man durch den Verbindungsgang Z nach der 
südlichen Hälfte, die man mit dem Saal T betritt. Von hier wendet 
man sich zuerst rechts, um nach Durchschreitung des Korridors S 
den Saal der schwäbischen Klassizisten P zu gewinnen, mit dem 
die moderne Abteilung beginnt. Hieran schliessen sich Q, R, S 
u. s. w. Im Erdgeschoss gehört zur Galerie nur ein Saal links, der 
die Neherschen Kartons zu Glasmalereien enthält, während die übri- 
gen Kartons im Treppenhause und im Verbindungsgang Z hängen. 

Für den, der wenig Zeit hat, sei bemerkt, dass die Bilder von 
Zeitblom und die neuerworbenen altdeutschen Altarwerke im Saal A, 
die Bathseba von Memling im Kabinett C, der Paulus von Rem- 
brandt im Kabinett F, die Porträts von Gainsborough im Saal J, die 
Bilder von Giovanni Bellini, Carpaccio und Fra Bartolommeo im 
Saal M, die Villa am Meere von Boecklin im Kabinett N, die Bilder 
von Waechter und Schick sowie die Kleopatra von Makart im Saal P, 
die Iphigenie von Feuerbach und das Abendmahl von Uhde im 
Saal Y hängen. 

Besuchszeiten. 

Die Gemäldesammlung ist dem Publikum auf Verlangen und 
nach Anmeldung beim Hausverwalter jederzeit geöffnet. 
Freier Eintritt findet statt: 

Im Winterhalbjahr (1. November bis 30. April): Sonntags von 
11—4, Mittwochs und Freitags von 10—1 und 2—4 Uhr. 

Im Sommerhalbjahr (l.Mai bis 31. Oktober): Sonntags von 
11—4, Dienstags, Mittwochs und Freitags von 10—1 und 2—4 Uhr. 

Zu anderen Zeiten hat der Hausverwalter zu beanspruchen: 
Für 1 Person — Mk. 50 Pf. 

„ 2 — 3 Personen 1 , — . 

, 4 — 6 Personen 1 , 50 , 

, mehr als 6 Personen 2 , — , 

Schulklassen unter Begleitung der Lehrer haben freien Eintritt. 

Kataloge und Photographien sind beim Hausverwalter käuflich. 



VERZEICHNIS DER 

GEMÄLDESAMMLUNG 

IM KGL. MUSEUM DER BILDENDEN KÜNSTE 

zu STUTTGART mit 100 Abbildungen 



BEARBEITET VON 
PROF. KONRAD LÄNGE-TÜBINGEN 
2. AUFLAGE ;: PREIS MARK 1.50 



STUTTGART • VERLAG VON W. SPEMflNN 1907. 



Buchdruckerei Wolfgang Drück in Cannstatt. 



Vorwort. 



Die erste Auflage dieses Verzeichnisses ist Ostern 1903 er- 
schienen. Ihre Abfassung fiel in dieselbe Zeit, wie die Neu- 
ordnung der Gemäldegalerie, die mir damals als Aufgabe zufiel. 
Da ich diese Arbeit im Nebenamt ausführen musste und mir 
in Stuttgart keine kunsthistorisch geschulte Hilfskraft zur Seite 
stand, war es mir nicht möglich, den Stoff so durchzuarbeiten, 
wie es heutzutage von einem wissenschaftlichen Katalog ver- 
langt wird. Leider sind dadurch manche Versehen in den Text 
gekommen. Ich habe mich bemüht, sie in der zweiten Auflage 
zu beseitigen. Der neuen Litteratur ist möglichst Rechnung 
getragen, die Biographien der Künstler sind vervollständigt und 
berichtigt, viele Gemälde, besonders der altdeutschen und eng- 
lischen Schule auf Grund eigener kritischer Forschungen neu be- 
handelt worden. Die Fachgenossen werden manche neue Be- 
stimmung finden, und auch die gebildeten Laien dürften sich der 
Einsicht nicht verschliessen, dass es die Pflicht der Verwaltung 
ist, durch wissenschaftliche Forschungen die Grundlage für die 
ästhetische Beurteilung der Bilder zu schaffen. 

Zu den S. 44 genannten Fachgenossen, die so freundlich waren, 
mir ihre Bestimmungen zur Verfügung zu stellen, ist inzwischen 
noch Herr Geh. Regierungsrat W. von Seidlitz in Dresden gekommen, 
dem ich besonders manche Aufklärung in Bezug auf die Italiener 
verdanke. Das Kapitel über die Holländer, das Herr Dr. Hofstede 
de Groot in der ersten Auflage mit gelesen hatte, erbot sich dies- 
mal Herr Dr. Martin im Haag liebenswürdigerweise in der Korrektur 



VIII 



durchzusehen. Ihm verdanke ich besonders manches inzwischen 
bekannt gewordene Datum in den Biographien der Künstler. 

Leider hat sich der Druck länger hingezogen, als ich be- 
rechnet hatte. Dadurch und durch die leidige Doppelnatur meiner 
wissenschaftlichen Existenz sind einige Versäumnisse entstanden 
und mehrere Nachträge und Verbesserungen notwendig geworden, 
die ich den Leser von S. 284 ff. in den Text einzutragen bitte. 

Die Herausgabe des Katalogs, der durch das Entgegenkommen 
der Verlagsbuchhandlung jetzt in beträchtlich stattlicherer Form als 
früher erscheinen kann, fällt gerade mit meinem Rücktritt von der 
provisorischen Galerie-Inspektion zusammen. Als eine Art Rechen- 
schaftsbericht über meine 6 '/s jährige Verwaltung mögen die Be- 
merkungen auf S. 31—40 gelten. Indem ich allen, die mich in 
dieser Zeit unterstützt haben, meinen besten Dank sage, wünsche 
ich der Galerie eine gesunde Weiterentwicklung in den beiden 
ihr durch ihre Geschichte vorgezeichneten Richtungen, nämlich 
der auf die alte schwäbische und der auf die moderne deutsche 
Kunst. 

Anfang September 1907. 



Prof. Lange, Tübingen. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

Geschichte der Sammlung 1—40 

Die herzogliche Gemäldesammlung im 17. Jahr- 
hundert 1 

Die Gemäldesammlung in Ludwigsburg .... 6 

Die Boissereesche Gemäldesammlung in Stuttgart 16 

Gründung der Staatsgalerie 18 

Die Ueberweisungen aus Ludwigsburg .... 19 

Die Sammlung Barbini-Breganze 23 

Die Sammlung Abel 25 

Die Hasslersche und die Hirschersche Sammlung. 
Versteigerung der Gräflich Schönbornschen Ga- 
lerie von Pommersfelden 28 

Die Geschenke König Karls. Das Königin Olga- 
Vermächtnis 30 

Reorganisation der Galerie 1902. Neuordnung. Ueber- 
weisungen und Ausscheidungen 31 

Gründung von Filialgalerien 34 

Der Stuttgarter Galerieverein 37 

Die Neuerwerbungen der letzten sechs Jahre . . 39 

Der Katalog 40 

Beschreibung der Gemälde. 

I. Altdeutsche Schule 45— 88 

II. Altniederländische Schule 88— 95 

III Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts .... 95—110 

IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts 110-139 

V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts . 139—151 

VI. Englische, französische u. s. w. Schule des 17. und 

18. Jahrhunderts 151—162 

VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts 163-188 

VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts 188—207 

IX. Moderne ausländische Schulen 207—219 

X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts .... 219—281 

Aquarelle 282 

Kartons 282—283 

Plastik 284 

Nachträge und Verbesserungen . . . . . 284—288 

Namenverzeichnis 289—306 



Geschichte der Sammlung.*) 



Die Gemäldegalerie ist an der Stelle, an der sie 
sich jetzt befindet, im Jahre 1843 gegründet worden. 
Doch gehen diejenigen ihrer Bestände, die früher 
Eigentum der Landesfürsten waren, zum grossen Teil 
schon in das 18., einige sogar in das 17. Jahrhundert 
zurück. Ob ein paar der ältesten Bilder, die aus 
Ludwigsburg stammen, schon im 15. und 16. Jahr- 
hundert den württembergischen Grafen und Herzögen 
gehörten, lässt sich in Ermangelung von Inventaren 
aus dieser Zeit nicht mehr bestimmen. 

Das älteste erhaltene Inventar, das den ganzen 
herzoglichen Mobiliar- und Kunstbesitz aufzählt, 
stammt aus dem Jahre 1621, also aus der Regierunga- 
zeit des Herzogs Johann Friedrich (1608—1628) 
Darm werden 262 Gemälde aufgezählt, die sich teils 
im (alten) Schlosse zu Stuttgart, teils in dem alten 



. ) Die altere Geschichte beruht auf den schon in der vorigen 
Autlage benützten Akten des Oberhofmarschallamts, die sich jetzt 
im Kgl. Haus- und Staatsarchiv befinden und durch einige Schrift- 
stucke in den Ludwigsburger Archiven ergänzt wurden. Die 
jüngere ist teilweise, wenn auch nicht vollständig, schon von 
anderen behandelt worden, z. B. A. Haakh, Beiträge aus Württem- 
berg zur neueren deutschen Kunstgeschichte (1863), S. 44—55, 
A. Wmtterhn, Württembergische Künstler in Lebensbildern (1895), 
passim, M. Bach, Stuttgarter Kunst (1900), S. 226—243 u. s. w. 
Vgl. auch Bertold Pfeiffer in : Herzog Karl Eugen von Württemberg 
und seine Zeit, 8. Heft (1907), S. 674-677. 

1 



2 



Geschichte der Sammlung. 



(1750 niedergerissenen) Lusthause, teils in dem neuen 
(dem berühmten) Lusthause, teils in dem (1758 ver- 
brannten, 1778—1782 abgetragenen) neuen Bau be- 
fanden. Die meisten dieser Gemälde waren Bildnisse, 
nur 20 sind wenigstens nicht ausdrücklich als solche 
bezeichnet. Die Porträts der herzoglichen Familie 
mochten zum Teil aus älterer Zeit stammen, zum 
Teil aber auch Idealporträts sein, die erst damals 
mit Benützung älterer Bilder zur Dekoration der 
kürzlich errichteten Prachtbauten ausgeführt worden 
waren. Einige von den letzteren haben sich wahr- 
scheinlich noch — an verschiedenen Stellen — er- 
halten. Von den Bildern der Galerie lässt sich keines 
mit Sicherheit in diesem Inventar nachweisen. 

Das nächste erhaltene Inventar stammt von 1634, 
also aus der Regierungszeit Herzog Eberhards III. 
(1628—1674). Es ist unmittelbar vor der Niederlage 
bei Nördlingen und der Flucht des Hofes nach Strass- 
burg geschrieben und führt uns einen glänzenden 
fürstlichen Kunstbesitz aus der Zeit vor, in der die 
Prachtliebe der deutschen Renaissancefürsten, die 
erst durch den 30jährigen Krieg etwas eingedämmt 
wurde, ihren Höhepunkt erreicht hatte. Damals 
besass der Herzog schon über 800 Bilder, ein Beweis, 
dass unter Johann Friedrich und Eberhard III. ein be- 
deutender Zuwachs stattgefunden hatte. Wir werden 
nicht irre gehen, wenn wir darin hauptsächlich ein 
Verdienst Eberhards sehen, der für Altertümer und 
Kunst ein besonderes Interesse hatte. 

Weitaus die meisten dieser Bilder, nämlich über bOO, 
befanden sich damals im Schlosse. Auffallenderweise 
schmückten sie aber gerade nicht die Repräsentations- 
räume und wichtigeren Wohngelasse. Deren Wände 
waren vielmehr mit den berühmten, zum Teil noch 
erhaltenen Tapezereien (Gobelins) behängt, die offen- 
bar als ein würdigerer Schmuck galten. Em leil 
der Gemälde war sogar in Rumpelkammern und 



Geschichte der Sammlung. 



3 



Truhen aulgestapelt. Etwa 200 davon werden ausdrück- 
lich als Porträts („Contrafethe") bezeichnet. Auch von 
den übrigen gehörten gewiss viele dieser Gattung an. 
26 Pferdebilder legten mehr Zeugnis für die am Hofe 
herrschende Pferdeliebhaberei als für Kunstliebe ab. 
Viele laufen ganz allgemein unter der Bezeichnung: 
„grosse und kleine Gemälde und Tafeln von Histo- 
rien und Contrafethen". Diese summarische Bezeich- 
nung, die entweder auf einen ziemlich geringen 
Wert der Stücke oder auch auf eine geringe Kunst- 
kennerschaft der Schlossbeamten hinweist, macht es 
unmöglich, erhaltene Bilder mit ihnen zu identifi- 
zieren. Die zwei einzigen, deren Inhalt genauer be- 
zeichnet wird, ein Oelberg und eine Susanna im Bade, 
haben sich, wie es scheint, nicht erhalten. 

Ausser den zerstreut im Schlosse aufgehängten 
Bildern waren 135 in der sogenannten „Kunst- 
kammer" vereinigt, einem Komplex von drei Zim- 
mern, die „gegen den Hof, oben im Reiterschnecken" 
(d. h. dem zum Hinaufreiten eingerichteten Treppen- 
hause links vom Eingang in den Schlosshof) lagen. 
Wie andere fürstliche Kunstkammern jener Zeit ent- 
hielt auch diese ausser den Gemälden allerlei andere 
Kunstwerke, Naturalien und Kuriositäten. 

Ferner befanden sich: im alten Lusthause viele 
kleine auf Kupfer gemalte Bilder, wahrscheinlich die 
Bildnisse der Herzöge, die noch jetzt im ßesidenz- 
schlosse hängen, nebst 13 grösseren Tafeln und Bild- 
nissen, im neuen Lusthause 21 grosse „Abconter- 
fehungen von Kaisern, Königen, Fürsten, Herren und 
Potentaten", im Lusthause der Herzogin- Witwe 
66 Porträts, im neuen Bau, wo der Hofmaler wohnte, 
38 gemalte Tafeln „von allerlei Gattung«, 8 Epitaphien, 
2 kleine runde Gemälde auf Holz, einige Blumen- 
stücke und etliche weitere Gemälde, deren Inhalt nicht 
genannt wird. Auch hier genügen die Angaben nicht 
zu einer Identifikation. 



4 



Geschichte der Sammlung. 



Waren die Sammlungen im Schlosse naturgemäß 
weiteren Kreisen nicht zugänglich, so war doch ein 
o-ewisser Schritt zur Einrichtung öffentlicher Museen 
schon mit der Verbringung eines Teiles dieser Kunst- 
werke in die beiden Lusthäuser geschehen. Hierum 
hat sich besonders Herzog Eberhard III. verdient ge- 
macht. Im Jahre 1669 verlegte er die Kunsthammer 
in das alte Lusthaus. Zu seinem Inhalt gehörten, 
wie wir aus einem Kupferstich wissen, auch einige 
Gemälde, die sich noch jetzt in der Altertumssamm- 
lung nachweisen lassen. 

Die erste eigentliche Gemäldegalerie, die 
Stuttgart besessen hat, befand sich aber damals in 
dem seit 1593 vollendeten neuen Lusthause, und 
zwar seltsamerweise in seinem unteren G-eschoss, das 
sowohl seiner schlechten Beleuchtung als der von 
seinen drei Wasserbassins herrührenden Feuchtigkeit 
wegen sehr wenig dazu geeignet war. Während das 
obere Stockwerk, d. h. der berühmte grosse Saal, 
nur die Doppelporträts der Herzöge Ludwig und 
Friedrich nebst Gemahlinnen enthielt und sich in den 
Ecktürmen das älteste Lapidarium befand, waren die 
Wände des unteren Saales schon 1610 nach Oettingers 
Zeugnis mit „lustigen und künstlichen Kaisern, 
Königen, fürstlichen und anderen herrlichen Bild- 
nussen und Conterfethen" geziert. Im Jahre 1621 
hingen hier schon 95 Porträts, vorzugsweise solche 
der herzoglichen Familie, aber auch anderer ver- 
wandter Potentaten. Doch scheint man sich bald von 
der Unzweckmässigkeit dieser Unterbringung über- 
zeugt zu haben, denn im Jahre 1634 waren diese 
Bilder bis auf 21 grosse wieder in die Kunstkammer 
verbracht. 

Im Jahre 1650 errichtete Herzog Eberhard III. 
eine Pinakothek im neuen Lusthause, die offen- 
bar vorzugsweise Familienbildnisse enthielt. Es war 
eine Art Ahnengalerie des württembergischen Her- 



Geschichte der Sammlung. 



5 



zogshauses. Den Beweis dafür fand ich. in folgender 
Inschrift, die sich — nach einer Inventarnotiz — auf 
einem Bildnis dieses Fürsten befand: Eberhardus III 
Dux W. n. 1614 d. 1674. Pinacothecae hujus primus 
inaugurator et auctor. Erecta anno 1650 aetatis 60. 
Es scheint danach, dass Eberhard nach längerem 
Schwanken die schon vor ihm vorübergehend im 
neuen Lusthause eingerichtete Galerie ergänzt und 
dauernd zur Ahnengalerie seines Hauses bestimmt 
hat. Sie ist also die Vorgängerin der jetzt im Lud- 
wigsburger Schlosse und im Stuttgarter Residenz- 
schlosse befindlichen Ahnengalerie. In der Kunst- 
kammer des alten Lusthauses und den Sammlungen 
des _ neuen Lusthauses haben wir den Keim unserer 
jetzigen staatlichen Sammlungen zu erkennen. Ihr 
Zweck war freilich noch ein vorwiegend dynastischer. 
Sie sollten den Fremden, die Stuttgart besuchten, eine 
Vorstellung von dem Ruhm des Fürstenhauses und 
seinen Familien Verbindungen geben. 

Ein Jahr nach Eberhards Tode, 1675. wurde ein 
Verzeichnis der Bilder „unten im neuen Lusthaus" 
aufgestellt, in welchem 141 Gemälde, darunter 126 
Bildnisse aufgezählt werden. Die meisten der letz- 
teren waren in Halbfigur oder Brustbild, einige in 
ganzer Figur gehalten. Auch ein Reiterporträt be- 
fand sich darunter. Viele dieser Bilder haben sich 
in den Königlichen Schlössern, hie und da wohl auch 
im Lande zerstreut erhalten. Sie stehen durchweg 
auf künstlerisch niedriger Stufe und geben von der 
Höhe der Ansprüche, die man damals am Hofe machte, 
keine günstige Vorstellung. Für die Geschichte der 
Gemäldegalerie ist diese Pinakothek nur insofern 
wichtig, als sie auch 15 Bilder enthielt, die keine 
Porträts waren, sondern einen religiösen, mythologi- 
schen und sittenbildlichen Inhalt hatten. Sie allein 
dienten also rein ästhetischen Interessen. Doch ist es, 
wie ich mich bei erneuter Prüfung überzeugt habe. 



6 



Geschichte der Sammlimg. 



unmöglich, diese Bilder in noch erhaltenen Gemälden 
unserer Galerie wiederzuerkennen. 

Etwas festeren Boden gewinnen wir unter den 
Füssen mit der Erbauung des Ludwigs burger 
Schlosses, aus dem ein grosser Teil unserer Bilder 
stammt, und über dessen Inhalt wir durch mehrere 
Inventare genau unterrichtet sind. Der ältere Teil 
des Schlosses ist bekanntlich in den J ahren 1704—1734 
unter Herzog Eberhard Ludwig (1677—1733) ent- 
standen. Er umfasst einen grossen Mittelbau, das 
alte Corps de Logis, und zwei Flügelbauten, die rechts 
und links vorspringen. Die neuen grossen Räume 
machten eine Ausschmückung mit Gemälden notwendig. 
Es war nur natürlich, dass man dazu die bereits 
in Stuttgart vorhandenen Vorräte benützte. Schon 
im Jahre 1705, d. h. lange vor der Vollendung des 
alten Corps de Logis, begannen die Ueberweisungen. 
Unter den 20 Bildern, die damals aus der Kunst- 
kammer nach Ludwigsburg übertragen wurden, be- 
fand sich auch eine Opferung Isaaks von „Anth. Very- 
sell" (?), vielleicht das Bild von Jordaens No. 154 
unserer Sammlung. 

1784 wurde Ludwigs bürg zur zweiten Residenz ge- 
macht. Zwar blieben auch jetzt noch manche Gemälde 
im alten Schloss, der Kunstkammer, dem neuen Lust- 
hause u. s. w. zurück, aber die Zahl der inzwischen über- 
wiesenen Bilder belief sich doch damals schon auf 
beinahe 1000. Den Beweis dafür liefern die beiden 
Inventare von 1721 und 1724, die sich noch erhalten 
haben, und die neben dem Inventar von 1767 die 
Hauptquelle für den Bestand der Ludwigsburger Ge- 
mäldesammlung sind.*) Hier zuerst können wir in- 
folge der genauen Inhaltsangabe der Gemälde eine 
Identifikation mit Bildern unserer Galerie wagen. 

*) Das iuventar von 1721 war mir beim Druck der ersten 
Auflage des Katalogs noch nicht zugänglich, es stimmt aber fast 
genau mit dem von 1724 überein. 



Geschichte der Sammlung. 



7 



Die Bezeichnung 1721 und 1724 mit beigesetztem 
Namen im Katalog bedeutet, dass die betreffenden 
Bilder mit diesen Künstlernamen in den genannten 
lnventaren erwähnt werden. Weiter hinauf als 1721 
ist die Provenienz bei keinem unserer Bilder sicher 
zu verfolgen. Die Gemälde waren damals in drei 
Räumen des oberen Stockwerks des alten Corps de 
Logis, des sog. Fürstenbaus, untergebracht, einem 
„Kunstkabinett", einem Nebenkabinett und einer 
längeren Galerie. Es sind im ganzen 911, zu denen 
sich aber noch 56 nicht genauer beschriebene gesellen, 
die „im Sternenf eisischen Haus gestanden". In den 
Jahren 1723 und 1724 waren 14 offenbar ganz un- 
erhebliche Stücke hinzugekommen. 

Tinter diesen Bildern sind wieder zahlreiche Fa- 
milienporträts, bis in die Gegenwart hinein, ausser- 
dem Jagd- und Pferdebilder, Darstellungen natur- 
wissenschaftlicher Merkwürdigkeiten, Miniaturen und 
Zeichnungen, die teils anderen als künstlerischen 
Zwecken dienten, u. s. w. Rechnet man sie ab, so 
bleiben nach meiner Zählung etwa 376 Oelbilder, die 
nach ihrem Inhalt (nicht nach ihrer künstlerischen 
Qualität) allenfalls als Galeriebilder gelten können. 
Bei den meisten ist kein Künstlername angegeben. 
Ein Hase Dürers muss lebhaften Zweifeln begegnen. 
Dass der van Dyck No. 141 kein Original ist, sieht 
jeder. Die übrigen Namen: Carlone, Castelli. Co- 
lomba, Falens, Hamilton, Huber, Paudiss, Preissler. 
Rugendas, Stengel, Tempesta, Toretto (sie) zeigen, 
dass das Niveau kein sehr hohes war. Einige wenige 
Bilder gingen (den Inschriften nach) in das 16., viel- 
leicht sogar 15. Jahrhundert zurück, die weitaus 
meisten gehörten der niederländischen und deutschen 
Schule des 17. und 18. Jahrhunderts an. Identifi- 
zieren konnte ich nur mit einiger Sicherheit : No. 141 
(„v. Dyck"), 154 (Jordaens). 172 (Art des Teniers). 
205 (Brekelenkam), 227 (Heusch), 247 (Molenaer). 



s 



Geschichte der Sammlung. 



278 und 280 (van der Werff) und 327—331 und 333 
(Hamilton). Die meisten jener 1000 Bilder sind also 
1842 bei der Auslese, die man für Stuttgart machte, 
in Ludwigsburg zurückgeblieben. 

Aufseher der Galerie wurde 1724 der Hof kav alier 
Carl von Böhn, ein leichtsinniger Patron, der sich 
nur wenige Jahre in Ludwigsburg halten konnte und 
schon 1727 unter Hinterlassung erklecklicher Schulden 
das Weite suchte. Unter seiner Verwaltung sind 
im Jahre 1724 24 Bilder angeschafft worden, die als 
die „Osianderschen Gemälde" bezeichnet werden. Sie 
rührten wahrscheinlich aas dem Nachlass des viel 
gereisten und weltgewandten Tübinger Professors 
Oslander (1657—1724) her. Von ihnen ist nur No. 359 
als „Tempesta" in die Galerie gekommen. 

Unter der Regierung Karl Alexanders (1733 — 1737) 
lag die Verwaltung der Galerie in den Händen des 
Miniaturmalers und Hofrats Laurentius von Sand- 
ra rt (1729 — 1735), eines Urgrossneffen des Verfassers 
der Teutschen Akademie, Joachim von Sandrart. Er 
scheint sich mehr um die Vermehruug als um die 
Erhaltung der Galerie verdient gemacht zu haben. 
Z B. war er es, der damit anfing, die herzoglichen 
Schlösser auf ihren Gemäldevorrat zu untersuchen 
und was sich davon für Ludwigsburg eignete, dorthin 
überzuführen. Weniger scheint sein Nachfolger Jo- 
hann Philipp Weissbrod (1735-1737), der gleich- 
zeitig „Kammermaler" war, geleistet zu haben. Im 
ganzen war diese Zeit für die Galerie eine besonders 
unglückliche. Bei der Flucht des Hofes vor den 
Franzosen im Jahre 1734 mussten die Bilder ver- 
packt und nach Stuttgart übergeführt werden. In 
diesem Zustand blieben sie mehrere Jahre liegen. 
Und noch 1737, als sie schon zurückgebracht waren, 
lagen sie in Ludwigsburg „wie Heu und Stroh" 
durcheinander. Der schlechte Zustand vieler aus 
Ludwigsburg in unsere Galerie gekommener Bilder 



Geschichte der Sammlung. 



9 



mag sich auf diese Vernachlässigung zurückfuhren 
lassen. 

Trotzdem dachte der Herzog gleich nach seiner 
Rückkehr an die Vermehrung der Sammlungen. In- 
zwischen war unter Karl Alexander 1735 das neue 
Corps de Logis gegenüber dem alten fertig ge- 
worden und verlangte eine innere Ausstattung. 
Wieder wurden aus Stuttgart Bilder, besonders Fa- 
milienporträts, herbeigeschafft. Ausserdem kaufte 
aber der Herzog im Jahre 1736 für den Preis von 
24000 Thalern die Sammlung des bekannten Diplo- 
maten und preussischen Gesandten am Wiener Hofe, 
Barons von Gotter. Dieselbe enthielt 411 Bilder, 
wiederum zum grössten Teil Niederländer und Deutsche 
des 17. und 18. Jahrhunderts, dazu ein paar Italiener, 
Franzosen und Ungarn. Auch diese Bilder waren 
mit wenigen Ausnahmen Mittelgut. Die klangvollen 
Namen, die der lebenslustige Besitzer ihnen beigelegt 
hatte, entsprachen nur zum Teil der Wahrheit. Doch 
befanden sich wenigstens einige hervorragende Werke 
darunter, nämlich Memlings Bathseba im Bade No. 111, 
Baidungs Porträt des Freiherrn von Morsperg No. 3, 
der heilige Hieronymus von Pencz No. 19, das nieder- 
ländische Porträt No. 183, Kopetzkys Selbstporträt 
No. 400 und der Herr mit dem Falken No. 382. Im 
ganzen zähle ich unter den Bildern unserer Galerie 
85, die mit Sicherheit, und 31, die vermutungsweise 
auf die Sammlung Gotter zurückgeführt werden 
können. Wahrscheinlich hatte Gotter diese Bilder 
zum Teil in Wien zusammengebracht, was eventuell 
für weitere Provenienzforschungen von Bedeutung 
werden könnte. 

Die Aufhängung der Sammlung Gotter fiel dem 
Kammermaler Johann Christoph Grooth zu, der 
während der vormundschaftlichen Regierung des 
Herzogs Karl Rudolf von Württemberg-Neuenstadt 
(1737—1738) die Verwaltung an Stelle des offenbar 



Kl 



Geschichte der Sammlung. 



nicht genügenden Weissbrod übernahm und von 1737 
bis 1761 führte. Unter ihm wurden auch die 12 grossen 
Schlachtenbilder von Querfurt erworben, die Karl 
Alexander in Wien bei dem Maler bestellt hatte. 
Grooth setzte die von Sandrart begonnenen Reisen 
im Lande fort, besuchte die Schlösser von Leonberg, 
Nürtingen, Tübingen, Urach, Winnental, Weiltingen. 
Brackenheim u. s. w. und brachte, was er dort fand 
— es waren meistens Familienporträts — , nach Stutt- 
gart, wo es restauriert und dann nach Ludwigsburg 
übergeführt wurde. 

Es ist zur Beurteilung des Anspruches von Lud- 
wigsburg und Stuttgart an den Gemäldebesitz der 
Krone (und des Staates) nicht unwichtig, sich zu er- 
innern, dass die Ludwigsburger Sammlung schon da- 
mals aus allen Teilen der Welt zusammengetragen 
war, Bestandteile aus Stuttgart, den verschiedensten 
Schlössern des Landes, aus Tübinger Privatbesitz, 
aus Wiener Privatsammlungen u. s. w. enthielt. Sie 
war also, wie die ganze Ludwigsburger Kultur, durch- 
aus kein bodenständiges Produkt. 

Im Jahre 1744, als Herzog Karl Eugen volljährig 
wurde und die Regierung übernahm, war die Galerie, 
wie es scheint, ganz in dem neuen Corps de Logis 
untergebracht. Sie füllte hier 11 zusammenhängende 
Zimmer, die „alte" Galerie unter dem Mezzanin, 
das sogenannte Venus - Kabinett , ein langes Galerie- 
zimmer, ein Miniaturmalerei-Kabinett und noch einen 
weiteren Raum. 

Die nächste Vermehrung der Ludwigsburger Samm- 
lungen fällt in die Zeit des Herzogs Karl (1737 
bis 1793). Leider war seine Regierung für die 
Sammeltätigkeit nicht so epochemachend wie für 
andere Seiten der württembergischen Kultur. Der 
Herzog war zwar von einer gewissen Kunstliebe er- 
füllt und sah wohl ein, wie sehr eine Gemäldegalerie 
zur Entfaltung des höfischen Prunks, den er brauchte. 



Geschichte der Sammlung. 



1.1 



notwendig war. Aber auch ihm fehlte die feinere 
Bilderkenntnis und die eigentliche Leidenschaft 
des Sammlers. So erklärt es sich, dass er trotz 
seiner wiederholten Reisen nach Paris (1748), Italien 
(1753 und 1775), Frankreich und England (1776) die 
Gelegenheit, hervorragende alte Bilder zu kaufen, 
die damals noch reichlich vorhanden gewesen wäre, 
nicht benützte. Seine noch im Staatsarchiv vor- 
handenen Reisediarien berichten wenig von Kunst, 
und neben den Ankäufen von Büchern, Antiquitäten 
xl s. w., die seine Agenten und Residenten in Rom 
seit 1749 vermittelten, ging die Malerei ziemlich 
leer aus. Zufällig fand ich eine Notiz, wonach er 
1775 in Rom vergeblich nach einem Guido R.eni 
fahnden liess. 

Die einzige stattlichere Erwerbung, die in seine 
Regierung fällt, war die der Sammlung Roeder. 
Der durch die Affäre des Jud Süss bekannt ge- 
wordene Burggraf und Erboberstallmeister Reinhard 
von Roeder hatte dem Herzog 1748 den später soge- 
nannten Fürstenbau, das alte Marschallhaus, verkauft 
(es stand an der Stelle des heutigen Kronprinzen- 
palais). Hier wurde der Witwensitz der Herzogin- 
Mutter eingerichtet. Bei dieser Gelegenheit scheint 
auch der künstlerische Inhalt dieses Gebäudes in den 
Besitz des Herzogs übergegangen zu sein. Wenigstens 
werden in einem späteren Inventar 110 (eigentlich nur 
68) Gemälde unter dem Namen der „Wiener oder so- 
genannten Roederischen Malereien" aufgeführt, 
die nur um diese Zeit erworben sein können, da 
Roeder im Jahre 1751 in Ungnade fiel. Warum sie 
„Wiener Malereien" Messen, weiss ich nicht. Bert. 
Pfeiffer (Herzog Karl Eugen von Württemberg. 
S. 674) vermutet, dass Roeder sie dem Grafen Gotter 
in Wien abgekauft hatte. Jedenfalls weisen sowohl 
die Gotterschen als auch die Roederschen Gemälde 
auf Wien als unmittelbare Provenienz hin. 



12 



Geschichte der Sammlung. 



Man kann diesen Ankauf leider nicht besonders 
glücklich nennen. Denn es befanden sich unter den 
Gemälden Roeders, wenigstens soweit sie sich erhalten 
haben und identifiziert werden können, nur zwei her- 
vorragende, nämlich der Einzug Christi in Jerusalem 
von dem Braunschweiger Monogrammisten No. 114 
und der Knabe mit dem Apfel aus der Schule Rem- 
brandts No. 267. Für Dekoration der Wände war 
also reichlich gesorgt, aber die Qualität der Samm- 
lung war durch den Ankauf nicht besser geworden. 

Im Jahre 1760 ernannte Herzog Karl den ersten 
Künstler des damaligen Stuttgart, seinen Hofmaler, 
den Lothringer Nicolas Guibal (vgl. No. 398) zum 
„Directeur de galerie". Dieser führte das Amt bis 
zu seinem Tode 1784. Da er in Stuttgart wohnte, 
brauchte er einen Gehilfen in Ludwigsburg. Als 
solcher fungierte mit dem Titel „Gareon de galerie" 
1761—1767 Mundbrod, nach ihm 1767—1804 Beehren- 
stecher. Dieser gab sich dem Geschäft des Restau- 
rierens sehr eifrig hin, wobei er die Bilder teilweise 
auf neue Leinwand zog und tapfer retouchierte. In 
den Jahren 1768 — 1789 sind mehrere hundert Gulden 
für diese Arbeit ausgegeben worden, woraus sich er- 
klärt, dass die meisten Ludwigburger Bilder, als sie 
nach Stuttgart kamen, sehr schlecht erhalten waren 
und restauriert werden mussten. 

Aus der Zeit von Guibals Verwaltung, nämlich 
aus dem Jahre 1767, stammt das ausführlichste In- 
ventar, das wir von der herzoglichen Sammlung be- 
sitzen. Es enthält, nach der Bilderzahl gerechnet, 
2485 Nummern, darunter eigentliche Galeriebilder 
zirka 1100. Die meisten hingen im Ludwigsburger 
Schlosse selbst, über 250 im Schlosse Graveneck, 
26 im alten Schlosse zu Stuttgart, 36 in der Kunst- 
kammer daselbst, 17 in den Wohnzimmern der Her- 
zogin-Witwe, d. h. im Fürstenbau, einige wenige in 
verschiedenen dem Herzog gehörigen Häusern in 



Geschichte der Sammlung. 



L3 



Stuttgart, 19 im Schönleberschen Hause in Ludwigs- 
burg, ein paar in den Schlössern von Kirchheim und 
Stetten. Die Pferdebilder waren meistens im Mar- 
stall und der Wohnung des Oberstallmeisters unter- 
gebracht. 

Die im Ludwigsburger Schlosse befindlichen Bilder 
hingen noch immer in der Osthälfte des neuen 
Corps de Logis, vorzugsweise in den Räumen, die als 
„Malereigalerie" bezeichnet wurden. Sie erstreckten 
sich aber auch auf die Räume der herzoglichen 
Wohnung. Denn seit 1764 hatte Herzog Karl die 
Residenz von Stuttgart ganz nach Ludwigsburg ver- 
legt und wohnte selbst im neuen Corps de Logis. 
Das Inventar zählt die Bilder in dem Marschalltafel- 
zimmer, den beiden grossen Kommunikationsgalerien, 
der Gemäldegalerie und dem Magazin besonders auf. 
Einige befanden sich auch in der Hofkapelle, der 
Kastellanswohnung und den Zimmern der Edelknaben. 
Die Zählung ist schwierig, da die Zahlen, infolge wieder- 
holter Veränderungen, nicht immer stimmen. Von 
den beiden Verbindungsgalerien zwischen dem neuen 
Corps de Logis und den Kavalierbauten des älteren 
Schlosses war damals die westliche, die jetzt den 
grössten Teil des in Ludwigsburg verbliebenen Bilder- 
vorrats' enthält, noch leer, die östliche, die eigent- 
liche „Malereigalerie", enthielt die Familienporträts. 
Noch unter Herzog Karl scheint ein Teil der Bilder in 
jene gebracht worden zu sein. Kurfürst Friedrich be- 
stimmte sie 1804 zur eigentlichen Gemäldegalerie des 
Schlosses. Die Ahnengalerie auf der andern Seite be- 
stand schon 1731, wurde aber nachher bei der Ein- 
fügung der neuen Porträts wiederholt verändert. 

Die meisten aus dem Ludwigsburger Schlosse stam- 
menden Bilder unserer Galerie lassen sich in dem In- 
ventar von 1767 nachweisen. Viele davon kommen mit 
denselben Künstlerbezeichnungen schon in den Inven- 
taren von 1721 und 1724 und dem Verzeichnis der Samm- 



14 



Geschichte der Sammlung. 



lung Gotter von 1736 vor. Die falschen Malernamen 
erbten sich natürlich von Generation zu Generation 
fort. Ich habe bei den einzelnen Bildern, wo es 
möglich war, die Inventare, in denen sie vorkommen, 
angegeben. Man kann daraus in vielen Fällen die 
ungefähre Zeit der Anschaffung berechnen. Doch 
lassen sich manche der später in unsere Gemälde- 
galerie gekommenen Bilder, und auch solche, die in 
Ludwigsburg verblieben sind, wegen ungenauer Be- 
zeichnung oder wegen Zerstörung der Inventar- 
nummern nicht identifizieren. Herzog Karl hat ab 
und zu immer neue Bilder erworben, zuletzt noch 
1790 und 1791 mehrere, darunter die Nummern 142, 
143, 145, 209, 225, 249, 270, 281, 343 und 344 (oder 
345 und 346) unserer Galerie, meistens Niederländer 
des 17. und 18. Jahrhunderts. Stellt man sich danach 
die ganze Sammlung des Herzog in den letzten 
.lahren seiner Regierung zusammen, so kommt man 
zu dem Ergebnis, dass auch ihr Niveau kein sehr 
hohes war. Es ist leider eine Tatsache, dass die Lud- 
wigsburger Bestände unserer Galerie sich mit den 
niederländischen Abteilungen der Galerien in München, 
Dresden, Kassel, die auch aus fürstlichen Galerien her- 
vorgegangen sind, nicht annähernd messen können. 

Die spätere Geschichte der herzoglichen Samm- 
lungen in den Tagen der Franziska von Hohenheim 
wird durch die Erbauung der verschiedenen neuen 
Schlösser, die alle einen reichen Bilderschmuck 
brauchten, bezeichnet. So wurden die Ludwigsburger 
Gemälde im Laufe der Jahre zum Teil in das neue 
Residenzschloss in Stuttgart, in das Seeschloss (später 
Monrepos genannt), in die Solitude und nach Hohen- 
heim verbracht. Auch das Stadtpalais der Franziska, 
das, allerdings stark verändert, jetzt als Ministerium 
des Aeusseren dient, wurde 1778 mit 50 Bildern der 
Ludwigsburger Galerie ausgestattet. Ein Bericht von 
1786 klagt über den „ewig roulierenden" Zustand der 



Geschichte der Sammlung. 



L5 



Galerie, der es ganz unmöglich mache, die Ueber- 
sicht zu behalten. 

Guibals Nachfolger in der Direktion war der Land- 
schaftsmaler Adolf Friedrich Harper, geb. 1725, 
der die Galerie von 1784 bis zu seinem Tode 1798 
verwaltete. Unter ihm wurde seit 1790 fast die 
ganze Sammlung nach Hohenheim übergeführt, von 
wo sie freilich später wieder zum grossen Teil nach 
Ludwigsburg zurückkehrte. 

Auf Harper folgte Philipp Friedrich Hetsch 
(siehe No. 771). der von 1798—1816 Galerieinspektor 
war. Im letzteren Jahre legte er seine Stelle nieder, 
weil König Friedrich damals den Bildhauer Dannecker 
zum Inspektor machte und ihm den bisherigen In- 
spektor als i\.djunkten unterstellen wollte. Der 
Soldatenmaler Seele, der in der ersten Auflage irr- 
tümlich als Inspektor von 1804 — 1814 genannt ist, 
hat dieses Amt nicht eigentlich bekleidet, ist aber 
in Ludwigsburg vielfach tätig gewesen. In König- 
Friedrichs Zeit hat der Blumen- und Stillebenmaler 
Tanner, der die Aufsicht in Ludwigsburg versah, 
viele Bilder restauriert. 

Der Schöpfer der jetzigen Stuttgarter Gemälde- 
galerie ist König Wilhelm I. (1816—1864). Zwar 
hatte schon König Friedrich den Grund für die pla- 
stische und Kupferstichsammlung gelegt und den Ge- 
danken der Gründung einer Kunstschule als Ersatz 
für die eingegangene hohe Karlsschule wiederholt 
erwogen. Aber erst Wilhelm I. griff die Sache 
energisch an. Seit dem Beginn seiner Regierung 
nahm er sich, unterstützt von einsichtigen Künstlern 
und Kunstfreunden, wie dem Bildhauer Dannecker 
und dessen Schwager, dem Kaufmann Rapp, aller 
Kunstfragen mit grosser Energie an. Aber die Un- 
gunst der Zeiten verhinderte zunächst noch eine 
Ausführung seiner Pläne. Auch als Dannecker, in 



L6 



Geschichte der Sammlung. 



dessen Hause (an der Stelle des jetzigen Olga-Baus) 
sich seit 1811 der erste Antikensaal befand, 1822 die 
Erbauung eines neuen Antikensaales mit angegliederter 
Gemäldegalerie beantragte, sah man vorläufig von 
der Ausführung dieses Planes ab. 

Umso wichtiger war es, dass Stuttgart in den 
Jahren 1819 — 1827 die berühmte Boissereesche 
Gemäldesammlung in seinen Mauern beherbergen 
durfte. Sie war auf die Initiative des Königs und Dann- 
eckers von Heidelberg nach Stuttgart gezogen und 
hier im sog. Offizierspavillon an der unteren Königs- 
strasse (jetzt Kunstgewerbeschule) auf Staatskosten 
aufgestellt worden. Diese auserlesene Sammlung von 
213 altniederländischen und altdeutschen Gemälden, 
die damals, in der Zeit der Romantik, so ungeheures 
Aufsehen erregte und eine Menge junger Künstler 
begeisterte und in ihrer Richtung bestimmte, bildete 
in diesen Jahren neben dem Danneckerschen Antiken- 
saal die Hauptsehenswürdigkeit der Residenz. Sie 
zog eine Menge Fremde nach Stuttgart und war 
selbst für klassizistische Künstler höheren Ranges, 
wie Thorwaldsen und Dannecker, ein Gegenstand 
rückhaltsloser Bewunderung. Als aber die Brüder 
Boisseröe sie 1825 um den gewiss mässigen Preis von 
160 000 fl. dem Staat zum Kaufe anboten und König 
und Ministerium, um sicher zu gehen, ein Gutachten 
der Künstler über ihren Wert einholten, lautete 
dieses so kühl, dass man von einer Erwerbung Ab- 
stand nahm. So führte z. B. Waechter aus, die 
Sammlung biete zwar „in kunstgeschichtlicher 
Hinsicht viel Interesse", eigne sich aber nicht für 
eine Kunstschule als Muster zur Bildung des 
Geschmacks. Es sei zu befürchten, dass sie die 
jungen Künstler dazu verführen werde, in der tech- 
nischen Ausführung, in der diese Bilder ja sehr 
gut seien, Schönheiten zu erstreben, welche „der 
gute Stil" in der Kunst verwerfe. 



Geschichte der Sammlung. 



17 



Um dieses Urteil zu verstehen, muss man sich er- 
innern, dass die Maler, die damals in Stuttgart den 
Ton angaben, Waechter, Leybold, Steinkopf u. s. w. } 
einseitige Klassizisten waren und die aufkommende 
romantische Bewegung, die aus den Bildern der Bois- 
sereeschen Sammlung ihre Nahrung sog, mit Miss- 
trauen betrachteten. Von ihnen liess sich auch 
Dannecker, der sonst einen weiteren Blick hatte, um- 
stimmen. Ausserdem fürchtete man wohl auch iin 
Geheimen, dass durch eine so starke Inanspruchnahme 
der staatlichen Mittel für einen angeblich kunsthisto- 
rischen Zweck die moderne Kunst geschädigt, viel- 
leicht gar die Gründung der lange ersehnten Kunst- 
schule verzögert werden könnte. 
. So g in g denn die Sammlung Boisseree, nachdem 
sie durch ihre achtjährige Ausstellung in Stuttgart 
eigentlich schon eine württembergische Sammlung 
geworden war, um den Preis von 240000 fl. in den 
Besitz König Ludwigs I. von Bayern über. Dieser 
uberwies sie — wiederum gegen den Wunsch des 
Galeriedirektors, Malers G. von Dillis — mit fidei- 
kommissarischem Vorbehalt der staatlichen Gemälde- 
sammlung in München. Damit war eine sehr günstige 
Gelegenheit, frühere Unterlassungssünden gut zu 
machen, dank einer gerade in "Württemberg herr- 
schenden einseitigen Geschmacksrichtung versäumt 
Aehnhche Versäumnisse wurden 1843 und 1846 be- 
gangen, als man sich nicht entschliessen konnte, einen 
Teil der Sammlung des Kardinals Fesch und des 
Fürsten L. von (Dettingen -Wallerstein ,zu erwerben 
wodurch Stuttgart sofort auf das Niveau von Berlin 
oder München hätte gehoben werden können. 

In Stuttgart freute man sich, dass durch den Ver- 
kauf der Boissereeschen Sammlung die ßäume des 
Otfizierspavillons frei wurden und die 1829 gegrün- 
dete Kunstschule (nebst Gewerbeschule, Kunstverein 
und Kupferstichsammlung) aufnehmen konnten. Die 



18 



Geschichte der Sammlung. 



Vereinigung so vieler Zwecke war natürlich nicht 
von langer Dauer, und das Bedürfnis nach einem 
Neubau für die Kunstschule einschliesslich einer zu 
gründenden Gemäldegalerie wurde immer dringender. 
Schon 1835 und 1836 wurden von Thouret und Zanth 
mehrere Entwürfe zu einem solchen Bau vorgelegt. 
Mühsam musste man die gering veranschlagte Bau- 
summe dem Landtage abkämpfen. Als man nach länge- 
rem Schwanken den damals noch ganz unwirtlichen 
ausserhalb der Stadt am Ende der Neckarstrasse ge- 
legenen Platz gewählt hatte und Thorwaldsen im Jahre 

1837 dem Staat 54 Modelle und Gipsabgüsse schenkte, 
war man genötigt, für den Bau eine grössere Aus- 
dehnung ins Auge zu fassen. So arbeitete denn der 
Oberbaurat Barth einen neuen Plan aus, nach dem 
das „Museum der bildenden Künste" gebaut 
wurde. Die Bauzeit erstreckte sich vom Dezember 

1838 bis zum September 1842, die Baukosten beliefen 
sich auf 250000 fl. 

Am 1. Mai 1843 wurde die Gemäldegalerie er- 
öffnet. Das Museum bestand, wie der Plan auf der 
Innenseite des Umschlags zeigt, aus einem Mittelbau 
und zwei seitlich vorspringenden Flügeln. (Die beiden 
hinteren Flügel sind erst später hinzugekommen.) Im 
unteren Stockwerk wurde die plastische Sammlung, 
im oberen die Gemäldegalerie, das Kupferstichkabinett, 
der Kunstverein und die Kunstschule untergebracht. 
Letztere befand sich im Mittelbau, da wo jetzt die 
Kupferstichsammlung ist. Für diese war der nörd- 
liche Korridor, wo sich auch jetzt noch ein Teil 
derselben befindet, reserviert. Die vom König ge- 
schenkten Gegenbaurschen Kartons hingen im Saal T, 
teilweise auch im Korridor S, die Gemälde im Saal A 
und den anstossenden Kabinetten. Später, nachdem 
die gleichzeitig eröffnete Kunst- und Industrie-Aus- 
stellung geschlossen war, konnte man sich mit ihnen 
auch auf den Saal H ausdehnen. Den Saal P und 



Geschichte der Sammlung. 



10 



die anstossenden Kabinette hatte der Kunstverein 
inne. Glückliche Zeiten, in denen die Hälfte des 
jetzigen Museums genügte, die Kunstschule, sämt- 
liche Kunstsammlungen, den Kunstverein und ausser- 
dem eine Kunst- und Industrie - Ausstellung aufzu- 
nehmen! 

Die Gemäldegalerie hatte erst kurz vor ihrem 
Einzug in das neue Heim einen Bestand erreicht, mit 
dem sie sich einigermassen sehen lassen konnte. Sie 
enthielt : 

1. Die Geschenke König Wilhelms: Ein Bild von 
Hetsch, die Bilder von Schick No. 871 und No. 873, 
Langer No. 801, Temmel nach ßaffael No. 479, fünf 
angebliche Canalettos, zwei niederländische Bilder 
No. 184 und 185 und das venezianische Bild No. 515. 

2. Acht moderne Bilder, die teilweise gekauft, teil- 
weise von den Stipendiaten als Entgelt für die ihnen 
aus dem kleinen Kunstfonds gewährten Reiseunter- 
stützungen eingesandt waren: Brackmann No. 710 
und 711, Hartmann No. 760 und 761, L. Mayer 
No. 829, Neher No. 837, Waechter No. 913 und 922. 

3. Zwei Schenkungen von Stadtgemeinden, nämlich 
den Nürtinger Altar des Meisters C W No. 78, den 
die Stadt Nürtingen, und das Bild von Hetsch No. 771, 
das die Stadt Stuttgart geschenkt hatte. 

4. Siebzehn alte in den vorhergehenden Jahren 
angekaufte Bilder: 195, 228, 232, 239, 240, 242, 253, 
254, 268, 306, 450, 466, 467, 485, 507, 521, 615. 

Diese 40 Gemälde, die den eigentlichen Kern der 
Gemäldegalerie bilden, waren aber schon kurz vor 
der Uebersiedelung, nämlich im Herbst 1842, um 
197 Bilder vermehrt worden, die man aus den Be- 
ständen der Ludwigsburger Sammlung ent- 
nommen hatte. Hiermit wurde ein seither zurück- 
geschobener Plan Danneckers zur Ausführung ge- 
bracht. Im Ludwigsburger Schlosse befanden sich, 
seitdem König Friedrich es wieder zu seinem Lieb- 



20 



Geschichte der Sammlung. 



lingsauf enthalt gemacht hatte, 953 Gemälde, so schlecht 
erhalten und so ungünstig aufgehängt, dass niemals ein 
Kunstschüler auf den Gedanken kam, sie sich anzu- 
sehen. So war es ein besonderes Verdienst der 
Kunstschulprofessoren, dass sie eine iin ganzen sach- 
gemässe Auswahl der für die Galerie geeigneten 
Bilder trafen. Wenn dabei einige Meisterwerke wie 
die englischen Bilder No. 395, 396 und 415 in Lud- 
wigsburg zurückblieben, so war das nicht ihre Schuld. 
14 von den ausgewählten Bildern wurden später, auf 
Grund einer genaueren Untersuchung, wieder zurück- 
gegeben, dafür aber im Verlaufe der nächsten Jahre 
42 andere herbeigeholt. Die Feststellung der Be- 
dingungen der Ueberweisung seitens der Verwaltung 
der Krondotation und des Apanagedepartements 
machte grosse Schwierigkeiten. Wäre nicht der 
König gewesen, der die neue Kunstanstalt unter allen 
Umständen fördern wollte, so wäre vielleicht aus 
der ganzen Ueberweisung nichts geworden. Ich habe 
bei allen diesen Bildern Ludwigsburg als nächste 
Provenienz angegeben. Die meisten mussten von dem 
Maler Strecker (vgl. No. 903) restauriert werden. 
Bilder von dem Wert derer der Boissereeschen Samm- 
lung waren nur ganz wenige darunter. 

Einschliesslich dieser Gemälde enthielt die Galerie 
im Jahre 1849 265 Nummern. Darunter waren 
die Altdeutschen sehr gering, die Italiener fast gar 
nicht vertreten. Die Gemälde von Hetsch, Waechter 
und Schick bildeten den Anfang einer vaterländischen 
Sammlung moderner Meister, die sich später zu der 
stattlichen Sammlung schwäbischer Klassizisten im 
Saal P auswachsen sollte. 

Der erste Inspektor der Galerie war Karl Ley- 
bold (vgl. No. 811) 1842—1844, der zweite Wilhelm 
Strecker (vgl. No.903) 1844—1856. Grosse Schwierig- 
keiten machte die Bestimmung der alten Bilder. Die 
Ludwigsburger Inventare, von denen man übrigens die 



Geschichte der Sammlung. 



21 



ältesten, wie es scheint, nicht kannte, versagten in 
dieser Beziehung fast vollständig. Eigentliche Kunst- 
kenner gab es in Stuttgart — abgesehen etwa von dem 
Buch- und Kunsthändler Samuel Liesching — fast gar 
nicht, und so tappte man völlig im Dunkeln. Kein 
Wunder, dass schon der erste 1844 erschienene Katalog 
von Leybold viel falsche Namen enthielt, die man 
allerdings später durch richtigere zu ersetzen suchte. 

Aus der historischen Entwicklung ergab sich von 
Anfang an eine enge Verbindung der Galerie mit der 
Kunstschule, deren Professoren denn auch, unter dem 
Vorsitz des Oberregierungsrats und späteren Staats- 
rats Köstlin, über wichtigere Verwaltungsfragen be- 
rieten, Bilder zum Ankauf vorschlugen u. s. w. Die 
Geschäfte führte derKultministerialregistrator, spätere 
Kanzleirat Wagner, dessen Sorgfalt die Sammlung 
besonders in den 40er Jahren viel verdankte. Die 
Männer, die sich als Sammler und Altertumsforscher 
eine gewisse Kennerschaft erworben hatten, wie Abel 
und Grüneisen, konnten leider der Kommission aus 
verschiedenen Gründen nicht angehören. 

Trotzdem hatte man den guten Willen, das histo- 
rische Interesse bei den Anschaffungen zu berück- 
sichtigen. Der anfänglich aufgetauchte Gedanke, die 
Sammlung ganz auf die moderne, besonders württem- 
bergische Kunst zuzuspitzen, wurde durch die Einsicht 
des Ministeriums vereitelt. Der König, der die Galerie 
als sein „Kind" betrachtete und stets das grösste 
Interesse für sie an den Tag legte, hatte von Anfang 
an die Geschenke, die er ihr jährlich an seinem Ge- 
burtstage machte, gleichmässig aus der alten und neuen 
Kunst ausgewählt. Es war offenbar seine Absicht, ihr 
von vornherein diese doppelte Richtung anzuweisen. 
Dem entsprechend sollte auch der allerdings sehr ge- 
ringe Anschaffungsfonds ungefähr zur Hälfte für alte, 
.zur Hälfte für moderne Bilder verwendet werden. 
Kopien nach alten Meistern, deren Anschaffung be- 



22 



Geschichte der Sammlung. 



sonders der Aesthetiker Friedr. Visclier empfahl, pass- 
ten, wie man richtig hervorhob, nicht in eine staatliche 
Gemäldesammlung. Auch sollte diese nicht in erster 
Linie Lehrmaterial für die Zöglinge der Kunstschule, 
sondern Anregungsmittel für weitere Kreise sein. 

Das Fehlen eines wirklichen Bilderkenners machte 
sich freilich sehr bald in verhängnisvoller Weise fühl- 
bar. Es war schon ein Fehler, dass niemand bei 
Ankäufen die Initiative ergriff, sondern dass man 
wartete, bis zufällig in Stuttgart etwas auf den Markt 
kam. Wenn man die Privatsammlungen, die in Stutt- 
gart angeboten wurden, meistens nicht erwarb, so 
war das bei ihrer im ganzen geringen Qualität kein 
grosses Unglück. Bedenklicher war, dass man sich 
reisenden Kunsthändlern aus Wien, Venedig, Genf, 
Rotterdam, München, Mannheim u. s. w. anvertraute, 
die ihre Ware nach Stuttgart brachten und unter wohl- 
klingenden Namen feilboten. So gewöhnte man sich, 
Namen statt Bildern zu kaufen. Wir wollen über die 
„Michelangelos, Andrea del Sartos, Tizians, Velazquez', 
Hobbemas, Ruysdaels, Claude Lorrains, Rembrandts" 
u. s. w., die auf diese Weise in die Galerie gelangten, mit 
Stillschweigen hinweggehen und nur auf drei besonders 
glückliche Erwerbungen hinweisen, den Fra Barto- 
lommeo No. 427, den „Gerard Dou" No. 212 und den 
Miereveit No. 242. Dafür Hess man sich freilich 
wiederholt altniederländische und altdeutsche Bilder, 
z. B. einen Boger van der Weyden (jetzt im Städel- 
schen Institut in Frankfurt a. M.), mehrere Zeitbloms 
und einen Rembrandt (Geisselung Christi in Darmstadt) 
entgehen, woran teilweise eine übel angebrachte Spar- 
samkeit, teiweise auch ein ästhetisches Vorurteil, 
nämlich die inhaltliche Auffassung des Schönen Schuld 
war. 

Ohne die stete Fürsorge König Wilhelms wäre die 
Galerie freilich nur langsam angewachsen. Ich zähle 
allein 43 einzelne Oelgemälde, die er ihr von 1842 



Geschichte der Sammlung. 



23 



bis zu seinem Tode 1864 geschenkt oder fideikommis- 
sarisch überwiesen hat. 

Die weitaus wichtigste seiner Ueberweisungen war 
aber die der Pinakothek ßarbini-Breganze, die 
der König 1852 in Venedig kaufte und der Galerie als 
Eideikommiss einverleibte. Diese aus 250 Bildern 
bestehende Sammlung enthielt vorwiegend Werke der 
venezianischen Schule, daneben auch einige andere ita- 
lienische, sowie ein paar niederländische und deutsche 
Bilder. Sie war von dem Maler Michel Angelo Bar- 
bini zusammengebracht worden und nach dessen Tode 
in den Besitz seiner Tochter übergegangen, die sich 
später mit einem Eisenbahnsekretär Giambattista 
Breganze verheiratete. Im Jahre 1845 befand sie 
sich im Palazzo Manin, im Jahre 1848, vermehrt um 
einige Bilder aus dem Besitz Canovas, im Palazzo 
Zaguri. Der venezianische Akademiker Francesco 
Zanotto hatte sie 1847 in einem (1850 in zweiter 
Auflage erschienenen) Kataloge beschrieben.*) Die 
Malernamen und Herkunftsangaben dieses Katalogs, 
die ich übrigens den einzelnen Nummern beigesetzt 
habe, müssen mit Vorsicht benutzt werden. Es ist 
selbstverständlich, dass die früheren Besitzer den 
Wert ihrer Bilder durch bedeutende Malernamen zu 
steigern suchten. Zanotto ist dem nicht mit der nötigen 
Kritik entgegengetreten. Und viele dieser falschen 
Namen sind trotz ihrer Nachprüfung durch den Mün- 
chener Maler Clemens Zimmermann noch jahrelang in 
den Katalogen der Stuttgarter Galerie weitergeführt 
worden. Um den Leichtsinn, mit dem man in Venedig 
verfahren war, zu charakterisieren, genügt es, dass 
man ein bezeichnetes Bild des Schweizers Samuel 
Hofmann (No. 336) dem Engländer Hogarth (!) zu- 
schrieb. Infolgedessen war natürlich auch der kurze 



*) Pinacotheque Barbini-Breganze, decrite par Francois Zanotto, 
membre de l'Athenee de Venise et plusieures autres academies 



24 



Geschichte der Sammlung. 



Leitfaden, den der Literat Müller zur Eröffnung der 
Sammlung verfasste, kunsthistorisch wertlos. 

Die Sammlung Barbini-Breganze enthielt übrigens 
einige hervorragende Werke von Giovanni Bellini. 
Carpaccio, Paolo Veronese, Bordone, Domenico Tin 
toretto, ßonifazio und Theotocopuli, die damals frei- 
lich zum Teil unter anderen Namen gingen. Daneben 
fehlte es aber nicht an zahlreichem Mittelgut, ja 
auch an sehr übermalten und sogar völlig wertlosen 
Bildern. Dem erster en Uebelstande half man durch 
eine sofortige Restauration der wichtigeren Stücke ab. 
Diese wurde den Restauratoren Frey in München, 
Xeller in Berlin, Deschler in Augsburg und Lamberty- 
aus Trier, damals in Stuttgart übertragen. Die Auf- 
sicht führten die Malerprofessoren Neher und Rüstige. 
Beinahe _ fünfzig Bilder wurden restauriert. Dabei 
stellte sich heraus, dass die Uebermalungen zum Teil 
sehr umfangreich waren. Bei einzelnen Bildern kamen 
unter der weggenommenen oberen Farbschicht ganz ver- 
schwundene Figuren, ja völlig andere Kompositionen 
zu Tage. Im Magazin befinden sich noch einige nicht 
restaurierte Bilder der Sammlung, die in ihrem jetzi- 
gen Zustande überhaupt keinen alten Pinselstrich 
zeigen. Man sieht daraus, dass der Erwerb der 
Sammlung eine reine Glückssacke war, da niemand 
den Wert, den die Bilder nach Wegnahme der Ueber- 
malungen haben würden, voraussehen konnte. 

Nach vollendeter Arbeit reichte der Inspektor 
Strecker, der sich als Restaurator gegenüber den 
auswärtigen Kräften zurückgesetzt glaubte, eine Im- 
mediateingabe an den König ein, in der er die Art 
der Restauration aufs schärfste kritisierte und den Re- 
stauratoren, sowie den Kunstschulprofessoren, die sie 
beaufsichtigt hatten, Charlatanerie und Leichtsinn vor- 
warf. Ich habe seine Anschuldigungen an den Bildern 
selbst nachgeprüft und kann nur sagen, dass sie völlig 
aus der Luft gegriffen waren. Die Restaurationen 



Geschichte der Sammlung. 



25 



sind nach den damaligen Begriffen von Bilderbehand- 
lung im Ganzen diskret ausgeführt worden, und viele 
der Gemälde haben erst durch die Wegnahme der 
Uebermalungen ihren kunsthistorischen und künstle- 
rischen Wert erhalten. 

Als im Jahre 1854 der Katalog neu gedruckt wurde, 
belief sich die Zahl der Bilder infolge der Einreihung 
der Sammlung Barbini-Breganze auf 593. Darunter 
fehlten die Altdeutschen bis auf einige zufällige Er- 
werbungen und Schenkungen völlig, so dass man z. B. 
von den grossen Meistern der alten schwäbischen Maler- 
schule kein einziges Stück besass. Das Sammeln alter 
Bilder im Lande überlies man damals noch ganz den 
Privatleuten, ein Beweis, wie schwer sich innerhalb der 
offiziellen Kreise der Stuttgarter Künstlerschaft die 
romantische Richtung gegenüber den schwachen Nach- 
züglern des Klassizismus geltend zu machen wusste. 

Diese Lücke wurde nun im Jahre 1859 in sehr 
glücklicher Weise durch den Ankauf der Sammlung 
Abel ausgefüllt. Sie bildet denjenigen Teil unserer 
G-alerie, auf welchem deren Ruhm lange Zeit fast allein 
beruhte. Auch jetzt noch bestimmen die Bilder des 
Saales A zusammen mit denen der schwäbischen 
Klassizisten in erster Linie den eigenartigen Stammes- 
charakter der Sammlung. 

Der Obertribunalprokurator Abel hatte in den 30er 
und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts mit grossem 
Geschick eine Sammlung von niederländischen und 
deutschen, besonders schwäbischen Bildern zusammen- 
gebracht. Er hatte sich dadurch, ebenso wie der Dom- 
dekan Hirscher in Freiburg, der in ähnlicher Richtung 
sammelte, ein grosses Verdienst um die schwäbische 
Kunstgeschichte erworben. Wer einmal bei uns zu 
Lande die Kirchen der kleineren Städte und Dörfer 
abgesucht hat, der weiss, dass ein grosser Teil 
der an Ort und Stelle gebliebenen Bilder durch den 
Unverstand der Gemeinden völlig ruiniert worden 



26 



Geschichte der Sammlung. 



ist. Es entspricht aber der natürlichen Entwick- 
lung, dass solche Privatsammlungen im Laufe der 
Zeit in den Besitz des Staates übergehen. Und der 
Staat wird sich stets der Pflicht bewusst bleiben, 
die Zeugnisse der nationalen Kultur, die noch im 
Lande erhalten sind, weder dem Untergang Preis zu 
geben, noch in andere Hände kommen zu lassen. 

In der Sammlung Abel waren die bedeutendsten 
Meister der altschwäbischen Schule, Multscher, Herlin, 
Zeitblom, Schüchlin, Schaffner, Strigel u. s. w. vertreten, 
wenn auch die Zugehörigkeit der Bilder zu bestimmten 
Künstlern damals erst zum Teil erkannt war. Die 
Sammlung war neben derjenigen des Domdekans 
Hirscher in Freiburg i. Br. (aus der unsere Nummern 
33 — 36, 82, 117, 118 und 120 stammen) ohne Zweifel 
die beste Privatsammlung altschwäbischer Bilder, die 
damals existierte. Sie war auch in Kunsthistoriker- 
kreisen allgemein bekannt. Männer wie Grüneisen, 
Mauch, Förster, Passavant, Hotho, vor allen Dingen 
Waagen hatten ihren Inhalt besprochen und schon 
vor Jahren der Hoffnung Ausdruck gegeben, der 
württembergische Staat werde sich diese im wahrsten 
Sinne des Wortes vaterländische und gleichzeitig 
künstlerisch hervorragende Sammlung nicht entgehen 
lassen. Während die Sammlung Hirscher später zer- 
streut worden ist, war hier einmal eine günstige Ge- 
legenheit geboten, eine Kollektion als Ganzes zu er- 
werben, die, wenn auch in bescheidenerem Masse, eine 
Art Ersatz für die Boissereesche Sammlung sein konnte. 

Der Besitzer kam dem Staat in jeder Beziehung 
entgegen. Schon in den 40 er Jahren hatte er das 
Anerbieten gemacht, einige seiner Bilder auf unbe- 
stimmte Zeit der Galerie zur Aufstellung zu über- 
lassen. Man hatte dies unter dem Vorbehalt ange- 
nommen, dass daraus der Direktion der Kunstschule 
in Bezug auf einen etwaigen Ankauf keine Ver- 
pflichtung erwüchse. 



Geschichte der Sammlung. 



27 



Dieses Verhältnis war aber längst aufgelöst, und 
Abel hatte seine Sammlung im Schlosse zu Ludwigs- 
burg aufstellen dürfen, wo sie das Reiseziel aller 
nach Württemberg kommenden Kunsthistoriker und 
Kunstfreunde bildete. Im Jahre 1855 war ein Ka- 
talog derselben erschienen*), in welchem 27 Bilder aus 
der altniederländischen und niederdeutschen, 70 aus 
der oberdeutschen, namentlich schwäbischen Schule 
aufgezählt waren. Später hatte Abel noch 9 weitere 
Bilder erworben, die in einem bei der Inspektion der 
Gemäldegalerie befindlichen Exemplar handschriftlich 
nachgetragen sind. Natürlich enthielt auch dieser 
Katalog manche falschen Namen, auch sind mehrere 
Bilder in die unrechte Schule geraten. Das tat aber 
ihrem ausserordentlichen Werte keinen Abbruch, der 
höchstens durch eine hie und da etwas zu weit 
gehende Restauration ein wenig geschmälert wurde. 

Das Verdienst der Erwerbung der Abelschen 
Sammlung gebührt dem Professor Haakh, dem Ver- 
fasser der „Beiträge aus Württemberg zur neueren 
deutschen Kunstgeschichte" und späteren Vorstand 
der Altertumssammlung, der damals geschäftsführen- 
des Mitglied der Direktion war. Der Fürst von 
Hohenzollern - Sigmaringen hatte dem Besitzer ein 
Angebot auf die Sammlung gemacht, und es lag die 
Gefahr vor, dass dieselbe ausser Landes gehen würde. 
Haakh stellte das dem Ministerialreferenten vor und 
erlangte das Versprechen, eine besondere Bewilligung 
zu diesem Zweck zu erwirken. 

Weniger Wert legten die übrigen Mitglieder der 
Direktion auf die Erwerbung. Um ihr Gutachten 
gebeten, erklärten sie, die bedeutenderen Bilder der 
Sammlung beliefen sich auf höchstens 12 — 16, und 
einen erzieherischen Wert für die Kunstschüler hätten 

*) Verzeichnis der in dem Königlichen Schlosse zu Ludwigsburg 
aufgestellten altdeutschen Gemälde des Obertribunalprokurators 
Abel zu Stuttgart. 



Geschichte der Sammlung. 



auch diese nicht. Manche davon seien restauriert 
und viele nur von mittlerer Grüte. Ueberdies sei in 
der Galerie kein Platz für die ganze Sammlung, und 
dann sei auch in dieser die moderne Kunst noch 
nicht genügend vertreten. Man möge sich deshalb 
begnügen, zwei bis drei Hauptwerke zu kaufen, und 
auf das Uebrige verzichten. 

Darauf liess die Direktion dem Besitzer erklären, 
sie könne ihn nicht zum Abbruch der Verhandlungen 
mit dem Fürsten von Hohenzollern veranlassen. Erst 
als Abel aus Patriotismus von seiner ursprünglichen 
Forderung (28000 fl.) auf 22000 fl. herabging, emp- 
fahl man dem Ministerium den Ankauf. Dabei han- 
delte es sich aber nur um die oberdeutschen Bilder 
der Sammlung, von denen sich 68 in Ludwigsburg, 
die 8 später hinzugekommenen in Abels Hause in 
Stuttgart befanden. Zwei davon fielen wegen schlechter 
Erhaltung und geringen Wertes weg, somit blieben 
noch 74, darunter ein grosser Teil der jetzt im alt- 
deutschen Saale A und den benachbarten Kabinetten 
hängenden Bilder. 

Der durch den Erwerb der Sammlung Abel ent- 
standene Platzmangel war Schuld daran, dass man 
sich an eine gehäufte und ästhetisch unbefriedigende 
Aufhängung der Bilder gewöhnte. Der Verwaltung, 
die damals (1856—1897) in den Händen des Historien- 
malers Rüstige (No. 866) lag, ist daraus kein allzu- 
grosser Vorwurf zu machen, da der Platz tatsächlich 
nicht ausreichte und man sich bei den geschenkten 
Bildern nicht zur Magazinierung entschliessen konnte. 

Diese Verhältnisse wirkten natürlich auch lähmend 
auf die Neuerwerbungen ein. So erklärt es sich 
wohl zum Teil, dass man die Sammlung des Ober- 
studienrats Hassler in Ulm, unter der sich Werke 
von Amberger (No. 1 und 2), Zeitblom (No. 53 — 60) 
und Schaffner (No. 20 — 23) befanden, der damals im 
Werden begriffenen Altertumssammlung überliess. 



Geschichte der Sammlung. 



29« 



Freilich fiel auch bei ihnen das Gutachten der Maler 
ungünstig aus. So hiess es z. B., die wundervollen 
Prophetenköpfe Zeitbloms seien zum Teil „von un- 
edler und widerlicher Bildung", und nur bei vier 
Gemälden der Sammlung könne man sagen, dass ihr 
Besitz zu wünschen sei. Diese Bilder befinden sich 
jetzt dennoch in der Gemäldegalerie, der sie 1902 
auf meinen Antrag überwiesen wurden. 

Im Jahre 1866 erwarb die Galerie dafür drei wert- 
volle Bilder der Sammlung Hirscher (No. 82, 117 
und 118). 

Einen besonders glücklichen Zuwachs aus der Zeit 
von Rüstiges Verwaltung brachte die Erwerbung von 
vier Bildern auf der Auktion der Gräflich Schön- 
bornschen Sammlung aus Pommersfelden (bei 
Bamberg), die 1867 in Paris stattfand. Das Verdienst 
dafür gebührt dem Kunsthistoriker Lübke, der da- 
bei von dem Kunstkritiker Mündler in Paris unter- 
stützt wurde. Es handelte sich um den Paulus von 
Rembrandt (No. 265), das Familienporträt des Wy- 
brandt de Geest (No. 219), die Wachtstube des J. Duck 
(Nr. 214) und die Anbetung der Könige von Frans 
Francken II. (No. 144). Diese vier Bilder wurden 
um den Preis von 14228 fl. erworben. Heutzutage 
hat allein der Rembrandt mindestens den dreifachen 
Wert. 

Eine wahre Erlösung aus der längst bestehenden 
Raumbedrängnis brachte die Erbauung der beiden hinte- 
ren Flügel mit den Räumen J bis 0 und U bis Y durch 
den Oberbaurat von Bok in den Jahren 1881 — 1888 
und die gleichzeitige Verlegung der Kunstschule in 
ihr neues Heim an der Urbanstrasse. Nur der Fest- 
saal der letzteren 0 und einige Ateliers blieben noch 
in dem Gebäude und geben bis auf diesen Tag Kunde 
von der engen Verbindung, in der beide Institute 
früher miteinander standen. Leider konnte man sich 
damals nicht zu einer völligen Neuordnung der Ga~ 



30 



Geschichte der Sammlung. 



lerie entsehliessen. Eine solche wurde auch dadurch 
erschwert, dass dem Kupferstichkabinett jetzt der 
ganze Mittelbau zugewiesen wurde, so dass die Ga- 
lerie in zwei voneinander getrennte Hälften zerfiel, 
die niemals ein organisches Ganzes bilden können. 

Unter den Erwerbungen der 70 er Jahre nenne ich 
als eine besonders glückliche die der Iphigenia von 
Feuerbach No. 737. Im Jahre 1879 wurden die 
Neherschen Kartons gekauft, die teilweise im oberen 
Geschoss des Treppenhauses, teilweise im alten Fest- 
saal der Kunstschule (im Mittelbau), später in einem 
Saal zu ebener Erde links untergebracht wurden. 

Auch König Karl (1864—1891) und Königin Olga 
bedachten die Galerie mit reichen Geschenken. Fol- 
gende Bilder sind teils bei Lebzeiten des Königs, teils 
durch testamentarische Bestimmung in die Galerie 
gekommen: No. 522, 638, 652, 655, 658, 701, 868, 872, 
915, 927 und 937. Die Königin Olga hat bei ihrem 
Tode im Jahre 1892 der Galerie, die von ihr schon 
das Seebild Aiwasowkis (No. 633) besass, eine Samm- 
lung von 15 alten und modernen Oelbildern, 117 Aqua- 
rellen, einer Marmorstatue und einem Porträt der Stif- 
terin vermacht, die unter dem Namen „Königin 
Olga -Vermächtnis" im Raum N untergebracht 
wurde, in dem sie sich auch jetzt wieder befindet. 

Unter dem Ministerium Sarwey ging die Inspek- 
tion, die bis dahin in den Händen von Malern ge- 
legen hatte, entsprechend den anderwärts durch- 
geführten Grundsätzen in die Hände eines Kunst- 
historikers über. Prof. Lemcke, der diese Stelle 
von 1898 — 1901 im Nebenamt bekleidete, führte zum 
ersten Male in dem 1900 gedruckten Katalog eine An- 
zahl neuer und besserer Bestimmungen auf Grund 
der Resultate kunsthistorischer Forschung ein. In 
den älteren Katalogen von 1876, 1877, 1881, 1885, 
1888, 1891 und 1899 waren die alten Künstlernamen 
stehen geblieben, obwohl damals schon auswärtige 



Geschichte der Sammlung. 



31 



Forscher zum Teil den richtigen Weg gezeigt hatten. 
Nur zuletzt waren ein paar schwache Ansätze zu 
ihrer Beseitigung gemacht worden. 1901 wurde auch 
ein Restaurator mit Wartegeld angestellt. 1899 wurde 
das Abendmahl von Uhde erworben. 

Eine völlige Neuorganisation fand erst unter dem 
Ministerium Weizsäcker statt. Zufällig war gerade 
beim Antritt meines Amtes am 1. Mai 1901 der Katalog 
vergriffen und es musste eine neue Auflage besorgt 
werden. Die Anordnung der früheren Kataloge hatte 
sich nach der Reihenfolge gerichtet, in der die Bilder an 
den Wänden hingen. Dies erschwerte die Uebersicht 
ungemein, indem dabei z. B. zusammengehörige Teile 
eines und desselben Altarwerks an verschiedenen 
Stellen aufgeführt waren. Auch war die Aufhängung 
selbst wegen der grossen Ueberfüllung der Wände 
ästhetisch nicht befriedigend. Unter diesen Umständen 
konnte ich mich nicht zu einem einfach revidierten 
Abdruck des Katalogs von 1900 entschliessen. Ich legte 
deshalb höheren Orts einen Plan vor, wonach die Ka- 
binette B bis G Oberlicht erhalten, sämtliche Räume 
teils neu gestrichen teils mit Wandbespannung versehen 
und die Bilder nach einem ganz neuen Prinzip gehängt 
werden sollten. Der Plan fand die Billigung der 
vorgesetzten Behörde, und von Anfang Juni bis Ende 
Oktober 1902 wurde der Umbau und die Neuordnung 
vorgenommen. Dabei konnte durch Ausscheidung der 
Gegenbaur sehen Kartons, die einen grossen Teil des 
Korridors K okkupierten, und durch Hinzuziehung 
des Festsaals O, der übrigens seitdem wieder aus der 
G-alerie ausgeschieden ist, reichlich Platz gewonnen 
werden. Die Bilder wurden in der Weise auf die 
beiden Hälften der Galerie verteilt, dass diejenigen 
der alten Meister ihren Platz in der nördlichen, die- 
jenigen der neuen in der südlichen Hälfte fanden. 
Dies ist die einzige Möglichkeit der Verteilung, so- 
lange beide Hälften durch das dazwischenliegende 



32 



Geschichte der Sammlung. 



Kupferstichkabinett voneinander getrennt sind (vgl. 
den Grundriss auf dem Titelblatt). 
_ Der Neuordnung des Jahres 1902 ging eine wesent- 
liche Aenderung des Bestandes voraus. 

Neu überwiesen wurden der G-alerie damals: 

1. Die zwei bis dahin im Kgl. Schlosse zu Lud- 
wigsburg befindlichen und kurz vorher entdeckten 
Bildnisse von Gainsborough No. 395 und 396 und ein 
ihnen nahestehendes englisches Bild No. 415, sowie 
sechs niederländische Gemälde aus dem Schlosse 
Monrepos No. 119, 146, 249, 272, 311 und 418. Diese 
neun Bilder gehören der Königin Charlotte Mathilde- 
Stiftung, d. h. sie bilden einen Teil des der König- 
lichen Familie fideikommissarisch testierten Nach- 
lasses der 1828 gestorbenen Königin Charlotte Ma- 
thilde, Gemahlin König Friedrichs. Bei der Selten- 
heit guter englischer Bilder oder gar echter Gains- 
boroughs in deutschen Sammlungen müssen sie jetzt 
als ein Hauptschatz der Gemäldegalerie gelten. Sie 
haben auch in England grosses Interesse erregt. Ihre 
Ueberweisung war der äussere Anlass zur Bildung 
einer kleinen englischen Abteilung, die im Entstehen 
begriffen ist. 

2. 31 Gemälde der altdeutschen, besonders alt- 
schwäbischen Schule, die der Sammlung vaterländischer 
Altertümer gehören. Sie wurden der Galerie leih- 
weise überlassen, weil das jetzige Altertumsmuseum 
weder genügenden Platz noch ausreichendes Licht bot. 
um sie zur Geltung zu bringen. Es sind die Nummern 
1, 2, 4, 10, 11, 20—24, 33-36, 53—60, 69, 79, 80. 
89, 93, 96, 97, 120 und 121, darunter Bilder von 
Zeitblom, Burgkmair, Schaffner, Strigel, dem schwä- 
bischen Meister C W u. s. w. Diese Bilder hätten 
eigentlich von Anfang an in die Galerie gehört, 
waren aber von Rüstige, offenbar wegen Platz- 
mangels, der Altertumssammlung überlassen worden. 
Ein Teil von ihnen konnte erst nach der Ueberweisung 



Geschichte der Sammlung. 



33 



bestimmt und dadurch der Forschung zugänglich ge- 
macht werden. Sie sollten auch in Zukunft immer 
mit den schon früher vorhandenen Bildern derselben 
Meister zusammenbleiben, sei es in der Gemälde- 
galerie, sei es, wenn einmal ein neues Altertums- 
museum gebaut wird, in dem letzteren. 

3. 25 Gemälde meist niederländischer Herkunft, 
die sich in der Sammlung des Kgl. Schlosses zu 
Ludwigsburg befanden, aber bei der Auswahl im 
Jahre 1842 zurückgeblieben waren. Sie gehörten 
schon seit einiger Zeit infolge eines Tauschvertrags 
zwischen Krone und Staat dem letzteren. Es sind 
die Nummern: 75, 76, 95, 108, 124, 130, 131, 155 
156, 175-177, 237, 252, 276, 293, 299, 300, 304,' 
313, 348, 365, 373, 376 und 379. 

4. 11 Bilder aus dem Magazin, die teilweise schon 
an andere Stellen verliehen waren, deren Galerie- 
würdigkeit aber eine genauere Untersuchung ergab. 
Darunter befand sich z. B. der schöne Guardi No. 548. 

Ausserdem suchte man das Niveau der Sammlung 
durch Ausscheidungen zu heben. Die sechs Gegen- 
baurschen Kartons, die unverhältnismässig viel Platz 
wegnahmen und neben den entsprechenden Bildern 
im Residenzschlosse keinen selbständigen Wert hatten 
wurden nebst 3 Bildern (No. 126, 215 und 217) 
an das Kgl. Schloss in Ludwigsburg abgegeben. 
Die Altertumssammlung erhielt als Ersatz für die 
von ihr hergeliehenen Bilder folgende 16, die künst- 
lerisch weniger bedeutend, dafür aber historisch 
oder ikonographisch merkwürdig sind: No. 214 467 
484, 494, 495, 501, 506, 517-520, 526, 538, 539^ 
626 und 811. (Die Nummern nach dem Katalog von 

Endlich wurden 53 nicht galerie würdige, teilweise 
durch Uebermalung modernisierte Bilder der Samm- 
lung Barbini-Breganze (einige auch aus der Samm- 
lung Abel und den älteren Ludwigsburger Beständen) 



34 



Geschichte der Sammlung. 



magaziniert resp. an andere Stellen abgegeben. Aus 
Pietät trug man zunächst Scheu, mit der Magazinie- 
rung in radikalerer Weise vorzugehen. Es war des- 
halb vorauszusehen, dass sich derartige Ausscheidungen 
von Zeit zu Zeit wiederholen würden. Nach allem 
belief sich die Zahl der damals ausgeschiedenen 
Nummern auf 78, denen 76 neu hinzugekommene 
gegenüberstanden. Es handelte sich also nur um 
einen Abgang von 2 Bildern, doch war das Ergebnis 
eine wesentliche Steigerung der Gesamtqualität. 

Unter dem Ministerium Fleischhauer sind dann 
wieder infolge Platzmangels 105 Bilder ausgeschieden 
worden. Diesmal war es besonders die moderne Ab- 
teilung, die davon betroffen wurde, ausserdem die 
Kopien nach alten Italienern. Den äusseren Anstoss 
gab die immer mehr zunehmende Benützung des Fest- 
saals der Akademie der Künste 0 zu Ausstellungen 
und die Ueberfüllung der modernen Abteilung infolge 
der Neuerwerbungen. 

Um aber die ausgeschiedenen Bilder, die teilweise 
recht gut, nur für den Charakter der Galerie weniger 
wichtig sind, der Oeffentlichkeit nicht dauernd vor- 
zuenthalten, beschloss das Ministerium 1907 die Grün- 
dung von Filialgalerien im Lande, zunächst m 
Tübingen und Ulm. 

Die Filialgalerie zu Tübingen, die sich jetzt im alten 
Landgericht daselbst befindet und später im Schloss 
untergebracht werden soll, hat zunächst folgende Bilder 
erhalten: 417, 462, 466, 467, 478, 479, 481, 482 a, 
493, 553, 554, 575, 653, 666, 672, 675, 689, 695, 696, 
699, 727, 742, 750, 767, 776, 810, 852, 881, 889, 898, 
922 und 8 aus dem Magazin. Andere werden folgen. 

Die Ulmer Filialgalerie, die noch im Laufe dieses 
Jahres in einem Anbau des Schwörhauses eingerichtet 
werden soll, wird aus folgenden 59 Bildern bestehen: 
70, 92, 103, 492, 540, 543, 635, 639, 645, 651, 660, 
665, 674, 676, 679, 688, 706, 729, 732, 744, 751 (die 



Geschichte der Sammlung. 



35 



16 kleinen Farbenskizzen von Gegenbaur als eine 
Nummer gerechnet), 760, 764, 769. 773, 782, 785, 
816, 817, 824, 826, 830, 833, 851, 860, 866, 867, 908, 
921, 926, 932 und 18 Bildern aus dem Magazin. 

Alle diese Gemälde werden, soweit sie früher im 
Katalog standen, in demselben weitergeführt. An 
Stelle der Lokalbezeichnung im Stuttgarter Museum 
wird am Rande die Stadt, in der sie sich befinden 
oder für die sie bestimmt sind („Tüb." oder „Ulm"), 
vermerkt. 

Neuerdings ist endlich das seit 1902 magazinierte 
Bild No. 29a wieder eingereiht worden, weil sich 
inzwischen seine Zurückführung auf Schüchlin als 
wahrscheinlich erwiesen hat. 

Die jetzige Verteilung der Bilder ergibt sich aus 
dem Grundriss auf der Innenseite des Deckels und 
der gegenüberstehenden „Orientierung". Natürlich 
ist in der alten Abteilung die historische Anordnung 
zu Grunde gelegt worden. Die neuerdings zuweilen 
geforderte Durcheinanderhängung der verschiedenen 
Zeiten und Gruppierung der Bilder nach der Qualität 
kann für eine staatliche Galerie nicht in Betracht 
kommen. Denn eine solche hat nicht nur ästhetische, 
sondern auch kulturhistorische Zwecke. Auch muss 
man vom ästhetischen Standpunkt sagen, dass die 
Bilder derselben Schule koloristisch immer am besten 
zusammenpassen. Wer möchte die wundervolle Ge- 
schlossenheit der Säle A und Y um einer solchen 
Marotte willen opfern? 

Nur eine Ausnahme von der Hegel war geboten: 
das Königin Olga -Vermächtnis musste nach dem 
Willen der hohen Stifterin zusammenbleiben. So sind 
denn im Kabinett N Oelbilder der verschiedensten 
Zeiten und Schulen, ja sogar Oelbilder und Aquarelle 
vereinigt worden. Man kann sich vorstellen, wie 
schwer es war, in dieser Weise ein einigermassen er- 
trägliches Ensemble zu schaffen. 



36 



Geschichte der Sammlung. 



Die wichtigste Neuerung, die während des Mini- 
steriums Weizsäcker mit dem Galeriegebäude vor- 
genommen wurde, war die neue Ausstattung des 
modernen Saales Y. Sie ist mit Benützung der 
Dekoration hergestellt worden, die auf Anregung 
des Stuttgarter Künstlerbundes für den Stuttgarter 
Saal der Dresdener Kunstausstellung von 1904 aus- 
geführt worden war. Der Entwurf dazu stammt von 
dem Vorstand der staatlichen Lehr- und Versuchs- 
werkstätte, Professor Bernhard Pankok, die Wand- 
bespannung ist von der mechanischen Weberei von 
Karl Faber in Stuttgart, die Polsterarbeit von der 
Firma Schwinghammer daselbst, die Schreinerarbeit 
von den Schülern der Lehr- und Versuchswerkstätte 
ausgeführt. Der helle gelblich graue Hintergrund 
und die Möblierung in hellem poliertem Eschenholz, 
deren Form zum Teil durch die beiden Heizkörper 
bestimmt war, bildet eine vorzügliche Umrahmung 
der Gemälde. Die Schreibtische und Bücherständer 
sollen eine kleine kunsthistorische Bibliothek, die 
Eckschränke Kleinbronzen und dgl. aufnehmen. Ein 
Anfang ist damit schon gemacht. 

Vorausgesetzt, dass die Kunstsammlungen dauernd 
in diesem Gebäude verbleiben werden, besteht der 
Wunsch, auch die anstossenden Säle ähnlich auszu- 
statten. Die Bemalung, die ihre Wände bei der 
Neuordnung 1902 erhielten, war nur als Provisorium 
gedacht und konnte, da sie sich der dunklen Holz- 
bemalung anpassen musste, nicht in den hellen neu- 
tralen Tönen gehalten werden, die sich als Hinter- 
grund für Gemäldesäle mit stets wechselndem Inhalt 
am besten bewährt haben. 

Gleichzeitig erhielt die Galerie eine neue Nieder- 
druckdampfheizung, da mit dem bisherigen veralteten 
System die Temperatur schwer reguliert werden konnte. 

Seit ihrem Bestehen hat sich die Galerie der Mu- 
nifizenz privater Gönner zu erfreuen gehabt. Vier 



Geschichte der Sammlung. 



37 



Bilder (812, 813, 875 und 921) hat ihr 1868 die Witwe 
des Bildhauers Dannecker geschenkt, vier Bilder 
(747 — 752) 1876 der Maler Gegenbaur vermacht. 
Im Jahre 1895 erhielt sie als Legat des Obersthof- 
meisters Freiherrn R. von Reischach folgende 15 
Bilder: 384, 411, 412, 644, 645, 648, 659, 675, 676, 681, 
682, 739, 740, 757 und 861. Wiederholt ist sie von dem 
Geh. Hofrat E. Seeger in Berlin, einem geborenen 
Württemberger, reich beschenkt worden. Ihm ver- 
dankt sie die 9 Bilder: 409 a (Raeburn), 590a (Gr. D. 
Tiepolo), 663 (Michetti), 669 a (Ribot), 676 a (Swan), 
719 a (Canon), 732 a (Eysen), 805 (Leibi) und 891a 
(Sperl). Herr Konsul J. Neuburger in München 
hat drei Bilder geschenkt: Nr. 773, 905 und 936. 

Einzelne Schenkungen und Vermächtnisse sind mit 
folgenden Namen verknüpft: Barth (353), Baumeister 
(696—698), Baur (695 a), Blankarts (691, 901), Bohnen- 
berger (704 a), Braith (707 b), Braun (654). Chierici 
(643), Eggel (731), Etzel (482 a, 856 a), Federer (608, 
714, 764), Fleischmann (835, 862), Gaupp (746), Hertz, 
Hetsch (772), Holder, Jobst (316), von Kahlden 
(772 a), Knosp, Kopf (zwei Büsten), Lindauer, Mali (744, 
826, 707 b, 762 a), Martens (827), Matisse (662 a), 
Moreau-Nelaton (664), Reinbeck (851, 852), Rüstige 
(158), Rutz (713), von Scheler (929, 930), Schulz (709), 
Sick (821, 883, 916), Sieglin (808 a), Sontheimer (802), 
Steinkopf (897, 898), Stirnbrand (900, 902), von Stos 
(593), Strölin (646 a), Vischer (492), Waechter (891, 
919, 928), von Wangenheim (762) und Ziller (808 a). 

Um die private Freigebigkeit in bestimmte Bahnen 
zu lenken, ist im Januar 1906 der Stuttgarter 
Galerieverein gegründet worden. Nach dem Vorbild 
anderer Museums vereine verfolgt er den Zweck, die 
naturgemäss beschränkte Dotierung der Gemälde- 
galerie durch Ankauf und Darleihung von Gemälden 
zu ergänzen. Dazu veranstaltet er Ausstellungen 
und Vorträge, liefert seinen Mitgliedern die Publi- 



38 



Geschichte der Sammlung. 



kationen, die über die Galerie erscheinen, kurz, 
sucht das Interesse für die Sammlung in jeder Weise 
zu wecken. Gleich im ersten Jahre seines Bestehens 
hat er die Galerie um eine Anzahl wertvoller Bilder 
bereichert. Von seinem hohen Protektor, König 
Wilhelm IL, der die Galerie schon früher durch 
zwei Geschenke (81 und 887) und Ueberweisung der 
englischen Bilder 395, 396 und 415 gefördert hatte, 
wurde ihm das schöne weibliche Bildnis von A. Feuer- 
bach No. 738 a leihweise zur Verfügung gestellt. 
Geheimrat Stieler in Berlin hat die Oelskizze von 
Schwind (No. 890b), Geh. Kommerzienrat E. Jung- 
hans in Schramberg die Schafherde von Zügel 
(939 a) geschenkt. Eine wertvolle Leihgabe erhielt 
der Verein von Frau Geh. Kommerzienrat von 
Siegle in Stuttgart, nämlich Uhdes Schweren Gang 
No. 910 a. 

Bei seinen Ankäufen will sich der Verein nicht auf 
eine bestimmte Periode beschränken. Er hat vielmehr 
sein Augenmerk vorzugsweise auf solche Bilder gerich- 
tet, deren Anschaffung durch den Staat irgendwelchen 
Bedenken unterliegen könnte. Um seine von jeder 
Einseitigkeit freie Tendenz zu kennzeichnen, seien 
die Erwerbungen des ersten Jahres genannt: 

Ein Apostelmartyrium von Altdorf er (?) No. 1, zwei 
kleine Heiligenbilder des Meisters von Messkirch 
(82 a und 82b), ein männliches Porträt von Rey- 
nolds (410 a), eine kleine Landschaft und eine 
Aquarellstudie von Constable (388a und 388b) ; ein 
Historienbild von Füger (741a), ein männliches 
Porträt von Canzi (719 b), ein Bauernmädchen von 
Knaus (793a), ein Blumenstück von Karl Schuch 
(888b), eine Landschaft von Monet (663 a), ein Bahn- 
hofsbild von Pleuer (848b), eine Landschaft von 
Steppes (899a) und zwei Bilder von Amandus 
Faure (736b und 736 c). 

Ausser diesen leihweise zur Verfügung gestellten 



Geschichte der Sammlung. 



39 



Bildern sind seit 1901 durch Ankauf in die Galerie 
gekommen : 

1. Altdeutsche, und zwar vorwiegend altschwäbische 
Bilder: Das grosse Mühlhäuser Altarwerk von 1385 
No. 94, der Ehninger Altar No. 80 c, die beiden Por- 
träts von Schaffner No. 25, die Susanna im Bade 
von Schäufelein No. 28, die Heimsuchung und An- 
betung des oberschwäbischen Meisters C W No. 80 a 
und 80 b und die Vorbereitung zur Kreuzigung 
No. 99. Ferner ist das plastische Mittelstück des 
Kilchberger Altars von Zeitblom No. 52 a zur Ver- 
vollständigung der schon vorhandenen Flügelbilder 
durch Tausch von Freiherrn von Tessin erworben 
worden. (Das Bebenhäuser Bild No. 93 a wurde von 
der Kgl. Domänendirektion, das grosse Jüngste Ge- 
richt des Ulmers Jörg Stocker No. 29 a vom Stiftungs- 
rat der katholischen Pfarrkirche in Oberstadion über- 
wiesen.) 

2. Bilder moderner ausländischer Maler: Der 
Gärtner von Pissarro (668), die Dame von Aman- 
Jean (634), die Tee Verkäufer in von Zuloaga (685), 
das Interieur von Vuillard (684 a) und das Lied von 
Roche (671). 

3. Bilder moderner nicht württembergischer Maler 
aus Deutschland: Bochmann (701a), Hagen (759a), 
Haider (759 b), v. Hofmann (775 a), Kühl (796 a), Len- 
bach (808 a), Liebermann (813 a). Lier (814), Menzel 
(830a), Schuch (888a), Slevogt (891a), Stadler (895a), 
Stuck (903 a), Thoma (906), Trübner (909 a) und Uhde 
(910 b). 

4. Bilder moderner schwäbischer oder in "Württem- 
berg ansässiger Maler: Breyer (709a), Faber du Faur 
(736), Amandus Faure(736a), Grethe (752 a), Hollen- 
berg (775 a), Kalckreuth (783, 783 a), Fr. Keller (789), 
Kielwein (792), Kornbeck (796 a), Lauxmann, Otter- 
stedt (839a), Pankok (839b), Pleuer (848 und 848a), 



40 



Geschichte der Sammlung. 



Reiniger (856), Schönleber (886), Schüz (890a), Speyer 
(892 a), Starker (896) und E. Wolff (932 a). 

Um ein Urteil über das Verhältnis zu ermöglichen, 
in dem bei diesen Anschaffungen die alte Kunst zur 
neuen steht, sei noch angeführt, dass die Bilder der 
ersten Rubrik nur den fünfzehnten Teil derjenigen 
der drei anderen gekostet haben. 

Die Zahl der im Besitz der Galerie und des Galerie- 
vereins (ausschliesslich der Aquarelle) befindlichen 
Bilder beläuft sich gegenwärtig auf 1181. Davon hängen 
916 in der Galerie 39 in Tübingen, 59 sind für Ulm 
bestimmt, 29 hängen im Kgl. Ministerium des Aus- 
wärtigen, 3 im Kgl. Kultministerium, 16 in der 
Altertumssammlung, 12 in den Verwaltungsräumen 
und Ateliers der Akademie der bildenden Künste, 
11 im Lokal des Künstlerbundes (Untere König- 
strasse 18 A), 11 im Kgl. Schlosse zu Ludwigsburg 
(einschliesslich der 6 Gegenbaur sehen Kartons) und 
85 sind noch jetzt magaziniert. 

Der Katalog. 

Die Grundsätze, nach denen die erste Auflage des 
wissenschaftlichen Katalogs (1903) verfasst ist, habe 
ich auch bei der zweiten innegehalten. Nur sind 
dieser noch 99 Netzätzungen hinzugefügt worden, 
die nach Aufnahmen von L. Schaller und F. Hoefle 
von der Firma A. Schuler ausgeführt wurden. Trotz- 
dem hat sich der Preis nur wenig erhöht. 

Die Anordnung ist nicht alphabetisch, wie in den 
meisten anderen Galeriekatalogen, sondern nach 
Schulen. Sie schliesst sich also in ihrer Kapitel- 
einteilung der lokalen Gliederung der Sammlung an, 
was sowohl für die praktische Benützung an Ort und 
Stelle, als auch für die Ueb ersieht aus der Ferne 
wesentliche Vorteile bietet. Innerhalb der Schulen 
ist die alphabetische Ordnung durchgeführt, wobei 



Der Katalog. 



41 



die gerade bei uns besonders zahlreichen unbestimm- 
baren Bilder wenigstens übersichtlich an den Schluss 
gesetzt werden konnten. Zu Grunde gelegt sind die 
populären Namen der Künstler, die sie auch meistens in 
der Kunstgeschichte führen: also RafFael, nicht Santi, 
Correggio, nicht Allegri. Das alphabetische Register 
enthält aber alle Künstlernamen, und zwar immer 
mit allen Nummern, bei denen sie vorkommen. 

Bei den Beschreibungen habe ich mich im Hinblick 
auf die beigegebenen Illustrationen zuweilen noch 
kürzer fassen können als in der vorigen Auflage. 
Von den nicht abgebildeten Gremälden sind nur die 
ikonographisch interessanten oder von uns zum ersten- 
mal in die Kunstgeschichte eingeführten genauer be- 
schrieben worden. Die Bezeichnungen r. (rechts) und 
1. (links) verstehen sich vom Beschauer. Von einer 
Faksimilierung der Signaturen habe ich, um den Ka- 
talog nicht noch mehr zu verteuern, auch diesmal 
abgesehen. Die Inschriften sind immer vollständig 
gegeben, die Abkürzungen aufgelöst. 

Die Bezeichnungen „Oel", „Tempera", „Pastell" und 
„Aquarell" habe ich um eine vermehrt, nämlich „Oel- 
tempera". Sie soll daran erinnern, dass gerade bei 
den Bildern des 15. und 16. Jahrhunderts die Technik 
zuweilen zweifelhaft ist, indem von manchen Forschern 
ein kombiniertes Verfahren angenommen wird. Ein 
Urteil in der neuerdings viel ventilierten Streit- 
frage über die Technik der Brüder van Eyck und 
ihrer Nachfolger soll damit nicht ausgesprochen sein. 

Da bei alten auf Holz gemalten Bildern die Holz- 
art für die Frage der Herkunft wichtig ist, habe 
ich sie durchweg angegeben. Die selteneren Holz- 
arten sind von dem verstorbenen Dr. Schaible und 
einem erfahrenen Möbeltechniker bestimmt worden. 
Das Wort Fichtenholz schliesst alle Nadelhölzer ein. 

Besonderen Wert habe ich auf die Angabe der 
Restaurationen gelegt. Die Sitte, den Inhalt der 



42 



Der Katalog. 



Bilder, den der Beschauer ja doch sieht, ausführ- 
lich zu beschreiben, dagegen die Restaurationen, auf 
die der Unerfahrene von selbst nicht aufmerksam 
wird, zu verschweigen, ist, wie ich glaube, nicht zu 
rechtfertigen. Sind doch Verputzungen und Ueber- 
malungen für die ästhetische Beurteilung der Bilder 
von entscheidender Wichtigkeit. Ich habe deshalb 
alle Veränderungen der Farbschicht, soweit ich sie 
durch genaue Untersuchung ermitteln oder aus den 
Akten feststellen konnte, angegeben. Dadurch wird 
allerdings manches alte Bild für den Beschauer in 
seinem Werte etwas herabgedrückt. Dafür ist aber 
auch eine Irreleitung, wie sie bisher gerade inbezug 
auf die Bilder unserer Galerie vielfach stattgefunden 
hat, ausgeschlossen. 

Die Maasse beziehen sich meistens auf das ganze 
Malbrett respektive die ganze Leinwand. Wo diese 
nicht gemessen werden konnten, ist die lichte Weite 
innerhalb des Rahmens zu Grunde gelegt. Die Buch- 
staben am Rande unter den Nummern beziehen sich 
auf die Stelle, wo das betreffende Bild bei der Her- 
ausgabe des Katalogs hängt. Die grossen Buchstaben 
bezeichnen den Saal (vergl. den Grundriss auf dem 
Titelblatt), die kleinen (a— d) die Wand. In jedem 
Saal ist die Wand, in der die Eingangstüre liegt, mit 
a, die links daran anstossende mit b und so fort be- 
zeichnet. Natürlich verlieren diese Bestimmungen 
durch etwa notwendig werdende Umhängungen zum 
Teil ihren Wert. Immerhin können sie auch dann noch 
in der Regel einen Anhalt zur Auffindung des Bildes 
geben. 

Bei jedem Bilde ist das Jahr der Erwerbung und 
die Provenienz, soweit sie zu ermitteln war. ange- 
geben. Für die Bilder aus herzoglichem, später 
königlichem Besitz war die Auffindung der Inventare 
des 17. und 18. Jahrhunderts, die der Direktion des 
Kgl. Haus- und Staatsarchivs verdankt wird, beson- 



Der Katalog. 



43 



ders wichtig. Die Herkunft der Abelschen Bilder 
ergibt sich zum Teil aus der älteren kunsthistorischen 
Literatur (besonders Waagens Kunstwerken und 
Künstlern in Deutschland), deren Angaben offenbar 
auf mündliche Aeusserungen des Besitzers zurück- 
gehen. "Wo die einzelnen Bilder der Sammlung Bar- 
bini-Breganze herstammen, könnte bei der Unzuver- 
lässigkeit der Angaben Zanottos (s. oben S. 23) nur 
durch Lokalforschungen in Venedig ermittelt werden, 
zu denen ich bisher keine Zeit gefunden habe. 

Was die Bestimmung der Bilder betrifft, so beruht 
dieselbe, soweit es sich um die Altdeutschen handelt, 
meistens auf eigenen Forschungen. Durch die Ent- 
deckung von Bildern Multschers, Stockers, Herlins, 
des Meisters C. W., Burgkmairs und Altdorfers hat 
die Bearbeitung der Sammlung der Geschichte der 
deutschen Malerei einiges neue Material zugeführt. 

Bei der Bestimmung der Niederländer und Italiener 
war ich zum Teil auf das Urteil von Fachkennern 
angewiesen, die ich überall da zitiert habe, wo ich 
glaubte, dass sie noch jetzt an ihrer Meinung fest- 
halten würden. Von geschulten Bilderkennern haben 
sich folgende litterarisch und in grösserem Zusammen- 
hang über den Inhalt der Galerie geäussert: 

1. Eisenmann (mit Benützung der Notizen von 
Bode und Bredius) in der Kunstchronik Jahrg. 23 
(1887/88) Nr. 19, S. 297 besonders über die Alt- 
deutschen und Niederländer. 

2. Frizzoni ebenda S. 329 über die Italiener. 

3. Frimmel in der Kunstchronik, Neue Folge VI 
(1894/95) Nr. 3, S. 33. 

4. Rief fei im Repertorium für Kunstwissenschaft 
XX (1897) S. 165. 

5. Loeser in der italienischen Zeitschrift L'Arte 
II (1900) über einige Italiener. 

In den älteren Schriften über schwäbische Malerei 
kommen die Bilder der altdeutschen Abteilung häufig 



44 



Der Katalog. 



vor. Doch konnte eine vollständige Angabe der Litte- 
ratur bei allen Bildern nicht angestrebt werden. Nur 
einiges Neuere ist zitiert worden. 

Dankend muss ich hier diejenigen Fachgenossen 
nennen, die mir ihre Bestimmungen teils schon für 
die erste, teils jetzt für die zweite Auflage mitgeteilt 
haben: Bode, Bredius, Eisenmann, v. Fabriczy, Gronau, 
Hofstede de Groot, Hymans, Loeser, Martin, Wanters, 
Weizsäcker und Woermann. Einzelne Verbesserungen 
und Hinweise verdanke ich in Stuttgart : Herrn Maler 
Max Bach, Herrn Oberstudienrat Dr. Hartmann, Herrn 
Prof. Pazaurek, Herrn Dr. Berthold Pfeiffer und in 
Tübingen Herrn Privatdozent Dr. Heyfelder. 

Die Gemälde sind bisher in grösserem Umfang nur 
von dem verstorbenen Hofphotographen Hoefle in 
Augsburg aufgenommen worden. Diese Aufnahmen, 
die auch vielen unserer Klisches zu Grunde liegen, 
werden bei den einzelnen Nummern erwähnt. Sie sind 
beim Hausverwalter käuflich. 



h Altdeutsche Schule. 



Altdorf er, Albrecht (Schule?) 



geb. um 1480 wahrscheinlich in Regensburg, gest. 1538 daselbst. Vermutlich Sohn 
und Schüler eines Malers Ulrich Altdorfer, wahrscheinlich in Amberg aufgewachsen. 
1505 Bürger in Regensburg. Weder Schüler Dürers, wie man früher glaubte, noch 
durch Grünewald oder Schaffner beeinflusst, wie man auch angenommen hat, sondern 
vermutlich durch die in Regensburg blühende Miniaturmalerei angeregt. Erst nach 1511 
unter dem Einfluss Dürers stehend. Seit 1526 auch Architekt, Stadtbaumeister von 
Regensburg. Hauptvertreter der Regensburger Schule, gehört als Kupferstecher zu 
den sogenannten Kleinmeistern. 



geren. Der Heilige, der vornübergestürzt ist, wird 
gesteinigt und mit dem Walkerbaum erschlagen. 
Sechs Personen in einer offenen Renaissancehalle, 
rechts oben fünf Personen in kleinerem Massstab 
auf einer Galerie, links Blick ins Freie, wo eine 
Frau Wasser von einem Brunnen holt. Auf einer 
Tafel, die rechts von der Decke herabhängt, wie es 
scheint, die Jahreszahl 1513 (die 13 wiederholt sich 
noch einmal auf dem Teppich, der über die Brüstung 
hängt). Unter der dünnen Malerei links die Spuren 
eines älteren Bildes. 

Oeltempera, Fichtenholz, 99 h., 86 br., hinten durchgesägt, also ursprünglich wohl 
auch auf der Rückseite bemalt. Rechts ein schräger Riss von oben nach unten. 
Eigentum des Galerievereins. 1906|07 von Dr. Monz von Rauch jun. in Heilbronn 
gekauft, der das Bild 1901 aus einem Palast in Lima (Peru) erworben hatte. Soll 
etwa vor 30 Jahren mit anderen Bildern von derselben Hand, die damals Osten- 
dorfer zugeschrieben wurden, in Regensburg gewesen sein, was der frühere Besitzer 
für unwahrscheinlich Shält. Jedenfalls ist aber damit die Schulzugehörigkeit des 
Bildes getroffen, das freilich für Ostendorfer zu gut ist und viele Merkmale der Alt- 
dorferschen Kunst aus der mittleren Periode des Meisters an sich trägt. Bei Fried- 
länder nicht erwähnt. Zum Vergleich bieten sich am besten die Apostelmartyrien 
im germanischen Museum in Nürnberg und der Akadamie in Siena dar. War bei 
der Erwerbung stark verschmutzt und hie und da übermalt. 1907 restauriert. 



Martyrium des 




46 I- Altdeutsche Schule. 



Amberger, Christoph 

wahrscheinlich in Augsburg bald nach 1500 geb., 1561/62 daselbst gestorben. 
Vielleicht ein Schüler des älteren Holbein, unter dem Einfluss Hans Burgkmairs ge- 
bildet, stark von der venezianischen Malerei, in gewisser Weise auch von dem jün- 
geren Holbein beeinflusst, 1530 Meister in Augsburg, wo er wahrscheinlich bis zu 
seinem Tode lebte. 

la Bildnis des David von Tettikofen aus Lin- 
Ba. dau. Brustbild, dreiviertel lebensgross, halbrechts, 
vom Jahre 1533. Gegenstück zum folgenden. Oben 
die gelb gemalte Inschrift: ttmo 1497 (die 9 ist aus- 
gekratzt, aber noch erkennbar) 3Iar roarb Jtt) (der Name 
ist ausgekratzt) gBborBit lltnnb Mnna 1533 roarb bifE ®ontEr- 
fsi gEmarfjt — 3o roarb 3Itfj 36 Har aUi Htmb frßtf barbBtr biß 
gBpalt. Auf der Rückseite Spuren einer lateinischen 
Inschrift, von der nur zu lesen ist: 

VON OFEN 
WEILAND HERMAN VON DE (tti) 
KOFFEN (?) ENO LOSNER SVN 
WARD GEBORN ZV LINDAW VON 
MARGRETHE (?( PFRONDIN SEINER ELICH 
IM MANAT 
MDXXXV STARB 

Oel, Lindenholz, 53,5 h., 43,5 br. 1902 aus der Altertumssammlung. Phot. Hoefle. 
Gut erhalten bis auf Retouchen. Siehe die folgende Nummer. 

2 Bildnis der Afra von Tettikofen, seiner 
Ba. Gemahlin. Brustbild, dreiviertel lebensgross. halb- 
links, vom Jahre 1533. Gegenstück zum vorigen. 
Oben: Mnno 1509 roarb 3lrfj Äffr. (der übrige Name und 
das „geboren" ist ausgekratzt) lünnb Mnno 1533 roarb bife 
(ErmtErfEi 0Emad)f. — 3a roarb ith 24 Har alf. lämtb IjEti batrbBij 
btB ßB^aü. Auf der Rückseite eine fast unleserliche 
Inschrift, von der nur die Worte DAVID — OFEN einiger- 
massen zu entziffern sind. 

Oel, Lindenholz. 53 h., 43,5 br. 1902 aus der Altertumssammlung. Gesicht 
von Eigner in Augsburg retouchiert und dadurch im Ausdruck etwas verweichlicht. 
Gewand und Hände gut erhalten. Phot. Hoefle. Beide Bilder stammen aus der 
Sammlung des Oberstudienrats Hassler in Ulm, nach dessen Aufzeichnungen sie sich 
früher im Schlosse Montfort bei Langenargen am Bodensee, also nicht weit von 
Lindau, befanden. Er nennt die Dargestellten Wilhelm Moerz und Afra Rehm (aus Augs- 
burg) und sagt, der frühere Besitzer — offenbar Eigner — habe durch das Her- 
auskratzen der Namen Betrug verüben wollen. Die Namen seien aber vollkommen 



I. Altdeutsche Schule. 



47 



sicher, da er sie vor dem Auskratzen gekannt habe. Dies muss wohl ein Irrtum 
sein. Denn nach den Inschriften auf der Rückseite sind die Dargestellten, wie ich 
von Herrn Pfarrer und Stadtarchivar Dr. Wolfart in Lindau weiss, David und Afra 
von Tettikofen aus Lindau. Er war ein wohlhabender Kaufmann, der um 1536 nach 
Augsburg übersiedelte, sie eine geborene Mannlichin, Kaufmannstochter aus Augs- 
burg. Der Name seines Vaters Hermann und der Familienname seiner Mutter Pfrond 
kommen unter den Inschriftfragmenten der Rückseite von 1a vor. Dies und die Ueber- 
einstimmung des Vornamens der Frau sowie die Angabe des Geburtsjahres des 
Mannes auf 1497 lassen über die Identität beider mit dem Ehepaar Tettikofen keinen 
Zweifel. Dass der Mann nicht Wilhelm Moerz sein kann, ergibt schon ein Vergleich 
mit dem Porträt des letzteren im Maximilianeum zu Augsburg, das einen ganz an- 
deren älteren und unbärtigen Mann darstellt. Auffallend ist nur die Uebereinstimmung 
des dazugehörigen Frauenporträts mit unserer Nr. 2. Aber auf dieses Porträt be- 
zieht sich vielleicht, was Hassler von einem Betrüge des früheren Besitzers sagt. 
Durch das Ausradieren der Namen konnte der Betrug verschleiert werden, insofern 
die Inschrift „Afra von Tettikofen" auf unserem Bilde die Deutung des Augsburger 
Frauenporträts auf Afra Moerz verhindert hätte. Die gleichen Vornamen beider 
Frauen ermöglichten dem Fälscher, den Vornamen Afra stehen zu lassen (vgl. Wolt- 
mann, in Meyers Künstlerlexikon, I, 601). Hassler schrieb die Bilder dem jüngeren 
Holbein zu und hielt sie für die besten Stücke seiner Sammlung. Es sind zweifeljos 
vortreffliche Werke Ambergers. an denen sich der venezianische Einfluss, den seine 
Kunst erfahren hat, sehr gut erkennen lässt. 



Baidung, Hans, gen. Grien 

1480 geboren, nach der gewöhnlichen Annahme in Weyerstein bei Strassburg, 
nach Einigen in Schwäbisch Gmünd, 1545 in Strassburg gestorben. Jedenfalls aus 
einer Gmünder Familie. Seit 1507 als Maler nachweisbar. Persönlicher Schüler 
Dürers, unter seinem und Grünewalds Einfluss entwickelt, lebte 1511 — 1517 in Frei- 
burg i. B., sonst in Strassburg. 

Bildnis des Freiherrn von Morsperg. Illustra- 3 
tion. Brustbild, lebensgross, halblinks, von 1525. Grüner Bc. 
Hintergrund. Oben drei Zettel mit Inschriften. Auf dem 
mittelsten: HANS JACOB FREIHER ZV MORSPERG (nicht 
Monsberg) VND BEFFERT (Beifort) RO. K. M. (römischer kaiser- 
licher Majestät) LANTVOGT IN VNDER ELSAS. Auf dem 
linken: SEINS ALTERS IM XLVI IOR. Auf dem rechten: 
ALS MAN ZALT NACH CRISTI GEBURT XV 1525 XXV (die 
Jahreszahl ist also zugleich römisch und arabisch angegeben). 

Oeltempera, Lindenholz, 68,3 h., 49,5 br. Gut erhalten, Schrift etwas verrieben. 
1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: Dürer. Inventar von 1767 No. 807: 
Holbein. Die richtige Benennung geht, soviel ich weiss, auf Scheibler zurück. 



Burgkmair, Hans 

auch Burckmair geschrieben, geb. 1473 in Augsburg, gest. 1531 daselbst. Sohn und 
Schüler des Thoman Burgkmair, in seiner Jugend durch Schongauer, später durch 
den älteren Holbein beeinflusst. Als Holzschnittzeichner durch Dürer angeregt. 
Hauptmeister der Augsburger Schule neben dem älteren Holbein. 



48 



I. Altdeutsche Schule. 



Bildnis eines etwa 50jährigen Mannes, 2 / 3 
lebensgross, etwas nach links, mit braunem ausra- 
siertem Backenbart, Goldhaube, goldenem Wams, 
braunem Pelz. Marmorierter Hintergrund. 

Oeltempera, Fichtenholz, 52 h., 39,5 br. 1902 aus der Altertumssammlung. Senk- 
rechter Riss in der Mitte, retouchiert. Unten ein schmaler Streifen übermalt. Stammt 
aus königlichem (wahrscheinlich schon herzoglichem) Besitz. Name des Künstlers 
zuerst zweifelnd im Katalog von 1903. 

Cranach, Lukas, der Aeltere 

1472 in dem oberfränkischen Städtchen Kronach geboren, 1553 in Weimar gestorben. 
Erhielt seinen Namen nach seiner Geburtsstadt (der Famifienname soll nach den 
einen Sunder, nach den anderen Müller gewesen sein). Wahrscheinlich Schüler 
seines Vaters, jedenfalls aus der fränkischen Schule hervorgegangen. Nach den 
einen von Grünewald, nach den anderen von der Regensburger Schule, jedenfalls 
auch von Dürer beeinflusst. Von 1503 als Künstler nachzuweisen, damals zuerst in 
Wittenberg, wo er bis 1550 blieb und neben der Malerei eine Apotheke, eine Druckerei 
und einen Buchhandel besass. 1508 in den Niederlanden. Hofmaler dreier säch- 
sischer Kurfürsten, Friedrichs des Weisen, Johanns des Beständigen und Johann 
Friedrichs des Grossmütigen, welchem letzteren er nach der Schlacht bei Mühlberg 
in die Gefangenschaft nach Augsburg und Innsbruck, 1552 nach Weimar folgte. 
Freund und Gevatter Luthers, künstlerischer Vorkämpfer der Reformation. Haupt- 
meister der sächsischen Schule. Neuerdings sind viele Bilder von ihm und aus seiner 
Werkstatt seinem älteren frühverstorbenen Sohne Hans zugeschrieben worden. 

Judith mit dem Haupte des Holofernes. Illu- 
stration. Halbfigur, halblinks, lebensgross, hinter einer 
Steinbrüstung, in der R. das Schwert. L. unten das 
bekannte Zeichen, die Schlange mit emporgerichteten 
Flügeln. 

Oeltempera, Lindenholz, 86 h., 59 br. In der Mitte senkrechter ausgebesserter 
Riss. Phot. Hoefle. 1847 als Cranach d. Jüng. erworben von stud. iur. Freiherrn von 
Salmuth in Heidelberg, der sie von seinem Grossvater geschenkt erhalten hatte. 
Dieselbe Komposition in Wien (Klass. Bilderschatz 1138), bei Amtsrat Trittel zu 
Tornau in Anhalt, im städt. Museum zu Aachen und auf Rittergut Wolftitz bei Pegau 
(vergl. Woermann, Verzeichnis der Cranach-Ausstellung 1899 unter 49 und 54), zwei 
davon 1530 und 1531 datiert. Unser Exemplar scheint das beste zu sein. Werkstatt- 
wiederholungen in Schwerin, Schieissheim, Kassel u. s. w., zum Teil etwas abweichend. 

Cranach, L. d. Ä., Schule. 

Weibliches Bildnis. Halbfigur, 2 / 3 lebensgross, 
halblinks, jugendlich, in reicher Hoftracht. 

Oeltempera, Erlenholz, 59,5 h., 43,5 br. Zwei Risse. Phot. Hoefle. 1843 aus 
Ludwigsburg als Schule Cranachs. Sammlung Gotter 1736: Cranach. Inventar von 
1767: No. 837 (?). Eisenmann: Nicht Cranach selbst, sondern nur gute Schule. 

Dürer, Albrecht, Kopie nach 

geb. 1471 in Nürnberg, gest. 1528 daselbst. Schüler Wolgemuts. Um 1495 und 1506 
in Venedig, 1521 in den Niederlanden. 



I. Altdeutsche Schule. 



49 



Adam und Eva. Kopie des Kupferstichs Bartsch 7 
No. 1 von 1504. Das Inschrifttäfelchen ist wegge- Cc. 
lassen, an den Bäumen und dem Hintergrund einiges 
geändert. 

Oel, Nussbaumholz, 25 b., 20,2 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 108: 
Ursprünglich in der Sammlung Färse«., dann in der Sammlung Graglietto in Venedig 
Der Verfertiger der übrigens guten Kopie war entweder ein Deutscher oder ein 
Niederlander. Auf der Rückseite in alter Schrift: Alberto Durero. 

Herlin, Friedrich 



Gefangennahme Christi. Gegenstück zum fol- 8 
genden. Ba 

N 0 °9Q em ?f. ra ' c C u <( i n !] 0l V 6 T' 48 'l br - Phot - Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No 29: Ulmer Schule" Himmel und Berge des Hintergrundes übermllt, der Zaun 
links und das Terrain im Vordergrunde alt, aber retouchiert. Die Zurückführung dieses 
und des folgenden Bildes auf Herlin, die schon Rieffei andeutete ergibt sich aus 
einem Vergleich mit dem 1466 gemalten Rothenburger Altar. Sie st fchon im Ka- 
talog von 1903 ausgesprochen worden. Nicht bei Haack. 

Dornenkrönung mit Verspottung verbunden. 9 
Illustration. Gegenstück zum vorigen. Ba. 

No 0e ^ em ^ a 'nh FiChte M h °M'-u 7b h 'u 48 L> br " Phof - Hoefle - Sammlung Abel 1859 
No. 31. Wie oben. Nicht übermalt, aber senkrechter Riss in der Mitte. 

Herlin, Friedrich, Nachfolger des 

rr?i!l Evan g eli sten Matthäus und Johannes. 10 
Halbfiguren, i/ a lebensgross, jener durch den Engel, Aa. 
dieser durch den Adler gekennzeichnet. Gegenstück 
zum folgenden. Beide Bilder gehörten wohl zu einer 
Altarpredella. 

Oeltempera Fichtenholz, 41,8 h., 77,9 br. Hintergrund und Heiligenscheine 
ubermalt, Adler retouchiert. Eigentum der Altertumssammlung, aus der sie 1902 
überlesen wurden Stammen aus der Sammlung Hirscher in Freiburg i Br Dort 
wurden sie der Schule Zeitbloms zugeschrieben. Die neue Bezeichnung seit 1903. 

Die Evangelisten Lucas und Marcus, wie oben, 11 
jener durch den Ochsen, dieser durch den Löwen ge- Aa. 
kennzeichnet. Gegenstück zum vorigen. 

übermal? 15 " 3 ' Fichtenholz - 41 > 8 h - 74 .3 br. Hintergrund, Tiere und Heiligenscheine 



4 



50 



I. Altdeutsche Schule. 



Holbein, Hans der Jüngere, Kopie nach (?) 

geb. 1497 in Augsburg, gest. 1543 in London. : Jätig in Basel und London. 

12 Bildnis einer (englischen?) Prinzessin, ßrust- 
Gc bild , etwa 10 jährig, Vorderansicht, unterlebens- 
gross. Rotblonde Zopfe in Goldnetz. Goldene Hals- 
stickerei. Grüner Hintergrund. 

Oeltempera, Eichenholz, 32,9 h., 27 br. Sammlung Abel 1859 No 72, handschrift- 
licher Nachtrag: „Schule von Hans Holbein d. Jüngeren, Brustbild einer jungen 
sächsischen Prinzessin." Diese Bezeichnung gründet sich auf die Medaille mit 
dem chursächsischen Wappen, die an der Halskette hängt. Doch ist der untere 
Streifen des Bildes mit der Medaille, ebenso wie zwei seitliche Streifen, angesetzt 
(ursprüngliche Höhe 29, Breite 21,5) und die Bemalung dieser Teile von späterer 
Hand Die Tracht weist auf England, Auffassung und Zeichnung auf Holbein, doch 
ist mir das Original nicht bekannt. Die starken Retouchen im Gesicht machen eine 
Entscheidung über die Nationalität des Kopisten unmöglich. 



Multscher, Hans 

«reb in Reichenhofen bei Leutkirch um 1400, gest. in Ulm 1467. Nachweisbar daselbs 
Zwischen 1427 und 1467, einer der bedeutendsten Ulmer Maler, erst neuerdings durch 
Fischnaler, Reber u. s. w. in die Kunstgeschichte eingeführt Wahrscheinlich unter 
dem Einfluss der altniederländischen Malerei gebildet, doch im wesentlichen selb- 
ständig, wie seine neuerdings ins Berliner Museum gelangten realistischen Passions- 
Gemälde von 1437 beweisen. An seinen späteren abgeklärten btil hat, wie ich 
glaube, Zeitblom angeknüpft. Sein Hauptwerk, durch das er auch zuerst bekannt 
wurde ist der grosse Sterzinger Altar von 1457/58. Da er in den Quellen nicht aus- 
drücklich als Mller, sondern immer nur als Bildhauer, Bildmacher oder Tafelmeister 
(d. h. Unternehmer eines grossen, teils plastischen, teils malerischen Altarwerks) be- 
zeichnet wird, ausserdem in seinen letzten Jahren für die Ulmer Munsterbauhutte tätig 
war hat man seine Tätigkeit als Maler überhaupt läugnen und die neuerdings auf ihn 
zurückgeführten Bilder vorsichtiger einem „Maler des Sterzinger Altars oder einem 
Maler der Werkstatt Multschers" zuschreiben wollen. Doch ist seine malerische 
Tätigkeit durch seine doppelte Namensbezeichnung auf den Ber hner Tafeln bezeugt 
die, wenn auch früher entstanden, doch augenscheinlich von derselben Hand sind 
wie die Gemälde des Sterzinger Altars, die ihrerseits wieder im Stil den btuttgarter 
Gemälden ziemlich nahe stehen. 

13 Reiterzug der heiligen drei Könige. Halb- 
Aa, lebensgrosse Figuren nach 1. Damaszierter Goldgrund. 
In ihrem Gefolge fünf ebenfalls berittene Männer und 
einer, der zwei (?) Pferde am Zügel führt. Das eine 
Reittier ist ein Kamel. Auf den Fahnen der Könige : 
Halbmond, Sterne und ein Neger. Gegenstück zum 
folgenden. Innenseite eines Altarflügels. 

Tempera, Fichtenholz, 165 h., 142,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 20: 
Schule Herlins. Goldgrund neu bronziert. Dieses und das folgende Bild stammen aus 
dem Frauenkloster Heiligkreuztal, OA. Riedlingen. Die Zurückführung auf Herlin wurde 
schon von Haack (Herlin S. 89) bestritten, die auf Multscher, die auch von anderen 
gleichzeitig bemerkt worden war, zuerst von mir im Staatsanzeiger für Württemberg 
1901 No 257 vertreten, wo auch der Nachweis geführt ist, dass sie mit zwei Bildern 



I. Altdeutsche Schule. 



51 



in der Karlsruher Kunsthalle No. 32 u. 33 (Kreuzigung und Tod der Maria), auf deren 
Aehnlichkeit schon Haack hingewiesen hafte, zu einem und demselben Altarwerk 

fehörten. Die neue Benennung ist inzwischen allgemein anerkannt worden. Nach 
chmarsow (Repert. für Kunstwiss. XXVI 1903 S. 4%) hat W. Schmidt unabhängig 
von uns die Karlsruher Gemälde Multscher zugesprochen, auch unsere Bestimmung 
•der Stuttgarter Gemälde anerkannt. Die Bilder mit landschaftlichem Hintergrunde 
(Kreuzigung und Grablegung) befanden sich auf den Aussenseiten der Flügel, die mit 
Goldgrund (Reiterzug und Tod Marias) auf den Innenseiten. Die Stuttgarter und Karls- 
ruher Bilder stammen aus Multschers reifer Zeit. Sie ähneln im Stil den Ster- 
zinger Bildern, sind aber etwas früher entstanden. Marie Schütte hat (Jahrb d 
preuss. Kunstsamml. 1907 Heft 1) wahrscheinlich gemacht, dass zwei Holzstatueri 
der Barbara und Magdalena in der Lorenzkapelle zu Rottweil, die auch aus Heilig- 
kreuztal stammen und von Multscher sind, einst zu diesem Altar gehörten. 

G-rablegung Christi. Illustration. Gegenstück 14 
zum vorigen. Aussenseite desselben Altarflügels. Aa. 

Tempera, Fichtenholz, 165,5 h., 141,9 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 13: Schule Herlins. S. vorige Nummer. Heiligenscheine erneuert. Der Körper 
Christi, der ursprünglich ganz mit Blutstropfen bedeckt war, ist von einem Restau- 
rator, der offenbar an diesem Realismus Anstoss nahm, völlig übermalt worden, was 
für die ästhetische Beurteilung nicht gleichgültig ist. Wenn man die Farbfläche 
schräg von unten ansieht, erkennt man die Blutstropfen deutlich. Ich kann die 
Aussenseiten nicht mit M. Schütte auf Gesellenhände zurückführen. 

Die Heiligen Paulus, Lucas und Marcus, 15 
kenntlich am Schwert, Ochsen und Löwen. Ganze Aa. 
Figuren, stehend, halblebensgross, etwas nach r. ge- 
wendet. L)amaszierter Goldgrund. Auf der Rückseite 
Spuren eines Bildes, unter denen noch der Kopf einer 
weiblichen Heiligen im Profil und ein Eimer zu er- 
kennen sind, wahrscheinlich Reste eines Martyriums. 
Gegenstück zum folgenden. 

Tempera, Fichtenholz, 149,5 h„ [89,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 1 : Unbekannt. Der alte Goldgrund, dessen grosses, noch deutlich er- 
kennbares Muster ganz mit dem des Sterzinger Altars übereinstimmt, ist erneuert 
und dabei mit sinnlosen Spitzbogenreihen verziert worden. In der Mitte senkrechter 
Riss. Im Kopf des Lucas grössere Retouchen. Dieses und das folgende Bild 
stammt aus Allmendingen OA. Ehingen und wurde früher als „Kölner Schule", später 
als „oberdeutsch unter Kölner Einfluss" bezeichnet. Eisenmann: Oberdeutsch. 
Die Zurückführung auf Multscher wurde ebenfalls zuerst im Staatsanzeiger für 
Württemberg 1901 No. 257 begründet und ist von Schmarsow (a. O. S. 505) an- 
genommen worden. Viele wollen sie noch jetzt bestreiten. Doch lehrt ein Vergleich 
mit No. 13 und 14, dass die Bilder von derselben Hand stammen. Sie gehören 
ebenfalls Multschers späterer Zeit an und stehen durch ihre abgeklärte Schönheit 
unter all seinen Bildern am höchsten. Aus der Stellung der Figuren kann man 
schliessen, dass No. 15 einen linken, No. 16 einen rechten Flügel bildete. 

Die Heiligen Dorothea, Johannes der Evan« 16 
gelist und Margaretha, kenntlich am Rosenkörb- Aa. 
chen, Schlangenkelch und Drachen. Illustration. 



52 



I. Altdeutsche Schule. 



Ganze Figuren, stehend, halblebensgross, etwas nach 
1. gewendet. Goldgrund. Gegenstück zum vorigen. 

Tempera Fichtenholz, 150,5 h., 88,5 br. Phot. Hoefle. Goldgrund und Kelch des 
Johannes erneuert. Sammlung Abel 185«) No. 2: Unbekannt. Vergl. die vorige 
Nummer. 

Meister des Ehninger Altars (Werkstatt?) 

siehe No. 80c. 

17 Ausgiessung des heiligen Geistes. Durchblick 
Aa. durch Fenster Öffnungen auf Landschaft mit Goldgrund. 

Tempera Fichtenholz, 117,5 h., 124,5 br. Phot. Hoefle. Gewänder stark retou- 
chiert Goldgrund erneuert. Sammlung Abel 1859 No. 38: Ulmer Schule. Aus der 
Kapelle von Wurmlingen bei Tübingen. Im vorigen Katalog irrtümlich als „Schule 
des Hans Multscher". Offenbar von der Hand oder wenigstens aus der Werkstatt 
desselben Malers der den Ehninger Altar No. 80c geschaffen hat. Wurmlingen ge- 
hörte ebenfalls zum Herrschaftsgebiet der Erzherzogin Mechthild. Die Nachbarschaft 
von Rottenburg bestätigt die Vermutung, dass der Maler ein Rottenburger war. 

Oswald, Hans 

Nach Nagler (Künstlerlexikon X 417) in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in 
München tätig, um 1605 unter Leitung des Andreas Blattner. Ein Maler Ouschwald 
wird auch 1545 in den Steuerbüchern von Ravensburg erwähnt. (Hafner in den 
Württ. Vierteljahrsheften 1889, 120.) 

18 Weibliches Bildnis. Lebensgrosse Halbfigur einer 
Cd. etwa 50jährigen Frau mit schwarzer Haube, weisser 

Halskrause, schwarz und rot gekleidet, die Hände 
in Gürtelhöhe zusammengelegt, vor einem grünen 
Vorhang. 

Oel, Erlenholz, 85,8 h., 73 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Oswald. Inventar von 1767 No. 823: Oswald. 

Pencz, Georg (Jörg) 

geb. um 1500 in Nürnberg, gest. 1550 in Leipzig. Zuerst 1523 in Nürnberg nachzu- 
weisen Wahrscheinlich Schüler Dürers, aber durch wiederholten Aufenthalt in Ita- 
lien der heimischen Weise entfremdet. Tätig hauptsächlich in Nürnberg. Starb in 
Leipzig auf einer Reise nach Königsberg, wohin ihn Herzog Albrecht von Preussen 
berufen hatte. Als Maler nur im Porträtfach bedeutend, als Kupferstecher sehr 
fruchtbar, einer der sog. Kleinmeister. 

19 Hieronymus mit dem Löwen. Halbfigur, lebens- 
Aa. gross, an einem Tische sitzend und auf ein Blatt 

deutend, auf dem der Anfang des griechischen Jo- 
hannesevangeliums steht. Auf dem Tische ein Toten- 
schädel. Unten in der Mitte ein Zettel mit dem aus 
G und P zusammengesetzten Monogramm und der 



I, Altdeutsche Schule. 



53 



Jahreszahl 1548. Hinten ein grüner Vorhang, den 
«in Engel zurückzieht, 1. ein Fenster mit Aussicht 
auf bergige Landschaft und himmlische Vision. 

Oel, Leinwand auf Holz gezogen, 128 h., 112,5 br. Phot. Hoefle. 1843 aus 
Ludwigsburg. Sammlung Götter 1736: Pencz. Inventar von 1767 No. 786: „Evan- 
gelist Marcus von Benz". (Der Löwe würde wohl zu Marcus passen, aber der 
Totenschädel und das Johannesevangelium widersprechen dem.) Andere Hieronymus- 
bilder von Pencz in Nürnberg und im Louvre. Oben ein geflickter horizontaler 
Riss, halb durchgehend. 

Schaffner, Martin 

Ulmer Maler. Geburtsjahr unbekannt, gest. in Ulm um 1541. Wahrscheinlich 
Schüler (und in seiner Jugend 14% Mitarbeiter) des Jörg Stocker in Ulm (vergl. 
No. 29a), von dem er aber wenig angenommen hat. Später vielleicht unter dem 
Einfluss Zeitbloms und des etwa gleichaltrigen Schäufelein weitergebildet. Scheint 
in Oberitalien gewesen zu sein, hat jedenfalls Einwirkungen Leonardo da Vincis 
erfahren. Seine spätere Tätigkeit lässt sich 1508—1524 und 1529—1535 verfolgen. 

Grablegung. Auf einem Stein r. die Jahreszahl 20 
1519, 1. die Wappen der Familien Scheler und Roten- Ab. 
gatter. 

Oel, Fichtenholz, 145 h., 119,5 br. Phot. Hoefle. Von Eigner in Augsburg restau- 
riert. Dieses und die drei folgenden Bilder sind Eigentum der Altertumssammlung, 
von der sie 1902 der Galerie überwiesen wurden. Sie stammen aus der Sammlung 
Hassler in Ulm (vergl. S. 28) und befanden sich früher in der Deutschordenskirche 
daselbst. Sie sind offenbar von Mitgliedern der Familie Scheler, deren Wappen 
sich, je mit einem zweiten Wappen gruppiert, auf allen Bildern wiederholt, gestiftet 
worden. Da ihre Entstehung keine gleichzeitige ist, sondern sich auf die Jahre 
1510 — 1519 erstreckt, können sie kaum einem Altar angehört haben. Man wird sie 
vielmehr als Epitaphien auffassen müssen. 

Höllenfahrt Christi. Siehe Illustration. L. Jo- 21 
hannes der Täufer mit Lamm, r. an der Laibung Ab. 
des Thores die Jahreszahl 1519, zwischen den Füssen 
Christi die Wappen der Familien Scheler und Renz. 

Oel, Fichtenholz, 145,8 h., 112 br. Phot. Hoefle. Von Pflug in Biberach restauriert. 
1903 ' 04 gereinigt und ausgebessert, während die übrigen drei, die durch die Restau- 
rationen etwas gelitten haben, sich noch in ihrem früheren Zustande befinden. 

A uferstehung Christi. R. am Sarge die Jahreszahl 22 
1516, 1. das Schelersche Wappen, r. ein unbekanntes Ab. 
(blauer Löwe in gelbem Felde nach r., einen Ast 
in den Klauen haltend). 

Oel, Fichtenholz, 146 h., 113 br. Phot. Hoefle. Von Pflug in Biberach restauriert. 

Ausgiessung des heiligen G-eistes. Zu Füssen 23 
der Maria die Jahreszahl 1510. R. das Wappen der Ab. 



54 



I. Altdeutsche Schule. 



Familie Scheler und zwei unbekannte (weisser Hund 
nach r. in rotem Felde und : zweigespalten, r. zwei ge- 
kreuzte Schwerter in Gelb, 1. drei Sterne in Schwarz"). 

Oel, Fichtenholz, 14b h., 113 br. Phot. Hoefle. Von Pflug in Biberach restauriert. 
In der Gewandung unten viele Retouchen. 

24 Das Anwylsche Epitaph. Votivbild der (aus- 
Bc gestorbenen) schwäbischen Familie Anwyl (Anweil) 
von 1514. Sechs nach 1. knieende und betende Personen. 
Die letzte r. die Mutter Barbara von Anwyl geborene 
vom Stein, die vor ihr knieende die Frau des ältesten 
Sohnes. Die drei ersten Söhne im Kürass, der letzte 
in bürgerlicher Tracht. Die Unterschriften lauten 
von 1. nach r. : 

1) BEtr Jri% Jazob von anronl Ritter / £iarb annD bomini 
1532 iJBB monota / BooembEr am 14 tag Intt (liegt) hiß bEarabsiu 
2) IpErr roalibEr von annml Sani / lohana orbBn ain Rite 
Jtarb anno / bomini 1489 am lEfthtEn (letzten) tag augufli / Int 
}U Robia bEgrabEtt (er war Rhodiser Ritter). 3) Iföarxa üon 
anronl roarb uff / bEn athttert lag bta monsta July / anno 
bomini 1489 Jn bi&Ijartn (Picardie) BrJxblagEn. 4) BBrr bürxfe- 
hari oon anronl ffarb /anno bomini 1494 am 23 lag bsa/ monota 
augufli Intt ju Rom / OErgrabBU. 5) Mm\a von anronl gsporn 
von rlin/gEnbErg Jtarb anno bomini 1548 am / 14 tag bE» mono!» 
feplBmbria Intt / IjiB bBgrabBtt. 6) Barbara oon anronl gsporn 
oom / Jiain jiarb uff bBn 26 tag bE» / mono!» bBiEmbria Mnno 
bomini 1482 / Intt ij'u bsgrabEn. 

Vor jeder Person ihr Wappen (Anwyl, Klingen- 
berg, v. Stein). Hinter den Figuren eine Brüstung, 
die als Untersatz für eine Reihe von Säulen dient. 
Goldgrund. An der Basis der zweiten Säule von 1. 
lehnt eine Tafel, auf der die (teilweise verwischte) 
Künstlerinschrift steht : 
MARTINVS SCH/ AFFNER VLM/ENS1S P1N/GEBAT / 1514. 

darunter das (undeutlich gewordene) Monogramm des 
Malers. Auf der Brüstung drei mit einem weissen 
Häschen, Trompeten und einem Globus mit Zirkel 
spielende Putten, einer mit Spruchband : VENI ELECTA 
MEA PONAM IN TE THRONVM MEVM. 



I. Altdeutsche Schule. 



55 



Oeltempera, Fichtenholz, 69,5 h., 183,5 br. Phot. Hoefle und Obernetter. Gut er- 
halten, nur nachgedunkelt. Goldgrund ergänzt (ursprünglich mit Rosetten übersät). 
Eigentum der Altertumssammlung, aus ihr 1902 überwiesen. 1871 von dem damaligen 
Hauptmann, Freiherrn von Kechler-Schwandorf in Stuttgart erworben, von dem eine 
Vorfahrin mit dem letzten Sprossen der Familie von Anweil (um 1700) vermählt war. 
Befand sich damals auf dem Stammschloss der Familie, Schwandorf (Unterschwan- 
dorf OA. Nagold). Da es 1514 gemalt ist, können nur Fritz Jakob von Anwyl und 
seine Gemahlin Anna geborene von Klingenberg die Besteller des Bildes sein. 
Jedenfalls sind nur sie nach dem Leben gemalt. Der scheinbare Widerspruch 
zwischen dem Entsfehungsdatum 1514 und den Todesdaten der beiden (1532 und 
1548) erklärt sich einfach daraus, dass Fritz Jakob das Epitaph schon bei seinen 
Lebzeiten malen liess, wobei aber das Feld für die Inschriften oder wenigstens für 
die beiden Todesdaten der Besteller zunächst frei blieb. Die Ausfüllung geschah 
wahrscheinlich nach dem Tode der Frau 1548, woraus sich auch erklären würde, 
dass in bezug auf das Todesdatum des Mannes der Irrtum unterlaufen konnte, dass 
als Todesjahr nicht 1519, wo er wirklich gestorben war, sondern 1532 angegeben wurde. 
Freiherr von Gaisberg-Schöckingen (Deutscher Herold 1904 No 4 S. 6) hält eine 
spätere Uebermalung des Bildes für möglich. Doch bestand diese eben nur in der 
Hinzufügung der Inschriften oder eines Teiles derselben. Nach dem Anweilschen 
Stammbaum bei Bucelinus waren es im ganzen 13 Kinder, 7 Söhne und 6 Töchter. 
Es fehlen also 3 Söhne und alle Töchter. Soweit diese 1514 noch lebten, 
dürften sie auf einer zweiten Tafel mit symmetrisch nach r. hin komponierten Figuren 
dargestellt gewesen sein, auf der sich wahrscheinlich an letzter Stelle, der Mutter 
entsprechend, der Vater befand. Da das von dem einen Putto gehaltene Spruchband 
eine Anrede an Maria enthält, wird man zwischen beiden Tafeln oder darüber 
eine Darstellung der Maria anzunehmen haben. 

Bildnisse des Ludwig von Freyberg und 
seiner Gemahlin Sibylla geb. Gossenbrot, ur- 
sprünglich Altarflügel, jetzt in einem Rahmen ver- 
einigt. Beide knien, er faltet die Hände, sie hält 
einen .Rosenkranz. Im Hintergrunde des männlichen 
Porträts Blick durch eine offene Renaissancehalle in 
die Strassen einer Stadt, über den Türen zweier 
Häuser die Wappen der Familien Freyberg und 
Gossenbrot. Die Frau kniet in der Vorhalle einer 
Kapelle, deren mit Aufsatz geschmückten Altar man 
sieht. Auf dem weiblichen Bildnis r. unten Spuren 
der Künstler Signatur (jetzt verdeckt), die ebenso wie 
die Jahreszahl vielleicht in betrügerischer Absicht 
entfernt worden ist. 

Oeltempera, Lärchenholz, jedes Bild 84,5 h., 37,5 br. Dreifarbendruck in den 
Mitteil. d. Württ. Kunstgewerbevereins 1902. Vom Ingenieurhauptmann a. D. Geiger 
in Neu-Ulm 1902 gekauft, der sie 1876 aus dem Nachlass seiner Tante Felicitas geb. 
Ziegler erworben hatte. Weiter hinauf als bis zu deren Gatten, dem Freiherrn von 
Entress-Fürsteneck, Turn- und Taxischem Postsekrelär a. D. in Ulm lässt sich die 
Provenienz nicht verfolgen. 1902 gereinigt und einige Lücken ausgekittet. Fehlt 
bei Pückler-Limpurg. Der Rahmen von Prof. Pankok entworfen, in der Lehr- und 
Versuchswerkstätte zu Stuttgart ausgeführt. Die Bilder zeigen den etwas ober- 
flächlichen späteren Stil des Meisters. Ludwig von Freyberg, geb. 1468 oder 1469, 
gest. 1545, gehörte einer schwäbischen Adelsfamilie an, die in Oepfingen und 



56 



I. Altdeutsche Schule. 



lustingen begütert war. Sibylla von Gossenbrot war geb. um 1471, gest. um 1513, 
konnte also wahrscheinlich nicht mehr nach dem Leben gemalt werden. Daraus 
würde sich die leere und schematische Behandlung ihrer Züge erklären. Ein anderes 
Porträt von ihr befindet sich im Besitz des Freiherrn von Freyberg auf Schloss 
Haldenwang bei Burgau. 

Wendelin, der Schäferheilige, durch Hund und 
Knotenstock gekennzeichnet. Gegenstück zum fol- 
genden. 

Oel, Fichtenholz, 129,5 h., 58,2 br. Sammlung Abel 1859 No. 62: Schaffner. Phot. 
Hoefle. Heiligenschein neu. Der ursprünglich blaue Hintergrund schwarz übermalt. 
Bisher fälschlich Rochus genannt. Doch fehlt, worauf mich Prof. Weizsäcker auf- 
merksam machte, die eiternde Wunde, die für diesen charakteristisch ist. Beide 
Bilder stehen auch Schäufelein nahe. Früher „Werkstatt Schaffners". Die leere 
Behandlung würde sich auch bei der Annahme eines Originals aus dem grossen 
Massstab erklären. Fehlt bei Pückler-Limpurg. 

Nicolaus von Bari in bischöflichem Ornat, auf 
dem Buche die 3 goldenen Kugeln, durch deren Spen- 
dung er drei Mädchen vor der Schande bewahrte. 
Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Fichtenholz, 135,8 h., 59,7 br. Sammlung Abel 1859 No. 63: Schaffner. Phot. 
Hoefle. Der ursprünglich blaue Hintergrund schwarz übermalt. Gold erneuert. 

Schäufelein, Hans Leonhard 

geb. um 1480 wahrscheinlich in Nürnberg, gest. 1539 oder 1540 in Nördlingen 
Schüler Dürers oder, wie man jetzt meistens annimmt, sein Mitschüler bei Wolgemut. 
Nachweisbar seit 1505 (viell. schon 1502) in Nürnberg, 1512 in Augsburg, seit 1515 
Stadtmaler in Nördlingen. 

Susanna und die beiden Alten. Sie sitzt, auf- 
fallenderweise ganz bekleidet, auf einem Rasenhügel, 
neben ihr ein kleines Bassin. Die beiden Alten reden 
ihr eifrig zu. L. im Hintergrunde die Magd mit der 
Wasserkanne und eine zweite Frau, r. die Gerichts- 
verhandlung, in der die beiden Sünder durch das Ein- 
greifen des Knaben Daniel entlarvt und zur Steinigung 
verurteilt werden. 

Oel, Fichtenholz, 39,5 h., 6b br. Horizontaler Riss unter der Mitte. 1902 von 
Hauptmann a. D. Geiger in Neu-Ulm gekauft, der das Bild 1884 aus der Sammlung 
des Freiherrn von Holzschuher in Augsburg erworben hatte. Der Rahmen von 
Prof. Pankok entworfen und in der staatlichen Lehr- und Versuchswerkstätte zu 
Stuttgart ausgeführt. Nicht bei Thieme. 

Vier Bruchstücke einer Anbetung der Könige. 
. L. der Kopf Josephs, der mit dem Ausdruck des 
Staunens zwischen zwei Steinpfeilern hindurch auf das 



I. Altdeutsche Schule. 



57 



(nicht erhaltene) Christuskind schaut, r. der Kopf 
eines bärtigen Königs, in der Mitte der des Mohren. 
Oben Landschaft mit dem G-efolge der Könige. 

Oei, Holz, hinten verklebt, Joseph 10,4 h., 7,7 br., König 10,5 h., 8,2 br., Mohr 
10,6 h., 10,8 br. Landschaft 15,2 h., 9,3 br. Sammlung Abel 1859 No. 73 (hand- 
schriftlicher Nachtrag): „Unbekannt". Phot. Hoefle. Rahmen wie No. 28. Von der- 
selben Hand scheint das Bild No. 86 der Karlsruher Kunsthalle zu sein, das im 
Katalog allerdings vermutungsweise dem Seb. Daig zugeschrieben wird. 

Schüchlin, Hans 

Ulmer Maler der älteren Generation, geb. um 1440, gest. in Ulm 1505, Schwieger- 
vater Zeitbloms. Vor der Entstehung seines Hauptwerks, des Tiefenbronner Altars 
1469 nicht nachzuweisen. Kommt zuerst 1480 in Ulm als Bürger, 1485 in den Zins- 
büchern der Münsterpflege vor, ist 1494—1503 einer der drei Pfleger (Verwaltungs- 
beamten) des Münsterbaus, zinst 1499—1502 für einen Kirchenstuhl, den er zu- 
sammen mit seinem „Tochtermann" Zeitblom inne hat. Der Name ist die Ver- 
kleinerungsform von Schuh und lautet auch Schühlin, Schüchlin, Schiele oder Schüle. 

Zacharias im Tempel. Er kniet in einer offenen 29a 
gotischen Halle vor dem Altar, über welchem der Bd. 
Engel schwebt, der ihm die Geburt Johannes des 
Täufers ankündigt. L. fünf männliche und zwei weib- 
liche Personen. Damaszierter Goldgrund. Auf den 
Pfeilern die Statuen des Moses und eines Propheten. 
Die Rückseite zeigt Spuren eines Bildes: Ein bärtiger 
Heiliger (Paulus ?) wird im Kerker von einem anderen 
(Petrus?) besucht. 

Tempera, Fichtenholz, 87,5 h., 74 br. Abelsche Sammlung 1859 No. 32: Unbekannt. 
Scheibler : Nicht Schüchlin. Phot. Hoefle. Altardecke und Gewänder I. zum Teil übermalt. 
1902 wegen seines geringen Kunstwerts magaziniert, 1906 wieder eingeordnet, weil ein 
Vergleich mit dem inzwischen von neuem untersuchten (künstlerisch überschätzten) 
Tiefenbronner Altar die alte Benennung bestätigt hat. Schon Grüneisen und Mauch, 
Ulms Kunstleben im Mittelalter S. 42 hatten die nahe Verwandtschaft betont. Haack 
{Schüchlin S. 31) meint, das qualitativ geringwertige Erzeugnis stehe mit Schüchlin 
nur insofern in Zusammenhang, als es der Ulmer Schule angehöre und aus dem 
dritten Viertel des 15. Jahrhunderts stamme. Doch ist der Stil Schüchlins ein sehr 
ausgeprägter, der sich sonst in Schwaben nicht nachweisen lässt. Wir kennen ihn 
bisher nur aus dem Tiefenbronner Altarwerk und diesem Bilde. Die Grablegung 
der Bamberger Galerie (Haack S. 31) ist von Stocker (s. unter No. 29b), die Heilige 
mit der Kerze in Oberstadion (Haack S. 33) stammt aus Stockers Werkstatt. Unser 
Bild dürfte noch etwas früher als der Tiefenbronner Altar entstanden sein. Es ge- 
hörte ebenfalls einem grösseren Altarwerk an. Rieffei: Aehnlich dem Meister mit 
der Weberschütze. (?) 

Stocker, Jörg 

Ulmer Maler der älteren Generation. Geburtsjahr und Geburtsort unbekannt, 
1484—1512 regelmässig in den Zinsbüchern des Ulmer Münsterbaupflegeamts nach- 
zuweisen. Wahrscheinlich aus einer alten Ulmer Familie Stocker, Stoccarius, von 
der ein älteres Mitglied Claus Stocker schon 1388 und 1404 als Goldschmied und 
Münzmeister in Ulm vorkommt. Die Stocker haben sich besonders als Aerzte her- 



58 



I. Altdeutsche Schule. 



vorgetan. Nicolaus Slocker, wie es scheint ein Onkel des Malers, war 1453 als Arzt 
sehr angesehen, ebenso ein anderer JörgStocker, wahrscheinlich der Vetter des Malers, 
der schon 1458 und 14fc0 von Ulm zu Konsultationen nach auswärts berufen wurde. 
Auch ein Anton Stocker. Maler, wahrscheinlich Sohn und Schüler des Jörg, kommt 1493 
vor, ebenso 1531 ein Priester Laux Stocker. Doch sind die Verwandtschaftsverhältnisse 
bisher nicht aufgeklärt. Als Maler ist Jörg Stocker erst dadurch bekannt geworden, 
dass man die Zugehörigkeit einer Predella mit seinem Namen zu vier grossen Altar- 
bildern mit Passionsszenen in der Gemäldegalerie zu Sigmaringen entdeckte (vergL 
Pückler-Limpurg, Martin Schaffner S. 47 ff. 1. Hiernach können ihm ausserdem folgende 
Bilder mit Sicherheit zugeschrieben weraen: die 4 Knorringer Tafeln im Augsburger 
Dom, zwei Epitaphien der Familie Neithart in der Neithart-Kapelle des Ulmer Münsters, 
eine Grablegung Christi in der Bamberger Galerie, einige andere Gemälde in der 
Pfarrkirche von Oberstadion, ein heiliger Stephanus in der Darmstädter Galerie (dort 
Zeitblom genannt) und ein Christus als Weltenrichter in der Alten Pinakothek zu 
München (No. 182). Auch das Brustbild einer weibl. Heiligen No. 106, das ich ihm 
schon in der vorigen Auflage frageweise zugeschrieben habe, ist von seiner Hand. 
Nach diesen Bildern, deren spätestes im Jahre 1509 ausgeführt ist, war er ein nicht 
sehr begabter, aber im Sinne des damaligen Unternehmertums tüchtiger Maler, 
der in Ulm etwa dieselbe Rolle spielte wie Wolgemut in Nürnberg. Seinem Stil 
riach gehört er der von Martin Schongauer beeinflussten Richtung der älteren Ulmer 
Malerei an, die wie es scheint durch dessen Bruder Ludwig Schongauer 1479 nach 
Ulm verpflanzt worden ist. Jedenfalls war er kein Schüler Zeitbloms, was sowohl 
stilistisch wie chronologisch unmöglich ist. Dagegen ist es sicher, dass Schaffner 
in seiner Jugend in seiner Werkstatt gearbeitet hat Vergl. K. Lange, Schwäbische 
Chronik No. 502, 27. Okt. 190b. 

29b Das jüngste Gericht. Fragmente eines grossen 
Ab. Altarwerks, Rückseite des Hochaltars der Pfarrkirche 
S. Martin in Oberstadion OA. Ehingen. Jetzt aus zwei 
Bildern bestehend. Das höhere Mittelbild zeigt Christus 
als Weltenrichter zwischen Maria und Johannes (dabei 
posaunenblasende Engel), darunter die Auferstehung 
der Toten. Der niedrigere linke (eigentlich rechte) 
Flügel zeigt oben vier (fünf) Apostel auf Wolken 
thronend, darunter die ins Paradies eingeführten Seligen. 
Der entsprechende rechte Flügel ist verloren gegangen. 
Nur ein kleines Stück davon hat sich (im Magazin) 
erhalten. Es beweist, was man ohnedies vermuten 
konnte, dass hier die Hölle dargestellt war. 

Tempera, Fichtenholz, das Hauptbild 318,8 h., 141,5 br., das Seitenbild 236 h., 85 br. 
Alle drei Bilder hatten schon ursprünglich besondere Rahmen. Das Mittelbild hat 
einen senkrechten Sprung und ist oben verstümmelt, indem ein Streifen mit dem 
halben Kopfe Christi abgesägt ist. Von dem linken Bilde ist ein breiter senkrechter 
Streifen in der Mitte verloren gegangen. Viele Beschädigungen und Lücken in der 
Farbschicht, von der hie und da grössere Teile herausgebrochen sind. Besonders 
zeigen die Augen vieler Figuren (wie es scheint) absichtliche Beschädigungen. Auch 
hat sich die Farbe, besonders das Rot und Brokat der Gewänder, verändert. Auf der 
Rückseite hat sich der damaszierte Goldgrund erhalten, an dessen ausgesparten Stellen 
man sieht, dass das Bild die Rückseite des Altarschreins schmückte, und dass 
dessen Vorderseite mit den plastischen Gestalten des Gekreuzigten zwischen Maria und 
Johannes verziert war. Die grössere Höhe des Mittelbildes erklärt sich daraus, dass 
der Gekreuzigte beträchtlich über die beiden Nebenfiguren hinausragte. Rechts und 
links schlössen sich zwei bewegliche Flügel an, die beim Zuklappen sowohl die 



I. Altdeutsche Schule. 



59 



Seitenflügel als auch den Mittelschrein deckten. Sie sind an Ort und Stelle verblieben 
und stellen auf den Vorderseiten die Kreuzigung und Grablegung nach Schongauer, 
auf den Rückseiten je drei stehende Heilige dar. Man hat sie jetzt als drehbare 
Flügel in den modernen Altar eingefügt. Auch andere Teile des Altarwerks scheinen 
bei der modernen Herrichtung der Altäre der Kirche Verwendung gefunden zu 
haben. Für die Rückseite hatte man keine Verwendung und legte sie deshalb bei 
Seite, ja verbrauchte sie sogar zum Teil als Nutz- oder Brennholz. 1905 auf der 
Heiligenbühne der Kirche entdeckt und vom Kirchenstiftungsrat in Oberstadion leih- 
weise zunächst auf 10 Jahre überwiesen. 1905 ,06 restauriert, d. h. vor einem weiteren 
Abblättern der Farbe, die sich besonders an grossen Teilen der Gewänder loslöste, 
bewahrt und neue Rahmen hinzugefügt. In dem damaszierten Goldhintergrunde der 
Rückseite (der ursprünglichen Vorderseite) liest man auf einem Granatapfel des 
Ornaments, der sich über der 1. Hand des Gekreuzigten befand, eine aus den Buch- 
staben WIOAH bestehende wahrscheinlich sinnlose Inschrift. Wir dürfen das Bild 
seinem Stil nach in die Zeit zwischen 1480 und 1490 setzen. Ueber die künstlerische 
Ausschmückung der Martins-Kirche in Oberstadion, die jedenfalls in die Zeit bald 
nach ihrer Erbauung (1473) fällt, sind uns leider keine urkundlichen Nachrichten er- 
halten. Das Archiv der Familie Stadion befindet sich seit kurzem (noch ungeordnet) 
im Besitz des Reichsgrafen Philipp von Stadion zu Kauth in Böhmen. 



Strigel, Bernhard 

geb. 1460 oder 1461, wahrscheinlich in Memmingen, gest. 1528 daselbst. 1506 zuerst 
nachzuweisen, seit 1507 in Beziehungen zu Kaiser Maximilian, dessen Hofmaler und 
bevorzugter Porträtist er wurde. Tätig vorwiegend in Memmingen, wiederholt in- 
folge seiner hohen Beziehungen oder als Abgesandter seiner Vaterstadt auf Reisen, 
z. B. 1517 in Augsburg, 1520 in Wien. Die Kenntnis seines Namens verdanken wir 
einer glücklichen Entdeckung Bodes. Früher fasste man seine Bilder unter dem 
Namen: „Meister der Sammlung Hirscher" zusammen, weil sie sich in besonders 
grosser Zahl in dieser Sammlung (vergl. S. 26 und 28) in Freiburg i. Br. befanden 
(so auch unsere Nummern 33 — 3b). 

Flucht nach Aegypten, Goldgrund. Gegenstück 
zum folgenden. 

Oel, Fichtenholz, 64,5 h., 35,2 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 3: 
„Bartel (?) Schön aus Ulm". Die linke obere Ecke angesetzt, das Gewand der Maria 
zum Teil ergänzt, auch sonst starke Retouchen. Goldgrund und Heiligenscheine 
erneuert. 1901 gereinigt und ausgebessert. Dieses und die drei folgenden Bilder 
scheinen zu einem kleinen Altärchen gehört zu haben und sollen aus Aulendorf 
oder Isny im Allgäu stammen. Die richtige Bezeichnung von Eisenmann. £ 

Grablegung. Unten ein Zettel mit der Inschrift: 
(Sxanimnm iutnuljo rnrnu» mrnibinit barnns» / JlEiibu» hinr 
irißibu» ftqiriiur marrnnarnm raterra / pianaBnta» platigors 
magno mm de]1ü>us airi» / lEbu» in aiumjt« noßra hn* rrjrfca 
frnul'a. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Fichtenholz, 67,8 h., 35,5 br. Der landschaftliche Hinlergrund zum grossen 
Teil übermalt, auch sonst einige Retouchen. Heiligenscheine erneuert. Phot. Hoefle. 
Sammlung Abel 1859 No. 4: „Bartel Schön aus Ulm". 1901 gereinigt und aus- 
gebessert. 

Krönung der Maria. Siehe Illustration. Gold- 
grund. Darunter befand sich ursprünglich eine Land- 
schaft. Doch ist das Bild hier beschnitten. Es war 
ursprünglich gewiss ebenso hoch wie No. 30 und 31. 



60 



I. Altdeutsche Schule. 



Oel, Fichtenholz, 42,5 h., 35 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 74 (im 
handschriftlichen Nachtrag zum Katalog). 

33 Geburt der Maria. Das Kind wird gebadet. 
Bc. Hinten die Mutter Anna. Unten ein Zettel mit einer 

Strophe aus einem Marienhymnas : O&aubBnf partum fa- 
muelia Buia beus alfia / relia Kefpexit annam flEbtlem. <£t 
Ißtemur ommea fite / dBlfe nafali marte M\xt tumf (?) plEbem 
ÖBbilem. 

Oeltempera, Fichtenholz, 114,2 h., 36,2 br. Ebenso wie die folgenden drei Eigentum 
der Altertumssammlung, 1902 überwiesen. Aus der Sammlung des Domkapitulars 
v. Hirscher in Freiburg i. Br. Die vier Bilder sind aus zwei beiderseits bemalten 
Altarflügeln durch Auseinandersägen gewonnen. Sie sind sehr stark retouchiert, teil- 
weise ganz übermalt. Und zwar waren, wie man deutlich sieht, schon vor der 
Uebermalung viele Farbstücke herausgebrochen. Immerhin ist wenigstens die 
Zeichnung leidlich erhalten. Ueber die Farben kann man nicht mehr urteilen. 

34 Tempelgang der Maria. Unten auf einem Zettel: 
Bc. arinu mobö ablartatur. Vernum / templi praefenfatur Mm lunr 

natua |amuel / Sit maria Irina nata 3zi templum / praefenfata 
Böbta parit EmanuEl. 

Oeltempera, Fichtenholz, 113,5 h., 36,2 br. Wie No. 33. Die Uebermalung ist 
hier besonders stark. 

35 Heimsuchung der Maria. Unten auf einem Zettel : 
Bc. «Sxurgena maria abüt in monfana rum fepti / nanone in rtötfafBtn 

juba Et falufautt eltjabefl;. Iure i r. 

Oeltempera, Fichtenholz, 114,1 h., 36,2 br. Wie No. 33. Am besten erhalten. 

36 Darstellung im Tempel. Unten auf einem Zettel: 
Bc. ^oßquam implBtt funt btBa purgarionta marte / ferunbum legem 

monft fulerunt ifrBjum in iErufalEm Etr. lurE Jmutbo. r. 

Oeltempera, Fichtenholz, 113,7 h., 36,2 br. Wie No. 33. 

37 Kreuztragung. Goldgrund. Flügel eines Haus- 
Bt». altärchens. Gegenstück zum folgenden. 

Oeltempera, Lindenholz, 15,4 h., 11,1 br. Goldgrund stark übermalt. Sammlung 
Abel 1859 No. 34: Unbekannt. Die neue Bestimmung zuerst in der vorigen Auflage. 

38 Auferstehung. Goldgrund. Gegenstück zum 
Bb. vorigen. 

Oeltempera, Lindenholz, 15,7 h., 11 br. Sammlung Abel 1859 No. 3b: Unbekannt. 
Wie oben. 



I. Altdeutsche Schule. 



61 



Strigel, Bernhard, Art des 

David. Halbfigur mit Turban und Krone. Unten 39 
Wolken. Goldgrund (quadratisch gemustert). In der Bb. 
L. eine Rolle mit Inschrift: 3&Eua mtj'matur nojirt bent- 
birai iinbia tlluminBt / tmlium fimm Jupsr noa ti tmjß / reatur 
noßrt pjalm 66. Gegenstück zum folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 45,5 h., 22,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 14: Ulmer Schule. Handschriftlicher Zusatz:) „Zeitblom verwandt". Scheibler: 
Schule Zeitbloms. R. Vischer: Werkstatt Strigels. 

Prophet. Halbfigur. Unten Wolken. Goldgrund. 40 
In der L. eine Rolle mit Inschrift: Iffiilmrrirbtaa bo- Bb. 
mini in Bternum / rantabu p|alm 88. Gegenstück zum vorigen. 

Oeltempera, Fichtenholz, 45,5 h., 22,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 16. Siehe oben. 



Katharina, stehend, halblebensgross, mit Krone, 41 
Schwert und Rad. Goldgrund. Gegenstück zum Ad. 
folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 118,4 h., 50,3 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 55: Schule Zeitbloms. Ebenso wie No. 42 aus Kloster Urspring bei Blau- 
beuren. Rückseiten abgesägt, also aus beweglichen Altarflügeln gewonnen. Der 
blaue Mantel neu, das rote Gewand stellenweise retouchiert und übermalt. Gold- 
grund alt, ebenso Gesicht und Hände. R. senkrechter halb durchgehender Riss. 
Scheibler und Weizsäcker: Strigel selbst. 

Barbara, stehend, halblebensgross, mit Kelch und 42 
Hostie. Goldgrund. Gegenstück zum vorigen. Ad. 

Oeltempera, Fichtenholz, 118 h., 50,5 br., Sammlung Abel 1859 No. 56. Phot. 
Hoefle. Wie No. 41. Bis auf einige Retouchen (besonders im Gesicht) gut erhalten. 



Vier Kopfe. Bruchstück eines grösseren Bildes. 43 
Zwei Jünglings- und zwei Jungfrauenköpfe, zum Teil Bb. 
halb r. emporgerichtet, wahrscheinlich Zuschauer bei 
einer Martyrienszene. R. ein gotischer Strebepfeiler. 
Auf der Rückseite Spuren von Malerei (Szepter, 
Krone u. s. w.) 

Oeltempera, Fichtenholz, 36,5 h., 26,5 br. Stark retouchiert. Phot. Hoefle. 
Sammlung Abel 1859 No. 30: Unbekannt. Scheibler: Schule Zeitbloms. Eisenmann: 
Dem Strigel verwandt. R. Vischer: Strigel. Ein ähnliches, aber schlecht erhaltenes 
Bild (Ursula mit ihren Jungfrauen) in der Altertumssammlung zu Stuttgart. 



62 



I. Altdeutsche Schule. 



Tagbrecht, Peter, von Ravensburg (angeblich) 

auch Dahbreht, Dagbreht, nach Hafner (Württ. Vierteljahrshefte 1889, 117 ff.) ver- 
mutlich aus Markdorf, 1471, 1478 (und 1494?) in Ravensburg erwähnt. 

44 Drei Heilige nach r. stehend, halblebensgross: 
Ad. Maria, Cosmas und Gregor der Grosse. R. vor Maria 

ein Engel, der einen Kreuzesstamm zu umklammern 
scheint. Unten in kleinerem Massstab der knieende 
Stifter und sein Sohn mit einem (unbekannten) Wappen 
(zwei gekreuzte Armbrustpfeile in gelbem Felde). 
Linke Seitengruppe. Gegenstück zum folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 151 h., 69 br. Hintergrund und Heiligenscheine neu. 
Auch sonst stark geputzt und retouchiert. Der Hintergrund war heller blau und mit 
Goldsternen bedeckt. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 17: Peter Tagbret 
von Ravensburg um 1480. Abel hatte dieses und das folgende Bild wie es scheint 
von dem Zeichenlehrer Herrich in Ravensburg gekauft. Wie er zu ihrer Zurück- 
führung auf Tagbrecht kam, ist nicht klar. Nach Schnaase VIII 40b, der sich auf 
eine Aussage Abels stützt, hätte der Name auf dem ursprünglichen Rahmen ge- 
standen, doch weiss Waagen davon nichts. Es ist deshalb wohl möglich, dass der 
Name nur auf einer Vermutung Abels beruhte, die sich auf die Herkunft der Bilder 
gründete. Probst und Bach verhalten sich dem gegenüber skeptisch, was auch an- 

fesichts des Stils der Bilder seine volle Berechtigung hat. Während man nämlich 
agbrecht nach den überlieferten Lebensdaten als einen Meister des 15. Jahrhunderts 
auflassen muss, werden diese Bilder durch ihren Stil dem Anfang des 16. Jahr- 
hunderts zugewiesen. Am nächsten stehen sie dem Altar aus dem Schlosse Meers- 
burg am Bodensee, den der Konstanzer Bischof Hugo von Hohen-Landenberg (nach 
Mone) 1512 dorthin stiftete und der sich jetzt in der Karlsruher Kunsthalle befindet 
(No. 48, die dazu gehörige Predella in der fürstlichen Galerie zu Donaueschingen 
No. 62). Mone (D. bild. Künste im Grossherzogtum Baden I 46 und Diözesanarchiv 
f. Schwaben 17, 1899, S. 68) schreibt ihn dem Konstanzer Meister Konrad von 
Grünenberg (1506—1530 nachweisbar) oder dem Ueberlinger Maler Matt h ä u s 
Güttrecht (1506—1513) zu. Doch ist das, wie es scheint, leere Vermutung. 
Unter Bischof Hugo von Hohen-Landenberg, der 149b— 1529 und 1531—1532 regierte, 
wird ausserdem 1499 und 1503 in Konstanz ein Meister Michael und 1506 ein Meister 
Laurentius genannt, die ebenfalls in Betracht kommen können. In Konstanz gab es 
eine Familie Armbruster. Jedenfalls gehören beide Bilder der Bodenseeschule an. 

45 Drei Heilige nach 1. stehend, halblebensgross: 
Ad. Johannes der Evangelist, Damianus und ein Bischof 

mit einem Kirchenmodell. Unten in kleinem Massstab 
die Frau des Stifters mit zwei Töchtern und einem 
(unbekannten) Wappen (Armbrust in gelbem Felde). 
Rechte Seitengruppe einer grösseren Komposition. 
Gegenstück zum vorigen. L. oben Spuren einer ge- 
wandeten Figur, die zu einer mittleren Gruppe gehörte. 

Oeltempera, Fichtenholz, 150,2 h., 69,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
S. 18. Die Spuren der beiden innen anschliessenden Figuren beweisen, dass beide 
Bilder keine Altarflügel, sondern Seitengruppen einer Mittelkomposition waren, also 
wahrscheinlich zum Hauptbilde eines Altarstücks gehörten. Nach dem Engel auf 
No. 44 zu schliessen war die Mitteldarstellung eine Kreuzigung. 



I. Altdeutsche Schule. 



«3 



Zeitblom, Bartholomaeus 

Malerin Ulm, Schwiegersohn des Schüchlin (No. 29a). Geburtsjahr unbekannt, ge- 
storben nach 1517. War vermutlich ein Schüler Stockers (No. 13), ist ausserdem von 
Multschers späterem Stil beeinflusst. Hauptmeister der Ulmer Schule um die Wende 
des Jahrhunderts, besonders koloristisch sehr hervorragend. 

Geburt Christi. Im Hintergrande Verkündigung 46 
an die Hirten. Aa - 

Oeltempera, Fichtenholz, 121 h., 65 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 39. 
Zwei senkrechte Risse in der Mitte. Rückseite abgesägt. Flügelbild eines grösseren 
Altars, von dem sich sechs Darstellungen (Geburt Christi, Beschneidung, Darstellung 
im Tempel, Himmelfahrt, heilige Jungfrauen, heilige Männer) im Besitz der Stadt 
Ulm (Sakristei des Münsters) und eine (Messe des heil. Gregor) in der Karlsruher 
Kunsthalle befinden. Diese Tafeln hatte Mauch 1833 aus dem Besitz des Glocken- 
wirts Thieringer in Ulm für die Stadt Ulm erworben. Abel, der die Summe vor- 
schoss und die Bilder restaurierte, durfte die beiden jetzt in Stuttgart und Karlsruhe 
befindlichen Tafeln für sich behalten. Die Rückseiten der Bilder enthielten Reste 
grösserer Figuren, die Abel absägen Hess, und aus denen die zwei Apostel und der 
schlafende Petrus zusammengesetzt wurden, die sich jetzt ebenfalls in der Neithart- 
Kapelle des Ulmer Münsters befinden. Dazu gehört auch No. 10b. 



Der heilige Valentinus als Bischof, einen epilep- 47 
tischen Knaben heilend. Hintergrund goldener Vor- Ab. 
hang. G-egenstück zum folgenden. Innenseite eines aus- 
einandergesägten Altarflügels. 

Oeltempera, Fichtenholz, 71 h., 41 br. Sammlung Abel 1859 No. 42. Phot. Hoefle. 
Das Gold erneuert, das Rankenwerk retouchiert. Fussboden sowie Füsse und Ge- 
wand des Knaben übermalt. Dieses und das folgende Stück stammen aus dem 
Kloster Urspring bei Blaubeuren. 

Der heilige Georg mit dem Drachen zu seinen 48 
Füssen. Gegenstück zum vorigen. Aussenseite des- Ab. 
selben Altarflügels. 

Oeltempera, Fichtenholz, 71 h., 41 br. Sammlung Abel 1859 No. 40. Phot. Hoefle. 
Heiligenschein erneuert, der rote Teppich und die Fahne retouchiert, das Gesicht 
überarbeitet. Zwei weitere Tafeln desselben Altars, die heilige Katharina und Barbara 
darstellend, befanden sich ebenfalls im Besitz Abels. 

Der Kilchberger Altar. Illustration. 48a — 52 

Aus der Kapelle des Freiherrlich von Tessinschen Schlosses in 
Kilchberg bei Tübingen. 

1. Plastischer Mittelschrein. Krönung der Ma- 48a 
ria. Drei Figuren, drei vierte llebensgross. Darunter Ac. 
eine beiderseits ausgeschweifte Predella, die L, schwarz 
auf rotem Grunde, die Inschrift trägt: bartolome jeirt- 
blom maier fu nlm- In der Mitte befand sich, gold auf 
blauem Grunde, die Weihinschrift, die aber so zer- 



64 



I. Altdeutsche Schule. 



stört ist, dass man nur mit Mühe und nicht ganz 
sicher den Anfang: 3ftntio bomini (?) mrrcj ... hat (?) 
entziffern kann. 

In Birnenholz geschnitzt, die bunte Bemalung und Vergoldung gut erhalten. 164 h. 
175,5 br., die Predella 27,5 h., 349,5 br. Stücke des oben angebrachten gotischen Or- 
naments sind abgebrochen. Während die Flügelbilder No. 49—52 schon vor 1829, zuerst 
zur Restauration, dann zum Verkauf aus Kilchberg fortkamen, blieb der Mittelschrein 
und die Predella nebst dem linken feststehenden Flügel mit dem Porträt des Stifters 
in Kilchberg zurück. 1903 wurden sie von dem jetzigen Besitzer des Schlosses 
Kilchberg, Freiherrn von Tessin, gegen eine Kopie des ganzen Altars eingetauscht. 
Diese steht jetzt an der Stelle des Originals auf dem Altar der spätgotischen Schloss- 
kapelle daselbst. So befindet sich denn jetzt der ganze Altar bis auf den verloren 
gegangenen rechten feststehenden Flügel in Stuttgart. Durch die Erwerbung des 
Mittelschreins ist die früher oft ventilierte und für die Datierung des Werkes" nicht 
unwichtige Frage nach der einstigen Zusammengehörigkeit dieser Stücke (vergl. 
die vorige Auflage) endgiltig im positiven Sinne entschieden. Der Altar bestand aus 
diesem plastisch verzierten Mittelschrein, zwei feststehenden, nur auf den Vorder- 
seiten bemalten Seitenflügeln, die auf den ausgeschweiften Teilen der Predella auf- 
sassen, und zwei beiderseits bemalten beweglichen Flügeln, die zwischen dem 
Mittelschrein und den feststehenden Seitenflügeln in Angeln hingen und entweder 
nach innen über den Mittelschrein oder nach aussen über die Seitenflügel geklappt 
werden konnten. Die Anordnung war dieselbe wie beim Mühlhäuser Altar No. 94. 
Sie konnte in Stuttgart nicht genau wiederhergestellt werden, weil der eine der 
feststehenden Flügel verlorengegangen, der andere zu schlecht erhalten ist, um aus- 
gestellt werden zu können, und weil die zwei beweglichen Flügel zu vier Bildern 
auseinandergesägt sind. So hat man denn zwei von ihnen an Stelle der feststehenden 
und zwei an Stelle der beweglichen Flügel angebracht. Ursprünglich schmückten 
je zwei der gemalten Heiligengestalten die Vorder- und Rückseite eines beweg- 
lichen Flügels. Und zwar befanden sich die beiden Heiligen mit dem Goldhinter- 
grunde (ebenso wie bei dem Mühlhäuser Altar) auf den Vorderseiten der Flügel, die 
zugleich mit dem Mittelschrein sichtbar waren, die beiden Heiligen mit dem roten 
Hintergrunde dagegen auf den Rückseiten der Flügel, die nur dann sichtbar wurden, 
wenn die Flügel nach innen, d. h. über den Mittelschrein geklappt wurden. Sie 
waren dann gleichzeitig mit den Porträts des Stifters und seiner Gemalin sichtbar. 

Stifter des Altars war der bekannte Ritter Georg von Ehingen (1428—1508), der 
seine Kämpfe gegen die Osmanen und Mauren in einer noch erhaltenen Selbst- 
biographie beschrieben hat. Er war später Obervogt von Tübingen und gehörte zu 
den Vertrauten des Grafen Eberhards im Barte. Sein Porträt befindet sich auf dem 
jetzt im Magazin der Gemäldegalerie aufbewahrten linken feststehenden Seitenflügel. 
Hier ist er nach r. knieend im Harnisch dargestellt, Helm und Wappen stehen 
neben ihm. Das unbedeckte Haupt mit den langen dunkeln Haaren und dem ernsten 
bartlosen Gesicht, dessen erhaltene Reste durchaus den Stil Zeitbloms zeigen, ist 
mindestens das eines Fünfzigers. Das Gegenstück, die knieende Frau, ist verlorenge- 
gangen. Auch der Mann ist sehr zerstört, teilweise vom Maler Dirr in Ulm verrestau- 
riert. Georg von Ehingen war in erster Ehe mit einer Tochter des Bürgermeisters 
Konrad Schultheiss von Reutlingen, in zweiter mit Anna von Richtenberg, einer 
Schwester des Deutschordenshochmeisters verheiratet. Letztere war wahrscheinlich 
auf d em Altar dargestellt. Das Alter des Stifters, dessen Gesicht glücklicherweise 
nicht restauriert ist, weist auf eine Entstehung des Altars etwa um 1480—1490 hin. 
Dies würde auch ganz gut zur Geschichte des Kilchberger Schlosses stimmen. Das- 
selbe war von Georgs Vater, Rudolf von Ehingen (f 1461), gekauft und wie es 
scheint noch bei dessen Lebzeiten erneuert worden. In einem noch im Archiv des 
Schlosses vorhandenen Erlass gestattet der Bischof Raimund von Gurk am 13. April 
1491 dem miles Georg von Ehingen, das Messopfer alljährlich per octavam corporis 
Christi in der Schlosskapelle zu Kilchberg darzubringen (Auszug in den Regesten 
des Freiherrlich von Tessinschen Archivs im Kgl. Haus- und Staatsarchiv zu 
Stuttgart). Ich vermute, dass dies, wenn nicht bei Gelegenheit des Baues der Ka- 
pelle, so doch in Zusammenhang mit der Ausschmückung des Altars erfolgte, zumal 
da der Stil der Bilder, die noch zu Zeitbloms früheren Werken gehören müssen, zu 



I. Altdeutsche Schule. 



65 



dieser Datierung gut passen würde. Jedenfalls haben die Reste eines mit der 
Jahreszahl 1478 bezeichneten Altars, die sich jetzt in der Pfarrkirche (nicht Schloss- 
kapelle) von Kilchberg befinden, nichts mit unserem Altar zu tun, können also auch 
nicht, wie das früher wohl geschehen ist, zu dessen Datierung herbeigezogen werden. 

Die Krönung der Maria gehört zu dem Besten, was die Ulmer Skulptur des 15. 
Jahrhunderts hervorgebracht hat. Sie steht im Stil Zeitblom nahe, wenn auch die 
Ausführung schwerlich von seiner Hand sein wird. Jedenfalls stammt der Entwurf 
des Ganzen von ihm. 1829 befand sich (nach Schönhuth, Wanderungen in Tübingen 
und Umgegend) der Flügel, der die Gestalten des Johannes und der Margaretha 
enthielt, zur Restauration bei dem Maler Dörr in Tübingen, der auch das später ver- 
schollene Porträt der Stifterin gehabt, aber nicht zurückgegeben haben soll. Vor 1840 
befand er sich im Besitz des Domdekans von Hirscher in Freiburg i. Br., während 
Abel denjenigen mit Florian und Georg hatte. Später muss Hirscher seinen Flügel 
an Abel abgetreten haben. Jedenfalls kamen beide 1859 mit der Sammlung Abel in 
die Galerie. 

Der heilige G-eorg, dreiviertel lebensgross, vor 49 
einem goldenen Brokatvorhang stehend. Innenseite Ac. 
des linken Flügels, dessen Aussenseite No. 50 bildete. 

Oelfempera, Fichtenholz, 147 h., 70,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 43. 
Die Hintergründe aller vier Bilder, die früher heller blau waren, sind ganz übermalt, 
Nacktes und Gewänder ausserdem durch Lasuren in einen braunen Galerieton ge- 
stimmt. Das Vorkommen des heiligen Georg hat hier eine besondere persönliche 
Bedeutung. Georg von Ehingen hatte ein Interesse daran, seinen Namensheiligen in 
enger Verbindung mit seinem eigenen Porträt anzubringen. Ausserdem war er ein 
einflussreiches Mitglied der Rittergesellschaft zum St. Georgen-Schilde. 

Der heilige Florian, dreiviertel lebensgross, vor 50 
einem roten Vorhang stehend, mit einem Wassereimer Ac. 
den Brand eines kleinen Hauses löschend. Aussenseite 
des linken Flügels, dessen Innenseite No 49 bildete. 

Oeltempera, Fichtenholz, 147 h., 70,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 44. 
Oben ein ausgebrochenes Stück des Hintergrundes ergänzt. Das Rot des Vorhangs 
und Wappens überlasiert. 

Johannes der Täufer, dreiviertel lebensgross, vor 51 
einem goldenen Brokatvorhang stehend. Innenseite des Ac. 
rechten Flügels, dessen Aussenseite No. 52 bildete. 

Oeltempera, Fichtenholz, 147,2 h., 70 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 45. 
Der Umriss der linken Wade, der Fusszehen und des Schädels durch den Restau- 
rator etwas herausgerückt. Man sieht deutlich die ursprüngliche Zeichnung der 
Zehen. Der Mantel mit Krapplack überlasiert. Der warme Ton ist also für Zeit- 
bloms Kolorit nicht zu verwenden. 

Die heilige Margaretha mit dem Drachen, drei- 52 
viertel lebensgross, vor einem roten Vorhang stehend. Ac. 
Aussenseite des rechten Flügels, dessen Innenseite 
No. 51 bildete. 

Oeltempera, Fichtenholz, 147,2 h., 70 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 46. 
Die Umrisse der (. Hand retouchiert und dadurch aus dem Charakter gebracht. Das 
Gewand zum grossen Teil mit einer anderen Farbe überlasiert, der rote Vorhang 
übermalt. 

5 



66 



I. Altdeutsche Schule. 



53 — 60 Acht Propheten. Kleine Brustbilder, aus fenster- 
Ab. artigen Oeffnungen herausschauend, unter jedem ein 
Spruchband mit der entsprechenden "Weissagung, das 
aber beim Beschneiden zum Teil weggefallen ist. 
Ausserdem ist an jeder Tafel r. oder 1. ein ca. 2 cm 
breiter Streifen, den wahrscheinlich ursprünglich ein 
Rahmen deckte, übermalt. No. 57 — 60 schmückten 
wohl ursprünglich nebeneinandergereiht die Predella 
eines grösseren Altarbildes, No. 53 — 56 waren (der 
Perspektive nach) hoch angebracht. 

Oeitempera, Fichtenholz, 39 h., 26 br. Phot. Hoefle. Repert. f. Kunstw. IV 
1881, 358. Angeblich aus dem Kloster Zwiefalten, später in der Sammlung des 
Zeichenlehrers Herrich in Ravensburg, aus der sie 1844 in den Besitz des Ober- 
studienrats Hassler in Ulm gelangten. Seit 18b3 in der Stuttgarter Altertumssammlung. 
1902 von dieser leihweise überlassen. Von Eigner in Augsburg restauriert. Hassler 
schrieb sie zuerst dem Zeitblom, dann irriger Weise auf Harzens Autorität (Nau- 
manns Archiv f. d. zeichn. Künste VI 1860) dem Schüchlin zu, mit dem sie gar 
nichts zu tun haben. Vergl. auch Haack, Hans Schüchlin S. 30. Hassler nahm an, 
sie hätten (wahrscheinlich als Staffelbilder) zu sehr verdorbenen grösseren Dar- 
stellungen aus dem neuen Testament gehört, deren eine er noch gesehen hätte. (?) 
Dass damit die jetzt in Bingen bei Sigmaringen befindlichen Bilder gemeint seien 
(vergl. Foerster VII 11 und Lehner, Kunstwerke der Pfarrkirche zu Bingen), ist sehr 
unwahrscheinlich. Eher könnte man, da die Nachrichten über die Herkunft unsicher 
lauten, an den Wengenaltar in Ulm (vergl. No. 46 und 106) denken. 

61-68 Der EschachergAltar.j 

l Ac. $ Aus der Sammlung Abel 1859. Früher in der Pfarrkirche zu Eschach OA. Gaildorf 
(Jagstkreis), Stiftung eines Grafen von Rechberg. Schon 1818 von der Gemeinde 
verkauft. An Ort und Stelle zurückgeblieben ist der plastische Mittelschrein, lebens- 
grosse Statuen der von Engeln gekrönten Madonna und der beiden Johannes. 
Daran schlössen sich zwei grosse Flügel, aus deren linkem die Bilder 61 und 62, 
aus deren rechtem die Bilder 63 und 64 durch Auseinandersägen gewonnen 
sind. Die vier Brustbilder der Kirchenväter 65 — 68 befanden sich an der 
Vorderseite der Predella, während die Rückseite derselben das Schweisstuch der 
Veronika zeigte, das von zwei Engeln gehalten wird. Dieses Bild, eines der be- 
kanntesten von Zeitblom, befindet sich jetzt im Kaiser Friedrich-Museum in Berlin 
(No. 606A). Es wurde 1850 aus der Sammlung Hirscher in Freiburg i. Br. erworben. 
Die Kirchenväter, die zusammen dieselbe Breite haben wie das Schweisstuch, sind 
auf Goldgrund gemalt, wie es sich für die Vorderseite ziemt, das Schweisstuch auf 
grünem Grund, wie es für die Rückseite passend ist. Man muss sich also die Zu- 
sammensetzung des ganzen Altars ähnlich denken wie den freilich kleineren Heer- 
berger Altar No. 69. Nach der allgemeinen Annahme (die auf Weyermann zurück- 
geht) stammt der Altar von ca. 1496 (Brulliot gibt wohl irrtümlich 1490 an). Da sich an 
den jetzigen Tafeln keine Inschrift findet, wird die Jahreszahl wohl an dem verloren 
gegangenen Rahmen angebracht gewesen sein. Auch dem Stil nach gehören die 
Bilder in Zeitbloms reifste Zeit. 1842—1844 von Eigner in Augsburg rücksichtslos 
restauriert, No. 61 und 68 im Jahr 1901 von den Restaurationen befreit. Die anderen 
Bilder zeigen noch den gelben Firnis, mit welchen Eigner sie in den warmen 
Galerieton hineingestimmt hat. Dadurch ist die Beurteilung Zeitbloms als Kolorist 
lange Zeit irregeführt worden. 

61 Verkündigung der Maria. Illustration. Lebens- 
fAc. gross. Der goldene Himmel beweist, dass das Bild 



I. Altdeutsche Schule. 



67 



die Innenseite eines Altarfliigels zierte. Die Per- 
spektive zeigt, dass es der linke war. 

Oeltempera, Fichtenholz, 214 h., 106 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 51. 
1901 restauriert, wobei sich herausstellte, dass das Bild stark übermalt war, und 
zwar mit ganz willkürlichen Korrekturen der Form. Die Hände waren voller und 
runder, der Ausdruck der Gesichter, die Umrisse des Kopfes, der Haare u. s. w. 
ganz verändert. Erst jetzt trat der alte Goldgrund wieder zu Tage. An der r. Hand 
der Maria und ihrem blauen Gewände starke Retouchen. Ist das einzige Bild des 
Altars, das gegenwärtig Zeitbloms koloristische Intention unverfälscht zeigt. Die 
Illustration veranschaulicht den Zustand vor der Restauration. 



Johannes der Täufer, überlebensgross, vor einem 62 
goldenen Vorhang. Aussenseite des linken Flügels. Ac. 



Oeltempera, Fichtenholz, 214 h., 106,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 53. 
Viele Retouchen an den Umrissen des I. Beines und der r. Hand. Die oberen Kon- 
turen des Kopfes herausgerückt. Vorhang neu vergoldet, aber das Muster alt. Der 
blaue Hintergrund und das Ornament modern. 



Heimsuchung der Maria, lebensgross, goldener 63 
Himmel, Innenseite des rechten Altarfliigels. Auf Hei- Ac. 
ligenscheinen und Gewandsäumen sinnlose Inschriften. 



^Oeltempera, Fichtenholz, 213,5 h., 107 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 54. 
Gewänder und Hände retouchiert, letztere durch Nachziehen der Konturen weich- 
licher und charakterloser geworden. 



stehend. Aussenseite des rechten Flügels. 

Oeltempera, Fichtenholz, 214 h., 107,3 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 52. Das 
rote Untergewand ganz übermalt, das Nackte stark retouchiert, wodurch das Gesicht 
seinen ursprünglichen Ausdruck verloren hat und weichlicher geworden ist. Das 
Goldmuster des Vorhangs, der blaue Hintergrund und das Ornament in den Ecken 
modern. 



Gregor der Grosse, Brustbild, etwas unterlebens- 65 
gross, bildete mit den drei folgenden die Vorderseite Ac. 
der Staffel. 



Oeltempera, Fichtenholz, 63 h., 45,5 br. Sammlung Abel No. 50. Phot. Hoefle. 
Der Goldgrund, die Zacken der Tiara und das Kreuz erneuert. 



Oeltempera, Fichtenholz, 63 h., 45 br. Sammlung Abel No. 47. Phot. Hoefle. Ac. 
Goldgrund erneuert. 



Oeltempera, Fichtenholz, 62,7 h., 49,2 br. Sammlung Abel No. 48. Phot. Hoefle. A.C. 
Goldgrund und oberer Teil des Bischofsstabes erneuert. * Unten und in'den Händen 
grössere Stellen eingesetzt. 




Hie ronymus, ebenso. 



66 



Ambrosius, ebenso. 



67 



68 



I. Altdeutsche Schule. 



68 Augustinus, ebenso. 

Oeltempera, Fichtenholz, 63,3 h., 40,4 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 49. 
1901 restauriert, wobei sich herausstellte, dass der Bischofsstab, die untere Hälfte 
des Gesichts und ein Teil beider Hände zuerst geputzt und dann übermalt waren. 
Im Gewand grosse Stellen eingesetzt. 

69 Der Heerberger Altar, in alter Zusammen- 
A. setzung, bis auf den plastischen Mittelschrein, dessen 

drei Figuren nicht dem ursprünglichen Altar ange- 
hören, sondern nur zur Füllung aus dem Alter- 
tumsmuseum entliehen sind. Hauptwerk Zeitbloms 
von 1497/98. Triptychon. Im Mittelschrein ursprüng- 
lich drei unterlebensgrosse holzgeschnitzte Gestalten, 
Maria mit dem Kinde auf der Mondsichel, links Ka- 
tharina, rechts Barbara. Darunter auf blauem Grunde 
sehr zerstörte, ursprünglich goldene Inschriften. Mitten : 
Maria matur iiBt mifmrE «iBt. 1498. Links unter der jetzt 
fehlenden Katharina : Äantirta latr>rtna. Rechts unter 
der Barbara: Sannrta Barbara. Bei aufgeklappten 
Flügeln 1. die Geburt Christi (ähnlich No. 46), r. die 
Darstellung im Tempel. Bei zugeklappten Flügeln 
die Verkündigung der Maria, r. der Engel, 1. Maria. 
Auf der Predella vorn die Halbfiguren Christi und 
der zwölf Apostel, hinten zwei Engel mit dem Schweiss- 
tuch der Veronika. Auf der dreigeteilten Rückseite 
des Mittelschreins spätgotisches grünes Rankenwerk, 
im schmaleren mittleren Felde das Selbstporträt des 
Malers in Halbfigur, etwa 50— 60j ährig, in langem 
Barte, den Hut auf dem Kopfe, mit einem Spruch- 
bande, auf dem die Worte stehen : t>a» mtxtk trat gBtnadit 
barttjohn*. jBijtblotn. matter, nt. ulm 1497. Auf den Schmal- 
seiten des Mittelschreins, ebenfalls in grünem Ranken- 
ornament, unten je zwei Wappen, Schenk von Limpurg, 
Oettingen, Montfort und della Scala. Und zwar ergibt 
sich aus deren Zusammenstellung, dass der Stifter des 
Altars Albrecht Schenck von Limpurg (f 1506) und seine 
Gemahlin Elisabeth von Oettingen (f 1509) war. Seine 
Mutter war eine Gräfin Clara von Montfort, ihre 



I. Altdeutsche Schule. 



ß9 



Mutter eine Beatrix della Scala. Ausserdem auf der 
rechten Schmalseite der Predella eine zweite Künstler- 
inschrift : 

bartfrolme. jBtitblom 

m. I- U. (Maler zu Ulm) 
■ 9.8- (d. h. 1498). 

Oeltempera, Fichtenholz, der Mittelschrein 188 h., 201 br., die Flügel (ohne Rahmen) 
171 h., 85 br., die Predella vorn 37 h., 160 br., hinten 45 h., 160 br. 1902 aus der 
Altertumssammlung leihweise überwiesen. Publikation des Ulmer Altertumsvereins 
von 1845, einzelnes bei Förster, Schnaase u. a. Phot. Hoefle. Stammt aus der ehe- 
maligen Wallfahrtskirche, jetzt evangelischen Kirche auf dem Heerberge OA. Gaildorf. 
1869 vom Staat erworben. Bei der Erwerbung stellte die Gemeinde die Bedingung, 
dass die drei holzgeschnitzten Figuren des Mittelschreins in der Kirche verbleiben 
sollten, weil nach der Madonna gewallfahrtet werde. Dagegen versprach sie, wenn 
die Figuren einmal verkauft würden, sie zuerst der Altertumssammlung in Stuttgart 
anzubieten. Als dies (unter der früheren Verwaltung) geschah, konnte man sich in- 
dessen nicht zum Ankauf entschliessen, sondern hielt es für richtig, sie der katho- 
lischen Gemeinde des benachbarten Dorfes Untergröningen zu überlassen, in deren 
Kirche sie jetzt, natürlich ganz modernisiert und übermalt, das Ziel vieler Wallfahrten 
bilden — das gewöhnliche Schicksal der Kunstwerke, die der Staat in pietätvoller 
Berücksichtigung lokaler Wünsche in den Dorfkirchen belässt ! Die Angabe 
Weyermanns und Naglers, dass im Mittelschrein ursprünglich eine 5 Fuss hohe 
wundertätige Marmorstatue der Madonna mit dem Kinde gestanden habe, 
die damals (1829) in das Archiv von Obersontheim verbracht worden sei, beruht 
auf einen Irrtum. Diese Marmor-, besser Alabaster-Statue die sich jetzt im Kerner- 
hause zu Weinsberg befindet (abgebildet in den Kunst- und Altertumsdenkmälern 
im Kgr. Württemberg, Jagstkreis, S. 208), befand sich zwar ursprünglich auch 
in der Kirche auf dem Heerberge, aber nicht im Altarschrein, sondern auf einem 
besonderen noch vorhandenen Postament. Justinus Kerner, der auf diesen Altar 
(Morgenblatt 1816) aufmerksam machte und damit Zeitblom in die Kunstgeschichte 
einführte, hat sie 1846 in Obersontheim, wo sie sich damals im Archiv befand, 

gekauft. Sie wurde den Staatssammlungen vor einigen Jahren zum Kaufe angeboten, 
lies ist die ursprüngliche Heerbergs Mutter, zu der man wallfahrtete, deren An- 
ziehungskraft aber nach ihrer Entfernung auf die Figuren des Altarschreins über- 
gegangen zu sein scheint. Schon 1820 hat Prof. Joseph Wintergerst in Ellwangen 
(der bekannte Nazarener) einige schadhafte Stellen des Altars ausgebessert (Weyer- 
mann II 637). 1827 war derselbe noch leidlich erhalten. Dann aber verfiel er immer 
mehr, so dass er 1847 im Auttrage des Württembergischen Altertumsvereins von Eigner 
in Augsburg restauriert werden musste. Bei seiner Erwerbung durch den Staat 
wurde er wiederum, da grosse Farbteile losgegangen waren, von Gegenbaur restauriert, 
wobei Dirr und Lamberty die Vorarbeiten besorgten, eine Arbeit, von deren unsach- 
gemässer Ausführung noch die völlig übermalte Rückseite der Predella betrübendes 
Zeugnis ablegt. 1902 wurden die beiden Flügel einer umfassenden Reinigung unter- 
zogen, wobei sich herausstellte, dass viele Teile der Bilder, auch da, wo es gar 
nicht nötig gewesen wäre, rücksichtslose Uebermalungen erfahren hatten, ja dass die 
ursprüngliche Zeichnung teilweise ganz verändert worden war. So wies z. B. die 
Verkündigung keinen alten Pinselstrich mehr auf. Auch auf den Vorderseiten der 
Flügel waren viele Umrisse völlig verändert, so dass grosse Partien der Körper bei 
der Restauration wieder aufgedeckt werden konnten. Leider war die Verkündigung 
vor der Uebermalung stark verputzt worden, so dass hier nur ein Teil der ursprüng- 
lichen Zeichnung gerettet werden konnte. Die Köpfe der Maria und des Engels 
waren unwiederbringlich verloren. Von dem Charakter der einstigen Uebermalungen 
kann die noch nicht restaurierte Rückseite der Predella eine Vorstellung geben. 
1904/05 wurde auch das Rankenornament der Rückseite, in dem sich viele aus 
gebrochene Stellen befanden, restauriert. Das Selbstporträt Zeitbloms war glück- 
licherweise gut erhalten. Trotz seiner starken Uebermalung ist das Werk bisher 
immer nach seinem Zustande vor dem Jahre 1902 beurteilt worden, was natürlich 
zu falschen Urteilen über Zeitbloms Stil führen musste. 



70 



I. Altdeutsche Schule. 



Zeitblom, Kopie 

70 Christus und die zwölf Apostel. Halbfiguren 
Ulm hinter einer Steinbrüstung. 

Oeltempera, Fichtenholz, 51,6 h., 164 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel No. 75 
des handschriftlichen Nachtrags: Augsburger Schule. Später: Ulmer Schule (Eisen- 
mann), dann Schule Zeitbloms (Scheibler). So noch im Katalog von 1903. Schwache 
Kopie einer in der ev. Kirche zu Adelberg, OA. Schorndorf (der alten 1490 erbauten 
Ulrichs-Kapelle), befindlichen Predella des Meisters. Im dritten Bande des „König- 
reichs Württemberg" 1906 S. 500, heisst es fälschlich, das Original befinde sich 
jetzt in der Staatsgalerie. Dasselbe wurde zwar 1904 zum Kauf angeboten, dann 
aber zurückgezogen. Ausserdem befindet sich im Adelberg-Kloster ein Altar von 
Zeitblom mit zwei bemalten Flügeln, zu denen die Predella ursprünglich gehörte. 
Die Kopie scheint ziemlich spät zu sein. 



Zeitblom, Schule 

71 Der heilige Veit. Er zeigt nach Sonne und Mond, 
Bb. die über einem Altar sichtbar werden, dabei ein Knabe 

und ein Mädchen betend. 

Oeltempera, Fichtenholz, 26 h., 14 br. Sammlung Abel 1859 No. 77 des hand- 
schriftlichen Nachtrags: Schule von Zeitblom. Gold übermalt, hie und da retouchiert. 
Abel hatte noch eine andere, wie es scheint, dazu gehörige Szene aus dem Leben 
des heiligen Veit, die in dem handschriftlichen Nachtrag unter No. 78 mit dem Zu- 
satz erwähnt wird: Noch nicht hergestellt. Sie ist nicht in die Gemäldegalerie 
gekommen. 

Augsburger Schule des 16. Jahrhunderts 

72 Kreuzigung. In der gemalten goldenen Renais- 
Ba. sanceumrahmung oben die Inschriften: TENEBRE FAGT E 

SUNT . . . (ho)RA NONA EXGLA (mavit) ... und: TE DEUM LAU- 
DAMUS TE DOMINUM CONF1TEMUR TE ETERNUM PATREM 
OMNIS — . Gegenstück zum folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 127 h., 55 br. Sammlung Abel 1859 No. 8: Unbekannt. 
(Handschriftliche Randnotiz: Augsburger Schule). In den früheren Katalogen: Schule 
des älteren (ja sogar des jüngeren) Holbein, was schon Eisenmann zurückwies. 
1900 Uebermalungen entfernt. Hie und da schadhafte Stellen. 

73 p Auferstehung Christi und seine Erscheinung 
Ba. vor Magdalena. IndergemaltengoldenenRenaissance- 

umrahmung oben die Inschriften : CRISTUS RESURGENS 
EX MO(rte) ... ET ADHUC TECUM SUM und: CRISTUS FACTUS 
EST PRO NORIS OBED1ENS USQUE AD MORTEM MORTEM 
AUTEM CRUGIS. Oben r. umgekehrt: RESUREX(it). Gegen- 
stück zum vorigen. 



I, Altdeutsche Schule. 



71 



Oeltempera, Fichtenholz, 126,8 h., 54 7 br. Sammlung Abel 1859 No 9 des hand- 
schriftlichen Nachtrags: Augsburger Schule. Siehe oben. Senkrechter Riss, retou- 
chiert. Uebermalungen 1900 entfernt. 



Augsburger Schule von^lölO 

Der heilige Cosmas, Patron der Aerzte und 74 
Apotheker. Halbfigur nach r. sitzend und aus einem Bd. 
Buche abschreibend. L. oben ein Blatt mit der In- 
schrift: S. GOSMAS / ORA PRO NO / BIS 1510. Darüber die 
Inschrift: (Hoxpoxibm Mzbtov (Sgria puifati» MmBvt/Qltfmm 
EirlutE Hagtm» (St örgrEgiu». 

Oeltempera, Fichtenholz, 70 h., 54,5 br. Sammlung Abel 1859 No. 37: Unbekannt. 
Vielleicht von einem Mitgliede der Familie Breu. 



Augsburger Schule von 1571* 

Männliches Bildnis. Brustbild eines bärtigen 75 
Mannes von vierzig Jahren. Gegenstück zum folgen- Ca. 
den. Inschrift 1. mit der Jahreszahl 1571. Später 
ist die Inschrift r. mit dem Todesdatum des Dar- 
gestellten (1582) hinzugefügt worden. £ 

Oel ; Fichtenholz, 47 h., 38,5 br. Dieses und die folgende Nummer 1902 aus 
Ludwigsburg. Im Inventar von 1767 unter den sogenannten „Wiener oder Röderischen 
Malereien" Fol. 111 No. 82 und 83 als „Holbein." 

Weibliches Bildnis. Brustbild einer jungen, 1594 76 
in Kaschau gestorbenen Frau. Gegenstück zum vo- Ca. 
rigen. Inschrift 1. mit der Jahreszahl 1571. Die In- 
schrift r. später hinzugefügt. 

Oel, Fichtenholz, 47,3 h., 39 br. S. oben. 



Meister b in B von 1532 

wahrscheinlich ein Schwabe, vielleicht ein Augsburger. Jedenfalls nicht Bartel Bruyn 
(Nagler Monogrammisten 1 745), auch nicht Bartel Beham. Weizsäcker: Bodensee- 
oder Schweizer Schule. Rieffei wurde an die Form des Breuschen Monogramms 
erinnert. 



Kreuzigung. Unten ein Zettel mit dem Mono- 77 
gramm und der Jahreszahl. Ba. 

Oeltempera, Fichtenholz, 113 h., 92 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg. 



72 



I. Altdeutsche Schule. 



Meister C W von 1516 

Sicher ein schwäbischer Maler. Ob aber ein Ulmer oder aus dem Oberland, vom 
Bodensee resp. Oberrhein, ist nicht zu bestimmen. Er ist nur durch die Signatur 
des Bildes No 78 bekannt, die aber noch nicht gedeutet ist. „Claus Wolf if> (seil. 
Strigel) kann nicht damit gemeint sein, da dieser sich nicht bloss mit den Initialen 
seiner beiden Vornamen bezeichnet haben wird. Ausserdem hat er 1516 wahr- 
scheinlich nicht mehr gelebt. Früher rechnete man den Meister zur Schule H. Hol- 
beins d. Aelt. Später legte man mehr Wert auf seine Verwandtschaft mit Schaffner, 
Baidung oder Wechtlin. Eisenmann: Oberschwabe. 

78 Das Nürtinger Altarwerk. Gemaltes Mittel- 
Ad. stück und zwei auseinandergesägte Flügel, also im 

ganzen fünf Bilder. Mitten: Anna selbdritt mit Jo- 
seph (1.) und Joachim (r.). Einer von den drei Hasen 

(1.) hält eine steinerne Tafel mit der Inschrift: J 51 ^ 
Goldgrund. Linker Flügel, Innenseite : Geburt Christi 
(im Hintergrunde die Hirten). Goldgrund. Aussen- 
seite: Verkündigung. Im Tympanon einer ßenais- 
sancetür der Sündenfall. Rechter Flügel, Innen- 
seite: Krönung der Maria. Goldgrund. Aussenseite: 
Heimsuchung (1. Zacharias, r. eine Frau). Auf den 
Heiligenscheinen: AVE GRATIA PLENA DOM1NVS und: 
SANGTA ELISABETA ORA. 

Oeltempera, Fichtenholz. Mittelbild 153,8 h., 151,8 br., die Flügel 155,4 h., 71,2 br. 
1841 von der Stadt Nürtingen zum Regierungsjubiläum König Wilhelms I. geschenkt 
(s. oben S. 19), vorher im Spital daselbst, ursprünglich in der Stadtkirche zum heil. 
Laurentius. Phot Hoefle. 1844 von Eigner in Augsburg restauriert, wobei sämtliche 
Goldhintergründe und Heiligenscheine erneuert, einige Köpfe geputzt und die ganzen 
Bilder durch Lasuren gestimmt wurden. Doch ist die Zeichnung dabei nicht ver- 
ändert, nur das Kolorit stumpfer gemacht worden, wie jetzt besonders ein Vergleich 
mit 80a zeigen kann. Am besten erhalten sind die Geburt und Krönung. Der 
kompositioneile Anschluss an Schongauer (Verkündigung) , Dürer (Heimsuchung) 
und Baidung (Anna selbdritt) ist für die Unselbständigkeit des Malers charakteristisch. 
Seine Stärke liegt, wie 80a und 80b zeigen, im Kolorit. 

79 Befreiung Petri aus dem Gefängnis (?). Die 
Ad. Darstellung ist nicht ganz klar, da der Apostel selbst 

fehlt. Wahrscheinlich sollte er dadurch als unsicht- 
bar charakterisiert werden. Wenigstens sind die Be- 
wegungen der Männer nicht wohl anders zu deuten. 
Flügel eines kleineren Altars. Rückseite des fol- 
genden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 88,4 h., 37 br. Gut erhalten, auch nicht beschnitten, so 
dass also die Komposition vollständig ist. 1902 aus der Altertumssammlung leih- 
weise überwiesen, nachdem sich die Urheberschaft des Meisters CW herausgestellt 



I. Altdeutsche Schule. 



73 



hatte. 1869 von dem Rentamtmann a. D. Schefoid in Tübingen gekauft, der die 
beiden Bilder möglicherweise aus dem Oberland (Zwiefalten, Werenwag u. s. w.) 
hatte. Dies verdient im Hinblick auf die Herkunft von No. 80a und b besondere 
Beachtung. 

Tod der Maria. Vorderseite des vorigen, Gold- 80 
grund. Ad. 

Oeltempera, Fichtenholz, 86,5 h., 36,5 br. War oben spitzbogig abgeschlossen 
Goldgrund neu, aber noch Reste des alten erhalten. 



Heimsuchung. In den Heiligenscheinen: SANGT • 80a 
MARIA • VIRGO und SANCT • ELISABETA. Gegenstück zum Ad. 
folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 119 h., 72,5 br. Heiligenscheine alt, aber die Inschriften 
nachgezogen. Bis auf Retouchen gut erhalten. Mit No. 80b zusammen 1904 von 
dem Fabrikanten Joh. Wüscher in Feuerthalen bei Schaffhausen erworben, der die 
Bilder aus der Sammlung seines Qrossvaters hatte. Damals restauriert, gut er- 
halten. Die Entdeckung des Meisters wird Herrn Dr. J. Baum verdankt. Wenn die 
Bilder, was wahrscheinlich ist, aus der Gegend von Schaffhausen stammen, so könnte 
auch dies vielleicht einen Anhalt für die Herkunft des Malers bieten. 

Anbetung der Könige. Gegenstück zum vorigen. 80b 

Oeltempera, Fichtenholz, 118 h., 73 br. Wie oben. 1904 restauriert, d. h. gereinigt Ad. 
und von Uebermalungen befreit. Hie und da verrieben, sonst gut erhalten. 



Meister des Ehninger Altars 

Wahrscheinlich ein Schwabe, der um 1480 im Auftrag der Erzherzogin Mechthild 
(Mutter des Grafen Eberhard im Bart) arbeitete und vielleicht in Rottenburg a. N., 
dem damaligen Witwensitz der Fürstin lebte. Er muss in den Niederlanden, und 
zwar in Löwen bei Dierick Bouts gelernt haben, mit dem und mit dessen Sohne 
Aelbert Bouts er im Stil die meiste Verwandtschaft hat. Er ist erst durch die Ent- 
deckung des folgenden Bildes bekannt geworden, ohne dass es aber bis jetzt gelungen 
wäre seinen Namen zu ermitteln. Da sein Hauptwerk (No. 80c) nach dem darauf befind- 
lichen Wappen von Mechthild gestiftet ist, und Ehningen nicht weit von Rottenburg 
liegt, da ferner das Bild No. 17, das demselben Meister oder wenigstens seiner 
Werkstatt angehört, aus Wurmlingen, also ebenfalls aus der Nähe von Rottenburg 
stammt, ist die Lokalisierung des Meisters in Rottenburg wahrscheinlich. Er ist 
weitaus der bedeutendste schwäbische Maler vor Zeitblom, ja übertrifft diesen sogar 
an Feinheit der Empfindung und stilvoll-realistischer Durchbildung. Wir haben ihn 
als den Hauptvertreter des altniederländischen Einflusses in der schwäbischen 
Malerei zu betrachten. Dem Fr. Herlin, der ähnliche Tendenzen verfolgt, ist er weit 
überlegen. 

Der Eh ninger Altar. Zwei Illustrationen. Trip- 80c 
tychon in der alten Zusammensetzung erhalten, bis A. 
auf den Rahmen und die Predella (Christus und die zwölf 
Apostel), die, von anderer schwächerer Hand und sehr 
eschädigt, dem Altertumsmuseum überlassen wurde. 
Mittelbild: Auferstehung Christi. Im landschaftlichen 
Hintergrunde 1. Christus, der der Magdalena erscheint, 



74 



I. Altdeutsche Schule, 



r. die drei Frauen, die zum Grabe wandeln. Linker 
Flügel, Innenseite: Der Auferstandene, der seiner 
Mutter erscheint. Im landschaftlichen Hintergrunde 
die Himmelfahrt. Rechter Flügel, Innenseite : Christus 
und der ungläubige Thomas. Im Hintergrunde in einem 
Zimmer, in das man hineinschaut, die Herabkunft des 
heiligen Geistes (Maria und die Apostel am Pfingst- 
fest). Auf den beiden Rückseiten der Flügel: Die 
Verkündigung. L. Maria vor einer Altarnische knieend, 
in der Wand ein Schränkchen mit stillebenartig 
angeordneten Geräten. R. der Engel, im Hinter- 
grunde Blick in einen (niederländischen) Klosterhof, 
im spitzbogigen Tympanon der Tür der Sündenfall. 
L daneben hängt das "Wappen der Pfalzgräfin Mech- 
thild, ziemlich verrieben, aber noch deutlich erkennbar. 
Senkrecht gespalten, r. (heraldisch) drei Querbalken, 
purpur (braun?), silber, purpur, 1. oben goldener 
Löwe steigend in schwarzem Feld, unten grüne Rauten 
in silbernem Feld. 

Oeltempera, Fichtenholz, worauf zunächst Leinwand geleimt ist, die einen weissen 
Kreidegrund trägt. Das Mittelbild 1,46 h., 1,61 br., die Seitenflügel 1,46 h., 73 br. 
(lichtes Mass). 1903 von der Gemeinde Ehningen OA. Böblingen erworben, in 
Stuttgart restauriert. Der Rahmen war schon erneuert. Die Erhaltung des Bildes 
ist keine besonders gute, doch war es glücklicherweise nicht übermalt. Die rote 
Farbe hat sich, besonders in den Schatten, durch Oxydation verändert. Mund und 
Augen der Wächter waren absichtlich verkratzt, am unteren Rande des Mittelbildes 
fehlten grosse ausgebrochene Farbstücke, oben über dem Kopfe Christi musste ein 
grosses Loch ausgefüllt werden. Das Mittelbild hat infolge Ziehens des Holzes zwei 
senkrechte Risse, der r. Flügel einen senkrechten Riss durch den Kopf Christi. Bei 
dem Verkündigungsengel ist der Hintergrund rechts unten etwas verrieben. An vielen 
Stellen befanden sich absichtlich zugefügte Kratzer und Bleistiftstriche aus der Zeit, 
wo das Bild noch im Bereiche der kirchenbesuchenden Jugend gehangen hatte. 
Man kann danach beurteilen, was es mit der idealen Forderung auf sich hat, die 
Kirchen des Landes nicht zu Gunsten der Museen ihres Inhalts zu berauben. 

Das Wappen der Erzherzogin Mechthild ist identisch mit dem auf ihrem Votiv- 
relief in Sindelfingen von 1477 (abgebildet bei Paulus, die Kunst- und Altertums- 
denkmale in Württ., Neckarkreis S. 95), während die älteren Siegelwappen im Kgl. 
Haus- und Staatsarchiv den pfälzischen Löwen auf der (heraldisch) r. Seite unten 
noch einmal wiederholt und die Horizontal-Balken in der oberen Hälfte zusammen- 
gedrängt zeigen. Mechthild, bekanntlich die Mutter Herzog Eberhards im Bart, re- 
sidierte nach dem Tode ihrer beiden Männer, des Grafen Ludwig I. von Württemberg 
(t 1450) und des Erzherzogs Albrecht VI. von Oesterreich (f 1463), als noch ziemlich 
jugendliche und lebenslustige Witwe in Rottenburg, der Hauptstadt der ihr ver- 
pfändeten Herrschaft Hohenberg. Von 1455 bis zu ihrem Tode 1482 hielt sie hier 
in glänzender Weise Hof. Ihre Beziehungen zu Humanisten und Dichtern sind be- 
kannt. Einer von ihnen, Nicolaus von Wyle, ein geborener Schweizer, der ur- 
sprünglich Maler gewesen war, nennt sie eine grosse Liebhaberin aller Künste. 
Ein Chronist von 1608 (Lutz von Lutzenhardt, Chronik der Herrschaft Hohenberg, 
Bd. 4, Kgl. Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart) sagt, ihr W a p p e n und Gedächtnis 



I. Altdeutsche^Schule. 



75 



sei hin und wieder in den Kirchen, Fenstern, Epitaphien, Altären u. s. w. von 
Rottenburg vielfältig zu finden, da sie die Stadt mit schönen Altären, Orgeln, 
Ornamenten und anderen Gottesgaben herrlich begabt habe. Man schreibt ihr, auch 
auf das Zeugnis späterer Chronisten hin, die Stiftung des gotischen Brunnens auf dem 
Marktplatz daselbst zu. Ihre einzige bisher nachweisbare Beziehung zur Malerei ist, dass 
sie 1474 von den Kosten eines Altarbildes der Martinskirche in Rottenburg-Ehingen, das 
der Maler Hans Schüchlin aus Ulm zusammen mit seinem Schwager, dem Nürnberger 
Maler Albrecht Rebmann gemalt hatte, die Hälfte der Kosten bezahlte. Vergl. 
Strauch, Pfalzgräfin Mechthild S. 4 und 34. Klemm, Ulmer Münsterblätter 1883 
III und IV S. 174. R. Vischer, Studien zur Kunstgeschichte S. 310. Th. Schön, Reut- 
linger Geschichtsblätter XV 1904, 65. Fr. v. Reber, Sitzungsberichte d. philos. hist. 
Klasse d. Kgl. bayr. Akad. d. Wiss. 1895 S. 383. 

Dazu kommt nun unser Altar, als dessen Stifterin sie durch ihr Wappen bezeugt 
ist. Derselbe muss also vor ihrem Todesjahre 1482 entstanden sein. Ein Terminus 
post quem ergibt sich daraus, dass die Kirche S. Maria in Ehningen, aus der er 
stammt, (nach Paulus) 1476 einen netzgewölbten Chor erhielt. Davon, dass er von 
anderswoher, etwa aus Rottenburg oder Böblingen, hierher übertragen sei, wissen 
wir nichts. Die Vermutung, dass das Triptychon ursprünglich den Hochaltar dieser 
Kirche geziert habe, wird also wohl das Richtige treffen. Veranlassung, ein solches 
Werk nach Ehningen zu stiften, konnte Mechthild wohl haben. Ehningen liegt im 
Mittelpunkt der Städte, Dörfer und Weiler, die Ludwig I. seiner Gemahlin bei der 
Heirat für ihr Wittum und die Widerlegung ihres Zugeids verpfändete, und in deren 
Besitz sie deshalb auch nach seinem Tode blieb. Sie besass dort eine Burg, freie 
Wald- und Fischgerechtigkeit (Th. Schön a. O. XV S. 68 ff. XVI S. 18). Als künst- 
lerischer Mittelpunkt ihrer Lande, wo ein solches Werk entstehen konnte, kommt 
aber nicht das kleine Ehningen, sondern nur Rottenburg in Betracht. Da das 
Martinsstift daselbst sich noch im Jahre 1474 wegen eines Altarbildes an einen 
Ulmer Maler, Hans Schüchlin, wenden musste, der viel altertümlicher und auch 
künstlerisch schwächer als unser Meister ist, vermute ich, dass dieser sich erst 
nach dem genannten Jahre in Rottenburg niedergelassen hat. Damit entsteht die 
Frage, ob er überhaupt ein Schwabe, oder vom Niederrhein resp. den Niederlanden 
zugewandert war. An Rebmann wird man schon deshalb nicht zu denken haben, 
weil das Bild gar nichts Nürnbergisches hat. Vor seiner Erwerbung hing es an 
einer Wand der Kirche so hoch, dass niemand es genau untersuchen konnte. Nur 
daraus erklärt sich, dass Müller in Heideloffs Kunst des Mittelalters in Schwaben S. 8 
(und danach Paulus S. 99 und Keppler, Kirchl. Kunstaltert. S. 41) es der „Nachblüte 
der schwäbischen Schule" zurechnen konnte. 1905 befand es sich auf der deutschen 
Ausstellung in Köln und bildete dort den Mittelpunkt des deutschen Saales. Als es 
für Stuttgart erworben wurde, dachte ich zuerst an Herlin. 

Meister H in A von 1546 

offenbar ein Schüler Lucas Cranachs des Aelteren. Nagler, Monogrammisten, I 317 
erwähnt einen Kupferstecher mit demselben Monogramm, der ein ;paar Blätter von 
Dürer kopiert hat. g 

Christus und die Samariterin am Brunnen. 
R. im Hintergrunde die Bewohner von Sichar, von 
der Samariterin herbeigeführt. Die Signatur steht 
unter dem Wasserkruge vorn. 

Oeltempera, Erlenholz, 82,3 h., 98,2 br. Sammlung Gotter 1736: L. v. Leyden. 
Geschenk Sr. Majestät König Wilhelms II. 1899. Von Hauser in München restauriert. 
1903 auf der Erfurter Ausstellung. 

Meister von Messkirch 

ein Oberschwabe, dessen Tätigkeit von ca. 1522 bis ca. 1540 im Donautal und dem 
benachbarten Bodenseegebiet nachzuweisen ist. Er war besonders für den Grafen 



76 



I. Altdeutsche Schule. 



Gottfried Werner von Zimmern (No. 82a) in Messkirch und auf Schloss Wilden- 
stein a. Donau tätig. Seinen Namen führt er von seinem Hauptwerk, der Anbetung 
der Könige in der Stadtkirche zu Messkirch in Baden. Seine Bilder wurden früher 
irrtümlicherweise dem B. Beham zugeschrieben, neuerdings hat man ihn, wie schon 
früher einmal, mit Hans Schäufelein (No. 28) identifizieren wollen. Er ist aber, wenn 
auch mit ihm verwandt, doch eine selbständige Künstlerpersönlichkeit, die sich unter 
dem Einfluss der Dürerschen Kunst entwickelt hat. 

82 Der heilige Benedikt vor seiner Höhle 
Bb. knieend und ein Kruzifix anbetend. Illustration. 

Ein Mönch lässt ihm Brot in einem Korbe herab, 
oben der Teufel, der eine Glocke zerschlägt. 

Oeltempera, Rotbuchenholz, 106 h., 75 br. Phot. Hoefle. 1866 aus dem Nachlass 
des Domdekans v. Hirscher in Freiburg i. Br. erworben. 1905 auf der deutschen 
Ausstellung in Köln. Himmel stark retouchiert. 

82a Der heilige Greorg mit dem toten Drachen. Por- 
Bb. trat des Grafen Gottfried Werner von Zimmern. 
Goldgrund. Vorderseite des folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 49 h., 27 br. (Grösse der Bildfläche). Bis auf kleine 
Stellen am Gesicht und an der Fahne gut erhalten. No. 82a und b sind Eigentum 
des Stuttgarter Galerievereins. 1906 von Geh. Rat Prof. Dr. von Kaufmann in Berlin 
erworben. Früher im Besitz des Freiherrn von Brenken in Wewer. Dieser hatte sie 
von seinem Grossvater, dem Grafen Haxthausen, der sie in den Jahren 1838 — 1842 
vermutlich in Unterfranken gekauft hatte. Nicht bei Kötschau. 1904 auf der kunst- 
historischen Ausstellung in Düsseldorf (No. 234). Durch Auseinandersägen eines 
kleinen Altarflügels gewonnen. Dieser gehörte wahrscheinlich zum Mittelbild der 
heiligen Anna selbdntt, das sich (nach Woltmann) früher im Schloss Wildenstein be- 
fand und von dort in die fürstl. Fürstenbergische Gemäldegalerie nach Donaueschingen 
gekommen ist (Katalog No. 81—85). Seine Flügel (Klass. Bilderschatz No. 1490) 
stimmen in der Grösse fast genau mit unseren Bildern überein, auch kommt auf ihnen 
dieselbe Renaissancebrüstung vor. Die Herkunft unserer Bilder aus Schloss Wilden- 
stein, wo sich ganz gut zwei Altärchen befunden haben können, oder Messkirch (wo 
die Grafen von Zimmern ein Schloss hatten) ist besonders deshalb wahrscheinlich, 
weil der heilige Georg (ebenso wie ein etwas grösserer im Schloss Wolfegg) ein 
Porträt des Grafen Gottfried von Zimmern ist. Das S. Annen-Altärchen stammt nach 
Kötschau aus der früheren Zeit des Meisters und ist um 1530 entstanden. Vergl. 
K. Lange im Staatsanzeiger für Württemberg 1906 No. 87. 

82b Johannes der Täufer in Landschaft, nach rechts. 
Bb. Goldgrund. Rückseite des vorigen. 

Wie oben. Goldgrund teilweise ausgebessert. 

Meister von Messkirch, seine Art 

83 Johannes der Täufer, Brustbild nach r.. aus 
Bb. einer grösseren Komposition herausgeschnitten, von 

der man unter der Uebermalung r. noch die Umrisse 
eines nackten gebogenen Armes und einer schräg ge- 
richteten Stange sieht. Wahrscheinlich stand unser 



I. Altdeutsche Schule. 



77 



Johannes links von einem en face dargestellten Christus, 
der in der Rechten die Kreuzesfahne hielt. 

Oeltempera, Fichtenholz, 40 h., 32,8 br. Sammlung Abel 1859 No. 28: Manier des 
Tobias Stimmer (wovon nicht die Rede sein kann). Himmel, Heiligenschein und 
Landschaft (Baumstumpf), ebenso wie ein Teil des Buches modern übermalt. 

Meisler der Sammlung von Sigmaringen 

ein Ulmer Maler, der nach seinen in der fürstlich Hohenzollerschen Galerie in 
Sigmaringen befindlichen Bildern so genannt wird. Er ist in seiner Jugend von 
Schongauer, in seinem Alter von Zeitblom beeinflusst worden. Wenn er alle Bilder, die 
ihm zugeschrieben werden, gemalt hat, muss er jedenfalls einen starken Wechsel seiner 
Malweise durchgemacht haben. Doch glaube ich vorläufig, dass sich unter seinem 
Namen mehrere Künstler verstecken, wie denn auch No. 88 nicht von derselben 
Hand wie No. 84 — 87 stammt. Unser Künstler ist aus der durch Jörg Stocker (No. 29a) 
repräsentierten Stufe der Ulmer Malerei herausgewachsen und gehörte vielleicht zu 
dessen Familie. Einige der ihm zugeschriebenen Bilder könnten auch Jugendwerke 
B. Strigels sein. Jedenfalls bedarf die ganze Frage noch der Klärung. 

Maria und Magdalena nach r. stehend, halb- 
lebensgross. Illustration. Damaszierter Goldgrund. 
Gegenstück zum folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 11b h., 47,4 br. Mitten ein senkrechter retouchierter Riss. 
Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 57: Manier Schongauers, Waagen und Passa- 
vant: Zeitblom. Dieses und das folgende Bild stammen aus dem Kloster Roggenburg 
bei Ulm. Abel hatte sie von dem Domherrn v. Vanotti, an den sie durch den letzten 
Abt des Klosters gekommen waren. Sie bildeten die Innenseiten zweier Altarflügel, 
deren (plastisches?) Mittelstück wahrscheinlich eine Kreuzigung war, worauf die 
Auswahl der Heiligen (Helena) und der schmerzliche Ausdruck ihrer Gesichter hin- 
weist. Auf ihrer Rückseite befanden sich nach Grüneisen und Mauch (Ulms Kunst- 
leben im Mittelalter S. 51) Darstellungen aus der Passion Christi mit starker Be- 
wegung und fratzenhaftem Ausdruck. Diese wurden bei der Restauration mit neuen 
Holzbrettern zugedeckt. Waagen, Passavant u. a. schrieben die Bilder, die mit 
ähnlichen in Augsburg, München und Sigmaringen übereinstimmen, irrtümlicherweise 
dem Zeitblom zu. Dass sie aus Ulm stammen, beweist abgesehen von ihrer Her- 
kunft auch das Wort VLM auf dem Gewandsaum des Johannes in No. 85. 

Johannes der Evangelist und die heilige He- 
lena mit dem Kreuz, nach 1. stehend, halblebens- 
gross. Illustration. Gemusterter Goldgrund. Gegen- 
stück zum vorigen. 

Oeltempera, Fichtenholz, 1 16 h., 47,2 br. In der Mitte ein senkrechter retouchierter 
Riss. 1903 ausgebessert. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 58: Manier von 
Martin Schön. Diese Bezeichnung hat hier insofern einen besonderen Sinn, als der 
Johannes eine fast genaue Kopie nach dem Stich von Schongauer B. 25 ist. 

Der Apostel Jakobus der Aeltere. Dreiviertel- 
lebensgross, nach 1. schreitend, vor goldenem damas- 
ziertem Vorhang. Zum folgenden gehörig. 



78 



I. Altdeutsche Schule. 



Oeltempera, Fichtenholz, 135 h., 43,4 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 60: Ulmer Schule. Heiligenschein mit der Inschrift: SANCTUS JACOBUS ORA 
PRO NOB(is) modern, ebenso der blaue Hintergrund und alle Vergoldungen. 

87 Der Apostel Paulus, dreiviertellebensgross, 
Ad. stehend, vor goldenem damasziertem Vorhang. Zum 

vorigen gehörig. 

Oeltempera, Fichtenholz, 135 h., 43,2 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 61 : Ulmer Schule. Ergänzungen wie No. 86. Gesicht ausserdem stark über- 
malt. 1903 ausgebessert. 

Meister von Sigmaringen, seine'Art 

88 Maria, Brustbild, halblebensgross, nach links. 

Aa. Kopf geneigt, Hände über der Brust gekreuzt, wahr- 
scheinlich Ausschnitt aus einer Verkündigung. Im 
goldenen Heiligenschein die Inschrift: (Btte rompleta 
|unt omnia quaß Tcripla be mrgtitB maria. 

Oeltempera, Fichtenholz, 43,3 h., 31 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 12: Unbekannt. Die Bestimmung geht auf Scheibler und Eisenmann zurück. 
Das Bild stimmt in der Tat mit den Sigmaringer Bildern überein, ist aber gewiss 
nicht von derselben Hand wie No. 84 — 87, auch künstlerisch schwächer. 

Deutsch, Anfang des 15. Jahrhunderts 

89 Christus erscheint der Maria Magdalena im 
Bd. Garten. Goldgrund. 

Tempera, Eichenholz, 67 h., 79 br. 1902 aus der Altertumssammlung leihweise 
überwiesen, die es 1869 vom Maler Reichhardt in München erworben hatte. In der 
vorigen Auflage: Oberdeutsch. Doch erweckt das Eichenholz Zweifel an dieser Be- 
stimmung. Leider hat man seiner Zeit keine Erkundigungen über die Herkunft ein- 
gezogen. 

Schwäbisch von 1530 (vielleicht Schaffner?) 

90 Die heilige Sippe mit zwei adligen Stifte- 
Bd. rinnen. Maria, Anna und das Jesuskind, dabei die 

Familien der Verwandtschaft, die Kinder durch ihre 
Attribute (Adler, Pilgerstab, Spruchband, Säge, Keule 
und Walkerbaum) als Johannes, Jakobus d. Aelt., Jo- 
seph, Simon, Judas und Jakobus d. Jüng. charakterisiert. 
Auf dem Spruchband r. vom Jesuskinde: 31m roeib mit bcr 
JonrtBn bßklatbt/ bBr mrm (Mond) unbßrtrEnfüflen. Mnt uff/ (bcm) 
^aupt am Mton von 12 Jörnen. Mpot. 12. Sn ratrt |i>ufttufrfren 



I. Altdeutsche Schule. 



79 



bßin hmtpt mtb bu / tüirjl tyetmltrfj ttßib fragen trBtn fufirtft / 
©BTtB(sis) 3. L. neben der Erdkugel, auf die Jesus tritt: 
3tt IjtmmBl tjl mBtn Hui / unnb biß Brb ijl bßr / Jcfjßmßl meinBr 
f/üfe. ©Jafta) 60. Ueber Grott Vater: Wtfzt ipE mBtn gß- 
ItBbfBr Tun. in bßm idj ain rooIgBfaUßn frab. rnat. 3. Auf dem 
Spruchband des Engels neben Maria: Jlrjß graria plana 
bnminua fBrnm. Auf dem des Johannes 1. in der Sippen- 
gruppe: Bas tüorf iji flaifdj rocrbEit Wnnb btß/roßtf ift bürg 
baJTelb gsmatfif / Hnnb biß tußlt numtf b» nttftt. 3lülran. Unten 
kniet eine betende Klosterfrau, hinter der sich das 
hohenzollernsche Wappen befindet, (nach Bach) Rosine 
von Zollern-Nellenburg, Tochter Franz Wolfgangs von 
Zollern. Ihr gegenüber eine vornehme Fraa in welt- 
licher Tracht mit den Wappen der Familien vom Stain 
und von Schwabsberg. Zwischen beiden das „Wappen 
Christi" mit den Spruchbändern: iBibffu fdjiffbrudj in 
l'ünbß« ntBBr / BßnJIanb unb tropf von ©oft bßgßr. Und : Jk\% 
birfj iBrt bBg ^Brrßn roapßn gut / in banmbßrkaif aljßit er- 
tnanBn tljnt. In der Wölbung der Halle das Datum 1530. 

Tempera, Leinwand (neu unterleg!), 75,9 h., 65,5 br. Durch Oelfirnis verdorben. 
Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 26: Manier von M. Schaffner. Bayers- 
dorfer und Weizsäcker : Echter Schaffner. Früher irrtümlich als „Einkleidung zweier 
Klosterfrauen" bezeichnet. Mone (Die bild. Künste im Qrossherzogt. Baden I 24) 
sieht hier die Einkleidung einer Hohenzollerin und einer Pflumerin von Ueberlingen (?) 
im Kloster Wald. 

Oberdeutsch um 1550 

Weibliches Bildnis. Halbfigur einer etwa 91 
45jährigen Frau in Pelz und weisser Haube. Oben" Cd. 
rechts eine (moderne?) Signatur HB. 

Oel, Lindenholz, hinten mit Eichenholz belegt, 69,5 h., 56,6 br. Sammlung Abel 
1859 No. 70: Augsburger Schule? 1901 restauriert. War vorher in sehr schad- 
haftem Zustande, hat die Lasuren verloren. 

Oberdeutsch von 1567 

Bildnis einer 62jährigen Frau, Halbfigur, in" 92 
weisser Haube und Pelzmantel. R. oben : Aetatis Ulm. ] 
suae LXII. Anno domini MDLXVTI. 

Oel, Fichtenholz, 86 h., 68 br. Sammlung Abel 1859 No. 6: Ulmer Schule. 



80 



I. Altdeutsche Schule. 



Oberschwäbisch, angeblich von 1500 

93 Weibliches Bildnis, angeblich eine Ungelt erin 
Bc. (oder Umgelterin) aus Ulm. Brustbild halblinks, halb- 

lebensgross, mit reich verzierter Haube und sog. 
„Perlenärmel". Zinnoberroter Hintergrund. 

Oeltempera, Lindenholz, 39 h., 30,5 br., r. ein senkrechter Riss. 1902 aus der 
Altertumssammlung, die es 1880 vom Oberrevisor Lang in Ulm erworben hatte. 
Dieser, der das Bild irrtümlicherweise dem Schaffher zuschrieb, gab beim Verkauf 
an, dass es von einem Verwandten der Welserschen Familie stamme und das 
Gegenstück eines (später im Besitz des Postinspektors Breisch in Stuttgart befind- 
lichen) männlichen Bildnisses gewesen sei, auf dessen Rückseite sich die Jahreszahl 
1500 und das Welsersche und Ungeltersche Wappen befunden habe. Das übrigens 
unbedeutende Bild hat (bis auf die Farbe) am meisten Verwandtschaft mit denen 
des Meisters C W von 1516 (No. 78). 

Prager Schule von 1385 

94 Das Mühlhäuser Altarwerk. Zwei Illustra- 
A. tionen. Mittelstück und vier Flügel, zwei feste und 

zwei bewegliche. Alle Stücke beiderseits bemalt. 
Im ganzen 10 Bilder. Mittelbild: der heilige Wenzel,, 
stehend, lebensgross, auf Goldgrund, zu seinen Füssen 
a. roBTUjEjTauB. Auf den Innenseiten der beweglichen 
Flügel 1. der heilige Veit, überlebensgross, stehend, 
zu seinen Füssen das Wappen des Stifters Reinhard 
von Mühlhausen (drei Mühlnauen) und a. oifrta, r. der 
heilige Sigismund, lebensgross, stehend, zu seinen Füssen 
eine Helmzier (Reiher mit Fisch im Schnabel) und 
a. aigiatmmii. Beide auf Goldgrund. Auf den Aussen- 
seiten der beweglichen Flügel, je auf beide Flügel 
verteilt, unten die Verkündigung, oben die Krönung 
der Maria, 1 / 3 Lebensgrösse, auf zinnoberrotem Grunde. 
In ihrem aufgeschlagenen Buche: J^bcb (soll heissen 
bieb) anrilla bomtni Jtat mirfji fBruntum UBrbum fuum. Auf 
den beiden festen Flügeln 1. Christus als Schmerzens- 
mann in ganzer Figur stehend, darunter der Stifter 
Reinhart, ein etwa 50j ähriger Mann, knieend mit 
beigeschriebenem Namen und einem Spruchband : 
tftriptB ftli nbt bsi imJmrE mtx. R. der Gekreuzigte mit 
Maria und Johannes. Auf der Rückseite in der Mitte 



I. Altdeutsche Schule. 



81 



noch einmal die Kreuzigung, 1. ein zweites Mal der 
Stifter mit Spruchband: MifBrnB mei bßu« fenmbum 
magnam mifErinirbiam tmnx. Darüber die Weihinschrift 
der Kapelle und des Altarbildes: $o man rjalf von 
reißt gBburt mrriXxxxu (1385; iar am Jant njEnr-Bfelaua tag 
mart ötflB fafßl uölbrarfjt uun bBtn CSirbam Bßtnfrart von 
mmijuftn burgBr fu }3rag piffsr bifl*(Er) kappEl unb aller anbir 
ir ?ug£prb. BiffBnt gut ba? Er im gnBbtg Ten amBir. Zu 
seinen Füssen das Wappen. R. sein verstorbener 
Bruder Eberhard im Leichenhemde knieend mit 
darüber geschriebenem Namen und Spruchband mit 
der Fortsetzung des obigen Gebetes : (Ei Jßnmbum muüt- 
tubinrm mifEratimmm tuarum bslB iniquitatsm mBam. Dar- 
über : oo man rjalf uon rrnjij gEburf fufenb brn hunbgrf unb 
adjrng iar an bsm frifag oox fanf gnlbn tag (S. Egidientag) Jtarb 
CgbErhart von MuIhufEn burgBr rfu J^rag Itennharfe; BrubEr 
Himers bifjBr RapuBÜ. Bitfenb ®ot oov in. Auf dem Rahmen, 
der zum grossen Teil alt ist, 24 Wappen, die zwar 
später übermalt wurden, aber von Anfang an da- 
gewesen zu sein scheinen: Sechsmal Württemberg 
(Hirschhörner), viermal Böhmen (Löwe), zweimal Prag 
(Stadttor), zweimal Mühlhausen, fünfmal Schlesien 
(Adler, nicht mit dem deutschen zu verwechseln), 
einmal Pfirt_ (Fische, nicht mit Mömpelgard zu ver- 
wechseln), einmal Bayern (Rauten, nicht mit Teck 
zu verwechseln), einmal Henneberg (Henne), einmal 
Mailand (Schlange), und einmal Helfenstein (Elefant). 

Oeltempera, Fichtenholz, mit eichenen Einschubleisten. Darüber Leinwand und 
Kreidegrund. Die Rückseite mit Leimfarben auf dünnem Kreidegrund gemalt und 
deshalb sehr verdorben. Das Ganze, einschliesslich Rahmen 233,5 cm im Quadrat 
der Kähmen 7,5 cm breit. Das Mittelbild, das einen besonderen Rahmen hat, 188 h 
87 br. (ohne Rahmen), die festen Seitenflügel 204 h., 51 br. (ohne Rahmen) die 
beweglichen, die keinen Rahmen haben, ebenso gross. Wahrscheinlich eine Kombi- 
nation von Eitempera und Oelmalerei, wobei die letztere der Uebermalung vor- 
behalten blieb und nur an einigen Stellen angewendet wurde. Ein Wachsüberzug 
hat sich nicht nachweisen lassen. Der Kettenpanzer Wenzels besteht aus auf- 
geleimten Gipsstreifen, die wahrscheinlich über der Natur geformt sind. An den 
Spangen, Gürteln, Kronen, Heiligenscheinen u. s. w. ursprünglich wahrscheinlich 
Halbedelsteine oder Glasflüsse, jetzt gefärbte Nägel. Abgebildet nach Photogra- 
phien von Lill in Stuttgart bei K. Lange, das Altarwerk von Mühlhausen am Neckar 
1? • £ oni g'- Gemäldegalerie zu Stuttgart. Studien aus Kunst und Geschichte 
r-riednch Schneider zum 70. Geburtstage gewidmet 1906. Hier ist auch die ältere 
Literatur aufgezählt, wozu seitdem noch Max Bach, Schwäb. Chronik 1907 No 15 
und Pazaurek, Beilage zur Bohemia 1907 No. 3, gekommmen ist. Der Altar wurde 

6 



82 



I. Altdeutsche Schule. 



1902 von der Gemeinde Mühlhausen a. Neckar, l l j ä Stunde von Cannstatt, erworben, 
woselbst er, falsch zusammengesetzt und teilweise an die feuchte Chorwand ge- 
lehnt, in der S. Veitskirche stand, deren Hochaltar er einstmals geziert hatte. 1852 im 
Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins von Lamberti restauriert, der den 
unteren Schenkel des Rahmens ganz erneuerte und dabei die Wappen, auch einige 
Teile des Bildes übermalte. 1902 von den Uebermalungen gereinigt. Die Erhaltung 
ist bis auf einige herausgesprungene Stellen und mehrere Retouchen, besonders 
unter den Füssen der Heiligen, ganz gut. Senkrechter Riss durch das Mittelbild. 
Die goldenen Hintergründe und Heiligenscheine, nebst allem, was von Gold war, 
sind restauriert. Die Heiligenscheine waren vielleicht ursprünglich aus Silber, um 
sich auf dem goldenen Hintergrunde besser abzuheben. Deshalb sind sie auch auf 
der Rückseite, wo man sich das Silber sparen wollte, weiss. Die Inschriften sind 
zwar hie und da ausgeflickt, aber im Text nicht verändert worden. Auch die 
Wappen auf den alten Teilen des Rahmens sind, wie eine neuere Untersuchung 
wahrscheinlich gemacht hat, unter Wahrung der alten Zeichnung restauriert worden. Der 
Stil des Ornaments zwischen den Wappen weist eher auf das 15. als auf das Ende des 
14. Jahrhunderts hin. Das Bild ist nach der Weihinschrift am 28. September 1385 fertig 
geworden. Sein Stifter war Reinhart von Mühlhausen, der sich als Bürger und mehr- 
facher Hausbesitzer in Prag nachweisen lässt, während sein Bruder Eberhart als 
Vermittler zwischen Kaiser Karl IV. und den schwäbischen Reichsstädten in Geld- 
angelegenheiten tätig war. Die Wappen von Mühlhausen, Böhmen und Prag be- 
dürfen demnach keiner Erklärung. Der Deutung der übrigen stand früher die An- 
nahme, dass sie restauriert seien, entgegen, dann verhinderte der Gedanke an den 
Reichsadler, die Teckschen Rauten und die Mömpelgarder Fische die richtige 
Deutung. Pazaurek vermutete, dass sie eine Art Kundenverzeichnis des Bankhauses 
Gebrüder Reinhart und Eberhart darstellten. Erst Bach hat, wie es scheint, das 
Richtige getroffen, indem er, an eine Notiz des 17. Jahrhunderts anknüpfend, die 
Wappen der weiblichen Ahnen des Grafen Eberhard IV. von Württemberg (1417 bis 
1419) hier erkannte: Agnes von Schlesien, Sophie von Pfirt, Elisabeth von Bayern, 
Elisabeth von Henneberg, Antonia von Mailand und Katharina von Helfenstein. 
Ein Grund, diese Wappen anzubringen, lag deshalb vor, weil schon Eberhard III. 
der Milde (1392 — 1417), und wahrscheinlich auch seine Vorgänger, Eberhard II. der 
Greiner (1344-1392), und Ulrich IV. (1344—1363), das Patronat über die Veitskapelle 
hatten. Vielleicht liess Eberhard IV. die Kapelle ausmalen und bei dieser Gelegen- 
heit den Rahmen des Altarbildes neu anfertigen oder wiederherstellen. Wenigstens 
stammen ihre Wandgemälde aus den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts. Oder 
waren gar die beiden Brüder Eberhart und Reinhart Bastarde eines der württem- 
bergischen Grafen? Dass sie nach Prag auswanderten, während ein Bruder von 
ihnen als Schultheiss in Mühlhausen blieb, dass sie das Wappen eines ausge- 
storbenen Mühlhäuser Adelsgeschlechts führen durften, dass besonders Eberhart 
eine Vertrauensstellung bei Kaiser Karl IV. einnahm, eine finanzielle Vermittlerrolle 
zwischen ihm und den schwäbischen Reichsstädten spielte, würde sich damit wohl 
vertragen. Der Mühlhäuser Altar, das älteste datierte Tafelbild Schwabens (No. 95a 
trägt kein Datum), ist, seitdem Grüneisen ihn 1840 in die Kunstgeschichte eingeführt 
hat, immer für ein Werk der Prager Schule gehalten worden. Der Wohnort des 
Stifters, die Darstellung der drei böhmischen Nationalheiligen Wenzel, Veit und 
Sigismund auf demselben, gewisse technische Eigentümlichkeiten — von dem böh- 
mischen und Prager Wappen ganz abgesehen — Messen das als selbstverständlich 
erscheinen. Dazu kam die stilistische Verwandtschaft mit den Bildern des Theodorich 
von Prag in der Burg Karlstein in Böhmen. Theodorich selbst war damals schon 
tot. Aber es steht nichts entgegen, die Bilder einem Schüler von ihm, wahrschein- 
lich einem der vielen damals in Prag ansässigen deutschen Maler zuzuschreiben. 
Reber wollte eine Beziehung zu Nikolaus Wurmser aus Strassburg, der ebenso 
wie Theodorich Hofmaler Karls IV. war, vermuten. 



Schöpfer, Hans der Aeltere 



1531 — 1564 in München nachzuweisen. 



I. Altdeutsche Schule. 



8:j 



Weibliches Bildnis. Brustbild einer vornehmen 95 
Dame von 25 — 30 Jahren, dreiviertel lebensgross. ß. Bc. 
an einem Baumstamm das Monogramm Schöpfers, 
H. S. und ein Schöpflöffel. 

Oeltempera, Lindenholz, 52,7 h., 41, 5 br. 1902 als „Cranach" aus Ludwigsburg, 
wo es schon im Inventar von 1767 unter No. 1186 als Jacobina (Jacobaea) von 
Bayern, geb. Markgräfin zu Baden aufgeführt wird. Doch ist die Porträtähnlichkeit 
nicht besonders gross. Vielleicht 1738 von Leonberg nach Ludwigsburg gebracht. 
Im vorigen Katalog als „Regensburger Schule des 16. Jahrhunderts". Oben und 
unten schmale Streifen hinzugefügt, in der Stirne ein Stück eingesetzt, r. ein senk- 
rechter Riss. Vielfach Ubermalt und durch schlechten Firnis verdorben. 

Schwäbische Schule von etwa 1340. 

Maria auf dem Throne Salomos. Illustration. 95a 
Spitzbogig, da ursprünglich in das Tympanon einer Bd. 
gotischen Tür eingefügt. Maria ist umgeben von den 
Propheten und den Personifikationen ihrer Tugenden 
(oder Zustände) zur Zeit ihrer Verkündigung. Gold- 
grund. Sie sitzt, das stehende Christuskind auf ihrem 
Schosse haltend (beide Figuren oberhalb zerstört) auf 
dem Thron, der durch die Löwen und den unten wie 
in einer Nische sitzenden Salomo als derjenige Salomos 
gekennzeichnet ist. L. und r. symmetrisch auf seinen 
Stufen je vier Tugenden in gotischen Tabernakeln, 
darüber Brustbilder der Propheten. Jede Tugend hat 
eine Ueberschrift mit ihrem Namen und ein Spruch- 
band mit den Worten des Lukas-Evangeliums, die 
Veranlassung zu ihrer Darstellung gegeben haben. 
Es folgen sich von links nach rechts: 1) Virginitas. 
Virum non cugnovit. 2) Solitudo. Ingressus angelus 
ad eam. 3) Humilitas. Ecce ancilla domini. 4) Mi- 
sericordia et Veritas (dies sind die beiden der Maria 
zunächststehenden Tugenden). 5) Obviaverunt sibi 
(sind sich begegnet, nämlich Barmherzigkeit und 
Wahrheit). 6) Prudencia. Cogitabat qualis esset ista 
salutacio. 7) Verecundia. Turbata est in sermone 
eius. 8) Obediencia. Secundum verbum tuum. Von 
den Propheten ist nur einer leidlich erhalten, ein 
zweiter unterhalb zum Teil, die übrigen nur in dürf- 



84 



I. Altdeutsche Schule. 



tigen Resten. Etwas vollständiger auf dem vor der 
Restauration angefertigten Aquarell im Altertums- 
museum (nach dem die Abbildung bei Paulus, die- 
Zisterzienserabtei Bebenhausen). Auch die Inschriften 
auf den Spruchbändern der Propheten, angebliche Pro- 
phezeiungen mit Bezug auf Maria enthaltend, waren 
ursprünglich vollständiger erhalten (vergl. Paulus 
S. 121). Jetzt erkennt man nur r. : (tunc audivi 
vocem) de throno dicentem und: super capita ani- 
malium similitudo (firmamenti). Ueber die Deutung 
dieser seltsamen, besonders in Zisterzienserkreisen 
beliebten Verherrlichung der Maria vergl. zuletzt 
K. Lange im Staatsanzeiger für Württemberg 1905 
No. 165 (nach Piper). Solche Personifikationen traten 
mit den Propheten zusammen in kirchlichen Schau- 
spielen redend auf, waren also auch den Malern ge- 
läufig. 

Tempera, Kreidegrund auf Leinwand, die auf Holz aufgeleimt ist. Ein Drittel 
Eichen-, zwei Drittel Fichtenholz. 107 h., unten 195 br. 1904 aus dem Kloster 
Bebenhausen bei Tübingen der Galerie gegen eine von den Malern Haaga und 
Seemann angefertigte Kopie überwiesen. Befand sich ursprünglich in dem inneren 
Tympanon des 1335 unter Abt Konrad von Lustnau gebauten Sommerrefektoriums, 
wodurch eine ungefähre Datierung ermöglicht wird, welche beweist, dass das Bild 
das älteste in Württemberg erhaltene Tafelbild des Mittelalters ist. Das 
Bild ist schon 1859 durch den Maler Loosen restauriert worden, wobei der obere Teil 
mit den Oberkörpern von Maria und Christus nebst grossen Teilen der Propheten, 
die zerstört waren, durch Kreidegrund ersetzt und die Goldgründe erneuert 
wurden. Doch ist das alte Gold noch an vielen Stellen erhalten. Glücklicherweise 
sind die Figuren (und Tiere) nicht übermalt, sondern nur hie und da retouchiert 
worden. Die Inschriften sind zum Teil nachgezogen. 1904 war das Gemälde wieder 
(infolge der Feuchtigkeit der Wand) in einen sehr schlechten Zustand geraten, viele 
Teile der Farbschicht bröckelten ab und waren zum Teil schon zerstört. So er- 
schien die Ueberbringung in ein Museum als einzige Rettung. Die damals vor- 
genommene Restauration beschränkte sich auf Festlegung der aufgesprungenen 
Farbteile und Ausfüllung der Lücken. Der rote und goldene Rand wurde nach vor- 
handenen alten Resten ergänzt. Ob das Bild in Bebenhausen selbst oder in einem 
befreundeten Zisterzienserkloster, etwa Salem ausgeführt ist, lässt sich nicht mehr 
sagen. Der Stil ist auch am Bodensee heimisch, doch nicht individuell genug, um 
eine Lokalisierung zu rechtfertigen. Ueber die Technik bestehen noch immer 
Zweifel. Leibnitz (bei Paulus S. 116) sagt darüber: „Auf einem Kreidegrunde von 
durchaus magerer Beschaffenheit sind zuerst mit einem scharfen Instrument die 
äusseren Umrisse sämtlicher Figuren aufgezeichnet, sowie die Hauptlinien der 
Architektur und die Grenzen für alle Goldgrundflächen umrissen. Ebenso sind 
letztere mit punktierten Ranken damasziert und dann vergoldet. Erst nach diesen 
Vorarbeiten wurden die Malereien unternommen. Sie sind mit fein geriebenen sehr 
dünnflüssigen Farben ausgeführt, die der magere Kreidegrund leicht einsaugte und 
mit ihrem Fundament aufs innigste verband. Die Wirkung der Farben ist daher 
hell und leuchtend, ihre Verbindung zart verschwommen, ihr Auftrag sehr gleich- 
mässig und ohne alle pastose Unebenheiten. Das äussere Ansehen des Bildes 
entsprach demgemäss auch ganz dem Charakter einer Wassermalerei oder eines 



I. Altdeutsche Schule. 



85 



Temperabildes, d. h. seine Oberfläche war malt und ohne Glanz und die Farben 
gewannen erst durch den feuchten Schwamm Lebendigkeit und Kraft. Dabei er- 
wies sich aber das Bindemittel der Farben im Wasser durchaus nicht löslich und 
widerstand selbst dem Alkohol ziemlich lange. Unter diesen Umständen musste es 
von Interesse sein, die Zusammensetzung dieser Farben chemisch zu ergründen. 
Reste eines früheren Firnisses kamen dabei nicht zum Vorschein und die Unter- 
suchung ergab keinerlei Harz. Dagegen haben wiederholte, sehr sorgfältig an- 
gestellte Analysen das eigentliche Bindemittel der Farben vollkommen sicher dar- 
gestellt und unzweifelhaft als Fett, d. h. als Oel erwiesen." Leibnitz sieht deshalb 
in diesem Bilde einen neuen Beweis dafür, dass die Oelmalerei schon lange vor den 
Gebrüdern van Eyck im Gebrauch war. Reber (Sitzungsberichte d. philos., philo!, 
und der histor. Klasse der k. bayr. Akad. d. Wiss. 1894 S. 356) bemerkt dazu mit 
Recht: „Da durch nachträgliche Befeuchtung eines Gemäldes mit Oel, womit ver- 
trocknete und taubgewordene Tempera- wie Wasserfarbenbilder wohl öfter konser- 
viert und wieder farbenfrisch gemacht worden sind, die an sich nicht einfache 
Unterscheidung von Tempera- und Oelmalerei an Werken der Frühzeit sehr schwierig 
gemacht ist, dürfte diese Notiz mit grosser Vorsicht aufzunehmen sein." Ich schickte 
deshalb Farbteile mit Kreidegrund, von denen ich bestimmt wusste, dass sie keine 
Uebermalung erfahren hatten, an Prof. Ostwald in Leipzig mit der Bitte, sie nach 
der von ihm ausgebildeten „ikonoskopischen" Methode chemisch zu untersuchen. 
Er konnte — allerdings nur vorläufig ■ — feststellen, dass der weisse Malgrund aus 
zwei Schichten besteht, deren untere Gips mit wenig Bindemittel, die obere Kreide 
mit viel Bindemittel, und zwar Temperabindemittel (einem Gemisch von Firnis oder 
Leim mit festgewordenem Oel) ist. Ueber das Bindemittel der in sehr dünner 
Schicht aufgetragenen Farben Hess sich nichts ermitteln, doch meint Prof. Ost- 
wald, ihre dünne Beschaffenheit spreche mit ziemlicher Bestimmtheit gegen Oel- 
farbe. Hiermit würde sich meines Erachtens sowohl die Beschaffenheit der Malerei, 
die entschieden auf Tempera hinweist, als auch der Umstand, dass Leibnitz (oder 
sein chemischer Gewährsmann) bei der Analyse Oel gefunden hat, befriedigend 
erklären. 

Schwäbische Schule von 1442 

Der Evangelist Marcus, sitzend und schreibend, 
über ihm ^.'Damts, was auch auf dem Spruchband 
des Löwen steht. Gegenstück zum folgenden. 

Tempera, Eichenholz, 58,5 h., 55,7 br. Am Buch ein Stück eingesetzt. Dieses 
und das folgende Bild 1864 aus dem Kloster Maulbronn in die Altertumssammlung 
gekommen, 1902 von dieser der Gemäldegalerie leihweise überwiesen. Sie be- 
fanden sich früher mit mindestens drei ähnlichen Bildern in einem gemeinsamen 
Rahmen, auf dem die Jahreszahl 1442 gestanden haben soll. Er wurde, da er sehr 
schadhaft war, zerstört. Die Jahreszahl stimmt zu dem Stil der Bilder, die schwä- 
chere Beispiele derselben Richtung sind, welcher der Magdalenen-Altar des Lucas 
Moser von Weil in Tiefenbronn vom Jahre 1431 angehört. 

Der heilige Stephanus, stehend, mit päpstlicher 
Tiara, 1. S\ StEpIjanus. Gegenstück zum vorigen. 

Tempera, Eichenholz, 58,5 h., 55,7 br. Hintergrund stark retouchiert. 

Schwäbische Schule, zweite Hälfte des 15. Jahr- 
hunderts 

Flucht nach Aegypten, nach dem Kupferstich 
Schongauers, Bartsch 7. 



86 



I. Altdeutsche Schule. 



Tempera, Erlenholz, 69,5 h., 41 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 11: 
Unbekannt. Sehr gut erhalten. 

99 Vorbereitung zur Kreuzigung. Auf der Rück- 
Aa. seite die Fusswaschung und Dornenkrönung. 

Tempera, Leinwand auf Holz, 125,5 h., 57 br. 1902 vom Hofantiquar Duss in 
Stuttgart erworben. Der Stil weist auf die Nördlinger Schule und erinnert etwas 
an Herlin. 

100 Brustbild eines bärtigen Mannes. Ausschnitt 
Aa. aus einer grösseren Komposition, die vielleicht die 

Zurückweisung von Joachims Opfer darstellte. L. 
unten ein Stück des Altars. Auf der Rückseite 
Spuren von Malerei, Bischof und Landschaft. 

Oeltempera, Fichtenholz, 42,2 h., 28 br. Sammlung Abel 1859 No. 10: Ravens- 
burger Schule. Wahrscheinlich rührt diese Bezeichnung daher, dass Abel das Bild 
aus Ravensburg (Sammlung Herrich? Vergl. No. 44) hatte. Der Maler steht dem 
Meister von Sigmaringen (No. 84) nicht fern. 



101 S. Georgs Auszug zum Kampf mit dem Drachen, 
Ad. 1. die weinende Königstocher und der Widder, der 

mit ihr zusammen dem Ungetüm geopfert werden soll. 
Goldgrund. Am Halssaum des Gewandes der Königs- 
tochter die verdächtige, zum mindesten retouchierte 
Inschrift: MEMENTO SALUTIS AUCTOR und ein Schnörkel, 
den man früher G. VOS las und als Künstlernamen 
fasste. Vorderseite des folgenden. 

Oeltempera, Fichtenholz, 173 h., 127 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 67: C. Vos, wozu eine alte Bleistiftnotiz zwei Fragezeichen macht. Aus der 
Gegend von Kirchheim ujTeck 1854 in den Besitz Abels gekommen, der den Altarfliige! 
auseinandersägen liess. Heiligenscheine und Goldgrund erneuert, auch sonst an 
vielen Stellen retouchiert, aber die Zeichnung im allgemeinen erhalten. Dass es 
einen Dimer Maler C. Vos nie gegeben hat, liegt auf der Hand. Der Künstler ge- 
hört der Nachfolge des Jörg Stocker an. In der Farbe erinnern die Bilder an den 
Meister C W von 1516, doch sind sie altertümlicher. Kunstblatt 1854 S. 358. 

102 S. Georgs Bekenntnis als Christ vor den 
Ad. Kaisern Diocletian und Maximian, durch deren Christen- 
verfolgung er bekehrt wurde. Im Hintergrund wahr- 
scheinlich Dacian. Der betende Jüngling zwischen 
Georg und den Kaisern vielleicht ein Selbstbildnis 
des Malers. Rückseite des vorigen, kein Goldgrund. 

Oeltempera, Fichtenholz, 174,5 h., 126 br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 
No. 68. Beide Bilder abgebildet bei Förster, Denkm. II. Erhaltung wie oben. 



I. Altdeutsche Schule. 



87 



Ulmer Schule um 1450—1460 

Drei männliche Heilige, lebensgross, stehend, 104 
halblinks- Ein König (Lucius von Britannien oder Ad. 
Heinrich II?), der Einsiedler Paulus mit dem 
Raben, der ihm das Brot bringt (nach anderen Elias 
oder Meinrad) und Veit mit Palmzweig und Kessel. 
Grossgemusterter Goldgrund. Auf der Rückseite be- 
fand sich ein jetzt zerstörtes Gemälde. 

Tempera, Fichtenholz, 183,5 h, 113,8 br. Sammlung Abel No. 66: Ulmer Schule, 
Jakob Acker? Dieser Name, der auf die Bestimmung einiger Ulmer Gelehrten zurück- 
zugehen scheint, ist nicht aufrecht zu erhalten. Zwar kommt Jakob Acker (nach 
Mitteilungen des Ulmer Stadtarchivars Prof. Müller) 1461 ,62, 1466 und 1471 /72 in 
den jahresrechnungen des Pfarrkirchen-Baupflegeamts vor und Grüneisen und Mauch 
(Ulms Kunstleben im Mittelalter S. 41) setzen die beiden Hans und Peter Acker in 
die Jahre 143C — 1460, während sie Jakob Acker noch 1473 und 1483 tätig sein 
lassen. Zeitlich wäre also die Zurückführung wohl möglich. Aber von Ackers Stil 
wissen wir sehr wenig. Das einzige bezeichnete Werk seiner Hand, der Altar 
der S. Leonhardskapelle zu Risstissen, OA. Ehingen, von 1483, ist bis auf die 
Rückseite der Predella völlig übermalt, also stilistisch nicht zu beurteilen. Uebrigens 
sind schon die Proportionen der Figuren ganz andere als auf unserem Bilde. Auch der 
einzige nicht übermalte Teil des Altars, die Rückseite der Predella hat mit unserem 
Bilde nichts zu tun. Er steht vielmehr im Stil dem Multscher nahe. 



Krönung der M aria mit acht Engeln, halblebens- 105 
gross auf gemustertem Goldgrunde. Oberer Abschluss Ab. 
ursprünglich spitzbogig. 

Tempera, Fichtenholz, 137 h., 70,8br. Phot. Hoefle. Sammlung Abel 1859 No. 25: Ulmer 
Schule. Früher Grünewald ! Das Bild steht Multscher nahe, ist aber wahrscheinlich 
von einem älteren Zeitgenossen desselben. 



Slocker, Jörg (s. oben No. 29a) 

Die heilige Margaretha. Brustbild en face, 106 
mit Krone, Kreuz und einem Buch. Grossgemusterter Aa. 
Goldgrund 

Oeltempera, Fichtenholz, 58,5 h., 49,5 br. Sammlung Abel 1859 No. 15: Ulmer Schule. 
Beigeschrieben: Schule von Zeitblom. Ein Vergleicn besonders mit den Knorringer 
Bildern im Augsburger Dom lässt über die Autorschaft keinen Zweifel. Das Bild ist 
unserem jüngsten Gericht in der technischen Durchführung überlegen. Im Besitz 
des Oberpräzeptors Hofmann in Gaildorf befindet sich der Briefwechsel Mauchs 
und Abels betreffend die Erwerbung und Restauration des aus dem Wengenkloster 
in Ulm stammenden Zeitblomschen Altars, zu dem auch No. 46 gehörte. Danach 
befand sich auf der Rückseite dieses Bildes der Kopf einer heiligen „Helena". Eine 
Untersuchung dieser Rückseite hat ergeben, dass das eben unsere Heilige war. 
Sie nahm einen Teil der unteren Hälfte des Bildes ein und gehörte zu einer Gruppe 
von zwei stehenden weiblichen Heiligen, über der sich ein Ornament in Gestalt 
eines flachen Kielbogens befand. Das Vorhandensein einer Stockerschen Figur auf 



88 



II. Altniederländische Schule. 



der Rückseite eines Zeitblomschen Altarflügels beweist die persönliche Beziehung; 
beider Künstler zueinander. Der Körper der Heiligen mit dem Drachen, durch den 
ihre Deutung als Margaretha bewiesen wird, befindet sich auf der Rückseite des 
zum Wengenaltar gehörigen Bildes No. 44 (Hostienwunder) der Karlsruher Kunst- 
halle. Vgl. K. Lange, Schwäbische Chronik 10. April 1907 No. 165. 



Ulmer Schule um 1500 

Pfingstfest. Herabkunft des heiligen Geistes. 
Obere Endigung geschweift (ursprünglich wohl anders). 

Oeltempera, Fichtenholz, 58,5 h., 49,5 br. Sammlung Abel 1859 No. 27: Ulmer 
Schule. Das Bild ist einerseits den Nummern 72 und 73, andererseits dem B Strieel 
verwandt. 



II. Altniederländische Schule. 



Aertsen, Pieter, Nachfolger des 

P. A., genannt de Lange Peer (der lange Peter), geb. wahrscheinlich 1508 in Amsterdam, 
war_ in seiner Jugend vermutlich in Italien, besonders Rom und Venedig. Wurde 
1535 in die S. Lukas-Gilde von Antwerpen aufgenommen, 1542 Bürger daselbst 
kehrte aber schon vor 1557 wieder nach Amsterdam zurück, wo er 1575 starb. Er 
war der führende Meister des holländischen Bauernbildes und Stillebens, einer der 
ersten Vertreter jener später so beliebten Stilleben- (z. B. Küchen-)Malerei, bei der 
das religiöse Sujet blosser Vorwand ist. 

Christus bei Maria und Martha, Küchenstück 
mit biblischen Figuren. 

Oel, Kupfer, 49 h., 73 br. 1902 aus Ludwigburg. Vielleicht schon 1675 in herzog- 
lichem Besitze. Dürfte von einem vlämischen Nachfolger des Pieter Aertsen oder 
seines Neffen Joachim Beuckelaer stammen, der sich durch Bilder wie des ersteren 
Maria und Martha im Brüsseler Museum von 1559 anregen Hess. 

Goltzius, Hendrik, Kopie nach 

berühmter holländischer Kupferstecher, geb. 1558 in Mühlbrecht bei Venlo, gest 
1616 in Haarlem. 1576 Schüler des Dirck Volckertsz Coornhert in Haarlem. Be- 
suchte Deutschland und Italien. Seit 1592 auch als Maler nachzuweisen. 



Geburt Christi, Halbfiguren, r. hinten die Ver- 
kündigung an die Hirten. 



II. Altniederländische Schule. 



89 



Oel, Kupfer, 24 h., 18 br. 1843 aus Ludvvigsburg. Wahrscheinlich niederländische 
Kopie des Stiches von J. Matham nach Goltzius von 1615, B. 21, der genau damit 
übereinstimmt. Bredius: Uttewael? 



Mabuse, Jan Gossaert, genannt Mabuse 

geb. um 1470 zu Maubeuge im Hennegau (daher Malbodius, Mabuse), gest. 1533 34 
zu Antwerpen. Seit 1503 in Antwerpen. Zuerst unter dem Einfluss des G. David 
und Q. Massys, dann 1508—1514 in Italien unter dem Einfluss Raffaels und 
Michelangelos ausgebildet, einer der ersten Niederländer, die ihre heimische Eigen- 
art zu Gunsten des welschen Kunstideals teilweise aufgaben. Wirkte später in ver- 
schiedenen niederländischen Städten und im Dienste verschiedener Fürsten. 



Männliches Bildnis. Illustration. Brustbild eines 1 10 
etwa 25jährigen Mannes in Schwarz, dreiviertel Ga - 
lebensgross. Grüner Hintergrund. 

Oel, Eichenholz, 44,3 h.. 31,4 br. Hie und da retouchiert. Phot. Hoefle. Samm- 
lung Abel 1859 No. 23: Holbein d. J. (beigeschrieben : aus seiner früheren Zeit). 
Früher für das Bildnis des Reformators Zwingli gehalten. Die richtige Bestimmung 
von Eisenmann. Frimmel: Richtung des Orley. 



Memling, Hans 

wahrscheinlich ein geborener Deutscher, aus dem Dorfe Mömlingen bei Aschaffen- 
burg (im Gebiete der ehemaligen Diöcese von Mainz), geb. um 1440, gest. 1494 in 
Brügge, wo er schon 1466 (?) nachzuweisen ist. Schüler des Roger van der Weyden 
in Brüssel oder des Dirk Bouts in Löwen, dadurch und durch seinen Aufenthalt in 
Brügge ganz der niederländischen Schule angehörig. 

Bathseba im Bade. Illustration. Zwei lebens- 111 
grosse Figuren, die nackte Bathseba, die aus dem Cb. 
Bade (nicht Bette) steigt, und die Magd, die ihr das 
Hemd überstreift. L. oben David auf dem Dache 
seines Palastes. Auf der Rückseite ein schlechtes 
Bild des 17. Jahrhunderts, Eva beim Sündenfall. 

Oeltempera, Eichenholz, 191,5 h., 84,6 br. Phot. Hoefle. Spemanns Museum VII 
S. 67. 1843 aus Ludwigsburg als Cranach. Sammlung Gotter 1736: Holbein oder 
Lukas van Leyden. Inventar von 1767 No. 753: „Zwei sehr schöne Stücke, auf deren 
einem Adam und Eva im Paradies, das andere stellet vor Bathsebam." Eine 
Tafel mit Adam und Eva ist weder in Stuttgart noch in Ludwigsburg vorhanden. Da 
dieselbe an anderer Stelle dem Cranach zugeschrieben wird und ihre Masse von denen 
unserer Bathseba abweichen, kann sie nicht ihr Gegenstück gewesen sein. Die 
Akten über dieses merkwürdige Bild sind noch immer nicht geschlossen. Waagen, der 
es ursprünglich (Kunstwerke und Künstler in Deutschland) dem Roger van der 
Weyden gegeben hatte, zweifelte später (Handbuch der Gesch. d. Malerei I 119) 
nicht an Memlings Urheberschaft, obwohl ihm die Bathseba als einzige nackte Figur 
Memlings in Lebensgrösse sehr merkwürdig erschien. Gegen dieses Urteil, dem 
sich auch Eisenmann, Scheibler und Bayersdorfer anschlössen, hat sich zuerst 
Lübke (Zeitschr. f. bild. K. III 230 und Kuglers Kunstgeschichte 2. Aufl. II 457) ge- 
wendet, der, in Uebereinstimmung mit Mündler, Quinten Massys (um 1460 1530 



90 



II. Altniederländische Schule. 



in Antwerpen) als vermutlichen Urheber nannte. Ihm hat sich Max Bach (Kunst- 
chronik 1896/97 S. 417) angeschlossen, ohne aber einen unmittelbaren Vergleich mit 
einem Original von Q. Massys vornehmen zu können. Ueberhaupt konnte man das 
Bild früher bei seiner hohen Aufhängung nicht untersuchen, woraus sich auch 
manche Irrtümer in Bezug auf die Darstellung erklären. Schnaase (Gesch. d. bild. 
Künste VIII 269) meinte, die Farbenbehandlung schliesse Roger und Memling aus 
und weise auf einen Nachfolger Memlings mit einer von ihm abweichenden natura- 
listischen Tendenz. Crowe und Cavalcaselle (Gesch. d. altniederländischen Malerei 
S. 333) setzen das Bild ebenfalls später und denken an die Schule des Q. Massys. 
Dies haben Hymans und Weizsäcker aufgegriffen, indem sie (laut mündlicher Mitteilung) 
Jan Massys, den Sohn des Quinten (1509 — 1575 in Antwerpen) als Urheber ver- 
muten. Ich kann keine Aehnlichkeit zwischen unserem Bilde und den Werken dieses 
italisierenden Manieristen, dessen Malweise etwas bräunliches und schweres hat, 
erkennen. Ein Vergleich mit seinem Bilde David und Bathseba von 1562 in Com- 
piegne (das mir nicht bekannt ist) würde wahrscheinlich zeigen, dass wir es bei der 
Stuttgarter Bathseba mit einem viel archaischeren Werke echt niederländischen Cha- 
rakters zu tun haben. Ich möchte deshalb auch Voll nicht Recht geben, der (Die 
altniederländische Malerei von J. v. Eyck bis Memling S. 318) hier ein Werk aus der 
Zeit nach 1500 sieht. Dagegen scheint mir ein Hinweis von Bock (Memlingstudien 
S. 201) beachtenswert zu sein, der durch das kühle, graurötliche, etwas kreidige Kolorit 
an das aus Spanien stammende Triptychon Memlings im Antwerpener Museum erinnert 
wurde, auf dem, ebenfalls in Lebensgrösse, Christus und sechs singende Engel 
dargestellt sind. Dieses Bild wird von Wauters, Hymans, v. Tschudi, Bode und 
Scheibler für ein echtes Werk von Memling gehalten. Ist es das aber, so geht 
daraus hervor, dass Memling den lebensgrossen Massstab und das kalte Kolorit 
auch sonst bei seinen spätesten Werken zuweilen angewendet hat. In den Typen 
der Gesichter stimmen beide Bilder völlig miteinander überein. Ich kann auch 
durchaus nicht finden, dass sie für Memling etwas Fremdartiges hätten, was auf 
eine spätere Zeit hinwiese. Der grosse Massstab lässt ebenso wie bei dem Ant- 
werpener Bilde, das als Orgelverzierung diente, einen dekorativen Zweck vermuten. 
Die Geschichte von der Liebschaft Davids mit Bathseba und der Beseitigung ihres 
Gemahls Urias konnte wohl als Beispiel ungerechten Regiments in einem Rathause 
oder üerichtssaal angebracht werden. Es wäre möglich, dass David, der dem 
Urias den Brief mit dem verderblichen Befehl überreicht, auf einem Gegenstück 
dargestellt gewesen wäre. Denn die linke obere Ecke unseres Bildes mit 
einem Teil der Architektur und der Gestalt des David, der vom Dache seines Pa- 
lastes Bathseba belauscht, ist später eingesetzt, und die Malerei darauf 
stammt, wie der Augenschein lehrt, frühestens aus dem 17. Jahrhundert. Es scheint 
also, dass das Bild, nachdem es von seinem Gegenstück getrennt war, überhaupt 
nicht mehr als Bathseba erkannt werden konnte, und dass man deshalb die Hinzu- 
fügung Davids für notwendig hielt. Denn die Vermutung, dass hier eine beliebige 
badende Frau dargestellt, das Ganze also als Genrebild gedacht sei, wird schon 
durch den lebensgrossen Massstab widerlegt, obwohl Genrebilder badender Frauen, 
natürlich in kleinerem Massstab, schon von J. v. Eyck bekannt waren. Auch zeigen 
die Skulpturen des Palastes (Moses, Abraham?, vielleicht sogar der Tod des Urias), 
dass nur an eine biblische Bedeutung gedacht werden kann. Ich vermute, dass das 
Bild aus dem Besitz der Mömpelgarder Seitenlinie stammt, die es wohl direkt aus 
Burgund hatte. Vielleicht lässt sich das Gegenstück noch einmal nachweisen. 



Orley, Barend (Bernaert), van 

geb. in Brüssel, wie es scheint 1491 ,92, gest. daselbst 1542. Schüler wahrscheinlich 
seines Vaters Valentyn, zuerst an die Nachzügler der altniederländischen Malerei vom 
Schlage Gerard Davids anknüpfend, dann auf einer italienischen Reise in den Bann- 
kreis Lionardo da Vincis und besonders Raffaels geraten, seit 1515 wieder in 
Brüssel, 1520 — 27 Hofmaler der Statthalterin Margaretha, seit 1532 der Königin 
Maria von Ungarn. 



II. Altniederländische Schule. 



91 



Kreuzigung. 

Oei, Eichenholz, 94 h., 64,5 br. Oben geschweift. Phot. Hoefle. 1877 aus der 
Lettenmaierschen Sammlung erworben, früher im Besitz Abels (No. 22 in dessen 
Verzeichnis), der sie dem Mabuse zuschrieb. Die richtige Bezeichnung von Eisen- 
mann und Rieffei. Scheibler dachte mehr an den Meister der weiblichen Halbfiguren. 
Aus der früheren Zeit des Meisters, vor dem Einfluss der italienischen Kunst. L. 
von der Mitte ein senkrechter Riss. 



Spranger, Bartholomaeus, angeblich 

Bartel Sprangher, geb. 1546 in Antwerpen, gest. 1611 in Prag. Schüler des Mandijn, 
in Paris und Rom weitergebildet, 1573 in Wien in Diensten des Kaisers Maximilian II., 
dann in Prag Kammermaler Kaiser Rudolphs II., wo er mit einigen Unterbrechungen 
bis zu seinem Tode lebte. (Das bisher unbekannte Todesdatum verdanke ich Herrn 
Prof. Pazaurek in Stuttgart.) 

Amor und Psyche. Jener verlässt diese am 
Morgen. 

Oel, Mahagoniholz, 26,8 h., 37 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg als 
Spranger. So auch bisher im Katalog. Wahrscheinlich französisch aus dem 
18. Jahrhundert. 

Braunschweiger Monogrammist 

ein Niederländer aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der seinen Namen von 
einem Bilde der Braunschweiger Galerie führt, das mit einem aus den Buchstaben 
S I A M V bestehenden Monogramm gezeichnet ist. Eisenmann, Bode u. a. wollen ihn 
mit Jan Sanders gen. Hemessen (um 1504 bis 1555/56 in Antwerpen) identifizieren, was 
Bayersdorfer, Hofstede de Groot, Weizsäcker u. a., wie ich glaube, mit Recht be- 
streiten. Seine Schilderungen aus dem Dirnen- und Soldatenleben gehören zu den 
ersten reinen Sittenbildern der niederländischen Kunst. Selbst seine biblischen Dar- 
stellungen sind verkappte Sittenbilder. Auch in der Landschaft ist er, wie unser 
Bild zeigt, einer der ersten Meister seiner Zeit. 

Einzug Christi in Jerusalem. L. unten undeut- 
liche Reste des Monogramms (?). 

Oel, Eichenholz, 83,3 h., 102,5 br. Phot. Hoefle. Klass. Bilderschatz XI, 1461, 
Bode, Stud. z. Gesch. d. holl. Mal. S. 10. 1849 aus Ludwigsburg als Breughel. 
Früher im Besitz des Kurfürsten Maximilian von Bayern, wie aus einer Inschrift 
auf der Rückseite (MAX DUX BAVARIAE An 1613) hervorgeht. Inventar von 1767 
No. 1 (Roederische Malereien): „Ein extra schönes und fleissiges Stuck, besser als 
Sammetbrügel, ist schon nach dem darauf befindlichen Zeichen Anno 1613 in dem 
Chur Bayerischen Cabinet gewesen und in dem letzten Krieg erbeutet worden, und 
wollen grosse Kenner den Aldegrafe (Aldegrever) davon zum Meister machen, wor- 
nach Brügel studieret." Die richtige Benennung von Scheibler. Im Kabinett des 
Kurfürsten Max I. galt das Bild sicher als Aldegrever. Wir wissen aus einem Briefe 
von ihm im bayrischen Reichsarchiv, dass er sich eifrig um einen Aldegrever be- 
müht hat. Der Name ist als der früheste Versuch einer Taufe eines Bildes dieses 
Meisters von Interesse. 



Meister von Frankfurt 

ein Niederländer oder Niederrheiner aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, der 
seinen Namen von mehreren im Städelschen Institut und im städtischen historischen 



92 



II. Altniederländische Sehule. 



Museum zu Frankfurt a. M. befindlichen Werken führt. Er ist wahrscheinlich aus 
der Antwerpener Schule hervorgegangen und um 1504 in Frankfurt a. M., nach 151 1 
für Köln tätig gewesen. Früher schrieb man seine Bilder willkürlicherweise dem 
Frankfurter Meister Konrad Fyol oder seinem Sohne Hans zu, die um die Wende 
des Jahrhunderts lebten. 

Die Flucht nach Aegypten, grau in grau, mit 
natürlicher Fleischfarbe. 

Oeltempera, Eichenholz, 53,7 h., 54,5 br. Mit No. IIb zusammen 1899 von Fräulein 
Marcusen in Bern gekauft, deren Vater Prof. Dr. W. Marcusen sie in Würzburg er- 
worben hatte. Vorher waren sie in Regensburg im Besitz eines Herrn Krenner. 
Wahrscheinlich die Aussenseiten von Altarflügeln, die man oft in „Steinfarben" be- 
malt hat. Mehrere retouchierte Stellen. 

Der bethlehemitische Kindermord. Unter den 
drei Männern, die in Begleitung des Herodes im 
Hintergrunde erscheinen, zwei Porträts, vielleicht der 
Stifter und der Künstler. Letzterer ein magerer un- 
bärtiger Mann im Alter von 45—50 Jahren. Wie oben. 

Oeltempera, Eichenholz, 53,7 h. ( 54,8 br. Mehrere retouchierte Stellen. 

Niederländische Schule Ende des 15. Jahrhunderts 

Kreuzabnahme. Lebensgrosse Halbfiguren. Die 
Illustration gibt die alten Bestandteile des Bildes. 
Was sich ausserhalb befindet, ist angesetzt und von 
späterer Hand, frühestens Ende des 16. Jahrhunderts 
bemalt. 

Oel, Eichenholz, 109 h., 83,5 br. Die ursprüngliche Höhe 89, die Breite 58. Senk- 
rechter Riss. Phot. Hoefle. 1866 aus dem Nachlass des Domdekans v. Hirscher in 
Freiburg i. Br. erworben, wo es seltsamer Weise als „Ulmer Schule" galt. Später wurde 
es, wie noch der (moderne) Rahmen zeigt, dem L. van Leyden zugeschrieben. Das Bild 
ist in Spemanns Museum IX, 101 publiziert, wo Friedländer es richtig (wie schon wir 
in der vorigen Auflage) in die Nachfolge des Meisters von Flemalle setzt, eines 
altniederländischen Malers, dessen Werke lange Zeit dem Roger van der Weyden 
zugeschrieben wurden und auch jetzt noch von manchen für Jugendwerke dieses 
Künstlers gehalten werden. Er lebte um die Mitte und in der zweiten Hälfte des 
15. Jahrhunderts in den südlichen Niederlanden. Manche (auch wir früher) möchten 
das Bild erst in den Anfang des 16. Jahrhunderts setzen. Doch zeigen die alten 
Teile den Stil der altniederländischen Schule. Bayersdorfer dachte an Jan Massys, 
den Sohn des Quinten Massys (vergl. oben No. III), Hymans an Cornelis van 
Coninxlo, von dem sich ein 1526 datiertes Bild S. Joachim und Anna im Museum 
zu Brüssel befindet. Doch stammt das Bild jedenfalls nicht von so später Hand 
(vgl. auch No. 119). Wauters (Catalogue historique et descriptif des tableaux anciens 
du Musde de Bruxelles 2. ed. 1906 p. 277) schreibt es dem Colin de Coter, dem 
um die Wende des Jahrhunderts lebenden „Meister von St. Gudula", zu, an den auch 
Friedländer gedacht hatte. Dies ist ein Brüsseler Maler, der nur aus der Inschrift 
„Colin de Coter pinxit me in Brabancia Bruselle" auf einem Bilde des Louvre in 
Paris (die heiligen Frauen, Flügelbild einer Dreieinigkeit) und einem Bilde in der 
Kirche von Vieure (Allier), S. Lucas, der die Madonna malt, bekannt ist. Andere 



II. Allniedeiländische Schule. 



93 



Bilder von ihm sollen sich in Brüssel (Dreieinigkeit und Beweinung Christi), in 
Löwen (Dreieinigkeit), bei Herrn Prof. v. Kaufmann in Berlin (Magdalena), im 
Kaiser Friedrich-Museum zu Berlin (Kreuzabnahme nach Roger van der Weyden) 
u. s. w. befinden. Vergl. Wauters a. a. O., der in seiner Jugend den Einfluss 
des R. van der Weyden, in seinem Alter den des Q. Massys bei ihm bemerkt. 
Vielleicht ist er identisch mit dem Maler Colin von Brüssel, der 1493 in die S. Lucas- 
Gilde zu Antwerpen aufgenommen wurde und den Auftrag erhielt, den Engel am Ge- 
wölbe der S. Lucas-Kapelle in der Kathedrale zu malen. Uns scheint das Bild 
einem etwas älteren Meister anzugehören, etwa von der Art des Meisters der Abtei 
von Afflighem (Wauters S. 215). 

Massys, Quinten (Quentin) (?) 

auch Matsys, Messys oder Metsys genannt, geb. um 1460 in Löwen oder Antwerpen, 
gest. 1530 in Antwerpen, wo er 1491 in die S. Lucas-Gilde aufgenommen wurde, 
tätig teils in Löwen, teils in Antwerpen. Der bedeutendste niederländische Maler 
aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. 

Madonna in Landschaft. Sie sitzt auf einem 118 
kleinen von Steinbrüstung umgebenen Platz, zu dem Cb. 
r. Stufen emporführen, und ist im Begriff, ihre Brust 
dem Kinde zu reichen, das sich aber abwendet. Im 
Hintergrunde Landschaft mit Figuren. 

Oel, Eichenholz, 58,2 h., 45,4 br. Phot. Hoefle. 1866 aus dem Nachlass des Dom- 
dekans v. Hirscher in Freiburg i. Br. erworben. Bisher: Niederländische Schule aus 
dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Die neue Bestimmung von Hymans, der das Bild 
für ein jugendwerk des Q. Alassys hält. Wir haben uns dieselbe mit Vorbehalt zu 
eigen gemacht, um die Forscher auf dieses schöne Bild aufmerksam zu machen. 

Coninxlo, Cornelis Schernier, genannt van Co- 
ninxlo (?) 

wahrscheinlich aus dem Ort Coninxlo bei Vilvorde in der Nähe von Brüssel, gest. 
nach 1558 in Brüssel. Maler religiöser Bilder, dessen Hauptstärke aber in architekto- 
nischen Entwürfen bestanden zu haben scheint. 1529 — 1530 führte er zusammen mit 
dem Bildhauer Pasquier Borman ein Tabernakel für das S. Peters-Hospital in 
Brüssel aus, 1532 — 1538 arbeitete er an den Gemälden der neuen Sakramentskapelle 
der S. Gudula-Kirche daselbst. 1539 lieferte er Entwürfe für architektonische Skulp- 
turen, 1538 — 1557 machte er Arbeiten verschiedener Art für dieselbe Kirche, 1541/42 
zeichnete er das Mausoleum des Herrn von Merode. 1543 und 1549 — 52 war er 
Provisor der Künstlerbruderschaft des heil. Eligius, 1558 detaillierte er den Entwurf 
des Cornelis de Vriendt für den Hochaltar der Sakramentskapelle. 

Die Verkündigung der Maria. Illustration. In 119 
der mittleren Brüstung einer barocken, halb in go- Gc 
tischen, halb in Renaissanceformen gehaltenen Misch- 
architektur, vor der Maria kniet, zwei in Bronze ge- 
dachte Reliefs mit sitzenden Figuren des Moses und 
Paulus (?). An den Pfeilern r. u. 1. in Steinrelief 
gedachte männliche Figuren, deren eine (mit geschlitz- 



94 



II. Altniederländische Schule. 



tem Mantel) die freie Wiederholung einer Figur auf 
Dürers Ecce homo der Kupferstichpassion von 1512 
(B 10) ist. Der Engel später hinzugefügt. 

Oel, Eichenholz, 74 h., 75 br. 1902 aus dem Schlosse Monrepos überwiesen. 
Eigentum der Königin Charlotte Mathilde-Stiftung. In der vorigen Auflage: Nieder- 
ländische Schule, Anfang des 16. Jahrhunderts. Eisenmann schreibt das Bild (laut 
brieflicher Mitteilung) dem Meister vom Tode Mariae, wahrscheinlich Jan Joost 
van Cleve dem älteren (um 1485 — 1525) zu, einem früher der Kölner, jetzt der Ant- 
werpener Schule zugerechneten Maler. Wauters (Catalogue historique et des- 
criptif des tableaux anciens du Musee de Bruxelles 2. ed. 1906 p. 44) und Hy- 
mans geben es dem nur durch ein Bild des Brüsseler Museums No. 108 mit der 
Bezeichnung: Cornilis va Conixlo Scernier 1526 bekannten Maler, dem Wauters jetzt 
auch den in demselben Museum befindlichen Magdalenenaltar No. 560 vom Jahre 
1537 38 zuschreibt. Dieser ging früher unter dem Namen Gossaert (Mabuse), wurde 
aber von Scheibler, wenn ich mich recht erinnere, dem Herri Bles gegeben. Hierauf 
bezieht sich die Angabe der vorigen Auflage: „Richtung des Herri Bles." Eine 
neue Vergleichung hat ergeben, dass die Architektur unseres Bildes mit ihren ganz 
individuellen Formen völlig mit der Architektur des Brüsseler Magdalenen-Altars 
übereinstimmt. Ob dieser freilich von derselben Hand wie das bezeichnete Bild von 
Coninxlo stammt, möchte ich nach Vergleichung der Photographien vorläufig nicht 
entscheiden. Jedenfalls sind No. 117 und 119 nicht von derselben Hand. Ausser den 
beiden Bildern in Brüssel und unserem Bilde werden dem Meister noch sieben 
Altarflügel aus einem spanischen Kloster zugeschrieben, die sich jetzt im Museum 
von Toledo befinden. 



Bles, Hendrik, Art des 

auch Herri met de Bles genannt, von den Italienern Civetta genannt, von dem 
Käuzchen, das er oft auf seinen Bildern anbringt. Geb. um 1480 in Bouvignes bei 
Namur, gest. nach 1521, wahrscheinlich in Lüttich. Schüler des Joachim Patinir, 
besonders als Landschaftsmaler hervorragend, tätig in Italien und den Niederlanden. 

120 Anbetung der drei Könige. 

Cb. Oel, Eichenholz, 50,4 h., 36,5 br. 1902 aus der Altertumssammlung leihweise 
überwiesen, früher in der Sammlung des Domdekans v. Hirscher in Freiburg i. Br. 
Gehört zu der grossen Zahl von Bildern, die sich um diesen als Figurenmaler etwas 
manieristischen Künstler gruppieren. 

Niederländische Schule, Anfang des 16. Jahr- 
hunderts 

121 Anbetung der drei Könige. Triptychon in altem 
Cc geschweiftem Rahmen. Auf dem Mittelbilde Maria 

mit dem Kinde, Joseph und einem Könige, auf den 
Flügeln je ein König. Aussenseiten der Flügel un- 
bemalt. 

Oel, Eichenholz, Mittelbild 100 h., 72 br., Flügelbilder 102,5 h., 32,4 br. (innerhalb 
des Rahmens). 1902 aus der Altertumssammlung. Erworben 1876 von der Witwe 
des Obertribunalprokurators Abel aus dem Nachlass ihres Gatten. Im Katalog von 
dessen Sammlung S. 1 No. 3 als „Unbekannter Meister". Die ungefähre Ent- 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



95 



stehungszeit ergibt sich daraus, dass der König auf dem r. Flügel die Gesichtszüge 
Kaiser Maximilians !. (f 1519) trägt. Auf der Rückseite ein moderner Zettel mit 
Aufschrift: Schule des Conr. Fyoll von Frankfurt (vgl. No. 115). Weizsäcker: Ein 
Nachfolger des Meisters vom Tode Mariae. 

Männliches Bildnis. Brustbild, halblinks, un- 122 
bärtig, in braunem Wams, grauem Rock und schwarzer Cc. 
Kappe. Grüner Grund. 

Oel, Eichenholz, 32 h., 23,7 br., oben halbkreisförmig abgeschlossen. Phot. Hoefle. 
1842 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 12: Schule des Cranach. In den 
früheren Auflagen des Katalogs: Ulmer Schule. Gesicht stark retouchiert. Weiz- 
säcker: Art des Lucas van Leyden. 

Brustbild einer betenden Frau (Maria?). 123 

Oel, Eichenholz, 43 h., 32,5 br. 1843 aus Ludvvigsburg als „Holbein", in den Cb. 
früheren Katalogen: Schule des Holbein? Frimmel: Richtung des Orley. Soweit 
das stark retouchierte und durch schlechten Firnis verdorbene Bild ein Urteil ge- 
stattet, dürfte es niederländisch oder niederrheinisch sein. 1903 kleinere Ueber- 
malungen entfernt. 



III. Vlämische Schule des 
17. Jahrhunderts. 

Bioemen, Peter van 

geb. 1657 in Antwerpen, gest. 1720 daselbst. Schüler des Simon van Douw. 1b73 
Meister in Antwerpen. Von seinen Landsleuten in Rom, wo er 20 Jahre tätig war, 
Standaard genannt. 1699 Dekan der Malergilde in Antwerpen. 

Ruhende Herde in Landschaft. Bez. PVB (ver- 124 
bunden). Ed - 

Oel, Leinwand auf Eichenholz aufgezogen, 42,5 h., 59,5 br. 1902 aus Ludwigsburg. 

Reiter vor einer Herberge. Bez. P. V. B. Gegen- 125 
stück zum folgenden. Ed - 

Oel, Leinwand, 35,5 h., 46 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 898 
ohne Namen. 



96 HI. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 

126 Gesattelte Pferde vor einer Herberge. Gegen- 
Ed. stück zum vorigen. 

Wie oben. 



Boeyermans, Theodor und Boel, Peter 

Ersterer geb. 1620 in Antwerpen, gest. 1678 daselbst. 1654 in die S. Lucas- 
Gilde aufgenommen. Nachahmer van Dycks. Letzterer geb. 1622 in Antwerpen, 
gest. 1674 in Paris, Schüler des Frans Snyders und seines Oheims Cornelis de Wael' 
mehrere Jahre in Italien, dann in Antwerpen, seit 1668 in Paris, wo er Tiere für die 
Manufacture des Gobelins zeichnete. 

127 Austreibung aus dem Paradiese. Die Figuren 
Hd. von Boeyermans, die Tiere von Boel. 

Oel, Leinwand, 183 h., 261 br. 1865 von dem Kunsthändler Maurer in München 
als van Dyck gekauft (im Tausch). Die jetzige Bestimmung von Bode und Eisenmann. 



Boudewyns, Adriaen Frans und Bout, Pieter 

Ersterer 1644, letzterer 1658 in Brüssel geb., beide daselbst, wie unser Bild beweist, 
nach 1706 (Boudewyns 1711) gest. Sie arbeiteten gewöhnlich zusammen, wobei 
Boudewyns die Landschaften, Bout die Figuren malte. Dieser hat auch die Land- 
schaften anderer Maler wie des Jacques d'Arthois staffiert. Boudewyns wurde 1665 
in die Malergilde aufgenommen und war 1669 — 1677 im Auslande, vor allem in Paris, 
wo er für die Gobelins arbeitete und in Beziehungen zu van der Meulen trat. 

128 Reitergefecht in bergiger Landschaft. Unten 
Ga - (undeutlich) bez. Boudns n Bout 1706. 

Oel, Leinwand, 36 h., 42,7 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 109: vlä- 
mische Schule. Früher Karel van Falens. Die Signatur trat erst 1902 zu Tage 
und damit der Beweis, dass beide Künstler noch 1706 gelebt und zusammen ge- 
arbeitet haben, was bisher unbekannt war. 

129 Küstenlandschaft. 

Gd. Oel, Eichenholz, 23,5 h., 33 br. 1843 aus Ludwigsburg als Both. Vielleicht Samm- 
lung Gotter 1736: „Mischau". (Dies wäre Theobald Michau, geb. zu Doornik 1676, 
gest. zu Antwerpen 1765, Schüler des Lucas Achtschellincx in Brüssel). 



Brueghel, Pieter der Jüngere, seine Art 

Sohn Pieter Br. des Alten, des grossen „Bauernbreugels", geb. 1564 in Brüssel, 
gest. 1638 in Antwerpen. Auch „Höllenbreugel" genannt. Schüler seines Vaters und 
des Gillis van Coninxlo, 1585 als Meister in die Antwerpener Malergilde aufge- 
nommen. Unterstützte seinen Vater bei vielen seiner Bilder und ahmte seine Weise 
häufig nach. 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



97 



Spielende Kinder bei einer Kirche und Schule. 130 

„ ? e !'no E i? he ü ho , lz ' l 5 ' 5 h - 108 br - 1902 aus Ludwigsburg. Im Inventar von 1767 Cc. 
hol. 108 No. 2 als „Bauernbreugel" und seltsamerweise als Gegenstück des Bildes 
des Braunschweiger Monogrammisten No. 114. Gehörte zu den ,Wiener oder 
Röderischen Malereien", ebenso wie eine Bauernkirmess von derselben Hand die 
sich jetzt im Alten Schlosse zu Stuttgart befindet. 



Brueghel, Jan der Aeltere (?) 

Der sog. „Sammetbreugel", jüngerer Bruder des vorigen, ebenfalls Sohn des alten 
Pieter Brueghel, geb. 1568 in Brüssel, gest. 1625 in Antwerpen. Schüler seiner 
Grossmutter, der Miniaturmalerin Marie Verhulst (Witwe des Kupferstechers Pieter 
Koeck van Aelst in Brüssel) und des Peter Goetkint in Antwerpen. 1593—15% in 
Italien, seitdem m Antwerpen, wo er besonders mit Rubens und Hendrick van 
Baien befreundet war und viel mit ihnen zusammen malte. Seinen Beinamen führt er 
von seiner Vorliebe für Sammetkleider. 



Landschaft in Hund. Vorn eine Bauernfamilie, 131 
im Mittelgrund ein Heuwagen, im Hintergrund Ruinen. Gd. 

Oel, Kupfer, 26,3 Durchmesser. 1902 aus Ludwigsburg. Vielleicht Sammlung 
Gotter 1736: Breugel oder Bril. Inventar von 1767 No. 906 ohne Namen. Die neue 
frageweise Bestimmung zuerst 1903. 



Brueghel, Jan der Aeltere, seine Art 

Die Erde, als Paradies dargestellt, mit den fol- 132 
genden dreien eine Serie, die vier Elemente bildend. Gb. 

Oel Kupfer 46 h., 67,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Brueghel. Früher J. Brueghel. Eisenmann: Kopien, zwei davon besser als die 
anderen. 

_ Das Wasser, Neptun und Amphitrite mit Wasser- 133 
tieren und Amoretten. Gb. 

Oel, Kupfer, 46,3 h., 67,4 br. Wie 132. 

Die Luft. Weibliche Figur mit Astrolabium. 134 
Vögel, Amoretten mit astronomischen Instrumenten. Gb. 

Oel, Kupfer, 46 h., 67,2 br. Wie 132. 

Das Feuer. Werkstatt des Vulkan. Metallgeräte, 135 
Waffen, Chemikalien u. s. w. Gb. 

.. °, e1, ^& r '.. 4b h '' 67 bn Wie ,32 - Dieselbe Komposition in der Ambrosiana in 
Mailand (Mitteilung von Dr. Martin). 

Waldlandschaft. L. Heiter vor einer Schenke. 136 

Oel, Eichenholz, 36,8 h., 65,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 Gd. 
No. 911 oder 913. Man hat auch an Vrancx, Vinckeboons und Mirou erinnert. 



98 HI. Ylämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



Brueghel, Jan der Aeltere, seine Schule 

137 Waldlandschaft. Auf dem Wege Reiter und 
Ga. Karren. 

Oel, Eichenholz, 36 h., 44.4 br. 1843 aus Ludwigsburg. Der mittlere Teil des 
Bildes, 20,5 h. und 26,5 br. ist auf ein besonderes Stück Holz gemalt und in das 
Uebrige eingelegt, resp. das Uebrige (von derselben Hand) dazugemalt worden. 
Sammlung Götter 1736: „Schellings" oder „Brügel und Potweyns" (Boudewyns). 
Inventar von 1767 No. 911 oder 913: Sammetbreugel, so auch bisher im Katalog. 
Scheibler und Woermann: Boudewyns und Bouts. 

138 Waldlandschaft. Lichtung mit einigen Häusern, 
Gd. Reitern und Kühen. 

Oel Eichenholz, 23,2 h., 35 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Both". Vielleicht 
Sammlung Götter 1736: „Mischau". Früher dem Emanuel Murant (1622 in Antwerpen 
geb um 1700 in Leeuwarden gest., Schüler des Ph. Wouwerman) zugeschrieben. 



Dyck, Anthony (Anton) van, Kopien 

geb. 1599 in Antwerpen, gest. 1641 in London, 1610—12 Schüler des H van Baien 
in Antwerpen, dann langjähriger Hausgenosse und Mitarbeiter des Rubens, 16 lö 
Mitglied der S. Lucas-Gilde daselbst, 1620—21 zum ersten Mal in London, \b23-SI 
in Italien, besonders in Genua, 1627—1632 wieder in den Niederlanden, seit 1632 
Hofmaler König Karls I. in England. Vorübergehend 1634—35 wieder in Antwerpen 
und Brüssel, 1640—41 (schon Tcrank) in Paris. Der berühmteste Bildmsmaler der 
vlämischen Schule. 

139 Beweinung des Leichnams Christi. Johannes, 
Ha. Maria, Magdalena und ein Engel. Lebensgross. 

Oel, Leinwand, 236,7 h., 172,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Unten ein 13 cm breiter 
Streifen angesetzt. Kopie eines Bildes im Kaiser Friedrich-Museum in Berlin 
(No 778), das um 1627 in Antwerpen entstanden sein dürfte, und von dem sich eine 
zweite Werkstattwiederholung mit geringen Abweichungen in der Aegidienkircne zu 
Nürnberg befindet. 

140 Bildnis des Malers Caspar de Crayer. Halb- 
Ha. figur, lebensgross, halbr. Oben 1. das Wappen der 

Waldbott von Bassenheim (rote und gelbe Strahlen). 

Oel, Leinwand, 82 h., 70 br. 1872 in München auf der Auktion der Sammlung 
Triepel gekauft. Soll aus dem Besitz der Königin von Westfalen stammen. Die 
Komposition stimmt nicht mit dem Stich des Pontius nach v. Dyck überein. Andere 
Exemplare in der Galerie zu Schwerin und in der Liechtenstein-Galerie in Wien. 
Schlie glaubte in unserem Exemplar das Original zu erkennen. Auch Hymans 
hält das für möglich. Das aus A. v. D. gebildete Monogramm 1. ist aber nicht 
echt und das Bild für van Dyck zu leer. 



141 Familienporträt. Vater, Mutter und Kind. Knie- 
Hb. stück, sitzend, lebensgross. 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



99 



/m L T??i m 3 U 07 br " J 843 aus L "dwigsburg. Inventar von 1721, 1724 
(No. 59) und 1767 (No. 252): van Dyck. Schwache Kopie des schönen Bildes in 
der Eremitage zu Petersburg No. 627. Früher als die Familie des Tiermalers 
Fr. Snyders bezeichnet, was schon deshalb nicht möglich ist, weil Snyders keine 

«k-wir VM°i e 'v R .? m o^ n £ t ??A seine Zeitgenossen S. 268. Rooses, Zeitschr. 
f. bild. Kunst N. F. XV 1904 S. 116). 



Francken, Frans I. oder der Aeltere 

geb. 1542 zu Herrenthals, gest. 1616 zu Antwerpen, Bruder des Hieronymus Francken I 
Schuler des Frans Floris in Antwerpen, 1567 Freimeister der Gilde daselbst. '' 

Anbetung der Könige. 142 

Kupfer 433 h., 35,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1790/91 von Herzog Karl Gb. 
gekauft. Wurde früher dem Ambrosius Francken zugeschrieben. Die ietziee Be- 
nennung von Bode. 



Francken, Frans I., seine Art 

Anbetung der Könige. 143 

Oel Kupfer 35,5 h., 28,8 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1790/91 von Herzog Karl Ca. 
gekauft. Wurde früher dem älteren Frans Francken zugeschrieben, ist jedenfalls 
nicht von derselben Hand wie das vorige. 



Francken, Frans II. oder der Jüngere 

geb. 1581 in Antwerpen, gest. 1642 daselbst. 1605 in die S. Lucas-Gilde aufge- 
nommen, zweiter Sohn des älteren Frans Francken. Wie dieser sich, als sein Sohn 
heranwuchs, in den Inschriften seiner Bilder als den alten (den ouden) Fr. Francken 
bezeichnete, so nannte auch er sich beim Heranwachsen seines Sohnes (Fr. Francken III ) 
der „alte' Fr. Fr., wodurch früher manche Konfusion entstanden ist. Schüler seines 
Vaters, bei dessen Lebzeiten er als der junge Fr. Fr. signierte. Die Familie war mit 
«ubens befreundet, der ihn später auch malerisch beeinflusste. 

Anbetung der Könige. I44 

Oel, Kupfer 38 h., 30,1 br. 1867 in Paris auf der Auktion der Gräflich Schön- Ca. 
bornscnen Galerie in Pommersfelden gekauft. Heiligenscheine und Gewänder aus 
«entern üold. Sehr feines Bild, wie es scheint aus der früheren Zeit des Künstlers 
Doch sind seine Jugendbilder von den Gemälden seines Vaters und Oheims nicht 
'leicht zu unterscheiden. Wir geben deshalb unsere Verteilung mit Vorbehalt. 

Das jüngste Gericht, rahmenartig umgeben von 145 
den sieben Werken der Barmherzigkeit und (in den Gc. 
Ecken) den Kirchenvätern. 

Oel, Eichenholz 65 h 49 br. 1843 aus Ludwigsburg als Rottenhammer. 1790/91 
von Herzog Karl als Breughel" gekauft. Die richtige Bezeichnung schon von 
Scheib er, Eisenmann, Bayersdorfer u. a. Auf der Rückseite die für die Geschichte 
des B.ldes wichtige Inschrift vom Jahre 1665: Reverendissimo et Illustrissimo Prin- 
cipi ac Domino D. Joanni Cnsparo Supremo Equestris Ordinis Teutonici Maeistro 
Emundus Godefndus Baro in Bocholtz eiusdem Ordinis Baliviae de Juncis Conimen- 
-dator Provincialis strenae loco dedit ao quo DeVs pVra Mente CoLetVr. 



100 HI. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



146 Die vier Elemente, durch Wassergefäss, Fackel, 
Ca. Früchte und Astrolabium gekennzeichnet. R. unten 

die Signatur: D ov (der alte) f franck IN (venit). 

Oel, Eichenholz, 42 h., 66,5 br. 1902 aus Schloss Monrepos. Eigentum der 
Königin Charlotte Mathilde-Stiftung. Eine ausgebrochene Stelle. 

147 Jupiter und Juno auf dem Berge Ida sitzend, 
Ca. m it Adler und Pfau. L. unten die rätselhafte Sig- 
natur F. W. S. R. 

Oel auf Blech 16,5 h., 21 br. Ringsum ein neuer Blechstreifen mit späterer Bemalung. 
Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 197: Rubens. Später: Schule des Rubens. 



Huysmans, Cornelis 

geb 1648 in Antwerpen, gest. 1727 in Mecheln. Schüler des Caspar de Witte in 
Antwerpen und des Jacques d'Arthois in Brüssel (1681/82). Tätig in Antwerpen und 
Brüssel, seit 1702 in Mecheln, daher auch Huysmans van Mecheln genannt. 

148 Kleine Landschaft. Tanzende Hirten. Gegen- 
Ga. stück zum folgenden. 

Oel, Eichenholz, 19,4 h. 25 br. 1843 aus Ludwigsburg. Auf der Rückseite ein 
späterer Zettel mit dem Namen. Woermann: Kein Huysmans, eher Boudewyns 
(vergl. No. 128). 

149 Kleine Landschaft. Herde und Hirten am Brunnen. 
Ga. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Eichenholz, 19,2 h., 24,9 br. 1843 aus Ludwigsburg. Woermann wie oben. 

150 Landschaft. R. Wald, 1. Fernsicht, vorn ein 
Gb. Bauer und eine Bäuerin mit einem Hunde. Gegen- 
stück zum folgenden. 

Oel, Leinwand, 38,5 h., 42 br. 1843 aus Ludwigsburg. Nach Woermann wohl 
nur Schulbild. 

151 Landschaft. Waldige Gebirgsgegend, in der Mitte 
Gb. ein kleines Wasser mit Barke. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Leinwand, 38,3 h., 42,3 br. 1843 aus Ludwigsburg. Wie oben. 



Jordaens, Jacob 

neben Rubens und van Dyck der bedeutendste Grossmaler der vlämischen Malerschule. 
Geb 1593 in Antwerpen, gestorben 1678 daselbst. Nicht Schüler des Rubens, wie 
man früher glaubte, sondern des Adam van Noort, bei dem auch Rubens lernte. 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderls. 



101 



Erst seit den 30er Jahren von letzterem beeinflusst. 1615 in die S. Lucas-Gilde 
aufgenommen. 1616 heiratete er die Tochter seines Lehrers. Von 1617 — 1663 als 
Künstler nachzuweisen, 1621 Dekan der S. Lucas-Gilde. Obwohl katholischer 
Kirchenmaler, doch in der zweiten Hälfte seines Lebens Kalvinist. Hatte viele 
Schüler, die seine Kompositionen kopierten und variierten. (Rooses, lordaens Leben 
und Werke 1906, 124 und 140.) 

Daedalus und Ikarus. Kniestück, lebensgross. 152 
Gegenstück zum folgenden. Hd. 

Oel, Leinwand, 133,8 h., 127 br. 1849 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Jordaens. Inventar von 1767 No. 745 ohne Namen. Stark retouchiert, besonders 
die Gesichter. Bei Rooses S. 277 ohne weitere Bemerkung. Ein anderes Bild dieser 
Komposition existiert nicht. Bayersdorfer: Peter Thys? (1616 bis ca. 1678 Antwerpen.) 

Bacchus und Ceres, beide mit Früchten und Aehren 153 
beladen, dabei ein Amor, eine Ziege und ein Mohr, Hd. 
der die Schalmei bläst. Kniestück, lebensgross Gegen- 
stück zum vorigen. 

Oel, Leinwand, 136 h., 126,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Jordaens. Inventar von 1767 No. 745 ohne Namen. Bayersdorfer: Thys? Hie und 
da retouchiert. Freie und schwächere Wiederholung eines Bildes in der Casseler 
Galerie No. 100 (abgebildet bei Rooses zu S. 92), auf dem aber 6 Erwachsene, 2 Kinder und 
2 Ziegen erscheinen. Rooses setzt das Original in das Ende der 30er Jahre und 
bezeichnet es als „eines der anmutigsten und geschmackvollsten Werke der vlä- 
mischen Kunst." Unser Bild scheint eine Werkstattwiederholung zu sein. 

Opferung Isaaks. 154 

Oel, Leinwand, 77 h., 58,6 br. Einige Stellen retouchiert. 1849 aus Ludwigsburg Hb. 
als Rubens. Vielleicht identisch mit einem in den Inventaren von 1721, 1724 (No. 11) 
und 1767 (No. 52) ohne Namen aufgeführten Bilde. Unter den im Jahre 1705 aus der 
Stuttgarter Kunstkammer an das Ludwigsburger Schloss abgegebenen Bildern befand 
sich eine Opferung Isaaks von „Verysell" (?). Früher: Diepenbeck. Die richtige 
Benennung zuerst von Eisenmann. Ihr hat sich Rooses (S. 221) angeschlossen, 
der das Bild für eine kleinere flüchtig und roh ausgeführte Replik des Bildes in 
der Brera zu Mailand erklärt. Dieses befand sich wahrscheinlich im Nachlass des 
Künstlers, war also wohl aus seiner späteren Zeit. Jordaens hat den Gegenstand 
öfter behandelt. Eine andere Komposition (in lebensgrossen Halbfiguren) befindet 
sich in der Kunsthalle zu Hamburg (No. 82), vier sind nach Rooses früher auf 
Auktionen aufgetaucht. 



Kessel, Jan van, der Aeltere 

vlämischer Tier- und Stillebenmaler, Vater des Bildnismalers Jan van Kessel des 
Jüngeren, nicht zu verwechseln mit dem holländischen Landschaftsmaler desselben 
Namens (vergl. No. 232). Geb. 1626 in Antwerpen, gest. 1679 daselbst. Sohn des 
Jeroom van Kessel, Enkel Jan Brueghels des Aelteren, Neffe des David Teniers. 
Schüler des Simon de Vos und Jan Brueghels IL, 1644 45 in die S. Lucas-Gilde auf- 
genommen. 

Fische, Muscheln u. s. w. am Meeresstrand. 155 
Bez. r. unten: I. V. KESSEL F. A°. 1660. Gegen- Gc. 
stück zum folgenden. 



102 III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



Oel, Kupfer, 19,5 h., 29,2 br. 1902 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No 345 (?) 
ohne Namen. 

156 Fische, Muscheln, ein Tintenfisch u. s. w. Bez. 
Gc r . unten: I. V. KESSEL. FECIT. A° 1660. Gegen- 
stück zum vorigen. 

Oel, Kupfer, 19,5 h., 29 br. Wie oben. 

Mirou, Anton (?) 

vlämischer Landschaffsmaler, nachweisbar täfig von 1602 bis 1661, wahrscheinlich 
Schüler des Qillis van Coninxloo und Jan Brueghels des Aelteren, lebte in Franken- 
thal (vergl. No. 178). 

157 Anbetung der Könige 

Ca. Oel, Kupfer, 38,2 h., 53,3 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Frank", so auch früher 
im Katalog. Die Bestimmung von Bode (bei Eisenmann) scheint sich auf dieses 
Bild zu beziehen. 

Momper, Joos de 

auch Josse, Joost, Jodocus geschrieben. Geb. 1564 zu Antwerpen, gest. 1635 da- 
selbst, Schüler seines Vaters Bartholomaeus und wahrscheinlich des Gillis van 
Coninxloo. 1581 in die S. Lucas-Gilde aufgenommen. 1610 Dekan derselben. Tätig 
hauptsächlich in Antwerpen. Seine Landschaften sind oft von Jan Brueghel d. Aelt., 
den Francken u. a. staffiert. 

158 Felslandschaft. R. eine Höhle mit allerlei Volk. 
Hd. R,. unten die (gefälschte) Inschrift : brugel f., davor ein M. 

Oel, Eichenholz, 70,8 h., 103,7 br. Mehrere horizontale Risse. 1842 von Prof. 
Rüstige als Vinckboons geschenkt, später Brueghel genannt. Die richtige Benennung 
von Scheibler und Eisenmann. 



Pourbus, Frans der Jüngere 

geb. 1569 in Antwerpen, gest. in Paris 1622. Schüler seines Vaters Frans Pourbus 
des Aelteren, Enkel von Pieter Pourbus dem Aelteren (vgl. No. 183). Seit 1591 Frei- 
meister der Antwerpener Gilde, tätig in Antwerpen, Mantua (als herzoglicher Hof- 
maler) und Paris. 

159 Männliches Bildnis. Illustration. Brustbildeines 
Hc. 40— 50jährigen Mannes in rotem Spitzbart. 

Oel, Eichenholz, 61 h., 47 br., ringsum ein Streifen hinzugefügt, dessen Bemalung 
modern ist. Ursprüngliche Grösse 53 h., 43 br. Vor dem Ohr ein senkrechter aus- 
gekitteter Riss. 1876 auf der Auktion der Montmorillonschen Kunsthandlung in 
München gekauft. 



160 Weibliches Bildnis. Brustbild halbr. in Spitzen- 
Hc haube und Spitzenkragen. 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 103 



Oel, Leinwand, 65,5 h., 54 br. Einige Stellen ausgebessert, oben ein horizontaler 
Riss. 1854 von Frau Pastor Steeger in Leipzig gekauft als v. d. Heist. Die Be- 
stimmung von Bredius. Martin: Richtung Miereveldts (vgl. No. 242). Bode, der 
früher auch an Miereveldt dachte, schreibt das Bild neuerdings frageweise dem 
Cornelis de Vos zu (geb. zu Hülst 1585, gest. zu Antwerpen 1651, Schüler des David 
Remeeus, Meister seit 1608). 



Moor, Antoon (?) 

von den Italienern Antonio Moro genannt. Geb. zu Utrecht wahrscheinlich 1512, 
gest. zu Antwerpen zwischen 1576 und 1578. Schüler des Jan van Scorel in 
Utrecht. 1547 in die S. Lucas-Gilde von Antwerpen aufgenommen. Tätig in Utrecht 
und Antwerpen. Viel auf Reisen, z. B. in den 50 er Jahren in Italien, Madrid, 
Lissabon und London. Besonders im Dienste Kaiser Karls V. und Philipps II. von 
Spanien. Einer der gefeiertesten Porträtmaler seiner Zeit. 

Männliches Bildnis. Brustbild eines Mannes mit 161 
rötlichem Vollbart im Alter von 45 — 50 Jahren. Hd. 

Oel, Eichenholz, 37,5 h., 29,3 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Manier von Rem- 
brandt". Sammlung Gotter 1736 (?) und Inventar von 1767 No. 911: Pourbus. Im 
letzten Katalog irrtümlich als Schule des jüngeren Fr. Pourbus, was schon chrono- 
logisch unmöglich ist. Hymans: Ant. Moro (?). Die ursprüngliche Qualität des 
leider sehr verdorbenen Bildes würde dem nicht widersprechen. Jedenfalls gehört 
es noch dem 16. Jahrhundert an. 



Veen, Octavius van 

genannt Otho Vaenius, der dritte Lehrer des Rubens. Geb. in Leyden 1557, gest. 
1629 in Brüssel. Schüler des Isaak Claesz van Swanenburch in Leyden, 1574 des 
Lampsonius in Lüttich, 1577 in Italien, Schüler des Zucchero in Rom, dann einige 
Zeit in München. 1584 wieder in Leyden. 1593 in die S. Lucas-Gilde zu Antwerpen 
aufgenommen. Hofmaler des Alexander Farnese, des Erzherzogs und Statthalters 
Ernst, dann des Erzherzogs und Statthalters Albert und seiner Gemahlin Isabella. 
Von 1620 bis zu seinem Tode in Brüssel. 

Bildnis des Alexander Farnese. Brustbild 162 
lebensgross, 35 — 40j ährig, mit rötlichem Spitzbart, Hd. 
im Panzer, mit der Kette des goldenen Vliesses. 
R. oben die Inschrift: ALEXANDER /FARNESIVS / PRINGEPS / 
PARMAE. 

Oel, Eichenholz, 44,3 h., 33,8 br. 1843 aus Ludwigsburg als Unbekannt. Samm- 
lung Roeder 1750 und Inventar von 1767 No. 61 : Paolo Veronese. Im letzten Katalog 
irrtümlich: Schule des Fr. Pourbus, was schon aus chronologischen Gründen un- 
möglich ist. Bestimmung nach Hymans und Wauters (Cat. hist. Bruxelles No. 485). 
Der berühmte Feldherr, dessen Tatkraft und Schlauheit Spanien vorzugsweise die 
Unterwerfung des Aufstandes der südlichen Provinzen verdankte, war 1547 geboren 
als der Sohn der Margarethe von Parma, einer natürlichen Tochter Karls V., und 
wurde 1578 nach dem Tode des Juan d'Austria Statthalter der Niederlande. Er starb 
1592. Vaenius hat ihn wiederholt porträtiert. Zwei andere Bildnisse befinden sich 
in den Museen von Brüssel und Wien. 



104 HI. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



Rubens, Peter Paul, Kopien 

geb. 1577 zu Siegen in der Grafschaft Nassau als Sohn vlämischer Eltern, gest. 1640 
in Antwerpen. Seit 1587 in Antwerpen, um 1590 Schüler des Landschaftsmalers 
Tobias Verhaecht (van Haecht), des Historienmalers Adam van Noordt (ungefähr 
1591—1594) und besonders des Otto van Veen (ungefähr 1594—1598). 1598 in die 
S. Lucas-Gilde aufgenommen. 1600 — 1608 in Italien, besonders in Mantua, wo er in 
die Dienste des Herzogs Vincenzo Gonzaga trat, der ihn 1604—1605 an den Hof 
Philipps IV. nach Madrid schickte, sowie in Rom und Genua. Ende 1608 wieder in 
Antwerpen, 1609 Hofmaler des Erzherzogs Albert und seiner Gemahlin Isabella und 
seit 1636 des Kardinalinfanten Ferdinand. Wiederholt in politischer Mission in 
Paris, Madrid und London. 1609 vermählt mit Isabella Brant, 1630 mit Helene 
Fourment, die er beide häufig gemalt hat. 

163 Büssende Magdalena. Kniestück, lebensgross, 
Hb. halbrechts, mit dem Totenschädel. 

Oel, Leinwand, 97,5 h., 79 br. 1845 von der Witwe des Kunsthändlers Noe in 
München, Frau Pfeiffer-Noe, gekauft, angeblich aus der Galerie des Herzogs von 
Ferrara. Nach Bode vielmehr von van Dyck, nach Bredius Kopie eines Bildes 
des letzteren. Die Entscheidung hängt davon ab, ob gewisse Bilder, die man 
früher allgemein auf Rubens zurückführte, vielmehr Jugendwerke van Dycks aus der 
Zeit von 1617 — 1621 sind, wo dieser sehr stark unter dem Einfluss seines Lehrers 
stand. Dazu gehört z. B. ein figurenreiches Bild der Casseler Galerie (No. 83), 
das Jesuskind verehrt von den Vertretern des büssenden Lebens. Auf demselben 
erscheint Magdalena in derselben Haltung wie hier, nur in besserer Ausführung. 
Uebrigens gibt es ähnliche Bilder auch in Amsterdam, Oldenburg, St. Petersburg 
(Rooses II, 327) und bei Sir Francis Cook in Richmond (vgl. Bode, Rembrandt und 
seine Zeitgenossen, S. 262 und 278). Das Verhältnis dieser Bilder zueinander und 
zu einem etwaigen Original des Rubens bedarf noch der Untersuchung. Dass sie 
nicht alle von Rubens oder van Dyck sein können, ist wohl sicher. 

164 Achill unter den Töchtern des Lykomedes. 
Hb. Er wird trotz seiner weiblichen Verkleidung von 

Odysseus und Diomedes daran erkannt, dass er unter 
den angebotenen Waren nicht den Schmuck, sondern 
die Waffen wählt. Elf überlebensgrosse Figuren. 

Oel, Leinwand, 256,5 h., 221 br. 1846 aus Ludwigsburg. Sammlung Götter 1736 
und Inventar von 1767 No. 741 : Rubens. Ueberall gesprungen, auf Schutzleinwand 
aufgezogen und übermalt. Deshalb schwer zu beurteilen. Wahrscheinlich Kopie des 
Bild es in Madrid (Rooses III, 47), das Rubens 1618 dem Sir Dudley Carleton zum 
Preise von 600 fl. mit der Versicherung abtrat, dass es von „seinem besten Schüler" 
(also van Dyck) gemalt und von ihm selbst retouchiert sei. 

165 Beschneidung Christi. Farbenskizze. 

Hb. Oel, Eichenholz, 63 h., 48,5 br. 1851 durch Vermittlung des Kaufmanns Eugen 
Walther in Cannstatt gekauft. Hymans: Peter Soutman ? (geb. 1580 in Haarlem, gest. 
1657 daselbst, der bekannte Rubensstecher, der aber auch gemalt hat). Jedenfalls 
kein Original von Rubens. 



166 Bildnis der Helene Fourment, der zweiten 
Ha. Gattin des Rubens. Halbfigur, lebensgross, in reicher 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 1Q5 



Kleidung (blau und weiss), vor einem roten Vorhang. 
Rosen in der Rechten. 

Oel, Eichenholz, 97,5 h., 75,5 br. Senkrechter Riss durchs rechte Auge. 1849 
aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 und Inventar von 1767 No. 802: Rubens. 
Kopie eines Bildes im Kgl. Museum des Haag (No. 214). Die Dargestellte war 
1614 geboren. Rubens heiratete sie lbjährig und hatte von ihr 5 Kinder. 



Rubens, Schule 

Weiblicher Studienkopf, aufwärtsblickend, mit 167 
halbentblösster Brust und rotem Haar. Gehört zum Hd. 
folgenden. 

Oel, Eichenholz, 55,5 h., 40 br. 1849 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 
und Inventar von 1767 No. 810: Rubens. 

Weiblicher Studienkopf, aufwärtsblickend, mit 168 
entblösster Brust und braunem Haar. Gehört zum Hd. 
vorigen. 

Oel, Leinwand auf Eichenholz, 58,5 h., 43,7 br. Wie oben. Nur der eigentliche 
Kopf (35 h., 36 br.) ist alt. Die Schlange, die sie zur Kleopatra macht, gehört den 
später angesetzten Teilen an. Eisenmann: Ein abscheuliches Bild, das gar nicht 
in eine öffentliche Galerie gehört. Hymans: Jordaens? Aehnlich aufwärtsblickende 
Köpfe kommen allerdings auf Bildern des Jordaens häufig vor. Doch scheint mir 
die Malerei nicht mit der seinigen übereinzustimmen. 



Steenwyck, Hendrick van, der Jüngere 

geb. um 1580 in Amsterdam oder in Frankfurt a. M., wo sich sein Vater, H. v. Steen- 
wyck d. Aeltere (vgl. No. 179) etwa damals niederliess, gest. um 1648 in London. 
Schüler seines Vaters. In seiner Jugend in Antwerpen, in engen Beziehungen zu 
J. Breughel, van Thulden und Stalbemt, die seine Interieurs staffierten. Schon vor 
1617 in London, wo er viel für König Karl I. malte. Mit van Dyck befreundet. 



Befreiung Petri aus dem Gefängnis. Nacht- 169 
stück in einer Renaissancehalle. Hinten schlafende Ed. 
Wächter am Feuer. 

Oel, Kupfer, 29,2 h., 36,4 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg. 1903 einige 
fehlende Farbstücke ergänzt. Früher Elsheimer genannt. Eisenmann und Martin : 
H. Steenwyck. 

0 

Teniers, David, der Jüngere (II.) 

feb. 1610 in Antwerpen, gest. 1690 in Brüssel. Schüler seines Vaters, David 
eniers des Aelteren (1.) (1582 — 1649), Meister 1632, Schwiegersohn des Jan Breughel 
des Aelteren, vielleicht unter dem Einfluss des A. Brouwer weiterentwickelt. Freund 
des Rubens. Seit 1651 in Brüssel, wo er Hofmaler des Erzherzogs Leopold 
Wilhelm wurde und auf einem Schlosse in der Nähe von Vilvorde wohnte. 



106 HI. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



170 Ein Bauer in der Schenke, lebensgross, sitzend 
Hc mit Krug und Tonpfeife, r. zwei Bauern am Kamin. 

Unten in der rechten Ecke auf einem Holzblock das 
Monogramm: T in D. 

Oel, Leinwand, 137 h., 105,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Vielfach retouchiert. 
Auf der Rückseite ein Zettel mit der (späteren) Aufschrift : Teniers le jeune. Früher: 
Manier des David Teniers. Bode und Bayersdorfer wurden an Abraham Teniers 
(1629 — 1670), den jüngeren Bruder des D. T. erinnert, Bredius und Eisenmann hielten 
das Bild für Kopie, Woermann für Original. 

171 Der Alchymist. Illustration. Bez. 1. unten: 
Gc M. D. L. V I (soll offenbar 1656 heissen). D T (das 

T im D). L. oben am Kamin hängt eine Zeichnung 
mit der Inschrift: HELPT MY. (Helft mir!) 

Oel, Eichenholz, 35,5 h., 47 br. 1849 aus Ludwigsburg. Das beste unter den 
Stuttgarter Bildern, die seinen Namen tragen, jedenfalls eigenhändig. Replik in der 
Sammlung Sedelmeyer in Paris, 3"« vente 1907 No. 5b. 

Teniers, David der Jüngere, seine Art 

172 DreirauchendeBauern. Hinten r . Kartenspieler. 

Gc. Oel, Leinwand, 39 h., 50 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1721 und 1724 
No. 251 ohne Namen. Eisenmann: Kopie. 

173 Bauerntanz. R. an dem Postament eines Obelisken 
Gc die Inschrift: 1640 (oder 1646?) D TENIERS F. 

Oel, Eichenholz, 42 h., 72 br. Sammlung Barbini-Breganze Nr. 213. Frimmel und 
Martin: Oeringe Kopie. Früher: Teniers der Aeltere, Schulbild. 

174 Kartenspieler in einer Bauernschenke. 

Tüb. Oel, Leinwand, 37,5 h., 47,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Teniers, dem es aber nicht sehr nahe steht. 

Uden, Lucas van 

geb. 1595 in Antwerpen, gest. 1672 daselbst. Seit 1627 Meister der Antwerpener 
Gilde. Gehilfe des Rubens bei den landschaftlichen Hintergründen seiner Bilder, 
Freund des Teniers, der seine Landschaften zuweilen staffierte. 

175 Landschaft mit der Flucht nach Aegypten. 
Gc R. unten bez. : Lucas V Vden. Gegenstück zum fol- 
genden. 

Oel, Leinwand, 57 h., 82,5 br. 1902 aus Ludwigsburg, wo sie nicht erkannt waren. 
Damals gereinigt. Schon früher einmal auf neue Leinwand gezogen. 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 107 



Landschaft mit der Ruhe auf der Flucht 
nach Aegypten. L. unten bez.: Lucas v. Vden 
1654. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Leinwand, 57,2 h., 82 br. Wie oben. 

Vermoelen, J. X. 

malte um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Rom (Nagler Künstlerlexikon XX, 124). 

Tote Vögel, ein Schneehuhn u. s. w. Bez. 1. unten: 
J. X. Vermoelen f. Roma 1753. 

Oel, Leinwand, 62 h., 74,5 br. 1902 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 Nr. 1395 
ohne Namen. 



Vinckeboons, David (?) 

geb. 1578 in Mecheln, gest. 1629 in Amsterdam, wo er seit 1591 lebte. Schüler 
seines Vaters Philipp, durch Gillis van Coninxloo, Savery und Jan Brueghel den 
Aelteren beeinflusst. Obwohl in Amsterdam ansässig, dennoch nach Herkunft und 
Kunstrichtung zur vlämischen Schule gehörig. Bekannt durch seine Landschaften 
und Bauernkirmessen. 

W a 1 d 1 a n d s c h a f t mit einem Reis e wagen und Jägern . 

Oel, Eichenholz, 74,5 h., 97,1 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1905 gereinigt und aus- 
gebessert. Phot. Hoefle. Sammlung Götter 1736: Coninxloo, womit nur der be- 
rühmte Landschafter Gillis van Coninxloo gemeint sein kann. Dieser, geb. 1544 in 
Antwerpen, gest. 1607 in Amsterdam, gründete in Frankenthal, wo er sich 1585 bis 
1595 aufhielt, eine bedeutende Landschafterschule, aus der P. Bril, Jan Brueghel, 
Vinckeboons, Mirou, Govaerts und viele andere hervorgegangen sind. Da mir die 
Mittel fehlen, die alte Inventarbezeichnung nachzuprüfen, behalte ich die hergebrachte 
Benennung bei. Eine Signatur hat sich auf dem Bilde nicht gefunden. Martin ver- 
wirft die Benennung Vinckeboons und bezeichnet das Bild einfach als vlämisch in 
der Art des Sammetbrueghel. 

Steenwyck, Hendrick van, der Aeltere, Kopie 

geb. um 1550 in Antwerpen, gest. 1603 oder 1604 in Frankfurt a. M., wo er sich 
1580 niedergelassen hatte. Vater des jüngeren Steenwyck (vgl. No. 169). Schüler 
des H. Vredeman de Vries, 1577 in die Antwerpener Gilde aufgenommen. Maler von 
Kircheninterieurs wie sein Sohn. 

Das Innere des Aachener Münsters. 

Oel, Lindenholz, 49,5 h., 64 br. 1849 aus Ludwigsburg als „Stöckle" (Christian 
Stöcklin, vgl. No. 377). Früher dem Architekten Hans Vredeman de Vries, von 
Eisenmann und Frimmel seinem Sohne Paul Vredeman de Vries (Antwerpen 1597 
bis nach 1604) zugeschrieben. Schon Scheibler hat darauf aufmerksam gemacht, 
dass wir es hier mit einer genauen Kopie nach einem in der Galerie zu Schleiss- 
heim (No. 943) befindlichen Bilde des älteren Steenwyck vom Jahre 1573 zu tun 
haben. Vielleicht ist es eine Kopie Stöcklins darnach. Ein ähnliches Bild wurde 
in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts für das Berliner Museum angekauft, dann 
aber wieder versteigert. Vgl. Buchkremer in der Zeitschrift des Aachener Ge- 
schichts-Vereins XXII. 



108 HI. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



Ykens, Frans 

geb. 1601 in Antwerpen, gest. 1693 daselbst, längere Zeit im Süden. 

180 Ein Fruchtkorb und totes Geflügel. Bez. 1. : 
Gh. Francisco ykens fecit. 

Oel, Eichenholz, 52,8 h., 98 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Götter 173b: 
Euckens. Auf der Rückseite Zettel mit der Bezeichnung frangois rhone (sie). 
Zwei horizontale Risse. 



Monogrammist IVD K 

Tiermaler, wahrscheinlich der vlämischen Schule des 17. Jahrhunderts angehörig. 

181 Totes Wild. Reh, Hase, Federvieh, Gemüse und 
Hb. Früchte. Bez. 1. : IVDK (V und D verbunden). Gegen- 
stück zum folgenden. 

Oel, Leinwand, 107,5 h., 152,5 br. 1902 aus dem Magazin. Sammlung Barbini- 
Breganze 1852 No. 114: J. Fyt. 

182 Geflügel und Gemüse. Gegenstück zum vorigen. 

Tüb. Oel, Leinwand, 107,5 h., 153,5 br. 1902 aus dem Magazin. Sammlung Barbini- 
Breganze 1852 No. 115: J. Fyt. 



Pourbus, Peter, der Aeltere 

geb. um 1510—1513 in Gouda, gest. 1584 in Brügge, wo er sich seit 1540 aufhielt 
und 1543 als Freimeister in die Gilde aufgenommen wurde. Hervorragender Porträt- 
maler und Stammvater eines tüchtigen Künstlergeschlechts (vgl. No. 159). 

183 Weibliches Bildnis. Lebensgrosse Halbfigur einer 
Ha. etwa 50jährigen Frau in schwarzem Kleid und weisser 
Haube, eine schwarze Perlenschnur in den Händen. 

Oel, Eichenholz, 88 h., 68 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung 
Gotter 1736 und Inventar von 1767 No. 805: Holbein. Daher lange Zeit: Schule 
Holbeins d. Jüngeren. Die neue Bestimmung dieses vortrefflichen Bildes geht auf 
Hymans zurück. Im vorigen Katalog: Vlämische Schule um 1600 oder aus dem 
letzten Viertel des 16. Jahrhunderts, eine Datierung, die immer noch etwas zu spät 
gegriffen war. Der Meister ist eigentlich nur in Brügge genau kennen zu lernen. 



Niederländisch um 1600. 

184 Bacchanal. Gegenstück zum folgenden. 

Ca. Oel, Eich enholz (in Nussbaumumrahmung), 59,7 h., 91,7 br. 1843 aus Ludwigs- 
burg. Inventar von 1767 No. 339 ohne Namen. Früher nach einem auf der Rück- 
seite befindlichen (modernen) Zettel dem Octavius van Veen (vgl. No. 162) zugeschrieben. 
Bode: Niederländische (?) Kopien nach einem Venezianer aus Bellinis oder Gior- 
giones Schule. 



III. Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 



109 



Raub der Proserpina. Gegenstück zum vorigen. 185 

Oel, Nussbaumholz, 59,4 h., 91,9 br. Wie oben. Horizontale Risse. Luft re- Ca. 
touchiert. 

Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 

Kleines männliches Bildnis. Brustbild eines 186 
etwa 40jährigen Mannes mit Knebelbart. Gegenstück Gb. 
zum folgenden. 

Oel Eichenholz, 25 h., 19,5 br. 1843 aus Ludwigsburg als Palamedesz (Antonis 
Palam'edesz Stevaerts, ca. 1601—1673, oder Palamedes Palamedesz Stevaerts 1607 
bis 1638 sein jüngerer Bruder, zwei Delfter, also holländische Künstler). Bode: 
Art des Teniers oder des Gonzales Coques (geb. 1618 in Antwerpen, gest. 1684 
daselbst, „der kleine van Dyck" genannt, berühmt durch seine Famihenporträts in 
kleinem Massstab). 

Kleines weibliches Bildnis. Brustbild einer 187 
etwa 30jährigen Trau, eine Feder im Haar. Gegen- Gb. 
stück zum vorigen. 

Oel, Eichenholz, 25 h., 19,5 br. Wie oben. 

Männliches Bildnis. Kniestück eines 36jährigen 188 
Mannes, lebensgross, an einem Tische stehend. R. Hb. 
oben: AETATIS SVAE 36 A° 1616. Gegenstück 
zum folgenden. 

Oel, Eichenholz, 104 h., 7b,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Götter 1736 
und Inventar von 1767 No. 808 als Pourbus. Nach Bode dem Cornelis de Vos 
nahestehend, während Frimmel an einen Monogrammisten — O — S erinnert wurde, 
der in Budapest und Pommersfelden vertreten ist. Bl. f. G. I 66. Nicht bedeutend. 

Weibliches Bildnis. Kniestück einer 34jährigen 189 
Frau, lebensgross, an einem Tische stehend. R. oben : Hb. 
AETATIS SVAE 34. A° 1616. Gegenstück zum 
vorigen. 

Oel, Eichenholz, 103,5 h., 76,5 br. Wie oben. 

Waldlandschaft mit Diana und ihren Nym- 190 
phen, die von der Jagd ausruhen. Hunde und totes Ga. 
Wild. 

Oel, Eichenholz, 56,5 h., 76 br. 1843 aus Ludwigsburg. Früher Jan Brueghel 
(Landschaft) und Hendrik van Baien (Figuren) genannt, womit wenigstens die Schul- 
richtung des ziemlich unbedeutenden Bildes ungefähr getroffen ist. Vielleicht iden- 
tisch mit No. 38 des Inventars von 1767: „Rubens und Schneyer" (Snyders) und 
Sammlung Gotter 1736: „Franken und Schneyer". 



110 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Immenraet, Philips Augustijn 

vlämischer Landschafter, geb. 1627 in Antwerpen, gest. 1674 daselbst (nach Wauters 
Nach Müller nach 1676 und vor 1688). Mitarbeiter des Karl Emmanuel Bisch 
(1633—1682), zu dessen Bildern er zuweilen die Landschaften malte. 



191 Landschaft mit Orientalen auf der Löwenj agd. 

Tüb. Oel, Leinwand, 61 h., 87 br. 1843 aus Ludwigsburg als Vinckeboons. Inventar 
von 1767 No. 50 51 (Sammlung Roeder) : Himmelroth, woraus später ein mysteriöser 
„Emelraet" gemacht wurde. Die Figuren sollen von Erasmus Quellinus (Antwerpen 
1607—1678, einem Schüler des Rubens) sein. Bei der Seltenheit der Bilder Immen- 
raets bin ich nicht in der Lage, die Richtigkeit der Inventarbezeichnung nachzu- 
prüfen. 



Monogrammist F I 

wahrscheinlich ein dem jüngeren Steenwyck verwandter vlämischer Architekturmaler 
des 17. Jahrhunderts. 

192 Inneres einer spätgotischen Kirche. L. auf 
Fd. einem Pfeilerpostament die undeutliche Bezeichnung 
FI f 16 . . 

Oel, Lindenholz, 39,3 h., 52,5 br. 1843 aus Ludwigsburg als Steenwyck. Früher 
Bart, van Bassen genannt, bis Scheibler die Bezeichnung fand. Inventar von 1767 
(Sammlung Gotter 1736?) No. 986, vielleicht schon 1724 No. 679 ohne Namen. 



VI. Holländische Schule des 17. 
und 18. Jahrhunderts. 



Baden, Hans Juriaensz van (?) 

Architekturmaler, geb. 1604 in Amsterdam, heiratete als Witwer zu Amsterdam 1635 
und abermals 1652. 

193 Kircheninterieur, spätgotisch. E. am Pfeiler 
Fd. ein aus I und B zusammengesetztes Monogramm. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 111 



Oel, Eichenholz, 41,8 h., 56,5 br. 1843 aus Ludwigsburg als Steenwyck. Samm- 
lung Gotter 1736 und Inventar von 1767 No. 980 ohne Namen. Die Beziehung des 
Monogramms, das Scheibler und Eisenmann zuerst sahen, auf J. J. van Baden 
scheint zweifelhaft zu sein, da dieser seinen Namen, wie mir Bredius mitteilt, voll 
ausschreibt. 



Baen, Jan de 

Porträtmaler, geb. 1633 in Haarlem, gest. 1702 im Haag, Schüler seines Oheims 
Piemans in Emden und (ca. 1645—1651) des Jacob Backer in Amsterdam, von van 
Dyck beeinflusst, lebte seit 1660 im Haag, vorübergehend am Hofe Karls I. in London, 1676 
vom grossen Kurfürsten zum Hofmaler ernannt, ohne aber nach Berlin überzusiedeln. 

Männliches Bildnis. Halbfigur eines 40- bis 194 
45 jährigen Mannes, lebensgross, die Rechte auf einen Hc. 
Tisch gelegt, auf dem ein ovales Medaillon mit blau- 
seidenem Bande liegt, das mit einer roten Hand auf 
weissem Grunde verziert ist. 

Oel, Leinwand, 121,3 h., 97,2 br. 1844 aus Ludwigsburg als van Dyck. Die 
richtige Bezeichnung von Bredius. 

Bakhuysen, Ludolf 

oder Backhuysen, Seemaler, geb. 1631 zu Emden, gest. 1708 zu Amsterdam. Seit 
1650 in Amsterdam, hier Schüler des Allart van Everdingen und Hendrik Dubbels. 

Bewegte See. Auf dem Schiffe 1. Spuren der 195 
Bezeichnung L. B. 168? Fb - 

Oel, Eichenholz, 54,2 h., 66 br. 1842 von dem Kunsthändler Goldmann in Wien 
gekauft. 



Beest, Sybrant van 

geb. 1610 im Haag, gest. 1674 in Amsterdam. Wahrscheinlich Schüler des Pieter 
van Veen, trat 1640 in die Malergilde daselbst ein, scheint gegen das Ende seines 
Lebens nach Amsterdam übergesiedelt zu sein. 

Gremüsemarkt bei einer Kirche. Bez. r. unten 196 
S. V. Beest (die Buchstaben V und B verschlungen). Fd. 
166(?) (nicht 1649). 

Oel, Eichenholz, 54,5 h., 79 br. 1849 aus Ludwigsburg, wie es scheint, als 
„F. de Ferg". Früher fälschlich S. van Bles genannt, was zuerst Eisenmann korri- 
gierte, der aber 164(?) las. 



Berchem, Claes Pietersz 

auch Berghem geschrieben. Berühmter Landschafts- und Tiermaler, geb. 1620 zu 
Haarlem, gest. 1683 zu Amsterdam. Zuerst Schüler seines Vaters, des Stilleben- 



112 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



maiers Pieter Claesz, später des J. v. Goyen, Moeyaert, P. de Grebber, J. Wils 
und J. B. Weenix. In seiner Jugend wahrscheinlich längere Zeit in Italien, 1642 
Mitglied der Gilde in Haarlem, zuletzt in Amsterdam. 

197 Die Holzsammler. Ein Knabe und ein Mäd- 
Ec. chen laden Holz auf eine Kuh. Dabei ein ruhender 
Ochse. Bez. r. Berchem. 

Oel, Eichenholz, 33 h., 41,5 br. Horizontaler Sprung. 1843 aus Ludwigsburg, 
Sammlung Gotter 1736: Berchem. Das Beste von den früher in unserer Galerie auf 
ihn zurückgeführten Bildern. 



Berchem, seine Art. 

198 Ruhende Herde mit einem Hirten. Gegenstück 
Ea. zum folgenden. 

Oel, Birnenholz, 16,5 h., 23 br. 1843 aus Ludwigsburg, Inventar von 1767 No. 873 
oder Sammlung Roeder No. 92: Berchem. Bredius und Eisenmann: Nachahmung 
in der Art Berchems. 

199 Ruhende Herde mit einem Hirten. Gegenstück 
Ea. zum vorigen. 

Oel, Birnenholz, 17 h., 21,8 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 (Samm- 
lung Roeder) No. 94: Berchem. 

200 Viehstück. Ochse, Kuh und Hirt auf Esel. 
Ec Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Eichenholz, 15 h., 20,4 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 
No. 859 ohne Namen. Sammlung Gotter 1736: Lauterer (Johann Franz Nepomuk 
Adam Lauterer, geb. 1700 in Wien, gest. 1733 daselbst (?), Schüler des Joseph 
Orient, Nachahmer Berchems). Eisenmann: Kopie oder Nachahmung Berchems. 
Vielleicht ist die alte Inventarbezeichnung richtig. 

201 Viehstück. "Weidende Haustiere und ein ruhender 
Ec Hirt. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Eichenholz, 15 h., 20,5 br. Wie oben. 

202 Herde mit Hirtenpaar an einer Furt. 

Ec. Oel, Leinwand, 44,8 h., 58,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Bredius, Eisenmann und 
Martin: Kopie. Inventar von 1767 No. 864, wo zwei Viehstücke von Lauterer, ein 
grosses und ein kleines, erwähnt werden. 



Borssom, Anthony van 

Sohn des Malers Cornelis v. B. aus Amsterdam, geb. daselbst 1629 oder 1630, 
gest. daselbst 1677. Gilt für einen ( , Rembrandtschüler, zeigt aber auch Anklänge an 
Cuyp,lv. d. Neer, Potter u. s. w. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 113 



Mondscheinlandschaft. Eine Stadt am 203 
Wasser, Nachahmung A. v. d. Neers. Fd. 

Oel, Eichenholz, 46,2 h., 70,3 br. 1845 von dem Kunsthändler Werth in Mann- 
heim gekauft (im Tausch) als A. v. d. Neer. Bestimmung von Bredius. 



Breenbergh, Bartholomaus 

geb. 1599 in Deventer, gest. in Amsterdam vor dem 13. März 1659. Noch 1619 in 
Amsterdam. 1620 und 1627 in Rom, wo er mit Cornelis Poelenburgh zusammentraf 
und von ihm beeinflusst wurde. 1633 in Amsterdam verheiratet. 

Felslandschaft mit einem auf einem Esel 204 
reitenden Ziegenhirten, im Hintergrunde Tobias mit Fd. 
dem Engel. Rechts unten Spuren der Bezeichnung. 

Oel, Eichenholz, 28 h., 43 br. 1843 aus Ludwigsburg als H. v. Baien, dem es 
auch in Stuttgart früher zugeschrieben wurde. Inventar von 1767 No. 903 ohne 
Namen. Scheibler und Woermann : Bloemaert, Bode und Eisenmann: Breenbergh. 
1903 viele kleine ausgebrochene Teile der Malschicht ergänzt. 



Brekelenkam, Quiryn Gerritsz 

Genremaler, geb. in Swammerdam bei Leiden um 1620, gest. in Leiden 1668. 
Schüler des Gerrit Dou, 1648 Mitglied der Gilde in Leiden, wo er von da an lebte. 

BetenderEremit. Links bezeichnet L (?) B 1655. 205 
Der erste Buchstabe ist, wie es scheint, von Q in L Fe 
gefälscht, um einen Leonhard Bramer aus dem Bilde 
zu machen. 

Oel, Eichenholz, 64,5 h., 48 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg als Un- 
bekannt. Inventare von 1721 und 1724 No. 290 oder 292 und 1767 No. 769 ohne 
Namen. Früher Leonhard Bramer. Die jetzige Bezeichnung von Eisenmann. Sie 
wird von Bredius, Hofstede de Groot und Martin bestätigt. Bayersdorfer stiess 
sich am Monogramm. 



Brouwer, Adriaen, Nachahmer des 

geb. zu Oudenaerde 1605 oder 1606, gest. 1638 völlig verschuldet in Antwerpen. 
Seiner Geburt und seinem späteren Aufenthalt nach Vlame, aber als Schüler 
des Frans Hals in Haarlem (um 1628) ebenso der holländischen Schule zuzu- 
rechnen. 1626 in Amsterdam und Haarlem nachgewiesen, seit 1631 etwa in Ant- 
werpen. Hier mit Rubens bekannt, der ihn sehr hoch schätzte. 

Junger Mann mit verzogenem Munde. Brust- 206 
bild halbrechts. Fb. 

Oel, Leinwand auf Eichenholz gezogen, 36 h., 29 br. 1843 aus Ludwigsburg als 
„Manier des Rembrandt". Vielleicht nach einem Original Brouwers, jedenfalls von 
einem seiner Nachahmer. 

8 



114 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Mommers, Hendrik 

Tiermaler, geb. angeblich 1623 zu Haarlem, gest. 1693 zu Amsterdam. 1647 in 
Haarlem in die Gilde autgenommen, nachdem er sich einige Zeit in Rom aufge- 
halten hatte. 1654 Dekan der Gilde. Kurz nach 1665 bis zu seinem Tode in 
Amsterdam. 

207 Abendland schaft mit ruhender Herde und 
Fa- Hirten. Im Hintergrund eine Ruine. R. unten die 
gefälschte Signatur Cuyp 1646. 

Oel, Eichenholz, 59 h., 84,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Bezeichnung nach Bre- 
dius, Eisenmann, Hofstede de Groot und Frimmel. Früher A. Cuyp. 



Cuyp, Benjamin Gerritsz. 

geb. 1612 zu Dordrecht, gest. daselbst 1652. Neffe des Jac. Gerritsz Cuyp, bei 
dem er lernte, später unter dem Einflüsse Rembrandts. 1631 in die Gilde zu Dord- 
recht aufgenommen, 1643 im Haag. 

208 Feldlager. Ruhende und kartenspielende Sol- 
Fb. daten. 

Oel, Eichenholz, 77 h., 110,3 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg. Früher 
Palamedesz. Die richtige Bezeichnung von Scheibler, Bayersdorfer, Eisenmann, 
Frimmel u. s. w. 



Decker, Cornelis Gerritsz. 

Landschaftsmaler, Schüler des Salomon van Ruysdael, 1643 als Meister in der Gilde 
von Haarlem, gest. daselbst 1678 in den dürftigsten Verhältnissen. Seine Bilder sind 
oft von A. v. Ostade und A. v. d. Velde staffiert. 

209 Landschaft. Hütten am Waldsaum. 

Fd. Oel, Eichenholz, 39,5 h., 47,5 br. 1849 aus Ludwigsburg als „Unbekannt". 1790|91 
von Herzog Karl als Decker gekauft. Auf der Rückseite ein Zettel mit „Ruysdael". 



Does, Jacob van der 

Tiermaler, geb. 1623 zu Amsterdam, gest. 1673 zu Sloten bei Amsterdam. Schüler 
des Claes Moeyaert, in seiner Jugend in Italien, wo er von P. de Laer beeinflusst 
wurde. Heiratete 1650 in Haarlem und war 1656 unter den Gründern der Maler- 
brüderschaft im Haag. 

210 Grosses Tierstück. Illustration. Schafe und 
Ha. ein Hund, lebensgross. Unten bez. J. v. Does 1651. 

Oel, Leinwand, 160 h., 221 br. Phot. Schaller. 1861 von König Wilhelm (. geschenkt. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 115 



Kleines Tierstück. Schafe und Kühe, r. ein 211 
Hund, hinten eine Herde mit Hirten. Abendsonne Hd. 
hinter Bergen. R. bez. : J v does. f. 

Oel, Leinwand, 59,2 h., 65 br. 1885 von dem Kunsthändler Friedr. Maurer in 
München gekauft, der es auf einer Auktion daselbst erworben hatte. 



Dou, Gerrit (Gerard), angeblich 

berühmter Oenremaler, geb. 1613 zu Leiden, gest. 1675 daselbst. Zuerst als Glas- 
maler ausgebildet, dann 1628—1631 Schüler Rembrandts in Leiden. 1648 einer der 
Gründer der neuen Gilde zu Leiden. Zeitweise in Haarlem. 

Weibliches Bildnis. Illustration. Brustbild 212 
einer jungen Frau mit weisser Haube und weissem Hb. 
Kragen, lebensgross. Oben r. die verdächtige In- 
shrift Gr. Dov. 

Oel, Eichenholz, 68,5 h., 57,5 br. Phot. Schaller. 1842 von den Professoren Dietrich 
und Wagner in Stuttgart gekauft. Früher dem Gabriel Metsu zugeschrieben, was 
allgemein verworfen wird. Bredius, Eisenmann und Hymans: Moreelse? Auch 
Martin, der Biograph Dous, erkennt die Urheberschaft des Meisters nicht an und 
hält das Monogramm für falsch, den Meister für einen anderen, jedenfalls be- 
deutenden Holländer um 1640. 



Dou, Gerrit, Art des 

Ein Gelehrter. Brustbild eines älteren bärtigen 213 
Mannes mit Buch. R. die gefälschte Inschrift Ec. 
G. DOV. 

Oel, Eichenholz, 30 h., 22,6 br. 1849 aus Ludwigsburg. Eisenmann und Martin: 
Scheint Kopie nach G. Dou. Bredius: Jacob van Spreeuwen. Inventar von 1767 
{Sammlung Roeder) No. 101 : Von einem niederländischen Maler wie G. Dou. 



Duck, Jacob A. 

Soldaten- und Gesellschartsmaler, geb. um 1600 zu Utrecht, gest. nach 1660 wahr- 
scheinlich im Haag. Gebildet unter dem Einfluss des Frans Hals und Dirck Hals 
in Haarlem, 1621—1646 in Utrecht nachgewiesen, 1646—1660 im Haag. Gehört mit 
Pieter Codde und Ant. Palamedes zu einer Gruppe. Früher gewöhnlich mit dem 
Tiermaler Jan le Ducq verwechselt. 

"Wachtstube. Illustration. Bez. r. unten: J A 214 
Duck (die beiden ersten Buchstaben verschlungen). Fe. 

Oel, Eichenholz, 46 h., 71,8 br. Ueber der Frau eine Stelle zugemalt, auch sonst 
einige Retouchen. Phot. Hoefle. Bl. f. Oemäldek. III 1907, 118. 1867 in Paris auf 
der Auktion der gräflich Schönbornschen Sammlung von Pommersfelden gekauft. 



116 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Dujardin, Karel, angeblich 

Tiermaler und Radierer, geb. wahrscheinlich zu Amsterdam 1622, gest. zu Venedig 
1678. Schüler des Nie. Berchem, auch von Potter beeinflusst. War früh in Italien, 
wo er in Rom in der Schilderbent (Malergesellschaft) den Beinamen Bockebaert er- 
hielt. 1656 im Haag unter den Begründern der Malerbrüderschaft, 1659 in Amster- 
dam. 1675 wieder in Italien. 

215 Spinnende Hirtin mit Herde. Gegenstück 
Ea. zum folgenden. 

Oel, Leinwand, 49 h., 43 br. Luft stark retouchiert. 1846 aus Ludwigsburg. In- 
ventar von 1767 No. 862 ohne Namen. Sammlung Gotter 1736: du Jardin und 
Lauterer. Eisenmann und Hofstede de Groot: Nicht Original, sondern nur alte Kopie. 

216 Hirt und Hirtin, eine Herde zur Tränke füh- 
Ea. rend. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Leinwand, 49 h., 43 br. In der Mitte ein Loch ausgebessert. Wie oben. 
Bode: Spätes Original. Eisenmann und Woermann: Kopie. Beide Bilder sind 
jedenfalls nicht hervorragend. 



Everdingen, Allart van 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. 1621 in Alkmaar, gest. 1675 in Amsterdam 
Schüler des Roeland Savery in Utrecht und des Pieter Molyn in Haarlem. Reiste 
um 1640—1644 in Schweden und Norwegen, 1645 Meister in Haarlem, nach 1651 in 
Amsterdam, wo er 1657 das Bürgerrecht erwarb. 

217 Gebirgslandschaft mit Bach, r. oben einSchloss. 

Ha. Oel, Leinwand, 140,5 h., 157,5 br. 1845 von dem Kunsthändler Netscher in 
Amsterdam gekauft. In der Mitte eine schon damals vorhandene Verletzung. L. ein 
17 cm breiter Streifen angesetzt, dessen Bemalung modern ist. 



Flinck, Govaert, angeblich 

Historien- und Porträtmaler, geb. 1615 in Cleve, gest. 1660 in Amsterdam. Zuerst 
Schüler des Malers und Mennonitenpredigers Lambert Jacobsz. in Leeuwarden, dann 
Rembrandts in Amsterdam. Erwarb 1652 das Bürgerrecht in Amsterdam. Einer der 
ersten Schüler Rembrandts, die (angeblich unter dem Einfluss van Dycks) dessen. 
Malweise verliessen. 

218 Landschaft mit biblischer (?) Staffage, ein bärtiger 
Fa. Mann, der mit einem Bauern und einer spinnenden 
Bäuerin redet. Ein Knabe steigt auf einen Baum. 

Oel, Leinwand, 105 h., 138 br. 1846 aus Ludwigsburg in sehr übermaltem Zu- 
stande, die letzten Uebermalungen erst 1905 beseitigt. Bredius: 18. Jahrhundert, wie 
ein Dietrich (?). Bode: Math, Scheits (geb. in Hamburg um 1640, gest. daselbst um 
1700, in Holland bei verschiedenen Meistern, z. B. in Haarlem bei Phil. Wouwer- 
man gebildet). 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 117 



Geest, Wybrand Simonsz de, der Aeltere 

Porträtmaler, geb. 1590 in Leeuwarden, gest. nach 1659 daselbst, Sohn und 
Schüler des Simon de Geest, der aus Antwerpen in Leeuwarden eingewandert war. 
1613 Schüler des Abraham Bloemaert in Utrecht. Besuchte Belgien und Frankreich 
und hielt sich mehrere Jahre in Rom auf, wo er in der Schilderbent den Bei- 
namen „der friesische Adler" (von seiner Herkunft aus Friesland) führte. Nach 
seiner Rückkehr heiratete er 1622 in Leeuwarden Hendrikje Ulenborgh, die ältere 
Schwester der späteren Gattin Rembrandts, Saskia Ulenborgh, welch letztere eine 
Zeit lang in seinem Hause lebte. Er wohnte gewöhnlich in Leeuwarden, zeit- 
weise auch in Amsterdam. „Der Aeltere" heisst er zum Unterschied von seinem 
gleichnamigen Enkel, der auch Maler war. 

Familienbildnis von 1621. Illustration. Die Fa- 219 
milie Vigeri aus Leeuwarden. Der Vater (38jährig), Hc. 
die Mutter (31jährig) und drei Kinder, ein 7jähriger 
Sohn, eine 4jährige und eine l 3 / 4 jährige Tochter, 
sowie die 60jährige Grossmutter, die aus der Familie 
Fyngia stammte. Kniestück, lebensgross, 1. ein grüner 
Vorhang. Oben eine von dem Allianzwappen der 
Familien Vigeri und Fyngia bekrönte Tafel mit der 
auch das Alter der dargestellten Personen angebenden 
Inschrift: A° 1621. AETATUM SVARUM T . F . 60 . 
M.V.38.E.V.31.G.V.7.E.V.4.S.V.I. 
MENSES 9 . (Das V in Vigeri ist überall aus W ver- 
bessert.). Wybrandus de Greest faciebat Leoverdiae. 

Oel, Leinwand, 127,8 h., 186,8 br. Phot. Hoefle. 1867 in Paris auf der Auktion 
der gräflich Schönbornschen Galerie von Pommersfelden gekauft (zusammen mit dem 
Rembrandtschen Paulus No. 265, dem Duck No. 214 und dem Fr. Francken II No. 144). 
Vosmaer, Rembrandt 2. ed. p. 127. Ueber die Familie Vigeri vgl. Moes, Iconographia 
Batava 4320. 



Goyen, Jan Josefszoon van, angeblich 

berühmter Landschaftsmaler und Radierer, geb. 15% in Leiden, gest. 1656 im Haag. 
Schüler des Coenraet Schilperoort und Isaack Swanenburgh in Leiden, des Willem 
Gerritsz. in Hoorn und vor allem des Esaias van de Velde in Haarlem, der den 
grössten Einfluss auf ihn hatte. Bis 1631 in Leiden nachweisbar, 1634 Bürger im 
Haag. Schwiegervater des Jan Steen. 

Flache Landschaft, auf dem Wege eine Bauern- 220 
familie mit Wagen. Fe 

Oel, Eichenholz, 22,5 h., 36 br. 1843 aus Ludwigsburg. Phot. Hoefle. Luft re- 
touchiert. Bode und Scheibler: Pieter Molyn um 1635—40 (geb. um 14% in London, 
gest. 1661 in Haarlem, wo er 1616 als Meister in die S. Lucas-Gilde aufgenommen 
wurde, nicht mit Pieter Mulier s. No. 565 zu verwechseln). Hofstede de Groot: 
Wenn alt, sicher nicht von van Goyen. 



118 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Griffier, Jan I (der ältere) 

Landschaftsmaler, geb. 1652 (nicht 1656) in Amsterdam, gest. 1718 in London, 
Schüler des Roeland Roghmann und Jan Looten in Amsterdam, Nachahmer des Her- 
man Saftleven, den er in Rotterdam kennen lernte. Lebte nach vielen Reisen seit 
1667 (?) zumeist in London. 

221 Flusslandschaft, bergig, mit vielen Figuren. 
Gd. Unten bez. J. GRIFFIER. Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Eichenholz, 37,3 h., 49,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 
und Inventar von 1767 No. 989. 1903 gereinigt. 

222 Flusslandschaft, gebirgig, mit vielen Figuren. 
Gd. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Eichenholz, 37,1 h., 49,4 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 
und Inventar von 1767 No. 989. 1903 gereinigt. 



Orient, Joseph 

Deutscher Landschaftsmaler, geb. 1677 in Bürbach bei Eisenstadt (Ungarn), gest. 1747 
in Wien, Schüler von A. Feistenberger, Nachahmer Griffiers. 

223 Bergige Landschaft mit Fluss und vielen Men- 
Da. sehen. Gegenstück zum folgenden. R. unten be- 
zeichnet: Joseph Orientt. 

Oel, Buchenholz, 29 h., 35,2 br. 1843 aus Ludwigsburg als Saftleven. Früher 
richtig bezeichnet, wie auch schon in der Sammlung Gotter 1736 und dem Inventar 
von 1767 No. 923. Im vorigen Katalog irrtümlich dem Griffier zugeschrieben (ebenso 
wie No. 224), weil die Verschmutzung des Bildes die Signatur nicht erkennen Iiess. 
Diese trat bei der Reinigung 1903 wieder zu Tage. 

224 Bergige Landschaft mit einem Fluss und vielen 
Da. Menschen. Gegenstück zum vorigen. Nicht signiert. 

Oel, Eichenholz (nicht Buchenholz), 28,5 h., 35,4 br. 1843 aus Ludwigsburg. Wie 
oben. 1903 gereinigt. 



Haensbergen, Johannes van 

oder Haansbergen, Landschafts- und Porträtmaler und Radierer, geb. zu Utrecht 
1642, gest. im Haag 1705. Schüler und Nachahmer des Cornelis van Poelenburgh 
in Utrecht, lebte bis 1668 in Utrecht und zog dann nach Haag. 

225 Diana entdeckt die Schwangerschaft der 
Ec. Kallisto. Waldlandschaft. L. bez. J V Hansbergen p* 

Oel, Eichenholz, 30,8 h., 38 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1790/91 von Herzog Karl 
als Haensbergen gekauft. Die Signatur ist nicht die ursprüngliche, doch haben sich 
etwas weiter r. Spuren der letzteren, die offenbar bei der Erneuerung als Vorbild 
dienten, erhalten. Das Bild wurde in Ludwigsburg dem Poelenburgh zugeschrieben, 
doch kam bei der Restauration der richtige Name zu Tage. 



IV. Holländische Schule des 17 und 18. Jahrhunderts. 119 



Hals, Dirck 

Genremaler, geb. in Haarlem 1591, gest. daselbst 1656, Schüler seines älteren 
Bruders, des berühmten Frans Hals, tätig zu Haarlem. 

Lustige Gesellschaft, vielleicht die Geschichte 226 
vom verlorenen Sohn. 15 junge Herren und Damen Fe. 
ergötzen sich bei Wein und Musik. An der Wand 
ein Bild, auf dessen Rahmen die, wie es scheint, 
echte, aber veränderte Inschrift: HALS 1640 steht. 

Oel, Eichenholz, 53 h., 74,5 br. 1848 aus Ludwigsburg. Von Bode, Hofstede de 
Groot und Martin anerkannt. Schwaches Bild. 



Heusch, Willem (oder Guilliam) de 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. in Utrecht um 1625, gest. 1692 daselbst. Schüler 
des Jan Both, besuchte in seiner Jugend Italien. Oheim des Jacob de Heusch, der 
ihn nachahmte. 

Landschaft mit Diana, welche die Schwanger- 227 
schaft der Kallisto entdeckt, R. unten bez.: Ea. 
G. D. Heusch f. (Die drei ersten Buchstaben ver- 
schlungen.) 

Oel Kupfer 25,2 h., 30 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Art des Poelenburgh". 
Inventar von 1721 und 1724 No. 257 ohne Namen. Im früheren Katalog Poelenburgh. 
Die Signatur haben zuerst Scheibler und Eisenmann gesehen. Letzterer schrieb 
nur die Figuren dem Poelenburgh oder seiner Schule zu, während Fnmmel die Hand 
des Abr. v. Cuylenborch in ihnen erkennen möchte. 

Hobbema, Meindert, angeblich 

berühmter Landschaftsmaler, geb. 1638 in Amsterdam, gest. daselbst 1709, Schüler 
des Jacob van Ruisdael. Seit 1668 Aichmeister von Amsterdam, wo er auch als 
Maler tätig war. Sein Name ist oft von Fälschern missbraucht worden. 

Landschaft. Hütten und eine Windmühle an 228 
einem Flusse. R. die gefälschte Bezeichnung M. Hob- Tüb. 
bema f., in die trockene Farbe eingekratzt und nach- 
her überlasiert, 

Oel, Eichenholz, 59,5 h., 73,3 br. 1842 von dem Kunsthändler Goldmann in Wien 
gekauft. Bredius: Fälschung. Eisenmann : „Dieses sehr mässige Werk des 18. Jahr- 
hunderts Hobbema zu nennen, ist eine starke Versündigung an dem grossen Namen. 

D' Hondecoeter, Melchior 

berühmter Geflügelmaler, geb. 1636 in Utrecht, gest. 1695 in Amsterdam Schüler 
seines Vaters Gysbert d' Hondecoeter und seines Oheims Jan Baptist Weenix in 
Utrecht, tätig 1659—1663 im Haag, erwarb 1668 das Bürgerrecht in Amsterdam. 



120 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



229 Hühnerhof mit einer Elster und einem Häher 
Hc Bez. M. D. Hondekoeter. 

Oel Leinwand 105 h. 13C Ibr. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 30 
(Sammlung Roeder), vielleicht schon Sammlung Götter 1736. 

230 Geflügel. Hühner, Enten und Tauben am Wald- 
Hc rande. 

h °A el 'n-f! l nVJa J >d ' A 09 ' 2 h " 140 br - 1843 aus Ludwigsburg. Wie oben, doch waren 
beide Bilder den Maassen nach keine Gegenstücke. 



Huysutn, Jan van 

berühmter Blumen- und Landschaftsmaler, geb. 1682 in Amsterdam, -rest 1749 da- 
selbst. Schüler se.nes Vaters, des Blumenmalers Justus van Huysum tätiz in 
Amsterdam. - ' s 

231 Blumen stück. Bez. Jan Van Huysum fecit. 

Ga. Oel, Leinwand auf Eichenholz gezogen, 67,5 h., 54,2 br. 1849 aus Ludwigsburg. 



Kessel, Jan van 

Landschaftsmaler, geb. 1641 oder 1642 in Amsterdam, gest. 1680 daselbst Freund 
Hobbemas, Nachahmer Ruisdaels, nicht zu verwechseln mit dem vlämisch'en Maler 
Jan van Kessel d. Aelt. (No. 155). Eines seiner Bilder, das kürzlich als Hobbema 
verkauft wurde, hat Veranlassung zu einem bekannten Prozess gegeben. 

232 Die Allee. Illustration. R. unten (echt) bez.: 
Hc J. van Kessel f.. 1. unten (gefälscht): M. Hobbema. 

Oel, Leinwand, 87 h., III br. Phot. Hoefle. 1840 von dem Maler Sigmund in 
Basel gekauft. Schon ehe die echte Bezeichnung (1902) zu Tage trat von Bode 
Bredius und Martin auf Jan van Kessel (Spätzeit) zurückgeführt. Früher dachte man 
an Joris van der Hagen. Nach Martin ist die Kirche r. im Hintergrunde die S 
Bavo-Kirche in Haarlem. Abgebildet Blätter f. Gemäldekunde III 1907 115 



Köninck, Salomon, angeblich 

geb. 1609 zu Amsterdam, gest. 1656 daselbst. Schüler Rembrandts und verschiedener 
anderer Meister in Amsterdam. 1630 in der Malergilde daselbst. 

233 Ein Gelehrter in seinem Studierzimmer. 
Fd. Eechts unten die (verdächtige) Inschrift KONINK (?) 
oder R. GEWINK 1539 (sie). 

Oel, Eichenholz, 38 h., 49 br. Phot. Hoefle. 1849 aus Ludwigsburg. Sammlung 
Gotter 1736: Köninck. Bayersdorfer: Nicht von Köninck. Bredius: Nur Kopie 
Hofstede de Groot: Echt. 1903 gereinigt und ausgebessert. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts 121 



Kuck, A. (?) 

Stilleben. Eine Pastete, ein gefüllter Römer, 234 
eine Citrone und Trauben. L. bezeichnet A Kuck, aber Fa. 
nicht ganz deutlich. Die beiden ersten (verbundenen) 
Buchstaben A und K sind sicher, die übrigen können 
allenfalls auch „oel" oder ähnlich lauten. 

Oel, Eichenholz, 61,4 h., 46,7 br. 1843 aus Ludwigsburg. Früher: Wilhelm Kalf. 
Scheibler : Heda. Bode: Ein geringer Pieter Claesz. Bredius: Roelof Koets? Hofstede 
de Groot: J. A. Rotius? Eisenmann glaubte I. das Monogramm P. H. entdeckt zu 
haben. Die, wie es scheint, echte Inschrift, deren Anfang durch den Rahmen ver- 
deckt ist, passt zu keiner dieser Benennungen ganz. 



Laer, Pieter de, genannt Bamboccio, angeblich 

oder Laar, Maler und Radierer, geb. 1582 in Haarlem, gest. 1642 daselbst. 1623 
bis 1639 in Rom, dann wieder in Haarlem. In Rom führte er den Beinamen Bam- 
boccio (d. h. Tölpel), wonach die von ihm eingeführten Schilderungen aus dem 
niederen Volksleben „Bambocciaden" genannt wurden. 

Landschaft mit Vieh. Ein Hirtenbub und ein 235 
Mädchen mit Haustieren. Ec. 

Oel, Eichenholz, 30,5 h., 44,4 br. Horizontaler Sprung. 1843 aus Ludwigsburg als 
„Unbekannt". Sammlung Gotter 1736: Lauterer. Inventar von 1767 No. 155 ohne 
Namen. Erst in Stuttgart wurde der Inventarname durch den berühmteren ersetzt, 
den schon Woermann und Eisenmann mit Recht bezweifelten, (lieber Lauterer vgl. 
No. 200. Die Wiener Provenienz der im Inventar der Sammlung Gotter auf ihn 
zurückgeführten Bilder gibt der Benennung eine gewisse Autorität.) 



Lievens, Jan, angeblich 

auch Livens oder Livensz geschrieben. Geb. 1607 zu Leiden, gest. 1674 zu Amster- 
dam. Jugendfreund Rembrandts, 1615—1617 Schüler des Joris van Schooten in 
Leiden und (1617—1619) des Pieter Lastman in Amsterdam. Um 1631 in England, 
wo er van Dyck nachahmte, 1634—1643 in Antwerpen, seit 1643 meistens in Amster- 
dam, 1661 und 1670 auch im Haag, 1639 und 1672 in Leiden. 

M ännliches Bildnis. Brustbild eines älteren 236 
Mannes mit gebogener Nase und grauem Schnurrbart. Hb. 
Lebensgross. 

Oel, Leinwand, 63,5 h., 50 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Götter 1736 und 
Inventar von 1767 No. 1069: Rembrandt. Hofstede de Groot: Unsicher, ob Lievens. 
Bredius: Nicht holländisch, sondern deutsch. 

Bildnis der Saskia van Ulenborgh, der 237 
Gemahlin Rembrandts. Halbfigur, lebensgross, mit Hb. 
Fächer. 



122 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Oel, Leinwand, 69,5 h., 56 br. 1902 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 (Wiener 
oder Röderische Malereien, Fol. 109 No. 25): „Von Rembrandt oder dessen bestem 
Schüler, dem Lievens." Jedenfalls nicht von derselben Hand wie 236. Vielleicht 
deutsch, von einem Nachahmer Rembrandts im 18. Jahrhundert. 



Looten, Jan 

oder van Looten. Geb. um 1618 in Amsterdam, gest. um 1681 in England. 1643 
bis 1669 in Amsterdam nachzuweisen, lebte später in England. 

238 Waldlandschaft. R. oberhalb eines Hohlwegs 
Hd. ein Schäfer mit seiner Herde. L. zwei ruhende 
Wanderer. 

Oel, Leinwand, 150,2 h., 141 br. 1855 vom Kunsthändler Anton Werth in Mannheim 
als Waterloo gekauft. So auch früher im Katalog. Die jetzige Benennung von 
Bode, Bredius und Eisenmann. Waterloo ist als Radierer sehr bekannt. 



Lorme, Antonis de 

Architekturmaler, um 1640 — 1666 in Rotterdam tätig, gest. daselbst 1673, Schüler des 
Jan van Vucht in Rotterdam. 

239 Kircheninterieur bei Kerzenbeleuchtung. L. 
Gb. am Pfeiler : A de Lorme 1647 ('?). 

Oel, Eichenholz, 77,5 h., 110,5 br. 1842 von dem Kunsthändler Goldmann in Wien 
gekauft. Mehrere retouchierte horizontale Risse. 



Meyeringh, Aalbert 

Landschaftsmaler, geb. 1645 zu Amsterdam, gest. 1714 daselbst. Schüler seines 
Vaters Frederik, eines Dekorationsmalers, 1688 Bürger von Antwerpen. 10 Jahre lang 
in Paris und Rom, wo er mit seinem Freunde Glauber besonders die Manier Gaspard 
Poussins studierte. 



240 Ideale Landschaft. 

Ga. Oel, Lei nwand, 63,5 h., 89,7 br. 1843 von dem Kunsthändler Ackermann in Mün- 
chen als J. Fr. Millet gekauft. Die jetzige Benennung von Bode. 



Miel, Jan 

geb. 1599 in Flandern (Geburtsort unbekannt), gest. 1664 als Hofmaler in Turin. 
1641 — 1658 in Rom nachgewiesen, wo er sich an Pieter de Laer anschloss und 
ausser Kirchenbildern auch solche aus dem italienischen Volksleben malte. 



241 Palast am Wasser. Ionische Säulenhalle. 

Gd. Oel, Leinwand, 97,5 h., 135 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 138. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 12o 



Miereveit, Michiel Janszoon van 

auch Miereveld geschrieben, geb. in Delft 1567, gest. daselbst 1641. Um 1582 
Schüler des Ant. van Montfort in Utrecht. 1613 in Delft, 1625 in die Haager Gilde 
aufgenommen, besonders aber in Delft ansässig, wo er als einer der beliebtesten 
Porträtmaler seiner Zeit eine sehr fruchtbare Tätigkeit entfaltete, auch viele Schüler 
beschäftigte, die ihn durch Untermalen u. s. w. bei seinen Bildnissen unterstützten. 

Boudewyn Ottesen de Man, Steuereimiehmer 242 
in Delft. Illustration. Brustbild, lebensgross. Bez. Hb. 
1. oben : Boudewyn Ottesen de Man Ontfanger t'Delft. 
Weiter unten: AEtatis . 66 . A° 1638 M. Miereveld 
ad vivum super pinxit. 

Oel, Eichenholz, 71,2 h., 58,5 br. Phot. Schaller. 1839 von der Witwe des Ober- 
finanzrats von Stockmeyer in Stuttgart gekauft, der das Bild aus der Sammlung des 
Konsistorialpräsidenten Wilh. Frommann (f 1787) erworben hatte. Die Inschrift 
besagt, dass Miereveit dieses von einem Schüler untermalte Bild nach dem Leben 
vollendet hat. 



Miereveit, Michiel Janszoon van, angeblich 

Männliches Bildnis. Brustbild eines 25 — 30- 243 
jährigen Mannes mit braunem Knebelbart und breitem Ha. 
Spitzenkragen, lebensgross. 

Oel, Eichenholz, 71,5 h., 60,6 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 
No. 735 ohne Namen. Eisenmann und Hofstede de Groot: Nicht Miereveit. Bredius 
dachte früher an Geldorp Gortzius (geb. 1553 in Löwen, gest. ca. 1618 in Köln), 
später an Jacob Willemsz Delff I (gest. 1601 in Delft), zwei Porträtmaler der älteren 
Schule, Vorgänger Miereveits; Frimmel an Cornelis Janszoon van Ceulen (1593 bis 
ca. 1664). Es lohnt sich kaum, für dieses schwache und übermalte Bild einen Namen 
zu suchen. 



Molenaer, Jan Miense 

Genremaler, geb. zu Haarlem um 1600 — 1610, gest. daselbst 1668. Wahrscheinlich 
Schüler des Fr. Hals, zu dessen Kreis er nach dem Stil seiner früheren Bilder ge- 
hört haben muss, später unter dem Einfluss Rembrandts weitergebildet. 1636 mit 
der Malerin Judith Leyster in Haarlem verheiratet, ca. 1636—1648 in Amsterdam, 
dann wieder in Haarlem und Heemstede (bei Haarlem). 

Tanzendes Bauernpaar und vier andere Fi- 244 
guren. Eb. 

Oel, Eichenholz, 34 h., 23,5 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar 
von 1767 (Sammlung Roeder) No. 95 (?): Ostade. Auf der Rückseite ein alter 
Zettel mit der Bezeichnung Molinaer. Früher als Cornelis Molenaer bezeichnet, die 
richtige Bezeichnung von Eisenmann. Offenbar ein Bild aus der späteren Zeit des 
Künstlers. 



124 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



245 Zwei trinkende und rauchende Bauern. 
Eh. Kniestück. R. bez. : J m (verschlungen). 

Oel, Eichenholz, 24,6 h., 21,9 br. 1843 aus Ludwigsburg als J. Steen. Inventar 
von 1767 No. 71 S. 111 unter den sog. Wiener oder Röderischen Malereien als 
Brouwer. 

246 Geldzählender Bauer mit seinem Knaben. 
Eb. Halbfiguren. 

Oel, Eichenholz, 23,5 h., 18,6 br. 1843 aus Ludwigsburg als Brouwer. Inventar 
von 1767 S. 111 No. 70 (Wiener oder Röderische Malereien): Brouwer. So auch 
früher im Katalog. Auf der Rückseite ein Zettel mit „Brouwer". Bredius: Nicht 
Brouwer. Martin: Nicht Molenaer, sondern ein unbekannter unter Brouwers Ein- 
fluss stehender Holländer. Die Benennungen von Eisenmann, Bode und Bredius 
schwanken zwischen Molenaer, David Ryckaert (1612 — 1661), Egbert van Heemskerk 
(ca. 1634—1704) und Gerrit Lundens (1622 bis nach 1677). 

247 Fussoperation. Ein Bauer mit seiner Frau 
Eb. beim Bader. 

Oel, Eichenholz, 31,6 h., 23,6 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Art des Molenaer". 
lnventare von 1721 und 1724 No. 317, von 1767 No. 278 ohne Namen. Eisenmann: Ver- 
dorbene Kopie (nach Brouwer). Bode schwankt zwischen Molenaer und Lundens. 
Bredius: Ein echter, verdorbener Arent Diepraem (1622 in Rotterdam geboren, 1670 
daselbst gestorben, 1648 in der Gilde zu Dordrecht, Nachahmer Brouwers). 

248 Dorfschule, R. unten bez. J. Molenaer (die ersten 
Fb. Buchstaben verschlungen). 

Oel, Eichenholz, 31 h., 41,7 br. 1843 aus Ludwigsburg. Früher Cornelis Molenaer, 
bis Bredius die Bezeichnung fand. Echtes, aber schwaches Werk aus der späte- 
ren Zeit. 



Molenaer, Klaes (Nicolaus) 

Landschafts- und Genremaler, geb. in Haarlem, gest. daselbst 1676. Wurde 1651 
Meister der Gilde. 

249 Bauernkirmes. Schäkernde Bauern und Bäue- 
Eb. rinnen, Tanz und Schlägerei, wobei ein Bauer auf 

dem Platze bleibt. R. unten bez. K. Molenaer 1674 

(die letzte Zahl unsicher). 

Oel, Leinwand, 113 h., 133,5 br. 1902 aus Schloss Monrepos leihweise über- 
wiesen. Eigentum der Königin Charlotte Mathilde - Stiftung. 1790/91 von Herzog 
Karl gekauft als „Molenaer, im Geschmack des Teniers". Die Figuren sind dem 

J. M. Molenaer verwandt (Martin und Frimmel). Aber die Inschrift ist echt und 
. M. Molenaer ist schon 1668 gestorben, kann also das Bild nicht gemalt haben. 



250 Landschaft. L. unten bez. K. Molenaer. 

Eb. Oel, Eichenholz, 47 h., 63,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 139. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 125 



Moor, Karel de, angeblich 

Porträtmaler und Radierer, geb. 1656 in Leiden, gest. 1738 in Warmond bei Leiden. 
Schüler des O. Dou und Frans van Mieris in Leiden, des Abr. van den Tempel in 
Amsterdam und des Godfried Schalcken in Dordrecht, 1683 in der Leidener Gilde. 

Männliches Bildnis. Brustbild eines 60 — 65- 251 
jährigen weissbärtigen Mannes, lebensgross. Ha. 

Oel, Eichenholz, 60,5 h., 49,5 br. 1845 von dem Kunsthändler Werth in Mannheim 
im Tausch erworben. Bredius und Eisenmann: Art des Abraham de Vries um 1640 
(geb. zu Rotterdam, gest. um 1650, wahrscheinlich im Haag, 1630 — 1640 in Amster- 
dam, unter dem Einfluss Th. de Keysers und Rembrandts, 1644 Mitglied der Haager 
Gilde). Hofstede de Groot: Mag sein. Bayersdorfer dachte an Lievens. 



Moreelse, Paulus 

geb. 1571 in Utrecht, gest. 1638 daselbst. Schüler des Miereveit in Delft, 15% 
Meister der Gilde in Utrecht, 1611 Dekan, vor 1604 in Rom, 1616 in Amsterdam, 
wohnte später in Utrecht. Hat hauptsächlich Porträts und sittenbildliche oder alle- 
gorische Halbfiguren, aber auch religiöse und historische Bilder gemalt. 

Venus und Adonis. Illustration. Im Hinter- 252 
gründe Adonis, der von dem Eber niedergerannt Gc. 
wird. Bez. r. unten: P. Moreelse 1622 (die beiden 
ersten Buchstaben verschlungen). Die Compositum 
frei nach Rubens. 

Oel, Eichenholz, 37,5 h., 50,5 br. Phot. Schaller. 1902 aus Ludwigsburg. Samm- 
lung Gotter 1736: Moreelse. Im Inventar von 1767 No. 771 ohne Namen. Frimmel: 
Landschaft sicher von einem der Savery. 



Moucheron, Frederick de, Art des 

Landschaftsmaler, geb. zu Emden 1633, gest. zu Amsterdam 1686. Schüler des 
Jan Asselyn in Amsterdam, 1655—58 in Paris weitergebildet, 1671 in Rotterdam, 
wahrscheinlich auch in Italien, lebte hauptsächlich in Amsterdam. 

Landschaft. Fluss mit bewaldetem Ufer, r. ein 253 
spätgotisches Schloss, nach Hymans Palais Nassau in Hc. 
Brüssel. 

Oel, Eichenholz, 73 h., 94,5 br. 1841 von dem Kunsthändler Goldmann in Wien 
als Agostino Tassi (der Lehrer Claude Lorrains, 1566 — 1644) gekauft. Bode: Huys- 
mans (vgl. No. 148). Hymans: Jacques d'Arthois (geb. 1613 zu Brüssel, gest. 1686 
daselbst) oder Adam Willaerts (geb. 1577 in Antwerpen, gest. vor 1662 in Utrecht). 



Landschaft. Waldrand mit Fernsicht zwischen 254 
den Bäumen. Von der Signatur 1. ist nur noch das Hc. 



126 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 

f (fecit) erhalten, der Name offenbar in betrügerischer 
Absicht weggekratzt. 

Oel, Leinwand, 79,5 h., 108,3 br. 1842 vom Kunsthändler Goldmann in Wien ge- 
kauft. Eisenmann und Bredius: Nicht Moucheron, sondern Art des Swanevelt (?). 
Woermann und Bayersdorfer hielten Moucheron für möglich. 



Neer, Aart (Aernout) van der, Nachahmer des 

geb. 1603 oder 1604 in Amsterdam, gest. 1677 verarmt in Amsterdam. Vor 1640 in 
Amsterdam ansässig und, wie es scheint, erst damals zur Malerei übergegangen, 
in seiner Jugend Outsverwaiter. Wahrscheinlich Schüler des Raphael Camphuysen in 
Qorkum, dann von Rembrandt beeinflusst. Musste neben seiner Kunst noch einen 
Weinschank betreiben. Berühmt durch seine Mondscheinlandschaften, die übrigens 
vielfach imitiert wurden, z. B. von seinem Sohne Jan van der Neer. 

255 Mondscheinlandschaft. Im Mittelgrunde r. bei 
Fd. einem alten Stadtturm mehrere um ein Feuer ver- 
sammelte Leute. 

Oel, Eichenholz, 29 h., 38,6 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 
und Inventar von 1767 No. 945 oder 950: van der Meer (sie.) Woermann: Kaum 
v. d. Neer. 

256 Mondscheinlandschaft. Eine Stadt am Wasser, 
Fd. vorn Fischernetze. 

Oel, Eichenholz, 30,3 h., 43,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 
und Inventar von 1767 No. 945 oder 950: v. d. Meer (sie.) Woermann: Kein v. d. 
Neer. Eisenmann: Echter, aber etwas ruinierter v. d. Neer. 



Netscher, Caspar 

berühmter Genremaler, geb. in Heidelberg 1639, gest. im Haag 1684. Zuerst Schüler 
des Stillebenmalers Hendrick Coster in Arnheim, dann des Genremalers Ter-Borch 
in Deventer. Nach einem Aufenthalt in Frankreich (Bordeaux) seit 1661 im Haag, 
wo er bis zu seinem Tode lebte. 

257 Kleines männliches Bildnis. Kniestück eines 
Ec etwa 25jährigen Mannes mit blonder Allongeperrücke. 

Gegenstück zum folgenden. L. unten bez. Netscher 
f. 1682. 

Oel, Leinwand, 48,8 h., 39,8 br. 1849 aus Ludwigsburg. Nicht in den Inventaren, 
also erst nach 1767 gekauft. 

258 Kleines weibliches Bildnis. Illustration. Knie- 
te, stück einer etwa 20jährigen Dame. Gegenstück zum 

vorigen. R. bez. C. Netscher 1682. 

Wie oben. Phot. Schaller. Frimmel hält die Signatur für falsch und die Bilder 
nicht für Gegenstücke. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 127 



Ossenbeck, Jan 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. um 1627 in Rotterdam, gest. 1674 in Wien (Oud 
Holland XXIII 1905, 127), vielleicht Sohn des W. Ossenbeck, in Italien gebildet, durch 
Jan Asselyn und Pieter de Laer beeinflusst. 1664 in Wien, 1670 Hofmaler daselbst. 

Ruhende Herde bei einem Strohfeim. 259 

Oel, Leinwand, 58,5 h., 77 br. Rand angesetzt. 1903 Uebermalungen entfernt. 1843 Fa. 
aus Ludwigsburg als „Unbekannt". Sammlung Gotter 1736: Ossenbeck. Im Inven- 
tar von 1767 No. 861 ohne Namen. Die Benennung stammt von Bode und Bredius 
(ebenso Eisenmann, Frimmel und Hofstede de Groot) und wurde durch die Auf- 
findung der alten Inventarnotiz bestätigt. 



Ostade, Isack van, Art des 

geb. 1621 in Haarlem, gest. 1649 daselbst. Schüler seines älteren Bruders Adriaen 
van Ostade, tätig in Haarlem, wo er 1643 in die Gilde trat. 

Bauernstube. Zechende Bauern und Bäuerinnen. 260 

Oel, Eichenholz, 40 h., 60,5 br. 1843 aus Ludwigsburg als Molenaer. Inventar von Fe. 
1767 No. 95: Ostade. Auf der Rückseite ein Zettel mit „I. Ostade". Im früheren 
Katalog als Kopie nach A. van Ostade. So auch Hofstede de Groot. Scheibler: 
Pieter de Bloot? (geb. ca. 1602 in Antwerpen, tätig in Rotterdam, gest. daselbst 1658, 
Nachahmer Brouwers und Ostades.) Bredius: Vielleicht Bartholomäus Molenaer. 



Palamedes Palamedesz Stevaerts, angeblich 

geb. 1607 in London, gest. 1638 in Delft. Schüler seines älteren Bruders Anthonis 
Palamedesz, 1627 Mitglied der Gilde zu Delft, wo er schon als Knabe lebte. 

Reitertreffen. 261 

Oel, Eichenholz, 39,8 h., 55,8 br. 1843 aus Ludwigsburg. Nicht fein genug für Fa. 
Palamedes. Bredius, Eisenmann, Hofstede de Groot und Martin: Abraham Verhoeff 
(van der Hoeff oder van der Hoven, Delft um 1613 — 1649). Frimmel : Junius. 



Poel, Egbert van der, angeblich 

geb. 1621 in Delft, gest. 1664 in Rotterdam, tätig zuerst in Delft, dann in Rotterdam. 

Feuersbrunst. L. unten bez. Poel 1658 (nicht 262 
1656). Fh. 

Oel, Eichenholz, 37 h., 47,1 br. 1843 aus Ludwigsburg, 1901 regeneriert. Samm- 
lung Gotter 1736 und Inventar von 1767 No. 1006: Bool. Nach Bredius und Hofstede 
de Groot vielmehr Adriaen van der Poel (?) 



Poelenburgh, Cornelis van, Art des 

geb. 1586 in Utrecht, gest. 1667 daselbst. Schüler des Abraham Bloemaert, in 
Italien (Rom 1617) Nachahmer Elsheimers, 1627 wieder in Utrecht, 1650 in London. 
Tätig hauptsächlich in Utrecht. 



128 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



263 Kleine Landschaft mit Ruinen und einer Ruhe 
Ec. auf der Flucht nach Aegypten. 

Oel, Kupfer, 15,2 h., 19 br. 1843 aus Ludwigsburg. Bredius, Eisenmann und 
Martin: Dirk van der Lisse (gest. 1669 im Haag, wo er 1644 in die alte Lucas- 
Gilde eingetreten war und 1656 die neue mit begründet hatte. 1660 Bürgermeister. 
Schüler und Nachahmer Poelenburghs). 



Putter, Pieter de 

Fischmaler, geb. wahrscheinlich in Middelburg zu Anfang des 17. Jahrhunderts, gest. 
1659 in Beverwyk. Sohn und wahrscheinlich Schüler des Joost de Putter, heiratete 
1626 die Schwägerin des Fischmalers Abraham van Beyeren. Tätig im Haag. 

264 Fische mit einem Mädchen. Lebensgross. 

Hc. Oel, Eichenholz, 95 h., 124,5 br. 1843 aus Ludwigsburg unter dem seltsamen 
Namen „Taverna". Sammlung Gotter 1736: Paul Frohn (?). Inventar von 1767 No. 1371 
ohne Namen. 



Rembrandt Harmensz. van Ryn 

der grösste und vielseitigste holländische Maler, geb. 1606 in Leiden, eines Müllers 
Sohn, gest. 1669 verarmt in Amsterdam. Schüler des Jacob van Swanenburgh zu 
Leiden und des Pieter Lastman zu Amsterdam. Tätig bis 1631 in Leiden (abge- 
sehen von sechs Monaten Lehrzeit bei Lastman), dann in Amsterdam. 

265 Paulus im Gefängnis. Illustration. L. an der 
Fb. Steinbank die Inschrift: R f. (nicht R H L) 1627. 
Doch scheint das Monogramm aufgefrischt zu sein 
Das R hat unten eine Schleife wie von einem L 
(Leiden). Auf dem Blatt, das über dem Buche liegt, 
noch einmal: Rembrand fecit. Die beiden Bezeich- 
nungen facsimiliert bei Bode, Studien z. Gesch. d. 
holl. Malerei, S. 365. 

Oel, Eichenholz, 72,8 h., 60,3 br. Phot. Hoefle. Radierung von A. Baldinger, 
Zeitschr. f. bild. K. 1874 S. 46 (mit Text von Woltmann). Heliogravüre in Bodes 
Rembrandtwerk I No. 2, S. 36, wo auch die Litteratur. Netzätzung in Spemanns 
Museum I 10. 1867 bei der Versteigerung der gräflich Schönbornschen Galerie von 
Pommersfelden in Paris gekauft, zusammen mit dem Wybrand de Geest No. 219, 
dem J. A. Duck No. 214 und dem Fr. Francken II No. 144. Das früheste datierte 
Bild Rembrandts, nach dem Bode eine grössere Anzahl von Jugendbildern des 
Meisters bestimmt hat. 



Rembrandt, Nachahmung 



266 Studienkopf eines alten Mannes, weissbärtig, 
Fb. mit schwarzer Kappe, Brustbild, halb lebensgross. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 129 



Oel, Eichenholz, 33 h., 16,4 br., ursprünglich achteckig, durch Ansetzen der vier 
Ecken zum Viereck ergänzt. 1843 aus Ludwigsburg als „Unbekannt, in der Manier 
von Rembrandt". Vielleicht Sammlung Gotter 1736: Rembrandt. Bredius: Dietrich? 
Das Bild ist verdorben, Nase, Mund und die beschattete Seite des Gesichts ver- 
putzt und übermalt. Dagegen ist die beleuchtete Stirn ziemlich intakt, und zwar 
ganz in Rembrandts Weise zu Anfang der 30er Jahre behandelt. 



Rembrandts Schule. 

Knabe mit einem Apfel. Ganze Figur, lebens- 267 
gross, in einem Torbogen stehend und auf ein Möbel Hc 
gelehnt. Das moderne R. links unten bedeutet: Roeder- 
sche Sammlung. 

Oel, Leinwand, 104,3 h., 81 br. Phot. Hoefle. 1846 aus Ludwigsburg als Rem- 
brandt. Inventar von 1767 S. 109 No. 20 unter den Wiener oder sog. Röderischen 
Malereien als Rembrandt. Eisenmann, Bode und Woermann: Govaert Flinck (Rem- 
brandts bester Schüler, 1615 — 1660 in Amsterdam). Hofstede de Groot und Martin: 
Gerrit Horst (unter Hinweis auf zwei Bilder im Depot des Berliner Museums und in 
Erfurt). Frimmel: Aert de Gelder? Freie Wiederholung des Knaben auf der Radie- 
rung Rembrandts: Bartsch 33 (Abraham und Isaak). 



Ruisdael, Jakob van, Nachahmer des 

der grösste holländische Landschaftsmaler, geb. 1628 oder 1629 in Haarlem, gest. 
1682 daselbst, Sohn des Isack Ruisdael, Neffe und Schüler des Salomon Ruisdael. 
Zuerst in Haarlem, wo er 1648 Mitglied der Gilde wurde, dann in Amsterdam, wo 
er 1659 das Bürgerrecht erwarb und bis 1681 blieb. In diesem Jahre kehrte er 
infolge schwerer Krankheit nach Haarlem zurück, wo er in einem Siechenhaus der 
Mennoniten, deren Sekte er angehörte, starb. 

Landschaft. Ein Knabe mit einem Schimmel und 268 
zwei Hunden rastet an einem Waldeingang. L. unten Eb. 
die gefälschte Bezeichnung: J. Ruysdaels . f. 1674. 

Oel, Eichenholz, 57,8 h., 50 br. Phot. Hoefle. 1841 von dem Kunsthändler Gold- 
mann in Wien als Ruisdael gekauft. Dass das Bild nicht von dem grossen Jakob 
van Ruisdael (I.) ist, wird allgemein angenommen. Bredius: Vielleicht Jakob van 
Ruisdael II. (Sohn des Salomon), die Figuren in der Art des Esselens. Bayers- 
dorfer dachte an J. van der Meer von Haarlem. Bode: Fabrikarbeit. Martin : Schwacher 
Nachahmer Ruisdaels. 



Ter Borch, Gerard (Gerrit), Art des 

früher auch Terburg geschrieben, einer der bedeutendsten holländischen Sittenmaler. 
Geb. 1617 in Zwolle, gest. 1681 in Deventer, Sohn und Schüler des Malers und 
Steuereinnehmers Gerard Ter Borch d. Aelt. in Zwolle. In seiner Jugend auch noch 
von Hendrick Avercamp beeinflusst, 1632 in Amsterdam wahrscheinlich in der Schule 
eines der dortigen Gesellschaftsmaler aus der Schule des Fr. Hals (C. Duyster, 
S. Kick oder P. Codde), 1634/35 in Haarlem als Schüler Pieter Molyns, 1635 in 
London, hier wahrscheinlich unter dem Einflüsse van Dycks, 1641 in Rom, auch 
sonst viel gereist, z. B. in Neapel und Madrid, wo Velazquez auf ihn einwirkte. 
1645 wieder in Amsterdam, 1646—1649 in Münster auf dem Friedens-Kongress, 
1650 — 1654 in Zwolle, dann in Deventer, wo er sich verheiratete und hochange- 
sehen bis zu seinem Tode lebte. 

9 



130 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



269 Weibliches Bildnis. Brustbild eines jungen Mäd- 
Hc. chens, lebensgross, mit dunkeln Locken. 

Oel, Leinwand, 56,5 h., 44,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. Bredius wurde durch 
dieses schöne Porträt entfernt an Gesina Ter Borch, die Halbschwester und Schü- 
lerin des Meisters erinnert, daher früher unter diesem Namen. 



Verschuring, Hendrick 

geb. zu Gorkum 1627, ertrunken bei Dordrecht 1690. 1640 — 46 Schüler des Jan 
Both in Utrecht, 1646 — 1653 in Italien, nach 1662 Bürgermeister von Gorkum. 

270 Mandolinenspielerin. Links mitten bezeichnet: 
Ec VERSCHURING-. 

Oel, Eichenholz, 33,7 h., 26 br. 1843 aus Ludwigsburg. Von Herzog Karl 1790/91 
als Netscher gekauft, erst 1845 bei der Restauration als Verschuring erkannt. 
Damals (so auch noch im vorigen Katalog) dem Willem Verschuring, einem Sohne 
Hendricks, 1657 — 1715, zugeschrieben, zuerst von Hofstede de Groot richtig benannt. 



Verspronck, Johannes Cornelisz. 

geb. 1597 in Haarlem, gest. 1662 daselbst, Schüler seines Vaters, des Bildnismalers 
Cornelis Engelsz. und des Frans Hals. Er stand zeitweise auch unter dem Ein- 
fluss Rembrandts, mit dem er früher oft verwechselt worden ist. 1632 war er 
Mitglied der Haarlemer Gilde. 

271 Weibliches Bildnis. Illustration. Sitzende lebens- 
Hc. grosse Halbfigur einer etwa 50jährigen Frau. L im 
Grunde die (unechte) Bezeichnung: ßembrandt 1657. 

Oel, Eichenholz, 88,5 h., 73 br. Phot. Hoefle. 1843 von dem Kunsthändler Gold- 
mann in Wien als Rembrandt gekauft. So auch lange im Katalog. Die richtige 
Bezeichnung zuerst von Eisenmann, jetzt allgemein angenommen. 



Victors, Johannes 

geb. um 1620 zu Amsterdam, gest. bald nach 1676 daselbst, Schüler Rembrandts 
wahrscheinlich 1635 — 1640, tätig zu Amsterdam. 

272 Gemüsemarkt. L. eine Hökerin mit ihren Körben, 
Fe. die einer vor ihr stehenden Magd einen Apfel an- 
bietet. Ein Mädchen bückt sich zu einem Kinde 
herab und legt ihm Aepfel in die Schürze. R,. Blick 
auf das Markttreiben. L. auf einem Korbe die Be- 
zeichnung: Jan Victors ft (fecit). 

Oel, Leinwand, 91 h., 73,5 br. 1902 aus dem Schlosse Monrepos bei Ludwigsburg, 
wo es im Magazin hing, also unsichtbar war. Eigentum der Königin Charlotte 
Mathilde-Stiftung. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 131 



Vries, Roelof van 

geb. 1631 in Haarlem, tätig in Haarlem und Amsterdam, hier 1659 verheiratet und 
noch 1681 tätig. 

Landschaft mit einer Burgruine. R. unten die 273 
verdächtige Bezeichnung R(ßuisdaelP). Eb. 

Oel, Leinwand, 67 h., 54 br. 1843 aus Ludwigsburg. Auf der Rückseite von 
späterer Hand: paysage de Rysbraeck. Danach früher: Pieter Rysbrack (1655 bis 
1719 [?], Antwerpen und Brüssel), mit dem das Bild nichts zu tun hat. Woermann: 
Wahrscheinlich kein Rysbrack. Bredius, Eisenmann und Hofstede de Groot : R. de 
Vries. Eisenmann: Staffage von Lingelbach. Scheibler: Oillis Rombouts (1651 bis 
1668 in Haarlem erwähnt, 1652 Meister der Lucas-Gilde, bildete sich nach Jacob 
van Ruisdael), und zwar Kopie nach dem Bilde des Roelof de Vries in der früheren 
Hausmannschen Sammlung in Hannover. 



Weenix, Jan Baptist 

geb. 1621 in Amsterdam, gest. 1660 auf Schloss Ter Mey bei Utrecht. Schüler des 
Jan Micker und Claes Moeyaert in Amsterdam, des Abraham Bloemaert in Utrecht, 
T642 — 1646 in Italien, wo er seine Vornamen in Giovanni Battista italienisierte, 1647 
bis 1649 wieder in Amsterdam. 

Ruhender Wanderer mit Hund im Schatten 274 
einer römisch-dorischen Tempelruine. Bez. r. unten: Gc. 
•Gio. Battä: Weenix (nicht Weeninx). 

Oel, Leinwand (neu), 71 h., 60,6 br. 1851 von dem Hauptmann Freiherrn von 
Malchus in Stuttgart gekauft. 



Weenix, Jan, Nachahmer des 

geb. 1640 in Amsterdam, gest. daselbst 1719. Schüler seines Vaters Jan Baptist 
Weenix (No. 274), tätig 1664—1668 in Utrecht (1664 in die dortige Gilde aufge- 
nommen). 1702—1712 in Schloss Bensberg bei Düsseldorf für den Kurfürsten 
Johann Wilhelm von der Pfalz, hauptsächlich aber in Amsterdam tätig. 

Tote Vögel an einem Brunnen. Unten die ge- 275 
fälschte Inschrift J. B. Weninx (sie, die drei ersten Ec. 
Buchstaben verschlungen). 

Oel, Leinwand, 101 h., 82,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Früher dem Jan Baptist 
Weenix zugeschrieben, was allerdings durch die Form der Bezeichnung nahe gelegt 
wird. Martin: Bezeichnung falsch, von einem Nachahmer des J. Weenix. 



Aelst, Willem van 

geb. 1626 in Delft, gest. nach 1683 wahrscheinlich in Amsterdam, Schüler seines 
Oheims Evert van Aelst in Delft und des Otto Marseus van Schrieck in Florenz. 
1643 Meister der Delfter Gilde, 1645 — 1656 in Frankreich und Italien, sonst tätig in 
Delft und Amsterdam. 



132 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



276 Ein Rebhuhn und ein Haselhuhn an einem 
Ea. Nagel hängend. 

Oel, Leinwand, 59 h., 50 br. 1902 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 oder 
Inventar von 1767 No. 1051 (?): van Aelst. Im vorigen Katalog als Jan Weenix. 
Es liegt kein Grund vor, die Inventarbezeichnung zu ändern. 



Weenix, Jan, Art des 

277 Toter Hase und Geflügel. 

Ed. OeJ, Leinwand, 77 h., 75,2 br. 1849 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Weenix. Im früheren Katalog Jan Fyt (Antwerpen 1609—1661), woran nicht zu. 
denken ist. Frimmel: Röselig? 



Werft, Adriaen van der 

geb. 1659 zu Kralingen bei Rotterdam, gest. zu Rotterdam 1722. Schüler des Cor- 
nelius Picolet und des Eglon van der Neer. Lebte in Rotterdam, arbeitete seit 
1694 in Düsseldorf für den Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, der ihn 169r> 
zum Hofmaler ernannte und 1703 zum Ritter machte. 

278 Allegorie der Musik. Ein halbentkleidetes Weib 
£c spielt die Laute nach den Noten, die ihm ein kleine» 

nacktes Mädchen vorhält. 

Oel, Eichenholz, 40,5 h., 30 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1903 kleine ausgebrochene 
Stücke der Farbschicht ausgebessert. In den Inventaren von 1721 und 1724 unter 
No. 399, ferner von 1767 unter No. 435 ohne Namen. Eigenhändige Wiederholung einer 
Gruppe aus dem 1716 auf Befehl des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz ge- 
malten Bilde No. 465 der älteren Pinakothek in München, das eine Verherrlichung 
des Kurfürsten und seiner Gemahlin durch Minerva und die sieben freien Künste- 
darstellt. 

279 Venus liegend mit dem schlafenden Amor. 

Ea. Oel, Eichenholz, 24,5 h., 29 br. 1843 aus Ludwigsburg. Im früheren Katalog: 
Gerard de Lairesse (geb. 1641 in Lüttich, gest. 1711 in Amsterdam). Im Inventar 
von 1767 No. 988: Werft. Schon Frimmel nannte den richtigen Namen. 

280 Büssende Magdalena. Sie liest sitzend in einem 
Ec Pergament, zu ihren Füssen ein Totenschädel. 

Oel, Mahagoniholz, 35,8 h., 26,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. Phot. Hoefle. In- 
ventar von 1721 und 1724 No. 402 und 1767 No. 435 ohne Namen. Wiederholungen, 
in der Galerie zu Dresden (No. 1817) vom Jahre 1711, in St. Petersburg und in.: 
der früheren Sammlung des Dr. Blom Coster im Haag. 



Wet, Jacob de, der Aeltere 

geb. um 1610, gest. nach 1671, tätig in Haarlem zwischen 1633 und 1671, Schüler 
Rembrandts. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 133 



Auferweckung des Lazarus. 281 

Oel, Eichenholz, 36,5 h., 29,5 br. 1843 aus Ludwigsburg als „alter Francken". Fd. 
Von Herzog Karl 1790/91 als Rembrandt gekauft. Inventar von 1767 No. 73 ohne 
Warnen. Früher: „Unbekannt". Die richtige Bezeichnung von Eisenmann. 



Wouwerman, Philips, nach 

■geb zu Haarlem 1619, gest. daselbst 1668, Schüler seines Vaters Paulus Joosten 
Wouwerman, dann durch Pieter de Laer beeinflusst. 1641 Mitglied der Haarlemer 
Gilde. Viel imitiert. 

Rast vor der Landschenke. 282 

Oel, Eichenholz, 35,3 h., 44,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: Ea. 
Wouwerman. Inventar von 1767 No. 887 ohne Namen. Horizontaler Riss. 

Rast in einer Höhle. Ein Mann ist im Begriff, 283 
einen Schimmel zu satteln. R. und 1. je eine Frau Ea. 
mit Kind. 

Oel, Eichenholz, 37 h., 49 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Wouwerman. Inventar von 1767 No. 887 ohne Namen. Bredius: Kopie. Martin: 
Wohl echt, aber sehr stark übermalt. 

Ein berittener Bauer mit einem Knaben, der 284 
ein Pferd führt. L. unten die gefälschte Bezeich- Ea. 
nung P. W. Gegenstück zum folgenden. 

Oel Eichenholz, 21,8 h., 30,9 br. Zwei horizontale Risse. 1843 aus Ludwigs- 
burg als „Unbekannt". Vielleicht identisch mit Sammlung Gotter 1736 und Inventar 
von 1767 No. 874: Querfurt. Eisenmann: Querfurt, doch ist ein Original Wouwermans 
nicht nachgewiesen. 

Ein Bauer führt einem Herrn einen Schim- 285 
mel vor. Vier Figuren. Gegenstück zum vorigen. Ea. 

Oel, Eichenholz, 22,2 h., 29,2 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Unbekannt". Viel- 
leicht identisch mit Inventar von 1767 No. 1008: Querfurt. Eisenmann: Querfurt. 
Bredius: Deutsches Pasticcio. Bode: Kopie nach einem Bilde in der Liechtenstein- 
Galerie zu Wien. 



286 

Ea. 



Reitergefecht am Ufer eines Wassers. 

Gel, Leinwand, 72 h. 106,3 br. 1843 aus Ludwigsburg als „v. d. Velde". So 
auch früher im Katalog. Auf der Rückseite mit Bleistift: Hughtenburg (Jan van 
Huchtenburgh, geb. 1649 zu Haarlem, gest. 1733 zu Amsterdam, Schuler des 
Th. Wyck zu Haarlem, unter dem Einfluss Wouwermans weitergebildet). Eisen- 
mann, Bredius und Martin: Kopie (nach dem Bilde der Dresdener Galerie No. 1437). 

Auszug zur Jagd, bei einer Fontäne in einem 287 
Parke. Fc 



134 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Oel, Leinwand, 47,5 h., 38,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Im früheren Katalog- 
Pieter Wouwerman. Woermann : Selbst für ihn zu schwach. Bredius früher: Pieter 
W., jetzt: Jan Blom (vgl. ein Bild in Innsbruck). Bode: Barend Gael (Schüler 
Wouwermans in Haarlem). Frimmel: Willem Schellincks (geb. 1632 zu Amsterdam 
gest. 1678 daselbst). 



Wouwerman, Pieter 

geb. 1623 in Haarlem, gest. 1682 in Amsterdam. Wahrscheinlich Schüler seines 
Bruders Philips Wouwerman, in dessen Stil er malte. 

288 Rast am Brunnen. Mehrere Reiter und eine 
Ed. Frau. Bez. r. unten P. W. 

Oel, Eichenholz, 26 h., 33,7 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Unbekannt, in der 
Art des Wouwerman". Bode: Barend Gael, Bredius: Pieter Wouwerman, Eisen- 
mann: Schule des Phil. Wouwerman. 



Wouwerman, Jan, Art des 

geb. 1629 in Haarlem, gest. 1666 daselbst. 1655 Meister der Gilde. Schüler seines 
Vaters und seines älteren Bruders Philips. 

289 Landschaft, hügelig und sumpfig, mit einem 
Ga. Wanderer, Hirten u. s. w. 

Oel, Eichenholz, 45 h., 68 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Brueghel". Vielleicht 
identisch mit Sammlung Gotter 1736 und Inventar von 1767 Nr. 952: Wynants. Die 
neue Bezeichnung von Bredius. Frimmel (Kunstchronik N. F. VI, 36 und Kl. Ga- 
leriestudien N. F., Die Gräflich Schönborn-Buchheimsche Gemäldesammlung S. 35) 
vermutet darin den Antwerpener Gillis Neyts (1617— 1687). 1901 regeneriert. Staffage 
etwas verputzt. Martin: Uebermalt (?). 



Wyck, Thomas 

geb. um 1616 zu Beverwyk bei Haarlem, gest. 1677 zu Haarlem. In Italien unter 
dem Emfluss Pieter de Laers gebildet, tätig in Haarlem schon vor 1642. 

290 Seehafen. L. unten bez. T. Wyck (verschlungen). 

Fd. Oel, Leinwand auf Holz aufgezogen, 30 h., 40 br., 1843 aus Ludwigsburg. 

Unbekannt, 17. Jahrhundert. 

291 Männliches Bildnis Halbfigur eines etwa 20- 
Ha. jährigen bartlosen Mannes mit braunen Locken, Hut 

und Stock haltend. Lebensgross, halblinks. 

Oel, Leinwand, 100 h., 85,7 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 19: Guer- 
cino, Bildnis des Dichters Dottori. Der Tracht nach nicht italienisch, sondern 
niederländisch, vielleicht auch deutsch. Hymans: Adriaen Hanneman (geb. im Haag 
1611?, gest. daselbst 1671, 1668 oder 1669, Schüler Ravestyns und van Dycks, bis 
1640 mit dem letzteren in England. Vgl. auch No. 382). 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 135 



Weibliches Bildnis. Halbfigur einer etwa 20- 292 
jährigen blonden Frau, lebensgross, ein Tuch in der Ha. 
Rechten. 

Oel Leinwand, 72 h., 54,5 br. 1843 aus Ludwigsburg als „Heinrich Cock", woraus 
in Stuttgart ein Engländer „Henry Cook" wurde. Vielleicht identisch mit einem der 
beiden namenlosen Bilder No. 735 im Inventar von 1767. Eisenmann und Frimmel: 
Nicht englisch, sondern holländisch um 1630. Hofstede de Groot: vlämisch. 

Weibliches Bildnis. Kniestück einer etwa 30- 293 
jährigen Frau in schwarz-rotem Kleid und weisser Ha. 
Haube. 

Oel Leinwand, 92 h., 70,6 br. 1902 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 (?) 
und Inventar von 1767 No. 819 ohne Namen. Im vorigen Katalog: holländisch. 
Doch eher vlämisch. Bode: deutsch. 

Männliches Bildnis. Brustbild, halbrechts, roter 294 
Knebelbart, goldene Kette. Hb> 

Oel, Leinwand, 32,5 h., 50 br. 1849 aus Ludwigsburg. Zur Sammlung Gotter 
1736 gehörten zwei Bildnisse, die dem Pourbus zugeschrieben wurden (vielleicht 
ibl und 294?). Hymans: Wilh. v. Bayern. Gesicht retouchiert. 



Holländische Schule des 17. Jahrhunderts. 

Männliches Bildnis. Illustration. Braune Locken. 295 

Oel Eichenholz, 51,3 h., 40,5 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg. Bredius Hc. 
[an Verspronck (vgl. No. 271), so auch früher im Katalog. Jedenfalls gehört das 
gute, aber stark retouchierte Bild der Schule des Fr. Hals an. 

Männliches Bildnis. Lebensgrosse Halbfigur eines 296 
etwa 25jährigen Mannes mit blondem Bärtchen. Hd. 
Gegenstück zum folgenden. R. seitlich der Schulter 
eine undeutliche Signatur, vielleicht aus Gr und A oder 
G und J zusammengesetzt. Darunter: Anno ('?). 

Oel, Eichenholz, 81 h„ 61,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1902|3 gereinigt. Wahr- 
scheinlich Inventar von 1767 No. 17 und 18 (Sammlung Röder 1750): Mierefeld. Ein 
Zettel auf der Rückseite enthält ebenfalls den Namen Miereveit, an den aber nicht 
zu denken ist. Früher dem David Teniers zugeschrieben. Eisenmann: holländische 
Schule, nicht Teniers. Bredius (neuerdings): Gysbert Vercuylen?, der sich GVK 
zeichnet. Doch kann das Monogramm so jedenfalls nicht gelesen werden. 

Weibliches Bildnis. Lebensgrosse Halbfigur einer 297 
etwa 20jährigen Frau, die eine Mütze (?) in den Hd. 
Händen hält. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Eichenholz, 80 h., 61,3 br. Wie oben. 1902|3 gereinigt. 



136 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



298 Kleines männliches Bildnis. Brustbild eines 
Gd. etwa 40jährigen Mannes mit Spitzbart. Oval. 

Oel, Eichenholz, 18 h., 14 br. 1843 aus Ludwigsburg als Unbekannt. Phot. Hoefle. 
Sammlung Gotter 1736: niederländisch. In Stuttgart früher als v. Dyck. Eisenmann 
und Bredius: Art des Nicolaes Eliasz Pickenoy (geb. 1590/91 in Amsterdam, gest. 
1650 daselbst, Vorgänger Rembrandts in Amsterdam). Von einer Signatur ist nichts 
zu entdecken. 



Sweerts, Michiel 

auch Swartz, Cavaliere Suars genannt, 1652 in Rom tätig, später, wahrscheinlich 
nach 1656, in Amsterdam. Bezeichnet sich auf einigen Radierungen als eques. Seine 
Bilder sind erst kürzlich erkannt und von dem Werk anderer Genremaler jener Zeit 
wie Ter Borchs losgelöst worden. Vgl. Martin in Oud Holland 1907. Jetzt sind 
nach seiner Mitteilung etwa 20 Bilder des Meisters nachzuweisen. 



299 Der Geschmack, Brustbild eines Knaben mit 
Hd. blondem Haar, der ein Ei und ein Stück Brot ver- 
zehrt. Aus einer Serie der fünf Sinne, zu der auch 
No. 300 gehört. Illustration. 

Oel, Leinwand, 54 h., 41 br. 1902 aus Ludwigsburg als Piazzetta. Inventar von 
1767 No. 844 ohne Namen. Die neue Bestimmung von Martin, der sich Bode, Hof- 
stede de Groot und W. Schmidt anschliessen, wird durch den Vergleich mit den 
anderen Bildern des Meisters (Aeltere Pinakothek in München No. 390), Galerie 
Harrach in Wien No. 161 (abgebildet bei Frimmel, Blätter f. Gemäldekunde I, p. 107), 
Museo Civico in Mailand No. 46, städt. Museum zu Haarlem No. 11 (abgebildet von 
Hofstede de Groot, Oud Holland 1901) u. s. w. bestätigt. Martin, der auch die alle- 
gorische Bedeutung der beiden Bilder zuerst erkannt hat, rechnet zu derselben 
Serie eine alte flöhesuchende Frau aus Schloss Haag, die sich 1904 unter No. 409 a 
auf der Düsseldorfer kunsthistorischen Ausstellung befand (das Gefühl!). Es fehlt 
jetzt noch: der Geruch und das Gesicht. In Ludwigsburg sind keine weiteren 
Bilder der Serie erhalten. Hymans dachte zweifelnd an Moreelse. Auch Jan Ver- 
meer van Delft, mit dem bekanntlich Sweerts eine gewisse Verwandtschaft hat, ist 
schon genannt worden. 

300 Das G-ehör, Brustbild eines Mädchens, das auf 
Hd. ein Notenblatt deutet. Illustration. Gehört zu 

No. 299. 

Oel, Leinwand, 53,7 h., 41 br. Wie oben. 



Boursse, Esaias 

geb. 1631 in Amsterdam, gest. 1672 auf dem Schiffe Reenen der ostindischen Kom- 
pagnie während einer Seereise nach Ostindien. Sohn wallonischer Eltern, erhielt 
durch seinen Bruder Jan die Mittel zur Ausbildung als Maler und besuchte wahr- 
scheinlich (zusammen mit Nie. Maes und Pieter de Hooch) das Atelier Rembrandts 
in Amsterdam. Wollte schon 1661 Obermatrose (Adelborst) in der ostindischen 
Kompagnie werden. Bilder von ihm befinden sich u. a. in der Wallace-Sammlung zu 
London, der Sammlung Wesendonck in Berlin, dem Kaiser Friedrich-Museum in 
Berlin tNo. 912 A, früher „Vermeer"), der Suermondt- Sammlung in Aachen, der 
städtischen Galerie in Strassburg (No. 127) und dem Ryks-Museum zu Amsterdam. 
Er ist nur in der kurzen Zeit zwischen 1656 und 1661 als Künstler nachzuweisen. 
Vgl. Bode und Bredius, Jahrb. d. Kgl. preuss. Kunstsammlungen 1905, 205 ff. 



IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 137 



Ein Musiker, in einem Zimmer sitzend, die Flöte 301 
in der Hand. Fc - 

Oel, Eichenholz, 51,7 h., 36,7 br. 1843 ans Ludwigsburg als Quiryn Brekelenkam. 
so auch früher im Katalog. Bredius bezweifelte zuerst (nach Eisenmann mit Recht) 
dessen Autorschaft und schrieb das Bild frageweise dem Abraham van den 
Hecken (geb. in Antwerpen, heiratete 1635 in Amsterdam und war zwischen 163o 
und 1655 abwechselnd im Haag und in Amsterdam tätig. Schwager des Gerard 
.Lundens und Nachahmer des J. Miensze Molenaer) zu. Bayersdorfer dachte an 
Isaac Koedyck (geb. 1616/17 in Leiden, gest. 1677 wahrscheinlich in Amsterdam, 
liess sich 1642 in Amsterdam als Kaufmann nieder. Er übte die Malerei nur als 
Dilettant aus und war dann zuerst ein Nachahmer Dous, dann von J. Duck beein- 
flusst Früher wurden ihm Bilder verschiedener Maler zugeschrieben. Vgl. Hofstede 
de Groot: Jahrb. d. Kgl. preuss. Kunstsammlungen XXIV, 1903, S. 39 ff.). Im vorigen 
Katalog: holländische Schule des 17. Jahrhunderts. Die richtige Bezeichnung von 
Martin, dem sich Hofstede de Groot, der zuerst Brekelenkam für möglich hielt, 
neuerdings anschliesst. 



Schalcken, Godfried (?) 

geb. 1643 zu Made, gest. 1706 im Haag. Schüler des Samuel van Hoogstraeten in 
Dordrecht und vielleicht auch des Gerrit Dou in Leiden. Berühmt als Maler von 
Nachtstücken. Tätig in Dordrecht und im Haag. Seit 1654 in Dordrecht, seit 1691 
hauptsächlich im Haag, ausserdem vorübergehend in London für König Wilhelm III. 
■und in Düsseldorf für den Kurfürsten Johann Wilhelm tätig. 

Einsiedler in seiner Höhle bei Lampenlicht. Be- 302 
zeichnet rechts (wie es scheint echt) Gr. Schalcken 1687. Fe. 

Oel, Kupfer, 31,4 h., 26,8 br. 1845 von dem Kunsthändler Werth in Mannheim im 
Austausch erworben als Schalcken. So auch früher im Katalog. Bredius: Kaum 
Schalcken, eher Vollenhoven (lb11 Meister der Gilde in Utrecht, 1627 Dekan, tätig 
in Utrecht). Eisenmann: Nicht Schalcken, sondern anders bezeichnet, doch unleser- 
lich. Die Bezeichnung ist inzwischen wieder sichtbar geworden, doch ist ihre 
Echtheit zweifelhaft. 



Holländische Schule des 17. Jahrhunderts. 

Ein Alchymist mit seinem Knaben. 303 

Oel, Eichenholz, 40 h., 53,1 br. 1843 aus Ludwigsburg als „nach Teniers". Fe. 
Früher: Manier des Adriaan van Ostade. Scheibler: Joost van Craesbeeck (geb. zu 
Neerlinter bei Thienen in Brabant wohl vor 1608, gest. in Brüssel vor 1661, Freund 
und Nachahmer Brouwers). Bredius: Art des Gerrit Lundens oder Lunden (geb. 
1622 in Amsterdam, lebte noch 1677 daselbst). Martin: Richtung des Teniers. 
Schwaches Bild. 



Vlämische Schule des 17. Jahrhunderts. 

Bauernkirmes. 304 

Oel, Leinwand, 80 h., 113 br. 1902 aus Ludwigsburg als Teniers oder Brouwer. Fe. 
Inventar von 1767 unter den Röderischen oder Wiener Malereien No. 52 ohne Namen. 
1903 ausgebessert und von Uebermalungen befreit. War ursprünglich durch den 
Rahmen verkleinert. Im vorigen Katalog: holländisch. Frimmel: Tilborch. 



138 IV. Holländische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Holländische Schule des 17. Jahrhunderts. 

305 Waldlandschaft mit Hirschjagd. 

Fd. Oel, Leinwand, 40 h., 57,5 br. Sammlung Barbini-Breganze No. HO: Molinier. 
Daher früher: Nicolaes Molenaer, woran nicht zu denken ist. Frimmel und Hofstede 
de Groot: Steht dem Jan van Huchtenburgh (vgl. No. 28b) viel näher. 

306 Waldlandschaft. L. auf dem Wege ein be- 
Fd. rittener Hirt mit Kühen u. s. w. 

Oel, Eichenholz, 91,5 h., 77 br. 1842 von dem Kunsthändler Goldmann in Wien 
gekauft als Adam Pynacker (geb. 1621 zu Pynacker, zwischen Schiedam und Delft, 
gest. 1673 in Amsterdam, Nachahmer Jan Boths, tätig in Delft und Amsterdam). 
Eisenmann: Nicht Pynacker. Bredius: Nicht Pynacker, vielmehr van der Bent. 
Hofstede de Groot: Fälschung oder sehr übermalt. Das schwache Bild gehört in 
die Nachfolge des Jan Both. 

307 Landschaft, gebirgig, Fluss mit Brücke. 

Ga. Oel, Eichenholz, 38,3 h., 54,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Auf der Rückseite ein 
Zettel mit der (späteren) Aufschrift: pinacre. Daher früher Adam Pynacker. Gehört 
in die Nachfolge Adam Elsheimers (vgl. No. 325). 

308 Landschaft mit Wasserfall, dabei Fischer, die 
Tüb. ihre Netze auswerfen. Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Leinwand, 63 h., 79 br. An den Rändern r. und I. stark retouchiert. Samm- 
lung Barbini-Breganze No. 64: Jan Both. So auch früher im Katalog. Schon von 
Frimmel bestritten. Martin: eher französisch in der Art des Jos. Vernet. Die beiden 
schwachen Bilder erinnern nur von ferne an J. Both. 

309 Landschaft. Zwischen einem Hügel am Waldsaum 
Tüb. ein Bach mit Fischern. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Leinwand, 63 h., 79 br. Sammlung Barbini-Breganze No. 65: Jan Both. 
Wie oben. Unten ein ca. 5 cm breiter Streifen übermalt. 

310 Seesturm Zwei Schiffe. 

Ga Oel, Eichenholz, 22,7 h., 30,6 br. Phot. Hoefle. 1843 aus Ludwigsburg als Zee- 
man (Reynier Nooms, gen. Zeeman, geb. 1623 in Amsterdam, gest. daselbst vor 
1668, tätig in Amsterdam, um 1650 in Paris). So auch früher im Katalog. Die Be- 
nennung wird allgemein bestritten. Bredius und Eisenmann: Vielleicht Aernouf 
Smit (1641 1 42 in Antwerpen geb.). 

311 Seestück. Kriegsschiffe bei einer Festung. 

1902 aus Monrepos, 1907 zurückgegeben. 

Monogrammist I. G. L. 

312 Seesturm. L. auf einer Planke bezeichnet: I G L. 

Fa. Oel, Eichenholz, 35,5 h., 46,8 br. 1843 aus Ludwigsburg als v. d. Velde. Phot. 
Hoefle. Bredius: Johannes Porcellis (vlämischer Seemaler, geb. um 1597, wahr- 
scheinlich noch früher, in Gent, gest. 1b32 in Soeterwoude. Schon 1615 in Ant- 



V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 139 



werpen als Maler tätig, 1617 als Meister in die S. Lucas-Gilde daselbst aufgenommen, 
1622 in Haarlem zum zweiten Mal verheiratet, 1626 in Soeterwoude, 1627 im Haag). 
Sammlung Gotter 1736 und Inventar von 1767 No. 918: Zeeman (vgl. No. 310). 

Holländische Schule des 17. Jahrhunderts. 

Seestück. Hafen mit Festung. Unten in der 313 
Mitte Reste der Bezeichnung (Bakhuysen?). Fa. 

Oel, Eichenholz, 32,2 h., 46,2 br. 1902 aus Ludwigsburg als Bonaventura Peefers 
(Vlamländer, geb. 1614 in Antwerpen, gest. 1652 in Hoboken bei Antwerpen. Tätig 
in Antwerpen). 

Seestück. L. auf den Planken unleserliche Be- 314 
Zeichnung, vielleicht C L. Fa. 

Oel, Eichenholz, 34,4 h., 44,2 br. 1843 aus Ludwigsburg als Zeeman, so auch 
früher im Katalog. Sammlung Gotter 1736: Zeemann. Diesem allgemein abge- 
sprochen. Bode bei Eisenmann : Art des Aert van Antum (wenig bekannter Holländer 
um 1600). 

Monogrammist B. H. P. L. 

Seesturm mit Schiffbrüchigen. An einem Felsen 315 
r. ein aus BHPL zusammengesetztes Monogramm. Fb. 

Oel, Eichenholz, 45 h., 75,8 br. 1843 aus Ludwigsburg. Früher Bonaventura 
Peeters, was Hymans für möglich hält, während Eisenmann, Scheibler und Woer- 
mann es bezweifeln. 



V. Deutsche Schule des 17. und 
18. Jahrhunderts. 



Beich, Joachim Franz 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. 1665 in Ravensburg, gest. 1748 in München. 
Schüler seines später von Ravensburg nach München übergesiedelten Vaters Daniel 
Beich. Ein längerer Aufenthalt in Italien, namentlich in Livorno, Rom und Neapel, 
bestimmte seine Richtung. Nachahmer des A. Meyeringh (vgl. No. 240), Claude 
Lorrain, Gaspard Poussin und Salvator Rosa. Er fand früh Anerkennung und starb 
als kurbayrischer Hofmaler. 

Landschaft. Gebirgsbach. Staffage: vier Männer. 316 

Oel, Leinwand, 110,8 h., 148,8 br. 1841 vom Kommerzienrat Jobst in Stuttgart Db. 
als Salvator Rosa geschenkt. 1905 ausgebessert. 



140 V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderls 



317 Felslandschaft mit Grebirgsbach. Frau und Mann. 

Da. Oel, Leinwand, 85 h., 60,2 br. 1846 aus Ludwigsburg als Salvator Rosa. Samm- 
lung Gotter 1736: Beich. 



Bemmel, Wilhelm von (?) 

Landschaftsmaler und Radierer, aus einer niederländischen Familie, geb. 1630 in 
Utrecht, gest. 1708 in Wöhrd (Fürth?) bei Nürnberg. Schüler des Hermann Saftleven 
in Rotterdam, liess sich nach einer italienischen und englischen Reise zuerst sechs 
Jahre am hessen-kasselschen Hofe und in Augsburg, dann 1662 in Nürnberg nieder. 
Stammvater einer durch mehrere Generationen blühenden Künstlerfamilie. Nachahmer 
der Italiener und Franzosen. 

318 Landschaft mit Wasserfall und Staffage. 

Dh. Oel, Lei nwand, 25,7 h., 39,8 br. 1865 vom Bankier Gavard in Stuttgart erworben. 

Bemmel, Christoph von (?) 

Landschaftsmaler, geb. in Nürnberg 1707, gest. in Strassburg um 1783, Enkel des 
W. v. Bemmel, Sohn des Peter von Bemmel. Bildete sich nach seinem Grossvater 
und Vater, lebte später in Mannheim und Strassburg. 

319 Mondscheinlandschaft. Hirten treiben eine Herde 
De. zum Wasser. 

Oel, Leinwand, 32,3 h., 46,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 930 
ohne Namen. 



Denner, Balthasar (?) 

seiner Zeit berühmter Porträtmaler, geb. 1685 in Altona, gest. 1749 in Rostock. 
Zuerst Schüler eines Miniaturmalers Amama, dann eines Malers in Danzig, 1707 auf 
der Kunstakademie in Berlin. Später in Hamburg und (1721—1724) in London an- 
sässig, aber viel auf Reisen, besonders an den Höfen, wo er als Porträtmaler sehr 
geschätzt wurde. 

320 Bildnis einer älteren Frau, die sich die 
De Haare kämmt. Bruststück halbrechts. 

Oel, Leinwand, 59,5 h., 48 br. Oben ein schmaler Streifen angesetzt. 1849 aus 
Ludwigsbunj. Sammlung Gotter 1736: Seybold (vgl. No. 372). Inventar von 1767 
No. 832 ohne Namen. 

321 Bildnis einer älteren Frau. Bruststück halbr. 

Dd. Oel, Leinwand, 41 h., 31,6 br. 1849 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Suter (?), Inventar von 1767 No. 1005: Seybold. Wahrscheinlich sind die Ind-entar- 
benennungen glaubwürdiger als die traditionellen Zuschreibungen. 



V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 141 



Dietrich, Christian Wilhelm Ernst 

auch Dietricy genannt, Maler und Radierer. Geb. in Weimar 1712, gest. in Dresden 
1774 Schüler seines Vaters, eines Weimarischen Hofmalers, und des Landschafts- 
malers Alexander Thiele in Dresden. 1741 Hofmaler in Dresden, Günstling des 
Grafen Brühl, 1743 in Venedig und Rom, vorübergehend in Weimar, Braunschweig, 
Freiberg und Meissen, 1763 Direktor der Malschule an der Meissener Porzellan- 
fabrik, 1765 Akademieprofessor in Dresden. Geschickter Nachahmer der alten 
Holländer. 

Dorfmusikanten. Geiger und Knabe mit Dudelsack. 322 

Oel, Leinwand, 47 h., 38 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 103. 1903 von De. 
Ueber'malungen gereinigt und viele ausgebrochene Stückchen der Farbschicht ergänzt. 

Kleine Herbstlandschaft. Gegenstück zum 323 
folgenden. R. unten rätselhafte Signatur: Triten De. 
oder Thilen? 

Oel, Buchenholz, 18,2 h., 23,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Kleine Winterlandschaft. Gegenstück zum 324 
vorigen. L. unten bez. Ditrich. Dc - 

Oe1> Buchenholz, 17,9 h., 23.1 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Elsheimer, Adam, Kopie 

berühmter Landschafts- und Historienmaler, geb. 1578 in Frankfurt a. M., gest. 1620 
in Rom. Schüler des Phil. Uffenbach in Frankfurt a. M. In Rom, wo er schon »604 
lebte Begründer eines zarten, viel nachgeahmten Landschaftsstils und einer intimen 
Auffassung mythologischer Stoffe in künstlicher Beleuchtung. Viel von Niederländern 
nachgeahmt. 

Befreiung Petri aus dem Gefängnis. 325 

Oel, Fichtenholz, 52,8 h., 68 br. Sammlung Barbini-Breganze No. 178: Giulio Ed. 
Cesare Procaccini (Bologna um 1548—1626). So auch früher im Katalog. Hymans: 
Steenwyck (vgl. No. 169). 



Hamilton, Philipp Ferdinand de 

Tier- und Stillebenmaler. Geb. 1664 in Brüssel, gest. 1750 in Wien. Sohn und 
Schüler des Jacob (James) Hamilton, eines aus. schottischer Familie stammenden 
in Brüssel ansässigen Stillebenmalers, des Stammvaters einer grossen Künstler- 
familie, deren Mitglieder sich fast alle in Wien niederliessen. 1706— 1740 als 
Kammermaler in Wien nachzuweisen, wo er besonders für Kaiser Karl VI. arbeitete. 

Totes Rebhuhn. Gegenstück zum folgenden. L. 326 
unten bez. P. H. 17—. Ed - 

Oel, Leinwand, 42,3 h., 65,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 100. 

Tote Schnepfe. Gegenstück zum vorigen. 327 

Oel, Leinwand (später auf Holz aufgezogen), 43 h., 64 br. 1843 aus Ludwigsburg. Ed. 
Inventar von 1767 No. 215 ohne Namen. Früher: John George de Hamilton. 



142 V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Hamilton, Charles William de 

Bruder des vorigen, geb. in Brüssel 1668 oder 1670, gest. in Augsburg 1754, Schüler 
seines Vaters Jacob H. und seines Bruders Phil. Ferd. H., Kabinetsmaler des 
Fürstbischofs Alexander Sigismund von Augsburg. 

328 Blumen mit Amphibien und Insekten. Gegen- 
Da. stück zum folgenden. 

Oel, Ahornholz, 39,5 h., 28,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 444 
ohne Namen. In den Inventaren von 1721 und 1724 werden unter No. 443, 451, 529, 
537 und 541 Insekten von Hamilton erwähnt, im Katalog der Sammlung Gotter von 
1736 zwei Diestel- und Insektenstücke von Föhrenthal (Nicolaas van Verendael, 1640 
bis 1691 in Antwerpen). 

329 Disteln mit Amphibien und Insekten. Gegen- 
Da. stück zum vorigen. Bez. r. unten C. W. ß. V. Hami— . 

Oel, Kirschbaumholz, 39,1 h., 28,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 
No. 444 ohne Namen. 1904 viele ausgebrochene Stücke mitten und unten ergänzt. 

'330 Pflanzen mit Amphibien und Insekten. Gegen- 
Dd. stück zum folgenden. 

Oel, Birnbaumholz, 39,8 h., 28,3 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

331 Pflanzen mit Amphibien und Insekten. Gegen- 
Dd. stück zum vorigen. 

Oel, Mahagoniholz, 39,7 h., 28,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Hamilton, Johann George de 

Bruder der beiden vorigen, geb. 1672 in Brüssel, gest. 1737 in Wien, Schüler seines 
Vaters Jacob H. Lebte eine Zeit lang in Berlin, seit 1712 in Wien, wo er 1721 bis 
1728 unter den Hof- und Kammermalern erwähnt wird. Machte Reisen nach Deutsch- 
land und England. 

332 Tierstück. Toter Hase, Hunde u. s. w. R. unten: 
Ed. 1717. 

Oel, Leinwand, 35,3 h., 55 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 1048 
ohne Namen. 

333 Bärenhetze. R unten bez. : J. G. Ham / milton fe. 
Ed. A° 1712. 

Oel, Leinwand, 51 h., 69 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 1047: 
Hamilton. Entweder identisch mit dem in den Inventaren von 1721 und 1724 auf- 
geführten Bilde No. 393 (ohne Namen) oder mit einem, das 1740 unter den „Rettischen", 
d. h. von dem Maler Livio Retti gekauften Bildern erwähnt wird. 

334 Vier Jagdhunde bei totem Wild. Gegenstück 
Ed. zum folgenden. 

Oel, Eichenholz, 42,8 h., 54,9 br. 1843 aus Ludwigsburg. 



V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 143 



Fünf Jagdhunde bei totem Wild. Gegenstück 335 
zum vorigen. £jU ' 

Oel, Eichenholz, 42,5 h., 55 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Hofmann, Samuel 

Porträt- und Stillebenmaler, der bedeutendste Schweizer Künstler des 17. Jahrhunderts. 
Geb. 1591 oder 1592 in Zürich, gest. 1648 in Frankfurt a. M. Schüler des in Zürich und 
Bern geschätzten Gotthard Ringgli, später in Antwerpen Schüler des Rubens, dann 
in Amsterdam. Seit 1624 (oder 1628?) als anerkannter Porträtmaler in Zürich, 
vorübergehend in Lindau und Breisach. Seit etwa 1638 in Frankfurt a. M. Bilder 
von ihm in und bei Zürich, in Frankfurt a. M. und in Darmstadt. 

Grosses Rückenstück (Fische, Geflügel, Obst 336 
u. dgl.) mit vier Personen. L. am Tisch die Be- Ha. 
Zeichnung: HOFMAN INVENT TIGVRIN. Zörch. 

Oel, Leinwand, 176,5 h., 136,5 br. 1902 aus dem Magazin. Sammlung Barbint- 
Breganze No. 121 als „Hogarth (!). Die Bezeichnung erst 1903 erkannt. 



Huber, Johann Kaspar 

Landschafts- und Seemaler der Schweizer Schule, geb. 1752 in Glattfelden bei 
Zürich, gest. 1827 in Zürich. Zuerst Dekorationsmaler (1771), dann Schüler des 
loh. Heinr. Wüst in Zürich und des Nothnagel, 1773 in Basel, 1774 in Strassburg, 
1778 in Düsseldorf, 1782—84 in Amsterdam, 1784—89 wieder in Düsseldorf, dort 
Mitglied der Kunstakademie, seit 1789 in Zürich. 

Landschaft, Ansicht von Koblenz. Zwei Männer. 337 

Oel, Leinwand, 57 h., 54,5 br. 1843 aus Ludwigsburg als Heermann. So auch De. 
früher im Katalog. Die richtige Bezeichnung seit 1903 nach der Inschrift auf der 
Rückseite: Vue de Coblenc und: Huber p. Coblenz 1780. 



Juncker, Justus (?) 

Genre- und Stillebenmaler, geb. 1703 in Mainz, gest. 1767 in Frankfurt a. M. Schüler 
des Joh. Hugo Schlegel daselbst, Nachahmer der Niederländer (besonders des Wyck, 
de Heem und v. Huysum), «sine Zeit lang in London, seit 1726 in Frankfurt. Aus 
Goethes Dichtung und Wahrheit bekannt. 

Ruhige See. R. unten bez. Junger f. 338 

Oel, Eichenholz, 21,9 h., 29,7 br. 1843 aus Ludwigsburg als v. d. Velde. Doch Dd. 
fand sich in Stuttgart die Signatur. Weizsäcker: Nicht der Frankfurter Juncker. 



Kauffmann, Angelica 

berühmte Porträtmalerin, geb. 1741 zu Chur in Graubünden, gest. 1807 in Rom. 
Schülerin ihres Vaters Joh. Jos. Kauffmann, der aus Schwarzenberg im Bregenzer 
Walde stammte, aber schon 1742 mit ihr nach Morbegno im Veltlin, 1752 nach Como 



144 V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



übersiedeile. Hier verbrachte sie ihre Jugend und erregte schon als Mädchen durch» 
ihre Pastellbildnisse Aufsehen. 1754 in Mailand, 1757 mit ihrem Vater in dessen Heimat 
Schwarzenberg, dann vorübergehend in Meersburg und Tettnang beschäftigt. 1762 
in Florenz, 1763 in Rom, wo sie die Antiken, Rafael und Michelangelo studierte,, 
mit Winckelmann und Mengs (später mit Goethe) Freundschaft schloss, und in 
Neapel, 1765 in Bologna und Venedig. 1766 — 1781 in England, wo sie, nachdem 
sie die Ehe mit Sir Joshua Reynolds (vgl. No. 410a) ausgeschlagen hatte, einenr 
Abenteurer, einem angeblichen schwedischen Baron von Horn, in die Hände fiel, 
mit dem sie kurze Zeit verheiratet war. 1781 heiratete sie den italienischen Maler 
Antonio Zucchi, mit dem sie zuerst in Venedig, dann seit 1782 in Rom lebte. 

339 Bildnis der Freifrau von Bauer, Hofdame 
Db. der Kaiserin Elisabeth von Hussland. Illustration. 

Oel, Leinwand, 76 h., 64 br. Phot. Hoefle. 1866 vom Grafen von Taubenheim< 
gekauft. 

Keller, Johann Heinrich 

geb. 1692 in Zürich, gest. 1755 im Haag. Sohn des Baseler Bildhauers Joh. Jak. 
Keller, Schüler des Landschaftsmalers Andreas Holzmüller in Basel, reiste dann im 
Süddeutschland, seit 1723 oder 1724 in Paris, Hess sich 1726 in Holland nieder, wo 
er Bildnisse und dekorative Bilder malte. Nachahmer der Holländer und des Gasp. 
Poussin. 

340 Seesturm. R. unten bez.: J. Keller (zusammen- 
Db. gezogen). 

Oel, Fichtenholz, 27 h., 40,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Keller, S. 

Architekturmaler aus Freiburg i. Br. Lebte um 1780. 

341 Kircheninterieur, spätgotisch. Gegenstück zum 
Dd. folgenden. R. unten bez. : S. Keller pinx 1786. Von 

freiburg im breisg. 

Oel, Fichtenholz, 30,7 h., 43 br. 1849 aus Ludwigsburg. 

342 Kircheninterieur, spätgotisch. Gegenstück zum 
Dd. vorigen. 

Oel, Fichtenholz, 31,5 h., 43,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Auf der Rückseite: S. Keller 
pinx von freiburg 1785 (vielleicht Abschrift einer nicht mehr vorhandenen Signatur.)» 



Klengel, Johann Christian 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. 1751 in Kesselsdorf bei Dresden, gest. 1824 irt 
Dresden. Schüler Dietrichs (vgl. No. 322) und Günstling Hagedorns, 1790—17 92 ii* 
Italien, seit 1800 Professor an der Dresdener Akademie. 



V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 145 



Hirtenfamilie bei ruhendem Vieh. Gegenstück 343 
zum folgenden. Unten in der Mitte bez. K. 1771 f. Db. 

Oel, Leinwand, 36,3 h., 28,3 br. 1843 aus Ludwigsburg. Die Luft retouchiert. 

Hirten, die eine Herde durch eine Furt 344 
treiben. Gegenstück zum vorigen. R. unten bez Db. 
K. 1771. 

Oel, Leinwand, 36,1 h., 28 br. 1843 aus Ludwigsburg. No. 343 und 344 (oder 345 
und 346?) sind 1790/91 von Herzog Karl als Klengel gekauft. Sie hiessen in Ludwigs- 
burg „Klingel", in den früheren Katalogen Jan van Kessel. Die richtige Bezeich- 
nung von Eisenmann. 

Landschaft. Gegenstück zum folgenden. L. unten 345 
bez. Klengel f. 1775. Dd. 

Oel, Kupfer, 21,6 h., 30,6 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Landschaft (Teich). Gegenstück zum vorigen. Bez. 346 
mitten: Klengel f. 1775. Dd. 

Oel, Kupfer, 21,6 h., 30,7 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1906 gereinigt und Risse 
ausretouchiert. 



Kobell, Ferdinand 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. 1740 in Mannheim, gest. 1799 in München. 
Zuerst Jurist, dann in Mannheim Schüler des aus Gent als Akademiedirektor dorthin 
berufenen P. Verschaffelt. 1768 in Paris. Studierte besonders die alten Holländer 
und Gasp. Poussin. 1769 kurfürstlicher Kabinetsmaler in Mannheim, bald darauf 
Professor an der Akademie und später Direktor der Galerie daselbst. 1793 siedelte 
er nach München über. 

Grosse Landschaft. Männer vor einer Höhle 347 
töten eine Schlange. Dd. 

Oel, Leinwand, 143 h., 171,3 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Waldlandschaft mit Entenjagd bei Mondschein. 348 

Oel, Leinwand, 49 h., 105,7 br. 1902 aus Ludwigsburg. Dd, 

Kleine Landschaft in Mittagsbeleuchtung. Gegen- 349 
stück zum folgenden. ffc. unten bez. Kobell 1780. Dd. 

Oe!, Eichenholz, 15 h., 21,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. 

Kleine Landschaft in Abendbeleuchtung. Gegen- 350 
stück zum vorigen. L. unten bez. F. Kobell 1780. Dd. 

Oel, Eichenholz, 15 h., 21,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. 

10 



146 V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Kobell, Franz 

eeb 1749 in Mannheim, gest. 1822 in München. Jüngerer Bruder Ferdinands. Zuerst 
Kaufmann, 1776—1785 in Italien, dann in München, wo er 17% Hofmaler wurde. Von 
Goethe hochgeschätzt. 

351 Kleine Landschaft. Ein Bach zwischen Hügeln. 
De. Abendstimmung. Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Buchenholz, 19,5 h., 26,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

352 Kleine Landschaft. L. ein Bach. Aussicht auf 
De. Berge. Morgenstimmung. Gegenstück zum vorigen. 

Oel Buchenholz, 19,5 h., 26,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. R. ein Streifen (alt) 
angesetzt. Auf den Rückseiten von No. 351 und 352 Zettel mit dem Namen Franc. 
Kobell. Früher und noch im vorigen Katalog: Ferdinand Kobell. 



Mengs, Anton Raphael 

guter Porträtmaler, über Gebühr gefeierter Historienmaler. Geb. 1728 in Aussig, 
lest 1779 in Rom. Sohn und Schüler des Porträt- und Miniaturmalers Ismael 
Men'es in Dresden, der schon 1740 — 43 mit ihm in Rom war. In Dresden schon 
1749 Hofmaler, 1752—1761 wieder in Italien, hauptsächlich Rom, 1/61—1769 in Madrid 
(Hofmaler des Königs von Spanien), später teils in Italien, teils in Madrid. Seit 1777 
wieder in Rom. Freund Winckelmanns, Mittelpunkt des römischen Kunstkreises, 
auch als Schriftsteller tätig. Hauptvertreter des Eklektizismus. 

353 Christus als Erlöser. Brustbild lebensgross in 
Da. Oval, mit Erdkugel, segnend. 

Oel, Leinwand, 73 h., 57 br. Geschenk des Dr. Barth in Calw 1861 der das Bild 
einige lahre vorher von dem Fürsten Otto Victor von Schönburg-Waldenburg zum 
Geschenk erhalten hatte. 1905/06 viele ausgebrochene Stellen ergänzt. 



Morgenstern, Johann Ludwig Ernst 

Architektur- und Landschaftsmaler, geb. 1738 in Rudolstadt, gest. 1819 in Frankfurt 
a M Sohn des fürstlich Schwarzburgischen Kammerdieners und Portratmalers 
lohann Christoph Morgenstern, 1766 auf der kleinen Kunstakademie in Salzdahlum 
/unter L W Busch), 1768 als Gemälderestaurator in Hamburg (wo er nach Seekatz 
kopierte), 1769 in Frankfurt a. M., 1770—1772 in Darmstadt. Schüler von Chr. G. 
Schütz d. Ae. (vgl. No. 370) und Nothnagel d. Ae. in Frankfurt. 1776 Bürger in 
Frankfurt Seine früheren Schlachtenbilder unter Rugendas Einfluss. beit 1775 
Architekturmaler, als solcher Nachahmer der Niederländer (Neefs, Steenwyck u.s.w.) 
und Schüler von Joh. Vögelin. 

354 Kircheninterieur, spätgotisch. R. am Pfeiler 
De. bez. J L. E Morgenstern pin: 1785. 

Oel, Kupfer, 45,5 h., 40,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. 



Orient siehe No. 223. 



V. Deutsche Schule des 17. und 18 Jahrhunderts. 147 



Querfurt, August 

geb. 1697 in Wolfenbüttel, gest. 1761 in Wien. Schüler seines Vaters Tobias Q., 
Hofmalers des Herzogs von Braunschweig, und dann des O. Ph. Rugendas in Augs- 
burg (vgl. No. 366), ausserdem noch von Bourguignon (vgl. No. 389) beeinflusst. 
Später in Pressburg. Seit 1752 „Honorarius" der Wiener Akademie. 

FahrendesVolk. Ein Reise wagen auf einer Brücke. 355 

Oel, Leinwand, 33 h., 40,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 908 Db. 
ohne Namen. 1903 regeneriert und ausgebrochene Stücke r. ergänzt. 

Pferdefütterung. Auf dem Hinterteil des Schim- 356 
mels A Q (verschlungen). Db. 

Oel, Eichenholz, 27 h., 36,6 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 908 
ohne Namen. 1903 regeneriert. 



Aufbruch zur Jagd. Gegenstück zum folgenden. 357 

Oel, Leinwand, 37 h., 33 br. 1849 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 892: Db. 
Querfurt. 

Zwei Reiter, einer aufsitzend. Gegenstück zum 358 

vorigen. Db. 

Oel, Leinwand, 37 h., 33 br. 1849 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 892: 
Querfurt. 



Roos, Johann Heinrich (?) 

Tier-, Landschafts- und Porträtmaler (auch Radierer). Geb. 1631 zu Ottersberg 
{nicht Otterdorf) in der Pfalz, gest. 1685 zu Frankfurt a. M. In seiner Jugend in 
Amsterdam Schüler des Julian Dujardin und des Adriaan de Bie. 1657 in Frankfurt, 
1668 Bürger daselbst, 1673 Hofmaler des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, 
zeitweise (1650 — 55) auch am Hofe von Hessen-Kassel und für den Kurfürsten Joh. 
Philipp von Mainz tätig. Nachahmer der holländischen Tiermaler (Karel du Jardin, 
A. van de Velde u. s. w.) 



Grosses Tierstück, Schafe u. s. w. Lebensgross. 359 

Oel, Leinwand, 129,5 h., 197,7 br. 1843 aus Ludwigsburg. Wahrscheinlich 1724 Hd. 
mit der Osianderschen Sammlung als „Tempesta" gekauft. Auf der Rückseite: 
Caval. Tempesta fecit in späterer Schrift. (Pieter Mulier, gen. il Cavaliere Tempesta, 
vgl. No. 565.) In der Sammlung Götter 1736 wird ein „Roos Roman" (Rosa di 
Tivoli) erwähnt, doch ist derselbe mit unserem Bilde wohl nicht identisch. Uebrigens 
ist die Urheberschaft nicht sicher. 



Grosse Landschaft mit weidendem Vieh. Abend- 360 
Stimmung. Ha. 

Oel, Leinwand, 123,5 h., 153,5 br. 1847 vom Kanzleirat Bührlen in Stuttgart ge- 
kauft, wobei König Wilhelm I. einen Teil der Kaufsumme bezahlte. Die Viehgruppe 
vorn 1. ist auf einem ovalen eingesetzten Stück Leinwand, vielleicht von derselben 
Fland, gemalt. R. ein senkrechter Riss. 1905 gereinigt (fünf Firnisschichten abge- 
nommen). 



148 v - Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



361 Ruhende Herde mit Hirtin. Gegenstück zum 
Dd. folgenden. 

Oel, Eichenholz, 33,2 h., 46,3 br. 1843 aus Ludwigsburg als „nach Roos". 

362 Schafherde und Bulle mit ruhendem Hirten. 
Dd. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Eichenholz, 33,2 h., 46,4 br. 1843 aus Ludwigsburg als „nach Roos". 

Roos, Johann Melchior 

Tiermaler, geb. 1659 in Frankfurt a. M., gest. daselbst 1731. Sohn und Schüler des 
loh. Heinr. C Roos, jüngerer Bruder des Rosa di Tivoli. 1686 — 1690 in Italien. Liess 
sich nach längerem Aufenthalt in Nürnberg und Heidelberg in Frankfurt nieder. 

363 Hirschhetze. Gegenstück zum folgenden. L. unten 
Da. bez : J. M. Roos fecit 1727 (nachgezogen, die drei 

ersten Buchstaben verschlungen). 

Oel, Leinwand, 70,5h., 78,5br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 173b: 
Roos.' Inventar von 1767 No. 881 ohne Namen. Die Inschrift aufgefrischt. 

364 Bärenhetze. Gegenstück zum vorigen. R. unten 
Da. dieselbe Bezeichnung. 

Oel, Leinwand, 70,3 h., 78,3 br. 1843 aus Ludwigsburg. Herkunft wie oben. 

Rottenhammer, Johann 

geb. 1564 in München, gest. 1623 in Augsburg. 1582—1590 Schüler seines Vaters 
Thomas und des Hans Donauer in München, dann in Rom und (noch 1605) in Ve- 
nedig, hier unter dem Einfluss der venezianischen Malerei, besonders des Tintoretto. 
1607 in Augsburg, zeitweise auch in München. 

365 Wettstreit zwischen Apoll und Marsyas. 

Ca. Oel, Kupfer, 22 h., 27,8 br. 1902 aus Ludwigsburg. Sammlung Ootter 1736: Rot- 
tenhammer, die Landschaft von Brügel. Inventar von 1767 No. 755 ohne Namen. 
Das Kupferblech trägt auf der Rückseite einen Stempel, der aus den Worten ANNO 
1605, einer offenen Hand (Antwerpen) u. einer Hausmarke mit P S zusammengesetzt ist. 

Rugendas, Georg Philipp der Aeltere 

Schlachtenmaler und (später) Kupferstecher, geb. in Augsburg 1666, gest. daselbst 
1742 Schüler des Isaak Fisches in Augsburg, im Anschluss an Bourguignon (vgl. 
No 389) und Tempesta weitergebildet. 1690 in Wien, 1692 in Venedig (bei Molinan), 
1693 in Rom, 1695 wieder in Augsburg. Vielgereist, seit 1710 Direktor der neu- 
gegründeten Augsburger Akademie. 

366 Türkenschlacht. Gegenstück zum folgenden. 

Da. Oel Leinwand, 71,1 h., 96 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 102 : 
Rugendas. Nach Füssli malte er 1706 „etliche Stücke" für den Herzog von Württemberg. 



V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 149 



Schlachtenbild. Gegenstück zum vorigen. R. unten 367 
bez.: Gr. P. Rüg. Da. 

Oel, Leinwand, 70,5 h., 95,4 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 102. 

Türkenschlacht. Gegenstück zum folgenden. 368 

Oel, Leinwand, 58,5 h., 110,6br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 174 De. 
ohne Namen. 

Lagerszene. Gegenstück zum vorigen. 369 

Oel, Leinwand, 58,5 h., 110,6 br. 1843 aus Ludwigsburg. Inventar von 1767 No. 174 De. 
ohne Namen. 



Schätz, Christian Georg der Aeltere 

Landschaftsmaler, geb. 1718 in Flörsheim bei Mainz, gest. 1791 in Frankfurt a. M. 
1731 — 1735 Schüler des Hugo Schlegel daselbst, dann des Appiani in Mainz. Unter 
Herman Saftlevens Einfluss weitergebildet (vgl. No. 221). Viel gereist (besonders 
am Rhein und in der Schweiz). 1749 als Lehrer an der Akademie von Salzdahlum 
bei Braunschweig, längere Zeit in Schloss Amaliental bei Cassel, Hess sich 1744 
zuerst in Frankfurt nieder, wurde aber erst 1768 Bürger. Aus Goethes Dichtung 
und Wahrheit bekannt. 

Kleine Landschaft. Gegenstück zum folgenden. 370 

Oel, Eichenholz, 15,3 h., 22 br. 1843 aus Ludwigsburg. Dd. 

Kleine Landschaft. Aufziehendes Gewitter. 371 
Gegenstück zum vorigen. R. undeutliche Spuren üd. 
einer Signatur. 

Oel, Eichenholz, 15,5 h., 22 br. 1843 aus Ludwigsburg. 



Seybold, Christian 

geb. in Mainz 1690 (nicht 1703), gest. in Wien 1768. Autodidakt, der sich im An- 
schluss an Denner bildete. Seit 1749 Kammermaler in Wien. Vgl. auch Nr. 320 
und 321. 

Männliches Bildnis, jung, bartlos, grinsend. 372 

Oel, Leinwand, 42,5 h., 41 br. 1849 aus Ludwigsburg als Denner. So auch Db. 
früher in Stuttgart. Aber schon Sammlung Götter 1736 und Inventar von 1767 
No. 841 : Seybold. 

Männliches Bildnis, jung, Schnurrbart, Pelzkappe. 373 

Oel, Leinwand, 64 h., 51 br. 1902 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 und Db. 
Inventar von 1767 No. 1069: Max Heindel (?). 

Weibliches Bildnis, Brustbild einer alten Frau. 374 

Oel, Leinwand, 65,5 h., 51 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: De. 
Seybold. 



150 V. Deutsche Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



375 Männliches Bildnis, Brustbild im Harnisch. 

Dd. Oel, Eichenholz, 44,5 h., 34 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 173r> 
und Inventar von 1767 No. 849: Max Heinerl oder Heindel (?). Bisher: Seybold. 
1903 gereinigt. 

376 Bildnis eines zeichnenden Knaben. Halbfigur, 
Da. sitzend, nach 1. 

Oel, Leinwand, 92 h., 74 br. 1902 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 und 
Inventar von 1767 No. 843: Seybold. 

Stöcklin, Christian 

geb. in Genf 1741, gest. in Frankfurt a. M. 1795 (nicht 1800). 1757 in Bologna unter 
Antonio Galli da Bibiena und in Rom. 1761—64 in Stuttgart und Ludwigsburg unter 
Colomba. 1764 in Frankfurt a. M., 1768 Bürger daselbst. 

377 Kircheninterieur, gotisch. Gegenstück zum 
De. folgenden. 

Oel, Eichenholz, 26,6 h., 25,1 br. 1843 aus Ludwigsburg. Beide Bilder galten in 
Ludwigsburg als Neefs. Vielleicht Inventar von 1767 No. 56 und 57 (Sammlung 
Röder): ohne Namen. 

378 Kircheninterieur, Renaissance. Gegenstück zum 
De vorigen. 

Oel, Eichenholz, 26,5 h., 25,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Therbusch, Anna Dorothea 

geborene Liszewska, geb. 1722 in Berlin, gest. 1782 daselbst. Schülerin ihres Vaters^ 
des Berliner Porträtmalers Georg Liszewsky, jüngere Schwester der Porträtmalerin 
Anna Rosina Liszewska, 1761 und 1765 in Stuttgart, wo sie als Porträtmalerin sehr 
geschätzt und auch mit dekorativen Arbeiten betraut wurde. 1762 Ehrenmitglied 
der Acaddmie des arts, 1763 in Mannheim als Hofmalerin, 1766 in Paris, 1767 in die 
Akademie daselbst aufgenommen, seit 1770 wieder in Berlin. 

379 Selbstbildnis. Brustbild mit Palette und Pinseln. 

De. Oel, Leinwand, 66 h., 49 br., durch Aufspringen der Farbschicht verdorben. 1902 
aus Ludwigsburg als „Madame Derbutsch". Im Inventar von 1767, wo andere 
Bilder der Malerin genannt werden, nicht erwähnt, also wahrscheinlich später er- 
worben. Ein ähnliches, aber jüngeres Selbstbildnis im Stuttgarter Privatbesitz als 
„Angelika Kauffmann 1 '. 

Treu, Katharina 

oder Trey, geb. 1742 in Bamberg, gest. 1811 in Mannheim, Schülerin ihres Vaters 
Marquard Treu und der Düsseldorfer Akademie, 1765 kurpfälzische Kabinetsmalerin 
am Hofe Karl Theodors in Mannheim, 1776 Professorin in Düsseldorf. 

380 Fruchtstück. Trauben, Pfirsiche und ein Pokal. 

Dd. Oel, Holz, 60 h., 48 br. 1843 aus Ludwigsburg. 



VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 151 



Weirotter, Franz Edmund 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. 1730 in Innsbruck, gest. 1771 in Wien, wo er 
seit 1766 Professor an der Kupferstecherschule war. Gebildet in Wien. 

Campagnalandschaft mit römischer Wasser- 381 
leitung. Dc > 

Oel, Eichenholz, 30,9 h., 25 br. 1843 aus Ludwigsburg. Früher: Dietrich. 

Deutsch oder Niederländisch, 17. Jahrhundert. 

Falkenträger. Halbfigur eines 35— 40jährigen 382 
Mannes, lebensgross, auf der L. einen Falken. Hc 

Oel, Leinwand, 120 h., % br. Phot. Hoefle. 1846 aus Ludwigsburg. Sammlung 
Gotter 1736: van Dyck. Inventar von 1767 No. 809: Teyd (soll heissen v. Dyck). 
Früher: Frans Hals, was schon Eisenmann zurückwies, der das Bild frageweise 
dem Adriaen Hanneman (geb. um 1601 im Haag, gest. 1671 daselbst, Schüler Ra- 
vesteyns und Nachahmer v. Dycks) zuschrieb. Bayersdorfer: Nicht Hanneman, 
sondern Niclas Prugger (auch Brugger, geb. in Trudering bei München, gest. 1694 in 
München, kurfürstlich bayrischer Hofmaler). 

Knabenbildnis, lebensgross, Kniestück. L. oben 383 
das Wappen der Questenberg, r. oben Anno 1637. De. 

Oel, Leinwand, 101,5 h., 78,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
van Dyck. 1905 gereinigt und ausgebessert. 

Stilleben. Wildpret, Fische, Gemüse und Früchte. 384 

Oel, Nussbaumholz, 29,5 h., 36,5 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Oberst- De. 
hofmeisters Freiherrn R. v. Reischach. 



VI. Englische, französische u. s. w. 
Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Boulogne, Louis der Jüngere, Kopie 

französischer Eklektiker, geb. 1654 in Paris, gest. 1733 daselbst, Sohn Louis Bou- 
lognes des Aelteren, jüngerer Bruder Bon Boulognes, welcher letztere sich zum 
Unterschied von ihm auch 1'aTne' nannte. 1675— 1680 in Rom, kehrte dann über die 
Lombardei und Venedig nach Paris zurück. 1693 Professor an der Akademie, 1722 
Direktor derselben und 1725 „Premier peintre du Roi". 

Darstellung im Tempel. 385 

Oel, Leinwand, 74 h., 98 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 67 als le Je. 
Brun. Wiederholung eines in der Kirche Notre Dame zu Paris befindlichen Gemäldes. 



152 VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Callot, Jacques, Kopien 

berühmter französischer Kupferstecher, geb. in Nancy 1592, gest. daselbst 1635. 
Schon früh in Italien, wo er besonders bei Giulio Parigi in Florenz (1612 — 1b17) 
lernte. 1621 wieder in Nancy am Hofe Herzog Karls IV. von Lothringen. 1633 
lehnte er einen Ruf Ludwigs XIII. nach Paris ab. Seine Kupferstiche, etwa 1500 an 
der Zahl, schildern besonders das Theater, das Volks- und Soldatenleben. Gemalt 
hat er anscheinend nicht. Was von Bildern auf ihn zurückgeführt wird, ist durch- 
weg Kopie nach seinen Stichen. 

Exekution durch Erschiessen. Gegenstück zum 
folgenden. 

Oel, Birnbaumholz, 13 h., 18,8 br. 1843 mit No. 387 zusammen aus Ludwigsburg. 
Beide im Inventar von 1767 No. 897 ohne Namen. Sammlung Gotter 1736: Callot. 
Kopien nach No. 11 und 12 der bekannten Kupferstichfolge: Die grossen Miseres 
de la guerre. Ein ähnliches Bildchen in der Dresdener Galerie No. 716, ebenfalls 
Kopie. Früher für Originale gehalten. Eisenmann: Kopien. 

Exekution durch Erhängen. Gegenstück zum 
vorigen. 

Oel, Birnbaumholz, 13 h., 18,5 br. Herkunft wie No. 386. 



Champaigne, Philippe de 

französischer Kirchen- und Bildnismaler, von Geburt Vlamländer, in Brüssel 1602 
geb., in Paris 1674 gest. Kam auf der Reise nach Italien über Paris und trat dort 
1621 in das Atelier des Georges Lallemand von Nancy, des Lehrers Nie. Poussins, 
ein. Später mit diesem zusammen bei Duchesne. 

Christus im Gebet auf dem Oelberge niederge- 
sunken. 

Oel, Leinwand, 72 h., 90 br. 1842 von dem Baron von Massias, ehemaligem 
französischen Gesandten in Karlsruhe, als Lodovico Carracci gekauft. Ein besseres 
Exemplar derselben Komposition im Landes-Museum zu Darmstadt. 



Constable, John 

berühmter englischer Landschaftsmaler, Begründer der modernen Landschaft. Ge- 
boren 1776 in East Bergholt (Suffolk), gest. 1837 in Hampstead bei London. Sohn 
eines Müllers, anfangs auch zum Müller bestimmt. Er kopierte zuerst unter der 
Leitung eines gewissen Dunthorne alte Meister, besonders Holländer. 1799 in 
London als Schüler der Royal Academy. 1803 erfuhr er, unter dem Einfluss der 
englischen Aquarellisten, einen Umschwung seiner Anschauungen und beschloss, die 
Nachahmung der älteren Meister aufzugeben und nur die Natur zu studieren. 1820 
liess er sich in Hampstead nieder, dessen Umgebung ihm (ausser der von East 
Bergholt, Salisbury u. s. w.) hauptsächlich die Motive seiner Landschaften darbot. 
In England wurde er bei Lebzeiten nicht seiner Bedeutung entsprechend geschätzt. 
Doch fanden seine Bilder zusammen mit denen Boningtons früh ihren Weg nach 
Frankreich, wo sie die Meister der Schule von Barbizon, Corot, Rousseau, Daubigny, 
Duprd u. s. vv. anregten. 



VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 153 



Englische Landstrasse. R. unten: 12 July 1813 388a 
(die letzte Zahl unsicher). Jb. 

Oel, Leinwand (rentoiliert), 23 h., 35,5 br. 1906 auf der Auktion Forbes in München 
erworben. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 

Baumstudie. 388b 

Aquarell, 22,4 h., 17,5 br. 1906 auf der Ausstellung englischer Meister der Mün- Jb. 
chener Galerie Heinemann in Stuttgart erworben. Eigentum des Stuttgarter Galerie- 
vereins. 



Courtois, Jacques, gen. le Bourguignon 

französischer Schlachtenmaler, geb. 1621 zu Saint-Hippolyte in der Franche-Comte, 
gest. 1676 in Rom (im Jesuitenkolleg). Schüler seines Vaters Jean Courtois, schon 
in seiner Jugend in Italien, wo er Soldat wurde, bald aber zur malerischen Schilde- 
rung des Soldatenlebens überging. Lebte in Florenz und besonders in Rom, wo 
Michelangelo Cerquozzi und Salvator Rosa den grössten Einfluss auf ihn ausübten. 

Türkenschlacht. 389 

Oel, (neue) Leinwand, 77 h., 128,5 br. 1849 aus Ludwigsburg. Das beste unter Jd. 
seinen Stuttgarter Bildern. 

Türk enschlacht. Gegenstück zum folgenden. 390 

Oel, (neue) Leinwand, 74 h., 121 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter Jd. 
1736: Bourguignon. 

Türkenschlacht. Gegenstück zum vorigen. 391 

Oel, (neue) Leinwand, 74 h., 122 br. Wie oben. Jd. 



Courtois, Jacques, seine Art. 

Belagerung einer Festung. Farbenskizze. 392 

Oel, Leinwand, 46 h., 87 br. 1843 aus Ludwigsburg. 1901 regeneriert. Woer- Jd. 

mann: Kein Courtois. Frimmel: Erinnert stark an Lissandrino (Alessandro Magnasco, 

Genua 1681 — 1747), der oft mit Salvator Rosa verwechselt wird. In der Sammlung 

Gotter 1736 befanden sich zwei „Bataillen von Alexandro von Meylandt". 

Reiter und Fussvolk bei einer Festung. 393 

Oel, Leinwand, 117 h., 167 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 61: Bour- Jd. 
guignon. Eisenmann: „Wer Blick hat, wird sehen, dass die auf Courtois zurück- 
geführten Bilder unmöglich von einer Hand sein können". 



Drouais, Francis Hubert 

geb. in Paris 1727, gest. daselbst 1775. Schüler seines Vaters Hubert Drouais, des 
Carle van Loo, Natoire und Boucher. 1758 Mitglied der Akademie, einer der be- 
liebtesten Porträtmaler des französischen Hofes. 



154 VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



394 "Weibliches Bildnis. Junge Dame, Kniestück r 
Nb. lebensgross. 

Oel, Leinwand, IIb h., 89,5 br. Vermächtnis der 1892 gestorbenen Königin Olga. 

Gainsborough, Thomas 

berühmter englischer Porträt- und Landschaftsmaler, geb. 1727 in Sudbury (Surfolk), 
gest. 1788 in London. 1742—45 in London auf einer privaten Kunstschule bei S. Martins 
Lane ausgebildet, gleichzeitig bei dem französischen Illustrator Hubert Gravelot, der 
den ersten starken Einfluss auf ihn ausübte, nachher bei dem Porträtmaler Francis 
Hayman. 1745 wieder in Sudbury, wo er besonders Landschaftsstudien nach der Natur 
machte und eine natürliche Tochter des Herzogs von Bedford heiratete. 1746 — 1758 
in Ipswich. Hier widmete er sich, gefördert von dem Gouverneur Philip Thicknesse, 
neben der Landschaftsmalerei auch der Porträtmalerei. 1758 — 1774 in Bath, dem 
damaligen englischen Modebade, wo er sich durch zahlreiche Porträtaufträge und 
das Studium der alten Meister (besonders v. Dycks, Rubens' und Teniers'), die in 
dortigen Privatsammlungen vertreten waren, zur vollen malerischen Freiheit ent- 
wickelte. Von 1774 bis zu seinem Tode lebte er in London, Sommers wohl auch 
in Richmond, Kew-Green und Hampstead. In dieser Zeit war er neben Reynolds 
der erste Porträtmaler der Hauptstadt. Bald nach seiner Ankunft in London scheint 
er bei Hofe eingeführt worden zu sein. Er wurde der Lieblingsmaler der könig- 
lichen Familie. 

395 Königin Charlotte von England. Illustration. 
Jb. Lebensgross, 1. Blick in einen Park, r. rotbrauner 

Vorhang. Auf der Brust ein Medaillon mit dem Por- 
trät König Georgs III. 

Oel, Leinwand, 238,5 h., 148 br. Die Farbe in den Schattenpartien und im Haar 
rissig geworden, sonst gut erhalten. 1902 aus Ludwigsburg zusammen mit No. 39t> 
und 415. Eigentum der Königin Charlotte Mathilde-Stiftung. Phot. von Brandseph 
und von Schaller in Stuttgart. Zuerst publiziert in Lieber Land und Meer 1903 
Bd. 89 No. 21 (K. Lange, Zwei Porträts von Thomas Gainsborough in der Stutt- 
garter Gemäldegalerie) und Württemb. Vierteljahrshefte f. Landesgeschichte N. F. 
XIV 1905 S. 8 (K. Lange, Thomas Gainsborough und seine Schule in der Stuttgarter 
Gemäldegalerie), ferner bei B. Chamberlain, Th. Gainsborough (London 1903) p. 213. 
Vgl. auch D. S. Mac Coli und Charles Loeser, Two recovered Gainsboroughs, in 
The Saturday Review 21. Febr. 1903. Campbell Dodgson und W. Vine Cronin in 
The Athenaeum 2. 9. und 16. Mai 1903. G. Pauli, Gainsborough 1904 (in Knackfuss' 
Künstlermonographien LXXI) S. 76 ff., besonders S. 88. Den früheren englischen 
Biographen Gainsboroughs (zuletzt Mrs. Arthur Bell, Thomas Gainsborough, London 
1897 und Walter Armstrong, Gainsborough, his place in english art 1898, populär 
edition 1904) war dieses und das folgende Bild entgangen. Und doch ist ihre Be- 
glaubigung dadurch eine sehr gute, dass sie aus dem Besitze der Königin Charlotte 
Mathilde von Württemberg stammen, die eine Tochter der Königin Charlotte war. 
Sie heiratete 1797 den damaligen Erbprinzen, späteren König Friedrich. Vielleicht 
hat sie das Porträt damals als Heiratsgut mitbekommen, vielleicht hat sie es auch 
1820 bei ihres Vaters Tode geerbt. In ihrem Testament wird es, ebenso wie 
No. 3% erwähnt, doch ohne den Namen des Meisters. Sie selbst, die diesen in 
ihrer Jugend persönlich gekannt hatte, wird sicher gewusst haben, dass die Bilder 
von ihm herrührten. Aber die Ludwigsburger Hofbeamten, für welche das weniger 
wichtig war, haben seinen Namen im Nachlassverzeichnis nicht vermerkt. Auch 
eine Signatur fehlt, wie auf fast allen Bildern Gainsboroughs. So ging die Tradition 
verloren. Dennoch kann an seiner Urheberschaft nicht gezweifelt werden. Denn 
die Komposition stimmt fast genau mit zwei anderen von Armstrong (pop. edition 
p. 261) erwähnten Bildern des Meisters überein, die sich im Besitz des Earl of 
Powis in London und in Abingdon Town Hall befinden, wie denn von dieser Kom- 



"VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 155 



Position noch mehrere, leicht variierte Exemplare in Penshurst, den Horse Guards 
und anderwärts vorhanden sein sollen. Ausserdem ist die Ausführung Oainsboroughs 
durchaus würdig, wenn er auch bei der grossen Zahl der Repliken gerade dieser 
Komposition, die er für die Kinder des Königspaares und einige dem Hofe nahe- 
stehende Personen malen musste, nicht auf jedes die gleiche Sorgfalt verwenden 
konnte. Dass die älteste Tochter nicht das schlechteste Exemplar mitbekommen 
hat, ist schon an sich wahrscheinlich und wird durch den Vergleich mit dem offenbar 
etwas späteren und bedeutend flüchtiger ausgeführten Bilde des Weifen-Museums zu 
Herrenhausen bei Hannover (abgebildet Zeitschr. f. bild. Kunst N. F. XVI S. 18) 
bestätigt. Das Bild ist, dem Alter der Königin nach zu schliessen, um 1780 oder 
etwas früher entstanden. Bei seiner Ueberweisung an die Gemäldegalerie wurde 
eine Kopie desselben von dem Stuttgarter Maler Caspar angefertigt, die jetzt an 
Stelle des Originals in einem Zimmer des Neuen Corps de Logis im Ludwigsburger 
Schlosse hängt. Das Gegenstück unseres Bildes, ein Porträt König Georgs III., ist 
zwar auch nach einer Komposition Gainsboroughs, aber nicht von ihm selber aus- 
geführt. Es stimmt bis auf eine geringfügige Einzelheit mit dem Bilde in Herren- 
hausen (abgebildet Zeitschr. f. bild. Kunst a. O. S. 19) überein. Die Herrenhäuser 
Bilder stammen aus dem Besitz des Königs Ernst August von Hannover, eines 
Bruders der Königin Charlotte Mathilde, nicht (wie in der vorigen Auflage gesagt 
ist) aus 'dem Besitz der letzteren. Der Ramen ist nach einem Modell von Prof. 
B. Pankok in der Kgl. Lehr- und Versuchswerkstätte zu Stuttgart ausgeführt, der 
englische Originalrahmen mit der Kopie nach Ludwigsburg gekommen. 

Prinz Octavius von England. Brustbild. IUu- 396 
stration. Jb. 

Oel, Leinwand. 59,8 h., 44,7 br. 1902 aus Ludwigsburg, Eigentum der Königin 
Charlotte Mathilde-Stiftung. Photographien von Brandseph und von Schaller in 
Stuttgart. Publiziert in Ueber Land und Meer und in den Württembergischen Viertel- 
jahrsheften (s. No. 395). Herkunft wie No. 395. Prinz Octavius (1779—1783) war 
der „achte" Sohn Georgs III., und zwar sein Lieblingssohn. Er starb schon mit 
vier Jahren, wie es hiess, an den Folgen der Impfpocken. Da er hier etwa 4jährig 
dargestellt ist, muss das Bild etwa in seinem Todesjahre 1783 gemalt sein. Es 
gehört zu der Serie der Prinzen- und Prinzessinnen-Bildnisse in Windsor Castle, 
unter denen sich auch ein en face-Porträt desselben Prinzen befindet (abgebildet 
in Ueber Land und Meer). Diese Serie ist nach Fulcher, Life of Thomas Gains- 
borough 1856 S. 123 im Jahre 1783 in der Royal Academy ausgestellt worden, was 
mit der obigen Datierung übereinstimmt. Ich habe (Württ. Vierteljahrshefte a. O. 
S. 4) den Nachweis zu führen gesucht, dass dies das Porträt eines der jüngeren 
Prinzen ist, das Gainsborough nach dem späteren Zeugnis von dessen älterer Schwester, 
der Prinzessin Augusta, auf dem Totenbette gemalt hat. Wahrscheinlich ist es da- 
mals für die Princess Royal, die spätere württembergische Königin Charlotte Ma- 
thilde, angefertigt und von dieser bei ihrer Verheiratung mit nach Württemberg ge- 
nommen worden. Auch dieses Bild wird in ihrem Testament und Nachlassver- 
zeichnis zwar erwähnt, aber ohne den Namen des Meisters. Dennoch kann an seiner 
Urheberschaft kein Zweifel sein. 



Gellee, Claude, gen. le Lorrain, Kopie 

gewöhnlich Claude Lorrain genannt, berühmter französischer Landschaftsmaler und 
Radierer, geb. in dem Marktflecken Chamagne bei Mirecourt im damalige Lothringen um 
1600, gest. in Rom 1682. Schüler des Agostino Tassi in Rom, später unter dem Ein- 
lasse Paul Brils, der Carracci und Elsheimers ausgebildet. Tätig vorzugsweise in Rom. 

Ideale Landschaft mit Flucht nach Aegypten. 397 

Oel, Leinwand, 52 h., 69 br. 1843 von dem Kunsthändler Manega in Genf als Ja. 
Claude gekauft. Kleine Kopie eines von 1647 stammenden durch den Liber veritatis 
No. 110 bezeugten Bildes der Dresdener Galerie No. 730 (Mitteilung von Professor 
Weizsäcker). 



156 VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Ouibal, Nicolas 

französischer Dekorations- und Porträtmaler, geb. 1725 in Luneville, gest. 1784 in 
Stuttgart. Sohn des Bildhauers Barth^lemi Guibal aus Ntmes, zuerst von Claude 
Charles, einem Schüler Marattis, in Nancy unterrichtet, 1740—45 als Schüler Charles 
Natoires in Paris, 1749 von Herzog Karl nach Stuttgart berufen, 1750 auf Kosten des 
Herzogs in Rom, wo er unter Raphael Mengs mit Aufträgen des Herzogs beschäftigt 
wurde, 1755 als Hofmaler in Stuttgart, 1760 Direktor der Gemäldegalerie in Lud- 
wigsburg, 1761 Lehrer an der Akademie, später der hohen Karlsschule. 1783 in 
Paris. Führte mehrere grosse Freskocyklen in herzoglichen Schlössern aus und 
war auch als Porträtmaler beliebt. 

398 Der Leichnam Christi von Engeln angebetet. 
Je Bez. 1774. 

Oel, Leinwand, 121,5 h., 142 br. 1843 von der Witwe des Hoflackierers Kayser 
in Stuttgart gekauft. 

Herrera, Francisco, gen. el Viejo (der Alte) (?) 

spanischer Maler der Generation vor Velazquez, geb. um 1576 in Sevilla, gest. 1656 
in Madrid. Schüler des Louis Fernandez in Sevilla, aber besonders von Roelas 
beeinflusst, im übrigen Naturalist, gilt den Spaniern als Schöpfer ihres Nationalstils. 
Er gründete in Sevilla eine besuchte Schule. In seinen letzten Jahren in Madrid. 

399 Der heilige Hieronymus betend. Ueberlebens- 
Jd. grosse Halbfigur, Profil nach links. 

Oel, Leinwand, 88 h., 71 br. 1845 von dem Kunsthändler Anton Werth in Mann- 
heim gekauft. Die Richtigkeit der Benennung steht dahin. Das Bild zeigt etwa den 
Charakter des Ribera und seiner Schule. 

Kupetzky, Johann 

berühmter ungarischer Porträt- und Historienmaler, geb. 1667 in Bösing bei Press- 
b ur g. gest. 1740 in Nürnberg. Sohn eines böhmischen Webers, der der Sekte der 
böhmischen und mährischen Brüder angehörte, bei der Invasion der Polen geflohen 
war und sich in Bösing niedergelassen hatte. Sollte auch Weber werden, floh aber 
1682 aus dem elterlichen Hause, um sich der Malerei zu widmen. 1684 mit dem 
Maler Benedikt Klaus aus Luzern, den er zufällig kennen gelernt hatte, in Wien, wo 
er ihn bei seinen Arbeiten unterstützte und gleichzeitig einige Bilder von Johann 
Karl Loth (Carlotto) kopierte. 1687 in Venedig bei Pietro Liberi, dann in Rom, 
wo er neben handwerksmässiger Brotarbeit die alten Meister studierte und in die 
Dienste des Prinzen Alexander Sobieski trat. Dann in Oberitalien, wo er Correggio 
und Guido Reni studierte, und wieder in Venedig. 1709 in Wien. Nachdem er hier 
am kaiserlichen Hof und in den Kreisen des Adels als Porträtmaler Fuss gefasst 
hatte, floh er, um den Verfolgungen, denen die Evangelischen ausgesetzt waren, zu 
entgehen, um 1726 nach Nürnberg, v/o er bis zu seinem Tode lebte. 

400 Selbstbildnis, Halbfigur, lebensgross, am Tische 
Jb. sitzend, etwa öOjährig, den Klemmer auf der Nase. 

Gregens tück zum folgenden. 

Oel, Leinwand, 94 h., 74 br. 1843 aus Ludwigsburg. Phot. Hoefle. Sammlung 
Gotter 1736. Nyäri, Joh. Kupetzky S. 122. Beide Bilder können nicht mit den in 
Kupetzkys Testament erwähnten Bildnissen (Füssli, Leben G. Ph. Rugendas und 

ioh. Kupezki S. 46 No. 19 und 20) identisch sein, da sie schon 1736, also vor 
Lupetzkys Tode, im Besitz Gotters waren. Sie stammen jedenfalls aus seiner 
Wiener Zeit. 



VI. Englische u. s. w. Schule des 17; und 18. Jahrhunderts. 157 



Bildnis der Frau des Künstlers. Halbfigur, 401 
etwa SOjährig. Gegenstück zum vorigen. Jb. 

Oel, Leinwand, 95 h., 75,5 br. Wie oben. Die Dargestellte war die Tochter 
seines Lehrers Klaus und hat ihm durch ihre Untreue viel Kummer bereitet. 



Le Brun, Charles, Kopie 

berühmter französischer Historienmaler, geb. in Paris 1619, gest. daselbst 1690. 
Schüler des Simon Vouet (1630), Günstling des Kanzlers Se'guier, der ihm einen 
Aufenthalt in Rom (1642—46) ermöglichte, wo er die Antiken und die italienischen 
(Meister studierte und von Nie. Poussin gefördert wurde. 1646 wieder in Paris. 
Hier war er einer der Gründer der Academie royale de peinture et de sculpture 
1648, bei der er wiederholt Rektor und Kanzler war und deren Direktor er 1683 
wurde. Seit 1660 Direktor der Manufacture royale des Gobelins, 1662 premier 
peintre du Roi (Ludwigs XIV.) und Vorstand der Kgl. Kunstsammlungen. 

Meleager und Atalante töten den kalydonischen 402 
Eber. Waldlandschaft. Je 

Oel, Leinwand, 104 h., 179,3 br. 1848 aus Ludwigsburg. Kopie eines Bildes im 
Louvre zu Paris No. 75 von 1658. 



Le Sueur, Eustache, Kopie? 

berühmter französischer Historienmaler, geb. 1617 in Paris, gest. 1655 daselbst. 
Schüler des Simon Vouet, studierte ausserdem Raffael und Poussin, ohne aber je- 
mals in Italien gewesen zu sein oder in näheren Beziehungen zu dem letzteren ge- 
standen zu haben. Gehörte 1648 zu den 12 Gründern der Akademie. 

Ein Begräbnis. Wahrscheinlich aus einer Folge 403 
der sieben Werke der Barmherzigkeit. Grisaille. Je. 

Oel, Leinwand, 33 h., 127 br. 1843 aus Ludwigsburg. 



Mignard, Pierre 

französischer Historien- und Porträtmaler, auch Mignard le Romain genannt (zum 
Unterschied von seinem älteren Bruder). Geb. zu Troyes 1610, gest. zu Paris 1695. 
Zuerst (1632) in Bourges von einem gewissen Boucher unterrichtet, darauf zwei 
Jahre zu Studienzwecken in Fontainebleau, dann Schüler Simon Vouets in Paris. 
1636 — 1653 mit du Fresnoy in Rom, 1854 in Oberitalien und Venedig und dann 
wieder in Rom. 1657 in Avignon (mit Moliere befreundet). Dann in Paris, wo er 
1664 Vorstand der Akademie wurde. 

Maria mit dem Kinde. Halbfigur, lebensgross. 404 

Oel, Leinwand, 60 h., 81 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 199 als Sasso- Jd. 
ferrato. 1903 ausgebessert. Ein anderes Exemplar derselben Komposition in der 
älteren Pinakothek in München (No. 1338) gilt dort als alte Kopie. Die Modonnen- 
bilder des Meisters „Mignardes" genannt, waren wegen ihres liebenswürdigen 
Ausdrucks sehr beliebt, und sind oft kopiert worden. 



158 VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



405 Heilige Familie mit Allegorie der Sünde und 
Je Erlösung. Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Kupfer, 62,3 h., 48 br. 1846 aus Ludwigsburg als Sassoferrato, dem die 
Bilder schon in der Sammlung Gotter 1736 und im Inventar von 1767 No. 750 und 
1010 zugeschrieben werden. 

406 Maria mit dem Kinde, das einen Kanarienvogel 
Je am Faden fliegen lässt. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Kupfer, 62 h., 48 br. Wie oben. 



Morales, Luis de 

berühmter spanischer Maler, gen. el Divino, von der angeblichen Göttlichkeit seiner 
Gestalten. Geb. zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Badajoz, gest. daselbst 1586. 
In Valladolid oder Toledo gebildet. Eine Zeit lang in Madrid am Hofe Philipps II., 
sonst aber meistens in Badajoz tätig. 

407 Christus als Schmerzensmann. Halbfigur, etwas 
Je. unterlebensgross, die Hände vor der Brust gefesselt. 

Oel, Fichtenholz, 57,8 h., 47,2 br. 1859 von König Wilhelm I. geschenkt, der das 
Bild kurz zuvor von dem Kunsthändler Samuel Liesching in Stuttgart gekauft hatte. 



Murillo, Bartolome Esteban, angeblich 

neben Velazquez der berühmteste spanische Maler, geb. 1618 in Sevilla, gest. 1682 
daselbst. Schüler des Juan de Castillo zu Sevilla. 1642 — 1645 in Madrid, wo er 
sich besonders unter dem Einfluss des Velazquez und der dort vertretenen Meister: 
Tizian, Rubens, v. Dyck und Ribera ausbildete. Vornehmlich tätig in Sevilla. 

408 Bildnis eines Knaben. Kniestück, stehend, lebens- 
Ja. gross, neben einem Tisch mit roter Decke. 

Oel, Leinwand, 113 h., 87,3 br. Phot. Hoefle. 1857 vom Buch- und Kunsthändler 
Samuel Liesching in Stuttgart als Murillo gekauft. Jedenfalls spanisch. 



Poussin, Nicolas, Kopie 

der berühmteste französische Historienmaler, geb. 1594 in Villers bei Les Andelys 
(in der Normandie), gest. 1665 in Rom. Zuerst Schüler des Quentin Varin in Les 
Andelys, mit 18 Jahren in Paris bei dem vlämischen Porträtmaler Ferdinand Elle, 
dem Lothringer Georges Lallemand und bei Duchesne. Zwischendurch ein Jahr 
in seiner Heimat. 1624 nach mehreren gescheiterten Versuchen, Italien zu erreichen, 
in Rom, wo er besonders Raffael, die Antike, Giulio Romano und Domenichino 
studierte. Blieb bis zu seinem Tode in Rom, abgesehen von einem zweijährigen 
Aufenthalt in Paris (1640—42) infolge einer Einladung Ludwigs XIII., der ihn 1641 
zum premier peintre du Roi machte. 

409 Heilige Familie in Landschaft. Joseph stehend. 

Ja. Oel, Leinwand, 54,7 h., 41,3 br. 1843 aus Ludwigsburg. Schwache Kopie eines 
1651 gemalten Bildes im Louvre zu Paris (No. 424). 



VI. Englische u. s. vv. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 159 



Raeburn, Sir Henry 

berühmter schottischer Porträtmaler, geb. 1756 in Stockbridge, einer Vorstadt von 
Edinburgh, gest. 1823 in Edinburgh. Zuerst bei einem Goldschmied in der Lehre, 
dann bei dem Porträtmaler David Martin, einem Schüler des Allan Ramsay. 1778 
in London, wo er den Einfluss des Reynolds erfuhr, sich aber im wesentlichen 
autodidaktisch durch Kopieren alter Bilder und durch Naturstudium weiterbildete. 

1785 1787 in Italien, besonders Rom, dann wieder in Edinburgh. Porträtierte fast alle 

hervorragenden Männer Schottlands. 1815 Mitglied der Royal Academy in London, 
1822 von Georg IV. zum Ritter geschlagen und bald darauf zum Hofmaler ernannt. 

Männliches Bildnis. Illustration. 409a 

Oel, Leinwand, 91 h., 72 br. Phot. Schaller. 1903 vom Geh. Hofrat Ernst Seeger Jb. 
in Berlin geschenkt, der es in der Ausstellung englischer Bilder von Charles 
■Sedelmcyer in Berlin (Schultes Kunstsalon) erworben hatte. 



Regnier, Nicolas, angeblich 

auch Niccolo Renieri genannt, Maler des 17. Jahrhunderts, angeblich aus Maubeuge. 
Von Geburt Vlame, in Italien Schüler des Manfredi. Die Akademie in Venedig be- 
sitzt einige Bilder von ihm. 

Artemisia, über den Tod ihres Gemahl Maussolus 410 
trauernd. In der Hand hält sie die Schale, aus der Ja. 
sie die mit Wein gemischte Asche ihres Gratten trinken 
will. Links im Hintergrunde das Maussoleum. Knie- 
stück, überlebensgross. 

Oel, Leinwand, 137 h., 114,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 180: 
Ranieri. Das Bild sieht eher französisch als vlämisch oder italienisch aus. 



Reynolds, Sir Joshua 

neben Gainsborough der bedeutendste englische Maler des 18. Jahrhunderts, geb. 
1723 in Plympton (Devonshire), gest. 1792 in London. Durch die Lektüre Richard- 
sons zur Malerei angeregt, 1739—1741 Schüler des Bildnismalers Thomas Hudson 
in London, der ihn besonders Guercino (vgl. No. 551) kopieren Hess, dann mehrere 
Jahre in Plymouth-Dock mit Porträtieren und Kopieren alter Meister beschäftigt. 
1746 in London, wo er sich besonders nach van Dyck weiterbildete. 1749—1752 in 
Italien (2 Jahre in Rom) mit dem Studium Michelangelos, Raffaels, Guido Renis, 
Correggios und Tizians beschäftigt. Von 1752 an in London, abgesehen von 
kürzeren Reisen (1768 in Paris, 1781 und 1783 in den Niederlanden, wo Rubens, 
Jordaens, Rembrandt und Hals ihn besonders fesselten). Er soll über 2000 
Bildnisse gemalt haben, bei deren Ausführung ihn freilich seine Schüler unter- 
stützten. Hervorragender Kunsttheoretiker, der mit der geistigen Elite des damaligen 
London verkehrte. 1768 Präsident der Royal Academy. 

Bildnis des irischen Historikers Dr. Leland.410a 
Illustration. Schwarzroter Talar, weisse Perrücke. Jb. 

Oel, Leinwand, 76,6 h., 64 br. Phot. Schaller. Eigentum des Stuttgarter Galerie- 
vereins. 1906 von dem Hofantiquar Julius Böhler in München gekauft. Befand sich 
früher in der Sammlung des M. Farrer, der es aus der Familie des Dr. Leland hatte. 



160 VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Troy, Jean Francois de 

geb. 1679 in Paris, gest. 1752 in Rom. Schüler seines Vaters, des Porträtmalers 
Frangois de Troy. 1699 — 1707 in Italien, dann in Paris, 1719 Professor an der 
Akademie, 1737 Direktor der Acaddmie de France in Rom, 1743 Vorstand der Acca- 
demia di S. Luca daselbst. 

411 Susanna im Bade. Gegenstück zum folgenden. 
Je Bez. r.: F. T. 

Oel, Kupfer, 27,5 h., 20 br. Vermächtnis des 1894 verstorbenen Obersthofmeisters 
Freiherrn Richard von Reischach. 

412 Joseph und Potiphar. Gegenstück zum vorigen. 
Je Bez. r.: F. T. 

Wie No. 411. Beide Bilder waren schon 1852 der Direktion der Kunstschule von 
dem Schlossverwalter Roth in Stuttgart angeboten worden. 



Vernet, Claude Joseph 

französischer Seemaler, geb. 1714 in Avignon, gest. 1789 in Paris. Schüler seines 
Vaters, des Dekorationsmalers Antoine Vernet. Reiste 1732 über Marseille nach 
Rom. Hier arbeitete er zuerst bei dem Seemaler Bernardino Fergioni und blieb bis 
1753. Von da an in Paris, wo er Mitglied der Akademie wurde, wiederholt auch im 
südlichen Frankreich. Freund Diderots. 

413 Hafenansicht mit Fischern. Bez. r. unten: J. Vernet. 
Jd. f. 1780. 

Oel, Leinwand, 65 h., 97,5 br. Rentoiliert. 1846 aus Ludwigsburg. 

414 Hafenansicht bei Sturm. 

Jd. Oel, Leinwand, 64 h., 97 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 239. 



Englische Schule von 1783. 

415 König Georg III. und sein Hof auf der Ter- 
Ja. rasse von Windsor Castle. Illustration. 

Oel, Leinwand, 157 h., 217 br. 1902 aus Ludwigsburg. Eigentum der Königin 
Charlotte Mathilde-Stiftung. Phot. Brandseph und Schaller in Stuttgart. Publiziert 
Zeitschr. f. bild. K. N. F. XVI 1904 S. 16 (Heliogravüre Paulussen, mit der falschen 
Unterschrift Gainsborough pinx.) und Württ. Vierteljahrshefte für Landesgeschichte N. 
F. XIV 1905 S. 26 (Zinkätzung). Das Bild stammt wie No. 395 und 396 aus dem 
Besiz der Königin Charlotte Mathilde, die hier als Princess Royal unmittelbar hinter 
der Königin einherschreitet. Der Knabe in der Mitte bei den drei Hofdamen ist 
Prinz Octavius, der hier in derselben Kleidung erscheint wie auf dem Porträt No. 3%. 
Da er auch hier etwa 4jährig ist, muss das Bild in seinem Todesjahr 1783 gemalt 
sein. Die Dame links im Profil ist die berühmte Schauspielerin M" Sarah Siddons, 
die gerade in demselben Jahre bei Hofe eingeführt wurde und sich der besonderen 
Gunst des Königspaares erfreute. In dem Herrn, der mit dem König Grüsse wechselt, 
habe ich den späteren Admiral, damaligen Kapitän Nelson vermutet, der gerade im 
Sommer 1783 in Windsor Castle vom König empfangen wurde. Der Prinz im Ge- 



VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 161 



folge des Königs dürfte der Prinz William Henry, der spätere König Wilhelm IV., 
der Schüler Nelsons sein. In einem der beiden Männer hinter M«. Siddons haben 
wir vielleicht den Maler zu erkennen. In Bezug auf diesen fehlt jede Tradition. 
Das Bild ist weder im Testament der Königin noch in dem Verzeichnis ihres Nach- 
lasses aufgeführt. Als ich es (in einem der unzugänglichen Gemächer des Lud- 
wigsburger Schlosses) entdeckte, hielt ich es zuerst für einen Gainsborough. 
Mr. Vine Cronin in London, dem ich die Photographie schickte, plädierte brieflich 
ebenfalls für diesen und erinnerte zum Beweise dafür an den Spaziergang im Park 
(The Mall, abgebildet bei Armstrong, Gainsborough, pop. edition p. 194, Chamber- 
lain p. 46) und an ein verschollenes Bild Gainsboroughs, die Kinder Georgs III. 
die Stufen der Loggia in Windsor herabschreitend (Armstrong p. 278). Doch ist die 
Arbeit nur in einigen Partien (z. B. den Damen im Zuge des Königs) des grossen 
Meisters würdig, während die übrigen Teile auf eine schwächere Hand hinweisen. 
Von den mir bekannten englischen Malern, die ihrem Alter nach 1783 ein solches 
Bild gemalt haben könnten, zeigt John Hoppner (1759 — 1810), der auch viel im 
königlichen Auftrag malte, im Stil die grösste Verwandtschaft. C. Dodgson schrieb 
mir, er und andere hätten an Gainsborough-Dupont (den Neffen des Malers, der ihn 
in seinen späteren Jahren oft unterstützte) oder Wheatley (1747—1801) oder Ram- 
berg (1763 — 1840) gedacht. Aber Gainsborough-Dupont war damals erst 16 Jahre 
alt, könnte also höchstens ein von seinem Oheim angefangenes Bild später vollendet 
haben. Eine gewisse Beziehung des grossen Gainsborough zu dem Bilde wird man 
auch dann annehmen dürfen, wenn man seine Ausführung zum grösseren Teil einem 
jüngeren weniger bedeutenden Künstler zuschreibt. Denn es ist gewiss kein Zufall, 
dass es in demselben Jahre gemalt oder wenigstens entworfen worden ist, in 
welchem er sich nachweislich in Windsor aufhielt, um die Einzel -Bildnisse der 
Kgl. Familie zu malen (vgl. No. 396). Madame d'Arblay (Miss Burney) hat den Cercle 
auf der Terrasse des Schlosses von Windsor in ihren Memoiren (Diary and letters III 
62 II 412) genau so beschrieben, wie der Maler ihn hier dargestellt hat. 



Französische Schule des 17. Jahrhunderts. 

Heilige Familie. 416 

Oel, Holz, 25,2 h., 32 br. (Oben und unten angesetzt, ursprüngliche Höhe 21.) Ja. 
Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 60 als Schule des Paris Bordone. Früher: 
Schule von Bologna. Schwaches Bild. 

Landschaft mit Brücke und befestigter Stadt. 417 

Oel, Leinwand, 58,5 h., 94,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. III als Tüb. 
vlämische Schule. Wohl von einem Nachahmer des Gaspar Dughet oder Millet. 



Corneille, Michel 

geb. 1642 in Paris, gest. 1708 daselbst. Sohn und Schüler des Michel Corneille, 
eines der Mitgründer der Academie de peinture. Pensionär der römischen Schule. 
Studierte besonders die Antike und die Carracci. 1663 wieder in Paris, 1669 Pro- 
fessor der Akademie, arbeitete viel für Ludwig XIV., wohnte zuletzt in der Manu- 
facture des Gobelins, woher er auch Corneille des Gobelins genannt wurde. 

Heilige Familie mit Marmorvase und pyramiden- 418 
artigem Denkmal. Je. 

Oel, Leinwand, 53,7 h., 74 br. 1902 aus Schloss Monrepos als Carracci. Eigen- 
tum der Königin Charlotte Mathilde-Stiftung. In der vorigen Auflage: Französische 
Schule des 17. Jahrhunderts. Die neue Benennung auf Grund eines Vergleiches mit 
der Ruhe auf der Flucht im Louvre zu Paris No. 130, die auch sehr an die Carracci 
erinnert. 

11 



162 VI. Englische u. s. w. Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Spanische Schule des 17. Jahrhunderts. 

419 Knabenbildnis. Illustration. Lebensgross. R. eine 

Jb- (verdächtige) weisse Inschrift R. oder Ä. 1640, darunter 
Spuren einer dunkelen unleserlichen. 

Oel, Eichenholz, 36,5 h., 25 br. Phot. Hoefle. 1865 aus dem Nachlass des Par- 
tikuliers Jean Gavard in Stuttgart gekauft als Murillo, „Porträt eines jungen Ge- 
lehrten mit einem Brief in der Hand." Der untere Teil übermalt. Von dem Briefe 
ist jetzt nichts mehr zu sehen. Dieses ausgezeichnete Bild hat schon viele Taufen 
erfahren: Hals, Murillo, Velazquez, sogar Teniers (Bayersdorfer) und Karel Dujardin 
(Hymans). 

420 Der heilige Augustinus und das Jesuskind, 
Jb. das sich anschickt, das Meer mit dem Löffel auszu- 
schöpfen, um dem Heiligen die Unfassbarkeit des 
Mysteriums der Dreieinigkeit zu veranschaulichen. 

Oel, Leinwand, 40 h., 30 br. 1858 von den Erben des Buchhändlers Winter in 
Heidelberg gekauft. 

421 Doppelbildnis. Ein vornehmer Herr mit seinem 
Ja. Gärtner, der ihm einen Fruchtkorb bringt. Halbfiguren. 

Oel, Lei nwand, 114,5 h., 156 br. 1846 von König Wilhelm I. geschenkt, der das 
Bild dem Kunsthändler Dubois in Paris als Velazquez abgekauft hatte. Früher 
willkürlich als „der Herzog von Olivarez und sein Gärtner" bezeichnet. 

422 Kleine Madonna in Engelsglorie, ganze Figur. 

Je. Oel, Fichtenholz, 58 h., 45 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 198: Ribera. 

423 Alte Spinnerin, hinten zwei Frauen. 

Je. Oel, Leinwand, 65,2 h., 49 br. 1862 von König Wilhelm I. als Murillo geschenkt. 
Vielleicht italienisch. 

424 Amor. Halbfigur mit Pfeil und Bogen. 

Jb. Oel, Leinwand, 61 h., 51 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 153 als Schule 
des Murillo. So auch früher im Katalog. 

425 Einkleidung der heiligen Clara als Nonne. 

Je. Oel, Leinwand, 295 h., 226 br. 1846 von König Wilhelm I. geschenkt, der es vom 
Kunsthändler Dubois in Paris als Zurbaran gekauft hatte. Schwach. Italienisch? 

426 Die büssende Magdalena, sitzend, lebensgross. 

Mag. Oel, Leinwand, 152 h., 112 br. 1863 als Vermächtnis König Wilhelms I. Schwach. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 163 



VII. Italienische Schule des 15. 
und 16. Jahrhunderts. 



Bartolommeo, Fra und Albertinelli, Mariotto. 

Ersterer eigentlich Bartolommeo di Pagholo del Fattorino, genannt Baccio (Barto- 
lommeo) della Porta (von dem Tore in Florenz, vor dem er seine Werkstatt hatte.) 
Geb. 1472 in Florenz, gest. 1517 in Pian di Mugnone. Sohn eines Maultiertreibers 
und Wagenbesitzers (fattorino), Schüler des Cosimo Rosselli in Florenz, Anhänger 
Savonarolas, 1500 Novize des Dominikanerklosters zu Prato, 1501 Mönch des Do- 
minikanerklosters von San Marco in Florenz (daher Fra oder il Frate). Im Anschluss 
an Lionardo da Vinci und unter dem Einfluss Peruginos und der Venezianer (1508 
in Venedig) zum Maler ausgebildet. Um 1514 in Rom. 

Mariotto di Biagio Albertinelli, Freund und Mitarbeiter des Vorigen, geb. 
1474 in Florenz, gest. 1515 daselbst, ebenfalls Schüler des Cosimo Rosselli. Er hatte 
schon vor 1494, dann wieder 1509 — 1512 eine gemeinsame Werkstatt mit Fra Barto- 
lommeo und stand in stilistischer Beziehung völlig unter seinem Einfluss, so dass 
man erst neuerdings angefangen hat, die Hände beider schärfer voneinander zu 
unterscheiden. 

Krönung der Maria. Illustration. In drei Teile 427 
zersägt. Etwas unterlebensgross. Md. 

Oel, Lindenholz, das Mittelbild 92,5 h., 75 br., die Seitenbilder 73 h., 65 br. Phot. 
Hoefle und Schaller. Das Bild hatte ursprünglich die Form einer halbkreisförmigen 
Lünette. Auf den beiden Seitenbildern ist der ursprüngliche gebogene Abschluss 
noch deutlich zu erkennen. Was ausserhalb desselben liegt, ist (aus Tannenholz) 
ergänzt und modern bemalt. Doch befinden sich die beiden Putten auf den alten 
Teilen. Die Entfernung, in der die drei Teile auf unserer Illustration voneinander 
erscheinen, entspricht dem ursprünglichen Verhältnis der Figuren zueinander. Man 
sieht daraus, dass beim Zersägen breite Streifen weggefallen sind, ebenso wie der 
obere Teil mit der Hälfte des Kopfes Christi. Die Bilder wurden 1843 von dem 
Regierungsrat Abel in Harteneck bei Ludwigsburg gekauft. Sie stammen aus der 
berühmten, schon von Goethe bewunderten Abel'schen Sammlung, die der Vater des 
Genannten, früher Gesandter in Paris, nachmals hanseatischer Ministerresident in 
Stuttgart, von Abel, in Paris zusammengebracht hatte (nicht zu verwechseln mit der 
S. 26 genannten Sammlung des Obertribunalprokurators Abel in Stuttgart). Die 
wertvollsten Bilder dieser auserlesenen Sammlung, ein Correggio, ein Fra Barto- 
lommeo, ein Rubens und ein Nicolas Poussin waren, als die Kunstschuldirektion 
Kenntnis von der Sammlung nahm, schon in den Besitz des englischen Gesandten 
Sir Shee übergegangen. In dem Katalog von 1824 (Description des tableaux, -qui 
composent le cabinet de Monsieur d'Abel, ministre des villes ansdatiques p. 3 No. 2 
und 3) sind auffallenderweise nur die beiden kleineren Bilder, nicht das Hauptbild 
aufgeführt. Castan (La physiognomie primitive du retable de Fra Bartolommeo ä la 
catheMrale de Besangon 1889) hat nachgewiesen, dass die Lünette mit der Krönung 
der Maria einst den oberen Abschluss der Madonna Carondelet in der Kathe- 
drale von Besangon gebildet hat. Der untere grössere Teil des Bildes stellt Maria 
und das Christuskind mit dem knieenden Stifter und den fünf Heiligen Bernhard, 
Antonius, Johannes d. Täuf., Sebastian und Stephanus sowie zwei fliegenden Engeln 
dar (s. die Abbildung im klassischen Bilderschatz No. 584 und bei Fr. Knapp, Fra 



164 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



Bartolommeo della Porta Abb. 55, vergl. S. 120, 232, 264 und 271). Dieses Bild ist 
in den Jahren 1511 und 1512 von Fra Bartolommeo und Mariotto Albertinelli gemein- 
sam im Auftrage eines Niederländers, des damaligen Erzdiakons der Kathedrale von-, 
Besancon, Jean Ferry Carondelet, gemalt worden. Der Besteller, der später Kaiser- 
licher Rat in Mecheln, Kanzler von Flandern und Erzbischof von Palermo wurde, 
nahm es nach seiner Vollendung zuerst mit nach Mecheln, stiftete es aber 1518 in 
die Kirche von S. Etienne zu Besancon. Bei deren Zerstörung 1676 kam es in die 
dortige Kathedrale, wo es zwischen den Jahren 1713 und 1729 aus der Kapelle, irt 
der es zuerst aufgestellt war, in eine andere übertragen wurde. Bei dieser Ge- 
legenheit wurde nach Castans Annahme die Gruppe oben im Halbrund, die vielleicht 
schon beschädigt war, abgesägt und in drei Teile zerlegt, die dann nach Paris in. 
den Kunsthandel kamen und dort von Abel, vielleicht zu verschiedenen Zeiten, er- 
worben wurden. Die Zugehörigkeit unserer Tafeln zu dem in Besangon zurück- 
gebliebenen unteren Teil des Bildes wird durch zwei Kopieen bewiesen, deren eine 
sich im Besitz des Marquis de Terrier Santans (Knapp, Abbildung No. 57), die 
andere im Mus^e Conde" zu Chantilly (Braun phot. 2081) befindet. Auf der ersteren 
ist der knieende Stifter durch eine heilige Magdalena ersetzt. Beide zeigen als 
oberen Abschluss unsere Krönung der Maria. Dass Fra Bartolommeo und Albertinelli 
das Bild gemeinsam ausgeführt haben, wird dadurch bewiesen, dass sie sich in die 
Bezahlung (zuerst 40 fl., dann noch einmal 140 Dukaten) teilten. Die Abgrenzung ihres 
Anteils dagegen ist streitig. So schrieb z. B. Bayersdorfer unser Bild dem Fra Bar- 
tolommeo zu, was wir in der vorigen Auflage auch festhielten, obwohl Cavalcaselle, 
Castan, Frizzoni, Rieffei und jetzt auch Knapp für Albertinelli eintreten. Jedenfalls 
ist die Vorstellung, dass der untere in Besancon zurückgebliebene Teil von Fra 
Bartolommeo, der obere jetzt in Stuttgart befindliche von Albertinelli herrühre, in 
dieser Form nicht aufrecht zu erhalten. Vielmehr wird man sich die Arbeitsteilung 
bei diesen in der Werkstatt von San Marco gemalten Kompagniebildern in der Regel 
so vorzustellen haben, dass Fra Bartolommeo die ganze Komposition entwarf, 
Albertinelli dagegen zunächst die Uebertragung des Cartons auf die Tafel, dann die 
Untermalung, vielleicht auch die Ausführung einiger Teile übernahm. So lassen 
sich z. B. zu den Figuren der Madonna Carondelet über 20 Handzeichnungen (in 
den Uffizien, in Weimar, Lille und bei Heseltine in London) nachweisen, die alle 
von Fra Bartolommeo herrühren. Darunter befindet sich auch unsere Krönungs- 
gruppe und der Blumenengel rechts. Wieviel von der Ausführung unseres 
Bildes auf den Frate selbst, wieviel auf seinen jüngeren Freund zurückgeht, wage 
ich nicht zu bestimmen. Knapp will nur die Hand des letzteren darin erkennen, 
wobei immerhin sowohl die ersten Skizzen und Studienzeichnungen, als auch der 
Karton von Fra Bartolommeo sein könnte. 



Basaiti, Marco, angeblich 

geb. in Venedig oder im Venezianischen, von griechischen Eltern stammend. Schüler 
und Gehilfe des Giovanni Bellini und, wie man jetzt annimmt, des Alvise Vivarini, 
tätig in Venedig, mindestens bis 1530 (nach Ludwig). 

428 Madonna mit dem segnenden Kinde und einer 
Mb. anbetenden Heiligen. Illustration. Dieselbe Kom- 
position wie 429, aber um eine Figur vermehrt. 

Oeltempera, Lindenholz, 63,7 h., 49,5 br. Phot. Hoefle. Abgebildet in L'Arte 11 
1899 p. 163, Klass. Bilderschatz No. 1400 und Zeitschr. f. bild. K. N. F. XVI 1905 
S. 239 (mit Text von Halm). Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 27: Basaiti. 
Bayersdorfer: Basaiti. Rieffei und Halm: Ein früher Lotto. Loeser: Catena. Venturi: 
Bartolommeo Veneto. Vgl. darüber die folgende Nummer. 1853 von Deschler 
(Augsburg) restauriert, wobei die weibliche Heilige erst zutage kam. An ihrer Stelle 
war ein Joseph gemalt, der sie ganz verdeckte. Seit 1902 in einem ursprünglich 
nicht dazu gehörigen Rahmen von sehr schöner oberitalienischer Arbeit, der damals 
an einem nicht in der Galerie aufgehängten Bilde entdeckt wurde. 1905 gereinigt 
und ausgebessert. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 165 



Madonna mit dem segnenden Kinde. Dieselbe 429 
Komposition, nur etwas kleiner und ohne die weib- Mb. 
liehe Heilige, auch mit anderen Farben und in 
schlechterer Ausführung. Auf einem Zettel 1. die 
rätselhafte Bezeichnung: marcho . d (mit Querstrich) 
ioa . B. P. (das P unter dem übrigen). 

Oeltempera, Lindenholz, 36,5 h., 41,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini- 
Breganze 1852 No. 26: Basaiti. Früher in der Sammlung Mocenigo bei S. Stae in 
Venedig. Cavalcaseile schreibt das Bild das eine Mal dem Basaiti, das andere Mal 
entweder ihm oder dem Marco Pensaben oder dem Marco Belli zu und identifiziert 
«3 mit dem früher in S. Maria degli Angeli zu Murano befindlichen Bilde (Ridolfi 
Marav. I 94). Bayersdorfer: Basaiti, Rieffei: Lotto. Loeser: Schlechte Kopie nach 
428. Ad. Venturi: Vorbild von No. 428, und zwar von Pensaben, dem angeblichen 
Lehrer des Bartolommeo Veneto. Lion. Venturi: Marco di Giovanni Bellini (1500 
bis 1510). Stark restauriert, besonders in der Gewandung und in der Landschaft. 

Die beiden Bilder gehören zu einer Gruppe von etwa einem Dutzend Gemälden 
{in London, Neapel, Paris, Bergamo, Berlin und München), die alle dieselbe Kom- 
position, nur mit allerlei Varianten zeigen. Sie werden verschiedenen vene- 
zianischen Meistern (Basaiti, Previtali, Lotto, Catena, Cima und Pensaben) zuge- 
schrieben. Gronau (zuletzt Repert. f. Kunstwiss. XX 1897 S. 301) und Halm (a. a. 0.) 
vermuten, dass keines derselben das Original sei, sondern dass wir in ihnen lauter 
Kopien nach einem verloren gegangenen Bilde von Giovanni Bellini zu erkennen 
hätten. Am nächsten dürfte dem letzteren ein früher in der Sammlung Pourtales zu 
Paris befindliches, von Gaillard gestochenes Bild (Gaz. des beaux arts XVIII 1865 
S. 11, Zeitschr. f. b. K. a. O. S. 240), kommen, wo links fünf Personen, darunter auch 
«ine mit unserer weiblichen Heiligen beinahe übereinstimmende Figur erscheinen. 
Maria legt da die Hand nicht auf ein Buch, sondern auf den Kopf eines Stifters, 
•was ohne Zweifel dem ursprünglichen Gedanken entspricht. Schon die Komposition 
unserer Bilder mit ihrem unnatürlich nach rechts verschobenen Schwerpunkt beweist, 
dass sich gegenüber der Madonna auf der linken Seite mehrere Figuren befunden 
haben müssen. Ein früher im Besitz der Baronin Moltke in München befindliches 
Bild trägt die Signatur: IOANNES BELL1NVS, worin man mit Recht eine Bestätigung 
dafür sieht, dass, wenn auch nicht dieses Exemplar, so doch das verloren gegangene 
Original, das ums Jahr 1500 in Venedig sehr beliebt gewesen zu sein scheint, von 
Giambellin stammte. Besondere Schwierigkeiten macht die Inschrift. Cavalcaseile, 
Reber, Bayersdorfer und Halm lesen : Marcus de Joanne oder Joannes Bellini pinxit, 
was sprachlich bedenklich ist, ausserdem unklar lässt, ob Marcus dadurch als 
Schüler Bellinis oder das Bild als eine Kopie nach Bellini bezeichnet werden soll. 
Gronau liest (laut brieflicher Mitteilung): Marcho diseipulus Joannis Bellini pictor. 
Soviel ist jedenfalls sicher, dass es nicht die Signatur Basaitis sein kann. 

Bassano siehe No. 470. 



Bellini, Giovanni 

auch Giambellin genannt, geb. zu Padua oder Venedig um 1428, gest. zu Venedig 
1516. Schüler seines Vaters Jacopo, in Padua (zwischen 1450 und 1462) unter dem 
Einfluss seines Schwagers Andrea Mantegna weitergebildet. Tätig in Venedig, wo 
er sich unter dem Einflüsse des Antonello da Messina der Oelmalerei zuwandte und 
eine grosse Schule begründete. Der führende Meister der venezianischen Malerei 
•vor dem Auftreten des Giorgione, Palma und Tizian. 



Beweinung des Leichnams Christi. Illustration. 430 
Etwas unterlebensgross. Unten: IOANNES BELLlNVS. Mb. 



166 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



Oel, Fichtenholz, 74,5 h., 96,2 br. Phot. Hoefle, danach abgebildet: L'Arte IC 
p. 161 (Text von LoeserJ. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 28. Gehörte an- 
geblich früher der Familie Contarini in Venedig. Nach Frizzoni ist das Bild wohl 
im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts entstanden. Cavalcaselle macht auf ein 
ahnliches Bild in der Kathedrale von Toledo und eine Kopie im Museum zu 
Warschau aufmerksam. Lion. Venturi (Le Origini della pittura Veneziana 1907 
p. 393 f.) gibt das Bild dem jugendlichen Sebastiano del Piombo, der als Schüler 
des Meisters, wie es Sitte war, mit seinem Namen signiert habe. Kam in einem 
beklagenswerten Zustande nach Stuttgart, wie sich aus der noch erhaltenen Korre- 
spondenz mit dem Restaurator Frey und dem Maler Clemens Zimmermann in 
München ergibt. Danach war nicht nur die ganze Fläche mit Blasen überzogen, 
die niedergelegt werden mussten, sondern es waren auch handgrosse Stücke der 
Farbe abgeblättert. So fehlte z. B. von der rechten Hand der Maria alles bis auf 
die Fingerspitzen, woraus sich die ganz moderne Form der Hand erklärt. Gleich- 
zeitig mit ihr mussten auch die benachbarten Teile des Leichnams, nämlich sein. 
Hals und seine rechte Schulter, völlig neugemalt werden. Auch die ganze untere 
Hälfte des Bartes der Figur links ist von Frey hinzugefügt worden. In dem grünem 
Gewände des Johannes rechts waren alle Modellierungen ausgestorben, so dass es 
wie ein „grüner Lappen" aussah und die Falten völlig neugemalt werden mussten. 
Ausserdem zeigt das Bild viele kleinere Retouchen, deren Farbe sich verändert hat. 
Dennoch ist die Zeichnung im ganzen gut erhalten und man erkennt deutlich, dass 
die beiden bärtigen Köpfe des Nicodemus und Joseph von Arimathia von Gehilfen- 
hand herrühren. Das Bild hat noch manches von dem herben Stil der früheren 
Zeit des Meisters. Die Signatur zeigt die bei Bellini häufige Eigentümlichkeit, dass 
das zweite L höher ist als das erste. 



Bellini, Giovanni, Kopie. 

431 Maria mit dem auf einer Brüstung stehenden 
Nc. Kinde. Halbfigur, beinahe lebensgross. An der 

Brüstung (alt?) bez. : IOANNES BELLlNVS. 

Oel, Pappelholz, 77,3 h., 58 br. Vermächtnis der 1892 gestorbenen Königin Olga. 
Stark übergangen, daher schwer zu beurteilen. Seidlitz und Gronau: Niccolo Ron- 
dinelli (aus Ravenna, Schüler Giambellinos in Venedig, wo er 1495 heiratete. Kehrte 
später nach Ravenna zurück). Die Komposition nach einem Bilde Bellinis in der 
Galerie Colonna in Rom. 

432 Thronende Madonna mit zwei Heiligen (einer 
Mb. Petrus) und dem knienden Stifter. Unten in der 

Mitte ein Zettel mit der (verdächtigen) Inschrift: 
IOANNES BELLlNVS. 

Oel, Leinwand, 105,5 h., 83,3 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 29: Bellini, woran natürlich nicht zu denken ist. Seidlitz: Benedetto Diana? 
Gronau: Mittelmässige Replik nach einem schönen Bilde des „Pseudobasaiti" im 
Besitz des Earl of Ashburnham von 1505. Vgl. dessen Beschreibung im Repert. für 
Kunstwiss. XVIII 1895 S. 231. Der Urheber des Bildes wird sich bei der weit- 
gehenden Uebermalung nicht mehr ermitteln lassen. Schon als das Bild nach 
Stuttgart kam, war es sehr verdorben. Einige der Uebermalungen, z. B. in der 
Luft und auf dem Fussboden, hat der Restaurator Frey in München, wie es scheint,, 
geschickt weggenommen, andere musste er infolge der Verletzungen neu hinzufügen. 
So waren z. B. das blaue Gewand der Madonna und der Kopf des Stifters durch- 
löchert, das Gewand des letzteren hatte das Aussehen eines „eintönigen dunklen. 
Lappens". Es musste gleich dem Gesicht „sorgfältig überarbeitet" werden, um 
wieder einige Modellierung zu erhalten. Die übrigen Köpfe blieben, wie sie waren, 
(bis auf die Retouchen). Danach kann man etwa beurteilen, wieviel an dem Bilde 



"VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 167 



alt ist. Zum mindesten dürfte der Donator fast ganz und die Gewänder der übrigen 
Figuren zum grossen Teil von Frey herrühren. Die Köpfe sind jedenfalls durch 
seine Retouchen nicht besser geworden. 

Bonifazio Pitati 

auch Bonifazio Veronese genannt, geb. 1487 in Verona, gest. 1553 in Venedig. 
Kam wahrscheinlich schon 1505 nach Venedig und trat bald darauf in das Atelier 
des Palma il Vecchio (No. 461) ein, als dieser nach Venedig übergesiedelt war. 
Man unterschied früher drei Künstler dieses Namens (Bonifazio L, II., III.), von denen 
die beiden ersten aus Verona, der letzte aus Venedig stammen sollte. Neuerdings 
schreibt man nach Ludwigs Vorgang die Bilder, die bisher auf diese drei verteilt 
wurden, dem einen Bonifazio Pitati und seiner Werkstatt zu. Derselbe starb zwar 
kinderlos, hatte aber viele Schüler, die ihn — in seinen letzten Jahren mit zu- 
nehmender Selbständigkeit — bei seinen Arbeiten unterstützten und auch nach 
seinem Tode manche Bestellung zu Ende führten. Ihnen dürften die im Stil zwar 
den seinigen ähnlichen, aber etwas abweichenden Bilder gehören. Jedenfalls hat 
der Maler Bonifacius quondam Bartholomei de Pasinis, der 1489 in Verona geboren 
wurde und 1540 daselbst starb, nichts mit unserem zu tun, und für die Annahme 
eines dritten Bonifazio fehlt jeder Anhalt. Die Werkstatt war besonders mit der 
Ausschmückung von Amtslokalen und Bruderschaftshäusern in Venedig betraut. 
Bonifazio hatte einen Neffen Antonio Palma, der auch Maler war (vgl. No. 464), 
zwei andere Schüler waren sein Neffe Battista di Giacomo und Domenico Biondo. 
Wir enthalten uns eines Urteils darüber, welche der folgenden Bilder allenfalls als 
eigenhändige Werke gelten könnten und wie sie etwa auf die Schüler zu ver- 
teilen wären. 

Anbetung der drei Könige, halblebensgross. 433 
Madonna rechts. Ka. 

Oel, Leinwand, 132 h., 256,2 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 44: Boni- 
fazio. Aus der Familie der Grafen von Spilimberg. Phot. Hoefle. Frizzoni und 
Bayersdorfer : Bonifazio I. Freie Wiederholung eines Bildes in der Akademie zu 
Venedig (Klass. Bilderschatz No. 1407). Viele ausgebrochene Stellen ergänzt. 

Venezia überreicht dem Löwen des heiligen 434 
Marcus Schwert und Wage. L. ein geflügelter Ka. 
Genius mit Merkurstab, r. in den Wolken ein zweiter 
mit Füllhorn (Allegorie von Handel und Schiffahrt, 
die unter dem starken und gerechten Regiment der 
Republik blühen). 

Oel, Leinwand, 90,5 h., 106 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 48: Bonifazio. 

Heilige Familie mit Katharina. 435 

Oel, Cedernholz, 84,5 h., 115,2 br. Phot. Hoefle. Abbildung : L'Arte II 170. Samm- Ld. 
lung Barbini-Breganze 1852 No. 159 : Palma. Aus dem Besitz Canovas, der das 
Bild um eine beträchtliche Summe erworben hatte und sehr schätzte. Nach seinem 
Tode verkaufte es sein Bruder. Früher dem Palma zugeschrieben. Frizzoni und 
Loeser : Bonifazio. 

Anbetung der Hirten. Im Hintergrund ein Ge- 436 
bäude mit Treppe. Ld. 

Oel, Leinwand, 108,5 h., 152,7 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 46: 
Bonifazio. 



168 VII, Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



Bonifazio Pitati, seine Art. 

437 Anbetung der drei Könige. 

La. Oel, Leinwand, 90,5 h., 64,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 220: 
Francesco Torbido, gen. il Moro. Nach Loeser vielmehr ein Nachahmer des Boni- 
fazio. Vgl. die folgende Nummer. 1904 ausgebrochene Teile ergänzt und gereinigt. 

438 Anbetung der Hirten. 

La. Oel, Leinwand, 71,5 h., 53,3 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 221: Tor- 
bido. Vgl. die vorige Nummer. Beide Bilder sind wohl nicht von derselben Hand, 
aber nahe verwandt. Bayersdorfer und Fabriczy denken auch bei 438 an einen 
Schüler des Bonifazio, Frizzoni und Loeser eher an Torbido, jedenfalls an die vero- 
nesische Schule. Gronau: Wohl Polidoro Lanzani (Schüler Tizians). 

439 Abendmahl. In der Mitte das Allianzwappen 
Ma. der venezianischen Familien da Lezze und Contarini. 

Oel, Leinwand, 138 h., 307 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 127: Lotto. Cavalcaselle: Marconi oder Lotto. Wahrscheinlich ein Hochzeits- 
geschenk bei Gelegenheit einer Verbindung beider Familien im Jahre 1545 (Mitteilung 
des ■f G. Ludwig.) Nach Fabriczy und Loeser ist das Bild die Kopie eines Abend- 
mahls von Rornanino in der Galerie Querini-Stampaglia in Venedig. 

440 Verkündigung der Maria, in einer offenen 
Kc Halle. 

Oel, Leinwand, 78 h., 1 18 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 74: Paolo 
Veronese, daher im früheren Katalog: Schule des Caliari. Frizzoni und Gronau: 
Paris Bordone. Loeser (neuerdings): Vielleicht Pozzo Ferrato, ein Schüler Paolo 
Veronese, von dem sich bezeichnete Bilder in Treviso befinden. 

441 Madonna mit Heiligen. Hieronymus, Petrus, 
Mb. Katharina und angeblich Barbara (mit Buch). 

Oel, Leinwand, 81 h., 1 15 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 43: Boni- 
fazio. 1902 aus dem Magazin. 



Bordone, Paris 

geb. zu Treviso 1500, gest. zu Venedig 1571. Schüler Tizians in Venedig, arbeitete 
in Vicenza, Treviso und Mailand, 1538 — 40 in Paris, 1540 in Augsburg, hauptsächlich 
aber in Venedig. 

442 Auferstehung Christi. Illustration. R. am 
Lc. Grabe die Bezeichnung: 0. P. / PARIS . BORDON. 

Oel, Fichtenholz, 223,5 h., 144 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 51. Angeblich aus der Kirche Ognisanti in Treviso. Nach Bailo und Biscaro 
(Paris Bordone S. 154) vielmehr aus S. Chiara in Murano. Schon in Venedig sehr 
verrieben und auf rohe Weise restauriert. 1898 von Prof. Hauser in München restau- 
riert, und zwar nach seiner eigenen Aussage sehr stark, da der Zustand ein ausser- 
ordentlich schlechter war, der Grund sich z. B. teilweise abgelöst hatte, grosse 
Stellen verputzt waren u. s. w. 1904 von neuem mehrere ausgebrochene Stellen ergänzt. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 169 



Christus das Kreuz tragend. Halbfigur, 443 
lebensgross nach 1. Lc 

Oel, Leinwand, 85,2 h., 78 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 52. Frizzoni 
und Gronau : Kopie. 



Männliches Bildnis. Halbfigur, mit blondem 444 
Vollbart. Lc. 

Oel, Leinwand, 108,5 h., 90 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 56, wo das 
iBild (vgl. auch eine Rötelschrift auf der Rückseite) als Porträt des 1590 gestorbenen 
Dichters Francesco Bembo bezeichnet wird. Früher: Schule des Bordone. Frizzoni: 
Kein Original. Gronau: Geht mehr nach Tintoretto herüber. 

WeiblichesBildnis. Illustration. Ein Blumen- 445 
körbchen haltend. Haare und Kleid unvollendet. Lc. 

Oel, Leinwand, 66 h., 53 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 54: Bordone. Früher: Schule des Bordone. Frizzoni, Loeser und Fabriczy: 
•Original. 

Heimsuchung der Maria. Im Hintergrunde 446 
ein Mäher. Lb. 

Oel, Lindenholz, 69 h., 89,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 53: Bordone. 
So auch Frizzoni und Gronau. Schlecht erhalten und durch gelbgewordenen Firnis 
verdorben, auch viele ausgebrochene Stellen ergänzt. 



Bordone, Paris, Kopie. 

Madonna mit dem heiligen Antonias. 447 

Oel, Leinwand, 60 h., 81 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 165: Sebastiano Mb. 
del Piombo. Frizzoni: Ein früher Paris Bordone. Fabriczy: Schule. Gronau: 
Gewiss nur Kopie nach Paris Bordone. Die Gruppe I., S. Antonius und der Jüng- 
ling, nach einem Bilde in Glasgow. 1857 von Frey in München restauriert, wobei 
die nackten Teile stark retouchiert werden mussten. 

Heilige Familie mit Katharina und Hie- 448 
ronymus. Beinahe lebensgross. Lb. 

Oel, Leinwand, 192 h., 252 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 59: Schule des Bordone. Kopie eines Bildes im Palazzo Rosso zu Genua. 



Bronzino, Angelo 

-eigentlich Angelo di Cosimo Tori, gen. Bronzino, florentinischer Porträtmaler, geb. 
-um 1502 in Monticelli bei Florenz, gest. 1572 in Florenz. Schüler des Raffaellino 
•del Garbo und Jacopo da Pontormo, unter dem Einfluss Michelangelos weiter- 
gebildet. Tätig besonders in Florenz. 



Männliches Bildnis. Halbfigur eines bärtigen 449 
Mannes, der sich auf ein hobelartiges Gerät stützt. Mc. 



170 "VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



Oel, Lindenholz, 78,5 h., 62 br. Phot. Hoefle. 1869 aus der Sammlung des Oberkriegs- 
rats Landauer in Stuttgart gekauft, und zwar als Sebastiano del Piombo, dem es- 
auch früher im Katalog zugeschrieben wurde. Stammt aus der Sammlung des Erz- 
bischofs von Bamberg, Freiherrn von Frauenberg. Im Inventar, wahrscheinlich nacb 
Angabe des früheren Besitzers, als Bildnis eines „Mechanikers aus Ravenna" be- 
zeichnet. Bayersdorfer: Alessandro Allori. Rieffei: Bronzino. 



Campi, Galeazzo, Kopie 

aus Cremona, gest. 1536, Stammvater einer ganzen Künstlergeneration, durch welche 
die cremonesische Kunst' im 16. Jahrhundert wesentlich bestimmt wird. 

450 Selbstbildnis. Illustration. 

Mc. Oel, Leinwand, 55,6 h., 44,4 br. 1840 von dem Kaufmann Samuel Liesching in Stutt- 
gart als Andrea del Sarto gekauft, so auch, früher im Katalog. Phot. Hoefle. Gute 
Replik eines (von Galeazzo C. oder seinem Sohne Giulio C. [?] herrührenden) Bild- 
nisses in der Sammlung der Malerbildnisse in den Uffizien zu Florenz. Cavalcaselle : 
Nicht florentinisch, vielmehr anscheinend von einem Lombarden. 



Carpaccio, Vittore 

i venezianischer Historienmaler, geb. um 1455, gest. vor 1526. Stammte (nach Ludwig)' 
nicht aus Capodistria, sondern aus Venedig, und zwar aus einer alten venezianischen 
Familie Scarpazza, deren Namen später in Carpaccio umgewandelt wurde. Schüler 
des Lazzaro Bastiani (nicht des Vivarini oder Giov. Bellini). Von 1490 — 1520 als 
Künstler nachzuweisen, 1501 im Dogenpalast beschäftigt, 1507 zusammen mit Giov. 
Bellini daselbst tätig. 

451 Thomas von Aquin mit Marcus (1.), Augustinus 
Mc. ( r .) und der Madonna. Unten der kniende Sohn des 
Stifters. Von 1507. Illustration. In dem Buche, das 
Augustinus hält, liest man die Worte: Et ostendit 
mihi fluvium aque vive splendidum tamquam crystalli, 
procedentem de sede dei et agni in medio platee eius, 
et ex utraque parte fluminis lignum vitis afferens 
fructus duodecin per menses singulos reddens fruc- 
tum suum et folia eius ad etc. Unten ein Zettel mit 
der Künstlerinschrift: OP VICTOR CARPATHIVS 
M. D. VII. 

Oeltempera, Lindenholz, 264 h., 171 br. Phot. Hoefle. Abgebildet bei Ludwig 
und Molmenti, Vitt. Carpaccio, Milano 1906 p. 272. Vgl. Jahrb. d. Kgl. preuss. Kunst- 
samml. Beiheft 1903 S. 46. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 98. Soll nach dem 
Katalog der Sammlung von der Insel S. Cristoforo (S. Pietro Martire) stammen, 
befand sich aber nach Ludwig vielmehr früher in der Kirche S. Pietro Martire in 
Murano auf dem Altar des hl. Thomas von Aquin. Stifter war ein Glasfabrikant 
aus Murano, Tommaso Licinio. Sein Sohn, der auf dem Bilde dargestellt ist, hiess 
Alvise. 1807 kam das Bild in die Accademia di Belle Arti und wurde von dieser 
bald darauf an den Maler Giuseppe Bossi abgetreten, im Tausch gegen die be- 
kannte Sammlung von Handzeichnungen, die dieser der Akademie überliess. 1853 
von dem Maler Xeller (in Berlin) und 1895 von Prof. Hauser in München restauriert. 
1904 kleine ausgebrochene Stellen ausgebessert. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 171 



Steinigung desStephanus. Illustration. Die 452 
Darstellung von Jerusalem im Hintergrunde nach Mb. 
Reuwichs Holzschnitt in Breydenbachs Reise etc. 1486. 
In der Mitte unten ein Zettel mit der ziemlich undeut- 
lich gewordenen Inschrift: VICTOR CARPATHIVS 
OP. MDXX. 

Oel, Leinwand, 149 h., 170 br. Phot. Hoefle. Abgebildet Klass. Bilderschatz 
No. 1291 und bei Molmenti und Ludwig S. 252. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 99. Das Bild gehört zu dem bekannten aus 4 Gemälden bestehenden Cyklus, 
der die Legende des Stephanus darstellt und sich früher in der Scuola di Santo 
Stefano in Venedig befand. Es wurde nach Ludwig und Molmenti (S. 246) von der 
Akademie von Venedig, in deren Besitz es gekommen war, für 20 Louisd'or an die 
Erben des Malers Giuseppi Bossi verkauft, der auch in den Besitz der vorigen Nummer 
gelangte. Die drei anderen Bilder in Mailand (Brera), Paris (Louvre) und Berlin (Kaiser 
Friedrich-Museum) stellen die Disputation, die Predigt und die Diakonenweihe des 
Heiligen dar und tragen die Daten 1511, 1514 und 1520. Die Jahreszahl auf unserem 
Bilde wird gewöhnlich 1515 gelesen. Doch ist die letzte Zahl sicher eine X. Das 
Stuttgarter Bild ist das schwächste der Serie. Obwohl nicht sehr stark restau- 
riert, hat es doch an der Farbe sehr gelitten. Der Schmuck des Bruderschaftsr 
saales von Santo Stefano bestand ausser diesen vier Bildern, von denen zwei an- 
jeder Seitenwand hingen, noch aus einem Altarbild des P. F. Bissolo, das den heiligen 
Stephanus zwischen den heiligen Nicolaus von Tolentino und Augustinus darstellte. 



Correggio, Nachahmer des 

Antonio Allegri, gen. da Correggio, von dem Städtchen Correggio im Modenesischen, 
wo er um 1494 geboren wurde und 1534 starb. Schüler des Antonio Bartolotti zu 
Correggio, dann wahrscheinlich des Ferraresen Francesco Bianchi zu Modena. 
Tätig in Correggio und (seit 1518) hauptsächlich in Parma. Aus der ferraresisch- 
bolognesischen Schule hervorgegangen, dann Haupt der Schule von Parma. 

Der tote heilige Sebastian, dem ein Engel 453 
einen Pfeil aus der Wunde zieht. Halbfiguren, lebens- Nd. 
gross. 

Oel, Leinwand, 84 h., 103 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. Früher Do- 
menichino. Jetzige Bestimmung von Fabriczy und Loeser. 



Dossi, Dosso 

eigentlich Giovanni di Niccolo Lutero, geb. um 1479 im Ferraresischen, gest. 1542 
in Ferrara. Schüler des Lorenzo Costa in Bologna, dann unter dem Einfluss 
Giprgiones und der römischen Schule weitergebildet. 1512 in Mantua, sonst aber 
meistens in Ferrara tätig. 

Saul und David. Illustration. Lebensgross. 454 

Oel, Eichenholz, 90,5 h., 75 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 8: Gior- Mc. 
gione, so auch früher im Katalog. Stammt von der Familie Calbo Crotta. Von 
der alten Holztafel nur die dünne oberste Schicht erhalten, die bei der Restauration 
1906 auf eine neue eichene Holztafel aufgeleimt wurde (bei dieser Gelegenheit einige 
Uebermalungen entfernt). Schon die erste Restauration des Bildes 1853 (durch 
Deschier) war sehr schwierig gewesen. Das total ruinierte Bild musste unterlegt, 



172 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



die Retouchen abgenommen und viele Flecken repariert werden. Galt früher als 
Kopie des Bildes in der Galerie Borghese in Rom, das früher dem Giorgione, von 
Lermolieff aber (die Galerien Borghese und Doria Panfili (S. 278) der späteren Zeit 
des Dosso zugeschrieben wurde. Venturi (Galeria Crespi p. 138) erkennt das 
Stuttgarter Bild als Original an. Frimmel : Caprioli oder Pietro della Vecchia. 
Dem letzteren wollten schon Crowe und Cavalcaselle (II 164) das Bild in der 
Galerie Borghese zuschreiben. Nach Lermolieff hat allerdings Pietro della Vecchia 
die Komposition öfters kopiert (Wien, Padua u. s. w.). 



Ferrari, Defendente 

lombardische Schule, geb. 1470 (?) in Chiavasso, lebte bis nach 1530. Vermutlich 
unter dem Einfluss des Macrino d'Alba ausgebildet, tätig hauptsächlich in Vercelli, 
wahrscheinlich schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts. 

455 Christus imTempel lehrend, R. Joseph und 
Ma. Maria. Auf einer Bank r. unten in der Ecke die 

Jahreszahl 1526 und ein aus F und P bestehendes 

Monogramm (Ferrarius pinxit). 

Oel, Fichtenholz, 208,5 h., 93 br. Phot. Hoefle. 1869 aus der Sammlung des 
Oberkriegsrats Landauer in Stuttgart gekauft als Mazzolino Ferrarese. Galt dann erst 
als niederländisch. Der richtige Name bei Lermolieff, die Galerien zu Berlin u. s. w. 
S. 126, auch von Eisenmann und Rieffei anerkannt. 



Francia, Francesco, Schule 

Francesco Raibolini, genannt Francia, geb. zu Bologna 1450, gest. 1518 daselbst. 
Zuerst Goldschmied, dann (1470) Schüler Francesco Cossas und unter dem Ein- 
fluss des Ferraresen Lorenzo Costa und des Pietro Perugino ausgebildet. HaupY 
der Schule von Bologna, Freund Raffaels. 

456 Maria mit dem Jesuskinde und dem kleinen 
Nc Johannes. Halbfigur. 

Oel, Pappelholz, 51,5 h., 38,5 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. Bayers- 
dorfer und Loeser: Boateri (Schüler Francias). 



Garofalo (Schule?) 

Benvenuto Tisi, gen. da Garofalo oder il Garofalo. Geb. 1481 im Ferraresischen, 
gest. 1559 in Ferrara. Seit 1492 Schüler des Dom. Panetti in Ferrara, 1499 des 
ßoccaccino in Cremona. Im Anschluss an Lor. Costa in Bologna, Raffael in Rom 
(1510—1512) und an Dosso Dossi in Ferrara weitergebildet. Tätig vorzugsweise in 
Ferrara. 

457 Heilige Familie in einer Landschaft sitzend. 

Md- Oel, Leinwand, 98,5 h., 126,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 219. Ent- 
weder ein durch Restauration sehr verdorbenes Original oder (Frimmel) eine gute 
Kopie. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 173 



Heilige Familie, Kniestück, halbe Lebensgrösse. 458 

Oel, Lindenholz, 67 h., 57 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 Md, 
No. 179: Schule Raffaels, vielleicht Fattorino (Giov. Franc. Penni), so auch früher 
im Katalog. Schon im vorigen Katalog der Art des Garofalo zugeschrieben, womit 
Frimmel übereinstimmt, der es eine schwache alte Kopie nennt. 



Giorgione, Kopie 

Giorgio Barbarelli, gen. Giorgione, geb. 1478 zu Castelfranco, gest. zu Venedig 
spätestens 1510. Schüler Giov. Bellinis, neben Tizian der Hauptmeister der vene- 
zianischen Schule des 1b. Jahrhunderts. 

Christus dasKreuz tragend. Brustbild, unter- 459 
lebensgross. Md. 

Oel, Leinwand, 48 h., 38 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 55: Paris 
Bordone. So auch früher im Katalog. Vielmehr eine der vielen Kopien nach dem 
Bilde Giorgiones aus Casa Loschi in Vicenza, das sich jetzt im Besitz der M"- 
Gardner in Boston befindet. Eine andere Kopie des Bildes wurde neuerdings in 
Venedig als Lionardo ausgeboten. Ganz übermalt. 



Giorgione, angeblich. 

Ritter und Knappe (Saul und David?). Dieser 460 
schnallt jenem die Rüstung an. Bruststück, lebens- Mc. 
gross. 

Oel, Fichtenholz, vielleicht ursprünglich auf Leinwand, 69,7 h., 58,5 br. Phot. 
Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 11: Giorgione, Porträt des Gaston 
de Foix (?). Im früheren Katalog: Venezianische Schule, nach Giorgione. Sehr 
übermalt. Aehnliche Kompositionen in Wien, Turin und Castle Howard. 



Palma, Jacopo, gen. il Vecchio 

eigentlich Giacomo di Antonio di Negreti oder Nigreti, „der Aeltere" genannt im Unter- 
schied von seinem Neffen, dem jüngeren Palma (il Giovane). Geb. um 1480 in 
Serinaita bei Bergamo, gest. 1528 in Venedig. Also eigentlich kein Venezianer, 
sondern Bergamaske, erst 1510 in Venedig nachzuweisen, wo er (vor 1513) den 
Künstlernamen Palma annahm, warum, ist uns unbekannt. Schüler Giov. Bellinis, 
Hauptmeister der venezianischen Schule neben Giorgione und Tizian. 

Der Erzengel Raphael mit dem kleinen 461 
Tobias. Illustration. Lc 

Oel, Lindenholz, 40,7 h., 31,3 br. Phot. Hoefle. Abgebildet L'Arte 11 S. 165. 
Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 156. Morelli, Frizzoni und Rieffei: Echter 
Palma, der einzige in Stuttgart. Cavalcaselle: Schwaches bergamaskisches Bild, 
an die Santa Croce erinnernd. In den Fleischpartien etwas retouchiert. 



174 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



Palma il Vecchio, Kopie. 

462 Die heilige Barbara. Halbfigur. 

Tüb. Oel, Leinwand (neu), 97,3 h., 88,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 161: 
Schule Palmas. Das Bild ist eine alte Kopie nach der oberen Partie der heil. Barbara 
in S. Maria Formosa zu Venedig. 

Palma il Vecchio, Schule. 

463 Weibliches Bildnis. Brustbild en face mit 
Lc. Turban. 

Oel, Leinwand, 50,7 h., 39,4 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 155: Palma. 
Berenson: Giovanni di Giovanni Busi gen. Cariani. (Dieser, aus Bergamo oder 
wenigstens von bergamaskischen Eltern stammend und 1509—1547 in Venedig nach- 
weisbar, wird gewöhnlich als Schüler oder Nachahmer Palmas aufgefasst, ist aber, 
nach Ludwig, mehr von Bellini und Giorgione beeinflusst). Cavalcaselle: Mehr in 
Lottos als in Palmas Weise. Das stark geputzte und übermalte Bild ist schwer zu 
bestimmen. 



Palma, Antonio 

Antonio Negreti oder Nigreti, geb. um 1510 — 1512 in Serinaita bei Bergamo, gest. 
nach 1575 in Venedig. Neffe des Jacopo Palma il Vecchio (No. 461), dessen 
Künstlernamen er auch annahm. Vater des Jacopo Palma gen. il Giovane. Er kam 
erst nach dem Tode seines Oheims nach Venedig und schloss sich deshalb nicht 
an ihn, sondern an Bonifazio di Pitati an, von dem er wahrscheinlich eine Nichte 
heiratete und dessen Witwe er beerbte. 

464 Auferstehung Christi. Illustration. Auf dem 
Lc Sarge die verdächtig aussehende, zum mindesten über- 
malte Bezeichnung: — TONIVS PALMA P. 

Oel, Leinwand, 90 h., 116,2 br. Phot. Hoefle. Abgebildet Jahrb. d. preuss. Kunst- 
sammlungen XXII S. 185 und Jahrb. d. kunsthist. Samml. d. österr. Kaiserhauses 
XXIV S. 97. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 128. Da Zanotto in seinem 
Katalog dieser Sammlung das Bild dem Lorenzo Lotto zuschreibt und nur von 
einer Nachahmung Palmas spricht, könnte man denken, dass er die Inschrift, die 
doch jetzt sehr deutlich ist, nicht gelesen hätte, d. h. dass sie erst nach dem Er- 
scheinen der 2. Auflage seines Katalogs (1850) und vor der Erwerbung der Pina- 
kothek Barbini-Breganze (1852) hinzugefügt worden wäre. Aber welcher Fälscher 
sollte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts dazu gekommen sein, einen Antonio 
Palma zu fälschen? Die Inschrift dürfte also die Auffrischung einer schon früher 
an dieser Stelle befindlichen, aber undeutlichen Signatur sein. Das einzige be- 
zeichnete Bild des Meisters ist sonst eine ganz übermalte Umgangsfahne von 1565 
in Serinaita. 



Paolo da Venezia 

einer der Bahnbrecher der venezianischen Trecento-Malerei. Wir wissen von seinem 
Leben nicht mehr als die Daten seiner Bilder, die sich jetzt in Pieve di Sacco (bei 
Padua), Vicenza, Venedig (S. Marco), Sigmaringen und Stuttgart befinden. Sie sind 
1332, 1333, 1345 und 1358 entstanden. Vgl. Lion. Venturi, Le origini della pittura 
Veneziana 1907, 21. Crowe und Cavalcaselle (Gesch. d. ital. Malerei, deutsch von 
Jordan, II 423) führt noch ein Bild in Vicenza von 1323 an, das bei Venturi fehlt. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 175 

Er hat zwei Söhne, Lucas und Johannes, gehabt, wie aus der Inschrift des Bildes 
auf der Rückseite der Pala d' Oro in S. Marco zu Venedig von 1345 hervorgeht: 
Magister Paulus cum Luca et Johanne filiis suis. Daraus, dass an unserem Bilde 
nur einer der Söhne geholfen hat, dieser aber nicht mit Namen genannt wird, darf 
man vielleicht schliessen, dass der andere zwischen 1345 und 1358 gestorben war. 

Triumph des Christentums über das Heiden- 465 
tum, erläutert durch die Legende vom Kaiser Augu- Ma. 
stus und der tiburtinischen Sibylle. Nach Jacobus 
a Voragine, Legenda aurea (rec. Graesse p. 44) liess 
Augustus, als der Senat die Absicht hatte, ihm göttliche 
Ehren erweisen zu lassen, die Sibylle kommen, die 
ihm am Himmel die Erscheinung einer Jungfrau 
zeigte mit einem kleinen Knaben in goldenem Kreise. 
Dieser, so sagte sie, sei grösser als er, ihn solle er 
anbeten. ^ Die Inschriften stimmen im Wortlaut fast 
genau mit dem Text des Jacobus a Voragine überein. 
Das Christkind hält ein Spruchband mit den Worten: 
puer ethereus sum ex deo viventi sine tempore genitus 
cx intemerata virgine sine macula natus. Der links 
kniende und betende Kaiser ist als „Octavian.", die 
auf die Erscheinung hinweisende Frau als „Sibila" be- 
zeichnet. Sie hält ein Spruchband mit den Worten: 
In die nativitatis Christi Jesu audivit üctavianus / 
in palatio vocem dicentem : hec est ara celi / dixitque 
ei Sibila: hic puer maior te est / qui stat in sinu 
virginis in circulo aureo / solis . ideo ipsum adora 
(Abkürzungen aufgelöst). Das gotische Gebäude 1. 
stellt entweder den Palast des Augustus oder die 
christliche Kirche dar, die hier dem auf der r. Seite 
befindlichen Tempel der Friedensgöttin als dem Sym- 
bol des Heidentums gegenübergestellt wäre. Dieser 
ist als geborstener Kuppelbau dargestellt, von dessen 
Altar die zerbrochenen Götterbilder herabfallen. Vier 
Männer flüchten sich vor dem Einsturz. Darunter: 
Tenplum. Pacis in eternum (seil, aedificatum) / coruit 
quando virgo fi i ori' (?) pe (?), vielleicht: filium dei 
peperit. In der Mitte der Brunnen, dessen Wasser 
sich nach der Legende am Tage vor Christi Geburt 



176 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



in Oel verwandelt haben soll. Auf seinem unteren 
Rande die Worte : Fons aque in liquorem olei Rome 
versus est die / qua Christus de Maria virgine natus 
est. In dem oberen Becken die (echte und deutliche) 
Künstlerinschrift : Paulus cum filio. Unter dem oberen 
Rande des Beckens undeutlich: MCCCLVlJX 

Tempera, Lindenholz, 95 h., 79 br. 1862 von dem Kunsthändler A. Werth m 
Mannheim gekauft. 

Penni, Giovanni Francesco, genannt il Fattore, 
angeblich 

geb. wahrscheinlich 14%, nach Vasari 1488 in Florenz, gest. 1528 in Neapel, kam 
noch jung nach Rom, wo Raffael ihn mit Oiulio Romano zusammen zu seinem 
Hausgenossen machte und ihn bei der Ausführung vieler seiner Bilder beschäftigte, 
woher er seinen Beinamen erhielt. 

466 Heilige Familie. Wahrscheinlich Fälschung. Auf 
Tüb. einer Stufe die (sehr verdächtige) goldene Inschrift: 

IOH. FRANC. PENNI. MDXXII. Gegenstück zum 
folgenden. 

Oel, Cedernholz (alt), rund, Durchmesser 89. Phot. Hoefle. 1842 von dem Kunst- 
händler Goldmann in Wien gekauft. Das Bild zeigt durchaus nicht den Stil Pennis, 
sondern ist eine geschickte Fälschung, die etwa an die Nachfolge Fra Bartolommeos 
erinnert. Wahrscheinlich ist sie über einem alten Bilde oder wenigstens auf altem 
Holz ausgeführt. Gronau: Keine Fälschung, vielmehr Giovanni Antonio Sogliani 
(1492—1544 Florenz). 

Perugino, Pietro, angeblich 

Pietro di Cristoforo Vanucci, genannt Perugino, geb. 1446 in Cittä della Pieve in 
Umbrien, gest. 1523 in Castello Fontignano bei Perugia. Hauptmeister der umbri- 
schen Schule, Lehrer Raffaels. Schüler des Fiorenzo di Lorenzo in Perugia und 
des Andrea del Verrocchio in Florenz. Tätig in Perugia, Florenz und Rom. 

467 G-eburt Christi. Auf dem Steintrog r. in golde- 
Tüb. nen Buchstaben: PETRVS PERRVS1NVS F. Gegen- 
stück zum vorigen. 

Oel, Lindenholz (alt), rund, Durchmesser 85. Phot. Hoefle. 1842 von dem Kunst- 
händler Goldmann in Wien gekauft. Auch dieses Bild hat mit Perugino nichts zu 
tun. Der Kopf Josephs verrät deutlich den modernen Ursprung. 



Perugino, Pietro, Schule. 

468 Maria, das Kind anbetend, das ihr ein Engel 
Nc. vorhält. R. ein zweiter Engel mit dem kleinen Jo- 
hannes dem Täufer. 



VIT. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 177 



Oel, Holz, rund, 80 Durchmesser. Vermächtnis der Königin Olga 1892. Früher: 
Perugino. 

Maria mit dem Kinde. Kniestück, unterlebens- 469 
gross. Das Kind steht auf ihrem Schosse. Nc. 

Oel, Pappelholz, 75,5 h., 54,7 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. 



Ponte, Leandro da, genannt Bassano 

geb. in Bassano 1557, gest. in Venedig 1622. Schüler seines Vaters Oiacomo 
Bassano, jüngerer Bruder Francescos (1549 — 1592). Seit 1591 in Venedig, vorzugs- 
weise Bildnismaler. 

Bildnis des Dogen Antonio Priuli, Halbfigur 470 
im Dogenornat. R. das Wappen und die Inschrift: Ka. 
ANTONIVS PRIOLO VENETIAR' DVX MDCXXIII. 

Oel, Leinwand, 133 h., 108 br. Sammlung Barbini-Breganze No. 176. Replik des 
Bildes in der Wiener Gemäldegalerie No. 323. 



Ponte, Leandro da, seine Art. 

Bildnis des Arztes Prospero Alpino. Halb- 471 
figur, auf dem Tisch ein Astrolabium und Bücher, Ma. 
welche die Titel tragen: DE MEDICINA AEGrYP- 
TIORVM und DE PLAN TIS AEGYPTI. 

Oel, Leinwand, 108,5 h., 85,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 173: 
Jacopo da Ponte. Auf der Rückseite ein Zettel mit der aus dem Anfang des 19. 
Jahrhunderts stammenden, vielleicht nach einer älteren kopierten Inschrift: An. a 
virginis partu 1586 men. Februario Leander Bassanus Prosperi Alpino Medico quum 
statim ex Egypto Bassanum venerit, grato animo effigiem ita egregie galidam (sie) 
ob amicitiam pinxit. An. suae aetatis 31. 



Ponte, Giacomo da, genannt Bassano, seine Art 

geb. 1510 in Bassano, gest. 1592 daselbst. Schüler seines Vaters Francesco aus 
Vicenza, in Venedig unter dem Einfluss Tizians und Bonifazio Pitatis weiter ent- 
wickelt. Arbeitete in Venedig, hauptsächlich aber in Bassano, wohin er 1531 zurück- 
kehrte, und wo er an der Spitze einer grösseren Werkstatt stand. 

Weinernte. L. ein von Kühen gezogener Wagen. 472 

Oel, Leinwand, 79,5 h., 108,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 172: Jacopo Ka. 
da Ponte. Schwerlich eigenhändig. In der Wiener Galerie No. 295 ein ähnliches Bild 
von Francesco Bassano. Vgl. die folgende Nummer. 

Weinernte. Etwas grössere, aber schwächere 473 
Wiederholung derselben Komposition. Ka. 

Oel, Leinwand, 97 h., 119 br. 1849 aus Ludwigsburg. Im Inventar von 1767 No. 
871 einem Lodovico (?) Bassano zugeschrieben. 

12 



178 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



474 Schafschur und Ernte. Rechts Weiber und 
Ka. Kinder beim Mahle. 

Oel, Leinwand, 98 h., 120 br. 1849 aus Ludwigsburg. Im Inventar von 1767 
No. 871 oder Sammlung Roeder (1750) No. 5 als Lodovico (?) Bassano. Ein ähn- 
liches Bild von Francesco Bassano in der Wiener Galerie No. 296. 

475 Verkündigung der Maria. 

Ka. Oel, Kupfer, 31 h., 26 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 73: Paolo Vero- 
nese. Stark retouchiert, besonders rechts. Früher: Giacomo Bassano. 

476 Kreuzigung Christi, dabei vier Figuren. 

Ka. Oel, Lei nwand, 71,2 h., 51, 2 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 69: Paolo 
Veronese. Früher: Giacomo Bassano. Gehörte einst, nach einem Zettel auf der 
Rückseite, der Familie des principe Andrea Erizzo. 

477 Beweinung des Leichnams. Sieben Personen. 

Ka, Oel, Leinwand, 36 h., 43 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 174: Giacomo 
da Ponte. Von derselben Hand wie 476. 

Raffaello Santi, Kopien 

geb. 1483 in Urbino, gest. 1520 in Rom. Schüler seines Vaters Giovanni Santi in 
Urbino und des Pietro Perugino in Perugia. 1504 — 1508 in Florenz (daneben in 
Urbino und Perugia). Unter dem Einfluss Lronardo da Vincis, Fra Bartolommeos und 
Michelangelos weiterentwickelt. Seit 1508 in Rom. 

478 Kopie der Madonna della Sedia im Palazzo 
Tüb. Pitti zu Florenz. 

Oel, Leinwand, rentoiliert. 77,5 h., 74,5 br., in rundem Rahmen. Sammlung Barbini- 
Breganze 1852 No. 166: Giulio Romano (?). 

479 Kopie der Transfiguration Christi in der 
Tüb. vatikanischen Galerie, von A. Temmel (geb. in Schle- 
sien, gest. 1841 in Rom), bez. r. unten: A. Temmel. 

Oel, Leinwand, 237 h., 156,5 br. 1842 von König Wilhelm I. geschenkt. 

480 Madonna di Loreto. Eine der vielen alten Ko- 
Mag. pien eines verloren gegangenen Originals. 

Oel, Leinwand, auf italienisches Nussbaumholz gezogen, III h., 92,2 br. 1860 von 
König Wilhelm I. überwiesen. Phot. Hoefle. Zuerst von Eigner in Augsburg, dann 
1869 noch einmal von Rüstige, neuerdings wiederum von Haaga restauriert. 

481 Papst Leo X. mit zwei Kardinälen, Kopienach 
Tüb. dem Bilde im Palazzo Pitti zu Florenz, von Hans 

Krauss (geb. 1865 in Stuttgart, lebt in Rom). 

Oel, Leinwand, 155 h., 119 br. 1898 vom Verfertiger der Kopie gekauft. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 179 



Alte Kopie nach dem sogenannten Selbst- 482 
bildnis Raffaels in der Sammlung Czartorisky inMinist. 
Krakau. 

Oel, Leinwand, 65 h., 52,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 33 als Kopie 
des G. B. Benvenuti gen. l'Ortolano aus Ferrara nach dem Porträt des Herzogs von 
Urbino von Raffael. 

Kopie von A. Leonardi nach der sogenannten482a 
Fornarina im Palazzo Barberini zu Rom. Tüb. 

Oel, Leinwand, 85,5 h., 61 br. Vermächtnis des 1903 gestorbenen Majors a. D. ': 
Karl Etzel in Stuttgart. Das Original wird jetzt Giulio Romano zugeschrieben. 



Rondinelli, Niccolo 

aus Ravenna, Schüler Giovanni Bellinis in Venedig, wo er 1495 heiratete. Später 
wieder in seiner Heimat. Kopierte Bilder seines Meisters und signierte sie ent- 
weder mit dessen Namen oder mit seinem eigenen. 

Madonna, Halbfigur vor einem roten Vorhang. 483 
Sie reicht dem Kinde eine Feige. An der Brüstung Mb. 
die Inschrift: 10 ANNES, das Uebrige übermalt. 

Oeltempera, Cedernholz, 75,7 h., 58,8 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini- 
Breganze 1852 No. 30: Giovanni Bellini, so auch früher im Katalog. Die neue 
Benennung seit 1903 nach Fabriczy und Loeser, denen Gronau beistimmt. In den 
Köpfen stark restauriert. Lamberty versuchte die Uebermalungen zu entfernen, gab 
es aber auf, da er fürchtete, auf das nackte Holz zu geraten. Vgl. No. 431. 



Santa Croce, Girolamo da 

eigentlich Girolamo di Bernardino, ein Bergamaske, wahrscheinlich in Santa Croce 
bei Bergamo geboren, 1556 in Venedig gestorben. Vermutlich Schüler des Gentile 
Bellini 1507, vielleicht schon 1503. Nach dem Tode seines Lehrers 1507 wahrschein- 
lich bei Cima da Conegliano, seit 1517 selbständig (vgl. Gustav Ludwig, Jahrb. d. 
Kgl. preuss. Kunstsammlungen 1903, Beiheft zum 24. Bde. S. 18). 

Madonna mit Petrus und Stifter. Illustration. 484 

Oel, Lindenholz, 86 h., 93 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 158: Palma, Lb. 
angeblich aus der Kirche S. Zaccaria in Venedig. Phot. Hoefle. Cavalcaselle, 
Frizzoni und Gronau: Wahrscheinlich ursprünglich ein Palma. Die jetzige Be- 
nennung 1903 von Loeser. 1903 Beschädigungen ausgebessert und gereinigt. 



Palma, Giacomo, gen. il Vecchio (vgl. No. 461) 

Madonna mit Johannes dem Täufer und 485 
Petrus. Illustration. • L<3. 

Oel, Lindenholz, 90 h., 127,5 br. Phot. Hoefle. 1842 durch Vermittlung des Kauf-, 
■manns Gavard in Stuttgart von dem Kunsthändler della Rovere als Palma gekauft-. 



180 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



Damals in sehr schlechtem Zustand (E. Förster im Kunstblatt 1844 S. 159). 1844 
von Eigner in Augsburg restauriert. Morelli und Frizzoni: Bonifazio. Loeser früher: 
Girolamo da Santa Croce (so auch im Katalog von 1903), jetzt: Ein später Palma, 
wenn auch verdorben. 



Schiavone, Andrea 

Andrea Meldolla, genannt Schiavone, geb. in Sebenico oder Zara in Dalmatien 
1522, vielleicht schon früher, gest. 1563 in Venedig. Wahrscheinlich Schüler Tizians, 
auch durch Parmeggianino beeinflusst, tätig in Venedig. 

486 Venus und Anchises. Gegenstück zum folgenden. 

Lc. Oel, Leinwand, 21 h., 35,5 br. 1901 restauriert (neue Leinwand). Sammlung 
Barbini-Breganze 1852 No. 45: Bonifazio, angeblich für Bernardino Giunti gemalt 
(Ridolfi I 375). Die Deutung ergibt sich aus dem Gegenstück. Frizzoni: Bonifazio II. 
Rieffei und Frimmel: Schiavone. 

487 Aeneas und Dido vor der Höhle. 

Lc. Oel, Leinwand, 21,5 h., 36,5 br. Ursprünglich oval, zum Rechteck ergänzt. Samm- 
lung Barbini-Breganze 1852 No. 137: Schiavone, mit Verweis auf Ridolfi I 234, wo- 
nach das Bild einst Alessandro Vittoria, dann Bartolommeo Nave gehört haben 
soll. 1902 aus dem Magazin. 1903 restauriert. Zanotto hat nicht erkannt, dass 
486 und 487 Gegenstücke und von demselben Meister sind. 



Theotocopuli, Domenico, genannt il Greco (?) 

ein Grieche von Geburt, in der venezianischen Schule gebildet, später der spa- 
nischen Schule angehörig. Geb. um 1550 vielleicht in Kreta, gest. 1625 in Toledo. 
1570 in Rom, vorher, vielleicht schon 1566 Schüler Tizians in Venedig, ausserdem 
durch Paolo Veronese und Tintoretto, vielleicht auch Michelangelo und Clovio beein- 
flusst. Seit 1575 in Toledo, wo er sich in eigenartiger Weise weiterentwickelte. 

488 Christus thronend mit zwei Heiligen (Johannes 
Lb. d. Täufer und Marcus) und kniendem Donator. 

Oel, Leinwand, 124,5 h., 1 13 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 49: Boni- 
fazio. Im früheren Katalog: Tintoretto. Die jetzige Bestimmung 1903 von Loeser 
und Fabriczy. Sie wird von ihnen, seitdem 1903/04 die Uebermalungen entfernt sind, 
nicht mehr mit Entschiedenheit aufrecht erhalten. 

489 Beweinung des Leichnams Christi durch Ma- 
Lb. ria, Magdalena, Nicodemus und eine dritte Frau. 

Oel, Leinwand, 90,5 h., 83,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 79: Carlo 
Caliari, aus dem Besitz der Familie Zanetti, ursprünglich in der Kapelle ihres Land- 
hauses in Fiesso. Die neue Bestimmung von Loeser. 1903 restauriert. 



Tintoretto, Domenico 

Domenico Robusti, genannt Tintoretto. Sohn und Schüler des Jacopo Tintoretto, 
geb. in Venedig um 1562, gest. daselbst 1637. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts 181 



Die unbefleckte Empfängnis der Maria. Zu 490 
ihren Seiten Joachim und Anna(?) kniend. Lebens- Lb. 
grosse allegorische Komposition mit Symbolen, die 
sich auf Maria beziehen. Links unten das Bildnis 
des noch jugendlichen bärtigen Stifters. 

Oel, Leinwand, 272 h., 195 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 191: Jacopo 
Robusti. Die neue Bestimmung 1903 von Loeser und Fabriczy. Hymans : Könnte 
ein Jugendbild des Marten de Vos (1532—1603, Antwerpen, Schüler des Frans 
Floris und des Jacopo Tintoretto) sein. Frimmel: Richtung des Palma Giovane und 
Baidissera d'Anna. 

Bildnis eines venezianischen Senators in roter 491 
Amtstracht. Halbfigur, lebensgross. La. 

Oel, Leinwand, 108,2 h., 92,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 190: Jacopo 
Tintoretto. So auch früher im Katalog. Die neue Bestimmung von Loeser. 

Tiziano Vecellio, Kopien 

oder Vecelli, geb. zu Pieve di Cadore in den Friauler Alpen, wahrscheinlich 1477, 
(das Geburtsdatum ist streitig), gest. in Venedig 1576. Schüler Giovanni Bellinis, 
dann unter dem Einfluss des ihm befreundeten Giorgione weiterentwickelt. Vorzugs- 
weise in Venedig tätig, Hauptmeister der venezianischen Schule. 1511 in Padua, 
1545 — 46 in Rom, 1548 und 1550 — 51 in Augsburg. 

Himmelfahrt der Maria. Kopie der bekannten 492 
„Assunta" in der Akademie zu Venedig, die 1516 — 18 Ulm 
für den Hochaltar der Kirche S. Maria Gloriosa 
de' Frari gemalt wurde. Der Kopist ist Gebhard 

Fugel (geb. 1863 in Oberklöcken, OA. Ravensburg, 1879—1889 an der Kunst- 
akademie in Stuttgart unter Grünenwald, Liezen-Mayer und Schraudolph, lebt in 
München). 

Oel, Leinwand, 422,5 h., 228 br., oben halbrund. 1889 von dem Legat des Aesthe- 
tikers Fr. Th. Vischer gekauft. 

Die büssende Magdalena. Halbfigur, lebens- 493 
gross, alte Kopie, bez. links (unecht) T1TIANVS. P. Tüb. 

Oel, Leinwand, rentoiliert, 114 h., 99 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 236, 
aus der Sammlung des Bildhauers Canova. Galt damals (und auch im früheren Ka- 
talog) als Original. Von den übrigen Exemplaren (in Florenz, St. Petersburg, Neapel, 
Madrid u. s. w.) ist das im Palazzo Pitti von Florenz das beste und bekannteste. 

Susanna im Bade, sitzend, Kniestück, r. die zwei 494 
Alten. Mag. 

Oel, Leinwand (neu), 84 h., 66 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736: 
Tizian. Von Strecker restauriert und völlig modernisiert. Die Komposition ähnlich 
der Toilette der Venus in St. Petersburg und der Vanitas in der Academia di S. 
Luca in Rom. 



182 VII. Italienische Schule des 15, und 16. Jahrhunderts. 



Torbido, Francesco, genannt il Moro 

geb. um 1490 — 1495 in Verona, gest. nach 1545 daselbst. Zuerst wahrscheinlich 
Schüler Liberales, dann vielleicht in Venedig Giorgiones, später auch anderen Ein- 
flüssen, z. B. Bonifazios, zugänglich. 

495 Madonna, Joseph und eine Heilige mit Palm- 
Mb. zweig, r. der Erzengel Raphael mit dem kleinen 
Tobias. 

Oel, Leinwand, 102 h., 135 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 160: Palma. Später: Schüler des Palma. Die jetzige Bestimmung von Frizzoni. 
Das Bild ist durch Restauration ganz verdorben. 



Varotari, Alessandro 

gen. il Padovanino, geb. zu Padua 1590, gest. zu Venedig 1650. Schüler seines 
Vaters Dario Varotari, durch das Studium Tizians und Paolo Veroneses weiter- 
gebildet. Tätig in Padua und Venedig. 

496 Judith, Halbfigur, etwas überlebensgross, mit dem 
Mc. Haupte des Holofernes. 

Oel, Leinwand (oben angestückt), 108,5 h., 85,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 
1852 No. 126 als Pordenone (Bernardino di Antonio Licinio, geb. um 1490 wahr- 
scheinlich in Venedig, gest. zwischen 1556 und 1561 daselbst, Schüler des Qiov. 
Ant. da Pordenone). So auch noch im vorigen Katalog. Zwei freie Repliken in 
Dresden (No. 525) und Wien (Kais. Galerie No. 432), die beide dem Varotari zu- 
geschrieben werden. Eisenmann und Gronau: Aless. Varotari. Frimmel: Dario 
Varotari. 



Veronese, Paolo (?) 

Paolo Caliari, genannt Veronese, geb. in Verona 1528, gest. in Venedig 1588. Schüler 
des Antonio Badile in Verona, daselbst unter dem Einfluss des Paolo Morando und 
Brusasorci weiter entwickelt, seit 1555 in Venedig, wo er den Einfluss Tizians und 
Tintorettos erfuhr. Tätig vor allem in Venedig, ausserdem in Verona, Mantua, 
Vicenza, Padua und im Trevisanischen. 

497 Männliches Bildnis von 1558, halblebensgross, 
Lc. Brustbild eines 24jährigen Mannes mit leichtem Voll- 
bart, halblinks, in graubraunem Pelz. Darunter die 
Inschrift: NATALIS SVI. AN XXIIII A. D. 
M D LUX. 

Oel Holz, 29 h., 24,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 76 : Schule des 
Paolo Veronese , so auch früher im Katalog. Das Bild soll der Familie Capo de 
Lista gehört haben. Bayersdorfer, Fabriczy und Loeser halten Eigenhändigkeit 
nicht für ausgeschlossen, doch ist das Fleisch verputzt und retouchiert. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 183 



Veronese, Paolo, seine Art. 

Damenbildnis, Kniestück, lebensgross. 498 

Oel Leinwand, 108,3 h., 90,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 La. 
No 70- Paolo Veronese. Von Deschler in Augsburg gründlich restauriert, da Kopf 
und Hände völlig übermalt waren. Nach Abnahme der alten Retouchen musste 
angeblich ein ganzer Arm (?) und ein Teil des Gewandes renoviert werden. Die 
Vermutung Loesers, dass das Bild von Badile, dem Lehrer Paolo Veroneses sei, 
lässt sich sonach kaum kontrollieren. Frizzoni: Ein später und weniger guter 
Paris Bordone (?). 

Der venezianische General Paolo Erizzo in 499 
Unterhandlung mit Sultan Mahomed II. wegen der Ld. 
Uebergabe von Negroponte. 

Oel Leinwand, 73,5 h., 106 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 77: Carlo 
Caliari. Vielfach retouchiert. Eine Handzeichnung von Paolos Hand zu den Be- 
gleitern des Sultans r. unten soll sich in den Uffizien zu Florenz befinden. Die 
Ausführung ist jedenfalls nicht von ihm. 

Anbetung de r Hirten. 500 

Oel, Leinwand, 130,5 h., 178,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 171: Ka. 
lacopo da Ponte. So auch früher im Katalog. Die jetzige Bestimmung 1903 von 
Loeser, der an Brusasorci denkt. Frimmel: Wohl Andrea Schiavone (vgl. No. 48b). 

Die heilige Christina vor dem Richter, der 501 
sie auffordert, ein Götterbild (Venus mit Amor) an- Lb. 
zubeten. Dabei viel Volk. 

Oel Leinwand, 180 h., 120 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 72: aus der 
aufgehobenen Kirche S. Antonio auf Torcello, von der Akademie in Venedig im 
Tausch gegen die Bossischen Handzeichnungen abgegeben. Ein Gegenstück dazu, 
die Räderung der Heiligen darstellend, auch aus der Sammlung Barbini-Breganze, 
befindet sich im Magazin. Gronau: Wohl Zelotti. Frimmel: Könnte Benedetto Caliari 
sein (der Bruder des Paolo Veronese, 1537—1598) nach einem durch Boschini be- 
zeugten Bilde der Wiener Akademie (Frimmel, Blätter f. Gemäldekunde I 71). 



Tiziano Vecellio, seine Art (vgl. No. 492). 
Heilige Familie mit einem Einsiedler in brauner 502 
Kutte (angeblich Antonius). Nd - 

Oel Leinwand, 106 h., 141,5 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892 im früheren 
Katalog: „venezianische Schule". Im Katalog von 1903: Art des Paolo Veronese. 
Gehört eher in die Stilrichtung des alternden Tizian. Auch sein Name selbst ist 
schon genannt worden. 1872 vom Zaren Alexander dem König Karl von Württem- 
berg geschenkt. Gronau macht mich auf eine ähnliche Komposition von Pordenone 
in der Galerie Pitti (Phot. Andersen 9101) aufmerksam. 

Vinci, Lionardo da, Kopie 

geb. 1452 auf der Villa Anchiana bei Vinci oberhalb Empoli, gest. 1519 auf Schloss 
CIoux bei Amboise in Frankreich. Schüler des Andrea del Verrocchio in Florenz, 



184 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



bis 1481 daselbst tätig, später in Mailand (bis 1499, dann wieder 1508—1513) Flo- 
renz (1501, 1506 und 1507) und in den Diensten Cesare Borgias (1502—1503) vorüber- 
gehend auch in Venedig und Rom, seit 1516 in Frankreich. 

503 Bildnis der Mona Lisa G-ioconda, einer Floren- 
Minist, tinerin. Eine der vielen alten Kopien nach dem be- 
rühmten Bilde im Louvre zu Paris. 

Oel, Eichenholz, 73 h., 53,7 br. Phot. Hoefle. 1857 von König Wilhelm I leih- 
weise überwiesen, 1891 von König Karl testamentarisch vermacht. 

Giampietrino 

eigentlich Giov. Pietro Ricci oder Giov. Pedrini, Schüler Lionardos, tätig in Mailand 
um 1510 — 1530. 6 

504 Madonna mit dem heiligen Hieronymus. Knie- 
Md. stück, beinah lebensgross. 

• °_ e '. C ed ernholz 79 h., 66 br. Phot. Hoefle. 1858 von dem Kunsthändler Maurer 
in btuttgart gekauft als Cesare da Sesto, was schon Frizzoni bezweifelte Der 
Name Giampietrino, den er vorschlug, ist von Bayersdorfer, Fabriczy Rieffei 
Seidhtz, früher auch von Loeser angenommen worden. An vielen Stellen übermalt' 



Zelotti, Giovanni Battista 

geb. um 1532 in Verona, gest. 1592. Schüler des Antonio Badile und vielleicht seines 
Oheims Paolo Fannato, Freund Paolo Veroneses und Gehilfe bei dessen grossen 
in den 60er Jahren ausgeführten Freskocyklen. 

505 Allegorie der Armut und des Reichtums. 
La. Erstere sitzend mit einer Spindel ohne G-arn, hinter 

der ein Merkurstab sichtbar wird, letztere als Abun- 
dantia mit Füllhorn voll Perlen und Edelsteinen. 
Auf dem Altar sitzt ein Adler. 

Oel, Leinwand, 99,5 h., 87,2 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 242: Ze- 
lotti, „die Parze, welche Abschied von Juno nimmt" (?). So auch früher im Katalog. 

Florentinische Schule des 16. Jahrhunderts 

506 Heilige Familie, Kniestück, halbe Lebensgrösse. 

Md> l» 0 ?, 1 ' Cedernholz, 62,5 h., 50 br. Phot. Hoefle. 1857 von dem Buch- und Kunst- 
handler Samuel Liesching in Stuttgart als Andrea del Sarto gekauft, so auch früher 
im Katalog. 

507 Heilige Familie, Kniestück, lebensgross. L. unten 
Md. die gefälschte Signatur: M. A. BONAROTI OPVS 

MDXn. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 185 



Oel, Lindenholz, 102 h., 73 br. Oben und unten ein breiter Streifen angesetzt 
(ursprüngliche Höhe 82). 1841 von dem Kunsthändler Goldmann in Wien als Michel- 
angelo gekauft. Seidlitz: Rosso? Gronau: Francesco Salviati ? Sehr übermalt und 
modernisiert. Vielleicht ist das ganze Bild eine Fälschung. 

Männliches Bildnis, Halbfigur, in rotem Ka- 508 
puzenmantel. Mc. 

Oel, Lindenholz, 93 h., 77 br. Phot. Hoefle. Wahrscheinlich identisch mit Samm- 
lung Barbini-Breganze 1852 No. 203: Andrea del Sarto, Porträt eines römischen 
Prälaten. Wurde früher dem Masaccio zugeschrieben. Auf der Rückseite ein Zettel 
mit folgender Schrift aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts: Franciscus Conterenus 
D» Nicolai D« Marie Canarensis Legatus in Etruria MCCCCLIIII. Die Tracht weist 
allerdings auf die Mitte des 15. Jahrhunderts, die Ausführung aber auf einen Zeit- 
genossen des Pontormo und Bronzino. An jenen wurde auch Rieffei erinnert. 
Vielleicht haben wir es mit einer Kopie aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
nach einem Bildnis vom Jahre 1454 zu tun. 

Oberitalienische Schule um 1500 

Vermählung der heiligen Katharina. Ganze 509 
Figuren, halblebensgross. Maria setzt einer 1. knien- Ma- 
den heiligen Nonne (angeblich Brigitta, sie hält eine 
Lilie, einen Kiefernzweig und ein geweihtes Brot) 
einen Kranz auf. R. Katharina, die den Ring vom 
Kinde empfängt. Oben Engel. 

Tempera, Leinwand (neu, ursprünglich wahrscheinlich auf Holz), 98,5 h., 92,3 br« 
Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 141 : Bartolommeo Montagna, 
woran nicht zu denken ist. Cavalcaselle : Vielleicht Benedetto Montagna. Frizzoni 
und Rieffei: veronesisch. Seidlitz: Francesco Morone? (geb. zu Verona 1473 oder 
1474, gest. daselbst 1529). 

Schule von Cremona um 1500 (?) 

Männliches Bildnis, Illustration. Lebensgross 510 
mit rotblondem Vollbart und venezianischer „Zazzera". Ma. 

Oel, Lindenholz, 48 h., 40 br. Phot. Hoefle. 1849 aus Ludwigsburg. Im früheren 
Katalog zuerst Gentile Bellini, dann nach Cavalcaselle: Altobello da Melone (Haupt- 
meister von Cremona zu Anfang des 16. Jahrhunderts). Rieffei und Weizsäcker: 
cremonesisch, Bayersdorfer : Fil. Mazzuola (?). Frizzoni dachte (wahrscheinlich der 
Landschaft wegen) an einen Vlamländer, der in Italien gelebt hat, Seidlitz und Hy- 
mans an Jan van Scorel, den früher schon Friedländer und Loeser genannt hatten 
(geb. zu Schoorl bei Alkmaar 1495, gest. vermutlich in Utrecht 1562, war längere 
Zeit in Italien). Gronau macht auf zwei ähnliche Bilder in der Liechtensteingalerie 
zu Wien und im Louvre zu Paris aufmerksam. 

Oberitalienische Schule Ende des 16. Jahrhunderts 



Männliches Bildnis. Halbfigur, lebensgross, an 511 
einem teppichbedeckten Tische. Mc - 



186 VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 



Oel, Leinwand, 106,5 h., 86 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 145: 
„Moroni, Bildnis eines Geistlichen". Loeser: Vielleicht Tiberio Tinelli (1586 — 1638), 
was Gronau bezweifelt. 



Venezianische Schule des 15. Jahrhunderts 

512 Madonna, Halbfigur, auf dem Schosse das stehende 
Mb. Christkind, das in der Linken einen Faden hält, an 

dem drei Feigen herabhängen. 

Oeltempera, Lindenholz, 64,5 h., 49,5 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini- 
Breganze 1852 Nr. 27: Marco Basaiti, was Gronau trotz der geringen Qualität für 
möglich hält. Nach Cavalcaselle und Frizzoni eher Mansueti, was Loeser be- 
zweifelt. Bayersdorfer: Pasqualino (Schüler des Cima da Conegliano, gest. 1504). 

513 Männliches Bildnis. Brustbild eines etwa 40- 
Mb. jährigen unbärtigen Mannes in blauem Gewände mit 

roten Schulterstreifen, eine schwarze Kappe auf dem 
Kopf. 

Oel, Holz, 50,5 h., 35,5 br. 1864 von König Wilhelm 1. geschenkt als Bellini. 
Frizzoni, Loeser und Bayersdorfer: Barbari. Fabriczy: Catena, Ludwig: Vincenzo 
di Biagio, Seidlitz: Andrea Solario. Da das Gesicht völlig verputzt und retouchiert 
ist (der Körper ist gut erhalten), lässt sich der Urheber schwer bestimmen. 

514 Geburt Christi, r. hinten die Verkündigung an 
Ma. die Hirten. 

Tempera, Fichtenholz, 32 h., 27,4 br. Phot. Hoefle. 1901 und seitdem wieder- 
holt ausgebessert. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 202: Girolamo da Santa 
Croce, so auch früher im Katalog. Bayersdorfer: Nicht Girolamo, sondern Fran- 
cesco. Loeser und Gronau bezweifeln auch dies, letzterer denkt wohl mit Recht 
an einen Ausläufer der Schule von Murano, etwa aus der Nachfolge des Bartolommeo 
Vivarini. Lion. Venturi: Schule des Lazzaro Bastiani (gest. 1512). 



Venezianische Schule des 16. Jahrhunderts 

515 Heilige Familie. Halbfiguren, lebensgross. 

Md. Oel, Lindenholz, 78,6 h., 107,2 br. Phot. Hoefle. 1842 von König Wilhelm I. 
überwiesen (als Pordenone). Das ganze Bild übermalt, rechts ein Teil freigelegt. 

516 Madonna mit dem auf einer Brüstung 
Mc. stehenden Kinde. 

Oel, Leinwand, 70 h., 56 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 235: Tizian, so auch im früheren Katalog. Gronau: Vielleicht Francesco Vecellio. 
(der Bruder Tizians). Sehr übermalt. 



VII. Italienische Schule des 15. und 16. Jahrhunderts. 187 



Vermählung der heiligen Katharina. L. 517 
Johannes der Täufer. Ganze Figuren, lebensgross. Mb. 

Oel, Leinwand, 51 h., 70 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 238: Tizian. 
No. 517 und 519 gehen auf eine Komposition Tizians zurück, die mehreren Bildern 
zu Grunde liegt. Das beste bei Lord Ellesmere in London, wo allerdings an Stelle 
der Katharina Joseph erscheint. Andere in Florenz (Galerie Pitti), London (Nat. 
Galeryl und Paris (Louvre). Der Urheber unseres Exemplars dürfte in die Umgebung 
oder Nachfolge Bonifazios gehören. 

Ruhe auf der Flucht nach Aegypten. L. 518 
eine Baumallee. Lc - 

Oel, Leinwand, 75,5 h., 106,3 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 57: Bor- 
done. So auch früher im Katalog. 

Madonna mit Hieronymus und Dorothea. 519 
Ganze Figuren, lebensgross. Kc - 

Oel, Leinwand, 133 h., 195 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 234: Tizian, 
aus dem Besitz der Familie Grimani. Wiederholung eines Bildes in der Corporation 
Art Gallery zu Glasgow (vielleicht von Polidoro), das mit Benutzung der Tizianschen 
Komposition bei Lord Ellesmere (vgl. No. 517) erfunden ist. Dorothea ist an Stelle 
Johannes des Täufers, Hieronymus an Stelle des Joseph (oder der Katharina) getreten. 

Hieronymus kniend vor einem Kruzifix. 520 

Oel, Leinwand, 55 h., 44 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 78: Carlo La. 
Caliari. So auch früher im Katalog. Gehört eher in die Nachfolge Tizians. 

Männliches Bildnis. Brustbild eines weiss- 521 
bärtigen Mannes. ^a. 

Oel, Leinwand, 57,5 h., 46 br. 1840 von dem Buch- und Kunsthändler Samuel 
Liesching in Stuttgart als Porträt des Andrea Doria von Tizian. Früher: Schüler 
des Tizian, Brustbild eines Dogen (?). Sehr verdorben und teilweise übermalt. 

Männliches Bildnis. Brustbild eines bärtigen 522 
Mannes. Md - 

Oel, Leinwand, 56,5 h., 47,5 br. 1869 von König Karl geschenkt, der es aus der 
Sammlung des Oberkriegsrats Landauer erworben hatte. Früher: Giorgione oder 
Art des Giorgione. Ganz verputzt und restauriert. 

Männliches Bildnis. Brustbild. 523 

Oel, Leinwand, 56,5 h., 47,3 br. 1844 von König Wilhelm I. geschenkt. Früher: Ma. 
Schule des Tizian. 

Männliches Bildnis. Brustbild eines blassen 524 
Mannes mit leidendem Gesichtsausdruck und spär- Ma. 
lichem Vollbart. 

Oel, Leinwand (modern), 56 h. 49 br. 1844 von König Wilhelm I. als Tizian ge- 
schenkt. So auch im früheren Katalog. Hat eher etwas von Lotto. Seidlitz: Moroni? 



188 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Unbekannter Meister des 16. Jahrhunderts 

525 Kr euzigung mit Maria und Johannes. Illustration. 



Md. 



Oel, Lindenholz, 244 h., 211 br. Phot. Hoefle. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 129: Lorenzo Lotto. So auch früher im Katalog. Cavalcaselle : Jetzt zu sehr 
verdorben (?), ursprünglich vielleicht von Lotto. Frizzoni : Nach Lotto. Rieffei: 
Ein vortrefflicher Lotto. Wahrscheinlich Kopie eines niederländischen Malers des 
Ib. Jahrhunderts nach einem oberitalienischen Original derselben Zeit. Mehrere 
Uebermalungen. 1907 restauriert. 



VIII. Italienische Schule des 17. 
und 18. Jahrhunderts. 



Albani, Francesco, angeblich 

geb. 1578 in Bologna, gest. 1660 daselbst. Zuerst Schüler des Dionigi Calvaert in 
Bologna, dann der Carracci in Bologna. Freund Guido Renis, mit dem er sich aber 
später verfeindete. Tätig in Rom, Florenz und besonders Bologna. 

526 Taufe Christi, ohne Engel, r. das Lamm. 

Kc. Oel, Leinwand, 64 h., 47 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 3: Albani 
Wahrscheinlich Kopie einer der vielen Taufen Christi, die Albani gemalt hat, zu 
schwach für ihn selbst. Stark restauriert. 

527 Caritas sitzend mit drei Kindern. 

Kc. Oel, Leinwand, 59,5 h., 47,8 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 2: Albani. 
Im früheren Katalog als „Unbekannt". Drei Darstellungen der Caritas von Albani 
sind durch Stich (von Frey, Daulle und Ravenet) vervielfältigt. 1903 kleine ausge- 
brochene Stellen ergänzt. 



Baroccio, Federigo, Kopie 

oder Barocci, geb. 1528 in Urbino, gest. 1612 daselbst. Schüler seines Vaters 
Ambrogio, dann des Franc. Menzochi da Forli, dann des Batt. Franco. 1548 in 
Rom, wo er besonders Raffael kopierte. Dann Nachahmer Correggios. Tätig be- 
sonders in Urbino, ausserdem auch in Rom. Hauptvertreter des „Manierismus". 

528 Grablegung Christi. 

Kc. Oel Kupfer, 45,5 h., 39,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Andere Komposition auf 
dem Bilde in S. Croce zu Sinigaglia und der Radierung des Meisters. Eine 
rossere Kopie nach letzterer befindet sich im Magazin. 1903 04 ausgebrochene 
tücke ergänzt. 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 189 



Bellotti, Pietro 

geb. 1627 in Volzano (Riviera di Salö), gest. 1700 zu Gagnano am Gardasee. 
Mit 12 Jahren in Venedig Schüler des Michele Feffabosco. Bildete durch auto- 
didaktisches Studium der Natur und sehr sorgfältige und koloristisch wirksame 
Darstellung derselben einen eigenen Stil aus, der ihn zu einem der beliebtesten 
Bildnismaler seiner Zeit machte. Berühmt waren besonders seine realistischen 
Halbfiguren aus dem Volksleben. Vorübergehend in München und Mailand, be- 
sonders aber in Venedig und Mantua tätig. 

Alte Zigeunerin (oder Spanierin), lebensgross. 529 
Illustration. L. auf einem Felsen ein Kor b mit Klöppel- Kb. 
gerät, daran ein Zettel mit verblasster Inschrift, von 
der jetzt nur in der dritten Zeile mühsam die Worte: 
Dal Col Bell — prima (?) zu erkennen sind. 

Oel, Leinwand, 95 h., 80,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 32: Bellotti. 



Berettini, Pietro, genannt da Cortona 

berühmter Maler und Baumeister des Barockstils, geb. 15% in Cortona, ^est. 1669 
in Rom. 1611 — 13 Schüler des Andrea Commodi in Rom, dann des Baccio Ciarpi. 
Durch Kopieren nach Raffael, Michelangelo und der Antike weitergebildet. Seine 
Freskobilder in Rom und Florenz wurden seinerzeit sehr bewundert und bildeten 
die Hauptschule für die jüngere Generation. 

Herakles am Scheidewege. 530 

Oel auf Kupfer, 46 h., 35 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 34. Gestochen Kc. 
von G. Zocchi. Vgl. Meyers Künstlerlexikon III S. 686 No. 87 und 690 No. 170. Das 
ebendort S. 685 No. 23 erwähnte Bild Christus und die Samariterin am Brunnen 
befindet sich nicht in Stuttgart. 



Brandl, Domenico 

Tiermaler, geb. 1683 in Neapel, gest. 1736 daselbst. 

Schafherde mit sitzendem Hirtenknaben. 531 
Lebensgross, Gegenstück zum folgenden. Bez. 1. unten : Kc 
Dom. Brandi (verschnörkelt). 

Oel, Leinwand (neu), 153 h., 200,5 br. 1846 von König Wilhelm I. überwiesen. 
1898 restauriert, da sehr übermalt. 

Schafherde mit schlafendem Hirten. Gregen- 532 
stück zum vorigen. Bez. unten in der Mitte: D. Kc. 
Brandi f. (verschnörkelt). 

Oel, Leinwand, 152 h., 200 br. Wie oben. 



190 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Campana, Tomtnaso, angeblich 

aus Bologna, um 1620 Schüler des Lod. Carracci, vgl. Malvasia, Felsina pittrice 
III 578. 



533 Die büssende Magdalena, Brustbild, lebensgross. 

Ka. Oel, Leinwand, 72 h., 59 br. 1863 von König Wilhelm I. überwiesen, stammt aus 
dem Besitz des Regierungsrats Martinengo in Würzburg. Der Meister ist mir nicht 
näher bekannt. 



Beiotto, Bernardo, genannt il Canaletto 

berühmter venezianischer Architektur- und Landschaftsmaler, auch Radierer. Geb. 
1720 in Venedig, gest. 1780 in Warschau. Neffe und Schüler Antonio Canales (1697 
bis 1768), der auch den Beinamen Canaletto führte, und dem man früher oft die 
Bilder Beiottos zuschrieb. Arbeitete anfangs in Rom und Oberitalien, dann in 
München, 1747 — 1758 in Dresden und Pirna im Dienste des Grafen Brühl und König 
Augusts III., 1758 — 1760 in Wien, 1762 in Warschau. 1764 wurde er in Dresden 
Mitglied der Akademie, 1768 Hofmaler des Königs Stanislaus II. Poniatowski von 
Polen in Warschau. 



534 Die Piazza S. Giovanni e Paolo in Venedig. 
Ld. Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Leinwand, 32,5 h., 50 br. 1849 aus Ludwigsburg als Canaletto, wobei wohl 
an Antonio Canale gedacht war. Vgl. No. 564. 

535 Der Dogenpalast zu Venedig, darüber der 
Ld. Campanile. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Leinwand, 32,5 h., 50 br. Wie oben. 



Beiotto, Bernardo, Schule 

536 Der Markusplatz in Venedig. L. die Ecke der 
Ka. Markuskirche, im Hintergrunde die seitdem abgetra- 
gene Kirche S. Gemignano. 

Oel, Leinwand, 57 h., 80,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 83: Canale. 
Frizzoni: Beiotto. 



537 Der Markusplatz in Venedig. In der Mitte 
Ka. die Markuskirche mit dem Campanile. 

Oel, Leinwand, 57 h., 84,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 84: Canale. 

538 Platz und Kirche S. Maria Zobenigo in Ve- 
Ka. nedig. 

Oel, Leinwand, 49 h., 85 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 85: Schule 
des Canaletto. So auch früher im Katalog. 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 191 



Carracci, Annibale (?) 

«eb 1560 in Bologna, gest. 1609 in Rom. Schüler seines Vetters Lodovico Carracci 
0555—1619), dann durch das Studium der alten Meister (Tintoretto, Paolo Veronese, 
Raffael und Michelangelo, besonders Correggio) weitergebildet. Mit Lodovico 
und seinem Bruder Agostino Begründer der eklektischen Schule in Bologna. Tätig 
in Bologna, Parma, Venedig und (seit 15%) Rom. 

Polyphem und Galathea. Ueberlebensgross. Die 539 
Nymphe verspottet den mit seiner Syrinx am Felsen- Kc. 
ufer sitzenden einäugigen Riesen. 

Oel, Leinwand, 238,8 h., 180 br. 1856 von dem Kunsthändler Maurer in Stuttgart 
gekauft. Stammt aus dem Besitz des Herzogs von Leuchtenberg, der es als Vize- 
könig aus Italien mitgebracht haben soll. Auf der Rückseite ein Zettel mit den 
Worten: Herzogl. Leuchtenbergisches Majorat, Fideikommiss. Die Komposition 
stimmt nicht mit der des bekannten Freskobildes im Palazzo Farnese zu Rom 
überein. Die Autorschaft wurde schon bei der Erwerbung bestritten. 



Carracci, Schule der 

Andromeda, durch Perseus von dem Meerunge- 540 
heuer befreit. Ulm 

Oel, Leinwand, 132 h., 100,3 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 241 : Do- 
menichino. Im früheren Katalog: Lodovico Carracci. Phot. Hoefle. Bayersdorfer: 
Giacomo Cavedone. Siehe folgende Nummer. 



Cavedone, Giacomo (?) 

geb. zu Sassuolo bei Modena 1577, gest. zu Bologna 1660. Zuerst Schüler Passerottis 
und Baldis, dann der Carracci in Bologna, später auch durch die Venezianer be- 
einflusst. 

Lot und seine Töchter, ganze Figuren, lebens- 541 
gross. Kc - 

Oel, Leinwand, 140,5 h., 192 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 100, aber 
erst 1856 von König Wilhelm 1. geschenkt. 

Dolci, Carlo, Kopie 

geb. zu Florenz 1616, gest. daselbst 1686. Schüler des Jacopo Vignali, eines 
Schülers des Matteo Rosselli. Tätig in Florenz. 

Maria, Brustbild in der Haltung der Verkündigung. 542 

Oel, Leinwand, 68,5 h., 55,7 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 106. Ka. 



Domenichino, Kopie 

Domenico Zampieri genannt il Domenichino, geb. 1581 in Bologna, gest. 1641 in 
Neapel, zuerst Schüler des Dionigi Calvaert, dann der Carracci in Bologna. 
Wirkte in Bologna, Rom und Neapel. 



192 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



543 Wettschiessen der Diana, alte Kopie. 

Ulm Oel, Leinwand, 206,3 h., 293 ; 5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 201 : 
Sassoferrato. So auch früher im Katalog. Vielmehr Kopie des Bildes von Dome- 
nichino in der Galerie Borghese in Rom, wobei nur die beiden Figuren vorn im 
Wasser weggelassen sind. 



Gessi, Francesco (?) 

geb. 1588 zu Bologna, gest. 1647 (oder 164«)) daselbst. Schüler Guido Renis, tätig 
in A/lantua, Ravenna, Neapel, besonders aber in Bologna. 

544 Diana von Aktäon im Bade überrascht. 

Ka. Oel, Leinwand, 117 h., 157 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 116. 



Giordano, Luca, genannt Fa Presto (?) 

geb. 1632 in Neapel, gest. 1705 daselbst, Schüler Riberas in Neapel, dann in Rom 
Pietro da Cortonas (No. 530). Tätig in Neapel, Florenz, Rom und Madrid. Erhielt 
seinen Beinamen von seiner Schnellmalerei. 

545 Rinaldo und Armida im Zaubergarten. 

Kc. Oel, Leinwand, 195 h., 262,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 117. Hat 
durch Entfernung der Lasuren die koloristische Wirkung verloren. Jedermann sieht 
übrigens, dass No. 545, 546 und 547 nicht von derselben Hand sein können. 

546 Elieser wirbt für Isaak um Rebekka. 

Ka. Oel, Leinwand, 116,5h., 156,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 3b. 

547 Entdeckung von Odysseus' simuliertem 
Kc. Wahnsinn. Odysseus stellt sich, um nicht mit gegen 

Troja ziehen zu müssen, wahnsinnig, indem er Salz sät. 
Er wird dadurch entlarvt, dass Palamedes sein Söhn- 
chen Telemachos vor seinen Pflug legt, worauf der 
Vater, um den Sohn nicht zu töten, die Tiere zurück- 
hält. L. Palamedes und Penelope, dahinter Aga- 
memnon und Menelaos, die Odysseus von Ithaka ab- 
holen wollen, in den Wolken Hera. 

Oel, Leinwand, 55,5 h., 79,5 br. 1899 von dem Sprachlehrer Leyrer in Stuttgart 
gekauft, dessen Vater das Bild aus der Sammlung des Obristleutnants Joh. Daniel 
Weng (f 1808) hatte. Dieser hielt es für einen Correggio, im früheren Katalog 
wurde es als Unbekannt (Schidone?) bezeichnet und „Der Schutzengel" genannt. 
Die richtige Deutung verdanke ich Prof. R. Herzog in Tübingen. 



Guardi, Francesco 

venezianischer Architektur- und Landschaftsmaler, geb. 1712 in Venedig, gest. 1793 
daselbst. Sohn eines Malers Domenico Guardi, der aber bald nach seiner Geburt 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 193 



starb, Schwager des älteren Tiepolo (No. 586), der wahrscheinlich, besonders in 
Bezug auf die Staffage, einen gewissen Einfluss auf ihn ausübte. Schüler des 
Antonio Canale, früher oft mit ihm und dem Beiotto (No. 534) verwechselt, aber 
beiden an malerischen Qualitäten überlegen. Neuerdings besonders in England 
sehr geschätzt. 

Segenspendung Papst Pius VI. in Venedig 548 
im Jahre 1782. Illustration. Vor der Scuola di Ld. 
S. Marco, welche die Piazza S. Giovanni e Paolo mit 
dem Colleoni-Denkmal abschliesst, ist eine hölzerne 
Estrade errichtet, auf der der Papst mit dem Dogen, 
mehreren Kardinälen und den Senatoren steht. 

Oel, Leinwand, 52,5 h., 68 br., die Farbe gesprungen. Phot. Brandseph und 
Schaller. Abgebildet bei George A. Simonson, Franc. Guardi, London 1904, pag. 4. 
1902 im Lokal des Künstlerbundes, wohin es aus dem Magazin verbracht war, ent- 
deckt und der Galerie einverleibt. Vielleicht identisch mit dem dem „Canaletto" 
zugeschriebenen Bilde der Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 86, obwohl die 
Maasse nicht stimmen. Vielleicht auch vom Herzog Karl in Venedig gekauft. Die 
Deutung und mit ihr das Entstehungsjahr des Bildes ist durch eine Darstellung der- 
selben Szene von Gabriele Bella im Palazzo Querini-Stampaglia zu Venedig ge- 
sichert, welche die Unterschrift trägt: „Benedizione di Pio VI ai S. S. Giovanni e 
Paolo". Pius VI. wurde 1782 bei seiner Anwesenheit in Venedig sehr gefeiert. Der 
englische Kunsthändler Pietro Edwards bestellte damals bei Guardi vier Darstellungen 
von Festlichkeiten, die bei dieser Gelegenheit stattgefunden hatten. Drei andere 
Exemplare der Komposition befinden sich in der Universitätsgalerie zu Oxford, bei 
Mrs. Bums, North Mymms Park, Hatfield, und in der Gemäldegalerie zu Dresden 
(No. 601 A). Das Stuttgarter Exemplar ist sicher Original und stammt vermutlich 
direkt aus Venedig, während das Dresdener (Katalog 6. Aufl. 1906) 1898 im Londoner 
Kunsthandel erworben wurde. Woermann gibt zu, dass jenes die geistreiche Manier 
des Meisters noch schärfer ausgeprägt zeige als dieses, hält aber auch die Origina- 
lität des letzteren seiner Pinselführung nach für zweifellos und ist geneigt, „gerade 
weil es die prickelnden Lichteffekte Guardis noch gemässigt zeigt, in ihm die erste 
bei ruhigem Naturlicht gemachte Aufnahme des Gegenstandes zu sehen". Nach der 
Bruckmannschen Photographie macht mir das Dresdener Bild eher den Eindruck 
einer Kopie nach dem Stuttgarter. Die englischen Exemplare sind mir unbekannt. 
Vgl. George A. Simonson a. 0. p. 4, 44, 45, 67. Bilderverzeichnis No. 238. Auf 
p. 42 bildet er eines der erwähnten Pendants ab, Papst Pius VI. empfängt den 
Dogen und die Senatoren. 

Rückkehr der Staatsbarke Bucintoro vom 549 
Feste der Vermählung Venedigs mit dem Meere. Ld. 

Oel, Leinwand, 48 h., 72 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 119. Simonson 
a. 0. No. 239 des Bilderverzeichnisses. 

Rückkehr des Dogen vom Besuche der Kirche 550 
S. Giorgio in Venedig. L. die Insel S. Giorgio, Ld. 
r. die Dogana di mare mit der Madonna della Salute, 
im Hintergrunde die Kirchen del Redentore und delle 
Zitelle. 

Oel, Leinwand, 48,7 h., 72,2 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 120. Auf 
der Rückseite des Blendrahmens die (vom Künstler stammende?) Aufschrift: „Incomin- 
ciato il Lunedi santo" (angefangen am Ostermontag). Simonson No. 240. 

13 



194 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Guercino, Kopien 

Giovanni Francesco Barbieri, genannt Ouercin da Cento, berühmter Eklektiker. 
Geb. 1591 in Cento zwischen Bologna und Ferrara, gest. 1666 in Bologna. Schüler 
der Carracci in Bologna, Freund Caravaggios, tätig in Cento, Rom und Bologna. 

551 Diana, Kniestück, mit Jagdhund und Speer. 

Kd. Oel, Leinwand, 122 h., 101,2 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 15. Nach 
Zanotto wäre dies das Bild, das Guercino 1645 für den Senator Lorenzo Delfino 
malte, cf. Malvasia Fels, pittr. II p. 374. Doch ist dies nach Woermann das Dres- 
dener Exemplar (No. 363), das dem unsrigen überlegen ist. 

552 Der Evangelist Matthäus mit dem Engel, der 
Kc. ihm ein Buch vorhält. Halbfiguren, unterlebensgross. 

Oel, Leinwand, ursprünglich viereckig, 65 h., 52 br., oval eingerahmt. Sammlung 
Barbini-Breganze 1852 No. 17. Kam sehr verdorben nach Stuttgart und wurde dort 
stark restauriert. Wahrscheinlich Kopie nach dem Dresdener Bilde von 1623 Nr. 357. 

553 Der ungläubige Thomas, Kniestück, lebensgross. 
Tüb. Kopie von Ludwig Horst (geb. 1829 in Büdingen, 

gest. 1891 in Degerloch) nach dem Bilde in S. Dome- 
nico zu Bologna. 

Oel, Leinwand, 122 h., 142 br. 1898 von der Witwe des Künstlers in Stuttgart 
gekauft. 

554 Die persische Sibylle. Halbfigur, lebensgross. 
Tüb. Auf dem Buche die Inschrift: SIBILLA PERSICA. 

Oel, Leinwand, 108 h., 89,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 21 : Schul- 
kopie nach dem für den Grafen Alamand Gambara in Brescia (Kardinal Rondinelli? 
Malvasia II 375) gemalten Bilde. 

555 G-enius der Kunst und Wissenschaft mit Musik- 
Kd. instrumenten, Noten, Maler- und Bildhauergerät, zwei 

Büchern und einer weiblichen Büste. Lebensgross. 

Oel, Leinwand, 116,2 h., 98 br., oben angesetzt. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 18: Guercino, unter Verweis auf ein Bild, das er angeblich nach seiner Tage- 
buchnotiz vom 14. Dez. 1645 für einen römischen Ritter gemalt haben soll (fehlt bei 
Malvasia). Im früheren Katalog dem Domenichino oder Franc. Mazzuoli zugeschrieben. 

Liberi, Marco (?) 

geb. um 1640 in Padua, gest. nach 1687, Sohn und Schüler des bekannteren Pietro 
Liberi (1605—1687), der auch aus Padua stammte und in Venedig wirkte. 

556 Doppelbildnis zweier Männer, Brustbilder, 
Ka. lebensgross. Der jüngere r. hält eine Büste des 

Antinous, der ältere 1. weist aus dem Bilde hinaus. 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 195 



Oel, Leinwand, 63,5 h., 83 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 125: Selbst- 
porträt des Künstlers und Porträt seines Vaters und Lehrers, der den Sohn von der 
Nachahmung der Antike auf die Natur verweise. 



Maratti, Carlo 

oder Maratta, geb. 1625 zu Camerano in der Mark Ancona, gest. 1713 in Rom. 
Schüler Andrea Sacchis in Rom, Eklektiker, der den Einfluss Guido Renis, Oolcis, 
Raffaels und Correggios erfahren hat. Hauptmeister der römischen Schule im 17. Jahr- 
hundert. 

Bildnis des Papstes Clemens IX. (nicht XII.), 557 
früheren Kardinals Griulio Rospigliosi. Brustbild, Kc. 
lebensgross. 

Oel, Leinwand, 74,5 h., 61 br. 1845 vom Kunsthändler Maurer in Stuttgart als 
Velazquez gekauft. Dann als spanische Schule, später als unbekannt, seit 1903: 
Maratti. Wahrscheinlich eigenhändige Wiederholung des Bildes in der Galerie Poldi- 
Pezzoli in Mailand. Auch in der Sammlung Rospigliosi in Rom soll sich ein Bildnis 
des Papstes befinden (Schmerber, Betrachtungen über die ital. Malerei 1906 S. 102). 



Marieschi, Giacomo 

venezianischer Vedutenmaler, geb. 1711 in Venedig, gest. 1794 daselbst, Sohn und 
Schüler des Michele Marieschi, weitergebildet bei G. Diziani, Nachahmer des Be- 
iotto (No. 534). 

Landungsplatz. R. eine malerische Baugruppe, 558 
1. eine Tempelruine. Ka. 

Oel, Leinwand, 57 h., 80,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 134. 

Der Canal G-rande mit der Rialtobrücke, da- 559 
hinter der Fondaco de' Tedeschi, r. Palazzo Manin. Ka. 

Oel, Leiuwand, 64 h., 79,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 131. 

Der Canal G-rande mit (hinten) der Kirche S. Lucia 560 
(an der Stelle des jetzigen Bahnhofs). R. vorn S. Ka. 
Maria ai Scalzi, 1. S. Simone piccolo. 

Oel, Leinwand, 58,5 h., 93 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 132. 

Die Scuola di S. Marco in Venedig. 561 

Oel, Leinwand, 57 h., 80,7 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 133. Ka. 



Mola, Pier Francesco 

geb. 1612 in Mailand, gest. 1668 in Rom (oder: geb. 1621 in Coldre bei Como, gest. 
1666 in Rom). Schüler des Franc. Albani (No. 526), tätig in Bologna und Rom. 



196 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



562 Predigt Johannis des Täufers. 

Kc. Oel, Leinwand, 83,5 h., 65,7 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 88: Annibale 
Carracci. Das Original soll sich in englischem Privatbesitz befinden. 



Montagna, Rinaldo della, angeblich 

eigentlich Matthäus von Plattenberg, französiert: de Platte Montagne, geb. 1608 in 
Antwerpen, gest. 1660 in Paris, Schüler des Everdingen (No. 217), dann aber durch 
längeren Aufenthalt in Italien verwelscht. 

563 Sees türm. Drei Segelschiffe nahe der Küste. 

Kc. Oel, Leinwand, 93,5 h., 121 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 142. Das. 
Bild scheint italienisch zu sein. 



Moretti, Giovanni Battista (?) 

venezianischer Vedutenmaler, blühte um 1775. 

564 Die Piazza S. Giovanni e Paolo in Venedig, 
Ka. freie Kopie von No. 534 (Beiotto). 

Oel, Leinwand, 62 h., 97 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 143: Jac. Mo- 
retti, gest. 1827 (?). Da das Bild in die Nachfolge des Beiotto gehört, ist vielleicht 
Giuseppe Moretti (1659 — 1738) gemeint. Schadhaft, an vielen Stellen repariert, zu- 
letzt 1903. 



Mulier, Pieter, genannt Cavalier Tempesta 

geb. 1637 in Haarlem, gest. 1701 in Mailand. Sohn und wahrscheinlich Schüler 
Pieter Muliers des Aelteren (Haarlem, gest. 1670). Ging früh nach Italien, wo er 
völlig verwelschte. Lebte in Rom, Genua und Mailand. Sein Beiname stammt von 
seiner Vorliebe für Gewitter-Landschaften. Er hiess auch lateinisch „de Mulieribus". 

565 Winterlandschaft. Gegenstück zum folgenden. 

Kc. Oel, Leinwand, 62 h., 72,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 149. Vene- 
zianischer Rahmen des 18. Jahrhunderts mit Perlmuttereinlagen. 

566 G-ewitterlandschaft. Gegenstück zum vorigen. 

Kc. Oel, Leinwand, 62 h., 72,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 148. Rahmen, 
wie oben. 



Piola, Paolo Girolamo 

geb. 1666 in Genua, gest. 1724 daselbst. Sohn und wahrscheinlich Schüler des 
Domenico Piola (1628 — 1703), studierte in Rom Maratta und die Carracci. 

567 Madonna mitKind undHieronymus. Halb- 
Kc. figuren, unterlebensgross. 

Oel, ital. Nussbaumholz, 70,5 h., 55 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 
1736 und Inventar von 1767 No. 751 : „Biola." 



VIII. Italienische Schule des 17, und 18. Jahrhunderts. 197 



Procaccini, Giulio Cesare 

geb. um 1548 in Bologna, gest. um 1626 in Mailand, Schüler seines Vaters Ercole 
Procaccini in Mailand, später durch das Studium Correggios weiterentwickelt. Tätig 
in Bologna und Genua, besonders aber in Mailand. 

Verkündigung der Maria, Halbfiguren 568 

Oel, Leinwand, 47 h., 36,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736. Ka. 

Procaccini, Camillo, angeblich 

Bruder des vorigen, geb. zu Bologna um 1550, gest. zu Mailand 1627. Schüler 
seines Vaters Ercole Procaccini in Mailand, Nachahmer des Correggio und Par- 
meggianino. Tätig in Mailand. 

Beweinung des Leichnams Christi. Acht 569 
Figuren. Ka. 

Oel, ital. Nussbaumholz, 51 h., 41,6 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Reni, Guido (?) 

berühmter Eklektiker, geb. 1575 in Calvenzano bei Bologna, gest. 1642 in Bologna. 
Zuerst Schüler des Dionigi Calvaert, dann seit 1595 des Lodovico Carracci in 
Bologna, später in Rom des Annibale Carracci. Auch von Caravaggjo beeinflusst. 
Studierte besonders Raffael und die Antike. Tätig in Rom 1605 — 1610, in Neapel 1620, 
besonders aber in Bologna. 

Amor am Meeresstrande sitzend zerbricht seinen 570 
Bogen. Lebensgross. Kc. 

Oel, Leinwand, 71 h., 99 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 182. 1904 
ausgebessert. 

Diana führt den gefesselten Amor und 571 
tritt dabei auf eine Schlange, das Symbol der Sünde. Kc. 
R. fliehende Amoretten. 

Oel, Leinwand, 103,2 h., 85,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 181. 

Sebastian als Märtyrer, liegend, an einen Baum 572 
gefesselt. Ueberlebensgross. Kc. 

Oel, Leinwand (neu), 172 h., 135 br. 1842 von den Professoren Dieterich und 
Wagner in Stuttgart gekauft. Diese hatten das Bild in einem Frauenkloster bei 
Savona in Oberitalien erworben, wo es als Guido Reni galt, während man in Stutt- 
gart mehr geneigt war, es dem Domenichino zuzuschreiben. 

Brustbild Christi, Vorderansicht, Überlebens- 573 
gross. Ka. 

Oel, Leinwand, 79 h., 67 br. 1843 von König Wilhelm I. überwiesen. 



198 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



„Beatrice Cenci" vgl. No. 579. 



Ricci, Sebastiano 

oder Rizzi, geb. 1659 oder 1660 in Cividal di Belluno, gest. 1734 in Venedig. 
Schüler des F. Cervelli in Venedig und des AI. Magnasco in Mailand, auch in Bo- 
logna und Rom gebildet. Arbeitete auch längere Zeit in Wien und London. 

574 Landschaft, römischer Triumphbogen am Fluss- 
Ka. ufer. Staffage: Vornehme Gesellschaft. 

Oel, Leinwand, 55 h., 80 br. 1902 aus dem Magazin. Sammlung Barbini-Breganze 
1852 No. 186. 



Rosa, Salvator, Kopie 

Maler und Radierer, geb. 1615 in Arenella bei Neapel, gest. 1673 in Rom. Schüler 
Fr. Fancanzones und besonders Riberas, sowie des Schlachtenmalers Aniello 
Falcone. Tätig in Neapel, Rom, Florenz (1650—1660), dann wieder in Rom. 

575 G-laucus der Meergott verfolgt Scylla. 

Tüb. Oel, Leinwand, 86 h., 71,2 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 195. Kopie 
der bekannten Radierung des Meisters. Frimmel: Domenico Feti (1589 bis um 1624). 



Rosa, Salvator, seine Art 

576 Kleine Landschaft. Drei Männer in einem Boot. 

Kc. Oel, Eichenholz, 17 h., 22,5 br. 1843 aus Ludwigsburg. Früher: S. Rosa selbst. 



Salvi, Giovanni Battista, genannt Sassoferrato 

geb. 1605 zu Sassoferrato in der Mark Ancona, gest. 1685 in Rom. Schüler seines 
Vaters Tarquinio. Unter dem Einfluss der Carracci-Schule, besonders Guido Renis 
und Domenichinos weitergebildet. Tätig in Rom. 

577 Mater dolorosa. Brustbild in blauem Mantel, 
Kc. betend. 

Oel, Leinwand, 51,5 h., 39,3 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 105: Dolce. 
Eine schlechte Kopie danach, auch aus der Sammlung Barbini-Breganze (No. 200) 
im Magazin. Retouchiert. 



Schidone, Bartolommeo, Kopie 

auch Schedoni oder Schedone, geb. in Modena, Geburtsjahr unbekannt, jung ge- 
storben zu Parma 1615. Angeblich Schüler der Carracci in Bologna, tätig in Mo- 
dena und Parma. Charakteristisch für seine Kunst ist die Nachahmung Correggios. 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 199 



P i e t a, Maria mit dem Leichnam in Abendlandschaft. 578 

Oel, Eichenholz, 45 h., 35 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 250: früher Kc. 
im Besitz der Familie Sandi in Venedig. Auf der Rückseite Schrift mit dem Namen 
des Künstlers und der Angabe: „Provenienza M. H. Sandi." Phot. Hoefle. Im 
früheren Katalog: „Nach Lotto?" Frimmel: Nicht Schidone, sondern wahrscheinlich 
Kopie nach Feiice Ricci, unter Verweis auf die Bilder in der Akademie der bild. 
Künste in Wien und bei Dr. Fritz Schönbach daselbst. 



Sirani, Elisabetta, angeblich 

geb. 1639 zu Bologna, gest. 1665 daselbst. Schülerin ihres Vaters Giov. Andrea 
Sirani, eines Schülers des Guido Reni in Bologna. Durch Studium des letzteren 
weitergebildet. 

Sogenanntes Porträt der Beatrice Cenci, 579 
der unglücklichen jungen Römerin, die 1599 wegen Min. 
Ermordung ihres verbrecherischen Vaters hingerichtet 
wurde. Wahrscheinlich ein Idealporträt oder eine 
mythologische Person, vielleicht eine Sibylle. 

Oel, Leinwand, 57 h., 47 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 206. Das 
Original von Guido im Palazzo Barberini zu Rom. 



Strozzi, Bernardo 

genannt „il Prete Genovese" oder „il Cappuccino", weil er später in Venedig 
Säkularpriester war. Geb. zu Genua 1581, gest. zu Venedig 1644, Schüler Pietro 
Sorris in Genua, auch von Caravaggio beeinflusst. 

Johannes der Täufer mit den Schriftgelehr- 580 
ten, vier Halbfiguren, überlebensgross. Ka. 

Oel, Leinwand, 117 h., 122,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 211. Ein 
ähnliches Bild, aber in der Komposition etwas verschieden, in der Kaiserlichen 
Galerie in Wien No. 426. 

Lot und seine Töchter, Halbfiguren, über- 581 
lebensgross. Ka. 

Oel, Leinwand, 146,5 h., 157 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 208. 

Heilige Katharina, Brustbild, lebensgross. 582 

Oel, Leinwand, 58 h., 46,2 br. Venezianischer Rahmen des 18. Jahrhunderts mit Kc. 
Perlmuttereinlagen. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 212. 1902 aus dem 
Magazin. 

Jagdnymphe der Diana. Halbfigur, lebens- 583 
gross, mit Hund und Lanze. Kc 

Oel, Leinwand, 74 h., 58,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 210: 
Jäger (?). Stark retouchiert. 1904 verschiedene Defekte ergänzt. 



200 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



584 Männliches Bildnis, Brustbild eines etwa 25- 
Kc. jährigen Mannes mit Knebelbart. 

Oel, Leinwand, 61 h., 47,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 Nr. 209. 

Strozzi, Bernardo, seine Art 

585 Arternisia, Königin von Karien, trinkt den Wein 
Kc mit der Asche ihres verstorbenen G-emahls Mausolus. 

Das Monument 1. im Hintergrunde soll offenbar das 
Mausoleum sein. 

Oel, Leinwand, 71,5 h., 60,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 240: ,, Wandich 
Daniel". Danach früher dem Daniel van den Dyck zugeschrieben (geb. 1599 (?), 
gest. 1670 zu Mantua, 1631 Schüler bei Pieter Verhaeght, 1634 Meister in Antwerpen, 
1658 in Mantua, tätig in Antwerpen, Venedig und Mantua). Alter Rahmen. 

Tiepolo, Giovanni Battista 

berühmter venezianischer Dekorationsmaler und Radierer, geb. 1696 in Venedig, gest. 
1770 in Madrid. Schüler des Gregorio Lazzarini in Venedig, gleichzeitig unter dem 
Einfluss Giov. Batt. Piazzettas und durch das Studium Paolo Veroneses gebildet. 
Schwager Guardis. 1740 in Mailand, 1750—1753 in Würzburg, dann in Venedig, seit 
1762 in Madrid. 

586 Findung des Moses. Illustration. 

Ld. Oel, Lei nwand (neu), 71,6 h., 148 br. Phot. Hoefle. 1849 aus Ludwigsburg. Nach 
Dr. Sack Skizze zu einem jetzt in Edinburgh befindlichen Bilde, auf dem aber die 
Figur rechts fehlt. 

587 Allegorie der Vermählung Kaiser Fried- 
Ld. rieh Barbarossas mit Beatrix vonBurgund. 

Farbenskizze zu dem Deckengemälde im Kaisersaal 
der bischöflichen Residenz in Würzburg. Apollo führt 
die Braut auf seinem von zwei Schimmeln gezogenen 
Wagen dem links harrenden Kaiser zu. Dabei Gröt- 
tinnen, Flussgötter, Nymphen u. s. w. 

Oel, Leinwand, 65,3 h., 106,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 216. 
Phot. Hoefle. 

588 Neptun entführt die Theophane. Farben- 
Lc skizze. 

Oel, Leinwand, 50,5 h., 31,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 218. 

589 Joseph mit dem Kinde. Bruststück, halblebens- 
La. gross. 

Oel, Leinwand, 44 h., 36 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 217. Phot. Hoefle. 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 201 



Kommunion des heiligen Hieronymus. Skizze. 590 

Oel, Leinwand, 33,2 h., 44,5 br. Sammlung Barbini - Breganze 1852 No. 215. La. 
Phot. Hoefle. 



Tiepolo, Giovanni Domenico 

Maler und Radierer, geb. 1727 zu Venedig, gest. 1804 daselbst. Sohn und Schüler 
des Oiov. Battista Tiepolo, den er (zusammen mit seinem Bruder Lorenzo) auch 
als Gehilfe nach Würzburg und Madrid begleitete. Nach dessen Tode kehrte er aus 
Madrid nach Venedig zurück. Lebte teils in Venedig, teils in Zianigo bei Murano. 
1783 in Genua. 

DarstellungimTempel, Kniestück, halblebens- 590a 
gross. Ld. 

Oel, Leinwand, 133 h., 101,4 br., ursprünglich oval, die Ecken ergänzt. L. ein 
ca. 3 cm breiter Streifen angesetzt. 1903 vom Geh. Hofrat Ernst Seeger in Berlin 
geschenkt. Ein ähnliches Bild in der Dresdener Galerie No. 639. 



Turchi, Alessandro, genannt POrbetto 

geb. 1582 in Verona, gest. 1648 in Rom. Schüler des Feiice Ricci und des F. Bru- 
sasorci in Verona, dann selbständig zum Eklektiker entwickelt. Tätig anfangs 
meistens in Verona, später hauptsächlich in Rom. 

Allegorie der Zeit, die die Menschen aus den 591 
Fesseln der Liebe befreit (?) (Saturn, Amor, Venus Kc. 
und Mars). 

Oel, Kupfer, 46 h., 28,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 223. 

Heilige Familie mit einem heiligen Mönch, an- 592 
geblich Felix. Kc. 

Oel, Lindenholz, 39,5 h., 30,3 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 225: 
Francesco Vanni (geb. 1563 in Siena, gest. 1610 daselbst). So auch auf einem 
(späteren) Zettel der Rückseite. Bei der Restauration durch Deschler trat die ganze 
Figur des Joseph zutage. 

Joseph mit dem sitzenden Jesuskinde. 593 
Halbfigur. Kc. 

Oel, Zinkblech, 25,5 h., 18,5 br. Vermächtnis des Postsekretärs von Stos in 
Heilbronn 1882. Früher: Unbekannt. Steht den vorigen beiden Bildern nahe. 



Turchi, Alessandro, seine Art 

Venus und Adonis in Landschaft kosend, 1. Amor. 594 

Oel, Leinwand, 26,2 h., 32,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 25: Schule Kc. 
des Baroccio, Rinaldo und Armida. 



202 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



Turchi, Alessandro, angeblich 

595 Simson und De lila. 

Mag. Oel, Leinwand, 129 h., 160,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 222. Hat 
durch Restauration die Lasuren verloren. 

Varotari, Alessandro, genannt il Padovanino 

geb. 1590 in Padua, gest. 1650 in Venedig, Schüler seines Vaters Dario Varotari, 
weitergebildet durch das Studium Tizians und Paolo Veroneses, tätig in Padua und 
Venedig (vgl. No. 4%). 

596 Madonna mit St. Georg, Halbfiguren, über- 
Ka. lebensgross. 

Oel, Leinwand, 100 h., 110 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 230. 

597 Abschied Hektors vonAndromache. Halb- 
Ka. figuren, lebensgross. 

Oel, Leinwand, 108 h., 126 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 229. 

Varotari, Alessandro, angeblich 

598 Amor undPsyche. Sie beleuchtet mit der Lampe 
Kc den schlafenden Geliebten. Ganze Figuren, lebensgross. 

Oel, Leinwand, 169 h., 202 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 Nr. 228. Hat 
durch Wegnahme der Lasuren gelitten. Dies soll (nach Zanotto) das Exemplar sein, 
das von Rosaspina gestochen und dem Antonio Savorniano gewidmet ist, zu dessen 
Sammlung das Bild, wie Zanotto annimmt, damals gehörte. 

599 Amor mit Pfeil und Bogen. 

Mag. Oel, Leinwand, 98,5 h., 81,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 226: Varotari. 

600 Antonius und Kleopatra, fünf Halb figuren, 
Ka. überlebensgross. Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Leinwand, 134 h., 120,3 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 231. 

601 Octavianus und die sterbende Kleopatra, 
Ka. sechs Halbfiguren, überlebensgross. Gegenstück zum 

vorigen. 

Oel, Leinwand, 132 h., 122,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 227: Tod 
der Iphigenia, was, abgesehen von allem andern, schon deshab nicht passt, weil das 
Bild Gegenstück zum vorigen ist. Die richtige Deutung verdanke ich Prof. R. Herzog 
in Tübingen. Aus dem Besitz Canovas. 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 203 



Vecchia, Pietro della 

geb. 1605 in Venedig, gest. 1678 daselbst. Schüler A. Varotaris, tätig in Venedig. 

Der Zinsgroschen. Acht Halbfiguren, über- 602 
lebensgross. Mag< 

Oel, Leinwand, 117 h., 167,7 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 168: 
Polidöro (sie) Caravaggio (gemeint ist Amerighi da Caravaggio). Die richtige Be- 
zeichnung von Eisenmann. 



Zuccarelli, Francesco 

oder Zuccherelli, geb. in Pitigliano 1702, gest. in Florenz 1788. Gebildet in Florenz 
und Rom unter Morandi und Pietro Nelli, tätig ausserdem in Venedig und England. 

Landschaft mit Herde am Brunnen. 603 

Oel, Leinwand, 55 h., 71 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 246. Ka. 

Landschaft mit der Flucht nach Aegypten. 604 

Oel, Leinwand, 40,5 h., 51 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 249. Ka. 

Flusslandschaft. Hirt mit zwei Kühen und 605 
einer Ziege. Gegenstück zum folgenden. Ka. 

Oel, Leinwand, 75,5 h., 57 br. 1902 aus dem Magazin. Sammlung Barbini-Breganze 
1852 No. 247. 

Flusslandschaft, am Ufer drei Mädchen und ein 606 
Angler. Gegenstück zum vorigen. Ka. 

Oel, Leinwand, 75,5 h., 57 br. 1902 aus dem Magazin. Sammlung Barbini-Breganze 
1852 No. 248. 



Zuccaro, Federigo 

oder Zucchero, geb. um 1542 in S. Angelo in Vado im Gebiet von Urbino, gest. 
1609 in Ancona. Schüler seines Vaters Ottavio und seines Bruders Taddeo, tätig vor 
allem in Rom, wo er zu den Gründern der Akademie von S. Luca gehörte, ausser- 
dem in Florenz, Venedig, London, Paris und Madrid. 

Der heilige Augustinus und das Jesus- 607 
kind (vgl. No. 420). Oben die heilige Familie und Kc. 
musizierende Engel. Rechts unter der Mitra des 
Heiligen: FEDERICVS ZVCARVS . FECIT . 1592 
(die Jahreszahl wiederholt). Im Hintergrunde links 
Stephanus. 

Oel, Leinwand, 55,8 h., 72 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 244. Früher frage- 
weise dem Garofalo zugeschrieben, unter Hinweis auf ein Bild von ihm in der Nat. Galiery 



204 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



in London, das in Hanfstängls Meisterwerken der Nat. Qal. zu London 65 publiziert 
ist. Es hat wohl unserem Gemälde als Vorbild gedient, stimmt aber nicht genau 
damit überein. Frimmel macht noch auf eine variierte Kopie des Londoner Bildes 
in der Sammlung Julius Stern in Wien aufmerksam. 



Bolognesische Schule des 17. Jahrhunderts 

608 Die büssende Magdalena, Kniestück, sitzend, 
Kd. lebensgross mit Buch und Totenschädel. 

Oel, Leinwand, 117,2 h., 94,5 br. Geschenk der Erben des Finanzrats Federer in 
Stuttgart 1844. Früher: „Unbekannt". 

609 ^ D i e heiligeUrsula mit Pfeil und Kreuzesfahne, 
Kd. Kniestück, lebensgross. 

Oel, Leinwand, 135 h., 109 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 183: Guido 
Reni, S. Barbara, was schon Eisenmann verbesserte. 

610 Der Apostel Judas Thaddäus mit der Keule. 
Kb. Halbfigur in Oval, lebensgross. 

Oel, Leinwand, 103,5 h., 85 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 243: 
Zelotti (!), S. Andreas. 

611 Kleine heilige Familie. Halbfiguren 

Kc. Oel, Lei nwand, 26,2 h., 24,8 br., oben angesetzt. Sammlung Barbini-Breganze 
1852 No. 184: Schule Guido Renis. 

612 Weibliche Figur mit Zirkel in der Hand, 
Nd. Brustbild, wahrscheinlich die Geometrie. 

Oel, Leinwand, 65,6 h., 50,4 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. Früher: 
„Unbekannt". 

613 Knabenbildnis. Brustbild, lebensgross. 

Kc. Oel, Fichtenholz, 47,5 h., 37 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 50: Mo- 
retto. So auch früher im Katalog, was schon Eisenmann bedenklich schien. Das 
Bild n-ehört in die Nachfolge der Carracci. 



Italienische Schule des 17. Jahrhunderts 

614 Ammon tröstet Thamar. Halbfiguren, lebens- 
Ka. gross. 

Oel, Leinwand, 74,6 h., 107 br. 1847 aus Ludwigsburg. Sammlung Gotter 1736 
und Inventar von 1767 ohne Namen. 

615 Lot mit seinen Töchtern, sitzend, ganze Fi- 
Kc. guren, lebensgross. 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 205 



Oel, Leinwand, 122,4 h., 170,3 br. 1839 von dem Buch- und Kunsthändler Samuel 
Liesching in Stuttgart als Tizian (!) gekauft, später: Schule von Venedig. Hymans: 
Spranger (vgl. No. 113). 

Augustinus lesend, Brustbild, überlebensgross. 616 

Oel, Leinwand (neu), 69,5 h., 58 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 41 : Ka. 
Bolognesische Schule. So auch früher im Katalog. 

Madonna mit Kind, Halbfigur, lebensgross. 617 

Oel, Leinwand, 73,5 h., 61,5 br. 1849 aus Ludwigsburg als Unbekannt. Ka. 

Christus und das kananäische "Weib, das ihn 618 
um Hilfe anfleht. Sieben lebensgrosse Figuren und Kc 
ein Hund. 

Oel, Leinwand (neu), 231 h., 178 br. 1846 als „Ouercino, Christus und die Ehe- 
brecherin" von dem Kunsthändler Dubois in Paris gekauft. So auch früher im 
Katalog. 1904 ausgebrochene Stellen ergänzt. 

Kreuzigung, dabei Maria, Johannes und Magdalena. 619 

Oel, Schiefer (der als Grund stehen geblieben ist), 70 h., 46,2 br. Sammlung Kc. 
Barbini-Breganze 1852 No. 22: Schule des Ouercino. Später: „Guercino". 

Heilige Familie mit der knienden Katha- 620 
rina, lebensgross. Sieben Figuren, zwei Engel halten Kc. 
eine Krone über Maria. 

Oel, Leinwand, 252,5 h., 171 br. Phot. Hoefle. 1864 durch Vermittlung des Oberst- 
hofmeisters Grafen von Uxküll-Gyldenbrand von den Erben eines in Mexiko gestorbenen 
Herrn Uhde als Zurbaran (Spanier 1598 — 1662) gekauft. So auch früher im Katalog. 
Wahrscheinlich überhaupt nicht spanisch, sondern aus der Schule Caravaggios. 
Eine Replik der Komposition, die für italienisch galt, befand sich früher im Münchener 
Privatbesitz. Weizsäcker: Luca Giordano (vgl. No. 545). 

Venus liegend mit Amor. 621 

Oel, Leinwand, 88 h., 140 br. 1902 aus dem Magazin. Sammlung Barbini-Breganze Ka. 
1852 No. 185: Schule des Guido Reni. 



Amor sitzend, nach 1. zeigend, aus einer grosse- 622 
ren Komposition. Kc. 

Oel, Leinwand, 46,8 h., 37,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 39: „Bolog- 
nesische Schule, Herkules als Kind, die Schlangen würgend." Die abweichende Be- 
zeichnung des Inhalts erklärt sich daraus, dass das Bild, als es nach Stuttgart kam, 
völlig übermalt und der Amor in einen schlangenwürgenden Herakles verwandelt war. 



Vanitas oder Pandora, sitzend, lebensgross, 623 
Krone, Maske, Juwelen und Totenkopf erinnern an die Kc. 



206 VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 



typische Darstellung der Eitelkeit, das G-efäss, dessen 
Deckel sie öffnet, an die Büchse der Pandora. 

Oel, Leinwand, 173 h., 140 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 91 : Lodovico 
Carracci. Damals war der Kopf ganz übermalt. Gehört eher der Richtung Cara- 
vaggios an. 

624 Kleine Mondscheinlandschaft mit Brücke und 
Ka. Fischern. 

Oel, Lindenholz, achteckig, 28,5 h., 22 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 
No. 80: Callot. 

625 Landschaft mit der Ruhe auf der Flucht 
Ka. nach Aegypten. 

Oel, Leinwand, 22 h., 28,3 br. 1865 aus dem Nachlass des Partikuliers Jean Oa- 
vard in Stuttgart als Nie. Poussin gekauft. Früher: In der Art des Nie. Poussin. 

Oberitalienische Schule des 17. Jahrhunderts 

626 Johannes der Täufer als Knabe, kniend. 

Kc. Oel, Leinwand, 51 h., 41 br. 1843 von dem Kaufmann Jean Oavard in Stuttgart ge- 
kauft, früher fälschlich : Cesare da Sesto. Wohl von einem späteren Nachzügler der 
Lionardo-Schule. 

627 Kreuzigung, neun Figuren. 

Kc. Oel, Leinwand, 67 h., 47,5 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 189: Tinto- 
retto. Wohl von einem späteren Nachzügler der grossen Venezianer. 

628 Damenbildnis. Junge Frau in Witwentracht, 
Kb. Kniestück, lebensgross. 

Oel, Leinwand, 101 h., 79 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 204: Savoldo, 
so auch früher im Katalog. 

629 Bildnis eines jungen Mannes, etwa 20jährig, 
Kb. bartlos, Halbfigur, lebensgross. 

Oel, Leinwand, 107 h., 88 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 58: Schule 
des Bordone. Vielmehr später. 

Venezianische Schule des 17. Jahrhunderts 

630 Landschaft, rechts die Ruinen eines Tempels. 

Ka. Oel, Leinwand, 76,2 h., 100 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 237: 
Tizian (!). 



VIII. Italienische Schule des 17. und 18. Jahrhunderts. 207 



Landschaft. Kesselschmiede vor einer Grotte. 631 

Oel, Leinwand, 32,5 h., 50 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 112: Vlä- Ka. 
mische Schule. In den früheren Katalogen: In der Art des Bauernbrueghel. 
Frimmel: Venezianisches Bild, möglicherweise nach einem Original des älteren 
Jan Brueghel. Von derselben Hand wie das folgende. 

Volksbelustigung vor einem Wirtshause. 632 

Oel, Nussbaumholz, 42 h., 51 br. Sammlung Barbini-Breganze 1852 No. 66: Ka. 
P. Breughel. Von derselben Hand wie das vorige. 



IX. Moderne ausländische 
Schulen. 



Aiwasowsky, Iwan Constantinowitsch 

berühmter russischer Seemaler, geb. 1817 zu Feodosia in der Krim, gest. 1900 auf 
seinem Landgute daselbst. 1833 auf der Kunstakademie in St. Petersburg, wo er 
Schüler des französischen Marinemalers P. Tanneur und Sauerweids war. Er lebte 
längere Zeit in Italien, der Türkei, Spanien und Frankreich, seit 1847 als Hofmaler 
und Professor in Feodosia. 

Bewegte See. Bez. r. unten: Aivasovskij a Stutt- 633 
gart 1879. Sb. 

Oel, Leinwand, 145,3 h., 185,5 br. Geschenk der Königin Olga 1879. 



Aman-Jean, Edmond 

geb. in Chevry-Cossigny (Seine et Marne), lebt in Paris. 

Dame im Garten, auf einer Bank sitzend. Däm- 634 
merung. Bez. r. unten: Aman Jean. Xa - 

Oel, Leinwand, 150 h., 120 br. 1901 auf der französischen Ausstellung in Stutt- 
gart vom Künstler erworben. 

Barison, Giuseppe 

italienischer Genremaler, geb. 1853 in Triest. Schüler der Wiener Akadem unter 
Ed. v. Engerth. Lebt in Triest. 



208 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



635 Eine venezianische Familie. Bez. 1. unten: 
Ulm Gr Barison • VENEZIA (die zwei ersten Buchstaben 

verschlungen). 

Oel, Leinwand, 45 h., 5b br. 1884 von der Kunsthandlung Lepke in Berlin gekauft. 

Beveren, Charles van 

belgischer Historien-, Genre- und Porträtmaler, geb. 1809 in Mecheln, gest. 1850 in 
Amsterdam. Studierte in Mecheln und Antwerpen und bereiste Italien. Mitglied der 
Akademie von Amsterdam. 

636 Ein Orientale. Halbfigur. Bez. 1. unten C. van 
Rd. Beveren 1849. 

Oel, Leinwand, 81,2 h., 63 br. 1862 von König Wilhelm I. überwiesen. 

Bock, Theophile de 

holländischer Landschaftsmaler, geb. 1852 im Haag, gest. 1904 in Haarlem. Schüler 
des J. W. van Borselen und des J. H. Weissenbruch. Eine Zeit lang in Paris und 
Barbizon, dann im Haag. Zuletzt lebte er meist zu Renkum bei Arnheim. 

637 Dünenlandschaft. Bez. Lunten: Theophile de Bock. 

Ya. Oel, Leinwand, 179,5 h., 120 br. 1891 auf der internationalen Ausstellung in 
Stuttgart gekauft. 

Bossuet, Frans 

belgischer Architekturmaler, geb. 1798 zu Ypern, gest. 1889 zu S. Joost-ten-Oode 
(Brüssel). Zuerst Marinebeamter, seit 1840 Maler, Schüler der Akademie zu Brüssel. 
Bildete sich auf Reisen in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Spanien und 
Nordafrika weiter. Eine Zeit lang Lehrer an der Brüsseler Akademie. 

638 Maurisch-spanisches Stadttor. Bez. r. an dem 
Sb. Brunnenrande: F. Bossuet van Yper 1844. 

Oel, Holz, 75,5 h., 60 br. Vermächtnis des Königs Karl 1891, früher im Schloss 
Rosenstein bei Cannstatt. 



Braekeleer, Adriaan Ferdinand de 

belgischer Genremaler, geb. 1818 in Antwerpen, gest. 1904 daselbst. Neffe und 
Schüler des Ferdinand de Braekeleer d. Aelt., Bruder des Bildhauers Isaak 
Braekeleer. 

639 Die Vorleserin. Bez. 1. unten: Adrien De Brae- 
Ulm keleer f. 1846. 

Oel, Birnenholz, 59,8 h., 48 br. 1846 auf der Kunst-Ausstellung in Stuttgart 
gekauft. 



IX. Moderne ausländische Schulen. 209 



Brandt, Josef von 

polnischer Schlachtenmaler, geb. 1841 zu Szczebrzeszyn bei Warschau, 1862 Schüler 
von Franz Adam (No. 690) und Karl v. Piloty (No. 846) in München, dann von Cogniet 
in Paris, lebt jetzt teils in München, teils auf seinem polnischen Oute Oronsko. 

Reiterkampf zwischen Polen und Schweden im 640 
dreissigj ährigen Kriege. Bez. 1. unten: Jozef Brandt Vc. 
Warszawy 1878. 

Oel, Leinwand, 91 h., 172 br. 1879 von der Fleischmannschen Kunsthandlung in 
München gekauft. 

Brion, Gustave 

elsässischer Genremaler, geb. 1824 zu Rothau in den Vogesen, gest. 1877 in Paris. 
Schüler Gabriel Gue'rins. Malte besonders Bilder aus dem elsässischen Bauernleben. 

Hochzeitszug im Elsass. Bez. r. unten: Gr. Brion 641 
1860. Sd. 

Oel, Leinwand, 166 h., 250 br. Geschenk König Wilhelms I. 1864 (wenige Tage 
vor seinem Tode). 

Chierici, Gaetano 

italienischer Genremaler, geb. zu Reggio in der Emilia 1838, lebt daselbst. Malt be- 
sonders Anekdoten aus der Kinderwelt, die durch ihren peinlichen Naturalismus das 
Interesse des Publikums herausfordern. 

Ueber raschung (Maskenscherz). Bez. 1. im Bilde: 642 
Chierici G-aetan 1888. Va. 

Oel, Leinwand, 105,5 h., 154 br. 1888 von Rüstige auf der Münchener inter- 
nationalen Kunstausstellung (vom Künstler) gekauft. 

Selbstbildnis. Brustbild, lebensgross. 643 

Oel, Leinwand, 88 h., 68,5 br. 1888 vom Künstler zum Dank für die Anschaffung Vb. 
des vorigen Bildes geschenkt. 

Coomans, Pierre Olivier Joseph 

belgischer Historien- und Genremaler, geb. 1816 in Brüssel, gest. 1889/90 in Bou- 
logne sur Seine. Schüler von Hasselaere in Gent und de Keyser und Wappers in 
Antwerpen, reiste in Algerien, Italien, der Türkei und Griechenland. 

Römische Familie. Bez. r. unten: Joseph Coo- 644 
mans, 1864. Mag. 

Oel, Leinwand, 78 h., 101 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Obersthofmeisters 
Feriherrn Richard von Reischach. 

14 



210 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



645 Sappho. Bez. 1. unten: Joseph Coomans 1872. 

Ulm Oel, Leinwand, 81,7 h., 65,6 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Obersthof- 
meisters Freiherrn Richard von Reischach. 



Coromaldi, Umberto 

geb. 1870 in Rom, lebt daselbst. 

646 Der Lumpensammler. Bez. 1. oben: IL Coromaldi. 

Va. Pastell auf Karton, 118 h., 118 br. 18% auf der internationalen Gemäldeausstellung 
in Stuttgart vom Künstler gekauft. Abgebildet im Katalog der Ausstellung S. 11. 



Courbet, Gustave 

Führer der naturalistischen Bewegung in Frankreich, geb. 1819 in Omans (Doubs), 
gest. 1877 in Tour de Peilz bei Vevey am Genfer See. 1837 Schüler Flageoutots in 
Omans, 1839 in Paris Schüler von Steuben und Hesse, besonders aber von David 
d'Angers. Daneben durch das Studium von Hals, Rembrandt, Zurbaran, Cara- 
vaggio und Ribera, vor allem aber durch intensives Naturstudium weitergebildet. 
Epochemachend war sein Begräbnis von Omans 1850 und die Ausstellung seiner 
Werke 1855. 1869 in München. 1871 Communard. Nach dem Sturz der Commune 
infolge der von ihm veranlassten Demolierung der Vendöme-Säule gefangen gesetzt 
und finanziell ruiniert, ging er in freiwillige Verbannung. 

646a Seestrand bei Sonnenuntergang. Bez. 1. unten 
Xd. Gr. Courbet. 

Oel, Leinwand, 54,5 h., 65 br. 1907 von dem Kunsthändler Strölin in Paris 
geschenkt. 



Courtens, Frans 

belgischer Landschaftsmaler, geb. 1854 in Termonde, wohnte bis vor wenigen 
Jahren meist in Nordniederland, dann in Joost-ten-Oode (Brüssel), jetzt in Brügge. 
Seit 1904 Professor am Institut supeVieur des beaux arts in Antwerpen. 

647 Barken am Morgen („La Barque ä Moules"). 
Ya. Illustration. Bez. r. unten: Franz Courtens. 

Oel, Leinwand, 159 h., 112 br. 1891 auf der internationalen Ausstellung in Stutt- 
gart gekauft. Phot. Schaller. 



Dorcy, Fr. (?) 

französischer Maler, angeblich geb. 1807. Nichts näheres bekannt. 

648 Mädchen, Brustbild. Bez. Dorcy oder Dorey. 

Mag. Oel, Leinwand, oval, 56 h., 46,5 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Oberst- 
hofmeisters Freiherrn Richard von Reischach. 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



211 



Ekenaes, Jahn 

norwegischer Landschafts- und Oenremaler, geb. im Kirchspiel Hof (Norwegen) 1847, 
Schüler des norwegischen Landschaftsmalers Eckersberg in Christiania, in den 
70er Jahren in München, lebt in Asgaardstrand (Norwegen). 

Vorbereitung zum Fischfang. Bez. r. unten: 649 
J. Ekenaes. 1889. Vc. 

Oel, Leinwand, 115 h., 160 br. 1889 von der Fleischmannschen Kunsthandlung in 
München gekauft. Abgebildet im Katalog der Münchener Ausstellung von 1889. 

Fouace, Guillaume 

geb. 1838 in Re'ville (Manche), Schüler von Yvon, gest. in Paris 1895. 

Stilleben, „im Büffet". Bez. r. unten: Gr. Fouace. 650 

Oel, Leinwand, 82 h., 132 br. 1891 auf der internationalen Ausstellung in Stutt- Wb. 
gart gekauft. 

Gudin, Theodore 

s. Zeit berühmter französischer Seemaler, geb. 1802 in Paris, gest. 1880 in Boulogne 
sur Seine. Schüler von Girodet-Trioson, schloss sich dann aber der romantischen 
Schule an. 1831 und 1839 im Orient, 1841 in St. Petersburg, 1844/45 in Berlin. 

Seeküste. Abend nach dem Sturm. Bez. 1. unten: 651 
T. Gudin. 1852. Ulm 

Oel, Leinwand, 123 h., 171 br. 1867 auf der permanenten Kunstausstellung in 
Stuttgart gekauft. 

Guffens, Egidius Godfried 

belgischer Historien- und Porträtmaler, geb. 1823 in Hasselt (Limburg), gest. 1901 
in Schaarbeek bei Brüssel. 1838 Schüler der Antwerpener Akademie und des Nie 
de Keyser, 1845, 1847 und 1849 in Paris, 1850—52 auf Reisen in Deutschland und 
Italien, seit 1871 in Brüssel. 

Zwei Italienerinnen. Bez. r. unten: Gr. Guffens 652 
1853. Pc. 

Oel, Leinwand, 133,5 h., 97,5 br. Vermächtnis des Königs Karl 1891, vorher auf 
dem Kgl. Landhause Rosenstein bei Cannstatt. 



Haas, Jan Huibrecht Leonard de 

holländischer Tiermaler und Radierer, geb. 1832 zu Hedel in Nordbrabant, Schüler 
der Akademie in Amsterdam und des P. F. van Os in Haarlem, 1853—57 in Ooster- 
beek, seitdem in Brüssel. 

Kühe in den Dünen. Bez. r. unten: J H L. de Haas. 653 

Oel, Mahagoniholz, 130 h., 97 br. 1891 auf der internationalen Ausstellung in Tüb. 
Stuttgart gekauft. 



212 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



654 Flussufer mit Kühen. Bez. r. unten: J H L 
Uc. de Haas. 

Oel, Mahagoniholz, 97 h., 130 br. Vermächtnis des Fabrikanten Max Braun in 
Schaffhausen, eines geborenen Württembergers 1899. 

Hove, Hubertus van 

holländischer Genre- und Architekturmaler, geb. 1814 im Haag, gest. (nach Singer) 
1867 daselbst, (nach Wurzbach) 1865 in Antwerpen. Sohn und Schüler des Archi- 
tekturmalers Bart. Joh. van Hove und des H. van den Sande-Backhuysen. 

655 Treppenhaus einer holländischen "Wohnung mit 
Sb. Figuren. Bez. 1. unten: H. van Hove. Bi. 

Oel, Leinwand, 71 h., 57 br. Vermächtnis des Königs Karl 1891. Früher im 
Kgl. Landhause Rosenstein bei Cannstatt. 

Joris, Pio 

italienischer Genremaler, geb. 1843 in Rom, gebildet auf der Accademia di S. Luca 
in Rom unter A. Vertumni und Mariano Fortuny. Bereiste dann Spanien, Frank- 
reich und Deutschland. Lebt in Rom. 

656 Im Portikus der Octavia. Illustration. Bez. 1. 
Vb. unten: P. Joris Roma. 

Oel, Mahagoniholz, 22 h., 16 br. 1891 auf der internationalen Kunstausstellung in 
Stuttgart gekauft. Phot. Schaller. 

Koldewey, Bernard Marie 

holländischer Landschaftsmaler, geb. 1859 in Dordrecht, gest. daselbst 1898, Schüler 
des C. J. de Vogel und Roland Lary, zwei Jahre auf der Antwerpener Kunstaka- 
demie, dann wieder in Dordrecht, 1891—1892 in Süditalien und Corsica. Durch 
Jac. Maris und Theoph. de Bock (No. 637) beeinflusst, mit Blommers befreundet. 

657 Ausladen der Muscheln in Philipperne. Bez. 
Vc r . unten: B. M. Koldewey. P Philipperne A 1895. 

Oel, Leinwand, 106 h., 159 br. 1896 auf der internationalen Gemäldeausstellung 
in Stuttgart gekauft. Abgebildet im Katalog der Ausstellung S. 39. 

Landelle, Zacharie, Charles 

französischer Historien-, Genre- und Porträtmaler, geb. 1821 in Laval (Dep. Mayenne). 
Schüler Delaroches, ahmte ihn und Ary Scheffer nach. Bereiste 1865 Kleinasien und 
Nordafrika. 

658 Weibliches Bildnis. Brustbild. Bez. 1. unten: 
Uc C. L. 57. 

Oel, Leinwand, 55,5 h., 46 br. Vermächtnis des Königs Karl 1891, vorher im 
Kgl. Landhause Rosenstein bei Cannstatt. 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



213 



Larson, Marcus 

schwedischer See- und Landschaftsmaler, geb. 1825 in Ostergotland, gest. 1864 in 
London. Schüler der Akademie in Stockholm (1846), Melbys in Kopenhagen und 
A. Achenbachs in Düsseldorf (1852). 1855/56 in Paris, später in Russland, Finland 
und London. 

Schwedische Landschaft mit Wasserfall. Bez. 659 
r. unten: M. Larson. Paris 1856. (Die zwei ersten Mag. 
Buchstaben verbunden.) 

Oel, Leinwand, 38,2 h., 46,5 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Obersthof- 
meisters Freiherrn Richard von Reischach. 



Linnig, Willem, der Aeltere 

belgischer Genremaler und Radierer, geb. 1819 in Antwerpen, gest. 1885 daselbst, 
Schüler des Hendrick Leys, Bruder des Seemalers Egidius Linnig und Vater 
Willem Linnigs des Jüngeren. 

Das Innere einer Schenke im 17. Jahrhundert. 660 
R. unten bez.: W. Linnig 56. Ulm 

Oel, Zedernholz, 36,5 h., 45 br. 1856 gekauft auf der Ausstellung des rheinischen 
Kunstvereins in Stuttgart. 



Mac Adam, Walter 

schottischer Landschaftsmaler, geb. 1866 in Glasgow, lebt daselbst, gehört zu der 
Schule der „Glasgow Boys". 

Oktober glühen. Herbstlandschaft. Bez. 1. unten: 661 
Walter M c Adam. Wc. 

Oel, Leinwand, 61 h., 91,5 br. 1896 auf der internationalen Ausstellung in Stutt- 
gart gekauft. 

Maris, Willem 

holländischer Tier- und Landschaftsmaler, geb. 1844 im Haag, Schüler seiner Brüder 
Jakob und Mattys Maris, tätig im Haag. 

Holländische Viehweide. L. unten bez. Willem 662 
Maris. Va. 

Oel, Leinwand, 88 h., 128 br. 18% auf der internationalen Kunstausstellung in 
Stuttgart gekauft. 



Michetti, Francesco Paolo 

italienischer Genre- und Landschaftsmaler, geb. 1851 in Tocca da Casauria bei 
Chieti, 1868 Schüler von Morelli und Dalbuono in Neapel, lebt in Francavilla a Mare 
am adriatischen Meere. 



214 IX. Moderne ausländische Schulen. 



663 Mittagsrast. Hirtenpaar in Landschaft, sitzend. 
Xd. R. unten bez.: F P Michetti 81. 

Oel, Leinwand, %,5 h., 62 br. Geschenk des Geheimen Hofrats Ernst Seeger in 
Berlin 1902. 

Monet, Claude 

berühmter französischer Landschaftsmaler, geb. 1840 in Paris, Freund und Schüler 
Manets, Hauptmeister des Impressionismus. Lebte zuerst in Ve"theuil an der Seine 
und liess sich dann in Giverny nieder. 

663a Felder im Frühling. Bez. r. unten: Claude 
Xd. Monet 87. 

Oel, Leinwand, 74,3 h., 93 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 190b aus 
der Sammlung des früheren Opernsängers Faure in Paris durch Vermittlung des. 
Kunstsalons von Bruno Cassirer in Berlin gekauft. 

Moreau-Nelaton, Etienne 

französischer Landschaftsmaler und Graphiker, Impressionist, geb. 1859 in Paris, 
studierte erst Litteratur, dann seit 1871 Malerei unter Harpignies, lebt in Paris. 

664 Paris von den Türmen der Kirche Notre 
Xd. Dame gesehen. Bez. r. unten: E. Moreau-Nelaton. 

Oel, Leinwand, 61,5 h., 88,3 br. 1901 bei Gelegenheit der französischen Aus- 
stellung in Stuttgart vom Künstler geschenkt. 

Neal, David 

amerikanischer Historien- und Porträtmaler, geb. 1838 in Lowell (Massachusets), 
zuerst Holzschneider, dann Schüler der Münchener Akademie und (1869—70) Pilotys, 
Schwiegersohn des Glasmalers Ainmiller, später in Paris. Seit 1884 in New-York 
als Porträtmaler. 

665 Grottesfriede. Nonnen. Bez. 1. unten: David 
Ulm Neal 83. 

Oel, Leinwand, 77,5 h., 57,5 br, 1892 auf der Auktion der Sammlung Hoch in 
München gekauft. 

Perrault, Leon 

französischer Genremaler, geb. 1834 in Poitiers, Schüler von Bouguereau und Picot 
in Paris, lebt in Paris. 

666 Die kleine Schwester. Bez. r. oben: • L • Perrault. 

Tüb. Oel, Leinwand, 42 h., 34 br. 1889 auf der permanenten Kunstausstellung in Stutt- 
gart gekauft. 

Pieneman, Nicolaes 

holländischer Historien- und Porträtmaler, geb. 1810 in Amersfoort, gest. 1860 in 
Amsterdam, Sohn und Schüler des Jan Willem Pieneman (1779—1853). 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



215 



Ein Araber. Halbfigur. Bez. r. unten: N. Piene- 667 
man 184. Rd. 

Oel, Eichenholz, 90 h., 71 br. Geschenk des Königs Wilhelm I. 1844. Im früheren 
Katalog: Jan Willem Pieneman, doch ist die Signatur die des Sohnes. 

Pissarro, Camille 

berühmter französischer Landschaftsmaler und Radierer, Impressionist, geb. 1830 
auf der Antilleninsel St. Thomas, gest. 1903 in Paris, 1852 Schüler von Fr. Melbye 
in St. Thomas und Caracas, 1855 in Paris Schüler Corots, 1859 in Montmorency, 
1863 in La Varenne Saint-Hilaire, 1867 in Pontoise. Seit 1866 Freund Manets und 
Monets. 1868 in Louveciennes. Nach dem Kriege 1870/71, der sein Häuschen in 
Louveciennes mit seinem ganzen Kunstinhalt vernichtete, ging er mit Monet nach 
England. 1872—82 wieder in Pontoise, 1884—% in Eragny-Bazincourt (Oise), dann 
in Paris. 

Der Gärtner. Bez. 1. unten: C. Pissarro. 99. 668 

Oel, Leinwand, 92 h., 65 br. 1901 auf der französischen Ausstellung in Stuttgart Xd. 
gekauft (früher im Besitz von Durand-Ruel in Paris). 

Portaeis, Jan Frans 

belgischer Historien- und Bildnis maier, geb. 1818 in Vilvoorden bei Brüssel, gest. 
1895 in Brüssel. Schüler der Brüsseler Akademie und des Navez, später des 
Paul Delaroche in Paris. Liess sich nach längeren Reisen (in Italien, Aegypten, 
Syrien, Marokko, Spanien, Ungarn, Norwegen) 1847 in Gent, 1849 in Brüssel nieder. 
Lehrer an der Brüsseler Akademie 1863—1865, von neuem auf Reisen, 1870 — 1874, 
dann Direktor der Brüsseler Akademie. 

Brustbild einer Orientalin. R. bez. J. Por- 669 
taels 1868. Nc. 

Oel, Leinwand, 64 h., 52 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. 



Ribot, Augustin Theodule 

französischer Historien-, Genre- und Stillebenmaler und Radierer, geb. 1823 in Saint 
Nicolas d'Attez (Eure), nach anderen in Breteuil, gest. 1891 in Colombes bei Paris. 
Schüler von Glaize, Nachahmer der alten Spanier, besonders Riberas. 

Der barmherzige Samariter. Bez. r. unten: 669a 
t. Ribot. Xa. 

Oel, Leinwand, 74 h., 93 br. 1803 vom Geh. Hofrat E. Seeger in Berlin geschenkt. 
Hat mit dem Bilde im Luxembourg zu Paris von 1870 nichts zu tun. Eine andere 
Darstellung derselben Szene, die ebenfalls von dem Bilde verschieden ist, befindet 
sich im Museum von Pau. 



Rizzoni, Alexander 

baltischer Genremaler, geb. 1836 in Riga, gest. 1902 in Rom. Sohn eines italienischen 
Schuhmachers, der unter Napoleon gedient hatte und beim russischen Feldzug nach 
Riga verschlagen worden war. 1852 Schüler der Petersburger Akademie unter Wille- 
wald. 1858 machte er eine Reise durch Italien und Frankreich. Vorübergehend in 
Paris tälig, liess er sich 1865 in Rom nieder. 1866 Akademiker, 1868 Professor. 



216 



IX, Moderne ausländische Schulen. 



670 Spieler in einer polnischen Schenke. L. unten 
Nc. bez.: A. Rizzoni. 

Oel, Leinwand, 49,5 h., 61,8 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. 



Roche, Alexander 

schottischer Figurenmaler, geb. 1863 in Glasgow, studierte zuerst an der Kunst- 
schule seiner Vaterstadt, dann in Paris unter Lefebvre und Boulanger und an der 
Ecole des beaux arts unter Ger6me. Erhielt in München 1889 und in Dresden 1897 
die goldene Medaille, lebt in Edinburgh. Abbildungen seiner Gemälde bei Muther 
Gesch. d. engl. Malerei S. 79 und 81. 

671 Ein Lied. Mandolinenspielerin. Kniestück. Bez. 
Wb. r. oben: Alexander Roche. 

Oel, Leinwand, 100 h., 65 br. 1902 auf der Münchener Sezessionsausstellung ge- 
kauft, bald darauf als Titelbild in der „Jugend" publiziert. 



Ruyten, Jan 

belgischer Historien- und Genremaler, geb. 1813 in Antwerpen, gest. 1881 daselbst, 
Schüler des Jan van Regemorter in Antwerpen und des G. Nuyen im Haag. 

672 Fuhrleute vor einer Herberge. Bez. r. unten: 
Tüb. J. Ruyten 1842. 

Oel, Lindenholz, 65 h., 85 br. 1843 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 



Schendel, Pieter van 

belgischer Genremaler, geb. 1806 in Ter Heyden (Nordbrabant), gest. 1870 in 
Brüssel. Schüler der Antwerpener Akademie unter M. J. van Bree, lebte nach- 
einander in Amsterdam, Rotterdam und Haag. Seit 1850 in Brüssel. 

673 Gemüsehändlerin, Nachtstück mit Kerzenbeleuch- 
Sb. tung. Bez. r. unten: P. van Schendel. 

Oel, Birnbaumholz, 83,5 h., 64,2 br. 1843 auf der Kunstausstellung in Stuttgart 
gekauft. 1862 von Otto Baisch lithographiert. 



Schmidt, Willem Hendrik 

holländischer Genremaler, geb. 1809 in Amsterdam, gest. 1849 in Delft, Schüler des 
G. de Meyer. 1840 bereiste er Deutschland, 1842 wurde er Lehrer an der Akademie 
zu Delft. 

674 Die Botschaft. Figuren in der Tracht des 17. Jahr- 
Ulm hunderts. L. oben bez.: W. H. Schmidt. 1843. 

Oel, Mahagoniholz, 64,8 h., 51 br. Auf der Stuttgarter Kunstausstellung von 1843 
gekauft. 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



217 



Schotel, Jan Christiaan 

holländischer Seemaler, geb. 1787 in Dordrecht, gest. 1838 daselbst. Ursprünglich 
Offizier, seit 1813 Maler, Schüler des A. Meulemans und Mart. Schouman. 

Sees türm an der Küste. Bez. unten in der Mitte 675 
J C Schotel. Tüb. 

Oel, Leinwand, 75,3 h., 101 br. Vermächtnis des 1894 verstorbenen Obersthof- 
meisters Freiherrn Richard von Reischach. 



Stevens, Edward Josef 

belgischer Tier- und Genremaler, älterer Bruder des Alfred Stevens, geb. 1822 in 
Brüssel, gest. 1892 daselbst. Studierte in Paris als Autodidakt. 

Zwei musizierende Damen. Bez. r. unten: J. D. 676 
Stevens 1865. Ulm 

Oel, Mahagoniholz, 46 h., 37 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Obersthof- 
meisters Freiherrn Richard von Reischach. 



Swan, John Macallan 

englischer Tiermaler, geb. in Old Brentford, gebildet auf der Worcester School of 
Art und der Lambert Art School (unter John L. Sparkes), dann in Paris unter Gerome, 
Bastien-Lepage, Dagnan-Bouveret und dem Bildhauer Fremiet, lebt in London. 

Königstiger. L. unten bez.: John Sw. fec. 676a 

Pastell, 33,5 h., 49,5 br. 1903 von dem Geh. Hofrat E. Seeger in Berlin geschenkt. Vb. 



Ter Meulen, Frans Pieter 

holländischer Genremaler, geb. 1843 in Bodegraven, Schüler des J. J. van de Sande 
Bakhuysen, lebt im Haag. 

Hirtenjunge mit Schafen. Bez. 1. unten: Ter 677 
Meulen. Ua. 

Oel, Leinwand, 92 h., 78 br. 18% auf der internationalen Kunstausstellung in 
Stuttgart gekauft. Abgebildet im Katalog der Münchener Sezessionsausstellung von 1895. 



Thaulow, Fritz 

norwegisch-französischer Landschaftsmaler, geb. 1847 in Christiania, gest. 1906 in 
Volendam, studierte in Kopenhagen bei Sörensen, in Karlsruhe bei Gude und später 
in Paris, wo er sich der impressionistischen Richtung anschloss. Er wohnte ab- 
wechselnd in seiner Heimat und Frankreich, früher meist in der Normandie und in 
Dieppe, später in Paris. 

Mondschein in einem Dorfe der Normandie. 678 
R. unten bez.: Fritz Thaulow. 95. Xc. 



Oel, Leinwand, 48 h., 69 br. 1898 von dem Fabrikanten W. Wecker in Heilbronn 
gekauft, der es auf der internationalen Ausstellung in Stuttgart 1896 erworben hatte. 



218 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



Tielemans, Lodewijk (?) 

geb. 1826 (?) in Antwerpen, gest. 1856 daselbst. 

679 Kartenspieler in einer Schenke. 

Ulm Oel, Eichenholz, 62 h., 48 br. 1845 von Joh. Siegel in Stuttgart gekauft. Früher 
einem P. J. Tillemans (?) zugeschrieben. 

Vermeersch, Ivo Ambros 

belgischer Architekturmaler, geb. 1809(1810?) in Maldeghem bei Gent, gest. 1852 in 
München, Schüler der Genter Akademie unter P. F. de Noter. Nach längeren Reisen 
Hess er sich 1841 in München nieder und besuchte von dort aus öfters Italien. 

680 Stadttor und Moselbrücke in Koblenz. Unten 
Rd. bez. J. Vermeersch. 1846. 

Oel, Leinwand, 47,5 h., 41 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 

Verschuur, Wouter 

holländischer Landschafts- und Genremaler, geb. 1812 in Amsterdam, gest. 1874 in 
Vörden, Schüler des P. G. van Os und C. Steffelaer in Amsterdam. 

681 Pferde vor einer Landschenke. R. seitlich bez. 
Sa. W. Verschnür, f. 

Oel, Mahagoniholz, 35,5 h., 44,8 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Oberst- 
hofmeisters rreih. Richard von Reischach. 

682 Winter morgen. Schlittenfuhre und Viehtreiber 
Sa. im Schnee. R. unten bez.: W. Verschuur f. 

Oel, Mahagoniholz, 45,8 h., 60 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Oberst- 
hofmeisters Freih. Richard von Reischach. 

Vervloet, Frans, der Jüngere 

belgischer Architekturmaler, geb. 1795 in Mecheln, gest. 1872 in Venedig, Schüler 
seines Bruders Jan Vervloet, seit 1822 in Italien. 

683 Fusswaschung im Refektorium von S. Martino 
Nb. in Neapel. Bez. L unten: F. VERVLOET NAPOLI 

1846. 

Oel, Leinwand, 168 h., 123,5 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. 

Villegas, Jose 

spanischer Genremaler, geb. 1848 in Sevilla, wo er studierte. Durch Kopieren in 
Madrid weitergebildet. Lebte 1869—1901 in Rom, seitdem Direktor des Prado- 
Museums in Madrid. 



IX. Moderne ausländische Schulen. 



219 



In der Kirche. R. unten bez.: Villega Roma. 684 

Aquarell, 65,5 h., 101 br. 1891 auf der internationalen Ausstellung in Stuttgart gekauft. V a - 

Vuillard, Edouard 

geb. in Cuiseaux, lebt in Paris. 

Interieur. Stehende Frau hinter einem Frühstücks- 684a 
tisch. L. oben bez : E. Vuillard 1900. Xd. 

Oel Leinwand, 40 h., 59,5 br. 1907 auf der französischen Ausstellung des Stutt- 
garter' Kunstvereins gekauft, vorher im Besitz der Galerie Bernheim jeune in Paris. 
Abgebildet im Katalog der Ausstellung französ. Künstler, 1906, organisiert durch 
Dr. R. A. Meyer (Paris) letzte Seite. 

Zuloaga, Ignacio 

spanischer Figurenmaler, geb. 1870 in Eibar (Guipuzcoa) in Spanien, lebt in Madrid. 

Teeverkäuferin in den Pyrenäen. L. unten 685 
bez.: I. Zuloaga. Yc - 

Leinwand, 180 h., 92 br. Gekauft vom Künstler atif der internationalen Kunst- 
ausstellung in Dresden 1901. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahr- 
hunderts. 



Achenbach, Andreas 

See- und Landschaftsmaler, geb. 1815 in Kassel, lebt in Düsseldorf. 1827—1835 
als Schüler von W. Schadow auf der Kunstakademie in Düsseldorf, an der es da- 
mals noch keine Landschaftsklasse gab. Reiste daneben 1831, 1832 und 1835 nach 
Holland, Hamburg, Riga, Dänemark, Norwegen und Schweden und studierte im Haag 
die alten holländischen Meister, wurde auch von Gudin (No. 651) und lsabey angeregt 
(von L. Gurlitt ist er nicht beeinflusst worden). 1835 siedelte er nach München 
über. 1839—1846 Reisen nach Norwegen (wo Fearnley auf ihn einwirkte), den 
Niederlanden und Italien. Seit 1846 in Düsseldorf Professor. 

Niederländische Landschaft. Illustration. L. 686 
unten bez.: A. Achenbach. wb 

Oel, Leinwand, 126 h., 173 br. Phot. Hoefle. Spemanns Museum I 109. 1865 
vom Künstler gekauft, 1858 auf der Münchener Ausstellung. 



220 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Achenbach, Oswald 

Landschaftsmaler, jüngerer Bruder des vorigen, geb. 1827 in Düsseldorf gest 1905 
daselbst. 1839— 1841 Schüler der Düsseldorfer Akademie, dann seines Bruders 
Studienreisen in der Schweiz, dem bayrischen Gebirge und besonders 1845 und 
1850/51 in Italien. 1863—1872 Professor an der Düsseldorfer Akademie. 

687 Der Golf von Neapel, vom Posilip gesehen. R. 
Wa. unten bez.: Osw. Achenbach 85. 

Oel Leinwand, 196,5 h., 140,2 br. Phot. Hoefle. 1885 von der Schulteschen 
Kunsthandlung in Düsseldorf gekauft. 

688 Der Fremdenfriedhof bei Rom mit der Pyra- 
Ulm m ide des Cestius. L. unten bez.: Osw. Achenbach. 

Oel, Leinwand, 100,5 h., 150,5 br. 1876 von der Fleischmannschen Kunsthandlung 
in München gekauft. s 

689 Sturm in der Campagna. L. unten bez.: Osw 
Tüb. Achenbach 1887. 

Oel, Leinwand, 110,5 h., 150 br. 1892 auf der Auktion der Sammlung Hoch in 
München gekauft. 



Adam, Franz 

Schlachten- und Pferde-, sowie Porträtmaler, geb. 1815 in Mailand, gest. 1886 in 
München, Sohn und Schüler des Schlachtenmalers Albrecht Adam (1786—1862), machte 
während des italienischen Feldzuges von 1849 mit seinem Bruder Eugen im'Gefolge 
Radetzkys seine Studien und ging 1851 nach Ungarn, wo er das Volksleben studierte. 
1859 im österreichischen Hauptquartier in Italien, seitdem in München. 

690 Ungarisch-wallachischer Markt. R. unten bez. 
Ra. Franz Adam. 84. 

Oel, Leinwand, 71 h., 127 br. 1884 vom Künstler gekauft. 



Angeli, Heinrich von 

Genre- und besonders Bildnismaler, geb. 1840 in Oedenburg (Ungarn), 1854 an der 
Wiener Akademie unter Geiger, 1856 in Düsseldorf unter Emanuel Leutze 1859 in 
München, dann in Paris. Seit 1862 in Wien, 1876 Lehrer einer Spezialschule an 
der dortigen Akademie, seit 1882 Professor. 

691 Bildnis des Schlachtenmalers Blanckarts. 
üc R. oben bez.: H. v. Angeli 1857. 

Oel, Leinwand, 53 h., 45 br. Vermächtnis des 1839 in Düsseldorf geborenen, 
1883 in Stuttgart gestorbenen Malers Moritz Blanckarts. 



Baisch, Otto 

Landschafts- und Genremaler, geb. 1840 in Dresden, gest. 1892 in Stuttgart, Sohn 
des Lithographen W. H. G. Baisch (1805 geb. in Stuttgart, 1864 gest. daselbst), Bruder des 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



221 



Tiermalers Hermann Baisch (No. 693). Uebernahm die von seinem Vater (unter- 
lassene lithographische Anstalt, verkaufte sie aber 1873 und siedelte nach München 
über, um sich der Malerei zu widmen, für welche er sich schon früher auf der 
Stuttgarter Kunstschule ausgebildet hatte. Ausserdem Kunstschriftsteller. 

Stelldichein bei Mondschein. L. unten bez. : 692 
Otto Baisch. München. Ud. 

Oel, Leinwand, 75 h., 61,5 br. 1878 von der Wimmerschen Kunsthandlung in 
München gekauft. 

Baisch, Hermann 

Tier- und Landschaftsmaler, geb. 1846 in Dresden, gest. 1894 in Karlsruhe. Zuerst 
auf der Stuttgarter Kunstschule gebildet, dann 1868 in Paris, wo er die Niederländer 
studierte und starke Einwirkungen von Rousseau und Dupre" empfing, 1869 bei Lier in 
München weitergebildet. 1872 Professor an der Stuttgarter Kunstschule, seit 1880 in 
derselben Eigenschaft in Karlsruhe. 

Die Neugierigen. Zwei Rinder betrachten Hut, 693 
Stock und Skizzenmappe einer Malerin. R. unten bez.: Va. 
Hermann Baisch 1882. 

Oel, Leinwand, 71,2 h., 1C1 br. 1882 vom Künstler gekauft. 



Bauerle, Karl 

Genre- und Bildnismaler, geb. 1831 zu Endersbach in Württemberg, 1836 in Amerika, 
wo er zuerst Setzer war, 1857 von dort zurückgekehrt, 1859 auf der Stuttgarter Kunst- 
schule unter Rüstige und Grünenwald, 1863 in München bei Piloty, 1867 in Italien, 
dann wieder in Stuttgart, seit 1869 in London. 

Die Waisen. L. unten bez.: Carl Bauerle 1867. 694 

Oel, Leinwand, 113,5 h., 141 br. Phot. Hoefle. 1867 vom Künstler gekauft. Wa. 



Baumeister, Wilhelm 

Landschafts- und Pferdemaler, geb. 1804 in Gmünd, gest. 1846 in Stuttgart, Sohn 
des Malers und Zeichenlehrers Joh. Seb. B. in Gmünd, machte in Augsburg und 
München seine Studien, trat schon 1821 als Maler hervor, gieng aber 1825 auf die 
Tierarzneischule in Stuttgart und wurde Tierarzt. 1831—39 Lehrer an der landwirt- 
schaftlichen Akademie in Hohenheim, dann an der Tierarzneischule in Stuttgart. 

Pferde auf der Weide im Park zu Hohen- 695 
heim. R. unten bez. WB (verbunden) 1844. Tüb. 

Oel, Leinwand, 40 h., 48,5 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 

Bauern auf dem Bahn schütten. R. unten 696 
bez.: WB (verbunden) 1844. Tüb. 

Oel, Leinwand, 40,5 h., 49 br. Nebst 11 Bildern (vgl. die folgenden zwei) von der 
Schwester des Künstlers 1894 vermacht. 



222 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



697 Viehmarkt. 

Q(i. Oel, Leinwand, 27 h., 37 br. Wie oben. 

698 Pferdeaushebung. L. unten bez. : W Baumeister 
Qc 1843. 

Oel, Leinwand, 60,5 h., 79 br. Wie oben. 



Baur, Romuald 

eb. 1875 in Mettenberg, OA. Biberach, gest. 1905 in Stuttgart, studierte auf der 
tuttgarter Kunstakademie unter Haug. 

698a Blumenstück. R. unten bez.: R. Baur 1905. 

Wd. Oel, Leinwand, 50 h., 60 br. Vermächtnis der Erben des Künstlers 1906. 



Bentele, Fidelis 

Historienmaler, geb. 1830 in Tettnang, gest. 1902 in Stuttgart. 1845 in der Zeichen- 
schule des Polytechnikums zu München und später auf der dortigen Kunstakademie. 
1849 auf der Kunstschule in Stuttgart unter Neher. 1856 in Italien, nach der Rück- 
kehr in Stuttgart, wo er viele Kirchenbilder malte. Seit 1865 Zeichenlehrer an der 
Stuttgarter Baugewerkschule und Professor. 

699 Der barmherzige Samariter. Bez. Rom d : 
Tüb. 2 Mai 1858 Fidelis Bentele. 

Oel, Leinwand, 120,2 h., 136 br. 1858 als Gegenleistung gegen die gewährten 
Reiseunterstützungen aus Rom eingesandt. 

700 Die Poesie und die Musik. L. unten bez.: 
Pc Fid: Bentele. 1859. 

Oel, Leinwand, 145 h., 116,2 br. 1860 von König Wilhelm I. geschenkt. 



Bleibtreu, Georg 

Schlachtenmaler, geb. 1828 in Xanten am Niederrhein, gest. 1892 in Charlottenburg, 
1843 — 1848 auf der Akademie in Düsseldorf, wohin er 1850 — 53 unter Th. Hilde- 
brandts und bis 1858 unter W. Schadows Leitung noch einmal zurückkehrte. Seit 
1858 in Berlin, seit 1869 Mitglied der Akademie daselbst. 

701 Die Württemberger in der Schlacht bei 
Ta. Wörth am 6. August 1870. Bez. 1. unten: Gr. Bleib- 
treu. Das zweite Regiment und das dritte Jäger- 
bataillon stürmen gegen 4 Uhr nachmittags das Dorf 
Fröschweiler, den Schlüssel der französischen Stellung, 
während im Hintergründe links die Armee Mac Ma- 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



223 



hons auf dem Rückzüge nach Reichshofen und den 
Vogesen begriffen ist. Im Vordergrunde links zu 
Pferde der Kommandeur der zweiten Brigade, General- 
major v. Starkloff, Adjutant üettinger und Haupt- 
mann Sarwey, an ihnen vorbeistürmend zu Fuss 
Hauptmann Glaser, rechts mit geschwungenem Säbel 
Oberst v. Ringler, vor ihm, zunächst dem Feinde, 
Leutnant v. Schott. Links bei den Eichen Oberst- 
leutnant v. Linck an der Spitze der Jäger. Rechts 
oben vor der brennenden Dorfkirche und dem Dürk- 
heimschen Schlosse fahren die letzten französischen 
Batterien ab, um nicht in die Hände der Unsrigen zu 
fallen. Eine Viertelstunde später ist der nächstgelegene 
Teil des Ortes im Besitz der Württemberger, gegen 
5 Uhr ist der ganze Ort von den Truppen des XI. 
und V. Armeekorps und den Bayern besetzt und da- 
mit der Sieg erfochten. 

Oel, Leinwand, 158 h., 236 br. 1880 gemalt, 1883 von König Karl „als bleibendes 
Zeugnis für die ruhmvolle Teilnahme des württembergischen Heeres an den Kämpfen 
des Jahres 1870 71" geschenkt. Phot. Hoefle. 



Bochmann, Gregor von 

Genre- und Landschaftsmaler, geb. 1850 auf dem Gute Nesat in Estland, zuerst in 
Reval von Wilhelmine Jordan und Theodor Alb. Sprengel unterrichtet. 1868—1871 
auf der Akademie in Düsseldorf unter Osw. Achenbach (No. 687), dann selbständig, 
machte Studienreisen nach Holland, Belgien und seiner Heimat, die ihm besonders 
die Stoffe zu seinen Gemälden lieferte. Lebt als Professor in Düsseldorf. 

Markttag in Estland. R. unten bez.: GrvBock-701a 
mann. Xc - 

Oel, Leinwand, 29,8 h., 47,5 br. 1904 von der Kunsthandlung E. Schulte in Berlin 
gekauft. 

Boecklin, Arnold 

geb. 1827 in Basel, gest. 1901 in S. Domenico bei Fiesole nahe Florenz. 1845—47 
auf der Düsseldorfer Akademie, zuerst bei Th. Hildebrandt, dann besonders bei 
J. W. Schirmer. Reiste 1847 mit dem Tiermaler Koller nach Antwerpen und Brüssel, 
wo er die alten Meister, besonders Rubens und v. Dyck, studierte. 1847,48 in Genf bei 
Calame, 1848 in Paris, 1848—50 in Basel, 1850—1857 in Rom, hier von Franz 
Dreber angeregt. 1857 in Basel, 1858 in Hannover, 1858—60 in München, 1860—62 
Professor an der neugegriindeten Kunstschule in Weimar, 1862—66 in Rom. 1866 
bis 1871 in Basel,- 1871— 74 in München, 1874 — 85 in Florenz, 1885— 92 in Zürich, 
.dann in Florenz und Fiesole. 



224 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



702 Waldlandschaft. Fragment. R. unten bez. 
Ya. (eigenhändig?): A. B. Rom 1853. 

Oel, Leinwand, 45,5 h., 94,5 br. 1899 von der Kunsthandlung Hermes & Co. in 
Frankfurt a. M. gekauft. Augenscheinlich herausgeschnittener Teil eines grösseren- 
Bildes, auf den Bäumen Spuren von Uebermalung (eigener späterer Versuch?). 

703 Villa am Meer, bei Nacht. Illustration. L. unten 
Nc bez.: A. Boecklin. 

Oel, Leinwand, 108 h., 156 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. Gemalt 1877. 
Phot. Union, München. 

Bohn, German 

Historienmaler, geb. 1813 in Stuttgart, gest, 1899 daselbst. Ging 1833 vom Studium 
der Jurisprudenz zu dem der Malerei über, wurde 1835 in Paris Schüler von Hein- 
rich Lehmann und Ary Scheffer. 1840 in Rom, 1843—1877 wieder in Paris, wo er 
1852 von Napoleon das Kreuz der Ehrenlegion erhielt. 1867 Kgl. württembergischer 
Hofmaler. Seit 1877 in Stuttgart. 

704 Das sterbendeKind. Nach dem Gedicht „ Stand- 
st), chen" von Uhland. R. unten bez.: Guermann-Bohn 

1855. 

Oel, Leinwand, 129 h., 182 br., oben in flachem Bogen abgeschlossen. 1854 be- 
stellt, 1856 gekauft. 

Bohnenberger, Theodor 

geb. 1868 in Stuttgart, 1885—86 auf der Kunstschule in Stuttgart unter G rünenwald 
und Haeberlin, 1887—88 auf der Akademie in München unter Joh. Herterich, 1890—91 
unter Marr, dann abwechselnd in Stuttgart und Gut Peters Au bei Frankental. Seit 
1902 in München. 

704a Kastanienblüten. R. unten bez.: Th. Bohnen- 
Vd. berger 1906. 

Oel, Leinwand, 59,5 h., 71 br. 1907 vom Künstler geschenkt. 

Bokelmann, (Christian) Ludwig 

Genre- und Porträtmaler, geb. 1844 zu St. Jürgen bei Bremen, gest. 1894 in Char- 
lottenburg bei Berlin. 1868 Schüler der Düsseldorfer Akademie, besonders (1871) 
Wilh. Sohns. Seit 1873 selbständig in Düsseldorf. 1892 Professor an der Akademie 
zu Karlsruhe, 1 893) 94 an der Akademie zu Berlin. 

705 Vorraum eines Leihhauses. L. unten bez.: 
Va. L. Bokelmann Ddf. 

Oel, Leinwand, 103 h., 151 br. Phot. Hoefle. 1875 gemalt, 1879 vom Künstler gekauft. 

Braith, Anton 

Tiermaler, geb. 1836 zu Biberach in Württemberg, gest. 1905 in München. Zuerst 
auf der Kunstschule in Stuttgart, dann 1860 auf der Akademie in München gebildet. 
Freund Malis, mit dem er zusammen in München wohnte, und dessen Werke jetzt 
mit den seinigen vereinigt als Vermächtnis an die Stadt Biberach im Braith-Mali- 
Museum daselbst hängen. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



225 



Kühe vor einem durch einen G-ebirgsbach 706 
zerstörten Steg. L. unten bez. : A. Braith. München. Ulm 

Oel, Leinwand, 124,5 h., 156 br. 1874 von der Fleischmannschen Kunsthandlung 
in München gekauft. 

Rückkehr der grossen Schafherde von 707 
der Alp. L. unten bez : Anton Braith München 1880. Wa. 

Oel, Leinwand, 120 h., 92 br. 1881 auf der wiirttembergischen Landesgewerbe- 
ausstellung gekauft. 

Selbstbildnis mit der Cigarre im Munde. Brust- 707a 
bild. L. unten bez.: Anton Braith 7. April 1892. Ua. 

Oel, Leinwand, 60,5 h., 50,5 br. 1905 von dem Künstler testamentarisch vermacht. 

Fidele Hundeporträt. L. oben bez.: A. Braith 707b 
1884, r. oben: Fidele. Wd. 

Oel, Leinwand, 71,5 h., 56,8 br. 1906 von dem Tiermaler Chr. Mali in München 
(vgl. No. 825) vermacht laut einer Bestimmung, die sich in Braiths Nachlass gefunden 
hatte. 



Braun, Reinhold 

Genre- und Pferdemaler, geb. 1821 in Altensteig, OA. Nagold (nicht Altenstein), gest. 
1884 in München. Aelterer Bruder des Schlachtenmalers Louis Braun in München, der 
ihn besonders in späterer Zeit zuweilen bei seinen Bildern unterstützte. 1837 an 
der Gewerbe- und Kunstschule in Stuttgart, dann in München unter Heinzmann und 
Voltz gebildet, liess sich 1872 ganz in München nieder. 

Vor dem Wirtshause. Landleute vor einer 708 
schwäbischen Schenke. L. unten bez. : Reinhold Braun. Qc- 
München. 

Oel, Leinwand, 59,5 h., 83 br. 1897 von der Kunsthandlung Schlesinger in Stutt- 
gart gekauft. 



Bredt, Ferdinand Max 

geb. 1860 in Leipzig, studierte auf der Stuttgarter Kunstschule unter Haeberlin, 
Neher und Grünenwald, bildete sich dann in München unter W. Lindenschmit weiter, 
reiste viel im Orient, in Griechenland, der Türkei, Tunis etc., lebt in Ruhpolding 
bei Traunstein, Oberbayern. 

Oef fentlicher Schreiber in Tunis. R. unten 709 
bez.: F. M. BREDT. M. (München). Vc. 

Oel, Leinwand, 110,5 h., 145,5 br. Geschenk des verstorbenen Bankiers Kommer- 
zienrat Schulz in Stuttgart 1890. 

15 



226 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Breyer, Robert 

geb. 1866 in Stuttgart, 1888—1890 in München in der Schule von Nauen, später auf 
der dortigen Kunstakademie unter W. Diez. Reiste dann nach Belgien, Holland und 
Frankreich. Bis 1901 mit Unterbrechungen in München, seitdem in Berlin, Mitglied 
der Sezession. 

709a Interieur mit Flügeltüre. L. oben bez. : RB 1900. 

Xc. Oel, Leinwand, 59 h., 73 br. 1907 vom Künstler gekauft. 



Bruckmann, Alexander 

geb. 1806 in Ellwangen, gest. 1852 in Stuttgart. Zuerst in Heilbronn von seinem 
Vetter Peter Bruckmann und dem Bildhauer Konrad Weitbrecht im Modellieren unter- 
richtet, 1827 in Stuttgart von Wächter, 1827—1829 auf der Akademie in München 
unter Heinrich Hess in die Malerei eingeführt, 1829 — 1832 in Rom, dann in Heil bronn 
und 1833 wieder in München. Freund und Schwager des Philosophen und Poli- 
tikers Friedrich Rohmer, seit 1840 in Stuttgart mit Porträtmalerei beschäftigt (vorüber- 
gehend auch in Ulm, Augsburg, Zürich u. s. w.). 

710 Die Weiber von "Weinsberg. Unten bez.: 
Sd. A BRUCKMANN. 1836 (die zwei ersten Buchstaben 

verbunden). 

Oel, Leinwand, III h., 165,5 br. 1836 vom Künstler gekauft. In Holz geschnitten 
von Wright und Folkard für Raczynski. Um 1840 von Kenngott lithogr. Phot. Hoefle. 

711 Der Tod Kaiser Friedrich Barbarossas. Seine 
Pa. Leiche wird aus dem Kalykadnos gezogen. R. unten 

bez.: A. Bruckmann. 

Oel, Leinwand, 149 h., 188,5 br. Phot. Hoefle. 1831 als Gegenleistung für die 
empfangene Reiseunterstützung vom Künstler aus Rom eingesandt. 

712 Thusnelda mit ihrem Sohne in römischer Ge- 
Mag. fangenschaft. Bez. A BRVCKMANN 1851 (die beiden 

ersten Buchstaben verbunden). 

Oel, Leinwand, 200 h., 145 br. 1855 von der Witwe des Malers gekauft. Phot. 
Hoefle. Eine kleine Wiederholung kam nach Frankreich. 

713 Justinus Kerner im 58. Lebensjahre. Brustbild. 
Tc. Bez. r. oben: AB. (verbunden) 1844, 1. oben: Just. 

Kerner. geb. 18. Sept. 1786. 

Oel, Leinwand, 76 h., 59 br. 1887 von dem Seminarpräfekten J. Rutz in Schwa- 
bach bei Nürnberg gekauft. 



Buchner, Johann Georg 

älterer Bruder des folgenden, geb. 1815 in Nürnberg, gest. 1857 in Stuttgart, zuerst 
auf der Nürnberger Kunstschule, dann 1838 Schüler W. v. Kaulbachs in München, 
seit 1843 als Porträtmaler und Photograph in Stuttgart. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



227 



König Enzio im Gefängnis. Er nimmt von 714 
seiner Geliebten Abschied. L. bez.: I. Buchner 1854. Mag. 

Oel, Leinwand, 126 h., 102,5 br. Vermächtnis des Privatiers Friedrich Federer in 
Stuttgart 1883. 

Buchner, Carl 

jüngerer Bruder des vorigen, geb. 1821 in Nürnberg, 1839 — 1842 auf der Kunstschule 
in Nürnberg, 1846 — 1848 in München selbständig weitergebildet. Lebt seit 1854 als 
Porträtmaler und Photograph in Stuttgart. Seit 1885 Hofmaler. 

Bildnis der Königin Olga. L.bez. C. Büchner 1885. 715 

Oel, Leinwand, 107,5 h., 84 br. Königin Olga-Vermächtnis 1893. Nc. 



Bürkel, Heinrich 

Genre- und Landschaftsmaler, geb. 1802 in Pirmasenz (bayr. Pfalz), gest. 1869 in 
München. 1822 Schüler der Münchener Akademie unter P. v. Langer, bildete sich 
aber mehr nach der Natur und den Niederländern, besonders Ph. Wouwerman 
(No. 282). 1829 — 32 in Rom, von da bis zu seinem Tode in München. 

Römische Landleute vor einer Osteria. L. die 716 
Locanda al St. Antonio. R unten bez.: H. BÜRKEL. Ra - 
MÜNCHEN. 1835. 

Oel, Leinwand, 61 h., 89 br. 1891 von König Karl vermacht, vorher im Kgl. Land- 
hause Rosenstein bei Cannstatt. 

Hochstrasse in Tirol. Hirten vor einer Senn- 717 
hütte. L. unten bez.: H. BÜRKEL 1842. Qd. 

Oel, Leinwand, 52,7 h., 59 br. Gekauft 1843 auf der Kunstausstellung in Stuttgart. 
Abgebildet im grossen Katalog der deutschen Jahrhundertausstellung Bd. I. 



Buttersack, Bernhard 

Landschaftsmaler, geb. 1858 in Liebenzell, Württemberg, besuchte 1877 — 1882 die 
Kunstschule in Stuttgart, 1882—1884 die Kunstakademie in Karlsruhe. 1884—1889 
in München, 1889—1891 in Schieissheim, 1891—1899 in München, seitdem in Hains- 
hausen bei München. 

Oberbayrischer Dorfweiher. R. unten bez.: 718 
B Buttersack. 1893. Xb. 

Oel, Leinwand, 80 h., 65,5 br. 1894 vom Künstler gekauft. 



Canon, Hans 

eigentlich Hans Purschka-Straschiripka, geb. in Währing bei Wien 1830, gest. in Wien 
1885. 1843 — 45 auf der technischen Hochschule in Wienj 1847/48 auf der Kunst- 
akademie daselbst bei Waldmüller gebildet, der ihn aber nicht befriedigte, weshalb 
-er sich Rahl zuwandte. 1849 — 1853 Offizier in der österreichischen Armee, dann 



228 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



ganz Maler. 1855 als beliebter Porträtmaler in Wien, 1859 in Italien. 1863—1869 
in Karlsruhe, bereiste England, Frankreich, Italien, Holland, Aegypten und Amerika, 
ahmte besonders Rubens nach. 1869 — 1874 in Stuttgart, dann in Wien, seit 1883 Professor. 

719 Der Austernesser. R. unten bez. CANON. 

Va. Oel, Leinwand, 116,5 h., 90,6 br. 1888 von der Tochter Canons, Frau Dr. Schmidt 
in Urach gekauft. 

719a Die Loge Johannis. Illustration. Vertreter der 
Vd. verschiedenen Religionen und Konfessionen vereinigen 
sich in der Verehrung des Christuskindes. R. unten 
bez.: CANON. 

Oel, Leinwand, 311 h., 206 br., oben halbrund, unvollendet. Erste Fassung zu der» 
Bilde im Hofmuseum zu Wien von 1873. (Abgebildet Kunst f. Alle I 1886, S. 55 und 
Hevesi Oestr. Kunst 211.) Vgl. Neue freie Presse 23. Jan. 1886. 1903 vom Geh. Hofrat 
Ernst Seeger in Berlirr geschenkt. 

Canzi, August 

Porträtmaler, eigentlich Kanz, welchen Namen er nach dem Vorgang seiner Schwester,, 
der Sängerin Wallbach-Canzi, italienisierte. Geb. 1813 in Baden bei Wien, gest. 
1866 in Budapest. 1834 in Paris bei Ingres, 1838 — 1840 in Stuttgart, wo er viele 
Porträts des württembergischen Adels malte und auch von König Wilhelm I. einen 
Auftrag erhielt. 1840 in Wien und dann wieder in Paris. 1846 in Budapest, wo er 
sich dauernd als Porträtmaler niederliess, aber in seinen letzten Jahren infolge 
Mangels an Aufträgen auch zur Photographie greifen musste. (Mitteilungen des 
Direktors Dr. G. von Terey in Budapest und des Hofschauspielers a. D. Wallbach 
in Stuttgart, eines Neffen des Malers. Vgl. Wintterlin, Württ. Künstler S. 415.) 

719b Bildnis des jüngeren Barons Reinhard. 
Rc. Halbfigur, sitzend, etwa 25 Jahre alt. L. unten die 
Inschrift: Canzi ä son ami. Paris 1834. Auf der 
Rückseite des Blendrahmens stand früher der Name 
Reinhardt. 

Oel, Leinwand, 91 h., 72 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 1906 von-, 
dem Rechnungsrat Schaff in Stuttgart gekauft. Der Dargestellte war der Sohn des 
bekannten Barons Karl Friedrich Reinhard, Diplomaten der französischen Republik 
und Buonapartes, Freundes von Goethe. Der jüngere R. war ebenfalls Diplomat 
(vgl. W. Lang in d. Allg. deutschen Biographie 28, 61) und gehörte in Paris ebenso 
wie der Architekt Leins zu dem Freundeskreise des Malers. Einige Löcher geflickt 
und rentoiliert. 



Catel, Franz 

Landschaftsmaler, geb. 1778 in Berlin, gest. 1856 in Rom. Bildete sich autodidaktisch; 
in Berlin, Frankreich (Paris 1807), der Schweiz und besonders Italien (seit 1811 in 
Rom). Schloss sich in Rom an Koch und die Nazarener an, lebte seit 1830 bei Macerata. 

720 Landschaft. Ruine im Walde. 

Ra. Oel, Leinwand, 40 h., 53,5 br. 1862 auf der Auktion des Nachlasses des General- 
leutnants von Heideck in München gekauft. Abgebildet im illustrierten Katalog der 
Berliner Jahrhundertausstellung No. 262. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 229 



CIoss, Gustav 

Landschaftsmaler, geb. 1840 in Stuttgart, gest. 1870 zu Prien am Chiemsee. Schüler 
der Stuttgarter Gewerbeschule und 1857 der Kunstschule unter Funk, 1860 auf einer 
Studienreise in München und am Chiemsee, 1863 in Italien, wo ihn Rom und Neapel 
am meisten fesselten. In den nächsten Jahren in Brüssel, Antwerpen und Paris. 
Seit 1866 in München. 

Aus der Villa Hadrians bei Tivoli. R. unten 721 
bez.: Gustav Clofs. München 1870. Wa. 

Oel, Leinwand, 120,5 h., 100 br. 1870 von der Witwe des Künstlers gekauft, das 
letzte Bild seiner Hand. 



Defregger, Franz 

berühmter Genre- und Historienmaler, geb. 1835 auf dem Ederhofe in Stronach, Ge- 
meinde Dölsach im Pustertal (Tirol), 1860 als Bildhauer in Innsbruck, seit 1861 als Maler 
an der Münchener Kunstgewerbeschule und der Akademie unter Anschütz, 1863 — 1865 
in Paris, dann in Tirol, 1866 wieder in München, 1867 Schüler Pilotys. 1871 in Bozen, 
dann wieder in München, wo er 1878 Professor an der Akademie wurde. 

Der verwundete Jäger. R. unten bez.: Def- 722 
regger 1874. Xa - 

Oel, Leinwand, 73 h., 91 br. 1874 von der Fleischmannschen Kunsthandlung in 
München gekauft. 



Dieterich, Johann Friedrich 

schwäbischer Historienmaler, geb. 1787 in Biberach, gest. 1846 in Stuttgart. Seit 
1802 in Stuttgart als Theatermaler bei Heideloff, daneben bei Seele, 1811 auf der 
Kunstakademie in München, dann wieder in Stuttgart und von dort wiederholt in 
Italien (das zweite Mal 1818—1822 mit einem Stipendium König Wilhelms I.). Schloss 
sich in Rom an die Nazarener an. 1822 wieder in Stuttgart. Seit 1829 Lehrer, seit 
1833 Professor an der neugegründeten Kunstschule. Hat bis zu seinem Tode bei 
den Anschaffungen für die Galerie mitgewirkt. 

Christus und die Jünger in Emmaus. L. 723 
unten bez.: Dieterich 1816. Qc- 

Oel, Leinwand, 78 h., 103,2 br. 1843 aus Ludwigsburg. Phot. Hoefle. In Rom 
während seines ersten Aufenthaltes daselbst gemalt. 



Dietz, Feodor 

Schlachtenmaler, geb. 1813 in Neunstetten (Baden), gestorben 1870 als Führer eines 
Hilfsvereins zu Gray in Frankreich. Schüler der beiden Kuntz in Karlsruhe, 1831 
in München, dort Gehilfe von Phil. Foltz, 1837—1840 in Paris, wo er sich an Ho- 
race Vernet anschloss, 1839 wieder in Karlsruhe, 1841 in München, seit 1862 Pro- 
fessor an der Kunstschule in Karlsruhe. 

Episode aus der Schlacht bei Leipzig 1813. 724 
R. unten bez.: F Dietz d. 19 October 1860. Sd. 

Oel, Leinwand, 247 h., 330 br. 1861 von König Wilhelm I. geschenkt. 



230 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Dill, Ludwig 

Landschaftsmaler, geb. 1848 zu Gernsbach in Baden, studierte zuerst 1862 an der 
technischen Hochschule in Stuttgart Architektur, dann 1872 auf der Kunstakademie 
in München unter O. Seitz und Piloty Malerei. Dann bereiste er Italien und die 
Schweiz und war 1875 wieder in München. 1878 mit Schönleber in Venedig, 1881—88 
Studienreisen in Holland und Belgien. 1892 Mitbegründer der Sezession, lebte 
längere Zeit teils in München, teils in Dachau, gründete 1894 mit Hoelzel die Ver- 
einigung der Dachauer. Seit 1900 Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe. 
Lebt im Winter in Karlsruhe, im Sommer in Dachau. 

725 Kanal in Venedig. Illustration. L. unten bez. : 
Xa L DILL MVNCH. 82. 

Oel, Leinwand, 248 h., 198 br. 1883 vom Künstler gekauft. Phot. Hanfstängf. 
Rö ssler, Neu-Dachau S. 29. 33. 



Drück, Hermann 

Landschaftsmaler, geb. 1856 in Vaihingen a. d. Enz, 1875 auf der Kunstschule in 
Stuttgart unter Ludwig und Käppis gebildet, 1886—1888 mit einem Stipendium des 
Königs Karl in Italien, hauptsächlich Sizilien. Lebt seitdem, abgesehen von Studien- 
reisen, vorzugsweise in Stuttgart oder Neckartailfingen bei Nürtingen. 

726 Frühlingsabend. E. unten bez.: H Drück. 96. 

Vb. Oel, Leinwand, 105 h., 163 br. 1897 vom Künstler gekauft. 

Duntze, Johannes Bartholomäus 

Landschaftsmaler, geb. 1823 in Rablinghausen bei Bremen, gest. 1895 in Düsseldorf. 
Studierte seit 1838 auf der Akademie zu München, in Berlin unter Krause, dann in 
Antwerpen, 1851 — 1855 unter Calame in Genf und zuletzt in Paris. Er machte wieder- 
holt Studienreisen nach Norwegen, der Schweiz, Tirol, Holland und Belgien und 
Hess sich 1856 in Düsseldorf nieder. 

727 Norwegische Landschaft mit Wasserfall. L. 
Tüb. unten bez.: J. Duntze. 1860. 

Oel, Leinwand, 77,7 h., 111 br. 1860 auf der Ausstellung des rheinischen Kunst- 
vereins in Stuttgart vom Künstler gekauft. 



Dyck, Hermann 

Architektur- und Genremaler, geb. zu Würzburg 1812, gest. zu München 1874. Er- 
hielt seine künstlerische Ausbildung in München, wo er seit 1835 lebte. 1854 Vor- 
stand der Zeichenschule für Kunsthandwerker und 1868 Direktor der daraus hervor- 
gegangenen Kgl. Kunstgewerbeschule. 

728 Altdeutsches Stadttor. R. unten bez. : H.Dyck. 
Sb. f. 1855. 

Oel, Leinwand, 47,7 h., 38 br. 1856 auf der Ausstellung des rheinischen Kunst- 
vereins in München vom Maler gekauft. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



231 



Ebert, Karl 

Landschaftsmaler, geb. 1821 in Stuttgart, gest. 1885 in München. Schüler der Stutt- 
garter Kunstschule unter Steinkopf, 1846 in München unter Salzer und Zimmer- 
mann, bereiste Oberbayern, Italien, Holland, Frankreich und Bosnien (1881) und Iiess 
sich in München nieder. 

Das Ampertal in Ob er b ay ern. R. unten bez. : 729 
C Ebert. 1855. ulm 

Oel, Leinwand, 100 h., 146 br. 1855 von dem Künstler gekauft. 

Wald landschaft mit badenden Kindern. R. unten 730 
bez.: C. Ebert. 1867. ud ' 

Oel, Leinwand, 134,5 h., 208 br. 1868 vom Künstler angeboten und gekauft. 



Eggel, Emma 

geb. 1843 in Michelbach bei Oehringen, zehn Jahre lang auf der Kunstschule in 
Stuttgart, gest. 1890 daselbst. 

Die Jagd des Wotan. L. unten bez.: E Eggel. 731 

Oel, Leinwand, 68 h., 260 br. 1891 von der Mutter der Künstlerin, Frau Dekans- Mag. 
witwe Eggel, als letzte Arbeit ihrer Tochter geschenkt. 



Ehrentraut, Julius 

Genremaler, geb. 1841 in Frankfurt a. O., Schüler der Berliner Akademie und Jul. 
Schräders (vgl. No. 888). Besuchte die Niederlande und Paris, wo ihn besonders 
Meissonier anregte. 1878 als Hilfslehrer an der Berliner Akademie angestellt, seit 
1888 ordentlicher Lehrer und Professor. 

Musikalische Unte rhaltung. L. unten bez.: 732 
G J. Ehrentraut. Ulm 

Oel, Lindenholz, 35,5 h., 27,7 br. Auf der Rückseite bez. Berlin 1883. Vom 
Künstler 1884 gekauft. 



Eysen, Louis 

Genre-, Porträt- und Landschaftsmaler, geb. 1843 in Manchester (England), gest. 
1899 in Obermais bei Meran. Zuerst als Holzschneider tätig, dann Schüler des 
Städelschen Instituts und Karl Hausmanns in Frankfurt a. M. 1869 und 1870 in 
Paris, wo er sich auf Anregung Schreyers der Oelmalerei widmete und den Einfluss 
von Scholderer, Bonnat und Courbet erfuhr. 1870 wieder in Frankfurt, 1873 in 
Cronberg a. Taunus, 1876 in Florenz und Rom, seit 1879 in Obermais angesiedelt. 

Obstgarten. Wiese mit Bäumen im Frühsommer. 732a 

Oel, Leinwand, 50 h., 69,5 br. 1903 vom Geh. Hofrat Ernst Seeger in Berlin Xd. 
eschenkt. 



232 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Ezdorf, Johann Christian 

Landschaftsmaler, geb. 1801 in Pössneck (Sachsen-Meiningen), gest. 1851 in München 
Schuler der Münchener Akademie, machte 1821 eine Reise nach Norwegen Schwe- 
den und Island, später auch England. 1836 wieder in München. Durch Ever- 
dingen und die englische Landschaftsmalerei angeregt. 

733 Norwegische Landschaft, L. unten bez : 
Qd. C. EZDORF. 1843. 

Oel Leinwand, 102,7 h., 131,6 br. 1846 von dem Maler P. F. Peters in Stuttgart 
irekauft. 6 



Faber du Faur, Otto von 

Schlachtenmaler, geb. 1828 in Ludwigsburg, gest. 1901 in München. Sohn des 
Schlachtenmalers Christian Wilh. Faber du Faur d. Aelt. Bis zum Jahre 1867 Ka- 
vallerie-Offizier (seit 1878 Major a. D.), dann durch den Krieg von 1866 dauernd zur 
Schlachtenmalerei geführt, studierte in München unter dem Schlachtenmaler Alex 
von Kotzebue, in Paris unter Yvon und wieder in München unter Piloty, der sein 
eigentlicher Lehrer war. 

734 Die Württemberger bei Coeuilly. Illustra- 
Tc tion. Episode aus der Schlacht von Champigny. Die 

Franzosen haben bei einem Ausfall aus Paris am 
30. November 1870 die Württemberger bis an die 
Parkmauer von Coeuilly zurückgedrängt. Major 
Haldenwang (mit erhobenem Säbel) übernimmt an 
Stelle des tötlich verwundeten Obersten von Berger 
das Kommando und gibt dem Oberleutnant Lienhart 
den Befehl zum Rückzug gegen die Parkmauer. Vorn 
in der Mitte liegt neben einem gefallenen Hornisten 
Oberleutnant Niethammer mit zerschossenem Bein. 
R. der verwundete Hauptmann Clausen. R. unten 
bez.: 0 von Faber du Faur. 1881. 

Oel, Leinwand, 350 h., 600 br. Phot. Hoefle. Angekauft 1881 auf der württem- 
bergischen Landesgewerbeausstellung in Stuttgart. 

735 Die Württemberger in der Schlacht von 
Tb. Champigny am 2. Dez. 1870. Ein Jägerbataillon 

unter Hauptmann Schickhardt macht einen Angriff 
zur Wiedereinnahme von Champigny. Hinter der 
Front General von Reitzenstein (zu Fuss), dabei sein 
Sohn und Hauptmann von Peyer von der Artillerie 
(zu Pferde). Im Vordergrunde die beiden tötlich 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



233 



getroffenen Brüder Grafen von Taube, r. im Hinter- 
grunde wird Oberstleutnant von Egloffstein ver- 
wundet aus dem G-efecht geführt. R. unten bez : 
0. v. Faber du Faur 1876. 

Oel, Leinwand, 212 h., 412 br. 1874 beim Künstler bestellt, 1876 vollendet 
Phot. Hoefle. 

Ungarische Zugpferde. 736 

Oel, Leinwand, 59,5 h., 88,5 br. 1902 aus dem Nachlass des Künstlers gekauft. Wc. 
R. unten das Nachlasszeichen. 



Feuerbach, Anselm 

Historienmaler, geb. 1829 in Speyer, gest. 1880 in Venedig, Sohn des Archäologen, 
Neffe des Philosophen Feuerbach. 1845—1848 an der Düsseldorfer Kunstakademie 
unter Schadow, Lessing und Sohn, 1848—1850 in München bei Rahl, 1850—1851 in 
Antwerpen bei Wappers, 1851—1854 in Paris bei Couture und mit dem Studium der 
alten Meister im Louvre beschäftigt, 1854 in Karlsruhe, 1855 in Venedig, wo er den 
Einfluss der alten Venezianer erfuhr, 1856 in Florenz, 1 856— 1 873 i n Ro m, 1873—1876 
Professor an der Wiener Akademie, später in Nürnberg und namentlich in Venedig. 

Iphigenie „das Land der Griechen mit der Seele 737 
suchend". Illustration. L. unten bez.: A. Feuer- Yc. 
bach. 71. 

Oel, Leinwand, 192,5 h., 126,5 br. Phot. Hoefle. Stich von Kräutle, oft abgebildet, 
z. B. in Allgeyer-Neumanns Feuerbachbiographie II S. 187, Gaz. d. b. arts 1906, 
XXXV, 430, Spemanns Museum V 127 und im I. Bande des grossen Katalogs der 
Berliner Jahrhundertausstellung. Es ist die sogenannte „zweite Iphigenie". Die erste 
befindet sich im Landesmuseum zu Darmstadt. 1872 vom Künstler für 2000 fl. ge- 
kauft. Als Modell diente dem Künstler seine noch jetzt in Rom lebende Geliebte 
Lu cia Brunacci. Im Besitz der Frau Dr. Lobstein in Heidelberg befindet sich eine 
Kopfstudie zu dem Bilde, die unmittelbar vorher entstanden ist. 

Männliches Bildnis. Illustration. L. unten 738 
bez.: A. Feuerbach. Yc. 

Oel, Leinwand, 51,5 h., 39 br. Phot. Schaller. 1896 auf der internationalen Aus- 
stellung in Stuttgart von dem Geh. Hofrat Ernst Seeger in Berlin gekauft, der es 
von dem Kunsthändler Gurlitt in Berlin hatte. Stammt aus dem Besitz von Feuer- 
bachs Freund Allgeyer. (Mitteilung von Prof. K. Neumann in Kiel). Bei Allgeyer- 
Neumann No. 424 ohne chronologische Gewähr im Jahre 1864 eingereiht, wahr- 
scheinlich aus späterer Zeit. 

Weibliches Bildnis (Nanna). Auch „Virginia" 738a 
oder „Die schwarze Dame" genannt. Illustration. Yc. 
L. unten bez.: A. Feuerbach. 1861. 

Oel, Leinwand, 119 h., 97 br. Phot. Schaller. Leihgabe Sr. Majestät des Königs 
Wilhelm II. an den Stuttgarter Galerieverein. Vorher im Kgl. Landhause Rosenstein bei 
Cannstatt. Das Modell war die erste Geliebte Feuerbachs in Rom, die auf vielen 
seiner Bilder von 1861—1869 erscheint. Ein ganz ähnliches Bildnis von ihr im Privat- 
besitz in Heidelberg. Abgebildet im Katalog der Berliner Jahrhundertausstellung No. 461 . 



234 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Fischer, Gottlob 

geb. 1829 in Stuttgart, gest. 1905 daselbst. Studierte in Holland und Paris (unter 
Äry Scheffer), lebte seit 1857 in Stuttgart und Cannstatt. 

739 Hugenottenpredigt, ß. unten bez. : Gr. Fischer. 
Qb. 1862. 

Oel, Eichenholz, 28,2 h., 34,6 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Obersthof- 
meisters Freiherrn Richard von Reischach. 

740 Weibliches Brustbild. 

Qb. Oel, Leinwand, oval, 56,5 h., 47 br. Herkunft wie No. 739. 



Fries, Bernhard 

Landschaftsmaler, geb. 1820 in Heidelberg, gest. 1879 in München, jüngerer Bruder 
des Landschaftsmalers Ernst Fries (1801-33), Schüler des Prof. Koopmann in Karjs- 
ruhe, dann der Akademie in München, wo er sich besonders Rottmann zum Vorbild 
nahm. 1838—1845 in Rom und Unteritalien, eine Zeit lang bei Calame in Genf, 
1848 in Heidelberg und seit etwa 1850 in München. 

741 Landschaft am Monte Serone. L. unten bez.: 
Ve. Bernhard Fries. 

Oel, Leinwand, 98 h., 131 br. 1866 in Dresden ausgestellt. 1879 von der Witwe 
des Künstlers gekauft. 



Füger, Heinrich Friedrich 

Historien- und Porträtmaler (besonders Miniaturist), geb. 1751 in Heilbronn, gest. 
1818 in Wien. 1764 Schüler und Freund Ouibals (No. 398) in Stuttgart, 1768—70 Stu- 
dierender der Rechtswissenschaft in Halle, gleichzeitig von Segner unterrichtet, 
durch den Anblick der Stiche von G. Audran nach Lebrunschen Schlachtenbildern 
zur historischen Malerei geführt, dann wieder Maler. 1770 unter Ad. Fr. Oeser 
an der Kunstakademie in Leipzig, zeitweise in Dresden, 1772 wieder bei Guibal, 1774 — 76 
in Wien. 1776 — 1783 in Italien, besonders Rom, wo er an der Zeichenakademie des 
Bildhauers Trippel arbeitete, die Antike, die italienischen Meister und besonders 
Mengs und Battoni studierte. 1783 Vizedirektor, 1806 Direktor der Wiener Akademie. 

741a Der Tod der Virginia. R. unten bez.: H. Füger. 
Pc p: 1800. 

Oel, Leinwand, 89,8 h., 112,5 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. Er- 
worben 1906 aus Wiener Privatbesitz. Geschabt von Pichler 1801. Eine andere 
Fassung derselben Komposition, mehr hoch als breit, in der Gemäldegalerie der 
k. k. Akademie der bild. Künste in Wien No. 1023. 



Funk,^Heinrich 

Landschaftsmaler, geb. 1807 zu Herford in Westfalen, gest. 1877 in Stuttgart. 1829 
Schüler der Düsseldorfer Akademie unter J. W. Schirmer, machte Studienreisen nach 
Tirol, Oberbayern, dem Rhein, Taunus, der Eifel u. s. w. 1836 in Frankfurt a. M., 
1854—76 Professor der Landschaftsmalerei an der Stuttgarter Kunstschule. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



235 



Landschaft. Ansicht des wilden Kaisers mit 742 
dem Inntale. L. unten bez.: H. Funk. Tüb. 

Oel, Leinwand, 88,5 h., 146 br. 1857 bestellt, 1858 gekauft, 1877 gegen No. 743 
umgetauscht, 1878 wieder zurückgekauft. 

Eifellandschaft bei stürmischem Wetter. L. 743 
unten bez.: H. Funk. Qd. 

Oel, Leinwand, 112,5 h., 174,2 br. 1877 im Tausch gegen No. 742 erworben. 

Gabi, Alois 

Tiroler Genremaler, geb. 1845 zu Wiesen im Pifztal (Tirol), gest. 1893 in München. 
1862 auf der Münchener Akademie Schüler von Schraudolph, Ramberg und Piloty, 
daneben besonders durch Defregger, später M. Schmid beeinflusst, zeitweise Pro- 
fessor an der Münchener Akademie. Später erkrankt, starb durch Selbstmord. 

Savoyarde mit einem Affen bei einer Tiroler 744 
Bauernfamilie. R. unten bez.: A. Gabi. München. Ulm 

Oel, Leinwand, 81,3 h., 106 br. Geschenk des Malers Chr. Mali in München 
(vgl. No. 825) 1895. 

Gaupp. Gustav 

Genre- und Porträtmaler, geb. 1844 in Markgröningen (OA. Ludwigsburg), zuerst als 
Lithograph in Wien und London, 1870—1876 Schüler der Münchener Akademie unter 
Piloty, 1877— 1878 in Italien, 1880—1884 als Porträtmaler in Hamburg und London, 
seitdem meistens in Stuttgart, daneben auch in Rom. 

Schachspielender Kardinal. Die Dame ist 745 
eine Schwester von Gainsboroughs Mrs. Sarah Siddons. Va. 
L. unten bez.: G. Gaupp 1895. 

Oel, Leinwand, 105 h., 130 br. 1895 vom Künstler im Auftrag (auf Grund einer 
von ihm vorgelegten Skizze) gemalt. 

Bildnis des Musikdirigenten Hans flieh- 746 
ter (damals in Wien, jetzt in Manchester). Brust- Ua. 
bild. L. unten bez. G. Gaupp. 

Oel, Leinwand, 61,5 h., 51 br. Geschenk des Künstlers 1892. 

Gegenbaur, Joseph Anton 

Historien- und Bildnismaler, geb. 1800 zu Wangen im Allgäu, gest. 1876 in Rom. 
1815 — 1823 an der Münchener Akademie unter Robert von Langer, zuerst Schüler 
der Zeichenschule, dann mit einem Stipendium König Wilhelms I. der Malächule, 
1823 — 1826 wieder im Auftrag des Königs in Rom, wo er besonders Rafhel und 
die Antike studierte. 1826 in Stuttgart, um die Fresken im Kgl. Landhause Xosen- 
stein zu malen, 1829—1835 wieder in Rom. Seit 1835 als Hofmaler in Stuttgart, 
wo er die Fresken aus der württembergischen Geschichte im Residenzschlosse 
malte. Im Winter pflegte er nach Rom zu gehen. 



236 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



747 Bildnis des Vaters des Künstlers, des 
Qa. Spitalverwalters Stephan Gegenbaur in Wangen. 

R. unten bez.: G-egenbaur 1823. Gegenstück zum 
folgenden. 

Oel, Leinwand, 50 h., 40 br. Vermächtnis des Künstlers 1876. Auf der Rückseite: 
Stephan Gegenbaur, 49 Jahre alt. Beide Bilder sind vor dem ersten römischen 
Aufenthalt gemalt. 

748 Bildnis der Mutter des Künstlers, Magda- 
Qa. lena geb. Rudhard. L. unten bez.: A. Gegenbaur 

1823. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Leinwand, wie No. 747. Auf der Rückseite: Magdalena Gegenbaur geb. Rud- 
hart, 69 (?) Jahre alt. 

749 Herkules und Omphale. L. unten bez.: A. Gegen- 
Qa. baur p. Romae 1834. 

Angeblich Oel auf Tongrund, 94 h., 78 br. 1868 von König Karl fideikommissarisch 
überwiesen. Nach Wintterlin (Württembergische Künstler 1895 S. 293) malte Gegen- 
baur dieselbe Szene 1826 während seines ersten römischen Aufenthaltes, und zwar 
als ersten Versuch in der Freskomalerei, auf eine Wand seines Ateliers. Das Bild 
machte grosses Aufsehen und wurde von Thorwaldsen erworben, der es durch einen 
Bolognesen von der Wand ablösen liess. Später kam es mit seinem Nachlass an 
das Thorwaldsenmuseum in Kopenhagen. Wintterlin bezeichnet unser Bild als eine 
Wiederholung dieses Bildes auf Tongrund. Wahrscheinlich ist es das von König 
Wilhelm 1. bestellte Exemplar, wie denn die Komposition überhaupt mehrmals nach- 
bestellt wurde. Der Karton und die Farbenskizze dazu (No. 750) befinden sich jetzt 
in der Filialgalerie in Tübingen. Die Technik ist angesichts der erheblichen Ueber- 
malungen, die das Bild durch den Künstler selbst bei der Ueberweisung an die 
Galerie erlitten hat, schwer zu beurteilen. Jedenfalls sind die Farben auf einen 
Gips- oder Kreidegrund aufgetragen, dem Leinwand als Unterlage dient. Die Nähte 
zwischen den einzelnen Teilen des Bildes scheinen auf Freskomalerei hinzuweisen, 
der Glanz der Oberfläche auf die Anwendung von Wachsfirnis oder eine Art von 
enkaustischem Verfahren. Gegenbaur liebte die technischen Experimente und hat 
nach Wintterlin nicht nur transportable Fresken auf Kalkgrund hergestellt, sondern 
auch mit Sand und Gips grundierte Leinwand in Freskotechnik bemalt. Wahrschein- 
lich haben wir es hier mit einem kombinierten Verfahren zu tun, das in Nachahmung 
antiker Techniken ausgebildet ist. 

750 Herkules und Omphale. Farbenskizze zum 
Tüb. vorigen. Bez. Gegenbaur p. Romae 1825. 

Oel, Pappe, 28 h., 22,5 br. Vermächtnis des Künstlers 1876. Siehe No. 749. 

751 Dreizehn kleine Farbenskizzen zu den 
Ulm 1842 — 1854 im Kgl. Residenzschlosse zu 

Stuttgart ausgeführten Fresken aus der 
Württembergischen Geschichte. 

Oel, Leinwand, in verschiedener Grösse. Die sechs grossen Kartons zu diesen 
Fresken, die früher in der Galerie K hingen, befinden sich seit 1902 im Kgl. Schlosse 
zu Ludwigsburg. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 237 



Fünf Farbenskizzen zu den Deckengemälden 752 
im weissen Saale des Kgl. Residenzschlosses zu Stutt- Qa. 
gart, Helios auf dem Sonnenwagen (36 h., 67 br.) und die 
vier Elemente (17 h., i9br.). 



Grethe, Carlos 

geb. 1864 in Montevideo , von Hamburger Eltern stammend, 1882 — 1884 Schüler 
der Kunstakademie in Karlsruhe, 1884 — 1886 der Academie Julian in Paris, 1886 bis 
1888 abermals der Karlsruher Kunstschule, machte 1888 — 1889 eine Seereise nach 
Mexiko, wurde 1890 Professor an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, 1893 Pro- 
fessor an der Kunstakademie daselbst, 1899 (mit Kalckreuth und Poetzelberger) als 
Professor an die Kunstschule in Stuttgart berufen. 

Einfahrt in den Hafen. Illustration. L. unten 752a 
bez.: Carlos Grethe. Yb. 

Oel, Leinwand, 163,5 h., 225,2 br. 1903 vom Künstler gekauft. Phot. Schaller. 



Grünenwald, Jakob 

Genre- und Landschaftsmaler, geb. 1821 zu Bünzwangen, OA. Göppingen, gest. 
1896 in Stuttgart. Schüler der Stuttgarter Kunstschule unter Dieterich und Neher, 
um 1853 in München, seit 1877 Professor an der Kunstschule in Stuttgart. 

Hagel schlag bei der Ernte. Unten auf einem 753 
Stein bez. I. Gr. (verbunden) 1865 mit einem Hirschhorn. Sd. 

Oel, Leinwand, 165 h., 250 br. 1859 beim Künstler bestellt, 1865 gekauft. 

Abgebranntes Haus. L. unten bez.: J. Grünen- 754 
wald. Wc. 

Oel, Leinwand, 48 h., 80,5 br. 1896 aus dem Nachlass des Künstlers gekauft. 

Ammerland. Landschaft. R. unten bez.: J. Grünen- 755 
wald. Wd 

Oel, Leinwand, 26,5 h., 84 brv 18% aus dem Nachlass des Künstlers gekauft. 



Gude, Hans 

See- und Landschaftsmaler, geborener Norweger, aber der deutschen Schule ange- 
hörig, geb. 1825 in Christiania, gest. 1903 in Berlin. 1841 — 1846 Schüler der Düssel- 
dorfer Kunstakademie, besonders unter A. Achenbach und J. W. Schirmer, 1843—46 
auf Reisen im Norden, 1848 wieder in Christiania, 1850 in Düsseldorf, 1854 — 1862 
Professor an der Akademie daselbst, 1862- 1864 in England, 1864—1880 als Pro- 
fessor an der Kunstakademie in Karlsruhe, seit 1880 in Berlin. 

Meeresstille. L. unten bez.: H F Gude 1884. 756 
(Die drei ersten Buchstaben verschlungen.) Wd. 

Oel, Leinwand, 143 h., 248 br. 1885 vom Künstler gekauft. 



238 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Hackert, Jakob Philipp 

Landschaftsmaler, geb. 1737 in Prenzlau, gest. 1807 auf seiner Villa bei Florenz. 
Studierte 1753 in Berlin unter Lesueur die Landschaftsmalerei, 1765 in Paris, 1768 
bis 1786 in Rom, 1786—89 in Neapel, seit 1803 in Florenz. Freund Goethes, der ihn 
über Gebühr schätzte und auch seine Biographie geschrieben hat. 

757 Waldlandschaft. Vorn Hirten mit Ochsenherde. 

Pd. Oel, Eichenholz, 92 h., 120,5 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Obersthof- 
meisters Freiherrn Richard von Reischach. Dieser hatte das Bild aus dem Nach- 
lass der Königin Charlotte Mathilde von Württemberg. 

Haeberlin, Karl 

Historienmaler, geb. 1832 in Ober-Esslingen, 1850—1852 auf der Stuttgarter Kunst- 
schule, 1852 in Düsseldorf unter Köhler und Schadow, 1860—1866 in München unter 
Piloty, der als sein eigentlicher Lehrer zu gelten hat. 1863 in Italien, 1866 in Stutt- 
gart, 1868 -1883 als Professor der Kunstschule daselbst, lebt in Stuttgart. 

758 Aufhebung des Klosters Alpirsbach im 
Ud. Schwarzwald. R. unten bez.: C. Häberlin. 1863. 

Oel, Leinwand, 150,5 h., 222 br. Phot. Hoefle. 1860 beim Künstler bestellt, 1863 
gekauft. Das Bild stellt eine Episode dar, wie sie ähnlich bei der Aufhebung der 
Klöster infolge der Bestimmungen des westfälischen Friedens in dieser Gegend 
häufiger vorkamen. Die Mönche von Alpirsbach leisten unter ihrem Abt heftigen 
Widerstand und werden nur durch die Drohung der herzoglich württembergischen 
Räte, mit den herbeigerufenen Exekutionstruppen dem Befehle Gehorsam zu er- 
zwingen, zum Abzug bewogen. (Vgl. Sattler, Gesch. d. Herzogt. Württ. IX, 1776, 20.) 

759 Prinz Alexander von "Württemberg (der 
Ta. spätere Herzog Karl Alexander) in der Schlacht bei 

Peterwardein. Erstürmung des türkischen Lagers 
durch das Regiment Alt -Württemberg 1716. L. unten 
bez. C HAEBERLIN 1881. Stuttgart. 

Oel, Leinwand, 163 h., 262 br. 1881 auf der Württembergischen Landesgewerbe- 
ausstellung in Stuttgart vom Künstler gekauft. 

Hagen, Theodor Joseph 

Landschaftsmaler, geb. 1842 in Düsseldorf, Schüler der Düsseldorfer Kunstakademie, 
zuerst der Vorbereitungsklasse unter A. und K. Müller, dann 1863 — 1868 O. Achen- 
bachs. Machte Studienreisen am Rhein, in der Eifel, in Westfalen und in den 
Alpen, 1871 Professor der Landschaftsmalerei an der Kunstschule zu Weimar, 1877 
Direktor. Lebt daselbst. 

759a Abend am Rhein. R. unten bez.: Th Hagen Wmr. 

Yb. Oel, Leinwand, 150,5 h., 225,5 br. 1905 vom Künstler gekauft. 

Haider, Karl 

Landschafts- und Genremaler, geb. 1846 in München, Schüler der Münchener Aka- 
demie unter Ramberg, aber im wesentlichen autodidaktisch nach den alten Meistern 
und der Natur gebildet. Durch Böcklin, Leibi und Thoma angeregt. Lebt seit 1892 
in Schliersee (Oberbayern) mit dem Titel Professor. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



239 



Bedeckter Himmel. Oberbayrische Landschaft. 759b 
R. unten bez.: K. Haider 1901. Xa. 

Oeltempera, Lindenholz, 92,5 h., 126 br. 1904 vom Künstler gekauft. 

Hartmann, Ferdinand 

Historien- und Porträtmaler, geb. 1774 in Stuttgart, gest. 1842 in Dresden, Schüler 
von Hetsch in Stuttgart, 1794—1797 in Italien, besonders in Rom. Seit 1803 in 
Dresden, 1810 Professor und Lehrer der Historienmalerei an der dortigen Akademie, 
1824 Direktor, daneben noch Obermalervorsteher an der Zeichenschule der Meissener 
Porzellanfabrik. 

Der Erlkönig nach G-oethe. 760 

Oel, Leinwand, 87,5 h., 113,5 br. 1842 aus dem Nachlass des Malers erworben. Ulm 

Der Tod als Kinderräuber. 761 

Oel, Leinwand, 50 h., 65 br. Wie No. 760. Qd. 

Bildnis des württembergischen Staatsmini- 762 
sters Freiherrn von Wangenheim, Kniestück, Ta. 
sitzend. 

Oel, Leinwand, 140 h., 107 br. 1891 von der Freiin E. v. Wangenheim in Berlin, 
der Enkelin des Dargestellten, in Erfüllung eines Wunsches ihres verstorbenen 
Vaters Oberregierungsrats a. D. Frhrn. Hermann v. Wangenheim geschenkt. 

Haug, Robert 

Schlachtenmaler, geb. 1857 in Stuttgart, 1872—1877 Schüler der Stuttgarter Kunst- 
schule unter B. Neher (vgl. No. 837), 1877—1879 in München unter Seitz, studierte 
daselbst in den beiden Pinakotheken und der Schackschen Galerie. 1879 wieder in 
Stuttgart, wo er seit 1894 Professor an der Kunstschule, seit 1902 Direktor ist. 

Die Preussen vor Möckern. R. unten bez.: 763 
Rob. Haug. 88. Xc. 

Oel, Lindenholz, 47 h., 84,5 br. 1889 vom Künstler gekauft. Abgebildet in Spe- 
manns Museum VI, 60. 1902 malte der Künstler eine ziemlich genau übereinstimmende 
grössere Wiederholung des Bildes, die sich auf mehreren Ausstellungen befunden hat. 



Heck, Robert 

Genremaler, geb. 1831 in Stuttgart, gest. 1889 daselbst. Zuerst Zimmermaler, dann 
Lehrer in der Anstalt des Reisepredigers Gustav Werner in Reutlingen und Teil- 
haber an der von ihm begründeten Papierfabrik, deren Betrieb er drei Jahre 
leitete. Dann auf der Stuttgarter Kunstschule unter Rüstige zum Maler ausgebildet 
1863 in Rom. 

Schwäbische Landleute in der Kirche. 764 
R. unten bez.: R. Heck 1862. Ulm 

Oel, Leinwand, 161 h., 123,5 br. Vermächtnis des Privatiers Friedrich Federer in 
Stuttgart 1883. 



240 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



765 Ein Reisep rediger in Schwaben (der be- 
Sb. kannte Volksfreund Grustav Werner in Reutlingen). 

Unten auf einer Schiefertafel bez.: 1862 Stuttgart 

Hob Heck. 

Oel, Leinwand, 155 h., 134 br. 1861 beim Künstler bestellt, 1863 gekauft. 



Heerdt, Christian 

geb. 1812 in Frankfurt a. M., gest. 1878 daselbst. Schüler des Städelschen Instituts, 
1836 in Düsseldorf, seit 1837 in Frankfurt a. M. 

766 Cronberg am Taunus. L. unten bez.: J. C. 
Tüb. Heerdt Ffurt a/M. 1862. Etwas darüber: Staf. v. C. E. 
(Staffage von Carl Engel). 

Oel, Leinwand, 113 h., 137 br. 1863 vom Künstler gekauft. Karl Engel ist geb. 
1817 in Londorf (Oberhessen), gest. 1870 in Rödelheim bei Frankfurt a. M. 



Heideck, Karl Wilhelm Freiherr von, genannt 
Heidegger 

Schlachten- und Pferdemaler, geb. 1788 in Saaralben in Lothringen, gest. 1861 als 
Kgl. bayrischer Generalleutnant in München. Machte als Offizier die Feldzüge von 
1805—1806 und 1810 mit, kämpfte dann in Spanien 1810—1813 und in Deutschland 
1813 — 1815 gegen Napoleon, wobei er immer nebenbei die Malerei ausübte. 1826 — 1829 
und 1833—1838 als Philhellene in Griechenland, widmete er sich dann in München 
ganz derMalerei, wobei er seine Erinnerungen verwertete. Vgl. auch No. 794 (Koch). 



767 Pferdestall R. unten bez : C. v. Hdk. p. 
Tüb. (Dezember 1851). 

Oel, Eichenholz, 64,2 h., 73,8 br. 1862 in München auf der Auktion des Nach- 
lasses des Malers erworben. 



Heinlein, Heinrich 

Landschaftsmaler, geb. 1803 in Weilburg (Nassau), gest. 1885 in München, studierte 
zuerst Architektur in Mannheim und Bayreuth, dann 1822—1823 in München Malerei, 
bildete sich autodidaktisch nach der Natur und den alten Meistern, wobei er aber 
den Einfluss Rottmanns erfuhr. Nach mehreren Studienreisen in der Schweiz und 
Oberitalien 1825 einige Jahre in Wien und Mannheim, dann meistens in München. 

768 Gebirgslandschaft in Morgenstimmung. L. 
Rc unten bez.: Heinr. Heinlein. 

Oel, Leinwand, 80 h., 104,2 br. 1868 von der Montmorillonschen Kunsthandlung 
in München gekauft. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



241 



Heinzmann, Karl 

Landschaffs- und Architekfurmaler, Radierer und Lithograph, geb. 1795 in Stuttgart, 
gest. 1846 in München. Schüler von Seele in Stuttgart. Machte 1814 — 15 als Frei- 
williger und Offizier den Krieg gegen Frankreich mit, nahm 1815 seinen Abschied, 
um sich auf der Münchener Akademie unter Fr. Kobell der Malerei zu widmen, wurde 
1822 an der K. Porzellanmanufaktur in München angestellt, wo er besonders die 
Bilder der Niederländer kopierte. 1843 in Italien. Lebte in München. 

Hafen von Torbole am G-ardasee. Unten bez.: 769 
1846. C. Heinzmann. Ulm 

Oel, Leinwand, 43 h., 53 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 
Phot. Hoefle. 



Herdtie, Hermann 

Landschafts- und Achitekturmaler, geb. 1819 in Stuttgart, gest. 1889 daselbst. Be- 
suchte die dortige Kunstschule unter Steinkopf und unternahm Studienreisen in 
Frankreich, Italien, Belgien und der Schweiz. Bruder des Landschaftsmalers Gustav H. 
und des 1878 gestorbenen Zeichenpädagogen Prof. Eduard Herdtie. 

Abziehendes Gewitter. Motiv aus dem Kocher- 770 
tale. R. unten bez.: H. Herdtie. Stuttgart 1881. Vc. 

Oel, Leinwand, 75 h., 98,5 br. 1881 auf der württembergischen Landesgewerbe- 
ausstellung gekauft. 



Hetsch, Philipp (Friedrich) 

Historien- und Porträtmaler, geb. 1758 in Stuttgart, gest. daselbst 1838. 1773 Maler- 
zögling der Militärakademie auf der Solitude, anfangs unter Harper mehr der Land- 
schaftsmalerei zuneigend, dann durch Guibal für die Historienmalerei gewonnen, mit 
Schiller befreundet. 1780 Hofmaler, 1781 in Karlsruhe, dann in Paris unter dem Einfluss 
des J. M. Vien und des Cl. J. Vernet, 1782 wieder in Stuttgart, 1783 nochmals in Paris 
unter dem Einfluss Davids, 1785—1787 in Rom, 1787 in Stuttgart Professor an der 
hohen Karls-Schule, der er bis zu ihrer Aufhebung angehörte, 1795 wieder in Rom. 
1798 Direktor der Gemäldegalerie in Ludwigsburg (vgl. S. 15), 1803 in Rom. 1817 
nahm er, als Dannecker über seinen Kopf hinweg zum Direktor der Gemäldegalerie 
ernannt wurde, seinen Abschied und gab die Malerei auf. In seinen späteren Jahren 
war er krank und verbittert. 

Cornelia die Mutter der G-racchen stellt ihre 771 
Söhne als ihren schönsten Schmuck vor. L. am Stuhle Ph. 
bez.: Hetsch. 1794. 

Oel, Leinwand, 112 h., 136 br. 1842 von der Stadt Stuttgart geschenkt. Abge- 
bildet im Herzog Karl-Werk S. 742. 

Selbstbildnis des Künstlers in jüngeren 772 
Jahren, lebensgross. Illustration. Sd. 

Oel, Leinwand, 144 h., 113 br. 1890 von dem Enkel des Künstlers, dem Archi- 
tekturmaler Christian Frederik Hets^fi in Kopenhagen geschenkt. Phot. Schaller. 
Abgebildet im Herzog Karl-Werk S. 743. 

16 



242 x - Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



772a Bildnis der Freifrau Dorothea von Kahlden 
Pd. geb. Maucler (gest. 1845) in jüngeren Jahren. 

Oel Leinwand, 67,5 h., 54 br. 1904 von der Tochter der Dargestellten, Freifräu- 
lein Caecilie von Kahlden, Stiftsdame von Dobertin, Hofdame a. D. in Ludwigsburg 
testamentarisch vermacht. 



Hirschfelder, Salomon 

Genremaler, geb. 1832 in Dettensee bei Horb, gest. 1903 in München. Schüler der 
Münchener Akademie, seit 1853 in München. 

773 Dienstmädchenbureau. R. unten bez.: S. Hirsch- 
Ulm felder 1896. 

Oel Leinwand, 89,5 h., 121,5 br. 1898 von dem Kgl. dänischen Konsul in Mün- 
chen/Herrn Julius Neuburger, geschenkt. Scheint nach der Kleidermode Wieder- 
holung eines in den 70er Jahren gemalten Bildes zu sein. 



Hoecker, Paul 

Genremaler, geb. 1854 in Oberlangenau in Schlesien, 1874-1879 Schüler der Mün- 
chener Akademie, ging dann nach Paris und durchreiste Holland. 1891 — 1BV8 als 
Professor an der Münchener Akademie. Lebt in Oberlangenau. 

774 Am Kamin. L. unten bez.: Paul Hoecker. 1888. 

Xa. Oel Leinwand, 112 h., 71 br. 1888 in München auf der internationalen Kunst- 
ausstellung gekauft. 



Hoelzel, Adolf 

Genre- und Landschaftsmaler, geb. 1853 in Olmütz, studierte 1874-1876 an der 
Wiener Akademie unter Wurzinger, Griepenkerl und Eisenmenger, 1876—1882 an 
der Münchener Akademie unter F. Barth und namentlich W. Diez, ausserdem von 
Cl Meyer angeregt. Anfang der 80 er Jahre mit Strobentz und Langhammer in 
Paris wo er Manet und Monet kennen und bewundern lernte. Seit 1888 in Dachau 
bei München als Vorstand einer Malerschule tätig (neben Dill der Hauptmeister der 
Dachauer Künstlergruppe). Seit 1905 als Professor an der Stuttgarter Akademie. 

775 Der Wilderer. L. unten bez.: A. HOELZEL 
Xc DACHAU, ß.: 1899. 

Oel, Leinwand, 56 h., 46,5 br. 1900 vom Künstler gekauft. Eine Studie dazu ab- 
gebildet bei Rössler, Neu-Dachau S. 94. 



Hofmann, Ludwig von 

eeb 1861 in Darmstadt, Schüler seines Oheims, des Historienmalers Heinrich Hof- 
mann in Dresden und Ferd. Kellers in Karlsruhe, dann der Academ.e Julian in 
Paris. 1891—1894 in Berlin, dann in Rom. Seit 1903 Professor an der Kunstschule 
in Weimar. 

775a Frauen am Meer. Oben r. )>ez.: L v Hofmann 1906. 

Vb. Pastell auf Papier, 65,8 h., 87,7 br. 1907 von dem Künstler erworben. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



243 



Hollenberg, Felix 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. 1868 zu Sterkrade, Reg.-Bez. Düsseldorf, 1887 
Schüler der Akademie in Düsseldorf, 1888—91 der Stuttgarter Kunstschule unter Käppis. 
Besuchte dieselbe auch während der Winter 1892—%. Daneben unter dem Einfluss 
O. Reinigers, aber im wesentlichen Autodidakt. Seitdem selbständig in Stuttgart. 

Mitt ag im Mai. Motiv bei Münster im Neckar- 775b 
tal. R. unten bez.: Felix Hollenberg 1905. üb. 

Oel, Leinwand, 108,7 h., 199 br. 1906 von dem Künstler erworben. Es gibt 
noch eine kleinere Wiederholung des Bildes. 

Horst siehe Guercino (No. 553). 
Hummel, Karl 

Landschaftsmaler, geb. 1821 in Weimar, gest. 1906 daselbst. 1834—1835 Schüler 
des Kupferstechers Schwerdtgeburth, 1835—1842 Schüler Friedr. Prellers d Aelt 
(vgl. No. 850), 1842—1846 in Italien, 1845—1846 in Rom. Seit 1859 in Weimar, zeit- 
weise am Corner See und in Eisenach. 

Gebirgslandschaft. R. unten bez.: C Hummel 1852. 776 

Oel, Leinwand, 156 h., 210,5 br. 1854 von König Wilhelm I. geschenkt. Tüb. 

Huthsteiner, Rudolf 

Porträtmaler, geb. 1855 in Düsseldorf, Schüler der dortigen Akademie, 1877—1900 
in Stuttgart, seitdem wieder in Düsseldorf. 

Bildnis Seiner Majestät des regierenden 777 
Königs Wilhelm II. von Württemberg. R. unten Tb. 
bez.: Rud Huthsteiner. Sttgt. 96. 

Oel, Leinwand, 232 h., 130 br. 1896 beim Künstler bestellt. 

Igler, Gustav 

Genremaler, geb. 1842 in Oedenburg (Ungarn), 1858 Schüler Waldmüllers in Wien, 
1868 Rambergs in München. Seit 1888 Professor an der Kunstakademie in Stuttgart. 

Klosterschule. R. unten bez.: Igler. 778 

Oel, Leinwand, 92 h., 131 br. 1894 vom Künstler gekauft. Wa. 

Gesangunterricht. Unten bez. : Gust. Igler. 779 
Münch. 84. Nb. 

Oel, Leinwand, 104 h., 118,5 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. 

Ihlee, Eduard 

Historienmaler, geb. 1813 in Kassel, gest. 1885 daselbst. Zuerst in Kassel von 
Fr. Müller unterrichtet, dann Schüler W. Schadows in Düsseldorf und Ph. Veits in 
Frankfurt a. M., dessen Schwiegersohn er auch wurde. Längere Zeit in Italien, 
wo er sehr viel nach Raffael, Michelangelo, Tizian, Palma Vecchio u. s. w. kopierte. 
Dann Professor an der Kunstakademie zu Kassel, an der er bis 1869 wirkte. 



244 X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



780 Die Findung des Moses. R unten bez.: Ed. Ihlee. 
Sc. Frankfurt a/M. 

Oel, Leinwand, 65 h., 5b br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 

Jordan, Rudolf 

Genremaler, geb. 1810 in Berlin, gest. 1887 in Düsseldorf, zuerst Schüler der Ber- 
liner Akademie, 1833—1848 in Düsseldorf unter W. v. Schadow und Karl Sohn. Machte 
viele Reisen, besonders nach Rügen (schon 1830), Helgoland, Holland, Belgien,, 
Nordfrankreich und Italien. Lebte hauptsächlich in Düsseldorf. 

781 Schiffbruch an der Küste der Normandie. 
Uc. R. unten bez.: RI (verbunden) 1879. 

Oel, Leinwand, 126,5 h., 157,'br. Phot. Hoefle. Abgebildet Gartenlaube 1881 S. 232 L 

1882 von der Kunsthandlung Emil Meyer & Co. in Berlin gekauft, die es 1879 vort 
Jordan direkt erworben hatte. In den Akten wird es als „Sturm an der Küste 
Helgolands" bezeichnet. Veränderte Wiederholung eines 1848 gemalten Bildes der 
Dresdener Galerie, das von Jansen als Vereinsblatt des rheinischen Kunstvereins und 

1883 von Friedrich in Dresden gestochen ist. Woermann (Dresdener Katalog No. 2344) 
bezeichnet es als Schiffbruch an der normannischen Küste. 

Irmer, Karl 

Landschaftsmaler, geb. 1833 in Babitz (Anhalt), Schüler von Becker in Dessau, 
1855 von Gude in Düsseldorf, machte viele Studienreisen, lebt in Düsseldorf als 
anhaltischer Hofmaler. 

782 Harzlandschaft. L. unten bez.: C. Irmer. 85. 

Ulm Oel, Leinwand, 80 h., 120,5 br. 1885 vom Künstler gekauft. 

Kalckreuth, Graf Leopold von 

geb. 1855 in Düsseldorf als Sohn des 1894 gestorbenen Landschaftsmalers Grafen 
Stanislaus von Kalckreuth, 1875—1878 Schüler der Kunstschule zu Weimar unter 
Schauss und Struys, 1879—1885 in München, anfangs unter Benczur, dann selbständig. 
1883 machte er Studienreisen in Holland, 1885—1890 war er Professor an der Wei- 
marer Kunstschule, 1890—1895 auf dem Lande in Hoeckricht (bei Klein-Oels in 
Schlesien), 1895 bis 1899 Professor an der Kunstschule in Karlsruhe, 1900—1906 in 
derselben Eigenschaft in Stuttgart, zeitweise (1900—1902) Direktor der dortigen 
Kunstakademie. Siedelte sich 1907 in Hüttfeld bei Hamburg an, wo er jetzt lebt. 

783 Aehrenleserin. Illustration. L. unten bez. : Kalck- 
Yd. reuth d. j. 94. 

Oel, Leinwand, 178 h., 1b7 br. 1901 vom ^Künstler gekauft. Gemalt in Hoeck- 
richt 1894. Der Künstler hat dieselbe Komposition auch radiert. 

783a Waldenburg. Landschaft. L. unten bez.: Kalck- 
Ub. reuth d. J. 

Oel, Leinwand, 145 h., 160,5 br. Gemalt 1906, damals von dem Künstler gekauft. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



245 



Käppis, Albert 

Landschaftsmaler, geb. 1836 zu Wildberg im Nagoldtal, erlernte zuerst die Litho- 
graphie, studierte dann, zur Malerei übergehend, an der Stuttgarter Kunstschule 
unter Funk (vgl. No. 742), 1860—1880 in München, Düsseldorf und Paris. 1880—1905 
Professor an der Kunstschule in Stuttgart. Lebt daselbst. 

Winter im Schwarzwald. L. unten bez.: A. Käppis 784 
1881, Stuttgart. Va. 

Oel, Leinwand, 75 h., 133 br. Phot.(. Hoefle. 1881 auf der württembergischen 
iLandesge Werbeausstellung gekauft. 



Kauffmann, Hugo 

Genremaler, geb. 1844 in Hamburg, Sohn des Malers Hermann Kauffmann, 1861 
Schüler des Städelschen Instituts in Frankfurt a. M. unter Jakob Becker, dann kurze 
Zeit in Düsseldorf und Paris, 1863 — 1871 in Cronberg am Taunus, seitdem in München 
oder Prien am Chiemsee. 

Jägerlatein. R. unten bez.: Hugo Kauffmann 87. 785 

Oel, Cedernholz, 37,5 h., 46 br. 1887 von der Fleischmannschen Kunsthandlung Ulm 
in München gekauft. 



Kaulbach, Wilhelm 

Historienmaler und Illustrator, geb. 1804 (nicht 1805) in Arolsen, gest. 1874 in 
München. 1821 in Düsseldorf auf der Kunstakademie, seit 1822 unter Cornelius, 
der ihn 1826 nach München zog. 1837 vorübergehend in Italien, 1838 ein Jahr in 
Rom, 1847 in Berlin, um die Wandgemälde im Treppenhause des Neuen Museums 
zu malen. Seit 1837 bayrischer Hofmaler, 1847 Direktor der Münchener Akademie. 

Die Hunnenschlacht auf den katalaunischen 786 
Feldern, ß. unten bez.: WK, (verbunden). Sd. 

Oel, Leinwand, 137 h., 172 br. Phot. Hoefle. 1889 von der Kunsthandlung von 
Heinemann in München gekauft. Stammt aus dem Nachlass des Künstlers und ist 
nach dem Zeugnis seines Sohnes Hermann einer der ersten ganz eigenhändig aus- 
geführten Entwürfe zu dem bekannten Bilde im Treppenhause des Berliner Neuen 
Museums, dessen 1834 entstandener Karton sich in der Sammlung Raczynski des 
Kaiser Wilhelm-Museums in Posen befindet. 

Die Schlacht bei Salamis. Auf dem Feldherrn- 787 
schiffe Themistokles , an seiner Seite Aeschylos, Sd. 
r. Aristides, hinter diesem Sophokles, 1. der Harem 
des Perserkönigs, darüber die Königin Artemisia, im 
Hintergrunde Xerxes. In den Lüften die Heroen 
Telamon, Achill und Ajax, die den kämpfenden 
Hellenen den Sieg bringen. 

Oel, Leinwand, 195,5 h., 337 br. 18b2 vom Künstler gekauft, aber erst 1864 in 
Stuttgart eingetroffen, da diese „ausgeführte Farbenskizze", wie Kaulbach sie selbst 
nennt, in München nötig war, um das vom König Maximilian von Bayern bestellte 
Bild im Maximilianeum danach auszuführen. Die Ausführung ist danach von Kökkert 
besorgt worden. Der Karton befindet sich seit 1890 in der Nationalgalerie zu Berlin. 



246 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Keller, Friedrich 

geb. 1840 in Neckarweihingen (OA. Ludwigsburg), erlernte die Dekorationsmalerei, 
studierte 1867—1871 auf der Stuttgarter Kunstschule unter Neher, 1871—1874 an der 
Kunstakademie in München unter Lindenschmit, reiste 1876 nach Italien. Seit 1883 
Professor an der Kunstschule in Stuttgart als Nachfolger Haeberlins. 

788 Grablegung Christi. Illustration. L. unten bez.: 
Ya. FR. KELLER, Stuttgart. 

Oel, Leinwand, 112 h., 167 br. 1886 vom Künstler gekauft. Phot. Schaller. 

789 Am Feuer. Zwei Schmiede bei der Arbeit. R. unten 
Yd. bez.: Keller, Stuttgart. 

Oel, Leinwand, 212,5 h., 162 br. 1902 vom Künstler gekauft (war auf der inter- 
nationalen Dresdener Kunstausstellung von 1901). 



Keller-Reutlingen, Paul Wilhelm 

Landschaftsmaler und Professor, geb. 1854 in Reutlingen, studierte auf der Kunst- 
schule in Stuttgart und auf der Münchener Akademie, lebt in Bruck bei München. 

790 Abendläuten. Illustration. 

Xa. Oel, Leinwand, 70,5 h., 132,5 br. 1896 auf der internationalen Kunstausstellung in 
Stuttgart gekauft. Phot. Schaller. 

Kielwein, Ernst 

geb. 1864 in Ludwigsburg, gest. 1902 in Stuttgart. 1881—1893 auf der Stuttgarter 
Kunstschule unter Grünenwald, Käppis und Fr. Keller, 1888 in Venedig, 1895—1897 
wiederholt in Paris, wo er durch das Studium der alten Holländer im Louvre an- 
geregt wurde. Seit 1894 in Gutach im Schwarzwalde. 1899 in Frankfurt a. M. 

791 Bauernhof. L. bez.: E Kielwein 1899. 

Xa. Oel, Mahagoniholz, 19,5 h., 27,5 br. 1900 vom Künstler gekauft. 

792 Brennhafen. R. oben bez.: E. Kielwein 1901. 

Xa. Oel, Mahagoniholz, 16,5 h., 20,5 br. 1902 von dem Maler Lauxmann in Stuttgart 
gekauft. 

Kirchner, Emil 

Landschafts- und Architekturmaler, geb. 1813 in Leipzig, gest. 1885 in München. 
1828 an der Leipziger Akademie unter Fr. Brauer, dann in Dresden unter Joh. Chr. 
Dahl und Casp. Dav. Friedrich. 1832 in München, wo er Rottmanns Einfluss erfuhr. 
1833 in Leipzig, dann in Sachsen mit dem Zeichnen mittelalterlicher Denkmäler 
beschäftigt. Seit 1834 dauernd in München. Fand seine Vorbilder meistens auf 
Reisen in Oberitalien und Tirol. 

793 Ansicht von Genua. R. unten bez.: E. Kirchner 
Tüb. München 1868. 

Oel, Holz, 41,5 h., 55,8 br. 1872 bei der Versteigerung der Montmorillonschen 
Kunsthandlung in München gekauft. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



247 



Knaus, Ludwig 

Genre- und Porträtmaler, geb. 1829 in Wiesbaden, Sohn eines aus Schwäbisch-Gmünd 
stammenden Optikers, besuchte 1845 — 52 unter K. Sohn und W. Schadow die Düssel- 
dorfer Akademie, die er aber als „unbegabt" verliess. 1852 — 60 in Paris, dazwischen 
1857—58 in Italien. 1860— 61 in Wiesbaden, 1861—66 in Berlin, 1866—74 wieder in 
Düsseldorf. Lebt seit 1874 ständig als Professor in Berlin, wo er bis 1884 ein 
Meisteratelier an der Akademie leitete. 

Hessisches Bauernmädchen (aus Villingen). 793a 
Skizze R. unten bez.: L. Knaus 7. Juni 1849. Xa. 

Oel, Leinwand, 42,8 h., 28,6 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 1906 
aus Düsseldorfer Privatbesitz gekauft. Studium zu dem Bauerntanz unter der Linde 
von 1849, seinem ersten grösseren Bilde. 

Koch, Joseph Anton 

Landschaftsmaler, Hauptvertreter der sog. historischen oder heroischen Landschaft» 
geb. 1768 zu Obergieblen (Pfarrei Elbigenalp) im Lechtal, gest. 1839 in Rom. Zu- 
erst in Augsburg bei einem Bildhauer, dann 1785 — 1791 auf der hohen Karlsschule 
in Stuttgart unter Harper und Hetsch (vgl. No. 771). Von dort floh er wegen schlechter 
Behandlung und ging nach Strassburg, wo er im Kreise der Jakobiner verkehrte. 
1793 — 95 in der Schweiz, 1795 in Italien, besonders in Rom, wo er bis 1812 lebte 
und im Anschluss an Gasp. Poussin und Claude Lorrain seinen idealistischen Land- 
schaftsstil ausbildete. 1812 — 15 in Wien, dann wieder in Rom, wo er bis zu seinem 
Tode blieb. Freund von Carstens, Thorwaldsen, Waechter u. s. w. In der Figuren- 
malerei von Carstens beeinflusst. 

Landschaft nach einem Gewitter. Staffage 794 
von Heideck (vgl. No. 767). R. unten bez : I. K. Pd. 

Oel, Leinwand, 75,7 h., 103 br. Phot. Hoefle. 1862 in München auf der Auktion 
des Nachlasses des Generalleutnants von Heideck gekauft. 

Landschaft mit einem Flusse. Unten bez. I.K. 795 

Oel, Holz, 24,6 h., 31 br. 1858 von den Erben des Buchhändlers Winter in P»- 
Heidelberg gekauft. 

Koenig, Hugo 

Genre- und Landschaftsmaler, geb. 1856 in Dresden, gest. 1899 daselbst. Schüler 
von Erwin Oehme in Blasewitz, 1879 in München unter Otto Seifz, Ludw. Löfftz und 
W. Lindenschmit. 1898 Mitglied der Künstlervereinigung Dachauer. Zuletzt in Dresden. 

Abend am Weiher. R. unten bez.: Hugo Koenig. 796 

Oel, Leinwand, 110 h., 120 br. 1899 auf der Münchener Sezessionsausstellung in Xc. 
Stuttgart gekauft. 

Kornbeck, (Hermann) Julius 

Landschaftsmaler, geb. 1839 in Winnenden (Württemberg). Zuerst Architekt, dann 
1864/65 an der Stuttgarter Kunstschule unter Funk, 1866—69 in München, 1869—73 
in Düsseldorf. Reiste wiederholt in Frankreich und England. 1873—1885 in Stutt- 
gart, seitdem in Oberensingen bei Nürtingen. 

Heuernte. L. unten bez.: J. Kornbeck. 796a 

Oel, Leinwand, 137 h., 177,5 br.. Gemalt um 1901. 1906 vom Künstler gekauft. Wc. 



248 X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Krauss vergl. Raffael (No. 481). 
Kuehl, Gotthardt 

Genre- und Architekturmaler, geb. 1850 in Lübeck, studierte erst drei Jahre in 
Dresden, dann in München unter W. Diez, wurde 1878 in Paris durch den Spanier 
Fortuny angeregt, reiste dann in Holland. Lebte 12 Jahre in Frankreich, 1888 — 93 in 
München. Seit 1895 Akademieprofessor und Vorsteher eines Meisterateliers in Dresden. 

796b Das Innere der Johanneskirche in Mün- 
Xa. chen. R. unten bez.: Gotthardt Kuehl. 

Oel, Leinwand, 130 h., 100 br. 1905 von der Richterschen Kunsthandlung in 
Dresden gekauft. 

Kurzbauer, Eduard 

Oenremaler, geb. in Wien 1840, gest. in München 1879. Zuerst Lithograph in Wien, 
1857—61 Schüler der Wiener Akademie unter Führich, 1868 — 70 der Münchener 
Akademie unter K. v. Piloty, gleichzeitig von Max und Defregger beeinflusst. 

797 Das erste Bilderbuch. R. unten bez.: E. Kurz- 
Vd. bauer München. 

Oel, Leinwand, 60 h., 46 br. 1874 von der Fleischmannschen Kunsthandlung in 
München gekauft. 

Laepple, Heinrich 

geb. 1834 in Stuttgart, gest. 1885 daselbst. Schüler der Stuttgarter Kunstschule 
unter Häberlin. 

798 Bildnis Unlands, Kniestück, sitzend. R. oben 
Tc bez.: Lud. Uhland. Gemalt von H. Läpple 1884. 

Oel, Leinwand, 90,5 h., 70,5 br. 1887 von mehreren Verwandten und Verehrern 
Uhlands bei Gelegenheit der Jubelfeier geschenkt. Nach Photographien gemalt. 

Landenberger, Christian 

geb. 1862 in Ebingen (OA. Balingen, Württemberg). Studierte 1879—86 mit mehreren 
Unterbrechungen an der Stuttgarter Kunstschule unter Grünenwald, Haeberlin, Liezen- 
Mayer und Schraudolph. 1887—1905 in München, arbeitete zuerst kurze Zeit unter 
O. Seitz, dann selbständig. Seit 1905 Professor der Akademie in Stuttgart. 

799 Nun ade, du stilles Haus. Illustration. Unten 
Uc bez. : C Landenberger. 1897. 

Oel, Leinwand, 129 h., 157 br. Phot. Schaller. 1899 auf der Münchener Secessions- 
ausstellung in Stuttgart gekauft. 

Lange, Julius 

Landschaftsmaler, geb. 1817 in Darmstadt, gest. 1878 in München. Schüler von 
Müller in Darmstadt, dann (1834) in München, dann unter W. Schirmer in Düssel- 
dorf. Dann wieder in München, wo er (1840) von Rottmann angeregt wurde. Be- 
reiste die Schweiz, Oberbayern und Tirol. 1854 in Oberitalien, 1857 in Mexiko. 
Seit 1858 wieder in München, wo er Hofmaler wurde. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



249 



Das Schloss Kolowrath in Böhmen. R. unten 800 
bez.: Julius Lange. München 1845—46. Tüb. 

Oel, Leinwand, 91 h., 116 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 



Langer, Robert von 

Historienmaler, geb. 1783 in Düsseldorf, gest. 1846 in Haidhausen (München). 
Schüler seines Vaters, des Akademiedirektors Joh. Peter Langer, 1799 mit diesem 
in Paris bei David, 1804 in Italien, ferner in Berlin, Kassel und Dresden. 1806 
Professor an der Münchener Akademie, 1841 Zentral-Galeriedirektor daselbst. 

Virgil und Dante in der Unterwelt. L. 801 
unten bez.: R. v. Langer 1838. Mag. 

Oel, Leinwand, 214,5 h., 173,5 br. Phot. Hoefle. 1842 von König Wilhelm I. 
geschenkt. 



Langhammer, Arthur 

Genre- und Landschaftsmaler, auch Illustrator, geb. 1855 in Lützen, gest. 1901 in 
Dachau bei München. Zuerst in Leipzig, dann seit 1876 auf der Münchener Akademie 
unter Barth und Löfftz, durch Reisen nach Italien weitergebildet. 1898 Mitglied der 
Dachauer Malergruppe. 

Mittags rast. Ein Bauernmädchen, das auf einem 802 
Schubkarren sitzt. L. unten (nicht eigenhändig) bez.: Va. 
A. Langhammer. 

Oel, Leinwand, 80 h., 100 br. 1902 von dem seitdem verstorbenen Hofkunsthändler 
Max Sontheimer in München, Besitzer der Fleischmannschen Kunsthandlung, gekauft. 



Laupheimer, Anton 

Genremaler, geb. 1846 in Erbach bei Ulm, 1865 — 69 auf der Stuttgarter Kunstschule 
ausgebildet, lebt als Professor in München. 

Der schüchterne Verehrer. L. oben bez.: 803 
Laupheimer 84. Vd. 

Oel, Cedernholz, 53,5 h., 66,2 br. 1884 durch Vermittlung des Stuttgarter Kunst- 
vereins von dem Maler gekauft. 



Lautenschlager, Marie 

geb. 1859 in Ravensburg, 1878 — 86 an der Stuttgarter Kunstschule unter Grünen- 
wald, Liezen-Mayer und Fr. Keller, 1886/87 in Italien. 1890—1906 in München unter dem 
Einfluss von Piglhein und Habermann, seit 1906 wieder in Stuttgart. 



Traumverloren. Geigenspielerin, ß. unten bez.: 804 
M. Lautenschlager. Vc. 

Oel, Leinwand, 113 h., 158 br. 1893 von der Künstlerin gekauft. 



250 X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Leibi, Wilhelm 

Maler und Radierer, geb. 1844 in Köln, gest. 1900 in Würzburg. Zuerst in Köln 
bei dem Maler Hermann Becker unterrichtet. 1863 — 69 an der Münchener Akademie 
Schüler Pilotys, dann Rambergs, daneben in der alten Pinakothek durch das Studium 
der alten Meister, besonders v. Dycks weitergebildet. 1869/70 in Paris mit Courbet 
bekannt und von Velazquez beeinflusst, 1871 wieder in München. Verliess infolge 
mangelnder Anerkennung München und Hess sich zuerst in Grasslfing bei Dachau, 
dann 1873 — 76 in Unterschorndorf am Ammersee, 1877/78 weder in München, dann 
(mit Sperl, vgl. No. 891 b) in Berbling, nachher in Bad Aibling in Oberbayern und zu- 
letzt in Kutterling oberhalb Aibling nieder, wo er bis kurz vor seinem Tode lebte. 

805 Die Küche in Kutterling. Illustration. L. unten 
Xc. bez.: W. Leibi 98. 

Oel, Leinwand, 71,2 h., 60,6 br. Phot. Gesellschaft. Phot. Schaller. Geschenk 
des Geh. Hofrats Ernst Seeger in Berlin 1901. Abgebildet in Gronaus Leibi-Bio- 
graphie, Spemanns Museum, Neue Kunst 1904 Heft 3 S. 7 u. s. w. Ein zweites ähn- 
liches Bild besitzt Seeger. 

806 Bauernkopf. R. unten bez.: W. Leibi. 

Yc. Oel, Leinwand, 42 h., 32 br. 18% auf der internationalen Kunstausstellung in 
Stuttgart gekauft. 



Lenbach, Franz 

berühmter Bildnismaler, geb. 1836 in Schrobenhausen (Oberbayern), gest. 1904 in 
München. Zuerst von dem Tiermaler Hofner in seiner Vaterstadt (und in Aresing) 
unterrichtet, dann kurze Zeit, um Architekt zu werden, auf der polytechnischen Schule 
in Augsburg, widmete sich 1852 ganz der Malerei. Zwei Monate bei dem Maler 
Hoefle in München. 1856 auf der Münchener Akademie, wo er 1857 Schüler Pilotys 
wurde, mit dem er 1858 für einige Monate nach Rom ging. 1860—62 (mit Böcklin 
und R. Begas zusammen) Professor an der neugegründeten Kunstschule in Weimar, 
dann in München, 1863 — 66 im Auftrag des Grafen von Schack in Italien, 1867 — 69 
in Spanien mit dem Kopieren alter Bilder beschäftigt, 1872 — 74 in Wien, 1875/76 
mit Makart in Aegypten, seitdem in München. Seit 1882 brachte er den Winter ge- 
wöhnlich in Rom zu. 

807 Bildnis Kaiser Wilhelms I. Brustbild. R. unten 
Yc. bez.: Lenbach. 

Oel, Holz, 95 h., 73 br. 1891 auf der internationalen Kunstausstellung zu Stutt- 
gart gekauft. Abgebildet in Spemanns Museum II, 33. 

808 Bildnis des Fürsten Bismarck. L. oben bez.: 
Yc F. Lenbach, Friedrichsruh 1891. 

Pastell (braun) auf Karton, 85 h., 75 br. 1891 auf der internationalen Kunstaus- 
stellung in Stuttgart gekauft. 

808a Bildnis Böcklins. Illustration. R. unten bez.: 
Yc. F. Lenbach 1874. 

Oelskizze auf braungrauem Karton, 74 h., 61,2 br. 1905 unter Beihilfe des Geh. 
Hofrats Dr. Sieglin in Stuttgart und des Privatiers Emil Ziller in Böblingen gekauft. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



251 



Lessing, Karl Friedrich 

Historien- und Landschaftsmaler, geb. 1808 in Breslau, gest. 1880 in Karlsruhe. 
1822 (als Architekt) in Berlin, Schüler von Rösel und Dähling, durch eine Reise 
nach Rügen für die Malerei gewonnen. 1826 mit W. Schadow in Düsseldorf, dort 
Professor an der Akademie, seit 1858 in derselben Eigenschaft in Karlsruhe, wo er 
gleichzeitig Galeriedirektor war. 

Landschaft. Motiv aus der fränkischen Schweiz. 809 
L. unten bez.: C F L. 1878. Ra. 

Oel, Leinwand, 91 h., 142,2 br. Phot. Hoefle. 1878 vom Künstler gekauft. 



Leu, August 

Landschaftsmaler, geb. 1819 in Münster (Westfalen), gest. 1897 in Seelisberg (Schweiz). 
1840 — 44 Schüler der Düsseldorfer Akademie, kurze Zeit auch Schirmers. Machte 
viele Reisen und siedelte 1882 nach Berlin, später nach Glehn a. Rh. bei Düssel- 
dorf über. 

Der hohe Gröll bei Berchtesgaden, R. unten 810 
bez.: A. Leu 1859. Tüb. 

Oel, Leinwand, 108 h., 150 br. 1859 vom Künstler gekauft. 



Leybold, Karl (Jacob Theodor) 

Historien- und Porträtmaler, auch Miniaturist, geb. 1786 in Stuttgart, gest. 1844 da- 
selbst. Sohn nnd Schüler des Kupferstechers J. F. Leybold, 1799 in Wien an der 
Kunstakademie unter Wächters Einfluss. 1807 — 14 mit seinem späteren Schwager, 
dem Landschafter G. F. Steinkopf, in Rom. 1815 wieder in Wien, 1821 in Stuttgart 
als Bildnismaler, 1829 Professor an der dort neuerrichteten Kunstschule, 1842 — 44 
Inspektor der Gemäldegalerie, hat als solcher wesentlich bei der Gründung der 
letzteren und den ersten Ankäufen mitgewirkt. 

Ruhende Nymphen bei einer Quelle. R. unten 811 
bez.: C. Leybold. pinx: 1833. Tüb. 

Oel, Leinwand, 151 h., 129,5 br. Phot. Hoefle. Erworben 1844. 

Bildnis des Bildhauers Dannecker mit dem 812 
Modell seiner Christusstatue in der Hand. Kniestück. Pd. 
R unten bez.: C: Leybold 1822. 

Oel, Leinwand, 114 h., 90 br. Vermächtnis der Witwe Danneckers 1868. Gestochen 
von Schuler nach einer Zeichnung von Wölfle. 

Bildnis der zweiten Gemahlin Danneckers. 813 
Brustbild. L. unten bez.: C: Leybold, r.: 1827. Pb. 

Oel, Leinwand, 64 h., 50,5 br. Vermächtnis der Witwe Danneckers 1868. 



252 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderls. 



Liebermann, Max 

Impressionist, geb. 1849 in Berlin, studierte zuerst unter Steffeck an der Berliner, 
dann 1869 unter Pauwels an der Weimarer Kunstakademie, seit 1872 in Paris unter 
Munkaczy, dann in Barbizon bei Fontainebleau unter Millet, der den grössten Ein- 
fluss auf seine Weiterentwicklung hatte. Nach Millets Tode wiederholt in Holland, 
wo er sich viele seiner Motive holte und besonders von Fr. Hals und Israels an- 
geregt wurde. 1879 — 84 vorwiegend in München, seitdem in Berlin, wo er an der 
Spitze der Sezession steht. 

813a Altmänner haus. Laubengang mit einigen inva- 
Xc. liden Seeleuten im Hintergrunde. R. unten bez.: Max 
Liebermaü 15 — (?). 

Oel, Leinwand, 87,5 h., 61,4 br. 1880 in Amsterdam im Garten des sog. Brentano- 
Stifts auf der Herrengracht nach der Natur gemalt. Abgebildet Kunst f. Alle XXI, 
359. Kunstchronik N. F. XIV 19023 S. 318. 1903 aus der Sammlung des Kommer- 
zienrats Henneberg in Zürich gekauft. 

Lier, Adolf 

Landschaftsmaler, geb. 1826 zu Herrnhut in Sachsen, gest. 1882 zu Vahrn bei Brixen 
in Tirol. Erst Architekt, dann durch den Besuch der Dresdener Galerie zur Malerei 
geführt, seit 1849 in München unter Berdelle" und R. Zimmermann. Zweimal, 1861 
und 1864 — 65 in Paris, wo er im Louvre kopierte und von den Meistern der Schule 
von Barbizon, besonders Dupre - , dauernde Einwirkung empfing. Machte Reisen nach 
England, Holland und Schottland und gründete 1869 in München eine Landschafter- 
schule, die er aber schon 1873 wegen Kränklichkeit aufgeben musste. 

814 Landstrasse. Motiv bei Seefeld in Bayern. L. 
Wd. unten bez.: A. Lier. 

Oel, Leinwand, 59,5 h., 81 br. 1901 von der Kunsthandlung Helbing in München 
gekauft, früher im Besitz der Witwe des Künstlers, Frau Prof. Rosalie Lier in 
München. Wahrscheinlich 1871 gemalt. Heliogravüre in der Zeitschrift f. bild. 
Kunst 1883. 

815 Sonnenuntergang an der schottischen Küste. 
Xc. L. unten bez.: A. Lier. 

Oel, Leinwand, 65 h., 128 br. 1883 gekauft. Eines seiner letzten Werke, 1882 gemalt. 

Linder, Lambert 

geb. 1841 in Risstissen (OA. Ehingen) in Württemberg, gest. 1889 daselbst. 1856—61 
auf der Kunstschule in München, 1861 — 67 auf der Kunstschule in Stuttgart unter 
Rüstige, seit 1867 in München. 

816 Die Mäher. R. unten bez.: Lambert Linder 
Ulm München. 

Oel, Leinwand, 110,5 h., 135,5 br. 1894 von Frau Vettiger in München gekauft. 

Löffler, August 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. 1822 in München, gest. 1866 daselbst, Schüler 
der Landschaftsmaler Heinrich Adam und Julius Lange in München, kopierte Rott-, 
manns Fresken daselbst und wurde 1846 Schüler von Schorn. Bereiste 1844 Istrien 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



253 



1846 Oberitalien, 1849 den Orient, speziell Palästina, Syrien und Aegypten, 1853 
Griechenland, 1856 Mailand und Venedig. 1864 in Brüssel. Lebte sonst meistens 
in München. 

Jerusalem. R. unten bez.: Aug. Loeffler 1853 817 
München. Ulm 

Oel, Leinwand, 102,3 h., 145,5 br. 1853 von König Wilhelm I. geschenkt. 



Loefftz, Ludwig 

geb. 1845 in Darmstadt, studierte zuerst daselbst an der technischen Hochschule, 
1869 unter Kreling und Raupp an der Kunstschule in Nürnberg, 1870 in München, 
wo er besonders durch W. Diez gefördert wurde. Seit 1874 Lehrer an der Mün- 
chener Akademie, 1880 Professor, 1891—96 Direktor daselbst, steht jetzt der Mal- 
und Komponierschule vor. Lebt im Winter in München, im Sommer in Oberall- 
mannshausen. 

Erasmus von Rotterdam. Illustration. R. unten 818 
bez.: L. Loefftz München. Xb. 

Oel, Buchenholz, 87 h., 67,5 br. Phot. Hoefle. 1882 gemalt, 1883 gekauft. Phot. 
Schaller. 



Lucas, August 

Landschaftsmaler, geb. 1803 in Darmstadt, gest. 1863 daselbst. Unter dem Einfluss 
von K. Fohr ausgebildet. Bereiste die Schweiz und Italien und war 1831 in Rom, 
wo ihn J. A. Koch (vgl. No. 794) zur historischen Landschaft führte. 

Ideale Landschaft mit Bacchanten und Bacchan- 819 
tinnen. R. unten bez.: A: Lucas 1839. Rc 

Oel, Leinwand, 84 h., 117,5 br. 1886 vom Kunsthändler Werth in Mannheim ge- 
kauft, stammt aus der Sammlung des Grafen Schönborn-Wiesentheid in München. 



Ludwig, Karl 

Landschaftsmaler, geb. 1839 in Römhild (Sachsen-Meiningen), gest. 1901 in Berlin. 
Zuerst auf der Kunstschule in Nürnberg gebildet, anfangs als Bildhauer, seit 1857 
als Maler, 1861 in München Schüler Pilotys. Machte grosse Reisen durch Deutsch- 
land, die Schweiz und Oberitalien, wobei er besonders von Calame beeinflusst 
wurde, liess sich 1868 in Düsseldorf nieder. 1877—80 Professor der Landschafts- 
malerei an der Stuttgarter Kunstschule. Seit 1880 in Berlin, seit 1884 Mitglied der 
Berliner Akademie. 



Der Sankt G-otthardpass. Illustration. L. unten 820 
bez : Carl Ludwig. Stuttgart. 1879. Wc. 

Oel, Leinwand, 132 h., 190 br. 1879 auf der akademischen Ausstellung in Berlin 
vom Künstler gekauft. Phot. Gesellschaft. Phot. Schaller. 

Landschaft. Starnberger See. L. unten bez.: Carl 821 
Ludwig. Stuttgart. Xc. 

Oel, Leinwand, 66,5 h., 105 br. Vermächtnis des Staatsministers Dr. v. Sick 1881- 



254 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Majer, Gustav 

genannt „der Schwabenmajer", Maler und Dichter, geb. 1847 in Balingen, gest. 1900 
in Schieissheim bei München. Studierte 1862—70 mit kurzer Unterbrechung auf 
der Kunstschule in Stuttgart und siedelte nach dem deutsch-französischen Kriege 
nach München über. 

822 Ein über dem Studium eingeschlafen er Mönch. 
Sd. R unten bez.: Gr. Majer. 79. 

s Oel, Leinwand, 106 h., 156 br. 1882 vom Stadtbaumeister a. D. Fritz in Stuttgart 
gekauft, der das Bild bei der Verlosung der württembergischen Landesausstellung 
1881 gewonnen hatte. 



Makart, Hans 

Historienmaler, geb. 1840 in Salzburg, gest. 1884 in Wien. Besuchte 1858 vorüber- 
gehend die Vorbereitungsschule der Wiener Akademie unter Rüben, studierte 1859 — 65 
an der Münchener Akademie, seit 1861 durch Vermittlung des Malers Schiffmann 
Schüler Pilotys. Reiste 1862 mit Lenbach nach London und Paris, 1866, 68 und 69 nach 
Italien und wurde 1869 als Professor nach Wien berufen. 1875/76 mit Lenbach und 
Leopold Müller in Aegypten, dann in Antwerpen und Spanien (1877). 1879 Professor 
der Historienmalerei an der Wiener Akademie. 

823 Kleopatra. Illustration L. unten bez.: Hans Makart. 

Pc Oel, Leinwand, 189,5 h., 506 br. 1876 von der Fleischmannschen Kunsthandlung 
in München gekauft. 1875 gemalt. Phot. Hanfstängl. Phot. Schaller. 



Mali, Johann 

Landschaftsmaler, geb. 1828 in Broekhuizen bei Utrecht, gest. 1865 in München, Sohn 
württembergischer Eltern, älterer Bruder des Tiermalers Christian Mali (No. 825) 
und Schüler seines Schwagers P. F. Peters in Stuttgart, bildete sich in München 
weiter aus. 

824 Gebirgslandschaft aus Oberitalien. Unten 
Ulm bez : J. Mali 1861. 

Oel, Leinwand, 136 h., 148 br. 1861 vom Künstler gekauft. 



Mali, Christian (Friedrich) 

Tier- und Landschaftsmaler, geb. 1832 zu Broekhuizen bei Utrecht, gest. 1906 in 
München, jüngerer Bruder Johann Malis. Kehrte schon als Kind 1833 mit seinen 
Eltern nach Deutschland zurück, war erst Holzschneider und begann 1857 in München 
seine Studien als Maler, ging von dort nach Oberitalien. 1865 in Düsseldorf und 
Paris, seit 1866 wieder in München. Durch die italienische Reise angeregt, ver- 
band er erst mit der Landschafts- die Architekturmalerei, dann in Paris unter dem 
Einfluss Troyons die Tiermalerei. 

825 Des Schäfers Morgengruss. Illustration. R. unten 
Wc. bez.: Christian Mali. München. 

Oel, Leinwand, 110,5 h., 185,5 br. 1876 vom Künstler gekauft. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



255 



Heimziehende Schafe im Winter. L. unten 826 
bez.: Christian Mali. München. 1887. Ulm 

Oel, Leinwand, 90,5 h., 169 br. 1888 vom Künstler geschenkt. 

Martens, Luise (Henriette) von 

Porträt- und Genremalerin, geb. 1828 in Stuttgart, gest. 1897 daselbst, 1849—52 
Schülerin Karl Sohns in Düsseldorf, weitergebildet auf Reisen in Deutschland, den 
Niederlanden und Italien, lebte später in Stuttgart. 

Bildnis des Vaters der Künstlerin, des Natur- 827 
forschers Georg von Martens (1788—1872). L. unten Qc 
bez.: Louise v. Martens. 

Oel, Leinwand, 84,5 h., 68 br. Vermächtnis der Künstlerin 1897. 

Max, Gabriel 

geb. in Prag 1840, Sohn des Bildhauers Joseph Max, zuerst Schüler seines Vaters, 
1855—58 auf der Prager Kunstschule unter Engerth, 1858—61 in Wien unter Blaas, 
Rüben, Wurzinger und Mayer, 1863—67 Schüler Pilotys in München, mit Kurzbauer 
<vgl. No. 797) befreundet. 1867 in Paris, 1879—83 Professor an der Münchener 
Akademie, lebt in München. 

Weiblicher Kopf in Vorderansicht mit schwarzem 828 
Schleier L. oben bez.: G-. Max Nc. 

Oel, Leinwand, 43 h., 36 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. 

Mayer, Louis 

Landschaftsmaler, geb. 1791 zu Neckarbischofsheim in Baden, gest. 1843 zu Stutt- 
gart. Sohn württembergischer Eltern, Bruder des Dichters Karl Mayer. 1825 
Schüler G. F. Steinkopfs an der Stuttgarter Kunstschule. Bereiste Süddeutschland, 
die Schweiz, Tirol und Steiermark, 1830—32 Italien, lebte seitdem in Stuttgart. 

Italienische Landschaft. Gegend von Olevano 829 
mit dem Volsker- und Albanergebirge. , Pd - 

Oel, Leinwand, 99,5 h., 136,5 br. 1832 als Gegenleistung für seine Reiseunter- 
stützung aus Rom eingesandt. 

Italienische Landschaft. Motiv von Ariccia 830 
zwischen Rom und Neapel. Ulm 

Oel, Leinwand, 53 h., 74,5 br. 1854 von Dr. Notter in Stuttgart gekauft. 

Menzel, Adolf 

Maler, Steinzeichner, Radierer und Illustrator, geb. 1815 in Breslau, gest. 1905 in 
Berlin. Sohn eines Lithographen, der 1830 mit seiner Familie nach Berlin übersiedelte. 
Zuerst im Geschäft des Vaters tätig. Besuchte 1833 kurze Zeit die Gipsklasse der 



256 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Berliner Akademie, ohne doch wirklicher Schüler derselben zu sein. Unbefriedigt 
davon bildete er sich selbständig durch energisches Naturstudium weiter. Von 
älteren Künstlern haben am meisten auf ihn eingewirkt: Chodowiecki, Schadow, 
Krüger, Constable und Meissonier. 1855, 1867 und 1868 besuchte er Paris, 1873 
Wien, 1880, 81 und 82 dreimal Verona. Auch in Wien, München und Dresden hielt 
er sich zeitweise auf, ohne aber eigentliche Studienreisen zu machen. Lebte, zu- 
letzt mit Ehren überhäuft (z. B. 1898 Ritter des schwarzen Adlerordens), in Berlin. 

830a Maskensouper. Illustration. L. unten bez.: 
Xc Menzel 1855. 

Aquarell (Gouache), 33 h., 41,2 br. Phot. Schaller. Abgebildet bei H. v. Tschudi, 
Adolf von Menzel 1905 S. 241 No. 336. 1903 von der Kunsthandlung Ed. Schulte 
in Berlin erworben, ehemals in der Sammlung des Rentiers Kuhtz in Berlin. Im. 
Ton eines seiner feinsten Bilder. 



Meyerheim, Paul (Friedrich) 

Tier-, Genre- und Bildnismaler, geb. 1842 in Berlin, Sohn des Genremalers (Friedr.) 
Eduard Meyerheim und Neffe des Bildhauers Drake. Schüler seines Vaters, dann 
1857 — 60 der Berliner Akademie. Nach grossen Reisen in ganz Europa und einem 
über einjährigen Aufenthalt in Paris seit 1887 Professor an der Berliner Kunst- 
akademie. Lebt in Berlin. 

831 Gefangenes Königspaar. Zwei Löwen im Käfig. 
Va. R. unten bez.: Paul Meyerheim. 

Oel, Fichtenholz. 62 h., 100 br. 1899 auf der Ausstellung des Stuttgarter Kunst- 
vereins gekauft. 



Morgenstern, Christian 

Landschaftsmaler, geb. 1805 in Hamburg, gest. 1867 in München. Schüler seines 
Vaters, des Porträt- und Miniaturmalers Karl Heinr. Morgenstern, des Panoramen- 
malers C. Suhr und besonders des Malers Siegfried Bendixen in Hamburg. Mit 
Suhr durchreiste er als Gehilfe 1822 Deutschland und Russland und machte dann- 
Studienreisen nach Holstein und Norwegen. 1828 auf der Akademie in Kopenhagen 
unter Lundt und Möller, 1830 in München, wo er seit 1835 mit K. Rottmann eng 
befreundet war. 

832 Mondscheinlandschaft. Gregend an der Elbe. 
Vc. R. unten bez.: Chr: Morgenstern 18 . . München. 

Oel, Leinwand, 91 h., 110,5 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart von 
dem Kunsthändler Wimmer in München gekauft. 



Müller, Karl 

Historienmaler, geb. 1813 in Stuttgart, gest. 1881 in Frankfurt a. M. Sohn des 
Kupferstechers Friedrich Müller und Enkel des Kupferstechers Johann Gotthard 
Müller. Erhielt in Stuttgart von seinem Grossvater, von Dannecker und von Dieterich 
(No. 723) den ersten Zeichenunterricht und wurde 1831 in München unter Cornelius, 
1833 in Paris unter Ingres weitergebildet. Begleitete diesen 1837 nach Rom und 
blieb 11 Jahre in Italien. Dann 2 Jahre in Frankfurt a. M., von neuem in Paris, seit 
1867 dauernd in Frankfurt a. M. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



257 



Romeo und Julia sterbend. R. unten bez.: 833 
C. MVLLER 1842. Ulm 

Oel, Leinwand, 99,5 h., 136 br. 1843 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 

Das Urteil des Paris. L. unten bez.: Karl 834 
Müller. Sb. 

Oel, Leinwand, 89,5 h., 116,5 br. 1862 vom Künstler gekauft, wobei König 
Wilhelm I. einen Teil der Kosten übernahm. 



Müller, Johann Jakob 

Landschaftsmaler, genannt „Müller von Riga", geb. 1765 in Riga, gest. 1831 in 
Stuttgart, zuerst Geistlicher, dann Maler. 1798 bei loh. Chr. Klengel in Dresden, 
1801 in der Schweiz und in Stuttgart, 1802 mit einem Stipendium Kaiser Alexanders I. 
in Rom unter dem Einfluss Claude Lorrains (vgl. No. 397). 1804 wieder in Stutt- 
gart, wo er Hofmaler wurde und viel für König Friedrich arbeitete. 1814 Lehrer an 
der Kunstschule, 1818 wieder in Italien. 

Abendlandschaft. Gegend bei Salerno. R. unten 835 
das aus 1 1 M und R zusammengesetzte Monogramm. Rb. 

Oel, Leinwand, 59,5 h., 84 br. Vermächtnis des Inspektors der lithographischen 
Staatsanstalt zu Stuttgart v. Fleischmann 1853. Abgebildet bei W. Neumann, Baltische 
Maler und Bildhauer des 19. Jahrhunderts 1902) S. 16. 



Nahl, Karl 

Historienmaler, geb. in Kassel 1819, gest. in Nordamerika angeblich 1878. Sohn des 
Schriftstellers Alex. Th. Nahl und Enkel des Malers Joh. Aug. Nahl, Schüler der 
Kasseler Akademie, 1848 in Paris unter französischem Einfluss. Soll 1862 in San 
Francisco gelebt haben. 

Wallenstein und Seni. L. unten bez.: Karl 836 
Nahl 1846. Sb. 

Oel, Leinwand, 257 h., 189 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 
Vgl. Deutsches Kunstblatt 1847 S. 227 und 1848 S. 150 („Der Löwe der Kunst- 
ausstellung von 1846"). 



Neher, Bernhard 

Historienmaler, geb. 1806 in Biberach (Württemberg), gest. 1886 in Stuttgart. Zu- 
erst in Biberach von seinem Vater und Fr. Müller, dann seit 1822 in Stuttgart von 
Hetsch (No. 771) und Dannecker unterrichtet. 1823 in München unter Peter v. Langer, 
1825 daselbst unter Cornelius, der sein Hauptlehrer war. 1828—32 in Rom und 
Neapel, 1832—35 in München, 1836—41 in Weimar, später als Professor an der 
Kunstschule in Leipzig, seit 1846 in derselben Eigenschaft in Stuttgart. 1867—79 
Direktor der Stuttgarter Kunstschule. 

Erweckung des Jünglings von Nain. 837 

Oel, Leinwand, 150 h., 199 br. 1830 vom Künstler als Gegenleistung für seine Pa. 
Reiseunterstützung aus Rom eingesandt. Dies war das erste Bild der damals im 
Entstehen begriffenen Gemäldesammlung. 



17 



258 X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



838 Kreuzabnahme. Kolossalbild. 

Pa. Oel, Leinwand, 389 h., 250 br. Phot. Hoefle. 1853 beim Künstler bestellt, 1855 
auf der Pariser Weltausstellung, 1856 aufgehängt. 



Oelenhainz, August Friedrich 

Bildnismaler, geb. 1745 in Endingen bei Balingen (Württemberg), gest. 1804 in Pfalz- 
burg. Schüler seines Onkels, des Tübinger Universitätsmalers Wolfg. Dietrich Majer 
und 1761 Wilh. Beyers in Ludwigsburg, soll 1768 (?) ihm folgend nach Wien gegangen 
sein. Dort besuchte er die Akademie, wo er Schüler des Kupferstechers Jacobe 
war und 1789 Mitglied der Akademie wurde. In Wien beliebter Porträtmaler der 
höheren Kreise. 1786, 1789, 1801, 1802 und 1803 in Stuttgart. 1790/91 in Zürich, 
1792/93 in Bern, 1794/95 in Basel, 1795 in Wien und Stuttgart, 1801/2 in Rom, 
1803/4 in Karlsruhe und Paris, auf der Rückreise von dort gestorben. 

839 Bildnis des Dichters Schubart. Brustbild. R,. 
Tb. seitlich bez.: F. Oelenhainz f. 1789. 

Oel, Leinwand, 73 h., 58 br. 1893 vom Kanzleirat Bacmeister in Stuttgart ge- 
kauft, der es vom Landgerichtsrat Korn in Ellwangen hatte, dessen Frau eine Ur- 
enkelin von Schubart war. Gestochen von E. Morace und d'Argent. Abgebildet bei 
L. Oelenheinz, Friedr. Oelenhainz S. 14. Phot. Gesellschaft und Phot. C. Ruf in Frei- 
burg. Illustr. Katalog der Berliner Jahrhundertausstellung von 1906 No. 1260 u. s. w. 
Früher wurde das Datum irrtümlich 1780 gelesen und daran die Behauptung ge- 
knüpft, das Bild sei während der Gefangenschaft des Dichters auf dem Hohenasperg 
entstanden. Eine Skizze dazu im Besitz des Prof. L. Oelenheinz in Coburg abge- 
bildet in dessen Biographie Taf. 9. 



Otterstedt, Alexander Freiherr von 

geb. 1848 in St. Petersburg, Schüler der Akademie von St. Petersburg, später auf 
den Kunstschulen von Weimar und Karlsruhe. Darauf einige Zeit in Florenz bei 
Böcklin. Dann zwei Jahre in München und mehrere Jahre in Luzern. Seit 1893 
auf der Kunstschule in Stuttgart unter Schraudolph und Fr. Keller. Lebt in Stuttgart. 

839a Die Frau mit den Amethysten. Halbfigur, bei- 
Xb. nahe lebensgross. R. unten bez,: A. C. v. Otterstedt. 

Oel, Leinwand, 78,5 h., 52,3 br. 1906 vom Künstler gekauft. 

839b Pfingstrosen. 

Xb. Oel, Leinwand, 58 h., 48 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 1907 von 
dem Künstler gekauft. 



Pankok, Bernhard 

Porträt- und Landschaftsmaler, Radierer, dekorativer Künstler und Architekt. Geb. 
1872 in Münster in Westfalen, zuerst daselbst bei einem Stubenmaler, dann 1889 auf 
der Düsseldorfer Akademie unter P. Jansen, 1891—92 auf der Berliner unter Koner 
unterrichtet, 1892—1901 in München. Seit ca. 1896 auf dem Gebiet der dekorativen 
Kunst tätig, schloss sich 1898 den kurz zuvor gegründeten Vereinigten Werkstätten 
für Kunst im Handwerk an. 1901 als Professor an die neugegründete Lehr- und 
Versuchswerkstätte in Stuttgart berufen, deren Vorstand er seit 1903 ist. Neuerdings 
hat er sich wieder mehr der Malerei zugewendet, von der er ausgegangen. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



259 



Weibliches Bildnis. Frau Prof. H. in Stutt-839c 
gart. Sitzend, beinahe ganze Figur. Lebensgross. Vc. 
R. oben bez.: Pankok 1906. 

Oel, Leinwand, 123,5 h., 99 br. 1907 von dem Künstler gekauft. 



Peters, Pieter Francis 

Landschaftsmaler, geb. 1818 zu Nymwegen in Holland, gest. 1903 in Stuttgart. Kam 
1836 zum ersten Mal nach Württemberg, zog 1841 nach Mannheim, liess sich aber 
1846 in Stuttgart nieder, wo er besonders von König Wilhelm f., Königin Oka, 
Herzog Wilhelm von Urach u. a. sehr gefördert wurde. 

Winterlandschaft. Ein Jagdschloss im Walde. 840 
L unten bez.: P. F. Peters und die (übermalte) Wa. 
Jahreszahl 1858 (?). 

Oel, Leinwand, 103,5 h., 137 br. 1860 auf der Ausstellung des rheinischen Kunst- 
vereins in Stuttgart vom Künstler gekauft. 

Sommermorgen im oberen Rheintal. R. unten 841 
bez.: P F Peters. 1898. Wa. 

Oel, Leinwand, 90 h., 140 br. 1898 vom Künstler gekauft. Dieser hielt es für 
sein bestes Bild. 



Peters, Anna 

Blumen- und Landschaftsmalerin, geb. 1843 in Mannheim, seit 1846 in Stuttgart, 
Schülerin ihres Vaters, des Landschaftsmalers P. F. Peters (vgl. No. 840), machte 
Studienreisen nach Paris, Rom, Holland, Bayern, der Schweiz und Tirol, lebt in 
Stuttgart. 

Herbst. Blumenstück. R. unten bez.: Anna Peters. 842 

Oel, Leinwand, 105 h., 80,3 br. 1881 auf der württembergischen Landesgewerbe- Wb. 
■Ausstellung in Stuttgart gekauft. 



Pflug, Johann Baptist 

gen. „Pflug von Biberach", Genremaler, bekannter Schilderer der Soldateska der 
Befreiungskriege und des oberschwäbischen Volkslebens. Geb. 1785 in Biberach, 
gest. 1866 daselbst. Erhielt seinen ersten Zeichenunterricht im Kloster zu Wein- 
garten. Erst Handwerker, dann 1806—09 auf der Münchener Akademie. Studierte 
gleichzeitig die alten Holländer. 1810—56 war er Zeichenlehrer in Biberach. 

Ubergang der württembergischen Truppen 843 
über den Rhein bei Kehl 1815. R. unten bez.: Qc 
Johann Baptist Pflug pinxit 1819. 

Oel, Leinwand, 53 h., 80 br. 1885 von dem Möbelfabrikanten M. Steck in Stutt- 
gart gekauft. 



260 x - Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



844 Oberschwäbischer Jahrmarkt R. an dem Fasse 
Qd. bez.: Pflug 1839. 

Oel, Eichenholz, 44 h., 57 br. 1898 von R. Eisenmann in Stuttgart gekauft. 

845 Abschied des Scbultheissen Bellinger in 
Qd. Ingerkingen als Deputierter zu der Feier des 25- 
jährigen Regierungsjubiläums König "Wilhelms I. (1841). 
L. unten bez.: IBP 1841. 

Oel, Eisenblech, 33 h., 42 br. 1883 von dem Inventierer Diem in Stuttgart ge- 
kauft.' Auf der Rückseite ein Zettel mit Erklärung. 



Piloty, Karl 

Historienmaler, geb. 1826 in München, gest. 1886 auf seiner Besitzung in Arnbach 
bei München. Sohn und Schüler des Zeichners und Lithographen Ferd. Piloty, nach 
dessen Tode 1844 er das Geschäft übernahm. Schon mit 12 Jahren auf der Aka- 
demie, auf der er zuletzt die Komponierklasse J. Schnorrs (vgl. No. 884) besuchte. 
Dann unter dem Einfluss der belgischen Koloristen Oallait und Biefve ganz 
der Malerei zugewandt, in dieser besonders von seinem Schwager, dem Historien- 
maler Karl Schorn, gefördert. Das Studium der alten Meister, besonders des 
Rubens und der Spanier, zu dem ihn die Lithographie geführt hatte, setzte er in 
Leipzig und Dresden, dann 1847 in Venedig fort. 1852 in Antwerpen und Paris, wo 
er den Einfluss Delaroches erfuhr. 1856 Professor an der Münchener Akademie, 
1858 in Florenz und Rom, seit 1874 Akademiedirektor in München. 

846 Studienkopf zu einem Nero. L. unten bez.: 
Xa. C Piloty Rom. 

Oel, Leinwand, 61 h., 50 br. 1886 aus dem Nachlass des Künstlers von dessen 
Witwe gekauft. Studium zu dem 1860 gemalten Bilde „Nero auf den Trümmern Roms" 
im Nationalmuseum zu Budapest. 

847 Drei Farbenskizzen zu den Wandgemälden an der 
Wd. Fassade des Maximilianeums in München, in spitz- 
bogiger Form: In der Mitte die Gründung des Klosters 
Ettal durch Kaiser Ludwig den Bayern, links der 
Sängerkrieg auf der Wartburg (Wolfram von Eschen- 
bach und Klingsor), rechts die Stiftung der Univer- 
sität Ingolstadt durch Herzog Ludwig den Reichen 
(1472) 

Oel Leinwand, oben spitzbogig, das Mittelbild 70,5 h., 88,5 br., die Seitenbilder 
52 5 h 66 br 1886 aus dem Nachlass des Künstlers von seiner Witwe gekauft. 
Die danach 1865 von Schülern in stereochromischer Malerei ausgeführten Bilder 
sind durch die Witterung zerstört. 

Pleuer, Hermann 

ceb. 1863 in Stuttgart, 1877—79 in der Zeichenschule des Prof. Ed. Herdtie daselbst 
und als Graveur und Ciseleur im Geschäft seines Vaters tätig. 1879—81 auf der Kunst- 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



261 



gewerbeschule in Stuttgart, dann auf der Kunstschule daselbst unter Grünenwald 
und Häberlin, 1882—85 an der Münchener Akademie unter Otto Seitz. Seit 1886 
wieder in Stuttgart. 

Mondnacht. Illustration. L. unten bez. : H Pleuer 848 
1900. Ua. 

Oel, Leinwand, 195 h., 240,5 br. 1002 vom Künstler gekauft (im Tausch gegen 
eine 1897 von der Galerie bestellte Replik seines im Stuttgarter Privatbesitz be- 
findlichen „Abschieds", No. 851 des früheren Katalogs). Phot. Schaller. Münchener 
Sezessionsausstellung 1900. Die ersten Studien (in der Gegend von Schwäbisch- 
Gmünd) von 1899. Es existieren im Privatbesitz mehrere kleinere Redaktionen. 

Bahnhof (klein). 848a 

Oel, Leinwand, 80 h., 100 br. Motiv vom Stuttgarter Bahnhof. 1904 vom Künstler Ub. 
gekauft. 

Bahnhof (gross), dasselbe Motiv bei anderer Be-848b 
leuchtung. R. unten bez.: H Pleuer 06. Ub. 

Oel, Leinwand, 104 h., 150 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 1906 
vom Künstler gekauft. Es existieren mehrere Fassungen desselben Motivs. 



Plock, Hermann 

geb. 1858 zu Essingen, OA. Aalen, zeichnete und modellierte zuerst in Wasser- 
alfingen unter seinem Vater, der dort Modelleur am Hüttenwerk war. 1878 — 92 mit 
Unterbrechungen auf der Stuttgarter Kunstschule unter Grünenwald, Haeberlin, 
Fr. Keller und Schraudolph. 1889 — 90 in Italien, seitdem in Stuttgart. 

Abendstimmung. Sitzender Hirt in Landschaft. 849 
L. unten bez.: H. Plock. Ua. 

Oel, Leinwand, 151,5 h., 205 br. 1896 auf der internationalen Gemäldeausstellung 
in Stuttgart gekauft. Abgebildet im Katalog derselben S. 59. 



Preller, Friedrich (Johann Christian) der Aeltere 

Landschafts- und Historienmaler, geb. 1804 in Eisenach, gest. 1878 in Weimar. Auf 
der Weimarer Zeichenschule unter Goethes und Heinr. Meyers Augen ausgebildet, 
studierte er 1821 und 22 die alten Meister in der Dresdener Galerie, war zwei Jahre 
auf Reisen, z. B. in Antwerpen unter van Bree. 1825 — 31 in Italien, besonders Rom, 
wo er im Kreise Kochs, Reinharts und Genellis verkehrte. Seit 1831 wieder in 
Weimar, später Professor an der dortigen Kunstschule. Zeitweise in Leipzig, Mailand 
und Norwegen tätig. 1859 — 61 wieder in Italien. 

Hünengräber. Norddeutsche Waldlandschaft mit 850 
Blick auf das Meer. L. unten bez. : F. P. (verbunden) Rc. 
1851 Weimar. 

Oel, Leinwand, 72,8 h., 96 br. 1887 von Prof. Pruckner in Stuttgart gekauft. 



262 X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Reinbeck, Emilie 

Landschaftsmalerin, geb. 1794 in Stuttgart, gest. 1846 daselbst. Tochter des Ge- 
heimen Rats Aug. Hartmann, Gemahlin des Dichters und Aesthetikers Georg Rein- 
beck. Schülerin G. F. Steinkopfs (No. 898), Freundin Lenaus, der im Hartmann- 
Reinbeckschen Kreise verkehrte. 

851 Morgenlandschaft. 

Ulm Oel, Leinwand, 36,5 h., 46 br. 1849 von dem Gatten der Künstlerin, Hofrat Dr. 
Reinbeck vermacht. Siehe das folgende. 

852 Abendlandschaft. 

Tüb. Oel, Leinwand, 38,2 h., 51,8 br. Wie No. 851. 



Reinhart, Johann Christian 

Landschaftsmaler und Radierer, geb. zu Hof (Oberfranken) 1761, gest. in Rom 1847. 1778 
Schüler Oesers in Leipzig, 1783 unter Klengel in Dresden. Durch Kopieren der alten 
Meister in der Dresdener Galerie weitergebildet, mit Schiller und Körner befreundet. 
1787 in Meiningen, seit 1789 dauernd in Rom. Verkehrte hier im Kreise W. v. Hum- 
boldts. Schloss sich, nachdem er kurze Zeit unter dem Einfluss Hackerts (No. 757) 
gestanden hatte, an Carstens und besonders Koch (No. 794) an. Seine Motive 
wählte er vorzugsweise aus der römischen Campagna. 

853 Wanderers Sturmlied. Landschaft. R. unten 
Pd. bez.: C: Reinhart. Romae 1832. 

Oel, Leinwand, 70,4 h., 92,2 br. 1862 auf der Auktion des Nachlasses des bayr. 
Generalleutnants a. D. v. Heideck (vgl. No. 767) gekauft. 



Reiniger, Ernst (der Aeltere) 

Landschaftsmaler, geb. 1841 in Stuttgart, gest. 1873 daselbst. Studierte an der 
Stuttgarter Kunstschule unter Heinr. Funk, 1863 in München unter Piloty, ausser- 
dem hier von Hennings, Schleich, Ebert und CIoss beeinflusst. Tätig vorzugsweise 
in München und Oberitalien. 

854 Landschaft. Motiv aus der Ramsau L. unten 
Vc. bez.: Ernst Reiniger. München. 

Oel, Leinwand, 74 h., 123,5 br. 1875 vom Oberpostmeister a. D. Steidle irr 
Stuttgart gekauft. Aus den letzten Lebensjahren des begabten Künstlers. 



Reiniger, Otto (der Jüngere) 

Neffe des vorigen. Landschaftsmaler. Geb. 1863 in . Stuttgart, 1881 — 83 auf der 
Stuttgarter Kunstschule unter Käppis, dann einige Monate in München unter Wenglein, 
von da bis 1888 in Italien, 1888 — 1905 in Stuttgart, seitdem in der Nähe von Leon- 
berg ansässig. 

855 DerEisack bei Bozen. L. unten bez.: Reiniger. 

Yc. Oel, Leinwand, 114 h., 188 br. 1899 auf der Münchener Sezessionsausstellung in 
Stuttgart gekauft. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



263 



Blühende Bäume. L. unten bez.: Reiniger 1900. 856 

Oel, Leinwand, 116 h., 165,5 br. 1901 auf der internationalen Kunstausstellung in Ya. 
Dresden gekauft. 

Der Feuerbach bei Stuttgart. Illustration. 856a 
L. unten bez.: Reiniger 93 Yc - 

Oel, Leinwand, 116 h., 190 br. 1903 von Major v. Etzel in Stuttgart testamentarisch 
vermacht. 



Rethel, Alfred 

Historienmaler, geb. in Haus Diepenbend bei Aachen 1816, gest. in Düsseldorf 1859. 
Schon 1829—36 Schüler der Düsseldorfer Akademie unter W. Schadow, 1836 in Frank- 
furt a. M. bei Ph. Veit, ausserdem mit Steinle und Schwind befreundet. 1842 in 
Dresden, 1844 — 45 in Italien, besonders Rom, 1846 in Berlin und Frankfurt, 1847 
wieder in Düsseldorf, 1847 — 51 den Sommer in Aachen, den Winter in Düsseldorf oder 
Dresden, 1852—53 in Rom, dann wieder in Düsseldorf, von da an bis zu seinem 
Tode gemütskrank. 

Auffindung der Leiche Gustav Adolfs nach 857 
der Schlacht bei Lützen. Illustration. L. unten Ra. 
bez.: AR (verbunden). 

Oel, Leinwand, 68,5 h., 90 br. 1838 gemalt. 1857 von Herrn Sauerwein in Mainz 
gekauft. Phot. Hoefle. Kunstblatt 1857, 211. 

Riedel, August (Heinrich) 

Historien-, Porträt- und Genremaler, geb. 1800 in Bayreuth, gest. 1883 in Rom. 
1820—28 Schüler der Münchener Akademie unter P. v. Langer, 1829 in Italien, das 
er, von einigen Studienreisen nach Deutschland, Belgien und Frankreich abgesehen, 
seit 1832 nicht mehr verliess. Er lebte in Rom. 

Medea, den Tod ihrer Kinder sinnend. L. unten 858 
bez.: A. Riedel, f. Rom. 1843. Vc. 

Oel, Leinwand, 160 h., 94,5 br. 1846 von König Wilhelm I. geschenkt. 

Riedmüller, Franz Xaver 

Landschaftszeichner und Maler, geb. 1829 in Konstanz, gest. 1901 in Stuttgart. 
1856—61 Schüler der Karlsruher Kunstschule unter I. W. Schirmer (No. 878). Nach 
vorübergehendem Aufenthalt in Strassburg und Frankfurt a. M. Hess er sich 1864 in 
Stuttgart nieder. 

Heuernte. L. unten bez.: Fr X v. Riedmüller 91. 859 

Oel, Leinwand, 54,5 h., 68,5 br. 1898 vom Künstler gekauft. Wd. 

Morgen in der Ruppr echtsau bei Strassburg. 860 
R. unten bez.: F X v. Riedmüller 75. Ulm 

Oel, Ahornholz, 26,5 h., 46 br. 1875 von dem Maler gekauft. 



264 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Rist, Christoph 

Landschaftsmaler, geb. 1791 (1790?) in Stuttgart, gest. 1876 in Augsburg. Schüler der 
Wiener Akademie, die ihm 1823 ein Stipendium nach Italien verlieh. Seit 1824 in 
Augsburg, wo er Zeichenunterricht erteilte und Vorstand der Zeichenschule wurde. 

861 Landschaft. 

Sc. Oel, Lindenholz, 33,5 h., 27 br. Vermächtnis des 1894 gestorbenen Obersthof- 
meisters Freih. Richard von Reischach. 

862 Landschaft. Waldpartie mit einem Teiche. 

Sc. Oel, Eichenholz, 46,5 h., 58,5 br. Vermächtnis des Inspektors der lithographischen 
Staatsanstalt in Stuttgart v. Fleischmann 1853. Angeblich 1816 von der Wiener 
Akademie preisgekrönt. 



Rottmann, Karl 

berühmter Landschaftsmaler, geb. 1798 in Handschuchsheim bei Heidelberg, gest. 
1850 in München. Zuerst von seinem Vater, dem Universitätszeichenlehrer Friedr. Rott- 
mann in Heidelberg unterrichtet, dann unter dem Einflüsse Karl Fohrs daselbst. Lernte 
von Joh. Xeller die Oelmalerei. 1822 in München, wo er durch die Werke J. A. Kochs 
(vgl. No. 794) und Claude Lorrains (vgl. No. 397) angeregt wurde. 1826 und 1829—30 
in Italien, um die Studien für die Freskobilder des Hofgartens zu machen. 1827 und 
1830 — 34 in München, 1834 — 35 in Griechenland mit den Studien für die jetzt in der 
neuen Pinakothek befindlichen griechischen Landschaften beschäftigt. Seit 1835 in 
München. 

863 Epidauros bei Sonnenuntergang. 

Rc. Oel, Leinwand, 105,3 h., 126 br. 1847 auf Bestellung gemalt. Es gibt ausser 
dem Bilde in der neuen Pinakothek von 1846 noch mehrere Ausführungen des Motivs. 

864 Der Hintersee bei Berchtesgaden. 

Rc. Oel, Leinwand, 70 h., 84 br. Gemalt 1830. 1862 auf der Auktion des Nachlasses 
des Generalleutnants von Heideck in München gekauft. Lith. von Fr. Hohe 1838. 



Russ, Robert 

Landschafts- und Architekturmaler, geb. 1847 in Wien, Schüler der Wiener Akademie 
unter A. Zimmermann (No. 935), den er auch auf seinen Reisen begleitete. Lebt 
in Wien. 

865 Marktplatz in Friesach. R. unten bez.: Robert 
Ua. Russ. 1890. 

Oel, Leinwand, 100 h., 74,5 br. 1892 von dem Buchhändler Alwin Weise in 
Sachsenhausen bei Frankfurt a. M. gekauft. Dieser hatte das Bild bei der Lotterie 
der Berliner Kunstausstellung gewonnen. 



Rüstige, Heinrich (Franz Gaudenz) 

Historien- und Genremaler, geb. 1810 zu Werl in Westfalen, gest. 1900 in Stuttgart. 
1828 — 36 Schüler der Düsseldorfer Kunstakademie unter W. Schadow. 1833—34 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



265 



und 1842 — 44 in Mainz. 1836 als Lehrer am Städelschen Institut in Frankfurt a. M., 
von wo er weite Reisen machte. 1845 — 87 Professor an der Kunstschule in Stutt- 
gart, 1857—97 gleichzeitig Inspektor der Kgl. Gemäldesammlung. 1897 trat er in 
den Ruhestand. 



Zigeunerpredigt. R. unten bez.: H. Rüstige. 1846. 866 

Oel, Leinwand, 100 h., 145 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. Ulm 
1861 gegen No. 867 ausgetauscht, 1862 zurückgekauft, damals überarbeitet. 

Herzog von Alba bei einem Frühstück auf dem 867 
Schlosse zu Rudolstadt 1547, nach der Erzählung Ulm 
von Schiller. L. unten bez.: H. Rüstige 1861. 

Oel, Leinwand, 229 h., 331,5 br. Phot. Hoefle. 1860 beim Künstler bestellt (nach 
einer Farbenskizze), 1861 gekauft. 

Kaiser Otto als Sieger über die Dänen. 868 
Indem er seinen Speer ins Meer schleudert, be- Sd - 
zeichnet er die Grenze Deutschlands. R. unten bez. : 
H. Rüstige. 1865. 

Oel, Leinwand, 241 h., 362 br. Phot. Hoefle. 1865 von König Karl dem Künstler 
abgekauft und der Galerie geschenkt. 



Salzer, Friedrich 

Landschaftsmaler, geb. 1827 in Heilbronn, gest. 1876 daselbst. Seit 1846 in München 
unter H. Rhomberg gebildet, seit 1863 in Heilbronn. 

Winterlandschaft. L. unten bez.: F. Salzer. 50. 869 
Die Staffage von Alex. v. Kotzebue (geb. 1815 in Tüb. 
Königsberg als Sohn des Dichters, gest. 1889 in 
München). 

Oel, Leinwand, 58,5 h., 71,2 br. 1850 von dem Maler gekauft. 



Schaumann, Heinrich 

Genremaler, geb. 1841 in Tübingen, gest. 1893 in Stuttgart. Schüler der Stuttgarter 
Kunstschule unter Neher, Rüstige und Funk. Seit 1865, abgesehen von grösseren 
Reisen, in München. 

Das Cannstatter Volksfest. Vorführung der 870 
preisgekrönten Pferde vor König Karl. Zahlreiche Td. 
Bildnisse. R. unten bez.: H. Schauman. 

Oel, Leinwand, 180 h., 370 br. 1878 vom Künstler gekauft. 



266 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Schick, Gottlieb 

Historien- und Bildnismaler, geb. 1776 (nicht 79) in Stuttgart, gest. daselbst 1812. 
1787—1794 auf der hohen Karlsschule in Stuttgart gebildet. Schüler von Hetsch 
(No. 771), neben dem er sich 1797 besonders an Dannecker anschloss. 1798—1802 
in Paris im Atelier J. L. Davids. 1802 wieder in Stuttgart. 1802—11 in Rom, wo er 
von Wächter (No. 913) und Koch (No. 794) beeinflusst wurde. In seinen letzten 
Jahren gemütskrank. 

871 David spielt vor Saul die Harfe. Illustration. 

Pb. Oel, Leinwand, 132 h., 175 br. 1843 von König Wilhelm I. überwiesen. Phot. Hoefle. 
1802—03 in Rom gemalt, das erste Bild, durch das sich Schick bekannt machte, 
dem Herzog Friedrich als Gegenleistung für die von ihm empfangene Reiseunter- 
stützung übersendet. 

872 Das Opfer Noahs. R. unten bez.: THEOPH: SCHICK. 
Pd. STUTGARDIENSIS FACIEBAT. ROMAE ANNO MDCCCV. 

Oel, Leinwand, 250 h., 327 br. Phot. Hoefle. 1804—05 in Rom für den Kurfürsten 
Friedrich gemalt, am 10. Juli 1805 dort im Pantheon ausgestellt und sehr bewundert, 
1866 von König Karl der Galerie überwiesen. 

873 Apoll unter den Hirten. Illustration. Der Gott 
Pb. unterweist die Hirten des Königs Admetos von Thes- 
salien in der Dichtkunst. 

Oel, Leinwand, 178,5 h., 232 br. Phot. Hoefle. 1806—08 in Rom gemalt. Erst 
nach Schicks Tode von dem Buchhändler Freiherrn von Cotta erworben, später 
von diesem an den König Friedrich abgetreten. 1842 von König Wilhelm I. über- 
wiesen. Stiche bei Förster und Raczynski und von G. Rist im Kunstblatt von 1820. 
Lith. von C. Schmidt. Restauriert von Rüstige. 

874 Bacchus und Ariadne. Skizze von 1810. 

Pa. Oel, Leinwand, 41 h., 41,5 br. 1861 von der Hofratswitwe Thekla Linck in Stutt- 
gart gekauft, die das Bild von ihrem Gemahl geerbt hatte. Stich von A. Gnauth in 
Haakhs Beiträgen aus Württemberg zur neueren deutschen Kunstgeschichte Tat. III. 
Beschreibung im Morgenblatt 1811 S. 55. 

875 Bildnis Danneckers. Illustration. Brustbild in 
Pb. gemalter ovaler Umrahmung. L. unten bez.: Schick. 

pinx. 1798. 

Oel, Leinwand, 64,5 h., 49,5 br. Vermächtnis der Witwe Danneckers 1868. Phot. 
Hoefle. Abgebildet in dem Prachtwerk Herzog Karl Eugen von Württemberg S. 737. 
Hervorragendes Jugendwerk des Künstlers aus der Zeit, ehe der Davidsche Klassi- 
zismus das Naturgefühl und den malerischen Sinn in ihm zurückdrängte. 

876 Bildnis der ersten Gremahlin Danneckers. 
Pa. Illustration. Unvollendet. 

Oel, Leinwand, 88 h., 67 br. Phot. Schaller. Abgebildet Zeitschr. f. bild. K. N. F. 
XVII 1906 S. 197. 1879 von den Erben Danneckers, Binder in Gmünd, gekauft. 
Wahrscheinlich das von Haakh, Beiträge aus Württ. S. XV erwähnte, damals (1863) 
im Besitz der Witwe Danneckers befindliche unvollendete Bild. Ein zweites (wie 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



267 



es scheint späteres) Exemplar derselben Komposition befand sich damals im Besitz 
der Frau Jäger zu Frankfurt a. M., einer Tochter des Kupferstechers Friedr. Müller 
aus dessen Ehe mit einer Tochter von Gottlob Rapp, dem Freunde Danneckers. 
Diese Tochter Rapps war eine Nichte der hier dargestellten ersten Gattin Danneckers 
und wurde in dessen Hause erzogen, In einem Briefe an Dannecker vom 21. Jan. 
1809 (Haakh S. 252) sagt Schick: „Ich denke mit Vergnügen an die Zeit zurück, in 
der ich das Porträt Ihrer Frau Gemahlin malte, und erinnere mich, wie ich mich mit der 
Hand plagte, die die Blumen hält, und wie ich in meiner Freude krumme Gesichter 
schnitt, die Ihre Frau Gemahlin und mich selbst lachen machten, wenn mir das 
Malen gelang." Da Frau Dannecker auf unserem Bilde keine Blumen in der Hand 
hält, kann dasselbe mit diesen Worten nicht gemeint sein. Das Bild stammt wahr- 
scheinlich vom Jahre 1802, aus der Zeit, als Schick sich zwischen seinem Pariser 
und römischen Aufenthalt in Stuttgart befand. 



Schickhardt, Karl 

Landschaftsmaler, geb. 1866 in Esslingen, 1884 — 87 Schüler der Stuttgarter Kunst- 
schule unter Grünenwald und Käppis, 1887 — 92 bei Wenglein in München (1889 und 90 
in Oberitalien). Seitdem in Stuttgart. Jährlich längere Zeit in der schwäbischen 
Alb, Bad Niedernau u. s. w. 

Aus dem Laucherttale. Abendlandschaft, r. unten 877 
bez.: K. Schickhardt. Ub. 

Oel, Leinwand, 90 h., 120 br. 1899 vom Künstler gekauft. 



Schirmer, Johann Wilhelm 

Landschaftsmaler, geb. 1807 in Jülich, gest. 1863 in Karlsruhe. 1825 in Düsseldorf, 
1826 Schüler der dortigen Akademie, seit 1827 unter W. Schadow. Mit K. Fr. Lessing 
(No. 809) befreundet und von ihm der Landschaftsmalerei zugeführt. 1831 Hilfslehrer, 
1839 Professor in Düsseldorf. 1838 in Paris, Belgien, der Normandie und der 
Schweiz, 1840 in Italien. Seit 1853 Direktor der Kunstschule in Karlsruhe. 

Biblische Landschaft. Abraham bittet um die 878 
Erhaltung Sodoms und Gomorrhas (1. Mos. 18). Sc. 

Oel, Leinwand, 61,2 h., 44,5 br. 1867 von der Witwe des Künstlers gekauft. 
Farbenskizze zu einer der biblischen Landschaften in der Nationalgalerie in Berlin 
No. 311. 



Schleich, Eduard (der Aeltere) 

Landschaftsmaler, geb. 1812 im Schloss Harbach bei Landshut, gest. 1874 in München. 
1823 Schüler der Münchener Akademie, wo er sich zuerst die älteren deutschen Land- 
schaftsmaler wie Ezdorf (No. 733), Morgenstern (No. 832) und Rottmann (No. 863) 
zum Muster nahm, seit etwa 1848 aber unter dem Einfluss von Rahl, Decamps und 
Marilhat einen Umschwung in koloristischer Richtung machte. Er studierte jetzt be- 
sonders die alten Niederländer und die Natur, reiste nach Ungarn, Italien, Frank- 
reich und den Niederlanden, Hess sich aber dann dauernd in München nieder. Erster 
Vertreter des paysage intime in Deutschland. 

Landschaft. Gegend an der Würm. R. unten 879 
bez.: Ed Schleich. Gegenstück zum folgenden. Wa, 

Oel, Birnbaumholz, 22 h., 65 br. 1872 auf der Auktion der Montmorillonschen 
Kunsthandlung gekauft. 



268 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



880 Landschaft. Bauernhütten am Walde. L. unten 
Wa. bez.: Ed Scheich. Gegenstück zum vorigen. 

Wie No. 879. 



Schmidt, Karl 

Historienmaler, geb. 1808 in Stuttgart, gest. 1892 daselbst. Schüler Joh. Qotth. 
Müllers in Stuttgart, 1827 in München unter Cornelius, 1834 in Paris unter Ingres, 
dann wieder in Stuttgart. Erfinder des sog. „Proportionsschlüssels". 

881 Christus von Pilatus dem Volke gezeigt. 

Tüb. Oel, Leinwand, 168,5 h., 133,5 br. 1861 im Tausch gegen ein anderes 1856 er- 
worbenes Bild desselben Künstlers gekauft. 



Schmidt, Theodor 

Genremaler, geb. 1855 in Stuttgart, 1870—75 Schüler der Stuttgarter Kunstschule 
unter Haeberlin. 1875 in Venedig. Wiederholt in Betzingen und im Schwarzwald. 
1876 Schüler der Münchener Akademie unter Lindenschmit, lebt in München. 

882 Postsendung. R. unten bez.: Theodor Schmidt. 
Ud. München 1894. 

Oel, Eichenholz, 25,5 h., 33,2 br. 1895 von dem Künstler gekauft. 



Schnizer, Joseph Joachim 

Schlachten- und Bildnismaler, geb. 1792 zu Weingarten (Württemberg), gest. 1870 
zu Stuttgart. 1808 — 12 Schüler der Münchener Kunstakademie, 1812 als Soldat 
Schüler Seeles, machte die Kriege 1813—15 mit, nahm aber 1816 seinen Abschied, 
um sich ganz der Malerei zu widmen. Er wurde später württembergischer Hof- 
maler, musste aber 1833 seiner liberalen Oesinnung wegen seinen Abschied nehmen. 
Von da an malte er vorwiegend Bildnisse. 

883 Kinderbildnis. Die kranke, 1826 gestorbene 
Qc Schwester des Ministers Dr. von Sick. 

Oel, Fichtenholz, 25,2 h., 20,5 br. Vermächtnis des Staatsministers Dr. von Sick 1881. 
Das Porträt galt als besonders gelungen. Abgebildet im grossen Katalog der Ber- 
liner Jahrhundertausstellung 1906 II 1567. 



Schnorr, Julius, von Carolsfeld 

Historienmaler und Zeichner, geb. 1794 in Leipzig, gest. 1872 in Dresden. Zuerst 
Schüler seines Vaters Veit Hans Schnorr, Direktors der Leipziger Kunstakademie. 
1811 — 17 Schüler der Wiener Akademie unter Füger (No. 741 a), ohne sich aber dort 
befriedigt zu fühlen. Studierte vielmehr die alten Meister und schloss sich, an- 
geregt durch seinen späteren Schwiegervater, den Landschaftsmaler Ferd. Olivier, 
der nazarenischen Richtung an. 1817 — 27 in Italien, besonders in Rom (1818), wo 
er mit Cornelius, Overbeck, Veit und J. A. Koch befreundet war und 1822 — 27 die 
Wandbilder im Casino Massimi malte. 1817 in Florenz, 1820 in Neapel, 1826 in 
Sizilien. 1827 — 46 Professor an der Kunstakademie in München, 1846—71 in der- 
selben Eigenschaft und als Direktor der Gemäldegalerie in Dresden. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



269 



Siegfrieds siegreiche Heimkehr. Er wird 884 
von König Gunther empfangen. L. unten bez. (mit Rd. 
Bleistift): 1838. 

Oel, Leinwand, 50,5 h., 60,5 br. 1893 von der Kunsthandlung von Aumüller in 
München gekauft. Hängt mit dem 1831 — 48 ausgeführten Nibelungencyklus in der 
Kgl. Residenz in München zusammen. 



Schönleber, Gustav 

Landschafts- und Seemaler, geb. 1851 in Bietigheim (Württemberg), 1870 — 73 Schüler 
von Kurtz in Stuttgart und Adolf Lier in München (No. 814). Nach längeren Studien- 
reisen in Holland, Belgien, an der Ostseeküste, Venedig, der Riviera di Levante, 
der Normandie u. s. w. liess er sich zuerst in München nieder. Seit 1880 Professor 
an der Kunstakademie in Karlsruhe, wo er noch gegenwärtig wirkt. 

Kanal beiDordrecht. Abendbeleuchtung. Illu- 885 
stration. R. unten bez.: Gr. Schönleber. Xc. 

Oel, Leinwand, 99 h., 130 br. 1884 vom Künstler gekauft. Phot. Schaller. 

Vorfrühling. R. unten bez.: Gr. Schönleber. 1902. 886 

Tempera auf leinwandähnlich präpariertem Karton, 79 h., 58 br. 1902 auf der Wb. 
nationalen Jubiläumsausstellung in Karlsruhe gekauft. Das Motiv stammt von Sers- 
heim bei Bietigheim (Blick vom Bahndamm). 



Schott, Karl 

geb. in Staufeneck, OA. Göppingen, 1840, ursprünglich Offizier, seit 1888 unter Braith 
und L. Braun zum Maler ausgebildet. Lebt seit 1895 als Oberstleutnant a. D. in 
Stuttgart. 

Aus der Schlacht bei Villiers. R. unten 887 
bez.: K. Schott. 1901. Tc. 

Oel, Leinwand, 78 h., 137 br. Geschenk Sr. Majestät König Wilhelms 11. 1901. 



Schräder, Julius 

Historien- und Bildnismaler, geb. 1815 in Berlin, gest. 1900 daselbst. Schon 1829 
Schüler der Berliner Akademie, 1834 Hilfslehrer, 1837 — 44 Schüler der Düsseldorfer 
Akademie unter W. Schadow, machte Studienreisen nach den Niederlanden, wo ihn 
die belgischen Koloristen Gallait und de Biefve beeinflussten , und Frankreich. 
1844 — 47 in Italien. Es folgten Reisen nach England, Holland und Belgien. 1851 
in Berlin, 1852 Professor, 1856—92 Lehrer an der Akademie daselbst. Seit 1883 
vorwiegend Bildnismaler. Später erblindet. 

Der junge Shakespeare vor dem Friedens- 888 
rieht er, wegen Wildfrevels verklagt. L. unten bez.: Sb. 
Julius Schräder. 1872. 

Oel, Leinwand, 134 h., 188,6 br. 1869 begonnen, 1871 beim Künstler (nach der 
Farbenskizze) bestellt, 1872 vollendet. 



270 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Schuch, Karl 

Genre- und Stillebenmaler, geb. 1846 in Wien, gest. 1903 daselbst. Schüler der 
Wiener Akademie, 1869 in München, mit Thoma und Trübner befreundet, Schüler 
Leibis, den er nach Paris begleitete, dort auch unter dem Einfluss Courbets. 
Mit Trübner 1872 in Italien und den Niederlanden. In Rom wirkte Marpes auf ihn 
ein. Seit 1898 schwer krank. 

888a Stilleben. Käse, Aepfel, Flaschen. R. unten 
Xc bez.: C. Schuch. 

Oel, Leinwand, 60,5 h., 72,5 br. 1906 von der Kunsthandlung von Ed. Schulte in 
Berlin gekauft. 

888b Pfingstrosen. 
X b 

' Oel, Leinwand, 63 h., 78,2 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 1906 aus 
Wiener Privatbesitz gekauft. 



Schultheiss, Natalie 

geb. 1865 in Wien, Schülerin der Kunstgewerbeschule in München. Lebt in München, 
wo sie ein Schüleratelier leitet. 

889 Fische. R. unten bez.: N. Schultheiss. 

Tüb. Oel, Leinwand, 81,5 h., 130,5 br. 1899 auf der Ausstellung des württembergischen 
Malerinnenvereins in Stuttgart gekauft. 



Schüz, Theodor 

Genre- und Landschaftsmaler, geb. 1830 in Thumlingen, OA. Freudenstadt, gest. 
1900 in Düsseldorf. 1848—54 Schüler der Stuttgarter Kunstschule unter Rüstige, 
Neher und Steinkopf. 1855 in München, anfangs allein, 1857 als Schüler von Piloty, 
1858 mit diesem, dessen Bruder Ferdinand, Lenbach (No. 807) und K. Ebert (No. 729) 
in Italien, besonders Rom. Seit 1866 in Düsseldorf. 

890 Mittagsgebet bei der Ernte. Auf einem 
Wc. Stein in der Mitte bez.: TS (verschlungen) 1861. 

Oel, Leinwand, 108,5 h., 172,5 br. Sein bestes Bild. Motiv aus dem 104. Psalm 
„Erinnerung an das Jahr 1860". 1862 von dem Künstler gekauft. Photogravüre 
Bruckmann (Mitgliederblatt des Vereins f. christl. Kunst d. evangel. Kirche Württem- 
bergs 1901). Stich von Fr. Zimmermann und Falkner in München. Dav. Koch, Theodor 
Schüz 1905 S. 65. Berliner Jahrhundertausstellung 1906. Kunst für Alle XXI, 339. 
Mehrere Studien dazu befanden sich auf der vorbereitenden württembergischen Aus- 
stellung der Berliner Jahrhundertausstellung. Vgl. K. Lange, Th. Schüz, Frankfurter 
Zeitung 2. Nov. 1905 No. 304. 

890a Predigtzuhörer vor der Kirche. L. unten 
Wc bez.: Th. Schüz 1858. 

Oel, Leinwand, 78,5 h., 63 br. 1906 von Frau Bankdirektorswitwe Xavrel-Zeller 
in Berlin gekauft. Abbildung Gartenlaube 1907 und Koch S. 61. 63. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 271 



Schwind, Moritz (Ludwig) Ritter von 

Historienmaler, Märchenillustrator u. s. w., geb. in Wien 1804, gest. in München 1871. 
1821 — 23 Schüler von Ludwig von Schnorr, Peter Krafft und Leopold Kupelwieser 
in Wien, 1828 — 34 in München an der Akademie und unter Cornelius, 1834 wieder 
in Wien. 1835 in Italien, 1836—39 in München und Wien, 1840—44 in Karlsruhe, 
1844 — 47 in Frankfurt a. M. als Lehrer der Historienmalerei am Städelschen Institut, 
seit 1847 in München Professor an der Akademie, 1854(55 Sommers auf der Wart- 
burg, 185b in Paris. Seit 1856 im Sommer am Starnberger See. 

Vater Rhein mit seinen Nebenflüssen. Illu- 890b 

stration. Ra - 

Oel, Pappe, 42,7 h., 77 br., die Ecken abgestumpft. Eigentum des Stuttgarter 
Galerievereins, Stiftergeschenk des Geheimrats Stieler in Berlin 1906. Abgebildet 
bei Otto Weigmann, Schwind (Klassiker d. Kunst IX 1906) S. 219 mit der Datierung 
„um 1846". Die Skizze war bestimmt für das Wandgemälde, das die Trinkhalle in 
Baden-Baden schmücken sollte. Im Jahre 1843 zeichnete Schwind den jetzt im 
Städelschen Institut zu Frankfurt a. M. befindlichen Karton (Weigmann S. 218, 
Zeitschr. f. b. K. 1876 XI). Er unterlag aber in der Konkurrenz. An Stelle des 
nicht zustande gekommenen Wandgemäldes führte er später zwei etwas ab- 
weichende Redaktionen in Oel aus, eine 1865 für den Grafen von Schack, die sich 
jetzt in der Schack-Galerie in München befindet (Weigmann S. 431), und eine für 
Raczynski, die jetzt mit der Raczynskischen Gemäldesammlung im Kaiser Friedrich- 
Museum in Posen hängt (Weigmann S. 258). Eine Vergleichung der verschiedenen 
Redaktionen ist ästhetisch sehr interessant. Die Oelskizze stellt die einfachste 
Fassung dar. Ihr steht der Karton, wenn auch schon etwas reicher, doch am 
nächsten. Die späteren Bilder zeigen Erweiterungen und Veränderungen, die nicht 
als Verbesserungen zu bezeichnen sind. Ich gebe die abgekürzte Beschreibung in 
einem Briefe Schwinds an Schober vom Jahre 1850 (Holland S. 13, Haack, 
Schwind 72): „Der Rhein die Fiedel des Volker spielend und die Rheinsagen 
singend" (die Fiedel ist hier nur angedeutet). „Die Nixen um ihn tragen den 
Nibelungenhort, dabei der mit der Tarnkappe den verhängnisvollen Ring und 
Gürtel. Am Ufer sitzt Speyer mit den Kaisergräbern als Geschichte. Die Flüsse 
sind : Die liier (soll heissen III) als Französin allein schwimmend mit dem Strass- 
burger Münster, die alemannischen Flüsse: Dreisam mit dem Freiburger Münster, 
aus dem Schwarzwald kommend, in ihrem Schatten die Murg mit dem Schloss 
Eberstein. Mit dem Buch unter dem Arm (Hebels Gedichte) die von ihm besungene 
Wiesen. Die Oos mit dem Apfelzweig, die Trinkhalle von Baden tragend. Der 
studentenhafte Neckar, am Pedellenstab das Pfälzer und Württemberger Wappen als 
Anspielung auf die Heidelberger und Tübinger Universität tragend, neben ihm der 
Main, den Frankfurter Römer haltend. Der Donau-Main-Kanal mit der Kelheimer 
Befreiungshalle" u. s. w. 



Simanowiz, Ludovike 

Bildnismalerin, geb. 1759 in Schorndorf (Württemberg), gest. 1827 in Ludwigsburg, 
eine geborene Reichenbach, Freundin Schillers und Schubarts, bekannt durch ihr 
Schillerporträt im Schillermuseum zu Marbach. Zuerst in Stuttgart Schülerin von 
Guibal (No. 398), dann 1 787 (?)— 1790 (?) in Paris von Vestier unterrichtet, dort auch 
mit Wächter (No. 913) bekannt. In Ludwigsburg mit dem Leutnant Franz Simanowiz, 
einem Freunde Schubarts, verheiratet. 1791 wieder in Paris, um ihre Studien fortzu- 
setzen, 1793 — 98 in Ludwigsburg, 1798 — 1812 in Stuttgart, dann wieder in Ludwigsburg^ 

Bildnis des Malers Eberhard Wächter. 891 
Brustbild mit steifem Hut und .Revolutionskokarde. Pd. 

Oel, Leinwand, 59 h., 47 br. Vermächtnis der beiden Töchter Wächters, Frl. The- 
resie und Crescenz Wächter. Offenbar in Paris während der Revolutionsjahre gemalt. 



272 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Slevogt, Max 

geb. 1868 zu Landshut in Bayern, 1885 — 89 Schüler der Münchener Akademie unter 
W. Diez und Joh. Herterich, ausserdem durch den Verkehr mit Ad. Gebhard und 
Rob. Breyer (No. 709 a) angeregt, 1889 in Paris in der Acade'mie Julian, machte dann 
Studienreisen nach Dänemark und Italien und Hess sich darauf in München nieder. 
Seit 1901 in Berlin. Mitglied der Sezession. 

891a Das Champagnerlied. Illustration. R. unten 
Ua. bez.: Slevogt 1902. Auch „Der weisse d'Andrade" 
genannt (Porträt des portugiesischen Opernsängers 
Fr. d'Andrade in einer Szene des Don Juan). 

Oel, Leinwand, 215 h., 160 br. 1904 vom Künstler gekauft. Phot. Schaller. Ab- 
gebildet Kunst f. Alle XVII (1902) 435. Dreifarbendruck in Seemanns „Meistern der 
Farbe". 



Sperl, Johann 

Genre- und Landschaftsmaler, Freund Leibis, geb. 1840 in Buch bei Nürnberg, zu- 
erst bei einem Lithographen in Nürnberg und gleichzeitig 1860 — 63 Schüler der 
dortigen Kunstgewerbeschule unter Kreling. 1863 in Arnstadt (Thüringen). 1865 — 73 
Schüler der Münchener Akademie unter Anschütz und besonders Ramberg. Nach 
des letzteren Tode (1875) schloss er sich eng an Leibi an, mit dem er, nachdem 
derselbe München verlassen hatte, dauernd zusammenlebte, zuerst in Schorndorf 
und Berbling, dann in Aibling und Kutterling. Wohnt jetzt in Aibling. 

891b Landhaus. R. unten bez.: I. Sperl. 

Xa. Oel, Leinwand auf Pappe, 41 h., 29,5 br. 1903 vom Geh. Hofrat Ernst Seeger in 
Berlin geschenkt. 



Speyer, Christian (Georg) 

Schlachten- und Pferdemaler, geb. 1855 in Vorbachzimmern, OA. Mergentheim. 
1873—80 Schüler der Stuttgarter Kunstschule, 1876—80 unter Haeberlin. 1881—82 
in Italien, 1882 mit dem Afrikareisenden Dr. Nachtigall in Tunis, 1883 in München, 
1885 in Berlin, 1887 in Paris, machte zwischendurch Reisen nach Wien, Düsseldorf 
und Oberitalien. Lebte bis 1901 in München, seitdem als Professor an der Aka- 
demie in Stuttgart. 

892 Württembergische Reiter bei Wörth. Er- 
Ya. beutung französischer Geschütze am Abend nach der 
Schlacht. L. unten bez.: Chr. Speyer. 1896. 

Oel, Leinwand, 116,5 h., 213 br. 1895 bei dem Künstler bestellt, 18% gekauft. 

892a Reiter mit Hund. L. unten bez.: Chr. Speyer. 

Ya. Oel, Leinwand, 150,5 h., 120,5 br. 1906 von dem Künstler gekauft. 



Spitzweg, Karl 



Genre- und Landschaftsmaler, humoristischer Zeichner, geb. 1808 in München, gest. 
1885 daselbst. Zuerst Apotheker, ging aber 1833 auf Antrieb des Malers Hansonn, 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



273 



mit 25 Jahren zur Malerei über. Unter Anregung von Rahl, Ed. Schleich (No. 879) 
und Hermann Dyck (No. 728) bildete er sich im wesentlichen autodidaktisch nach 
der Natur weiter. War in Italien. 1851 mit Ed. Schleich in Paris, London und Ant- 
werpen, wo er den Einfluss der französischen Koloristen und der Niederländer des 
17. Jahrhunderts erfuhr. Freund Schwinds. 

Gebirgslandschaft. L. unten bez.: S mit einer 893 
Raute verschlungen. Xb. 

Oel, Leinwand, 20 h., 29,5 br. 1888 vom Kunstverein in Stuttgart gekauft. 

Aschermittwoch. Ein als Harlequin Verkleideter 894 
sitzt im Gefängnis. Xb 

Oel, Cedernholz, 21 h., 14 br. 1888 vom Kunstverein gekauft. Auf der Rückseite 
wie oben bezeichnet. 

Der Alchymist. Bez. wie oben. 895 

Oel, Leinwand, 3b h., 38 br. Vermächtnis der Königin Olga 1892. Nc. 

Stadler, Toni 

Landschaftsmaler, geb. 1850 in Goellersdorf (Niederösterreich), lebt in München. 
Erst Mediziner, seit 1873 Maler. In Berlin von Paul Meyerheim gefördert. 1878 
in München Schüler von Louis Neubert und Gust. Schönleber, studierte die Natur und 
die alten Holländer. 

Fernsicht. Oberbayrische Landschaft mit Blick 895a 
auf die Alpenkette. E. unten bez.: T Stadler M. 1905. Wc. 

Oeltempera, Leinwand, 84,5 h., 76,5 br. 1906 vom Künstler gekauft. 



Starker, Erwin 

Landschaftsmaler, geb. 1872 in Stuttgart, 1887 Schüler der Stuttgarter Kunstschule 
unter Käppis, 1891 ein halbes Jahr in Karlsruhe bei Schönleber, dann wieder in 
Stuttgart, 1894 in Paris. Machte Reisen nach Holland, Belgien, Wien, Steiermark, 
Berlin, Dresden u. s. w. 1895 ein Jahr lang in München, seit 1896 wieder in Stuttgart. 

Das Maas-Tal bei Dinant. R. unten bez.: 896 
Erwin Starker üb. 

Pastell auf Leinwand, 65,5 h., 100 br. 1901 vom Künstler gekauft. 



Steinkopf, Johann Friedrich (der Aeltere) 

Tier- und Landschaftsmaler, geb. 1737 in Oppenheim a. Rh., gest. 1825 in Stuttgart. 
Zuerst Porzellanmaler in Frankental und (1759) in Ludwigsburg, dann um 1775 in 
Stuttgart, wo er 1786 Zeichenlehrer am Gymnasium wurde. Nach den holländischen 
Tiermalern gebildet. Seit 1802 Hofmaler Herzog Friedrichs. 

Landschaft mit Kuhherde. 897 

Oel, Eichenholz, 33,8 h., 47,5 br. Geschenk eines Enkels des Künstlers, des Qd. 
Malers Julius Steinkopf in Stuttgart 1860. 

18 



274 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Steinkopf, Gottlob Friedrich 

Landschaftsmaler (Vertreter der historischen oder heroischen Landschaft), geb. 1779 
in Stuttgart, gest. 1860 daselbst. Schüler seines Vaters (No. 897) und des Kupfer- 
stechers Joh. Friedr. Leybold, 1799—1807 in Wien, 1807—14 in Rom, dann wieder 
in Wien, seit 1821 in Stuttgart. Später Professor und zuletzt Direktor an der 
dortigen Kunstschule. 

898 Heroische Landschaft mit Cheiron und Achill. 
Tüb. R,. unten bez.: Gr: Steinkopf p: 

Oel, Leinwand, 73,5 h., 103,7 br. Geschenk des Sohnes des Künstlers, des 
Malers Julius Steinkopf in Stuttgart 1860. Vollendet 1822. 

899 Die elyseischen Gefilde. Landschaft. 

Qa. Oel, Leinwand, 107,5 h., 151,5 br. 1843 auf der Stuttgarter Kunstausstellung gekauft. 

Steppes, Edmund 

Landschaftsmaler, geb. 1873 in Burghausen (Oberbayern), Schüler der Münchener 
Akademie, die er schon nach zwei Semestern verliess. Bildete sich autodidaktisch, 
besonders durch das Studium der altdeutschen Meister weiter, erfuhr durch A. Lang, 
E. Lugo und H. Thoma Anregungen, machte weite Reisen in Deutschland, der Schweiz 
und Oberitalien. Lebt in München. 

899a Die letzte Stunde des Tages. Abendland- 
Wb. schaft. R. unten bez.: Edmund Steppes München 1905. 

Mit Eitempera auf Kreidegrund untermalt, mit Oelfarben vollendet. Leinwand, 
68 h., 82,5 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. 1906 vom Künstler gekauft. 

Stirnbrand, Franz Seraph 

Bildnismaler, geb. um 1788 an der österreichisch-kroatischen Grenze, gest. 1882 in 
Stuttgart, Sohn eines kroatischen Soldatenweibes. Von Hetsch zur Malerei er- 
muntert, 1805 bei einem Dekorationsmaler in Linz, hier von dem Maler Anton 
Hitzenthaler unterrichtet, sonst autodidaktisch gebildet. In Frankfurt a. M. kopierte 
er alte Bilder und Stiche. Von dort nach Stuttgart, 1816 in seiner Heimat. Liess 
sich nach vorübergehendem Aufenthalt in Karlsruhe wieder in Stuttgart nieder. Hier 
vom Herzog Wilhelm von Württemberg und dessen Söhnen, sowie von König 
Wilhelm I. gefördert. 1820 reiste er nach Belgien und Paris und von da über 
Luxemburg und Trier nach Karlsruhe, wo er vier Jahre blieb. 1824 — 25 in Italien, 
besonders Rom. Dann in Ludwigsburg, wo er im Auftrag der Königin-Witwe Char- 
lotte Mathilde arbeitete und Porträts mehrerer Mitglieder der Kgl. Familie malte. 
Seit 1830 in Stuttgart als angesehener Porträtmaler. 

900 Bildnis der Herzogin Pauline v on Nassau, 
Qd. geb. Prinzessin von Württemberg (1810 —1856). Kleines 

Brustbild. 



Oel, Eisenblech, 28 h., 23,2 br. Vermächtnis des Künstlers 1882. Auf der Rück- 
seite bez.: Stirnbrand pinx: 1827. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



275 



Bildnis des Stuttgarter Hofkapellmeisters 901 
iind Komponisten Lindpaintner (1791 — 1856). Qc. 
Kleines Brustbild. 

Oel, Le inwand, 22,5 h., 18,5 br. Vermächtnis des Malers Blanckarts 1883 (vffl 
Wo. 691). v s " 

Bildnis desSchauspielers Seydelmann. Kleines 902 
Kniestück, sitzend. Qd. 

Oel, Eisenblech, 30,5 h., 24,3 br. Vermächtnis der Erben des Künstlers 1882. 



Strecker, Wilhelm 

Historienmaler, geb. 1795 in Stuttgart, gest. 1856 daselbst. 1844—56 Inspektor der 
Stuttgarter Gemäldegalerie und Restaurator. Vgl. S. 20 und 24. 

Semele und Juno. L. unten bez.: W. Strecker fec. 903 

Oel, Leinwand, % h., 76 br. 1857 von der Witwe des Künstlers gekauft. Qd. 



Stuck, Franz 

Maler, Bildhauer, Radierer und Zeichner, geb. 1863 zu Tettenweis in Niederbayern, 
1882—84 Schüler der Münchener Akademie. Zuerst kunstgewerblicher Zeichner und 
illlustrator, dann Maler, jetzt Professor an der Münchener Akademie. 

Kreuzigung. Illustration. L. das Selbstporträt 903a 
des Malers im Profil. R. unten bez.: FRANZ STVCK. Yb. 

Tempera Leinwand, 253 h., 282 br. Phot. Schaller. 1903 aus der Sammlung 
des Kommerzienrats Henneberg in Zürich gekauft. 1892 gemalt. Abbildung bei 
.Bierbaum, Stuck S. 59. Kunstchronik N. F. XIV 1902|3 S. 252. 

Selbstbildnis. R. unten bez.: FRANZ STVCK 904 
1900. Xb. 

Tempera, Buchenholz, 31,5 h., 27 br., achteckig. 1900 von der Fleischmannschen 
-Kunsthandlung in München gekauft. 

Weiblicher Kopf. Brustbild, von roten Rosen 905 
«ingefasst. R. bez.: FRANZ STVCK 1901. Xa. 

Tempera, Lindenholz, 54 h., 51,5 br. 1902 von dem Kgl. dänischen Konsul Julius 
Neuburger in München geschenkt. 



Thoma, Hans 

geb. 1839 zu Bernau im badischen Schwarzwald, 1859 Schüler der Karlsruher Kunst- 
schule unter J. W. Schirmer, 1867—68 in Düsseldorf und Paris, hier besonders durch 
Courbet angeregt. 1870 in München, 1874 in Italien. 1877—99 mit mehreren Unter- 
brechungen in Frankfurt a. M., seit 1898 Professor an der Kunstakademie in Karls- 
ruhe, seit 1899 Direktor der Kunsthalle daselbst. 



276 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



906 Landschaft vom Oberrhein. Illustration. Motiv 
Yc. aus der Nähe von Säckingen. L. unten bez.: H Th 

(verschlungen) 1888. 

Oel, Leinwand, 160,5 h., 115,5 br. Phot. Schaller. 1902 von der Kunsthandlung 
Schneider in Frankfurt a. M. gekauft. 

907 Quellnymphe. Rechts unten bez.: H Th (ver- 
Xc schlungen). 88. 

Tempera auf Karton, 74,3 h., 62 br. 1898 von der Kunsthandlung Hermes & Co.. 
in Frankfurt a. M. gekauft. 



Tiesenhausen, Paul von 

Seemaler, geb. 1837 auf dem Gute Itfer in Estland, gest. 1876 in München. Nach 
dem Krimkriege, den er in der russischen Armee mitmachte, 1859 Schüler der 
Münchener Akademie unter Karl Miliner, seit 1869 Adolf Liers. 

908 An der Ostsee. L. unten bez.: P. v Tiesenhausen. 
Ulm 1872. 

Oel, Leinwand, 78 h., 155,5 br. 1874 von der Montmorilionschen Kunsthandlung 
in München gekauft. 

Trübner, Wilhelm 

geb. 1851 in Heidelberg, auf A. Feuerbachs Veranlassung 1867 Schüler der Karls- 
ruher Kunstschule, wo er sich besonders an Canon (No. 719) anschloss, mit dem 
er 1869 nach Stuttgart übersiedelte. Dann in München Schüler von A. v. Wagner und 
W. Diez, besonders aber mit Leibi (No. 805) befreundet, der als sein Hauptlehrer 
anzusehen ist. Auch von Thoma angeregt. Nach längeren Reisen mit Schuch 
(No. 888 a) in Italien ( 1872), England und den Niederlanden (1873) liess er sich zuerst 
in München, dann 1896 in Frankfurt a. M. nieder, wo er vorübergehend als Professor 
am Städelschen Institut wirkte. Seit 1903 Professor in Karlsruhe, seit 1904 Inhaber 
eines Meisterateliers an der dortigen Akademie. 

909 An der Quelle. Knabe mit Schnapsflasche am 
Xc. Büffet. L. oben bez.: Wilh. Trübner 3. 1872. 

Oel, Leinwand, 55,5 h., 46,6 br. 1896 auf der internationalen Kunstausstellung in 
Stuttgart gekauft. Abgebildet Zeitschr. f. b. K. N. F. XII 1901 S. 278. Katalog der 
Jahrhundertausstellung, Berlin 1906 No. 1835. Auf derselben Jahrhundertausstellung 
befand sich unter No. 1595 ein Bild von K. Schuch (vgl. No. 888 a), das gleichzeitig 
nach demselben Modell gemalt war. (Abgebildet Kunst f. Alle XXI, 358.) 

909a Alte Frau. Illustration. R. oben bez.: Wilhelm 
Xb. Trübner. 

Oel, Leinwand, 68 h., 63,5 br. 1905 vom Künstler gekauft. Abgebildet Jahrbuch 
d. bild. Kunst 1904 S. 49. 

Uhde, Fritz von 

geb. 1848 in Wolkenburg (Königreich Sachsen). Der Besuch der Dresdener Aka- 
demie verleidete ihm die Kunst und er wurde Offizier, als welcher er den Feldzug 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



277 



1870|71 mitmachte. Als Rittmeister gab er diesen Beruf auf und wurde wieder Maler. 
1877 in München, 1879—80 in Paris, wo er Schüler Munkäczys war und durch die alten 
Holländer und die modernen Franzosen angeregt wurde. Seitdem Hess er sich in 
München nieder, wo er ohne amtliche Verpflichtung seiner Kunst lebt. 

Das letzte Abendmahl. Illustration. L. unten 910 
bez.: F v ühde. Yd - 

Oel, Leinwand, 280 h., 249,5 br. 1899 auf der Münchener Sezessionsausstellung 
in Stuttgart gekauft. Phot. Gesellschaft. Phot. Schaller. 

Schwerer Gang. Joseph (als Zimmermann) und910a 
Maria. Winterabend. L. unten bez.: F. v Uhde 94. üc. 

Oel, Leinwand, 130,6 h., 168,8 br. 1906 von Frau Geh. Kommerzienrat Julie 
•von Siegle dem Stuttgarter Galerieverein leihweise überlassen. 

Drei Bauernkinder. Etwas unterlebensgross. 910b 
Studie zu dem von 1884 stammenden Bilde „Lasset Uc 
die Kindlein zu mir kommen" im Leipziger Museum. 
L. unten bez.: F. v. Uhde. 

Oel, Leinwand, 137 h., 102,5 br. 1907 von der Miethkeschen Kunsthandlung in 
Wien gekauft. Die Figuren haben in dem Bilde keine genaue Verwendung gefunden. 

Volkmann, Hans von 

Landschaftsmaler, Steinzeichner und Illustrator, geb. 1860 in Halle a. S., Sohn 
des Chirurgen Rieh, von Volkmann (Leander). 1880—88 Schüler der Düsseldorfer 
Akademie, zuletzt unter E. von Gebhardt. 1888 in Dachau, 1889—93 bei G. Schön- 
Jeber in Karlsruhe, 1893 mit diesem in Italien, lebt als Professor in Karlsruhe. 
Hauptstudienplätze: Eifel und Hessen. 

Landschaft mit Schafherde. L. unten bez.: 911 
HR. v. Volkmann 1892. Wessling. Wb. 

Oel, Leinwand, 52 h., 64,2 br. 1894 vom Künstler gekauft. 

Voltz, Friedrich 

Tiermaler, geb. 1817 in Nördlingen, gest. 1886 in München. Schüler seines Vaters, 
des Illustrators Joh. Mich. Voltz, 1834 in München Schüler Albr. Adams und der 
alten Niederländer, auf Reisen in Italien, Frankreich und England weitergebildet, 
später Professor der Akademie in München. 

Viehherde auf der Alm. R. unten bez.: Friedr. 912 
Voltz. pinx. 1846. Sd - 

Oel, Leinwand, 105,5 h., 142,5 br. 1846 auf der Kunstausstellung in Stuttgart gekauft. 

Wächter, Eberhard 

Historienmaler, geb. 1762 in Balingen, gest. 1852 in Stuttgart. 1773 auf der hohen 
Karlsschule, zuerst als Jurist und Kameralist, dann als Maler. 1781—83 Schüler 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



Harper und Guibai, 1784 in Mannheim, wo er Studien im Antikensaal und der Ge- 
mäldesammlung machte, 1785—93 in Paris unter dem Klassizisten Jean Baptiste 
Regnault, dann wieder in Stuttgart. 1793—98 in Rom, wo er im Kreise der Klassi- 
ztsten Koch, Weinbrenner, Fernow und Carstens verkehrte und 1795 oder % zurr» 
Katholizismus übertrat. 1798—1808 in Wien, von da bis zu seinem Tode in Stuttgart 
wo er Inspektor der Kupferstichsammlung und Mitglied der Kunstschuldirektion 
wurde. Seit 1839 malte er nicht mehr. Viele seiner Kompositionen hat er mehr- 
mals gemalt, so dass eine Datierung seiner Bilder nicht immer leicht ist. 

913 Hiob und seine Freunde. Illustration. Lebens- 
Pb. grosse Figuren. L. unten bez.: Lib: Job. cap. I. 

Oel, Leinwand, 194,6 h., 274,5 br. Phot. Hoefle. 1836 vom Maler gekauft Seit» 
Hauptwerk. Die Erfindung des Bildes, das Wächter selbst zu seinen weniger 
schlechten" rechnete, geht noch in die römische Zeit zurück, als der MaTer unter 
dem Einfluss von Carstens (f 1798) stand. Eine Zeichnung dazu war schon 1797 
fertig, und noch in Rom wurde das Bild angefangen. Die Prophezeihung von 
Carstens, dass der Maler mit dieser Komposition sein Glück machen werde, sollte 
nicht in Erfüllung gehen. Er hielt nicht, was er damals versprach, und erst 1835 
gelang es ihm, das 1824 vollendete Bild zu verkaufen. Der Karton, der 1807 irt 
Wien ausgestellt wurde, ist 1806 von C. H. Rahl radiert worden. 

914 Hiob und seine Freunde. Farbenskizze zum 
Pb. vorigen. 

Oel, Leinwand, 31,5 h., 38 br. 1887 vom Freiherrn von Dreifus in Stuttgart gekauft. 

915 Der Löwe von Florenz. 

Pa. Oel, Leinwand, 57,5 h., 77 br. 1870 von König Karl überwiesen. Gemalt 1817. 

916 Der Kahn des Lebens. 

Pc. Oel, Leinwand, 51 h., 72,8 br. Vermächtnis des 1859 verstorbenen Oberfinanzrats 
Paul von Sick, 1872 der Galerie überwiesen. 1821 gemalt, Wiederholung eines 1820 
entstandenen Bildes. 1872 von Rüstige restauriert. 

917 Odysseus und die Sirenen. 

Pb. Oel, Holz, 27 h., 35 br. 1887 vom Freiherrn von Dreifus in Stuttgart gekauft. 
Wahrscheinlich identisch mit dem 1819 für den Buch- und Kunsthändler Samuel 
Liesching gemalten Bilde. 

918 Amor als Ehestifter. R. oben bez.: XXXI. OCT. 
Pa. MDCCCXXV. E. am Postament sein Zeichen, ein 

Schlüsselbund („Wächter") und darunter ein W. 

Oel, Holz, 27 h., 41,5 br. Auf der Rückseite ein Zettel mit der Aufschrift : „Meinem 
treuen Freund und Gevatter Herrn Carl Ebert Maler zu lebenslänglichem Vergnügen 
von seinem Freund F. Maurer." 1885 auf der Auktion des Nachlasses des Malers 
Karl Ebert in München (No. 729) gekauft. 

919 Andromache an der Urne Hektors trauernd. 

Pc. Oel, Leinwand, 91,5 h., 115 br. Vermächtnis der Töchter des Künstlers, Fräulein 
Theresia und Crescenz Wächter 1894. Vor 1825 gemalt. Eine Zeichnung dazu ent- 
stand schon 1806 in Wien. Haakh S. 334. Kunstblatt 1830, No. 98, S. 391. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 279 



Der Flussgott Meies. Auf der Leier das grie- 920 
chische Wort Melesis (?). Pc - 

Oel, Leinwand, 52 h., 69 br. 1898 vom Obersteuerrat Haas in Ulm gekauft. 1830 
emalt. Die frühere Bezeichnung „Homer am Ufer des Stromes Meies" ist offenbar 
irrig. Sie beruht auf einer Verwechslung mit einem 1826 gemalten Bilde. Vgl. Kunst- 
tt 1830 No. 98 S. 391. 

Die trauernde Muse auf den Trümmern 921 
Athens. Ulm 

Oel, Leinwand, 73 h., 83 br. 1830 gemalt, früher im Besitze Danneckers. Ver- 
mächtnis von dessen Witwe 1869. Vgl. Kunstblatt 1830, No. 98, S. 391. 

Herkules am Scheidewege. 922 

Oel, Leinwand, 87 h., 109 br. 1834—36 auf Bestellung gemalt. Wurde von der TOb. 
Kritik schlecht aufgenommen. 

Die vier Jahreszeiten. 923 

Oel, Leinwand, 85 h., 74,2 br. 1889 auf der permanenten Kunstausstellung von Minist. 
Herdtie und Peters in Stuttgart gekauft. Undatiert, nach Wintterlin S. 169 vermut- 
lich aus der späteren Zeit. Doch spricht Wächter schon 1806 von Hören, die einen 
besonderen Reiz für ihn hätten (Haakh, Beiträge S. 337). Wintterlin S. 168 setzt die 
Hören frageweise ins Jahr 1811. 

Bacchus und Amor. Grisaille. 924 

Oel, Leinwand, 32,5 h., 39 br. Phot. Hoefle. 1885 auf der Auktion des Nachlasses Pa. 
des Malers Karl Ebert in München gekauft. 

Der singende Bacchus. Nach der Ode desHoraz: 925 
„Bacchum in remotis". R. unten bez.: Horat. Carm: Pc 
Lib: II (etc.?). Aus der Wiener Zeit. 

Oel, Leinwand, 60 h., 72,6 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

Der Nachen des Charon. 926 

Oel, Leinwand, 56 h., 71,5 br. 1887 von Freiherrn von Dreifus in Stuttgart gekauft. Ulm 

Kampf der Artemis mit den Kentauren. 927 

Oel, Leinwand, 57 h., 77 br. 1870 von König Karl überwiesen. p C 

Amor, Brustbild mit Fackel und Altar. 928 

Oel, Eisenblech, 26 h., 21,5 br. Auf der Rückseite von Wächters Hand: Meinem Pa. 
1. Töchterlein Creszenz. E.Wächter. 1894 testamentarisch von den beiden Töchtern 
des Malers vermacht. 

Der dichtende Virgil von Landleuten beobachtet. 929 

Oel, Leinwand, 74 h., 90 br. Geschenk der Gräfin Sophie von Scheler 1892. Pc. 
Nach Wintterlin S. 169 aus früherer Zeit. 



280 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



930 Maria am G-rabe Christi. 

Pa. Oel, Leinwand, 48 h., 55 br. Geschenk der Gräfin Sophie von Scheler 1892. 
Eine ähnliche Komposition aus der Wiener Zeit schon 1806 von C. Rahl gestochen. 



Werner, Anton von 

Historienmaler, geb. 1843 in Frankfurt a. 0., 1859—62 Schüler der Berliner Akademie, 
1862—67 auf der Karlsruher Akademie unter K. F. Lessing (No. 809) und Ad. Schröter^ 
1867 in Paris, 1868—69 in Italien, 1870/71 im Hauptquartier zu Versailles, seit 1873 
Professor, seit 1875 Direktor der Akademie für bild. Künste in Berlin. 

931 Luther auf dem Reichstage zu Worms. L. 
Tc unten bez.: A v W 1877. 

Oel, Leinwand, 66 h., 125 br. 1883 von dem Verlagsbuchhändler Schauenburg in 
Lahr gekauft. 



Windmaier Anton 

Landschaftsmaler, geb. 1840 zu Pfarrkirchen in Niederbayern, gest. 1896 in München. 
1862 Dekorationsmaler in München, dann autodidaktisch weitergebildet. In den 
letzten 20 Monaten seines Lebens gelähmt und halb erblindet. 

932 Winterabendlandschaft. L. unten bez.: A.Wind- 
Ulm maier. 

Oel, Leinwand, 56,5 h., 84,7 br. 1894 auf der Fleischmannschen Auktion in Frank- 
furt a. M. gekauft. 



Wolff, Eugen 

geb. 1873 zu Filseck, OA. Göppingen (Württemberg), Schüler der Stuttgarter Kunst- 
schule, später der Akademien von Karlsruhe und München unter Zügel (No. 938). 
Machte Studienreisen in Norddeutschland und Holland. Lebt in Hechingen. 

932a Alter Gang. ß. unten bez.: E. WOLFF. 

Xc. Oel, Leinwand, 100 h., 75 br. 1906 vom Künstler gekauft. 



Wüst, (Johann) Heinrich 

Landschaftsmaler, geb. 1741 in Zürich, gest. 1821 daselbst, bildete sich in Schaff- 
hausen bei Jak. Maurer und in den Niederlanden durch das Studium der alten 
Holländer, besonders Ruisdaels und Hobbemas, ging dann zwei Jahre nach Paris 
und kehrte 1769 nach Zürich zurück. 

933 Baumlandschaft. L. unten bez.: Hch Wüst 181 
Sa. (die letzte Zahl fehlt). Gegenstück zum folgenden. 

Oel, Fichtenholz, 36 h., 43 br. 1843 aus Ludwigsburg. 

934 Hügellandschaft. R. unten Spuren einer ße- 
Sa. Zeichnung. Gegenstück zum vorigen. 

Oel, Fichtenholz, 36 h., 43 br. 1843 aus Ludwigsburg. 



X. Deutsche Schule des 19. Jahrhunderts. 



281 



Zimmermann, Albert 

Landschaftsmaler, geb. 1809 in Zittau, gest. 1888 in München, Schüler der Akademie 
in Dresden, dann besonders (1832—54) derjenigen in München. 1857—59 Professor 
an der Akademie in Mailand, 1860—71 an der Wiener Akademie, später in Hacking 
bei Wien, 1880 in Salzburg, seit 1885 in München. 

Der Obersee bei Berchtesgaden. R. unten 935 
bez. : Albert Zimmermann. Vb. 

Oel, Leinwand, 204 h., 268 br. Gemalt 1854. 1867 vom Künstler gekauft. 

Zimmermann, Ernst 

Genre- und Stillebenmaler, geb. 1852 in München, gest. 1901 daselbst. Schüler 
seines Vaters, des Genremalers Reinhard Zimmermann und (1868) der Münchener 
Akademie unter Strähuber, Anschütz und besonders W. v. Diez. 1872 in Venedig, 
1873 in Wien, 1874 in Paris und den Niederlanden. 

Disputation. R. unten bez.: Ernst Zimmermann. 936 

Oel, Lindenholz, 57,5 h., 79 br. 1900 von dem Kgl. dänischen Konsul Herrn Wb. 
Julius Neuburger in München geschenkt. 

Zorn, Gustav 

nach dem früheren Katalog geb. 1845 in Stuttgart (oder Mailand?), gest. 1893 da- 
selbst, Schüler von Ferd. Keller an der Kunstschule in Karlsruhe. 

R eite rbildnis des hochseligen Königs 937 
Karl von Württemberg. L. unten bez.: Gustav Td. 
Zorn 1889. 

Oel, Leinwand, 290 h., 200 br. 1889 von König Karl überwiesen, dem es der 
Künstler geschenkt hatte. 

Zügel, Heinrich 

Tiermaler, geb. 1850 in Murrhardt (Württemberg), Schüler Holders und der Stuttgarter 
Kunstschule, seit 1869 selbständig in München. 1873 in Wien, 1894 als Professor 
an der Kunstakademie in Karlsruhe, seit 1895 in derselben Eigenschaft in München. 

Kühe auf der Weide. R. unten bez.: H. Zügel 938 
München. (Je. 

Oel, Leinwand, 92 h., 124 br. 1894 auf der Versteigerung der Galerie Fleisch- 
mann in Frankfurt a. M. gekauft. 

„Im Herbste." Gespann pflügender Stiere. L. unten 939 
bez.: Heinrich Zügel 85. Ya. 

Oel, Leinwand, 101 h., 162 br. 1885 vom Künstler gekauft. 

Schafherde. L. unten bez.: H. Zügel München. 939a 

Oel, Leinwand, 59 h., 79 br. Eigentum des Stuttgarter Galerievereins. Stiftung Xd. 
<des Kommerzienrats Erhard Junghans in Schramberg 1906. 



282 



Aquarelle. — Kartons. 



Aquarelle. 

Saal 117 Aquarelle des Königin Olga-Vermächtnisses. 

N 94 davon sind im Saale N teils aufgehängt, teils in 
zwei drehbaren Rahmenständern befestigt, 23 werden 
in Mappen aufbewahrt. Verzeichnisse der Blätter mit 
Angabe des Inhalts und der Künstler sollen im Saale 
aufgehängt werden. Die ganze Sammlung umfasst: 

1. 86 Kopien nach alten Meistern, hauptsäch- 
lich Italienern, aber auch Niederländern, Franzosen 
und Spaniern. Die meisten derselben sind von Stohl,. 
Stöckler und Rohmann, einige auch von Ansi- 
glione, G-aleotti, G-eselschap, Kaiser, Maria- 
necci, Martens und Zürcher. 

2. 30 architektonische Ansichten, meistens 
Interieurs italienischer Bauten, aber auch Rekon- 
struktionen antiker Tempel u. dgl., von Biermann> 
Dehn, Grraeb, Heinrich, Ritter, M. Schmidt, 
C. Seiffert, Stöckler, v.SzathmariundK. Werner. 

3. ein Genrebild von Th. Ethofer (Lakai). 

Von Ihrer Majestät der Königin Olga von Württemberg bei ihrem Tode 1892 der 
Galerie vermacht. Zu dem Vermächtnis gehörten ausserdem die 15 ebenfalls im 
Saale N aufgehängten Oelgemälde aus der Privatsammlung der Königin No. 394, 
431, 453, 456, 468, 469, 502, 612, 669, 670, 683, 703, 779, 828 und 895, die von einer 
eigens dazu bestellten Kommission ausgewählt werden durften, nachdem die den 
Erben der hohen Stifterin vorbehaltenen Bilder ausgeschieden waren. Da die 
Königin in ihrem Testamente den Wunsch ausgesprochen hatte, „dass alle diese 
Kunstwerke in einem gemeinsamen Räume ausgestellt würden", durften die Oel- 
gemälde nicht den entsprechenden Abteilungen zugewiesen werden, sondern mussten 
mit den Aquarellen ein Ganzes bilden. Dagegen sind sie wenigstens im Katalog 
in den historischen Zusammenhang eingereiht worden. Zum Königin Olga-Vermächt- 
nis gehört ferner: Das Porträt der hohen Stifterin von Karl Buchner No. 715 und 
eine Marmorstatue aus der Schule Thorwaldsens, Amor einen Pfeil schleifend, 
beide ebenfalls im Saal N untergebracht. 



Kartons. 

1. 44 Kartons von Bernhard Neher (vgl. No. 837). 

Die meisten 1878 von dem Künstler gekauft, zwei vom Geheimrat Jobst in Stutt- 
gart geschenkt, zwei 1888 aus Steinles Nachlass erworben. 



Kartons. 



283 



a) 37 Illustrationen zu "Werken von Goethe und Raum 
Schiller. Der Inhalt ist durch besondere Eti- z 
ketten kenntlich gemacht. 

Entwürfe zu den 1836 — 46 in der Goethegalerie und im Schillerzimmer 
des Grossherzoglichen Schlosses zu Weimar ausgeführten Wandgemälden. 
Phot. von Hanfstängl mit Text von W. Lübke. 

b) Sechszehn Rahmen mit (teilweise auseinander- 
genommenen) Kartons zu den Glasgemälden 
der Stiftskirche und der Johanneskirche in 
Stuttgart. In einem Zimmer des Erdgesebosses 
links aufgestellt. 

Sie dienten als Vorzeichnung zu den Glasgemälden der sechs Chor- 
fenster der Stiftskirche, die in den Jahren 1847—52, 1864—65, 1871—73 
und 1879—83 ausgeführt wurden, und des mittleren Chorfensters der 
Johanneskirche (No. 2 und 3), das von 1876 stammt (Kreuzigung und Abend- 
mahl), letzteres 1870 von dem Stifter Geh. Hofrat Dr. Jul. Jobst geschenkt. 

c) Karton zu dem 1850 für die katholische Stadt- 
pfarrkirche zu Ravensburg gemalten Altar- 
bilde, Kreuzigung mit Petrus und Paulus 
(No. 17). In demselben Zimmer aufgestellt. 

2. Eduard Steinle 

geb. 1810 in Wien, gest. 1886 in Frankfurt a. M. Schüler der Wiener Akademie, 
1828 — 34 in Rom, wo er sich an die Nazarener, besonders Veit und Overbeck an- 
schloss, seit 1843 in Frankfurt a. M., 1850 Professor am Städelschen Institut daselbst. 

Zwei Kartons im Treppenhause, Raimundus und 
Beata Catilina Thomas, zwei Lokalheilige der Insel 
Majorka. Vorzeichnungen der für eine dortige Kirche 
ausgeführten Oelbilder. 

1887 auf der Auktion des Steinleschen Nachlasses in Frankfurt a. M. erworben. 

3. Jacob Grünenwald 

vgl. No. 753. 

Karton der Schlacht bei Aidenbach. KampfRaum 
zwischen den Oesterreichern und den bayrischen 2 
Bauern 1706. Entwurf zu dem 1863 gemalten Wand- 
bilde im alten Nationalmuseum zu München. 

1906 aus dem Nachlass des Künstlers erworben. 



284 



Plastik. 



Plastik. 

Saal Amor den Pfeil schleifend, lebensgross. sitzend, 
N angeblich italienische Arbeit, wahrscheinlich aus der 
Schule Thorwaldsens. 

Carrarischer Marmor. Königin Olga-Vermächtnis 1892. 

Raum Büste König Wilhelms I. von Württemberg, 
s überlebensgross, von Prof. Theodor Wagner (Stuttgart 

1800—1880, Schüler Danneckers und Thorwaldsens, seit 1836 Professor an der 
Kunstschule in Stuttgart). 
Carrarischer Marmor. 

Joseph Kopf 

Porträtbildhauer, geb. 1827 in Unlingen (Württemberg), gest. 1903 in Rom. 1851 als 
Steinhauer in München, Wiesbaden und Freiburg i. Br. Seit 1852 in Rom, wo er 
sich zuerst mit Möbelschnitzen sein Brot verdiente, dann im Kreise von Cornelius, 
Overbeck, Mart. Wagner u. a. autodidaktisch die Bildhauerei erlernte. Durch 
seine Beziehungen zum württembergischen Hofe, besonders der Kronprinzessin, 
nachmaligen Königin Olga, fand der oberschwäbische Bauernsohn zu den Kreisen 
der höchsten Aristokratie Zugang. 1875 Hess ihm der Qrossherzog von Baden ein 
Atelier in Baden-Baden bauen, wo er sich von da an jährlich eine Zeitlang aufhielt. 
Sonst, von Reisen abgesehen, immer in Rom. 

Saal Kaiser Wilhelm I. Lebensgross. 
v 

Bronzebüste. Vermächtnis des Künstlers 1903. 

Saal Selbstporträt des Künstlers. Lebensgross. 

^ Hermen-Büste aus griechischem Marmor. Vermächtnis des Künstlers 1903. 

Ausserdem stehen in den Glasschränken und auf 
den Eckständern des Saales Y einige 1905 und 1906 
erworbene kleine Bronzen und Silbersachen von 
Poetzelberger und Stocker, die den Anfang einer 
hier aufzustellenden Sammlung von Werken der Klein- 
kunst bilden. Sie gehören der plastischen Sammlung. 



Nachträge und Verbesserungen. 

Seite 6 Zeile 23 muss es statt 1784 heissen 1724. 

Seite 34: Die Eilialgalerie in Tübingen hat nach- 
träglich noch 22 weitere Bilder erhalten, nämlich die 
Nummern 174, 182, 191, 228, 308, 309, 480, 602, 644, 
648, 680, 733, 766, 793, 800, 810, 811, 869, sowie 



Nachträge und Verbesserungen. 



285 



4 Bilder (und einen Karton) ans dem Magazin. Bei 
den Nummern 480, 602, 644, 648, 680 und 733 wolle 
man die Lokalbezeichnung „Mag." (Magazin) in Tüb. 
(Tübingen) verbessern. In Tübingen befinden sich 
also jetzt 61 Bilder. 

S. 37 Zeile 2 muss es statt „vier" heissen „mehrere". 

S. 37 Zeile 12 muss es statt 891a heissen 891b. 

S. 37 Zeile 17 muss es statt 695a heissen 698a. 

S. 37 Zeile 23 ist No. 762 a und ausserdem der Name 
Matisse (662 a) zu streichen. Die letztere Schenkung 
ist nachträglich zurückgezogen worden. 

S. 38 vorletzte Zeile ist unter den Ankäufen des- 
Stuttgarter Galerievereins das inzwischen noch hin- 
zugekommene Blumenstück von Otterstedt No. 839b 
nachzutragen. 

S. 39 Zeile 11 muss es statt 52a heissen 48a. 

S. 39 Zeile 14 muss es statt 93 a heissen 95a. 

S. 39 Zeile 16 muss es statt 29a heissen 29b. 

S. 39 Zeile 26 muss es statt 796a heissen 796b. 

S. 39 Zeile 34 muss es statt 775a heissen 775b. 

S. 39 Zeile 36 muss es statt 839b heissen 839 c. 

S. 40 Zeile 6. Das Verhältnis der Kaufsumme der 
während meiner Verwaltung angeschafften alten Bilder 
zu der der neuen beträgt nicht 1 : 15, sondern 1 : ll 1 / 2 . 

S. 40 Zeile 10 ff. Die Zahlen haben sich durch 
nachträgliche Verschiebungen etwas verändert. Die 
Gesamtzahl der Bilder beträgt 1167. Davon hängen 
903 gegenwärtig in der Galerie, 61 in Tübingen. 
59 sind für Ulm bestimmt, 4 (No. 659, 923 und zwei 
früher im Magazin befindliche) sind kürzlich an das 
Justizministerium abgegeben worden. (Bei No. 659 ist 
die Lokalbezeichnung „Mag." in „Minist." zu ändern.) 
Die Zahl der magazinierten Bilder beläuft sich auf 58. 

S. 43 drittletzte Zeile. Erst während des Druckes 
ist mir die Abhandlung von Th. v. Frimmel, Reise- 
notizen aus der Stuttgarter Galerie, Blätter für 
Gemäldekunde III 1907, S. 113—119 zugegangen. 



286 Nachträge und Verbesserungen. 



Soweit es noch möglich war, habe ich Frimmels 
Bestimmungen in den Text aufgenommen. Im übrigen 
sind die folgenden Nachträge zu vergleichen. 

S. 45 No. 1. Nach der Reinigung des Bildes hat sich 
herausgestellt, dass die anscheinende Jahreszahl (15)13 
auf dem Teppich vielmehr ein Ornament ist und die 
Jahreszahl auf der Tafel vermutlich 1518 lautete. 

S. 47. Baidung ist nicht in Wey ers t e i n , sondern 
in Weyers he im geboren. 

S. 48 hinter 4 sind zwei neuerdings hinzugekom- 
menen Bilder von Hans Burgkmai r nachzutragen : 
No. 4 a Christus auf dem Oelberg und 4 b G-eiselung 
Christi (Kabinet Bc). 

Oel, Eichenholz, 108,5 h., 75 br., beide in Form eines Viertelkreises, wie es 
häufig bei Augsburger Bildern der Fall ist, welche bestimmt waren, die oben halb- 
kreisförmig durch den Gewölbeansatz begrenzte Wand einer Kapelle zu schmücken. 
Eigentum des Stuttgarter Oalerievereins. 1907 von den Dowdeswell Galleries in 
London gekauft. Sehr gut restauriert. Die Köpfe ziemlich intakt. 

S. 48 No. 6. Schule Lukas Cranachs d. Ae. Nach 
Frimmel der jüngere Cranach. Der jetzige grüne 
Hintergrund schien ihm nicht ursprünglich. (Er ist 
in der Tat übermalt.) 

S. 50 No. 12. Kopie nach H. Holbein d. J. (?). Nach 
Frimmel wohl von Jakob Seisenegger (f 1567). 

S. 50 und 51. Multscher. Vgl. die inzwischen erschie- 
nene Monographie von Franz J. Stadler, Hans Mult- 
scher und seine Werkstatt 1907, Studien zur deutschen 
Kunstgeschichte Heft 82. Stadler schliesst sich der 
Zurückiührung der Bilder No. 13 — 16 auf Multscher 
ebenfalls an, irrt nur, wenn er die Passionsszenen 
für „fast unberührt" hält (vgl. No. 14). Schmarsows 
chronologische Anordnung der Multscherschen Bilder 
hält auch er nicht für richtig. Er setzt (wie ich) den 
Heiligkreuztaler Altar (No. 13 und 14) etwas früher 
als den Sterzinger an, die beiden Bilder aus Allmen- 
dingen (No. 15 und 16) etwas später, um 1465. 
Uebrigens sind die Haare der Heiligen auf No. 15 
und 16 nicht übermalt, die Helme und Köpfe des 
Reiterzugs No. 13 völlig intakt. 



Nachträge und Verbesserungen. 287 



S. 63. Zeitblom war kein Schüler Stockers, hat 
aber mit ihm zusammengearbeitet. Dass er aus der 
Werkstatt seines Schwiegervaters Hans Schüchlin 
hervorgegangen ist, bleibt immerhin wahrscheinlich, 
wenn auch die stilistische Verwandtschaft beider 
ziemlich gering ist. 

S. 66. Von den acht Propheten Zeitbloms waren 
nach der perspektivischen Zeichnung der Fenster, 
aus denen die Halbfiguren herausschauen, vier (No. 57 
bis 60) wahrscheinlich an der Predella, die vier 
anderen (53—56) an den oberen Enden der Flügel eines 
Altars angebracht. Ueber den Wengen- Altar in Ulm 
vgl. noch (ausser No. 106) eine demnächst im Repert. f. 
Kunst wiss. erscheinende Abhandlung des Verfassers. 

S. 86 unten ist ausgefallen : No. 103 (Ulmer Filial- 
galerie). Christus als Schmerzensmann mit Maria, 
Eligius und Katharina. 

Oeltempera, Fichtenholz, 55 h., 116,5 br. Sammlung Abel No. 19: Unbekannl. 
Sehr übermalt. Nicht zu 101 und 102 gehörig. 

S. 91 No. 113. Angeblich Bartholomaeus Spranger, 
wahrscheinlich französisch aus dem 18. Jahrhundert! 
Auch Frimmel: Vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. 

S. 91 No. 114 fehlt die Lokalbezeichnung Cc. 

S. 96 No. 128. Boudewyns und Bout. Frimmel: 

„,Ist ohne Zweifel ein signiertes Werk des Antwerpener Schlachtenmalers Jaspar 
Broers (1682—1716 Antwerpen, Schüler des Jan Bapt. van der Meiren, Meister 1703). 
Der Name Broers ist ganz sicher zu lesen, wogegen die Jahreszahl unter dem 
recit mit 1706 nicht ganz bestimmt wiederzugeben ist" (nach erneuter Untersuchung 
glaube ich auch Broers Fecit statt Boudns II Bout zu erkennen). 

S. 96 No. 129. Boudewyns und Bout. Frimmel: 
Vermutlich Peeter Bout. 

S. 97 No. 130. Art des jüngeren Pieter Brueghel. 
Frimmel: Peter Balten. 

S. 97 No 134. Art des älteren Jan Brueghel. Frim- 
mel: Hendrik van Baien? 

S. 97 No. 136 Art des älteren Jan Brueghel. Frim- 
mel: So gut wie sicher von Anton Mirou. 

S 98 No 137. Schule des älteren Jan Brueghel. Frim- 
mel: Gute alte flandrische Kopie nach Jan Brueghel I. 



288 



Nachträge und Verbesserungen. 



S. 98 No. 138. Schule des älteren Jan BruegheL 
Frimmel: Erinnert mich lebhaft an J. Godaert. 

S. 99 No. 142 und 143. Frans Francken I und seine 
Art. Frimmel: ßallieur oder Simon de Vos? 

S. 100 No 147. Frans Franken II. Frimmel: Sicher 
nicht von einem Francken. 

S. 100 No. 148 und-149. Cornelis Huysmans. Frim- 
mel: P. ßout, nicht C. Huysmans. 

S. 102 No. 157. Anton Mirou? Frimmel: Hat mit 
Mirou nichts zu schaffen, erinnert mich stark an 
Toussaint Gelton. 

S. 109 No. 190. Vlämische Schule des 17. Jahr- 
hunderts. Frimmel: Gemahnt an Staelbemt. 

S. 117 unter Goyen lies Schilperpoort statt Schil- 
peroort. 

S. 150 No. 380 ist die Signatur: CATHARINA 
TREU fec. 1773 ausgefallen. 

S. 224 unten. Braith ist nicht in München, sondern in 
Biberach gestorben. Er kam 1852 auf die Kunstschule 
in Stuttgart und stand in München unter dem Einflüsse 
Pilotys. 1864 war er in Italien, 1867 in Paris, wo er 
durch Rosa Bonheur und Troyon angeregt wurde. 

S. 233 nach No. 736 sind aus Versehen weggelassen 
drei neuerworbene Bilder von Amandus Faure 

(geb. 1874 in Hamburg, zuerst Dekorationsmaler, dann Schüler der Stuttgarter Kunst- 
schule, vier Jahre unter Herterich und Grethe, vier Jahre unter Kalkreuth, seit 190b 
in Italien): 

Nr. 736a (Wc.) Ar ena Goldoni, offenes Theater 
in Florenz, r. unten bez.: FAURE 1906. 

Oel, Leinwand, 75 h., 90 br. 1907 von dem Künstler gekauft. 

No. 736b (Wb) Porta Romana in Florenz. 
R. unten bez.: FAURE 1906. 

Oel, Leinwand, 90,7 h., 75,3 br. 

No. 736c. (Wd.) Blumenstück, r. unten bez.: 
FAURE. 

Oel auf Pappe, 50,5 h., 35,5 br. Die letzteren beiden Eigentum des Stuttgarter 
Galerievereins, 1907 vom Künstler gekauft. 



Namen-Verzeichnis. 



Aufgenommen sind: 

1. Künstler, von denen sich entweder Kunstwerke in der Galerie 
befinden, oder denen solche von irgend einer Seite zugeschrieben 
wurden oder werden. Die Vollständigkeit dieses Verzeichnisses 
macht die in der ersten Auflage beigefügte vergleichende Nummern- 
liste entbehrlich. 

2. Sammler und Schenkgeber, deren Namen mit der Galerie 
verknüpft sind (ausgenommen die Stifter des Stuttgarter Galerie- 
vereins). 

3. Personen, von denen Bildnisse in der Galerie vorhanden sind. 

4. Städte, in denen sich Kunstwerke befinden, auf die im Ka- 
talog verwiesen wird. 

Die erste Zahl bedeutet die Seite, die zweite durch Komma 
davon getrennte die Nummer. 



A 

H in A (Monogrammist) 75, 81. 
Aachen, Münster 107, 179. 
Abel (Sammlung) 21. 25. 33. 43. 
Abel, von (Sammlung) 163, 427. 
Achenbach, A. 219, 686. 
Achenbach, O. 220, 687—689. 
Acker, J. 87, 104. 
Adam, Fr. 220, 690. 
Adelberg 70, 70. 
Aelst 131, 276. 
Aertsen 88, 108. 
Afflighem, Meister von 93, 117. 
Aiwasowsky 207, 633. 
Albani 188, 526. 527. 
Albertineiii 163, 427. 
Aldegrever 91, 114. 



Alexander Farnese 103, 162. 
Allegri 171, 453. 
Allmendingen 51, 15. 16. 
Allori 170, 449. 185, 508. 
Alpino 177, 471. 
Altdorf er 38. 43. 45, 1. 
Altobello da Melone 185, 510. 
Aman-Jean 39. 207, 634. 
Amberger 28. 46, la und 2. 
Amerighi 203, 602. 205, 620. 

206, 623. 
Amsterdam 104, 163. 
Andrade d' 272, 891 a. 
Angeli 220, 691. 
Anna, Baidissera d' 181, 490. 
Ansiglione 282. 
Antum 139, 314. 
Anwyl 54, 24. 

19 



290 



Namen -Verzeichnis. 



Armbruster 62, 44. 45. 
Arthois 125, 253. 
Augsburg 58. 87, 106. 
Augsburger Schule 70, 72—71, 
76. 79, 91. 88, 107. 

B 

b in B (Monogrammist) 71, 77. 
H B (?) (Monogrammist) 79, 91. 
BHPL (Monogrammist) 139, 
315. 

Baden 110, 193. 
Badile 183, 498. 
Baen 111, 194. 
Baerenstecher 12. 
Baisch, H. 221, 693. 
Baisch, O. 221, 692. 
Bakhuysen 111, 195. 139, 313. 
Baidung 9. 47, 3. 72, 78. 
Baien 97, 134. 109, 190. 113, 204. 
287. 

Ballieur 99, 142. 143. 288. 
Balten 97, 130. 287. 
Bamberg 57, 29 a. 58, 29 b. 
Bamboccio 121, 235. 
Barbarelli 171, 454. 173, 459. 

460. 187, 522. 
Barbari 186, 513. 
Barbieri 134, 291. 194, 551—555. 

205, 618. 619. 
Barbini-Breganze, Pinakothek 23. 

33. 43. 
Barison 208, 635. 
Baroccio 188, 528. 201, 594. 
Barth 18. 37. 

Bartolommeo, Fra 22. 163, 427. 

176, 466. 
Bartolommeo Veneto 164, 428. 

165, 429. 
Basaiti 164, 428. 165, 429. 186, 512. 
Bassano 177, 470 — 178, 477. 

183, 500. Siehe Ponte. 
Bassen 110, 192. 
Bassenheim 98, 140. 
Bastiani 186, 514. 



Bauer, Freifrau von 144, 339. 
Bauerle 221, 694. 
Baumeister 37. 221, 695—222, 
698. 

Baur 37. 222, 698 a. 

Bayern, Jacobaea von 83, 95. 

Bebenhäuser Bild 39. 83, 95a. 

Beest 111, 196. 

„Beham" 71, 77. 76, 82—83. 

Behn 8. 

Behrenstecher 12. 

Beich 139, 316. 140, 317. 

Bella 193, 548. 

Belli 165, 429. 

Bellinger 260, 845. 

Bellini, Gent. 185, 510. 

Bellini, Giov. 24. 164, 428. 165, 

429. 430. 166, 431. 432. 179, 

483. 186, 513. 
Bellotti 189, 529. 
Beiotto gen. Canaletto 19. 190, 

534-538. 193, 548. 196, 564. 
Bembo, Fr. 169, 444. 
Bemmel, Chr. 140, 319. 
Bemmel, W. 140, 318. 
Bent 138, 306. 
Bentele 222, 699. 700. 
Benvenuti 179, 482. 
Berchem 112, 197—202. 
Berettini 189, 530. 
Bergamo 165, 429. 173, 461. 
Berlin 66, 61—68. 98, 139. 107, 

179. 129, 267. 165, 429. 171, 

452. 

Besancon 163, 427. 
Beuckelaer 88, 108. 
Beveren 208, 636. 
Biagio 186, 513. 
Biermann 282. 

Bingen bei Sigmaringen 66, 53 

bis 60. 
Blanckarts 37. 220, 691. 
Bleibtreu 222, 701. 
Bles, H. 94, 119. 120. 
„Bles, S. v." 111, 196. 
Bloemaert 113, 204. 



N amen - Verzeichnis. 



291 



Bioemen 95, 124—126. 
Blom 134, 287. 
Bloot 127, 260. 
Boateri 172, 456. 
Bochmann 39. 223, 701a. 
Bock 208, 637. 

Bodenseeschule 62, 44. 45. 71, 77. 
Boecklin 224, 702. 703. 
Boehn 8. 
Boel 96, 127. 
Boeyermans 96, 127. 
Bohn 224, 704. 
Bohnenberger 37. 224, 704 a. 
Boisseree-Sammlung 16. 17. 20. 
26. 

Bokelmann 224, 705. 
Bologna 194, 553. 
Bologna, Schule von 161, 416. 
204, 608-613. 205, 616. 622. 
Bonifazio Pitati 24. 167, 433 

bis 168, 441. 180,485-488. 

187, 517. 
Bordone 24. 161, 416. 168, 440. 

168, 442—169, 448. 173, 459. 

183, 498. 187, 518. 206, 629. 
Borssom 113, 203. 
Bossuet 208, 638. 
Both 96, 129. 98, 138. 138, 306. 

308. 309. 
Boudewyns 96, 128. 129. 98, 

137. 100, 148. 149. 287. 
Boulogne 151, 385. 
Bourguignon 153, 389—393. 
Boursse 136, 301. 
Bout 96, 128. 129. 98, 137. 

100, 148 149. 287. 288. 
Bouts 73, 80 c. 
Brackenheim 10. 
Braekeleer 208, 639. 
Braith 37. 225, 706— 707 b. 288. 
Bramer 113, 205. 
Brandi 189, 531. 532. 
Brandt 209, 640. 
Braun 37. 225, 708. 
Braunschweiger Monogrammist 

12. 91, 114. 97, 130. 



Bredt 225, 709. 
Breenbergh 113, 204. 
Brekelenkam7. 113,205. 137, 301. 
Breu 71, 74. 77. 
Breyer 39. 226, 709 a. 
Bril 97, 131. 
Brion 209, 641. 
Broers 96, 128. 287. 
Bronzino 169, 449. 185, 508. 
Brouwer 113, 206. 124, 245. 

246. 247. 137, 304. 
Bruckmann 19. 226, 710—713. 
Brueghel, Jan I. 91, 114. 97, 

131 — 138. 99, 145. 102, 158. 

107, 178. 109, 190. 134, 289. 

148, 365. 207, 631. 632. 287. 

288. 

Brueghel, Pieter d. J. 97, 130. 

207, 631. 632. 287. 
Brüssel 92, 117. 94, 119. 103, 

162. 125, 253. 88, 108. 
Brugger 151, 382. 
Brun, Le 151, 385. 157, 402. 
Brusasorci 183, 500. 
Bruyn 71, 77. 
Buchner, J. G. 227, 714. 
Buchner, K. 227, 715. 282. 
Budapest 109, 188. 189. 260, 846. 
Bürkel 227, 716. 717. 
Buonarroti 22. 184, 507. 
Buonvicino 204, 613. 
Burgkmair 32. 43. 47, 4 (4 a 

und 4b). 286. 
Busi 174, 463. 
Buttersack 227, 718. 

C 

C L (Monogrammist) 139, 314. 
C W (Monogrammist) 19. 32. 39. 

43. 72, 78 — 8 0b. 80, 93. 86, 

101-103. 
Caliari, Benedetto 183, 501. 
Caliari, Carlo 180, 489. 183, 499. 

187, 520. 
Caliari, Paolo 24. 103, 162. 168, 



292 



Namen -Verzeichnis. 



440. 178, 475. 476. 182, 4 9 7 

bis 183, 502. 
Callot 152, 386. 387. 206, 624. 
Campana 190, 533. 
Campi 170, 450. 
Canale 190, 534—538. 193, 548. 
Canaletto 19. 190 , 534—538. 

193, 548. 196, 564. 
Canon 37. 228, 719. 719 a. 
Canova 23. 
Canzi 38. 228, 719b. 
Caprioli 172, 454. 
Caravaggio 203, 602. 205, 620. 

206, 623. 
Cariani 174, 463. 
Carlone 7. 
Carolsfeld 268, 884. 
Carondelet 163, 427. 
Carpaccio 24. 170, 451—171, 452. 
Carracci 152, 388. 161,418. 191, 

539. 54 0. 196,562.204, 613. 

206, 623. 
Cassel 101, 153. 104, 163. 
Castelli 7. 
Catel 228, 720. 
Catena 164, 428. 186, 513. 
Cavedone 191, 540. 541. 
„Cenci, Beatrice" 199, 579. 
Ceulen 123, 243. 
Champaigne 152, 388. 
Chantilly 164, 427. 
Charlotte, Königin von England 

154, 395. 
Charlotte Mathilde, Königin von 

Württemberg 32. 160, 415. 
Chierici 37. 209, 642. 643. 
Civetta 94, 119. 120. 
Claesz 121, 234. 
Claude Lorrain 22. 155, 397. 
Cleve, J. Joest van 94, 119. 
Clingenberg 54, 24. 
Closs 229, 721. 
.Cock- 135, 292. 
Cocques 109, 186. 187. 
Cölner Schule 51, 15. 16. 
Colomba 7. 



Coninxloo, C. v. 92, 117. 93, 119. 
Coninxloo, Gillis v. 107, 178. 
Constable 38. 153, 388 a. 388 b. 
Contarini 168, 439. 
.Cook* 135, 292. 
Coomans 209, 644. 
Corneille 161, 418. 
Coromaldi 210, 646. 
Correggio 171, 453. 192, 547. 
Cortona 189, 530. 
Coter 92, 117. 
Courbet 210, 646 a. 
Courtens 210, 647. 
Courtois 153, 389—393. 
Craesbeeck 137, 303. 
Cranach d. Ä. 48, 5. 6. 75, 81. 

83, 95. 89, 111. 95, 122. 
Cranach d. J. (?) 48, 6. 286. 
Crayer 98, 140. 

Cremona, Schule von 185, 510. 
Cuylenborch 119, 227. 
Cuyp, A. 114, 207. 
Cuyp, B. G. 114, 208. 

D 

Daig 57, 29. 

Dannecker 15. 16. 17. 19. 37. 

266, 875. 876. 
Darmstadt 58. 

Defendente Ferrari 172, 455. 
Defregger 229, 722. 
Decker 114, 209. 
Dehn 282. 
Delff I. 123, 243. 
Delft 123, 242. 

Denner 140, 320. 321. 149, 372. 

Deschler 24. 

De Troy 160, 411. 412. 

Deutsche Schule des 16. Jahr- 
hunderts 49, 7. 

Deutsche Schule des 17. Jahr- 
hunderts 134, 291. 135, 293. 
151, 382. 383. 384. 

Diana 166, 432. 

Diepenbeck 101, 154. 



Namen -Verzeichnis. 



293 



Diepram 124, 247. 
Dieterich 229, 723. 
Dietrich 116, 218. 129, 266. 141, 

322 — 324. 151, 381. 
Dietz, F. 229, 724. 
Dill 230, 725. 
Does 114, 210. 115, 211. 
Dolci 191, 542. 198, 577. 
Domenichino 171, 453. 191, 540. 

192, 543. 194, 555. 197, 572. 
Donaueschingen 62, 44. 76, 82a. 
Dorcy 210, 648. 
Dossi 171, 454. 
Dottori 134, 291. 
Dou 22. 115, 212. 213. 
Dresden 132, 280. 133, 286. 155, 

397. 182, 496. 193, 548. 194, 

551. 552. 201, 590a. 
Drouais, Fr. H. 154, 394. 
Drück 230, 726. 
Duck 29. 115, 214. 
Dürer 7. 49, 7. 72, 78. 
Dughet 161, 417. 
Dujardin 116,215. 216. 162,419. 
Duntze 230, 727. 
Dyck, Anton v. 7 (2). 96, 127. 

98, 139—141. 104, 163. 164. 

111,194.136,298.151,382.383. 
Dyck, Daniel v. d. 200, 585. 
Dyck, Herrn. 230, 728. 

E 

Eberhard IV., Graf von Württem- 
berg 82, 94. 

Eberhard III., Herzog von Würt- 
temberg 2. 4. 

Eberhard Ludwig, Herzog von 
Württemberg 6. 

Eberhard von Mühlhausen 80, 94. 

Ebert 231, 729. 730. 

Edinburgh 200, 586. 

Eggel 37. 231, 731. 

Ehingen, Georg von 63, 48 a— 52. 

Ehninger Altar 39. 52, 17. 73, 80 c. 

Ehrentraut 231, 732. 



Ekenaes 211, 649. 
Eliasz 136, 298. 

Elsheimer 105, 169. 138,307. 141, 
325 

„Emeiraet" 110, 191. 
Engel 240, 766. 

Englische Schule von 1783 160, 
415. 

Erfurt 129, 267. 
Erizzo 183, 499. 
Eschacher Altar 66, 61—68. 
Esselens 129, 268. 
Ethofer 282. 
Etzel 37. 

Everdingen 116, 217. 
Eyck 41. 

Eysen 37. 231, 732 a. 
Ezdorf 232, 733. 

F 

FI (Monogrammist) 110, 192. 
Faber 36. 

Faber du Faur 39. 232, 734—233, 
736. 

Falens 7. 96, 128. 
Farnese, Alexander 103, 162. 
Fa Presto 192, 545—547. 205, 620. 
Fattore, il 173, 458. 176, 466. 
Faure 38. 39. 233, 736 b— 736 d 

(ausgefallen, vgl. S. 288). 
Federer 37. 
Ferg 111, 196. 

Ferrari, Defendente 172, 455. 
Fesch, Sammlung 17. 
Feti 198 575 

Feuerbach 30.38. 233, 737—738 a. 
Fischer, G. 234, 739. 740. 
Fleischhauer 34. 
Fleischmann 37. 
Flemalle, Meister von 92, 117. 
Flinck 116, 218. 129, 267. 
Florentinische Schule 184, 506 

bis 185, 508. 
Florenz 164, 427. 181, 493. 183, 

499. 502. 187, 517. 288. 



294 



Namen -Verzeichnis. 



Fouace 211, 650. 
Fourment, Helene 104, 166. 
Fra Bartolommeo 22. 1 6 3, 4 2 7. 

176, 466. 
Francia 172, 456. 
Francken, Fr. I. 99, 142. 143. 

133, 281. 
Francken, Fr. II. 29. 99, 144 bis 

147. 109, 190. 288. 
Frankfurt, Meister von 92, 115. 

116. 

Französische Schule 91, 113. 159, 
410. 161, 416. 417. 418. 287. 
Freiberg, Freyberg, 55, 25. 
Frey 24. 

Friedrich, Herzog von Württem- 
berg 4. 

Friedrich, König von Württem- 
berg 13. 15. 19. 32. 
Fries 234, 741. 
Füger 38. 234, 741a. 
Fugel 181, 492. 
Funk 235, 742. 743. 
Fyngia 117, 219. 
Fyol 92, 115. 116. 95, 121. 
Fyt 108, 181. 182. 132, 277. 

G 

Gabi 235, 744. 
Gael 134, 287. 288. 
Gainsborough 32. 154, 395. 155, 

396. 160, 415. 
Gainsborough-Dupont 161, 415. 
Galeotti 282. 

Garofalo 172 , 457. 173, 458. 

203, 607. 
Gaupp 37. 235, 745. 746. 
Geest 29. 117, 219. 
Gegenbaur 18. 31. 33. 35. 37. 

40. 236, 747—237, 752. 
Gelder 129, 267. 
Gellee 22. 155, 397. 
Gelton 102, 157. 288. 
Genua 169, 448. 
Georg III., König von England 

155, 395. 160, 415. 



Geselschap 282. 
Gessi 192, 544. 
„Gewink" 120, 233. 
Giampietrino 184, 504. 
Giordano 192, 545-547. 205, 620. 
Giorgione 171, 454. 173, 459. 

460. 187, 522. 
Glasgow 169, 447. 187, 519. 
Godaert 98, 138. 288. 
Goltzius 88, 109. 
Gortzius 123, 243. 
Gossaert 89,110.91,112.94,119. 
Gossenbrot 55, 25. 
Gotter 9. 11. 14. 
Goyen 117, 220. 
Graeb 282. 
Graveneck 12. 
Greco 24. 180, 488. 489. 
Grethe 39. 237, 752a. 
Grien 9. 47, 3. 72, 78. 
Griffier 118, 221-224. 
Grooth 9. 10. 
Grüneisen 21. 26. 
Grünenberg 62, 44. 
Grünenwald 237, 753-755. 283. 
„Grünewald" 87, 105. 
Guardi 33. 193, 548—550. 
Gude 237, 756. 
Gudin 211, 651. 
Gudula, Meister von St. 92, 117. 
Guercino 134, 291. 194, 551—555. 

205, 618. 619. 
Güttrecht 62, 44. 
Guffens 211, 652. 
Guibal 12. 156, 398. 
Guido Reni 11. 197, 570-573. 

199, 579. 204, 609. 611. 205, 

621. 

H 

H in A (Monogrammist) 75, 81. 
H B (?) (Monogrammist) 79, 91. 
Haag 105, 166. 132, 280. 136, 299. 
Haakh 1. 27. 
Haarlem 136, 299. 
Haas 211, 653. 212, 654. 



Namen -Verzeichnis. 



295 



Hackert 238. 757. 
Haeberlin 238. 758. 759. 
Haensbergen 118, 225. 
Hagen, Joris v. 120, 232. 
Hagen, Th. J. 39. 238, 759 a. 
Haider 39. 239, 759 b. 
Halbfiguren, Meister der weib- 
lichen 91, 112. 
Hals, Dirck 119, 226. 
Hals, Frans 151, 382. 162, 419. 
Hals, Schule 135, 295. 
Hamburg 101, 154. 
Hamilton 7. 8. 

Hamilton, Ch. W. 142, 328—331. 
Hamilton, J. G. 141, 327. 142, 

332—143, 335. 
Hamilton, Ph. F. 141, 326. 327. 
Hanneman 134, 291. 151, 382. 
Harper 15. 

Hartmann, Emilie 262, 851. 852. 
Hartmann, F. 239, 760-762. 
Hasslersche Sammlung 28. 66, 

53-60. 
Hatfield 193, 548. 
Haug 239, 763. 
Heck 239, 764. 240, 765. 
Hecken 137, 301. 
Heda 121, 234. 
Heemskerk, E. van 124, 246. 
Heerberger Altar 68, 69. 
Heerdt 240, 766. 
Heermann 143, 337. 
Heideck 240, 767. 
Heiligkreuztal 50, 13. 14. 
„Heindel" 149, 373. 150, 375. 
Heinlein 240, 768. 
Heinrich 282. 
Heinzmann 241, 769. 
Heist 103, 160. 

Hemessen 12. 91, 114. 97, 130. 

Herdtie, H. 241, 770. 

Herlin 26. 43. 49, 8— 11. 50, 13. 

51, 14. 75, 80 c. 86, 99. 
Herrenhausen bei Hannover 155, 

395 

Herrera 156, 399. 



Hertz 37. 

Hetsch 15. 19 (2). 20. 37. 241, 

771 — 242, 772a. 
Heusch 7. 119, 227. 
„Himmelrot" 110, 191. 
Hirscher (Sammlung) 25. 26. 29. 

49, 10. 11. 59. 60. 66, 61-68. 
Hirschfelder 242, 773. 
Hobbema 22. 119, 228. 120, 232. 
Hoecker 242, 774. 

Hoef 127, 261. 
Hoelder 37. 
Hoelzel 242, 775. 
Hof mann, L. v. 39. 242, 775 a. 
Hofmann, Sam. 23. 143, 336. 
„Hogarth* 23. 143, 336. 
Hohenheim 14. 15. 
Hohenlandenberg 62, 44. 
Holbein d. Ä. 70, 72. 72, 78. 
Holbein d. J. 46, 1 a. 2. 47, 3. 

50, 12. 89, 110. 111. 95, 123. 
108, 183. 

Holländische Schule 134, 291 bis 

139 315 
Hollenberg 39. 243, 775 b. 
Hondecoeter 120, 229. 230. 
Hoppner 161, 415. 
Horst, G. 129, 267. 
Horst, L. 194, 553. 
Hove 212, 655. 
Hoven 127, 261. 
Huber 7. 143, 337. 
Huchtenburgh 133, 286. 138, 305. 
Hummel 243, 776. 
Huthsteiner 243, 777. 
Huysmans 100, 148-151. 125, 

253. 288. 
Huysum 120, 231. 

I J 

FI (Monogrammist) 110, 192. 
I G L (Monogrammist) 138, 312. 
I V D K (Monogrammist) 108, 

181. 182. 
Jacobaea von Bayern 83, 95. 



296 



Namen -Verzeichnis 



Jardin, K. du 116, 215. 216. 162, 
419. 

Igler 243, 778. 779. 
Ihlee 244, 780. 
Immenraet 110, 191. 
Jobst 37. 

Joest van Cleve 94, 119. 

Johann Friedrich, Herzog von 
Württemberg 1. 

Jordaens 6. 7. 101, 152 — 154. 
105, 167. 168. 

Jordan 244, 781. 

Joris 212, 656. 

Irmer 244, 782. 

Isny 59, 30-33. 

Italienische Schule des 17. Jahr- 
hunderts 162, 423-424. 204, 
614-206, 625. 

Juncker 143, 338. 

Junius 127, 261. 

K 

Kahlden 37. 
Kaiser 282. 

Kalckreuth 39. 244, 783. 783 a. 

Kalf 121, 234. 

Käppis 245, 784. 

Karl Alexander, Herzog von 
Württemberg 8. 9. 10. 

Karl Eugen, Herzog von Würt- 
temberg 10. 11. 13. 14. 

Karl Rudolph, Herzog von Würt- 
temberg 9. 

Karl, König von Württemberg 30. 

Karlsruhe 50, 13. 57, 29. 62, 44. 
63, 46. 88, 106. 

Kassel 101, 153. 104, 163. 

Kauffmann, Angelica 143, 339. 

Kauffmann, Hugo 245, 785. 

Kaulbach, W. 245, 786. 787. 

Keller, Fr. 39. 246, 788. 789. 

Keller, J. H. 144, 340. 

Keller, S. 144, 341. 342. 

Keller-Reutlingen 246, 790. 

Kessel, J. van (Vlame) 101, 155. 
156. 



Kessel, J. van (Holländer) 120, 
232 

Kielwein 39. 246, 791. 792. 
Kilchberg 39. 63, 48 a -64, 52. 
Kirchheim u/T. 13. 86, 101. 102. 
Kirchner 246, 793. 
Klengel 145, 343—346. 
Klingenberg 54, 24. 
Knaus 38. 247, 793 a. 
j Knosp 37. 
Kobell,Ferd. 145, 347-350. 146, 

351. 352. 
Kobell, Fr. 146, 351. 352. 
Koch, J. A. 247, 794. 795. 
Koedyck 137, 301. 
Kölner Schule 51, 15. 16. 
Koenig 247, 796. 
Koets 121, 234. 
Koldewey 212, 657. 
Köninck 120, 233. 
Kopf 37. 284. 
Kornbeck 39. 247, 796 a. 
Kotzebue 265, 869. 
Krakau 179, 482. 
Kranach d. Ä. 48, 5. 6. 75, 81. 

83, 95. 89, 111. 95, 122. 286. 
Kranach d. J. (?) 48, 6. 
Krauss 178, 481. 
„Kuck" 121, 234. 
Kuehl 39. 248, 796b. 
Kupetzky 9. 156, 400. 157, 401. 
Kurzbauer 248, 797. 

L 

C L (Monogrammist) 139, 314. 
Laepple 248, 798. 
Laer 121, 235. 
Lairesse 132, 279. 
Lamberti 24. 
Landelle 212, 658. 
Landenberger 248, 799. 
Lange, J. 249, 800. 
Langer 19. 249, 801. 
Langhammer 249, 802. 
Lanzani 168, 438. 



Namen -Verzeichnis. 



297 



Larson 213, 659. 
Laupheimer 249, 803. 
Laurentius, Maler von Konstanz 

62, 44. 
Lautenschlager 249, 804. 
Lauterer 112, 200—202. 116, 215. 

216. 121, 235. 
Lauxmann 39. 

Le Brun 151, 385. 157, 402. 272, 
891b. 

Leibi 37. 250, 805. 806. 
Lemcke 30. 

Lenbach 39. 250, 807-808 a. 

Leo X. 178, 481. 

Leonardo da Vinci 184, 503. 504. 

206, 626. 
Leonardi 179, 482 a. 
Leonberg 10. 
Lessing 251, 809. 
Le Sueur 157, 403. 
Leu 251, 810. 

Leybold 17. 20. 21. 251, 81 1-813. 

Leyden 89, 111. 92, 117. 95, 122. 

Lezze 168, 439. 

Liberi 194, 556. 

Licinio 182, 496. 

Liebermann 39. 252, 813 a. 

Lier 39. 252, 814. 815. 

Lievens 121, 236. 237. 125, 251. 

Lille 164, 427. 

Limpurg 68, 69. 

Lindauer 37. 

Linder 252, 816. 

Lingelbach 131, 273. 

Linnig 213, 660. 

Lionardo da Vinci 184, 503. 504. 

206, 626. 
Lissandrino 153, 392. 
Lisse 128, 263. 
Liszewska 150, 379. 
Livens 121, 236. 237. 125, 251. 
Loeffler 253, 817. 
Loefftz 253, 818. 
Lombardische Schule 170, 450. 
London 155, 395. 164, 427. 165, 

429. 187, 517. 519. 203, 607. 



Looten 122, 238. 

Lorme 122, 239. 

Lorrain, Claude 22. 155, 397. 

Lotto 164, 428. 165, 429. 168, 

439. 174, 463. 464. 187, 524. 

188, 525. 199, 578. 
Lucas 253, 819. 

Ludwig, Herzog von Württem- 
berg 4. 

Ludwig, Karl 253, 820. 821. 

Ludwigsburg 1. 6. 7. 10. 13. 19. 
27. 33 (2)-40. 155, 395. 

Lübke 29. 

Lundens 124, 246. 247. 137, 303. 
Lutero 171, 454. 

M 

Mabuse 89, 110. 91, 112. 94, 119. 
Mac Adam 213, 661. 
Madrid 104, 164. 181, 493. 
Magdalenenaltars , Meister des 

93, 119. 
Magnasco 153, 392. 
Majer 254, 822. 
Majorka 283. 

Mailand 101, 154. 136, 299. 171, 

452. 195, 557. 
Makart 254, 823. 
Mali, Chr. 37. 254, 825—255, 826. 
Mali, Joh. 254, 824. 
Man, Ottesen de 123, 242. 
Mansueti 186, 512. 
Maratti 195, 557. 
Marco disc. Jo. Bellini 165, 429. 
Marconi 168, 439. 
Marianecci 282. 

Marientodes, Meister des 94, 1 19. 

95 121. 
Marieschi' 195, 558—561. 
Maris, W. 213, 662. 
Martens 37. 255, 827. 282. 
Masaccio 185, 508. 
Massys, J. 90, 111. 92, 117. 
Massys, Q. 89, 111. 93, 118. 
Matham 89, 109. 



298 



Namen - Verzeichnis. 



Matsys s. Massys. 
Maulbronn 85, 96. 97. 
Max 255, 828. 
Mayer, L. 19. 255, 829. 830. 
Mazzolino 172, 455. 
Mazzuola 185, 510. 194, 555. 
Mechthild, Pfalzgräfin 73, 80 c. 
Meer, J. v. d., von Delft 136, 

299. 300. 
Meer, J. v. d., von Haarlem 129, 

268. 
Meister: 

v. Afflighem 93, 117. 

des Ehninger Altars 39. 52, 17. 
73, 80c. 

von Flemalle 92, 117. 

von Frankfurt 92, 115. 116. 

von S. Gudula 92, 117. 

der weiblichen Halbfiguren 91, 
112. 

von Messkirch 38. 76, 82—83. 

des Magdalenen - Altars in 
Brüssel 93, 119. 

von Sigmaringen 77, 84 — 88. 

vom Tode der Maria 94, 119. 
95, 121. 

mit der Weberschütze 57, 29 a. 

vgl. auch Monogrammisten. 
Meldolla 180, 486. 487. 
Melone 185, 510. 
Memling 9. 89, 111. 
Mengs 146, 353. 
Menzel 39. 256, 830 a. 
Merz, Wilh. u. Afra 46, 1 a u. 2. 
Messkirch, Meister von 38. 76, 

82-83. 
Metzu 115, 212. 
Metsys, J. 90, 111. 92, 117. 
Metsys, Q. 89, 111. 93, 118. 
Meyerheim, P. 256, 831. 
Meyeringh 122, 240. 
Michael, Maler von Konstanz 

62, 44. 
Michau 98, 138. 
Michelangelo Amerighi 203, 602. 

205, 620. 206, 623. 



Michelangelo Buonarroti 22. 

184, 507. 
Michetti 37. 214, 663. 
Miel 122, 241. 

Miereveit 22. 103,160. 123,242. 

243. 135, 296. 297. 
Mignard 157, 404. 158, 405. 406.. 
Millet, J. Fr. 122, 240. 161, 417. 
Mirou 97, 136. 102, 157. 287. 

288. 

Mischau 98, 138. 

Moerz , Wilh. u. Afra 46, 1 a 

und 2. 
Mola 195, 562. 
Molenaer, Bart. 127, 260. 
Molenaer, Claes 7. 124, 249. 250. 

138, 305. 
Molenaer, Com. 123, 244. 124, 

248. 

Molenaer, J. M. 123, 244-124, 

249. 127, 260. 
Molyn 117, 220. 
Mommers 114, 207. 
Momper 102, 158. 
Mona Lisa 184, 503. 
Monet 38. 214, 663 a. 
Monogrammisten : 

b in B 71, 77. 

B H P L 139, 315. 

Braunschweiger 12. 91, 114. 
97, 130. 

C W 19. 32. 39. 43. 72, 78 
bis 80b. 86, 101. 

H in A 75, 81. 

FI 110, 192. 

I G L 138, 312. 

IVD K 108, 181. 182. 

— O — S 109, 188. 
Monrepos 14. 32. 
Montagna, Bart. 185, 509. 196, 

563. 

Montagna, Rin. della 196, 563. 
Montfort 68, 69. 
Moor, Anton 103, 161. 
Moor, Karel de 125, 251. 
Morales 158, 407. 



Namen- Verzeichnis. 



299 



Moreau-Nelaton 37. 214, 664. 

Moreelse 115, 212. 125, 252. 
136, 299. 300. 

Moretti 196, 564. 

Moretto 204, 613. 

Morgenstern, Chr. 256, 832. 

Morgenstern, J. L. E. 146, 354. 

Moro, Antonio 103, 161. 

Moro (Torbido) 168, 437. 438. 
182, 495. 

Moroni 185,509. 186,511. 187,524. 

Morsperg 9. 47, 3. 

Moser, Lucas 85, 96. 

Moucheron 125, 253. 254. 

Mühlhäuser Altar 39. 80, 94. 

Mühlhausen, Eberhard u. Rein- 
hart v. 80, 94. 

Müller 24. 

Müller, Joh. Jak. 257, 835. 
Müller, K. 257, 833. 834. 
München 17. 58. 132, 278. 136, 

299. 165, 429. 260, 847. 283. 
Mulier 147, 359. 196, 565. 566. 
Multscher 26. 43. 50, 13 — 52, 

1 7. 87, 104. 105. 286. 
Mundbrod 12. 

Murano, Schule von 186, 514. 
Murant 98, 138. 
Murillo 158, 408. 162, 419. 423. 
424. 

N 

Nahl 257, 836. 

Neal 214, 665. 

Neapel 165, 429. 181, 493. 

Neefs 150, 377. 378. 

Neer 113, 203. 126, 255. 256. 

Negreti (Palma) 167, 435. 173, 

461—174, 463. 179, 484. 485. 

182, 495. 
Neher 19. 24. 30. 257, 837—258, 

838. 882. 883. 
Nelson 160, 415. 
Netscher 126, 257. 258. 
Neuburger 37. 
Neyts 134, 289. 



Niederländische Schule 92, 117. 

94, 119. 121. 122. 123. 108, 

184. 151, 382. 
Niederrheinische Schule des 16. 

Jahrhunderts 92, 115. 116. 

95 123. 
Nörd'lingen 86, 99. 
Nooms 138, 310. 312. 139, 314. 
Nürnberg 98, 139. 
Nürtingen 10. 19. 72, 78. 
Nürtinger Altar 72, 78. 

O 

— O — S (Monogrammist) 109, 

188. 189. 
Oberdeutsche Schule 51, 15. 16. 

78, 89. 79, 91. 92. 
Oberitalienische Schule 185, 509. 

510. 511. 188, 525. 206, 626 

bis 629. 

Oberschwäbische Schule 72, 78 
bis 80b. 80, 93. 

Oberstadion 39. 57, 29 a. 58, 29 b. 

Octavius, Prinz von England 
155, 396. 160, 415. 

Oelenhainz 258, 839. 

Oettingen 68, 69. 

Oettingen -Wallerstein (Samm- 
lung) 17. 

Oldenburg 104, 163. 

Olga, Königin 30. 35. 282. 

Orbetto 201, 591—202, 595. 

Orient 118, 223. 224. 

Orley 89, 110. 90, 112. 95, 123. 

Ortolano 179, 482. 

Osiander 8. 

Ossenbeck 127, 259. 

Ostade, A. 123, 244. 127, 260. 
137, 303. 

Ostade, I. 127, 260. 

Ostendorfer 38. 45, 1. 

Oswald 52, 18. 

Otterstedt 39. 258, 839 a. 839b. 
285. 

Ottesen de Man 123, 242. 
Oxford 193, 548. 



300 



Namen -Verzeichnis. 



P 

Padovanino 202, 596—601. 

Padua 172, 454. 

Palamedesz 109, 186. 187. 114, 

208. 127, 261. 
Palma, Antonio 174, 464. 
Palma, Giovane 181, 490. 
Palma, Vecchio 167, 435. 173, 

461 — 174, 463. 179, 484. 

485. 182, 495. 
Pankok 36. 39. 55, 25. 56, 28. 

29. 155, 395. 258, 839 c. 
Paolo Veneziano 175, 465. 
Paolo Veronese 24. 103, 162. 

168, 440. 178, 475. 476. 182, 

497—183, 502. 
Paris 106, 171. 151, 385. 157, 

402. 158, 409. 161, 418. 165, 

429. 171, 452. 184, 503. 185, 

510. 187, 517. 
Pasqualino 186, 512. 
Pedrini 184, 504. 
Peeters, Bon. 139, 313. 315. 
Pencz 9. 52, 19. 
Penni 173, 458. 176, 466. 
Pensaben 165, 429. 
Perrault 214, 666. 
Perugino 176, 467. 468. 177, 469. 
Peters, Anna 259, 842. 
Peters, P. Fr. 259, 840. 841. 
Petersburg 99, 141. 104, 163. 

132, 280. 181, 493. 494. 
Pflug 259, 843. 260, 844. 845. 
Pflumer 79, 90. 
Piazzetta 136, 299. 300. 
Pickenoy (Eliasz) 136, 298. 
Pieneman 215, 667. 
Pietrino 184, 504. 
Pieve di Sacco 174, 465. 
Piloty 260, 846. 847. 
Piola 196, 567. 

Piombo 166, 430. 169, 447. 170, 

449. 179, 482. 
Pippi 178, 478. 179, 482 a. 
Pissarro 39. 215, 668. 



Pitati, Bonifazio 24. 167, 433 

bis 168, 441. 180, 485—488. 

187, 517. 
Plattenberg 196, 563. 
Pleuer 38. 39. 261, 848— 848 b. 
Plock 261, 849. 
Poel, A. u. E. 127, 262. 
Poelenburgh 118,225. 119,227. 

127, 263. 
Poetzelberger 284. 
Polidoro 187, 519. 
Pommersfelden 29. 109, 188. 189. 
Ponte, Fr. da 177, 472. 178, 474. 
Ponte, Jacopo da 177, 471-178, 

477. 183, 500. 
Ponte, Leandro da 177, 470. 471. 
Pontormo 185, 508. 
Porcellis 138, 312. 
Pordenone 182, 496. 186, 515. 
Porta 163, 427. 
Portaeis 215, 669. 
Pourbus, Frans d. J. 102, 159. 

160. 103, 161. 162. 109, 188. 

189. 135, 294. 
Pourbus, Pieter d. Ae. 108, 183. 
Poussin, Gasp. 161, 417. 
Poussin, Nie. 158, 409. 206, 625. 
Pozzo Ferrato 168, 440. 
Prager Schule von 1385 80, 94. 
Preller 261, 850. 
Prete Genovese 199, 580—200, 

585 

Priuli'l77, 470. 

Procaccini 141,325. 197,568.569. 
Prugger 151, 382. 
Pseudobasaiti 166, 432. 
Putter 128, 264. 
Pynacker 138, 306. 307. 

Q 

Quellinus 110, 191. 

Querfurt 10. 133, 284. 285. 147, 

355-358. 
Questenberg 151, 384. 



Namen -Verzeichnis. 



301 



R 

Raeburn 37. 159, 409 a. 
Raffael 19. 173, 458. 178, 478 

bis 179, 482 a. 
Raibolini 172, 456. 
Ramberg 161, 415. 
Ranieri 159, 410. 
Ravensburg 283. 
Ravensburger Schule 62, 44. 45. 

86, 100. 
Rebmann 75, 80 c. 
Regensburger Schule 45, 1 . 83, 95. 
Regillo 182, 496. 186, 515. 
Regnier 159, 410. 
Reinbeck 37. 262, 851. 852. 
Reinhard von Mühlhausen 80, 94. 
Reinhart 262, 853. 
Reiniger, E. 262, 854. 
Reiniger, O. 40. 262, 855—263, 

856 a. 
Reischach 37. 

Rembrandt 12. 22. (2). 29. 103, 
161. 113, 206. 121, 236. 237. 
128, 265. 266. 129, 267. 130, 
271. 

Reni, Guido 11. 197, 570—573. 

199, 579. 204, 609. 611. 205, 621 . 
Renieri 159, 410. 
Renz 53, 21. 
Rethel 263, 857. 
Retü 142, 333. 
Reynolds 38. 159, 410a. 
Ribera 156, 399. 162, 422. 
Ribot 37. 215, 669 a. 
Ricci 198, 574. 199, 578. 
Richmond 104, 163. 
Riedel 263, 858. 
Riedmüller 263, 859. 860. 
Risstissen 87, 104. 
Rist 264, 861. 862. 
Ritter 282. 
Rizzoni 216, 670. 
Robusti, Dom. 181, 490. 491. 
Robusti, Jac. 24. 169, 444. 180, 

488. 181, 490. 491. 206, 627. 



Roche 39. 216, 671. 

Roeder (Sammlung) 11. 12. 

Röselig 132, 277. 

„Roevink" 120, 233. 

Roger v. d. Weyden 22. 89, 111. 

92, 117. 
Roggenburg 77, 84. 
Rohmann 282. 

Rom 172, 454. 181, 494. 191, 539. 

195, 557. 199, 579. 
Romanino 168, 439. 
Romano, Giulio 178, 478. 179, 

482 a. 
Rombouts 131, 273. 
Rondinelli 166, 431. 179, 483. 
Roos, J. H. 147, 359. 360. 148, 

361. 362. 
Roos, Ph. P. (Rosa di Tivoli) 

147 359. 
Roos/j. M. 148, 363. 364. 
Rosa, Salv. 139, 316. 140, 317. 

153, 392. 198, 575. 576. 
Rosso 185, 507. 
Rotengatter 53, 20. 
Rotius 121, 234. 
Rottenburg 52, 17. 73, 80 c. 
Rottenhammer 99, 145. 148, 365. 
Rottmann 264, 863. 864. 
Rottweil 50, 13. 

Rubens 100, 147. 101, 154. 104, 

163-168. 109, 190. 
Rugendas 7. 148, 366. 149, 367 

bis 369. 
Russ 264, 865. 

Rüstige 24. 28. 32. 37. 265, 866 

bis 868. 
Rutz 37. 

Ruysdael 22. 114, 209. 129, 268. 

Ruyten 216, 672. 

Ryckaert 124, 246. 

Ryn, Rembrandt v. 12. 22 (2). 
29. 103, 161. 113, 206. 121, 
236. 237. 128, 265. 266. 129, 
267. 130, 271. 

Rysbrack 131, 273. 



302 



Namen -Verzeichnis. 



S 

Saftleven 118, 223. 224. 
Salem 84, 95a. 

Salvi 157, 404. 158, 405. 406. 

192, 543. 198, 577. 
Salviati 185, 507. 
Salzer 265, 869. 
Sandrart 8. 

Santa Croce 173, 461. 179, 484. 

485. 186, 514. 
Santi, Raffaello 19. 173, 458. 178, 

478-179, 482. 
Sarto 22. 170,450. 184,506. 185, 

508. 

Saskia 121, 237. 

Sassoferrato 157, 404. 158, 405. 

406. 192, 543. 198, 577. 
Savery 125, 252. 
Savoldo 206, 628. 
Savona 197, 572. 
Scala 68, 69. 
Scernier 93, 119. 
Schäuf feiein 39. 56, 26 -29. 76, 82. 
Schaffner 26. 28. 32.39. 53,20 

bis 27. 78, 90. 80, 93. 
Schalcken 137, 302. 
Schaumann 265, 870. 
Scheits 116, 218. 
Scheler 37. 53, 20-23. 
Schellincx 98, 137. 134, 287. 
Schenck von Limpurg 68, 69. 
Schendel 216, 673. 
Schernier 93, 119. 
Schiavone 180, 486. 487. 183, 506. 
Schick 19. 20. 266, 871—876. 
Schickhardt 267, 877. 
Schidone 192, 547. 199, 578. 
Schirmer 267, 878. 
Schleich, Ed. 267, 879. 268, 880. 
Schieissheim 107, 179. 
Schmidt, K. 268, 881. 
Schmidt, M. 282. 
Schmidt, Th. 268, 882. 
Schmidt, W. H. 216, 674. 
Schnizer 268, 883. 



Schnorr 268, 884. 
Schönbornsche Sammlung 29. 
Schönleber 40. 269, 885. 886. 
Schöpfer 82, 95. 
Schongauer 29. 30-32. 77, 84. 

85. 85, 98. 72, 78. 
Schotel 217, 675. 
Schott 269, 887. 
Schräder 269, 888. 
Schubart 258, 839. 
Schuch 38, 39. 270, 888a. 888b. 
Schüchlin 26. 35. 57, 29a. 66, 

53—60. 75, 80 c. 287. 
Schütz, Chr. G. 149, 370. 371. 
Schüz 40. 270, 890. 890 a. 
Schultheiss 270, 889. 
Schulz 37. 
Schwabsberg 79, 90. 
Schwäbische Schule 78, 90. 83, 

95 a. 85, 96. 97. 98. 86, 99 

bis 102. 
Schweizer Schule 71, 77. 
Schwerin 98, 140. 
Schwind 38. 271, 890 b. 
Schwinghammer 36. 
Scorel 185, 510. 
Sebastiano delPiombo 166, 430. 

169, 447. 170, 449. 179, 482. 
Sedelmeyer 106, 171. 
Seeger 37. 
Seele 15. 
Seiffert 282. 

Seisenegger 50, 12. 286. 
Serinaita 174, 464. 
Sesto 184, 504. 206, 626. 
Seybold 140, 320. 321. 149, 372 

bis 150, 376. 
Shakespeare 269, 888. 
Sick 37. 

Siddons, Sarah 160, 415. 
Siegle 38. 
Sieglin 37. 

Sigmaringen 58, 29 b. 174, 465. 
Sigmaringen, Meister von 77, 

84—88. 86, 100. 
Simanowiz 271, 891. 



Namen -Verzeichnis. 



303 



Sirani 199, 579. 
Slevogt 39. 272, 891a. 
Smit 138, 310. 
Snyders 99, 141. 109, 190. 
Sogliani 176, 466. 
Solario 186, 513. 
Solitude 14. 
Sontheimer 37. 
Soutman 104, 165. 
Spagnoletto 156, 399. 162, 422. 
Spanische Schule 162, 419-426. 
Sperl 37. 272, 891 b. 
Speyer 40. 272, 892. 
Spitzweg 273, 893-895. 
Spranger 91, 113. 205, 615. 287. 
Spreeuwen 115, 213. 
Stadler 39. 273, 895a. 
Staelbemt 109, 190. 288. 
Stain 54, 24. 79, 90. 
Starker 40. 273, 896. 
Steen 124, 245. 

Steenwyck 105, 169. 107, 179. 

110, 192. 111, 193. 141, 325. 
Stein 54, 24. 79, 90. 
Steinkopf, G. Fr. 274, 898. 899. 
Steinkopf, J. Fr. 17. 37. 273, 897. 
Steinte 283, 2. 
Steppes 38. 274, 899 a. 
Sterzing 50, 13. 
Stetten 13. 

Stevaerts 109, 186. 187. 127, 261. 

Stevens 217, 676. 

Stimmer 77, 83. 

Stirnbrand 37. 274, 900—275, 902. 

Stocker, Daniel 284. 

Stocker, Jörg 39. 43. 57, 29a. 

29b. 77, 84. 86, 101. 87, 106. 

287. 
Stöckler 282. 

Stöcklin 107, 179. 150, 377. 378. 
Stohl 282. 
Stos 37. 

Straschiripka (Canon) 37. 228, 

719. 719a. 
Strecker 20 '(2). 24. 275, 903. 
Strigel, Bern. 26. 32. 59 u. 60, 



30-38. 61, 39—43. 77, 84. 
88, 107. 

Strigel, Claus Wolf 72, 78 bis 

73, 80 b. 
Ströhn 37. 

Strozzi 199, 580 200, 585. 
Stuck 39. 275, 903 a. 904. 905. 
Stuttgart 1. 2. 3. 4. 5. 11. 12. 

14. 16. 17. 18. 29. 32. 33. 

61, 43. 283. 
Sueur, Le 157, 403. 
„Suter" 140, 321. 
Swan 37. 217, 676 a. 
Swanevelt 126, 254. 
Sweerts 136, 299. 300. 
Szathmari 282. 



T 

Tagbrecht 62, 44. 45. 
Tanner 15. 
Tassi 125, 253. 
„Taverna" 128, 264. 
Temmel 19. 178, 479. 
Tempesta 7. 8. 147, 359. 196, 

565. 566. 
Teniers, A. 106, 170. 
Teniers, D. II. 7. 106, 170 bis 

174. 109, 186. 187. 135, 296. 

297. 137, 303. 304. 162, 419. 
Ter Borch, Ger. 129, 269. 
Ter Borch, Gesina 130, 269. 
Ter Meulen 217, 677. 
Tessin 39. 64, 48 a. 
Tettikofen, David und Afra 46, 

1 a und 2. 
Thaulow 217, 678. 
Theodorich von Prag 80, 94. 
Theotocopuli 24. 180, 488. 489. 
Therbusch 150, 379. 
Thoma 39. 276, 906. 907. 
Thorwaldsen 16. 18. 282. 284. 
Thouret 18. 
Thys 101, 152. 153. 
Tiefenbronn 57, 29 a. 85, 96. 
Tielemans 218, 679. 



304 



Namen -Verzeichnis. 



Tiepolo, Giov. Batt. 200, 586 

bis 201, 590. 
Tiepolo, Giov. Dom. 37. 201, 

590 a. 

Tiesenhausen 276, 908. 

Tilborch 137, 304. 

Tillemans 218, 679. 

Tinelli 186, 511. 

Tintoretto, Dom. 181, 490. 491. 

Tintoretto, Jac. 24. 169, 444. 180, 

488. 181, 490. 491. 206, 627. 
Tisi 172, 457. 173, 458. 203, 607. 
Tizian 22. 181,492-494. 183, 

502. 186, 516. 187, 517. 519. 

521. 523. 524. 205, 615. 206, 

630. 

Toledo 166, 430. 

Torbido 168, 437. 438. 182, 495. 

„Toretto" 7. 

Tori (Bronzino) 169, 449. 185, 
508. 

Treu, Kath. 150, 380. 288. 
Treviso 168, 440. 
Troy 160, 411. 412. 
Trübner 39. 276, 909. 909 a. 
Tübingen 10. 34. 284. 
Turchi 201, 591-202, 595. 



U 



Uden 106, 175. 176. 

Uhde 31. 38. 39. 277, 910. 910a. 

910b. 
Uhland 248, 798. 
Ulm 34. 53, 20—23. 58. 63, 46. 

66, 53-60. 80, 93. 87, 106. 287. 
Ulmer Schule 49, 8. 9. 52, 17. 

61, 39—43. 72, 78—73, 80 b. 

77 84-78, 88. 79, 92. 80, 93. 

87, 104. 105. 106. 88, 107. 92, 

117. 95, 122. 
Ungelter 80, 93. 
Untergröningen 69, 69. 
Urach 10. 

Urspring 61, 41. 42. 63, 47. 48. 
Uttewael 89, 109. 



Vanni 201, 592. 

Vanucci 176, 467. 468. 177, 469. 

Varotari 182, 496. 202,596—601. 

Vecchia, Pietro della 172, 454. 
203, 602. 

Vecellio, Fr. 186, 516. 

Vecellio, Tiz. 22. 1 8 1, 492 bis 
494. 183, 502. 186, 516. 187, 
517. 519. 520. 521. 523. 524. 

205, 615. 206, 630. 

Veen (Vaenius) 103, 162. 108, 

184. 185. 
Velazquez 22. 162, 419. 421. 

195 557 
Velde! A. v. d. 133, 286. 138, 

312. 143, 338. 
Venedig 168, 439. 174, 462. 174, 

465. 181, 492. 190, 534-538. 

193, 548-550. 195, 558-561. 

196, 564. 
Veneto, Bartolommeo 164, 428. 

165, 429. 
Venezianische Schule 173, 460. 

183, 502. 186, 512-187, 524. 

202, 599. 205, 615. 206, 627. 

206, 630-207, 632. 
Veneziano, Paolo 175, 465. 
Vercuylen 135, 296. 297. 
Verendael 142, 328. 
Verhoeff 127, 261. 

Vermeer v. Delft 136, 299. 300. 
Vermeer v. Haarlem 129, 268. 
Vermeersch 218, 680. 
Vermoelen 107, 177. 
Vernet, J. 138, 308. 309. 160, 

413, 414. 
Veronese, Paolo 24. 103, 162. 

168, 440. 178, 475. 476. 182, 

497 — 183, 502. 
Veronesische Schule 185, 509. 
Verschuring, H. 130, 270. 
Verschuring, W. 130, 270. 
Verschuur 218, 681. 682. 
Verspronck 130, 271. 135, 295. 



Namen -Verzeichnis. 



305 



Vervloet 218, 683. 

„Verysell" 6 101, 154. 

Vicenza 174, 465. 

Victors 130, 272. 

Vigeri 117, 219. 

Villegas 219, 684. 

Vinci 184, 503. 504. 206, 626. 

Vinckeboons 97, 136. 102, 158. 

107, 178. 110. 191. 
Vischer 22. 37. 
Vivarini, Bart. 186, 514. 
Vlämische Schule 108, 181—184. 

109, 185-190. 110, 191. 192. 

134, 291. 135, 292—294. 137, 

304. 151, 382—384. 161, 417. 

185, 510. 207, 631. 632. 
Volkmann 277, 911. 
Vollenhoven 137, 302. 
Voltz 277, 912. 
„Vos" 86, 101. 102. 103. 
Vos, Com. de 103, 160. 109, 188. 

189. 

Vos, M. de 181, 490. 
Vos, S. de 99, 142. 143. 288. 
Vrancx 97, 136. 102, 157. 
Vredeman de Vries 107, 179. 
Vries, Abr. de 125, 251. 
Vries, Roelof v. 131, 273. 
Vries, Vredeman de 107, 179. 
Vuillard 39. 219, 684 a. 

W 

C W (Monogrammist) 19. 32. 39. 

43. 72, 78 -80b. 80, 93. 86, 

101-103. 
Waechter 16. 17. 19. 20. 37. 271, 

891. 278, 913 — 280, 930. 
Wagner, Th. 284. 
Wald 79, 90. 
Waldbott 98, 140. 
Wangenheim 37. 
Warschau 166, 430. 
Waterloo 122, 238. 
Wechtlin 72, 78—73, 80b. 
Weenix, Jan 131, 275. 132, 276. 

277. 



Weenix, Jan Baptist 131, 274. 275. 

Weiltingen 10. 

Weimar 164, 427. 283. 

Weinsberg 69. 

Weirotter 151, 381. 

Weissbrod 8. 10. 

Weizsäcker 31. 44. 

Welser 80, 93. 

Werft 8. 132, 278-280. 

Werner, A. von 280, 931. 

Werner, K. 282. 

Wet 132, 281. 

Weyden, Roger v. d. 22. 89, 111. 
92, 117. 

Wheatley 161, 415. 

Wien 11. 98, 140. 103, 162. 133, 
285. 136, 299. 172, 454. 177, 
470. 472. 178, 474. 182, 496 
183, 501. 185, 510. 199, 578. 
580. 204, 607. 

Wildenstein 76, 81. 82 a. 

Wilhelm v. Bayern 135, 294. 

Wilhelm I , König von Württem- 
berg 15. 19. 21. 22. 
j Wilhelm IL, König von Württem- 
berg 32. 38. 75, 81. 154, 395. 
155, 396. 160, 415. 233, 738a. 

Willaerts 125, 253 

William Henry, Prinz von Eng- 
land 161, 415. 

Windmaier 280, 932. 

Windsor Castle 155, 396. 

Winnental 10. 

Wolf egg 76, 82 a. 

Wolff 40. 280, 932 a. 

Wouwerman, Jan 134, 289 

Wouwerman, Philipp 133, 282 
bis 134, 288. 

Wouwerman, Pieter 134, 287. 288. 

Wüst 280, 933. 934. 

Wurmlingen 52, 17. 

Wyck 134, 290. 

Wynants 134, 289. 

X 

Xeller 24. 

20 



306 



Namen - Verzeichnis. 



Ykens 108, 180. 



Zampieri 171,453. 191,540. 192, 

543. 194, 555. 197, 572. 
Zanotto 23. 43. 
Zanth 18. 

Zeeman 138, 310. 312. 139, 314. 
Zeitblom 22. 26. 28. 32. 39. 49, 

10. 11. 50, 13. 61,39-43.63, 

46-70, 71. 77, 84-78, 88. 

87, 106. 287. 
Zelotti 183, 501. 184, 505 204, 

610. 



Ziller 37. 

Zimmermann, A. 281, 935. 
Zimmermann, E. 281, 936. 
Zimmern, Graf Gotfried Werrner 

von 76, 82 a. 
Zollern-Nellenburg, Rosine v/on 

79, 90. 
Zorn, G. 281, 937. 
Zuccarelli 203, 603-606. 
Zuccaro 203, 607. 
Zügel 38. 281, 938. 939. 939)a. 
Zuloaga 39. 219, 685. 
Zurbaran 162, 425. 205, 620.. 
Zürcher 282. 
Zwingli 89, 110. 



62-5203